Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 8 (26.2.1915)
- Date
- 1915-02-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8! i \ Seih 2. Das Purimfest lehrt uns, daß selbst Geschehnisse, die dein! kurzsichtigen Menschenauge als Wunder erscheinen, in der Geschichte wohl möglich sind. Die gleiche Lehre hat uns der Krieg gegeben: was gestern noch utopisch war, heute ist es bereits Wirklichkeit geworden. Und wer will heute noch von Unnwglichkeitcn reden? So dürfen wir denn auf das Höchste hoffen, dürfen den Glauben hegen, daß ein neues Purimwundcr uns beschieden und die Not und das Elend der Stunde sich, noch wie einst in ungeahnten Glanz und unerwartetes Glück wandeln wird. Geschichte -er Jude«.*) Die Geschichte . der Juden erzählen heißt eine Leidensgeschichte darstellen, die in dem! so wechselvollen Schicksal des jüdischen Volles fast nur ein Thema zu variieren scheint, das des Leides in jeder Art. Aber dies Leid wird verklärt durch das Bewußtsein, für Ewigkeitsgüter zu dulden, und überwunden durch die Hofftrung, daß endlich doch „Zion durch Recht erlöst werde". Wie das jüdische Volk in allen Ländern und Zonen Leid und Hoffnung in sich, getragen, erzählt in beredten, tief empfundenen Morten KottÄ m seiner Geschichte der Juden. Seine Darstellung ist ebenso wenig eine trockene Aufzählung der Ereignisse wie ein Werk üppiger Phantasieerzählung, sondern lebendig wirkende Geschichte, die den inneren Zusammenhang der Geschehnisse aufdeckt und immer wie eigenes Erlebnis anmutet. Wir fühlen, daß es „Bein von meinem Bein", daß auch heute noch die gleichen Triebkräfte in uns wirffcmt sind und wir die Geschichte der Juden durch unser eigenes Leben fortsetzen. Das Werk Kotteks ist bei aller wissenschaftlichen Sachlichkeit, die nichts beschönigt oder entstellt, doch fesselnd und anregend. Ein tiefer Grundzug durchzieht die ganze Darstellung: die Liebe zum! Judentum, der Glaube an die Zukunft des jüdischen Volkes. Ein warmer Hauch echtjüdischen Empfindens weht uns aus diesen Erzählungen entgegen, die uns innig und gefühlvoll ergreifen, man empfindet, daß der Verfasser seine eigene SeÄe in diese Arbeft hineingelegt, ohne daß gefchichlliche Wahrheit und Taffächlichkeit darunter gelitten hätte. Kottek will "die durch die Forschungen Js. Halevys neu gewonnenen Gesichtspunkte und .Anschauungen, die er wie kein Zweiter in lebendigem Verkehr mit dem Forscher in sich, aufnahm, für Schule und Haus vermitteln. Vom babylonischen Exil bis in die jüngste Vergangenheit läßt er in läensvollen Geschichtsbildern die Ereignisse , und Persönlichkeiten an uns vorüberziehen. Bei aller gerechten Würdigung der Persönlichkeiten wahrt sich der Verfasser sein eigenes Urteil und legt den Maßstab des jüdischen Gedankens an, um sie nach ihrer Stellung zum Judentum zu werten. Lud speeiö aeternitatis sieht er die Entwicklung des jüdischen Volkes, in seinen Schicksalen offenbart sich die waltende Gotteshand, Auf- und Medergang des jüdischen Geschickes greifen glanzvoll ineinander. „Exegi monumentum aere perennius". Ein schöneres Denkmal als Erz und Stein wird diese Geschichte der Juden für den verewigten Verfasser bedeuten; in jedem jüdischen Hause und Schule wird sie jüdischen Geist wecken und Liebe zum Judentum in die Herzen pflanzen. Die Herausgeber haben unzweifelhaft mit diesem Merk mehr als eine Akt der Pietät erfüllt, sie haben für. die Gegenwart eine Arbeit geschaffen, die eine Forderung des Tages war.*) vr. W. *) Geschichte der Juden von Dr. H. Kottek s. A., Rabbiner in Homburg v. d. Höhe. 457 Seiten. 