Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 47 (24.12.1920)
- Date
- 1920-12-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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rite S M. 47. Neue ^Füdifihe Presse. Se . Car!Grebenau - Job. Wohack Nachf. amtL beeidigter Taxator. Gegr. 1798. Tel. H. 913 u. 6069. Kaisers trasse 1. Jumlen, Uhren, Sold- und Sllfeerurarnn JgraeL Knllnsgegenst&nde für Synagoge n. Hausgebrauch OTT* Aoawahlaendang gerne za Dienet«. Michtsteuer im Sinne des § 163 deS Schulchan Aruch, Choschen Mischpot zu leisten. In besonderen Fällen — hohe Kinderzahl, Krankheit etc. — kann die Gemeinde- Verwaltung auf Antrag Steuerermäßigung gewähren. Die Generalversammlung beauftragt Vorstand und Ausschuß, bis spätestens $0. Juni 1321,eine au ßerordentliche Generalversammlung einznbrrnfen, in der 1) über das Ergebnis der Finanzgebahrung, insbesondere über das Steueraufkommen zu berichten ist, 2) der Entwurf einer neuen Satzung porzulegen ist. Der Entwurf soll neben dem zu einer Körperschaft zu vereinigenden- Vorstand und Ausschuß die Schaffung eines zweiten Gemeindeorgans oorsehen." Kleine Rntizen. In der hebräischen Sprachschule beginnt ein Ansängerkurs für Erwachsene. Anmeldungen sind mündlich oder schriftlich an das Sekretariat Nnterlirchau 21 zu richten. Joses Fieber mann, Langcstraße 3, wurde mir der Noten Kreuz-Medaille ausgezeichnet. Samstag morgen 9% Uhr wird Rabbiner Dr. No bel in der Synagoge Börneplatz Wer die religiöse Bedeutung der Einheitsgemeinde sprechen. , Im Konservativ-Jüd. Gemeindeverein spricht am 29. Dezember abends 8Vi Hörsaal Gemeind5shnagoge Börneplatz Wilhelm Rosen Wer „Ziele und Aufgaben der jüdischen Jugend". Gäste - Dämon und Herren — willkommen. A. Hl. Thyssen Stets Eingang MT ■euheiten in Tnpeten Teppiche Läufer Verlagen . 20 Heue Malnzerstraase 20 Koke Wetaaffaaenatraaae, Telefon: Hansa 1784. In der JKd- Fraueuvereinigung findet der Bortrag „Prophetenwerr und Geseyesirhre" (Dr. Jos. Breuer) diesmal ausnahmsweise Samstag abend ü>/z statt. Personellen. tön: inhaltsreiches Leben hat mit dem im Alter von ~i> fahren verschiedenen Herrn Joses 2e:v:n seinen Abschluß gesunden. Bor etwa 20 Jahren zog er ans der Provinz Posen nach hier und stellte sich sogleich in den, Dienst 'der Religionsgesellschast. In der Kaschrns-Kom- -nrjsioil war er in aufopfernder Weise jür die Instandhaltung der religiösen Institutionen besorgt, mrd hier zeigte er anch seine Menschenliebe, indem er für die Jnlerejsen der dieser Kommcsjion unterstellten Beamten stets väterlich.sorgte. Roch »lehr als der Kaschrus-Koininission nidmeic er sich aber dem Bikur-Eyaulim-Verein, den. er seit dem Ableben von Hermann Lehmann s. A. verwaltete. Wie sehr ihm das Wohl und Webe dieses Vereins am Herzen lag, wissen alle diejenigen, die ihn durch eine Gabe jür „seinen" Birur-Chaulim-Berein erfreuten. Welcher Glanz lag über seinen Zügen, wenn es ihm durch sei wo Beredsamteir gelungen war, dem Verein ein: größere Spende zuzuführen, und mit welcher Freude erzählte er von den großen Summen, die er für die alljährlich zweimal statt findenden große» Verteilungen aufgebracht hatte! Letzten Freitag ist nun dieser unermüdlich sozial wirkende, bescheidene Mcurn neben seiner Frau, die ihm im Tode bereits vor einigen Jahren vorangegangen war, zur letzten Ruhe gebettet worden. An der Bahre gab Herr Rabbinats-Assesor Posen dem Schmerz der Gemeinde in beredten Worten Ausdruck. Lehrer Hirschberg ries den: Schwager iin Nckmen der Familie Worte des Abschiedes nach und Sanitätsrat Dr. H i r s ch drückte den