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Neue jüdische Presse · 1914-03-13 · Heft 10 (13.3.1914) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 10 (13.3.1914)
Date
1914-03-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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t'inc gesunde Entwicklung nehme. Auch der Ehed,» Thora ist orchodox: trotzdem ist er ollgenieiu ge schätz, und beliebt, und der ..Merkas hamorim" sörtvn ihn. Ter Grund für die Unbeliebtheit der Schulen der „freien Pereiuignug" ist der separatisnsliie "leist, der »och teilweiie an ihnen klebt. Wäre dieser nid# da, diese gut organisierten, ihrem Unrerrichtsplane nach recin zneckinäßig auSgestalteten schulen mären geadstet und beliebt. Allerdings müßte »och in einem anderen Punkt eine Aenderung erfolgen: aber diese würde mit der Ucdei windung der fevaratistischen Traditionen von selbst kommen: dir Schulen dürsten nicht nur den Eharatter von Konkurrenzanstalten tragen» die nur dazu ^-gründet zu sein scheinen, den anderen bestehenden z,l scl-aden. Tenn wenn dem nicht so wäre, ist ei nickt zu begreifen, warum die „Freie Vereinigung" ihre Schulen in allen Kolonien gründet, auch da, wo keinerlei Bedürfnis nach ihnen besteht. daMgen in den Städten» vor allem in Jerusalem, TiberiaS, Sased, wo solche Schulen dringend nottun, keine einzige bisher eröffnet hat. Hier, in diesen Städten zu wirken, das Chalukahjudentum zu modernisieren, das wäre die eigentliche Aufgabe der „Freien Bereinigung". Allerdings müßte man dann die Geste de« rettenden Engels ablegen, die letzten Reste von Scporationsgeist tilget! und sich dazu verstehen, wie alle anderen Organisationen schlicht und bescheiden positive Arbeit zu leisten. Ob die „Freie Bereinigung" allerdings so bald zu dieser Erkenntnis gelangen wird, möchte ich bezweifeln. Einmal wird sie dazu, mucr dem Zwang der Verhältnisse, .kommen müssen. Wer ireiß aber, ob eS dann nickst M spät und sie von anderen Organisationen bereits überholt und verdrängt sein tmrd? Es ist vorderhand noch keine große Zahl von Schulen, die ich in dieser religiös-nationalen Kategorie aufzählcn konnte. Ich bin aber überzeugt, daß diese Zahl stark wachsen wird. Tenn — trotz allem Gezeter über die antireligiöse Entwicklung Palästinas — der national-religiösen Schule gehört die Zukunft in Palästina. Roch sind die meisten der bestehenden Schulen Jntclligcnzschulen. Sollen erst einmal die Massen des ChalulahjudentumS erwachen, soll erst einmal eine Generation von gesunden, lvahren Bauern herangttvachscn sein, und man wird sehen, wie die national-religiöse Schule die eigentliche Volksschule Palästinas werden irird. Tenn wie immer auch eine dünne Oberschicht der Intelligenz religiös gesonnen sein'wird, die Masse des Judentums auch in Palästina wird national-religiös sein. Auch in Palästina? höre ich die ängstlichen orthodoxenSorgcnvrovhrtcn fragen. Gerade in Palästina! antworte ich. Tenn darüber dürfen wir uns heute schon klar sein: Reben allem anderen, neben dem jüdischen Volkstum, neben der jüdischen Sprache, neben der jüdisrlien Kultur wird auch die jüdische Religion in Palästina zu nrucin, schöpferischem Leben erwachen. -fethfeer Stufe* H»r,t»itz s. A. 'Zu seinem 70. Geburtstage. Zn piricu Tagen schweift die Erinnerung wie von ielbst luieder zu jenem Manne zunick, dessen Bild »och so lebendig vor unseren Auge» steht und dessen Fehle» niir gerade i» diesen Zeiten so liei hoben behagen ntüfieu: am Purimtage Hätte Rabbi»,, Markus Horovitz i. A. innen 7». «lebunstag feiern diirsen. Hätte ihn nicht der ihm emriimtnre Beschlich des Allmächligen früher van uns (lemfeii. ivieder, nenn inr dieses nirchtliareil Verluste», a,r »ns belrosseil hat. gedenken, füllt es uns »nächst ichiver, ,hi, ffn wahr, sin eine wirklich., »nabäuderlidie Talsadie Halle»: jo sehr hat sich Mark»» Hvrawitz i» »„seren Seele» Frankfurter Israelitisches Familienblatl. sesigewiirzell. so sehr hatte» wir i» iahrrelmre taik.p'ii .u,impfen und Müde» »n» gewöhnt. ,» ihn» den Berater, den Helfer, den Führer zu erblicken, das; wie schier noch iinmer uns