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Neue jüdische Presse · 1914-03-27 · Heft 12 (27.3.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 12 (27.3.1914)
Date
1914-03-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Hi- 12 an und Hot sich um die, Entwicklung der Stadt Alexandrien namhafte Verdienste erwarben. Wfred Campvs erfreut sich als großherziger Förderer aller Wohlfahrts- Lestrebungen auch in christlichen und mohammedanischen Kreisen allgemeiner Wertschätzung. Deeoratioasdlumea Brantkribizg, Brautschleier Arrangements för Festlichkeiten geachmackvolist und billigst. Kranlrfnrter Kunstblumen n. Kranzfebrik Wolsehendorff & Meissner _88 TSngeagaase 88._ Aus der Lehrerwett. JtaxfStttge. Zn die badische Synode sind fotzende geistliche Mitglieder gewählt worden: Dr. Zimeks-F«kknrg, Dr. Grzymifch-Bruchsal, Dr. Pinkus-Heidelberg, Dr. Oppen heim er-Mannheim und Dr. Chone-Konstanz und als Ersatz: Dr. Löb-Karlsruhe imh Dr. Spitz-Gallingen. Burg kund ftiröt. Unser jüngst verstorbener Rabbiner Dr. Goitein war ein Enkel des berühmten Rabbi Jecheskel Baneth. Er amtierte erst fünf Jahre in Marienbad; als aber dort in der Synagoge Reformen eingeführt werden sollten, nahm er knrz entschlossen die hiesige» materiell bedeutend ungünstigere Stelle an. Snmter. Die Feier der 25 jährigen Amtstätigkeit unseres RcLbüiers Dr. Wrcschner gestallete sich, zu einer imposanten KuudgÄung der Verehrung. Budapest. In Tölgghes wurdeS. B. Grünberg, ein Sohn des Kesmarker Rabbiners, zum Oberrabbiner und im Rabbinatsbezirk Nemeßzalok Jakob Moses-Deutsch-Magyargencs zum Rabbiner gewählt. — In den letzten Tagen verschieden folgende Rabbiner: Oberrabb. I. Rosenblüth in Szaszvar, Oberrabb. Lnzar Weiß in Agram und Rabb. Jak. Singer in Deutsch-Brod. Stockholm. Dr. M. Ehrenpreis, Großrabbiner von Bulgarien, ist als zweiter Rabbiner nach hier berufen worden, da Dr. Klein krank ist. Er wird jedoch erst im Kerbst nach hier kommen. Sofia (Bulgarien). Landesrabbiner Dr Ehrenpreis ist 'vom Wutz durch, Berlechung des ' höchsten Ordens ausgezeichnet worden. Cafe Kaisergarten am Opemplatr Erstklassiges Familien-Cafe ' -— - - Nachmittags Konzerte. __Fr« Hanselpiann, Besitzer Aus her ziouiMlcheu Beweg»»«. Frankfurt a. M. Wie wir zu nuferer Freude hören, sind für den Neubau der Tachkemonischule in Jaffa won einem nicht genannt sein wollenden Misrachisten 5S000 Francs gespendet worden. Die Spende ist außerordentlich bedeutungsvoll, denn die TachLmonischuk soll beispkelgäend für das jüdischtraditionelle Schulwesen Palästinas sein; aus Mangel an Mitteln blieb sie aber bisher in den Anfängen stecken. Dem wird nun anders werden, sie wird unter der Aegide des 'sehr rührigen Misrachi-Centralkomitees und unter der Leitung ihres eigenen Eentralkomitees rüstig zu ihren großen Aufgaben vorwärtsschreiten. Natürlich,bedarf sie-noch der regsten materiellen Anteilnahme aller, denen die Zukunft Palästinas heilig ist. Jaffy (Rumänien). Hier sprach au drei Wenden — jedesmal vor einem vieltausendköpfigen Publikum — Dr. Geyer, der im Aufträge des zionistischen Aktionskomitees eine Propaganda-Mise durch Rumänien macht. Die Reise dieses bezcmbernden Redners dürfte einen großen Erfolg bedeuten. Wie»». Zur Purimfeier des erst vor kurzem gegründeten „Misrachi-Jugeudbuud" war ein zahlreiches Publikum erschienen. \ Nach Ansprachen des Präsidenten S. Ehrenfeld und der Rabbiner Dr. Grunwald und Kramer wickelte sich ein nettes unterhaltendes Programm ab. IRotoert Grerlaoli ■ Frankfurt am Main, Mainzerlandstrasse 166 I Telephon-Amt I, 5375. I Kunstu. Bauschlosserei, Eisen-KonBtruktionen, Schau-1 fenBter-Anlagen, Werkstatt für kunstgewerbliche Metall- B arbeiten in. Eisen, Bronce, Messing, Reparatur arbeiten. W Aus he« Berewe«. Berlin. Der Hilfsverein sür jüd. Studierende (Vorsitzender: Justizrnt Dr. A. Seligsohn) gewährte im vergangenen Jahre 200 Stipendien im Gesamtbeträge von 36 760 Jk — Der Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen des II. O. B. B., verschaffte im verflossenen Jahre 4773 Personen Stellung, davon 142 mit Sabbatheiligung. .In der Schreibstube wurden 3800 Ml an Arbeitslohn ausbezahlt. verür». Im Verein sür jüd. Geschichte und Literatur sprach Rabb. Dr. Werner-München über Akiba Eger. 1761 in Eisenstadt geboren, -kam er früh nach Breslau auf die Jeschiwa und heiratete 18 jährig die Tochter eines reichen Mannes in Lissa, der von seinem Schwiegersohn nichts als Frömmigkeit und jüdisches Wissen verlangte. Akiba i^ger wollte nichts als lernen und verweigerte daher lange die Annahme eines Rabbinats. Sein erstes Rabbinat war Märkisch-Friedlaud, dann Posen. An 1500 Schüler saßen zu seinen Füßen. Weit wurde sein Rat gesucht; selbst Christen nahmen ihn in Anspruch. Akiba Eger, von der zeitgenössischen Kultur ganz unberührt, sogar des Deutschen und Polnischen nicht mächtig, übte einen uns .heute fast, unverständlichen Einfluß in der östlichen Judenheit ans. Seine Schüler erzählten noch als Greise leuchtenden Auges von dem seltenen Manne. Hamburg. Die Gesellschaft sür jüd. Volkskunde, die jüngst ihre Räume nach dem Museum für Volkskunde, Rotenbaumchaussee, verlegt hat, erstattet ihren Jahresbericht. Die von Rabb. Dr. Grunwald-Wien herausgegebenen „Mitteilungen" sind erweitert worden. Die Sammlung der Gesellschaft hat sich um wertvolle Stücke vermehrt. Budapest Ein Landesverband zur Pflege der hebräischen Sprache und Literatur ist gegründet worden. Hier wurde dieser Tage bereits der erste Sprachkursus eröffnet. leuiffefon. Ei« Gelübde. Roman aus dem jüdischen Gemeindeleben. Von S. Luß-Mannheim, (Fortsetzung.) In Italien, in der Schweiz und jetzt auch in Frankreich war das Volk unruhig und aufsässig geworden, erzählte man mrd sprach öfters und lauter von Freiheit und Gleichheit, die alle Welt beglücken sollte. Auch in Lochstadt fingen schon einige, die als stets Unzufriedene bekannt waren, auf den Wirtshausbänken ml, große Reden zu führen von den paradiesischen Zeiten, die nun bald herbeigeführt werden müßten. Bei den Zusammenkünften in den Schabbesstnben, in den Chewroth, in der Gemeindestube, wenn man sich vor dem Beginn des Gottesdienstes versammelte, wurde auch viel gehofft und geredet von der Morgenröte der Frech eit, die im Gegensatz zur Sonne im Westen aufgeheu werde. Nur der alte Lech schüttelte immer still den Kopf und sprach jetzt wieder sehr weüläufig über seine eigene Jugend. Selbst Nathan Blumenthal, der schon längst Großvater war, die '60 überschritten hatte und im schneeweißen Haar prangte, oder Rüben Stern oder Josef Heilmann wurden oft vom