Dank des Biknr-Chaulim-VereinS ans. Frankfurter Senmfteltengett. T a lmud-Th ora-B erein, Hörsaat (Börneplatz, Freitüg nach Mariw: Bortrag. Samstag, nach Schacharis: Hastoro (Dr. Rabin), 11: Schulchan Aruch*) (Unna), 3Vi: Raschi (Lipinski), nach Miticha: En Jaakauw (Unna), Sonntag, nach Schacharis: Mischna (Groß), 9V4: Schulchan Aruch (Lipinski), 9c/»: Gemoro*) (Unna), nach Mincha: Nemiim (Unna), 6(4: Die Gebete des ganzen Jahres (I. B. Levy)c) Dienstag, 6»/»: Mkro (Unna), Mttwoch nach Schacharis: Mschna (Groß), 6*/«: ChauwanS lewowaus (Dr. Braun), Donnerstag, 8: Genroro*) (Unna), Fortbildung für junge Leute» Montag, 8(4: Gemoro (Unna), Fortbildung für Knaben, Samstag, 3: Schulchan Aruch, Dienstag und Donnerstag, 5*/.: Mschna. Gemoro, Schiur für Damen» Sonntag, 5i/»: Tinim (Unna). Mekor Chajim, Freitag, nach Mariw: Mkro (Michael Kohn), Samstag, Hörsaal, l2: MeloÄim!Prof. Weyl). Jüd. Franc n ve re i n ignn g, Hörsaat Friedb. Anlage, Samstag, 6>/r: Prophetenwort und Gesetzeslehre (Dr. Jos. Breuer). ") Religionsschule Herwesweg 27. l; Anch für Damen. Lonöitorei und Caf6 Wilhelm Wendel AHegasse 6 Telefon Hanen «HM» Frankfurter Brenten u. Betmännche». Max Nordaus Selbftbiographie.*) Ich bin in Pest — damals gab es noch kein Buda-Pest — am 29. Juli 1849 mitten in dem Durcheinander des in den letzten Zügen liegenden ungarischen Frriheitskampfes geboren. Drei Monate vor meiner Geburt mußten meine Eltern aus ihrer Wohnung in Best'fliehen und in einer Art Bauernhütte Zuflucht suchen. Sie retteten sich vor den Bomben der Ofner Festung, die Pest beschoß, nach dem Stadtwäldchen, wo sie ganz schutzlos zwei schreckensvolle Nächte verbrachten. Meine JBtutter war damals von der Gefahr bedroht, daß ihre Schwangerschaft zu einem vorzeitigen Ende gelangen würde. Io fehlte cvenig und ich wurde ei» Opfer der politischen Ereignisse. Das Schicksal wollte es anders. Es mochte mir die Prüfungen und Verantwortlichkeiten des Lebens nicht ersparen. Meine Mutter, die ich am 2. Januar 1900 in ihrem 88. Lebensjahre verlor und die auf dem Pariser Friedhof Montparnasse begraben liegt, war eine geborene Rellin aus Riga. Mein Bater. More Morenu Haraw Rabbi Gabriel Ben Oser Ben Simcha Ben Mosche Ben Josses Südseld — den Namen Rordan führe ich gesetzlich reit dem 11. April 1874 — ist 1799 in Krotoschin, im Großherzogtnm Posen, geboren und 1872 in Budapest gestorben. Mein Bater war Rabbiner. Sein Diplom hatte er von den großen Rabbinern „Chawatb Daath" und Rabbi Akiba Eger erhalten, er übte aber sein Rabbineramt nicht aus. Vielmehr hatte er sich vorgesetzt, seinen Lebensunterhalt als Lehrer zu verdienen. So wurde er Erzieher im Hause des Prager Rabbiners R. Rappaport. alsdann beim Pretzburger Rabbiner Rabbi Mosche Safer und von dort fam er zur Familie Fischhof in Alt-Ofen. 'Der österreichische Politiker Dr. Adolf Fischhof war durch sechs Mhre fei» Schüler. Mein Vater war ein streng religiöser Jude, und von seinenr hebräischen und ralmudischen Wissen legen seine Bücher in hebräischer Sprache. Prosa und Berse Zeugnis ab. Er selbst gab mir den ersten hebräischen Unterricht und ich war noch nicht 9 Jahre alt, als er mit mir den Pentateuch zum erstenmal durchgenommen hatte. Zu Hause nannte er mich Simcha, und den Bornamen Max wendete man nur in Gegenwart von Fremden an. -Mein Bater war ein typischer Maskil (Aufgeklärter), persönlich durch und durch erfüllt vom Schulchan Aruch, wenngleich bereits mit einem Einschlag von Modernismus und *) Aus „Eine Gartenstadt für' Palästina". Festgabe zum 70. Geburtstag von Max Nordan. , FOrknnstfertige Ausführung Prämiiert Düsseldorf 1902 noderne Malerei feinen Anstrich u. Lackierung fahrt preiswert ans. -.