Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1914-05-08 · Heft 18 (8.5.1914) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 18 (8.5.1914)
Date
1914-05-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2692297-2692872-2692890--08431-2703573
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 2. Zu erwähnen wären noch als Dramaturg der nattwalisttsche Novellist I. N. Meisten berg, Der sehr geschätzte Journalist und geistreiche Novellist Hi. D. Nomberg („Die Familie"), der Dichter Jsak Katzenelsohn, der Kritiker N. Prilutzti ic. Alle diese haben noch zu wenig auf dem Gebiete des Dramas geschaffen, um ein Urteil darüber fällen zu Wunen. lieber ein großes Talent unter beit „Jungen" verfügt A. Weiter. Er hat auch nur erst einige Dramen geschrieben und ist selbst unter den jüdischen Lesern mich wenig bekannt. Aber diese Arbeiten beweisen schon Aar, daß Weiter*) diejenige Persönlichkeit ist, die das große zukünftige jüdische Drama schaffen wird. Seine- Dramen „Das Tug" (Vortags), Im gfruer" und „Der Stumme" schaffen ejne neue Richtung in der jüd. Literatur, sie streben, die realistische und symbolistische Richtung zu verschmelzen, verkörpern beides und bringen eine Synthese für das jüdische Schaffen. * Das jüdische Drama geht langsam vorwärts, aber doch hat es in der kurzen Dauer einige sehr intereffante und selbständige Werke gebracht, mir verleihen der Hoffnung'Ausdruck, haß es die Fehler korrigieren und den jüdischen Weg weiter einschlagen wird. * Mit der Herstellung eines jüdischen Theaters muß von neuem angefangen werden, alle Versuche, das alte Theater zu reformieren, scheiterten, es gllt also die Parole: „Auf den Trümmern des morschen und allen wollen wir ein neues, festes Gebäude, eine Kunststätte für die Freiheit und das .Volk bauen!" Feldstein. Aus de» Ereignissen des Tages. Die Sude« nuv der Wandervogel. Wir haben bereüs unseren Standpuntt in der Wandervogel-Affäre dargelegt. Doch da dieselbe fortgesetzt größere Dimensionen annimmt und seitens gewiffer Kreise zu einer politischen Frage ersten Ranges gestempelt wird, so können wir nicht umhin, unsere warnende Stimme zu erheben, daß man die Wandervogel-Affäre nicht so in die Breite trete. Die Sache ist an und. für sich nicht bedeutungsvoll. Daß Vereine sich den Juden verschließen, geschieht sogar in dem fteien Amerika. Durch Proteste und Kundgebungen werden wir den Änüsemitismus der Völler nicht aus der Welt schaffen, eher fördern. Die Proteste hätten einen Sinn gehabt, wären sie von der Regierung oder mindestens seitens der Schulbehörde erfolgt. Wir lasten nachstehend den Bericht unseres Ben Zwi-Mitarbeiters über die Frankfurter Protest- Versammlung folgen, in dem der Leser manchen beherzigenswerten Gedanken über die'Frage finden wird: Am 30. April fand, eine vom Centtalverein in Gemeinschaft mit dem Montefioreverein «»berufene Versammlung im Mrsensaale in Frankfurt •o. M. statt, um Protest gegen den Beschluß des Wandervogels (E. V.) einzulegen und zu diesem Beschluß Stelllmg zu nehmen. Herr Dr. Mainzer, Vorsitzender der Versammlung, erteille nach einer kurzen Ansprache Frl. Cora Berliner das Wort. Refercntin bezeichnte den Wandervogel als eine echte Jugendbewegung, worin sie seine Vorzüge erblittt, aber gleichzeitig auch seine Gefahr. Der Wandervogel wird in letzter Zell von außmstehenden Personen beeinflußt und so seinem eigentlichen Wesen jmmer Mehr entfremdet. Es ist eine Gewissenlosigkeit, diesen verderbenbringenden Haß unter 15—18jährigen Jungen zu verbreiten.. Im weiteren Verlaufe ihres Vortrages kömmt fJjcL Berliner auf den Frankfurter Beschluß zu sprechen. Dieser Beschluß ist durch und durch verlogen. Einmal spricht er sich gegen die Wweisung der Juden aus,'dann aber will er es doch jeder Ortsgruppe überlasten, von Fall zu Fall Juden mit besonders hervorttetenden Rassenmerkmalen auszuschließen. Diese unerhörte .Anmaßung , des Wandervogels, eine Unterscheidung zwischen Juden und Juden vorzunehmen, können wir