nicht mit' dem "tedankeu absinden könne», daß er uns »u» für immer genommen ist. Es ist das Kennzeichen des großen Mannes, daß in allen dedeuniiigsvolleit Momenten, die nad) seinem Tahinsdieidrn ein treten, seine Freunde und Jünger, seine Anhänger und Bewunderer immer wieder an ihn zurückvei, Br», immer wieder seinen Verlust aufs neue beklagen müssen. Wie oft lehne unsere Erinnernng in den Tagen, die seit dem Ableben Markus Horovitz' verstrichen sind,-zu diesevl Manne zurück; wie oft mußten wir sein Fehlen schmerzvoll vermissen, ivie oft mußten wir in den traurigen Momenten der letzten Jahre uns sage«: iven» er noch da wäre, cs tväre anders, besser gekommen. Als die R i ch t l i n i e n für das liberale Jndcntum erschienen und jene tiefe Erregung in allen Kreisen des gesamten deutschen Judentums anslösten, wer empfand da nicht, daß in jenem Momente der große Führer im Kmirpfe gegen die Richtlinien fehlte, daß dieser Führer aber nicht gefehlt hätte, märe Markus Horowitz noch unter uns; er, der bei aller Versöhnlichkeit und weisen Mäßigung seines Wesens im einzelnen, doch unerschütterlich konsequent, unerbittlich treu und energisch da war, wo cS sich um die großen Prinzipien und heiligsten Güter des übrrlicfeneu Judentiuns handelte; er, der aber bei aller Konsequenz und Energie in der Vertretung des traditionellen Judentum» doch auch die anderen, hie die Tradition ihres Volkes und ihrer Religion in viele» Punkten aufgegeben hatten, als ieinc Brüder empfand und darum solch großen Einfluß auf sic ausznüben vermocht hat;, wer empfand nicht in den traurigen und beschämenden Tagen der Richtlinicnbcwegung. daß diese Ereignisse nicht so gekommen wären, wie sie kamen, wenn Markus Horovitz noch gelebt hätte; daß er es verstanden' hätte, entweder die Liberalen von der Gefährlichkeit .ihre» Tons zu überzeugen oder aber, wenn dies unmöglich gewesen wäre, den Kampf gegen die Richtlinien .energisch und machtvoll auszunehmen und zum Siege zu führen. Je verrannter und radikaler die.Liberalen sich verhielten, je desorganisierter und planloser ihre Gegner vorgingrn, unl so mehr, mW so tiefer und schmerzlicher empfanden ivir alle den Verlust Markittt Horovitz', um so größer und tiefer ward unsere Ärehrung für ihn, der während seiner Lebzeiten solche Katastrophen zu verhindern verstanden hatte. Als vor weyigen Wochen der Streit um das Haifaer Technikum entbrannte mtd in Palästina derKampf gegen die Hilfsvereinsschulen oufgrnonimcn ward, als die germanisierenden Tendenzen, die beklagenswerten Wandlungen des Hilss- Vereins aller Welt offenbar wurden, wiederum schweifte da unsere Erinnerung zu Markus Horovitz zurück, wiederum drängte sich uns der Gedanke auj, daß das Ganze einen anderen Verlauf genommen hätte, hätte er noch gewirkt und gearbeitet. Ist cs doch genugsam bekannt, daß er als zweiter Vorsitzender des Hilssvereins das vornchmste Verdienst an der ursprünglich so deiuokratischc» und sympathischen Tendenz des Hilssvcreins trug, daß er es gcwrseit war. der das Prinzip der Hcbraisierung der HilfsvcrcinSschulcn durchgrsrtzt hatte. Wir alle empfanden: stände er noch an der Spitze des HilfSverein», er hätte cs zu verhindent gewußt, daß der Jernsal.mcr Vertrauensmann der eigentliche Leiter des HilssvereinS in scinein Wirke» in Palästina ivurdr, er hätte dafür gesorgt, daß die »rsprüngjidieJMitit beibehalten worden wäre, er hätte auch im Streit um das Technikum von vornherein eine ip'nieiiijanie Basis zu finden, eine Einigung herbeizufiihren geivnßt. Und als dann als Nachspiel des Sprachenkampfs jene ungeheuerliche antizionist ifcheErklär u » g in den Inseratenteilen deutscher Zeirnngen erschien, als in der Hitze des Kampfes jene liiierhörtc Verleumdung eines großen Teiles »»irres Volkes vor der »ichtssidischcn Welt ersolgte, d-, fühlten wir es stärker als sr. mir uiierfeplidi »ns fein Verlust ist. Trtut wir waren überzeugt davon: er hätte diese bejamineriiswerte Tal, zn der Fanatismn» und Brnderl)aß verleitet hatten, zu verhinder» verstanden: er, der von der tieffien Sympathie für W nationale Bewegung aeiragen, dock die