alten LeD, wenn sie etwas sagten, mit einer verächtlichen Geberdc abgetan und zurückgewiesm mit dem Ausspruch: „Ihr jungen Leute verficht nichts, ich weiß noch wie heute, als sie vor 60 Jahren anfingen, gerade so von Frecheit zu reden und zu schreien; wer waren die Lautesten? Die, welche unter Freiheit das verstehen, was sie selbst Mächen dürfen, was sie wollen, wenn den andern auch damit die größte Gewalt geschieht, und was meinten sic mit ihrer Gleichheit? Daß jeder, der einen Gwschen mehr hat als sie, gerade ihnen den Gwschen geben Muß, damit sie ihn in Schnaps anlegen können. Bleibt mir weg mit Eurer Freiheit und Gleichheit, die durch Gewall herbeigefnhrt werden soll, da kommen die anständigen Leute immer zu kurz." „Ich habe gestern in der Kwne gchort," warf David Rcinwald ein. „Schweig, David, Du bist ja kaum twcken hinter den Ohren, Du läufst zuviel herum, und steckst einmal den Kopf nach rechts und einmal nach links, und wer so mit seinem Kopf herüber und hinüber fährt, und immer wackelt, anstatt festzustehen, der rennt am Ende immer an einen Balken an. Als Jude tätest Du am besten, wegznbleiben von all den Orten, wo Man so viel redet. Weißt Du warum? Weil die Lumpen bei jedem Krawall zuerst versuchen, sich an den Juden zu reiben, ob sie etwas getan haben oder nicht, das ist ihnen gleich." „Der Herr Löwenstein hat recht," sagte Josef, der Pärnes, „ganz recht, gestern abend hat sogar der alte Zuchthäusler, der Einbrecher und Galgenstrick Christoph vor meiner Tür laut geschrieen: Es ist kein Wunder, wenn wir' alle nichts haben, wenn die Juden an 300 Talern in einem Monat 10 Taler verdienen. Gewiß war cs auch sin solcher Lump, der am Neujahrsmorgen einen Schuß auf den zum Frühgottesdienste gehenden. Simon abfeuerte." Simon war immer der erste, der in der Synagoge erschien, da er im Trauerjahre bei den Werktagsgottes-- dienstes das Antt des ,Vorbeters versah, und so war er der einzige Wanderer auf der Straße. Trotz, der Übeln Reden, die in den letzten Wochen sein Leben verbittert, hatten, war er im Gefühle seines Rechts ruhig seiner Christ. Wilhelm Leux Telef. I, 8567. Hoflieferant. Goetheatr. 21. Herren-, ©amenu. Livreeschneiderei Spezial-Sportgeschäft. - Auf Wunsch koschere Verarbeitung. . Wege gegangen, da flammte, gerade als er in das enge Synagvgengäßlein cinbog, aus dem dunkeln Winkel zwischen zwei Häusern ein Blitz auf, es krachte, ein droh nender Schuß, und eine Kugel pfiff zischend durch die dünne, kalte Atvrgenlust. Die Einwohner von Lochstädt lagen, nachdem sie die Nacht durchtobt hatten, gegen Morgen im tiefsten Schlafe, und selbst diejenigen, die von dem lauten Knall des Schusses erwachten, kümmerten sich nicht darum, dachten sie doch, daß ein verspäteter Neujahrsschütze sich übermütig bis, in den hellen Tag hinein der frohen Lust der Sylvesternacht überlasse, aus einen böswilligen Anschlag gegen ein Menschenleben waren die ruhigen Lochstadter nicht gefaßt. Wcim auch glücklicherweise die Kugel nur dicht an seinem Haupt vorübergcflogen war, die Khille war aufgeschreckt aus ihrer Ruhe, und doch tat Man weiter nichts, als daß Man dm Anfang des Frühgottesdienstcs aus cjne halbe Sttmdc später verlegte. Der weitere Werlaus des Wütters war ruhig, da verbreitete sich Ende Februar die Nachricht, weit