3 JL, Geschenkausgabe 5,50 JL Frankfurt a. M., Verlag der Jüdisch-Literarische» Gesellschaft. *) Für eine zweite Auslage würde ich bei einem Schulbuch die Anlage eines Anhangs wünschen, das Auszüge aus den Geschichtsquellen und Literaturdenkmälern enthält. Einzelne Kapital müßten in mehrere selbstständige Abschnitte eingeteilt werden mit besonderen Üeberschriften, so z. B. „Die Juden außerhalb Palästinas." „Weitere Schicksale der Inden Spaniens," „Die Juden Deutschlands bis zur Reformation," „Die Juden in Deutschland" (S. 344) u. a. Eine ausführliche Quellenangabe wäre sehr erwünscht, wie auch ausgiebigere Verwendung von Jahreszahlen. ^ankfurter Israelitisches FamilienÄatt. Angebliche Juvenverfolguugeu in Palästina. Englische Zeitungen brachten vor kurzem aus Egypten Nachrichten über angebliche Judenverfolgungen in Palästina. Insbesondere wurde gemeldet, der Zionisnms sei von dem Befehlshaber des IV. Armeekorps als eine revolutionäre Bewegung bezeichnet worden, die ausgerottet werden müsse. Die jüdischen Ansiedler sollten durch Osmanen ersetzt werden. Die Anglo-Palästinabank sei unter Umständen liquidiert worden, die eine Zahlungsunfähigkeit als sicher erscheinen lassen und den Ruin der kleinen Siedler zur Folge haben werden. Auf den Gebrauch, der Jüdischen Nationalfonds- Markcn iei Todesstrafe gestellt. Tic „Köln. Ztg." hatte mit Recht schon gleich an die Wiedergabe dieser Nachrichten den Vorbehalt geknüpft, daß sie offenbar bezweckten, bei den Juden in Europa Stimmung gegen die Türken und deren deutsche Verbündete zu erwecken. Nach zuverlässigen Nachrichten sind die gemeldeten Tatsachen teils erfunden, teils übertrieben. Die Anglo-Pakästinabank war als ein englisches Unternehmen wie alle anderen ausländischen Banken geschlossen worden; sie soll aber jetzt mit Rücksicht auf die hierdurch Lrfolgte Gefährdung der jüdischen Siedlungen wieder geöffnet werden. Es ist auch eine starke Auswanderung von russischen Juden aus Palästina erfolgt. Dies war auf folgende Taffachen zurüctzuführen: In Palästina lebten vor Ausbruch, des Krieges 40—50,000 russische Juden, die wegen der Schwierigkeit der Naturalisation bisher das türkische Staatsbürgerrecht nicht erlangt hatten. In einem Notgesetz, das von dem größten Wohlwollen gegen die jüdische Bevölkerung zeugt, hat die türkische Negierung die sofortige Aufnahme der russischen Juden unter Befreiung' der früher erforderlichen Formalitäten gegen eine Kopfsteuer von 40 Franken erlaubt. Ein Tcll der ärmeren Bevölkerung, der nicht in der Lage war, diese Kopffteuer zu entrichten, und auch andere russische Juden, die Repressalien gegen ihre Angehörigen in Rußland befürchteten, zogen es vor, statt die türkische Staatsangehörigkeit zu erwerben, nach Egypten auszuwandern. Mit Rücksicht auf die Ar- Mut hat späterhin die türkische Regierung sogar die Kopffteuer erlassen. Es sind demzufolge rund 15,000 erwachsene russische Juden nebst Familienangehörigen in den türkischen Staatsverband aufgenontmen worden und etwa 5000 Personen ausgewandert. Während der übereilten Auswanderung haben sich, untergeordnete Beamte Uebergriffe zu schulden komMen lassen. Diese Beamten sind auf Beschwerde abgesetzt worden. Die türkische Regierung hat ein so weitgehendes Entgegenkommen gegenüber der Notlage der russisch-jüdischen Bevölkerung bewiesen wie keine der Entente-Mächte gegen die Angehörigerr der feindlichen Staaten. Von irgend einer Verfolgung der Zionisten und der jüdischen Ansiedlungen in Palästina kann hiernach durchaus keine Rede sein. England muß sich schon einen anderen Agitationsstoff suchen, wenn es die Juden der neutralen Länder gegen Deuffchland und seine Verbündeten aufhetzen will. Hunt Ge-ächlnis -es Rabbiners Markus Horovitz s. A. In schweren, leibreichen Zeiten pflegen wir