hödiste Autorität and, in den Kreisen der Ainiziemiien besaß: er. Chiii die Wabruiig der liicksdirii Einrradn ei» hohe» >i»d bcilipe» Ideal war; er. Der in {einem liefen jüDiirtieu Stolze und Ehrbewui'liein niemals diese Eniwürdiguiig de» Jiiten- «iiino vor der nid,kindische» Welt, diese» „Ebillnt haschem", ziigelasseii Härte. Und Sasselde. was nur in diesen wichtigsten und bedriinmgsvollilen Stunden, die wir feit seinem Tahinscheidcn dnrcherlebt habe», gesuhlt hatten, empfanden wir in vieren Kentere» Momenten, emofinden wir tagtäglich. Iinmer wieder, n^nn Haß und Feindsdiast das Judemu,n spalten und zrrklüften, wenn ungxsunder Kamps »no Zwierracht unsere Eintracht und dami. unsere Existenz gefährden, dann denken wir an ihm zurück, den größten Vertreter und Wahrer de» jüdischen Einheiisgedankrns, den großen „raudef scholaum" im hehrsten Sinne dieses Wortes. Immer wieder ab-'r auch, wenn wir die furchtbaren Wunden, dir uns Jndisseicnz und Interesselosigkeit für das Judentum i» den Reihen unserer Jugend schlagen, wahrnehnien. wenn wir sehen, wie Abfall und Entsrenrauiig immer weiter in unserer Mitte sorlschreiten, dann schweift unser tMoi/f zu Markus Horovitz zurück. dem Manne, dessen ganzes Wesen Energie und Attivitär war. der wie kein anderer Begeisterling zu entfachen wußte, dem Rabbiner, der bei aller hervorragenden Bedeutung auf talmudischem Gebiet es gleich de» größten Rabbinern unserer t«eschichte als seine Pflicht ansah. nicht nur in der lKe» Ichrtcnstubczu studieren, sondern auch im Kamps des Lebens zu wirkeit und zu füllten, dem Lehrer, der die Jugend mit Zauberbanden an sich zu fesseln wußte,. dem Führer, dessen Weisungen weiteste Kreise des deutschen Judentums im höchsten Vertrauen unbedingte. Folge leisteten. Es stände um das deutsche Judentum ein gut Teil besser, tveilte iwch Markus Horovitz unter uns, wir könnten den Gefahren und Nöten, die uns von allen Seiten umdrängen, mit mehr Mut und;sirverficht emgegenschauen, wüßten wir, daß rr noch an unserer Stütze steht. Seinen 70. Geburtstag hätte Markus Horovitz ain gestrigen Purimtage feiern dürfen. Welch eine Feier, welch ein Frstestag wäre dieser Tag für die Frankfurter Judenhcit, für die Judcnheit Teutsdilands. fiir das Gcsämtjudcntum geworden! Gottes Ratschlag hat cs ihm und uns nicht vergönnt. diesen Festestag feiern zu dürfen. So ward uns dieser Tag statt zu einem Tag der Freude und de» Glückes zu einem solchen schmerzvollster Erinnerung und tiefer Klage. So ward uns dieser Tag aber auch zu einem Tage der Erhebung,und der innerlichen Stärkung. Denn dieses ist die größte Gabe aller »vahrhaft Großen: immer wieder, wenn Man an sie zurückdenk und ihr Bild wieder anssteigen sicht, wird man durch ihre «Gestalt gehoben und geläutert. Der Gedanke und die Erinnerung an Markus Horovitz wird jedem Juden stet» ein unerschöpflicher Quell der inneren Stärkung und Erhebung sein. _ tfe* tmSrtigttiffe« le* 2>«t*. *te Ht«rgraif«tiMi M f»>a««Mcllrartteci. Tai Internationale Pro-Falaschafontitec hat vergangenen Sonntag in Franksurr rine Sitzung abgehalten, die eine völlige Reorganisation des Komiker» vorgcnvmmrn hat Damit ist die jüdisdic Oessentlichkeit wiederum an die Falaichabewegung erinnert worden, die nun schon seit mehreren Jahretc , bessere, chen. diskulien und propagiert wird, ohne daß sie bisdcr zu einem wesentlichen greifbaren Resultat geführt hätte. Es ist »idn nötig, noch einmal aus die ganze Entwicklung der Falaichabewegung einz»gehen Die einzelne» Etappe» der Entwicklung sind ja genugsam bekannl: imm iveiß heute allgemein, daß derjenige Faktor, der bis heute de» Erfolg der Aktion vor allein l-erhindert hat, dir Alliance Israel irr ist. man iveiß allgemein, was man von der famose» Expedition des klugen Haim Nahum Hallen soll, »nd man weiß, daß seit einigen Jahren Tr. Jacques Faitlowitsch unermüdlich für d>e Sackp' tätig ist. bereit» drei Erpeditionen n»d, Abessinien unternommen hat und in Italien rin Pro Falaschakomitee existierte, dessen Borsitzender der Oberrabbiner von Florenz, Dr. Mar-

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