Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 8 (26.2.1915)
- Date
- 1915-02-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mürz Nr. 8 Dr. AlsonS Paquet, der vor kurzem längere Zeit der Besichtigung der deutschen und jüdischeir Kolonien Palästinas gewidmet hat, mit dem Bortrag „Erlebnisse in Jüdischen Kolonien" abschließen.*) Aus aller Welt. De»ticheS «eich. Frankfurt a. M. Die Deutsch-Holländische Paläst in ave rwaltung und die Palästina- Kommission der Freien Bereinigung versenden folgenden Aufruf: „Das geivaltige Völkerringen, dessen Zeugen wir sind, hat in vorher nicht geahntem Maße das heilige Land Mitleidenschaft gezogen. Wie kein anderes Land der Welt ist'Palästina, ohne natürliche eigene Hilfsquellen, ganz auf die ihm zufließenden Mittel aus der Diaspora angewiesen, und die fast gänzliche Unterbindung dieser Zufuhren durch die kriegerischen Ereignisse hat bereits genügt, um eine schwere Krise in Palästina heraufznbeschwören. Die Knappheit aller Lebensmittel, gewaltig steigende Lebensmittelpreise, das ^Aufhören des Kreditverkehrs und dabei die schweren Opfer der allgemeinen Mobilinachung haben unbeschreibliches Elend unter den Aermsten der Armen hervorgerufen. Uns deutschen Inden erwächst aber insbesondere die heilige Pflicht/ die bisher von uns verwalteten und unterhaltenen Institutionen auf allen Gebieten der Kultur, der Hygiene und Wohlfahrtspflege in Palästina mit opferfreudiger Hingebung aufrecht zu erhalten und dafür die größten finanziellen Anstreng-, ungen nicht zu scheuen. Das gebietet mit gleicher Entschiedenheit unser jüdisches» Empfinden wie die Ehre des deutschen Namens, die mit "den unter deutschem Schutze stehenden Institutionen unlöslich verknüpft ist. Das Kaiserlich Deutsche Generalkonsulat in Jerusalem hat unsere Hilfe auf telegraphischem Wege erbeten. So bitten >vir denn um reiche Spenden*) . . ." *) Adresse: Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung, Frankfurt a. M., Schiitzenstr. 14 (Postscheck 9553). Berlin. Die Laae der Iüd. Turnerschaff ist durch den Krieg naturgemäß schivicrig geworden. Das Erscheinen der „Monatshefte" mußte aus finanziellen Gründen eingestellt werden. Die Vereine haben bisher ihren Betrieb meist aufrecht gehalten, trotzdem der größte Teil der männlichen Mitglieder einbernfe» ist. Liebesgabendienst — es werden monatlich livll Sendungen an die Turnbriider im Felde versandt — und Beaufsichtigung der Vereine sind gegenwärtig die Tätigkeit des Ausschusses der Jüd. Tnrnerschaft. vesterreich-UAgar«. Wie«. Die Zion. Parteirepräsentanzen Westösterreichs, Galiziens und der Bukowina haben sich zu einer geineinsmnen Körperschaft vereinigt und am 15. d, M. als Exekutivkomitee der vereinigten ö st e r r. Z i o n i st e n ihre erste Sitzung abgehalte». Zum Präsdcnten wurde Dr. Karl Po link und zum Vizepräsidenten Adolf Stand gewählt. - Die Sitzung legte Verwahr ein gegen gewisse die Flüchtlinge betreffende gewerbebchördliche Verfügungen und gegen die jüngste Lldvokatenverordnung des Justizministers. Cafe Kaisergarten am Opernplats Erstklassigem Eamilien-Cate Nachmittags Konzerte. Fr. Hanselmann, Besitzer. Der Krieg und die deutschen Juden. Frankfurt a. M. Reg.