mit öesonoers inniger Wehmut an die großen Männer zu denken, zu denen wir als unseren Führern in pen Stunden der Not aufzuschauen gewohnt waren. Und so schweift denn in diesen Tagen unsere Erinnerung auch wieder zu dem großen Manne zurück, der lange Jahre hindurch als Inhaber des ehrwürdigen Frankfurter Rabbinats einen geistigen Mittelpunkt, ein religiöses Zentrum der Frankfurter Judenheit und weit darüber hinaus des gesamten deutschen Judentums gebildet hat: zu Rabbiner Markus Horovitz s. A. Am Purimtage dieses Jahres hätten wir seinen siebzigsten Geburtstag feiern können, wäre es ihm vergönnt gewesen, noch unter uns zu weilen. So aber kann — und soll uns dieser Tag ein Tag der Erinnerung und des Gedenkens' an den großen Mann, ein Tag der Verehrung und Bewunderung für den Reichtum und die Tiefe seiner Persönlichleit, ein Tag der Belehrung und Mahnung durch' die Erkenntnis seiner sittlichen Größe sein. Alle, die an diesem Tag Rabbiners Markus Horovitz s. A. gedenken werden, werben daher seinem Sohne Rabbiner Dr. Jakob Horovitz dankbar sein, daß er durch die Herausgabe einer kleinen Schrift des großen Toten seine ' Gestalt und sein Wesen wieder klar und Nr. k plastisch vor unseren Blick gerückt hat. „Bon Liszl nach Berlin" nennt sich das dünne Büchlein, i, dem er einige Reisebildcr, die im Jahre 4870 in ersten Jahrgang der „Jüdischen Presse" erschienen sind vereinigt hat. Anspruchslose, schlichte, in der Fori, und im Stile persönlicher Briefe nicdergeschriebene Reise bilder, — und dennoch: besser vielleicht als durch di, Herausgabe tiefgründiger gelehrter Abhandlungen oder gedankenreicher machtvoller 'Aussätze und Reden hat nnder Sohn gerade durch diese einfachen Skizzen die Gr stakt seines unvergeßlichen Vaters wieder lebendig er stehen lassen. Denn in diesen Blättern erblicken wir den Ber tlärtcn in der weite seines Wesens, die gewiß von allen andern die herrlichste war: in seiner rein mcnsch lichcn Natur. Frei von aller schweren Rüstung dcbedentenden Gelehrte», entlastet von der Würde mit dem Ernst des machtvollen Rabbiners, entkleidet vor der Vorsicht und Klugheit des einflußreichen Leiters s, vieler Organisationen und Institutionen, tritt uns hie, Markus Horovitz als Mensch entgegen, als nichts ändere, denn als Mensch. Und wem es je vergönnt war, ihm persönlich auch nur eine Weile gegenübersitzen und seiner Worten lauschen zu dürfe», der weiß: Größer als der .Gelehrte, als der Rabbiner, als der Volkssührer Mark»; Horovitz war der Mensch. So verehrungswürdig sein, tiefe Gelehrsamkeit, so bewundernswert sein durchdringende, Verstand, seine eiserne Energie, seine unermüdlich Schaffenslust, sein mächtiges Temparainent war, — verehrungswürdiger und bewundernswerter als all dies loaren seine tiefe Religiosität, sein unerschütterlicher Glaube, war seine Menschlichkeit. Und in dieser seiner größter Eigenart ruhte auch das Geheimnis seiner Erfolge, seine, Wirkungskraft, seiner Leistungen, seines großen, reicher Lebens. Ob er auf der Kanzel stand oder zu de, Feder griff, ob man ihn in stürmische» Berhandlunger sprechen oder in seiner ruhigen Arbeitsstube plaudeec hörte, überall waren cs doch letzten Endes seine großer menschlichen Qualitäten, die mehr als alle außergcivöhnliche Fähigkeit des Verstandes, der Rednergabe, de, Sprachbeherrschung den tiefen, machtvollen Eindruck aus übten, dem sich niemand zu entziehen vermochte, de, je mit ihm in Berührung kam. Man braucht nur wenige Seiten dieser Reisebildcr „Von Liszka nach Berlin" zu lesen, um all diese große« menschlichen Tugenden Dr. Markus Horovitz' wieder z« erkennen. Das sind nicht Reisebilder ähnlich jenen, wie sie heute so sehr an der Mode