— Ia. Referenzen. ■ »» W. BeoHter HochatraBse 59. Tel. H- 6866. Atelier Schäfergasse 15. SepphoriK u»d Nom. Ein historischer Roman «mS dem viert«, Jahrhundert. Bon SatzwtU Pitllppsotzn (Fortsetzung.) Doch Mirjam warf sich an die Brust Patrikas und Mang die Arme um seinen Nacken und rief flehend: „Bleibe bei mir, Patrika, verlaß mich nicht!" 4lber Patrika rief ihr zu: „Ich muß,., ich muß, teures Weib, meine Brüder rufen» ich'muß retten, wenn der Feind jetzt a nrückr, ist alles verloren!" Er -suchte sich ihrer Umarmung zu entwinden, aber sie umhalste ihn nur um so fester und flüsterte ihm zu:. „Patrika, .ich trage das Pfand deiner Liebe unter meinem Herzen, bleibe bei mir, verlaß mich nicht!" Schauern durchrieselten Patrika,. und er vermochte einen Augenblick nicht zu antworten. „Wie," stammelte er, .chiese Botschaft des Glückes in einem solchen Augenblicke! Mrjam, Mrjam . . ." und er drückte sie fester an seine Brust . . . Da rollte der Donner noch einmal unter ihren Füßen, da schwankte und stürzte iS von neuem um sie her, da -erhob sich wieder das Jammergeschrei und' stärker als zuvor der Schall der feindlichen Drommeten. „Amnon", rief Patrika, „Du bleibst bei Mirjan, und wachest über sie, ich weiß es. Mehr als über Dein eigenes Leben — ich muß fort, an jedem Augenblick hängt Leben oder Tod!" Er riß sich los, stellte sich'an die Spitze der zehn oder zwölf Männer, welche sich gesammelt hatten, und verließ das Kastell. ' Mühsam und nur langsam konnte er in die Stadt eindringen, und Lurch sie hindurch nach ü«r Außenwerke» gelangen. Aeb^rall verspeisten die Balken und Steine zusammenstürzender Häuser die Straßen; die Plätze waren durch.Menschenknäuel verstopft, immer mehr breitete sich Dnmelheit aus, dickte Staubwirbel beklemmten den Atem und verschleierten den Blick, ein feiner Aschenregen fiel herab, und begann die Schreitenden zu bedecken; hier, und da', brach eine Feuersäule aus den eingeststrzten Häusern hervor. ' v . , Schritt vor Schritt bahnte Patrika mit seinen Begleitern sich den Weg über die Trümmerhaufen und zahlreichen Leichen ErsMqgener, durch die Menschenhausen, die desinnnngslosdurchrinanderliesen. So gelangte er nach übermenschlicher Anstrengung zu dm. Außenwerken der Stadt, — und in welchem Zustande fand er sie! Die schon vorher erschütterte Mauer zeigte weite, klaffende Breschen. Patrika war unterwegs auf einen seiner Alarmbläser gestoßen, und dieser lieh jetzt sein Horn mit aller Kraft erschallen. Aber nur wenige Bewaffnete folgten dem Tone, welchem früher alle sreudig und mit Hast gehorcht hatten. Der jüdische Held stellte sich mit seiner Schar hinter dem größten und dem Feinde nächsten Mauerrisse aus, entschlossen den letzten Rest ihrer Kräfte zur Verteidigung oer unglücklichen Stadt zu verwenden. Siehe, da noch einmal unterirdischer Donner, noch einmal Zusammensturz. — — dann wird cs Ml umher, es war vorüber. . . . Die Muht war noch nicht angebrochen, da hellte sich der Himmelwieder auf; die Sonne sandte hinter einer glühenden Rosenwolke ihre letzten Strahlen vergoldend über die Höhen und die Ebme und die zerstörten Menschenwohimngen Hin. Ein linder Mud zerstreute die Wolke», daß der Mom- und die Sterne bald schinimernd am richten Himmelsgewölbe hervvrtraten. Als das furchtbare Erbeben der Erde, der schreckenvolle Aufruhr der Natur begonnen, hatte Ursicinns sofort sein Heer zur Schlachtordnung durch die Hörner und Tubas aufrusen lassen, die Zeltdächer und Laubhütten des