Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 25)
- Language
- German
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23 ziehen, auch von seinen religionsgesetzlichen Ansichten gewinnen. Einige charakteristische Momente sollen im folgenden zusammengestellt werden, Der Mittelpunkt seiner religiösen Lehre ist der Gedanke von der absoluten Unkörperlichkeit Gottes. Alle Bibelstellen, die irgendwelchen Anlaß zu einer anthropomorphistischen Vorstellung von Gott geben könnten, deutet er allegorisch und nimmt, talmudisch gesprochen, in solchen Fällen an „die Tora rede in der Sprache der Menschen". Sehr ausführlich handielt er auch von der Einheit Gottes. Wie Karkassani berichtet, leugnet er die Existenz von Engeln als lebenden Wesen, die zur Übermittlung der Befehle Gottes an die Menschen dienen, und behauptet, daß als ,.Engel" diejenigen Wesen (d. h. Naturkräfte) bezeichnet werden, deren sich Gott als Werkzeug für seine Taten bedient. Es ist möglich, daß er bei dieser Lehre unter sadduzäischem Einfluß steht, da auch von den Sadduzäern berichtet wird, daß sie die Existenz von Engeln leugneten. Auch sonst weisen seine Anschauungen vielfach eine Übereinstimmung mit sadduzäischen Lehren auf, wie denn auch ibn Esra in der oben angeführten Stelle die karäischen Exegeten überhaupt als Sadduzäer bezeichnet, wie ferner schon Karkassani einen Zusammenhang der Karäer mit den Sadduzäern annimmt und verschiedene moderne Forscher (Geiger, Holdheim, Harkavy) ebenfalls einen solchen Zusammenhang behaupten. Manche der Ausführungen al-Kumisis werfen auch ein Licht auf die von Schechter herausgegebene sadduzäische Schrift. Er spricht ferner vom messianischen Zeitalter, dem jüngsten Gericht und der Vergeltung der menschlichen Handlungen. Während in dieser Welt, dem ,,Hause der Taten" (Bet ha-maasse) vielfach die Gerechten leiden und die Sünder sich des Wohlergehens erfreuen, werde in der zukünftigen Welt „dlem Hause der Vergeltung1* (Bet ha-tagmul) einem jeden aach seinen Taten vergolten werden. Trotz der Hinneigung zum Rationalismus, die sich in seinen Anschauungen bemerkbar macht, bekämpft al- Kumisi die Mutakallimun, d. h. die philosophisch beeinflußten islamischen Dogmatiker, und will als einzige Quelle alles Wissens die Tora betrachtet sehen. Aus seinen Kommentaren stammen ohne Zweifel einige bei Jehuda Hadassi erwähnte Legenden, z. B. über den Aufenthalt der Juden in Ägypten (Hadlassi, Eschkol ha-Kofer Alphabet 126, Nun.) und die Sage, daß es im Lande Edom einen Vogel gebe, d!er ohne Ruhe ständig hin- und herfliege und der in Hiob 39, 26 gemeint sei. (Hadassi, Alphabet 373 Bet.) Während al-Kumisi in seinen religiös-philosophischen Ansichten dem Rationalismus zuneigt, lehnt er auf religionsgesetzlichem Gebiet, wie Kar kassani berichtet, die Anwendung von Vernunftschlüssen durchaus ab. Erst recht läßt er keine allegorische Deutung der biblischen Gesetze zu, und sucht sich überall streng an den Wortlaut des Textes zu halten. So faßt er auch das Verbot, das Böcklein in der Milch seiner Mutter zu kochen, wörtlich auf, während Anan es mit Hilfe etymologischer Wortspiele allegorisch deutet. Dagegen stimmt er mit Anan und den Häuptern anderer damaliger