Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 13-14 (November 1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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von Budapest sehen. Die Gemeindeleitung aber hält ihn für „eine zu unruhige JSFatur44. (Büchler, Geschichte des Budapester Judentumes.) Freilich war er eine „unruhige Natur44, die nicht in wohliger Behaglichkeit dahinleben konnte, wie seine Standesgenossen, wenn er die Zerrüttung in Israel und die Verwüstung des Landes der Väter sah. In Budapest veröffentlichte er noch „Wissenschaft, Religion, eine jpro und contra Beleuchtung des Materialismus, Darwin. Haeckel, Büchner etc.4w (1876) und mit Holländer die deutsche Übersetzung von Schir haschirim (Buda 1871). Ergreifend ist die Verherrlichung des Weibes in seinem Buche „Das erhabene Frauenlob44 (Budapest 1876). Außerdem begann er mit dem Bischof Josef Paux ein hebräisch-italienisch - französisches Wörterbuch „Polyglotte44 herauszugeben, von welchem bloß der Buchstabe A erschienen ist. Seine Lebenssonne ging Unter schweren Wolken unter. Zu seinem Halsleiden gesellte sich noch eine Trübung seines Augenlichtes. „Er wollte des Galuths Ende erschauen, da trübte sich sein Augenlicht44 Wie es der Talmud vom Erzvater Jakob erzählt. Er verlebte iseine letzten Jahre in der Abgeschiedenheit in Bätor, von seiner Familie abgöttisch verehrt! und starb am 25. November 1892V Sein Grabstein enthält eine kurze schwermütige von ihm selbst verfaßte Inschrift. Es mußte etwas Bezwingendes, die Macht der Wahrheit und des Idealismus in den Worten und im Wesen des Rabbiners der bescheideneren Judengemeinde in Ungarn gelegen sein, daß er solch achtungsvolles Gehör am Hofe des Sultans finden konnte, daß man in allen Synagogen Konstantinopels für ihn gebetet hat, als die Nachricht von seiner Erkrankung bekannt geworden ist. Seine Begeisterung und Opferfreudigkeit standen sicherlich in keinem Verhältnisse zur Größe seiner Aufgabe. Auch waren dazumal ja schon Mächtigere als er, an dem Werke der Wiedergeburt Palästinas (tätig, darunter hatte ein anderer aus der alten Preßburger Schule, Albert Cohn-Paris schon die Umschichtung vom Handelsstande teum Ackerbau in Palästina begonnen. Aber mehr als diese hatte Josef Natonek das Beispiel des Messirat hanefesch gegeben, welches zur Erlösung eines Volkes mehr als Macht und Geld erforderlich ist, dieser Rabbi, der zu „unruhiger Natur4, ist, um in dem von ihm! erkannten psychologischen Momente der Geschichte das Land der Verheißung in andere Hände übergehen zu sehen. Der Scheinwerfer cfe*s Forschers läßt seine Vergessene Gestalt wieder auf leuchten. Sein Andenken wird einst unter den ersten Pfadfindern Zions in Ehren genannt werden. Uns ist er noch mehr. Sein profundes Wissen, seine selbstvergessene Liebe zur Thora und zum heiligen Lande, sie sind geschöpft aus unserer von altersher wohlberühmten Heilquelle, aus dem Brunnen, den die Philister immer wieder vergebens zu Verstopfen gesucht haben. * 3