drüben über dem Rhein hättm sie ihren König fortgejagt und cs ginge in Paris alles drunter und drüber. Nun wurde es auch in Lochstadt wieder unruhiger, die verwcgmen Burschm, denen an der Freiheit nichts, an der Willkür altes gelegen war, fingm wieder lauter zu reden an. Die ruhigen Bürger von .Lochstädt hättm durchaus nicht die Absicht, sich von einigm Radaubrüdern in ihrer Ruhe stürm zu lassm, sie richteten eine Bürgerwache ein, die verpflichtet war, in dm Straßen Ordnung zu halten. 12. Kapitel. Es war am ersten der 6 guten Sabbate, am Sabbat vor dem Neumonde Adar, als die Nachricht von der Umwälzung in Paris zum erstenmal in der Khille erzählt wurde, und sic war geeignet, dm alten Leib an seinen Lieblingsgcsprächsstoff, an die erste französische Staatsümwälzung zu erinnern, wo er sich nicht gern stören ließ, wo er jedem Hineinredenden, selbst wenn es ein grauköpfiger Großvater war, das Wort abschnitt mit dem Zurufe: „Ihr jungen Leute versteht nichts." Heute Machte sein Aussehen auf alle Mitglieder der Talmud-Thora-Chewroh einen ganz besonderen Eindruck. War sein faltiges Gesicht bleicher als sonst? War sein zahnloser Mund eingefallener als an den vorherigen Tagen? Warm seine. Augm größer, glänzender geworden? Oder war cs die Aufregung, die in dm der Zeit trvtzendm Körper sichtliche Spurm eingrub? Ja, Man hörte diesmal seinen Erzählungen, über, die man sonst manchmal gelächelt hatte, mit der größtm Aufmerksamkeit zu. Der kleine Mann mit seinem dürre», schmälen Leibe, mit seinen langen, wie zerzaust -aussehenden weißm Bartsträhnm und seinen langen, dünn hcrabhängendm weißen Haaren Machte einen Eindruck, als ob ein Prophet dasäße, der mit wett äufgerissenen Augen in eine feme Zukunft schaue. „Ich sehe es kommen," begann er, „wie damals; Lumpen waren es zuerst, die.schriem und lärmten, bis auch die Ruhigen und Vernünftigen angesteckt wurden. Am Ende sind wir alle, ich auch Mit, lustig um den Freiheitsbaum gesprungen und haben gejubelt, daß die Zett herankontmt, wo auch wtt Juden als gleichberechtigte. und gleichbehandelte Menschen gelten, aber dem Freiheitsrausch ist es gegangen wie dmm, die durch Branntwein das Feuer ihres Geistes entzünden, hinterher ist die Uebelkeit und die traurige Ernüchterung gekommen. Die Freiheüsbringer haben uns bedrückt,- und die, die uns von dm Freiheitsbringern best eiten, waren wüste, schmutzige Kosaken. Der Prmße und der Melech von Schwuaus haben uns nur einm kurzen Sommer gebracht, und es ist bald wieder dunkel geworden im Deutschen Reich." „Der Melech von Schwuaus, wer ist das?" fragte Simon dm neben ihm sitzenden Samuel, da ihm die Erzählungen und die Ausdrucksweise des alten Leib nicht bekannt war wie dm anderen, denn er lebte ja noch nicht ein - Jahr in der Stadt. „Sst," antwortete Samuel leise zischend und die Hand hebend, „sei ruhig, Melech von Schwuaus sagte» die Juden in der Jugend des alten Leib, als die Franzosen alles beherrschtm, und es. gefährlich war, nur den Namen eines französischen Feindes zu erwähnen, von dem Deutschland Mithilfe zur Befreiung von der S der 90 Volkes des B chlichte ,er nu jetten aben. man se zählunc wecken tudier affen nisv o mit de t i k in Bedeut für ihr raum Seite! man d und sl überste! 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