-Baumeister Julius Cohen erhielt das Eiserne Kreuz. Berlin. Dr. Sieg fr Schemel. Lebrer an der 10. Religionsschule der jüd. Gemeinde, ist auf dem Schlachtselde gefallen. Berlin. Leutnant d. R Dr. Erich Ascher, Oberarzt Dr. I>van Rosenstern, Offiziersstellvertretcr Direktor Max W u n d e r m a ch e r und Unteroffizier Siegsr. Berndt erhielten das Eiserne Kreuz. Berlin. Die Zion Organisation verzeichnet: Dr. Albert S tr aus-Dcpenau Beförderung zum Leutnant. — Arthur Löwenstein--Berlin das Eiserne Kreuz. — Arthur Rat Han so n, Samuel Finger, Jean Fränkel-Berlin und Arthur Fränkcl- Nakel gefallen. Köln. Hermann Seelbach und Leo Hirsch erhielten das Eiserne.Kreuz. Breslau. Alsistenzarzt Dr. Ludwig Gluskinos, Zahnarzt Fritz Marcus, Oberstabsarzt Dr. Paul S a ck n r von hier, Max P e i s e r-Striegau uno Stabsarzt Dr. Max M e l z e r-Hirschberg erhielten das E i s e r n e K r e u z. — Dr. Fritz Hermann, Oberarzt an der Universitäts-Frauenklinik/ erhielt das Eiserne Kreuz und das Goldene Verdien st kreuz mit der Krone des Franz Josef-Ordens. *) Karten zu 2 JL bei Bote u. Bock (Tauentzien- und Leipzigerstr.), an allen Verkaufsstellen von A Wertheim und im Büro der Zionistischn Bereinigung für Deutschland, Sächsifchestraßc 8. Frankfurter Israelitisches FamllienAatt. Seite 3. Nürnberg. Oberleutnant Julius Würzburger, Dr. Otto Rosenthal und Paul Schottländer erhielten das Eiserne Kreuz. München. Leutnant Rechtsanw. Dr Steppacher, Direktor W. Binswangen und Karl Guttmann erbielten oaS Eiserne Kreuz. WSrzbnrg. Fftdlazarett-Jnsvektor Dr. Martin Marx wurde mit dem Militärverdienstkreuz 2. Kl. mit der Krone ausgezeichnet. Wie«. Dr. Berthold Marmorstein, ein begabter Architekt und begeisterter Anhänger der zion. Bewegung, starb den Heldentod. Personalien v. Kleine Mitteilungen. Wiesbaden. Am 7 Adar kand im Betlokale Sternstraße 16 eine eindrucksvolle Gedenkfeier statt. Sie galt hauptsächlich dem unlängst verstorbenen Rabbi Miba Wreschner, aber auch den auf dem Schlachtselde gefallenen Helden David Schlesinger-Marburg, Dr. Heinrich Barth-Berlin .und Martin Feist-Frankfurt, die gleichfalls Zierden der gesetzestreuen Judenheit waren. Die Gedenkreden hielten Dr. B am b e r g e r und Dr. ined. Ratner. Herbor«. Dr. med. S Weinberg erhielt den Titel Sanitätsrat. Wenk. Das französische Algerien hat sich stets durch den Antisemitismus der französischen Beamten ausgezeichnet. .Gegenwärtig haben aber die 50,000 Inden des Landes so viel zu leiden, daß zahlreiche nach Frankreich auswandcrn. I Deutsche National-HIsohune Mk. 2.90. China* Grustee Htc. 2.20.1 Ceyt.Or.Peko*H'ftfthuugMfc 4.20. P*ko 8onohsr.-Sol*s“n MkJ3.70. I Kakao Soma Mk. 2—. 2.40, 3.—. | Frankfurter Berichte. «edSchtniSfeiern. Würdig durch die für die gegenwärtige Zeit ungewöhnlich große Zahl der Zuhörer, würdig durch den Ernst, der über der Versammlung lag, würdig durch die Worte der Redner war die Gedüchtnisseier, die die Agudas Jisroel-Jngendgruppe den auf dem Felde der Ehre gefallenen führenden Mitglieder der Agudas Jisroel - Jugendbewegung — Salti Michel- Frankfurt, Referendar David Schlesinger -Marburg und Martin Feist- Frankfurt — veranstaltete. Der Hauptredner des Abends — Wolf S. Jacobsvh «-Hamburg —. ein hervorragender Beherrscher des Worts und der Gedanken, gestaltete seine