uns nicht gefallen lasten. Wir müssen einen entschiedenen Kampf gegen den AnttsemitisMus im Wandervogel *) A. Weiter werden wir einen speziellen Artikel widmen. Frankfurter Israelitisches Famillienblatt. führen, aber nicht Haß, sondern Liebe sei unsere Parole. — - Nach diesem mit großem- Beifall aufgenommenen Vorttage' ergriff Herr Rechtsanwalt Dr. I. Kahn das Wort. Nachdem er gegen die sog. antisemitischen Gründe polemisiert und das Deutschtum der Juden betont hatte, wandte er sich auch dem Frankfurter Beschlüsse zu. Im Wirken des Antisemitismus im Wandervogel erblickt .auch er eine, große Gefahr für das Deutschtum. Zur Frage, ob die Juden .ferner im Wandervogel verbleiben sollen, spricht er sich wie folgt aus: Alle jüdischen Mitglieder des Wandervogels sollten an ihre Ortsgruppen die Frage richten, ob sie ferner Juden aufnehmen wollen oder nicht. Wird die. Frage mit „Nein" beantwortet, dann müßte man austteten, mit „So", dann mit derselben Liebe für die Jugendideale Weiterarbeiten. Die Ausführungen wurden beifällig aufgenominen. Es entwickelte sich nmr eine sehr lebhaste Diskussion. Als erster sprach Herr Dr. Adler, Direttor des „Philanthropin". Als deutscher Lehrer mahnte er den Wandervogel zur Einigkeit. Er soll sich nicht verleiten lassen durch Hetzschriften, sondern alles selbständig Prüfen und dann urteilen. Er soll vor allen Dingen sich selbst-treu bleiben. Zum Schluß meinte Herr Direttor Dr. Adler, man müsse sich solange und tatkräftig wehren, bis der Frankfurter Beschluß aufgehoben werden wird. — Den mit Begeisterung gesprochenen Worten wurde Beifall gezollt. Herr Wilhelm Fecht sprach als Christ sein Bedauern aus über den bekannten Beschluß. Er meinte, die Führer des Wandervogels begingen ein Verbrechen am Idealismus der Jugend durch solche Hetzereien. Darauf ergriff Herr Zahnarzt Nathan das Wort. Er verttitt den Standpuntt des Austritts und meint, daß es die Pflicht eines jeden Juden ist, der etwas Ehre besitzt, auszutteten. Er beruft sich auf die „Frankfurter Zeitung", die doch gewiß nicht als „zionistisch" verdächtigt werden kann, und die dieselbe Ansicht geäußert hat. Wäre aber der Austtitt der Juden .aus dem Wandervogel für das Deutschtum so gefährlich,. dann müßten doch die nichtantisemitischen Christen im Wandervogel gegen den Frankfurter Beschluß protestieren und nicht die Juden, die Herausgestoßenen, selbst. Das Abwarten ist in jedem Falle zu verwerfen. Wir haben genug Püffe und Fußtritte bekommen. Worauf wartet Man noch mehr? Man sagt uns, wir sollen Opfer bringen. Für wen? Dem Deutschtum nützen wir doch nicht, wenn wir Opfer an unserer Würde bringen, und für einen verwaschenen KosmopolittsMus sind wir keine . Versuchskaninchen. (Beifall.) ' Herr Franz Thiele, Führer im Wandervogel, behauptet im Gegensatz zu. Direttor Dr. Adler, daß der Wandervogel sich antisemitisch zeigt nicht aus Politik, .sondern aus Instinkt. Die Quellen, aus denen der.Wandervogel hervorgegangen ist, bedingen .schon allein die Abneigung gegen die Juden. Der Wandervogel ist echt germanisch. Thiele kann sich keine germanischen Feste und Feiern in Gemeinschaft mit Juden denken. Der Wandervogel war bis jetzt keine Kampforganisation. Er wird aber zum Kampfe gezwungen durch die aufdringliche Art der Juden selbst. Im weiteren Verlaufe der Diskussion spricht noch ein Herr aus dem Wandervogel. Er meint, wenn die Juden so mächtig sind, daß ihr Austritt eine Gefahr bedeutet, warum gründen sie dann selbst keine Wanderbünde? Herr Justizrat Dr. Auerbach ergreift nun das Wort zu einer „Tanchochoh-Predigt". Er weist die Wandervögel zurecht, nennt sie „halbwüchsige Burschen" und gibt ihnen eine Lettion im Anstand. Die „Tauchochoh-Predigt" wirtt. Den Wandervögeln, die sich bis jetzt ruhig verhalten hatten, wird es jetzt doch zu stack. Sie springen auf, schreien und johlen, und schlieUich kommt es so weit, daß sie den Saal verlassen. Herr Dr. Mainzer erteilt nun das Wort Herrn Referendar Wohlfarth. Redner ist wegen der