Lagers waren teils eingestürzt, teils vom Sturmwinde fortgerissen worden. Auf dem weiten Blachfelde standen die vewaffneten Krieger in festgeschlossenen Gliedern aufmarschiert und erwarteten rMg, was da kommen werde. Sobald nun die Natur zu ihrer Ordnung und zur Ruhe zurückgekehrt schien und die Sonne ihren Scheidegruß der wieder beschwichttgtm Erde zusandte, erkannte der römische Feldherr all zu sehr den Vorteil, den ihnc das Geschick über dm hartnäckigm Feind gab. und er ließ alsbald zum Angrisi schreiten. Bon allen 'Seiten drangen die Römer über die niedergestürzte Mauer in die Stadt ein. Patrika warf sich entschlossen mit seiner Schar dem Feinde entgegen, aber bald war er umzingelt, ein Wurfspieß lähmte seine Linke, ein Schwertschlag spaltete seinen Helm und warf ihn bewußtlos nieder. Ueber seinen und der Seinigen Körper hielt das römische Heer seinen Einzug in die verwüstete Stadt und ihren namenlosen Jammer, und traf nur noch ans wehrlose Menschen, für die das Schwert nur den Tod, die Fesseln den Beginn einer langen Knechtschaft bereit hattm. Als Amnon das Heranrücken des Feindes gewahrte, führte er. Mirjam in den Turm, zurück, um in.den unterirdischen Gang hinunterzusteigen. In dem Gemache suchte er d« Spuren der Oefsnung so viel wie möglich zu beseitigen, und versenkte sich nun in die Tiefe des Ganges. Er ivollte bis an das äußerste Ende desselben vorrncken, um vom Feinde so weit es nur ging, entfernt zu sein und bei nahender Gefahr den Ausgang leicht erreichen zu können. Aber kamn hatte er einige hundert Schritte zurückgelegt, so sand er das Gewölbe cingestürzt. Was die Jahrhunderte nicht vermocht, hatte das Erdbeben in wenige» Augenblicken vollbracht. Er fand sich eingeschlossen, ge-, bannt in den Schoß der Erde, «in dunkles, stillt Grab für Lebende. . . . Aber Amnon durfte der Berzweifülng; die sich seiner Seele bemächtigen wollte, keinen Raum gestatten. Er hob die ohnmächtige Mirjam auf, und wandte sich nach einer der Seitenhöhlen, die durch die Fürsorge Patrika's mit allerlei Vorräten versehen war. Hier mußten sie verweilen, so lange der Feind sie nicht aufgefundeu oder die dichte, dumpfe Luft es gestatte» würde. Das war das Ende von Sepphoris. Das letzte Stück Erde, das dm Söhne Israels auf diesem Erdball das ihrige genannt hatten, war ein Trümmerhaufen, ein Dlfenthall für Schakale geworden. Jahrhunderte vergingen, bis einige elende Beduinen aus den Trümmern Säine entnahmen, um am Fuße des Berges ein armseliges Dorf zu erbauen. Zweiter Teil. Rom. Rom, nicht Deine zerfallenen Trümmer, nicht Dein himmelanstrebender Dom, nicht Deine Stadt mit dem Torso und dem Monte Pincio machen Dein ewiges Interesse im Herzen des Menschengeschlechtes aus, sondern Deine Geschichte von dritthalb Jahrtausenden. Denn wo ist noch ein Fleck dieser Erde, wo so viel gekämpft, gerungen und gestritten worden, wo so viel Kriegsgeschrei und Triumphgesänge. so viele seuszer der ^Gefallenen und so viel «stöhnen der Gefangenen ertönten, wo so viele Reichtümer aufgehnuft und wieder vergeudet wurden, wo so diele Tränen und so viele Ströme des Blutes flössen? Und doch war all dies nur Beute, die Dein scharfes Auge in der Ferne geschaut und Deine ehernen Klauen aus der Ferne geholt hat. Du selbst hast Nichts geschaffen, höchstens vernwchtest Du nachzuahmen. Deine Götter holtest Du aus allen Länder». Wissen und Kunst brachten die Söhne der Gefangenschlsst zu Dir, und die Lehre, auf welche Du Deine Herrschaft zum zweiten Male gründetest, stammte aus.dem kleinen, verachteten Bolle, das Du mit dem Fuße zu treten dach-