Rede zu einem Dolmetsch echt jüdischer Stimmung. Er begann mit dem Gelöbnis, daß wir als glaubenstreue Juden auch das Schwere dieses Krieges, der von Gott bestimmt, als zum besten hinzunehmen haben. Er führte dmin inhaltlich folgendes aus: Schweres hätte auch die Jugendbewegung der Agudas Jisroel durch den Krieg erlitten. Zuerst fiel Salli Atichel. ein sonniger, lieber, strebsamer Mensch und ein von den höchsten Idealen des Judentums getragener Jude, dann David Schlesinger, der ernste, ja säst schroffe Vertreter des von ihm als recht Erkannten, dessen höchster Stolz es gleichfalls war, für das gesehcstreue Judentum zu streben und zu leben, und als dritter der Führer der Agudas Jisroel-Jugendbewegung, der beste und edelste unter allen, Martin Feist. Nicht, weil er der reichste unter seinen Genossen war, überragte er alle, nein seine Persönlichkeit war es, die ihn auch als den ärmsten über alle gestellt hätte. „Seid .fromm und jüdisch" hätte ' uns Salli Dkichei zugerufen, „Seid stark und fest" David Schlesinger „Arbeitet und kämpfet für die Sache der Agudas Jisroel" Martin Feist. Nach der ^/istündigen Rede ergriff noch zu einer kurzen Ansprache Jacob Rosenheim das Wort, um mit allem Ernst und Nachdruck auf die heilige Pflicht eines jeden Juden Westeuropas hinzuweisen, den so furchtbar heimgesuchten jüdischen Brüdern im Osten wenigstens nach besten Kräften mit Geld ihre Lage etwas zu verbessern. * , In der Zion. I u g e n d g r u p p e, deren Gründer Martin Feist s. A. war, sprach Saly Geis die Worte des Gedächtnisses. Als ein abschließendes Erinnerungsblatt möge diese Würdigung hier Raum finden. Sie lautete: Martin Feist! — kein Lexikon nennt den Namen, und doch ist es mit Macht meine heißeste Sehnsucht, all' die unvergänglichen Werte, die dieser Name enthält, zu verkünden. Freilich bedürfte es eines gottbegnadeten Meisters, Bild an Bild zu fügen und die Bilder dann zu einem' Hohelied des jüdischen Jünglings zu verbinden! Denn das Hohelied des jüdischen Jdealjünglings, — das ist der Inbegriff des Lebens und Strebens der wenigen Jünglingsjahre dieses wie mit einem Gotteskuß von uns Geschiedenen. Martin Feist! — ich denke der vergangenen ersten Augusttage, die in der Geschichte der Menschheit einen der bedeutendsten und bedeutsamsten Merksteine bilden werden. Alle stolze Kulturarbeit von hundert Jahren zeigte sich in diesen Tagen plötzlich in erbärmlicher Nacktheit. Die Welt, auf der der Kulturmensch des 20. Jahrhunderts selbstsicher wandelte, brach mit Donnergetöse zusammen, und in schwarzer Leere starrte die Zukunst dem erschreckten Menschen entgegen. Der mächtigste Weltkrieg war über Nacht ausgebrochen, aber nicht nur das: zwei alte Kulturvölker hatten sich, die Verwirrung auf die Spitze treibend, mit dem verruchtesten, kulturfeindlichsten Reiche der Welt persid verbunden, um aus Dfeib an seinem Blühen ein Volk, unser deutsches Volk, zu vernichten. Unter den Tausenden» die sofort aus allen Enden der Erde dem bedrängten Vaterland zur Hülfe eilten, war selbstredend auch der Pflichttreueste der Pflichttreuen» Martin Feist» — ein Schiff später, und er hätte dem Krieg untätig von London aus znsehen müssen. Bon den letzten Stunden seines Zivilistendasein gehörte ein halbes