überaus schlechten Akustik des Börsensaales sehr schlecht zu verstehen. So viel konnten wir aber seinen Worten .entnehmen, daß er auf demselben Standpuntt wie Herr Zahnarzt, Nathan steht. Wenn die freie Lust zur Stärkung des Nr. 18. -dr. Zur Si ein in einen 3 Körpers und Geistes beitragen soll — was er nich bezweifelt—.so sollen doch die Juden selber.Wandergruppen .bilden. Sie werden .dadurch bezeugen daß .sie Würde besitzen und so dem Judentu» mehr nützen als durch das Sichhineindrängen i, diejenigen Vereine, wo sie nicht gewünscht werde« und nur zur Last fallen. Die Angstmacherei de, liberalen Juden, daß durch diese Absonderung di, Rechtschmälerung der Juden herbeigeführt wird sind nur Schreckschüsse und zerfallen in nichts. E scheint, daßman in jenen Kreisen Angj vor sich selbst hat. Es ist, als ob man fürchte daß das Beisammensein .der Juden unter sich eim Stärkung des Judentums herbeiführen kann. Herr Dr. Löffler, Vorsitzender des Monte fiore-Vcreins, teilt die Ansicht der Referenten de! Abends und will von Austritt nichts wißen. Das Schlußwort hat Frl. Berliner. Li kann es keinem verdenken, der austreten will Aber da Judentum immer Opfer tum hieß so soll man doch im Wandervogel bleiben trotz de Fußtritte. I' WIOLFSECK Diepppularste Cigarre unsortiert 12$ sortiert 15^ G.M.HOLZ HOFLIEFERANT FRANKFURT aM BriesjMs Oesterreich. im hic gen O andere! Ameril laden, erzielte biet, si Ende i sodaß ahlt t den fji D kischen Auss sehr c eingett Getreil Export troffen saaten, D nach v bczeich Anzahl die an Jcrusa finge Privat Das 150jährige Bestehen der Wiene Chewra Kadischa gab Veranlassung zn eine glänzenden Feier. Nachdem im Tempel der Leopol stadt ein Festgottesdienst stattgefunden hatte, be dem Rabb. Dr. Max GrunWald eine groß zügig angelegte Predigt hielt, fand in dem hm Lichen großen Saale des Konzerthauses mit mel als 800 Gedecken das Brudermahl statt. Diese Mahl gestaltete sich zu einem gesellschaftlichen El eignis ersten Ranges sowohl hinsichtlich der Per sönlichkeiten der Erschienenen als auch im Hin blick auf die Reden und die künstlerischen musi kalischen Darbietungen. Es sprachen S a l o C o h Präsident der Chewra, Dr. Alfred Stern Präsident der Kultusgemeinde, Oberrabbiner Ti Güdemann, Dr. Markus Spitzer, Wz« Präsident der Chewra, Dr. Gustav Cohn Vizepräsident der Kultusgemeinde, Professor Dr. Ehrmann, Profeffor Dr. L. Königstein un Rat S. Steinhübel. I (ü nach rung ' d dem ii - uni lehem Häupti medan Jeruso ist dei Auswc ein ge jüdisch nach i scheu $ s Off OHn Bewfi] sowie Selbstredend feierte auch das jüdische Hei bei dieser Gelegenheit seinen Triumph. Sal Cohn, der Präsident, zeigte, daß er Ine Stund in ihrer ganzen Tiefe erfaßt hatte und erhöht seine jüngst gemachte Spende zugunsten des ii Baden zu eröffnenden Erholungsheims de Chewra von 50,000 Kr. auf 150,000 Kr. Leider ereignete sich .auch eine peinlich Szene. Als nämlich Rabbiner Dr. Mayersohi den Saal bettat, wurde gegen seinen Eintrit heftig protestiert, und er mußte den Sa, wieder verlassen. Mayersohn wird der Bor Wurf gemacht, bei seiner schiedsrichterlichen Tätig feit in vermögensrechtlichen Auseinandersetzung« zweier geschiedener Eheleute nicht der Stclluüj eines Rabbiners angemessen gehandelt zu habe» Er klagte nämlich für : seine schiedsrichterlich Tätigkeit 1000 Kronen bei Gericht ein, um di von dem Vater der geschiedenen Frack gegen ih eingellagte Lohnforderung für geleistete Zimmei Malerarbeiten zu bekämpfen. Dieser Tage hielt der Galizische Hilf» verein 'in Wien seine Generalversammlung ai Das vergangene Jahr war für die wirtschaftliche Verhältnisse Galiziens besonders traurig, und } war es auch schwierig, genügend Absatz für di Fabrikate der Industrien zu finden, die der Hilst verein unter den Juden Galiziens gegründet HÄ 3 von 5! Zeit n ginne, Pläne zu Be ein G insbes in Ru smlsch Portei den ( den ii manni wende dem wurde denen Schub nen, und 1 3 erschei

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.