sind: nörgelnder Krittler, kluger Allesbesserwisser oder ausdringlichr Jmpressionsdarstellungen ästhetischer „Jchnatnren"; in de« Darstellungen dieser Reise von ,^Lifzka nach Berlin" offenbart sich uns ein Mensch, ein Jude, der voll gütige, Liebe seine Mitmenschen, seine jüdischen Brüder in ihren, Leben, in ihrer Art schildert, der wohl vieles ausznsetzen .hat, diese Kritik aber durch sein weises Verständnis für die Eigenart dieser Menschen, durch sein, tiefe Sympathie für diese ungarischen Chassidim milden und versüßt, so daß sie mehr wie die liebevolle Mahnunx eines väterlichen Freundes erscheint. Und über alleden schwebt jener herrlicher, reine Humor, der von aller Charaktertugenden und Geistesvorzügen des großen Toter gewiß Liner der hervorstechendsten und schönsten war, jener Humor, der nur auserlesenen Weisen und reine« Naturen eigen ist, der alle Bitterkeit des Daseins versüßt, über alle Not und allen Schmerz tröstet und midie Welt vergoldet und verschönt zeigt, indem er si, uns unter dem Spiegel der Ewigkeit erschauen läßt. Gerade diese Eigenschaft von Markus Horovitz, gerade dieser Humor, der sich uns in diesen Reisebilderr so rein und bewundernswert offenbart, ist dasjenige, was uns in diesen Tagen gerade mehr als alles ander, den' verblichenen Meister uns zum Vorbild und Mahne, werden läßt. Denn in dieser furchtbaren Zeit tut ebe« die Fähigkeit, das Talent solchen verklärenden, tröstenden, stärkenden Humors am meisten not. Nur wem wir das Elend und die Not der Zeit dadurch verkläre« und mildern, indem wir sie von dem hohen Standpunki weltgeschichtlicher Erkenntnis erschauen, nur wenn jeder einzelne den Schmerz ..und das Leid, das ihm da- Schicksal dieses Krieges' zu tragen auferlegt, mit dev Gefühl ttefsten Glaubens .an den .Sinn des Daseim und an den sicheren endlichen Sieg des Guten in du Welt auf sich nimmt, nur wenn wir mit einem um so errungenen Humor den Geschehnissen dieser Monat, gegenübertteten, werden wir die Kraft haben, sie z, erttagen und zu überwinden, ohne durch sie gebroch«, zu werden. Diesen Humor uns zu erwerben, mögen wir von Markus Horovitz s. A. lernen. So wird das Gedenken dieses Mannes in.-diesen Tagen uns zum befruchtenden, seelenstärkenden Segen werden und die Gestalt des unvergeßlichen Meisters auch über die Schranke« seines unmittelbaren Wirkens hinaus auf uns als Be lehrer und Tröster, Mahner und Führer wirken können Dr. A l der Best Palästtn, nissc Fra P a l ä st K o m m senden „De sind, he Land Wie »atürlicl fließend« die fast die krie schwere Die Lebens» k e h r s Mobilin unter d Unheilige und i Gebiete, in Pali erhalten ungen Da jüdis, s ch e n stehende Da hat ui. So *) Frankst Be ist dur Erscheii Gründe ihren 3 Teil t gabend die Tu der V« schnsses Galizie ineinsa Exe ihre « Dr. K 2 tan D Flächt! gegen vs E De F erhielt « 10. 3 Schlai * arzt Direkt Sie; Bortragszyklus zu Guusteu des Roten Halbmondes. Berlin, 22. Februar. Zu Gunsten des Roten Halbmonds veranstalte, das Kartell Jüdischer Verbindungen iw Preußischen Abgeordnetenhaus einen Zyklm von Borträgen, die die Zusammenhänge zwischen de« Zukunft des Orients, Deutscher Weltpolitik und Jüdische, Kolonisation im Osten behandeln werden. Hervorragend, Kenner der Probleme haben die Referate übernommen Den ersten Vortrag am 3. März wird Dr. Pan! Rohrbach über die Zukunft desOrieuts halten am 10. März wird Dr. Martin Bnber ikber ,/Di> Inden als Volk des Orients" sprechen; Dr Ernst Jaeckh wird am 17. März über das Themc „Deutsche Weltpvlitik und Türkische Entwickelung" vorttagen; den Zyklus wird am 24. März S tr, Artl — e Jea, Nakel a crhiel * Zahn, 2a cf arzt Eise 2 täts-s das i des und i heim Deuts