Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
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Daniel al-Kumisi bekannten Werke der jüdischen Bibelerklärung sind und vor denen des ersten rabbanitischen Kommentators, des Gaons Saadja, liegen. Seine Kommentare sind ebenso wie die Werke des Benjamin Nahawendi in hebräischer Sprache verfaßt, während vor ihm Anan sich des Aramäischen bediente und die späteren karäischen Autoren meist arabisch schrieben. Allerdings wirft ihm Saadja mit Recht seine mangelhafte Beherrschung der hebräischen Sprache vor. Dieser Fehler erklärt sich wohl durch al-Kumisis Herkunft aus einem Lande, in dlem das Hebräische nicht so verbreitet war wie in Palästina, Babylonien und Nordafrika. Bezeichnend für seinen ungelenken Stil sind einige immer wiederkehrende Redewendungen, wie die Anknüpfungsformeln ,,er sa^te", „er erklärte"« „er schrieb" usw. Gern bedient er sich bestimmter Gegensatzpaare, um irgendeine Gesamtheit zu bezeichnen, wie etwa „reich und arm", „groß und klein", „Herr und Knecht" als Bezeichnung für alle Menschen. In den Kommentaren al-Kumisis ist deutlich der Einfluß der midraschisehen Literatur zu spüren, dem er sich ebensowenig wie andere karäische Autoren (vgl. oben, Seite 2} ganz entziehen konnte, so sehr sie auch die rabbanitische Tradition bekämpften. Auch grammatische Literatur, die er freilich niemals erwähnt, scheint auf ihn eingewirkt zu haben. Wiederholt bezieht er sich auf exegetische Vorgänger in Wendungen wie: „manche sagen", „es gibt auch eine andere Deutung" u. dgl. Es scheinen ihm somit exegetische Schriften vorgelegen zu haben, wenn er auch nie die Träger der abweichendien Meinungen nennt. Er liebt es, manche in dem zu erklärenden Text vorkommenden Ausdrücke aus anderen Bibelstellen zu belegen, teils um sie nach ihrem einfachen Sinn zu erklären, teils um seine religiös-philosophischen Betrachtungen darauf zu stützen. Zuweilen führt er auch die arabische oder persische Übersetzung der zu erklärenden biblischen Worte an. Die exegetischen Werke al-Kumisis sind keine Kommentare im üblichen Sinne, da sie den biblischen Text nicht fortlaufend erläutern, sondern sich damit begnügen, einzelne Verse kurz auszulegen, und daran ausführliche Exkurse über religiöse und philosophische Fragen knüpfen» Dabei tragen sie einen ausgesprochenen polemischen Charakter. Schon in dem Bestreben, seine Worterklärung oder seine Auffassung religiöser Gedanken gegen mögliche Angriffe zu sichern, ist dieser polemische Zug zu spüren. Darüber hinaus aber enthalten seine Kommentare zahlreiche direkte Ausfälle, sowohl gegen die Rabbaniten wie gegen Ketzer und Sektierer. Seine Angriffe richten sich u. a. gegen einen Mann, dessen Namen er nicht nennt, der aber nach den gegen ihn erhobenen Vorwürfen kein anderer sein kann als der obenerwähnte Ketzer Chiwi ha-Balchi. Wir können so aus seinen Kommentaren ein deutliches Bi*d von den religiösen Anschauungen al- Kumisis und1 wenn wir die Fragmente seines Buchs der Gesetze mit heran-