Stündchen mir. Wie fand ich den sonst von frohem Optimismus getragenen, kraftvollen, mutigen Freund wieder? Niedergebeugt von dem Zusammenbruch der stolzen Kultur Westeuropas, unter dem Drucke banger Gefühle! Aber dennoch getragen von dem eisernen Vorsatz, auch in dieser für ihn nun beginnenden ganz andern Zeit in jedem Augenblick schncht und mutig als Mensch und Jude seine Pflicht zu tun, auch in diesen neuen Verhältnissen sich zu veredeln, um dann, wenn Pott ihn den Krieg überleben lasse, geläutert und voll neuer Erkenntnisse in gehobener Kraft und vermehrter Einsicht mit seiner Begabung und seinen Mitteln dem jüdischen Volke zu dienen. Dem jüdischen Volke! — Das führt mich zu einem neuen Bilde. Es war ein Jahr vor dem Tode seines großen Vaters. Der sonst so Starke und Rastlose fühfte schon das Nachlassen seiner Arbeitskraft, und so wandte er sich in einer stillen, späten Abendstunde an den Sohn, um ihm neue geschäftliche Aufgaben zu übertragen. Er entwickelte dem Sohne das Pensmn. das er ihm für die nächsten Jahre zngedacht hatte, und das den Sohn allmählich in die verantwortungsvolle und hohe Position des Mitleiters eines Weltgeschäftes bringen sollte. Doch der Sohn, — er brach plötzlich und unvermittelt in ein heftiges Schluchzen aus und stieß dann die Worte hervor: „Wie kann ich im Banne der Geschäfte meine Jünglingskraft, die beste Kraft meines Lebens, dem jüdischen Volke weihen? Laß' mich nach Palästina! Latz' mich dort, im Lande unserer Väter, aus eigener Kraft ein geschäftliches Unternehmen gründen, damit meine Berufsarbeit gleichseitig zum Segen für das jüdische Volk sei!" Kreideweitz war der Vater geworden, wenn ihm auch das Herz jubelte ob eines solchen Sohnes, und nur allmählich gelang es ihm, den Sohn zu überzeugen, daß er auch als Nachfolger seines Vaters wie dieser als Jude wirken und der Zukunft Palästinas sein Interesse widmen könne. Doch in Wirklichkeit hatte beim Sohn den Ausschlag die Kindesliebe gegeben. Wie dem Vater galt auch dem Sohne Geld wenig und viel; wenig, wenn es sich zum Segen wandeln konnte; viel, wenn es nutzlos ausgegeben wäre. Und deshalb blieb auch der Sohn dem Vater gleich verschont von der Tragödie der Reichen, die sonst Sklaven des Geldes sind und so den Segen des Geldes in Unsegen verwandeln. Diese seltene Eigenschaft, daß ein Reicher in jedem Augenblick sein Menschtum wahrt und sein Geld nur als von Gott zur besten Verwendung geliehen betrachtet, werden wir aber erst dann in ihrer Größe bewerten» wenn wir das Bild dieses Jünglings, den Menschen mit seinem Aeußeren und seinem Inneren, seinen Anlagen und Trieben, uns vergegenwärtigen: Ein sympathisches Aeußere, das sofort den Weg zu den Herzen der Menschen öffnete, und feurige Lebenskraft und siegende Begabung als Grundlagen und Kräfte seines inneren Menschen. Was war aber das Wunder, das diesen eleganten Gesellschafter und flotten Tänzer, diesen genialen Kaufmann und an Wissens- und Geldwerten so reichen Menschen von allen Gefahren überschäumender Jünglingskraft und so leicht selbstbewußten Reichtums fernhielt, ihm die unberührteste Sitten- und Gedankenreinheft wahrte? Dieses Wunder ist die Erziehung im Geiste des alten Sinaijudentums gewesen. In einer für unsere GUl-hotz.Ljgarren LE