Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 10 (13.3.1914)
- Date
- 1914-03-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IrnnkfurtiT IsraelUches Jiimilir nblalt. Erscheint wöchentlich am Fceirag. A»f»ß«Pr,i» »r, Miertetiatzr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.— ft« rn» fcaul. «ei der Post abonniert SO Pfg., frei in» Hau» 4 Pfg. pro Monar mehr. — «ei Zusendung durch Streifband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn Mk. 1.50. für Rußland I Rudel, für alle übrigen Lander Mk. 2.— Einzel - Nummern kosten 10 Pfg. AedaKtion und Erprdrlion: FrmkfuH «. M. n Cangcftr. 7. Fernsprecher Amt I. 10507. ^era»E--5er: j»aly chei-. JasertienOPtri» für die fünfqespaltene Pettlzettc 25 Pf«., skr die Reklamezeile Mk. 1. . «er Wiederholungen entsprethender Rabatt. SleUen.Angebote und -Gesuche. Wohnungtzinserat«. Heirat».Annoncen 15 Pfg. die fechsgefpaltene Petuzerle ohne jeden Rabatt Platz. und Datum-Borfchriit ahne Lerdmdlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Expeb. und in a Annoncen-Bureon» Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Rr. 4S64. 1«. Kreit««, »e» 15. Adar 5674 (18. «iir; 1914) Die «chale» Paliftiaa». Bon N a ch um Goldma n n. lll. £ r. «atiaual reliOi-se Schule». Machkemoni in Jaffa; Cheder-Thora in Jernsi- Hem: itoloniefdjukni der „Freien Pereinigung" für d-ie nrthodorrrl Fntercssen des Fudennnns". sSchlutz) Was dc'r Tachkenioni trotz des Fntcresies und Per Unterstützung weiter K reife nicht vermockste, brachte <ine kleine, stille Schule in Jerusalem fertig, die noch , nie die Wcrbctromniet gefctstagen, von der kein Mensch . aufäerhatb Palästinas etwas weist, und die doch :in ihrer Art fiu* äußerst bedeutsame, vielleicht ^hahnbreännde Leistung darftellt: ich meine den deder - Thora in Jerusalem. Dieser EHeber- -^Thora unrersckieidet sich sckwn in der Art seiner ^Gründung vorteilhaft von deri menten anderen ^Schulen Palästinas: Keine fremde Organisation zchat ihn itls Leben gerufen, kein „welthistorisches ^Ziel" sollte durch ihn realisiert rverden, und nicht ^eiumal Beginn einer neuen Epoäst: im Leben ^des palästinensisä>cn Judentums" wollte er dar- ^KeUeit. Eine An.^rht angesehener, streng frommer. j aber mir Berstündnis für die Notwendigkeit moder- ^»er Bildung begabter Baalebanm itr Jerusalem l&al zusammen und beschlost, aus eigen ei, Mitteln . eine Schule zu gründen, die auf streng religiöser l Basis doch ihren Kindern auch eine gute allge- meine Bildung geben soll. Diese Privatinitiative, der die Sclxule ihre Entstehung verdankt, beweist am besten, rvir st: rk das Bedürfnis nach erner ° solchen schule war. Das Projekt wäre wie hundert andere bald gescirerten. wenn die Gründer nickst e das Ettäck gehabt hätten, einen Mann als Direktor gewinnen, ^r. gewijfermasten die Borsehnng r diese Ausgabe vorherbestimmr und geschossen Heu. Ais er die Leitung de'r schule übernahm, trat man ih,n von berdrik weiten mit stärkstem Misttrauen entgegen: die modernen Lehrer erklärten feinen Persuch, eine moderne schule aus der Basis des alten Ebetxr zu gründen, für verfehl'. und ^aussichtslos: und die Fronunen hielten die Sckmle für rin Mittet, jie zu betören: nach austen hur ein frommer Eheder, <ieiv.el" aber eine moderne „apikoriisck-e" schule. Ter Leiter der Anstalt begann sein Werk: zur Bcrsügrmg standen ihm die denkbar knappsten Geldmittel -die schule wird . gröst.ten Teil von den Schulgeldern der Ellern erhalte,i, eine in Palästina fas, einzig dastehende Tai - <« fache, die von der starten Anhänglichteu der Eltern ' -an die schule zeugt . Henre, nach etwa » Fahren, - ist er bereits so weit, dast seine Schule von allen rückbaltlvs anerkannt unrd Lerne vom nngarifthen Koiiet jeudcni ihre Kiudc-r in die Schule, und der „Merkas harnorim" iördc'rr ihn durch smanzielle Zlnvettdunge». Tie schule stellt einen modernisierten Eheder dar inatürltch tvird alles nur im Hebräisck'x'n unrerruinei : der grostie Teil der llinerrichrsstuuden tvird für Bibel und Talmud auf wandt: trotzdem gibt sie ihren Schülern eine Prosanbildttng. die für eine gute Bolksschnle völlig ousreickn rnid iick: mir de'nl Wissensstoff. den die meisten „uderen p.ttästuiensisckieu Zchitlen ihren Zöglingen vernnueln, >voh> nressen kann. Fm letz' len Fahr wurde auch eine srerndc' Sprache deutsch als fakultativ erngeführl, und ku-r Leiter dir 2chuU' heg: die feste Ueber.rcngung. hast er - . 1 Fahren seinen an Tanach and Gemarah geiä)ulten und genug entwickelten Fangen - .ebensorue! Den:ist, beibringt, als es die Hils-'vei einsschulen mit ihrem achtjährigen Pensum fertig bringen. Tie Bedeutung dieser Schule ist die denkbar größte. Solche Schulen können und werden die Brücke bilden, die uns mit dem alten Fnchub verbinden wird. In solche Schulen und nur in solche werden wir die Kinder der Chalukahjuden hereiubekommen, und haben wir erst einmal D Proz. dc'r Fugend des Chaluklhjudentums in solchen streng religiösen, dabei aber durchaus nationalhebräischen Schulen herangezogen, dann ist die Kluft zwischen altcnr und neuem Jischub beseitigt. Darum stehe ich nicht an, dem Cheder-Thora eirre bahnbrechende Bedeutung zuznsprechen. 'Nicht eine einzige solche Schule, sondern ein Dutzend solcher Anstalten müssen wir,Än Jerusalem haben. Statt dessen aber muß Pie. einzige Schalle dieser Art mit einem Budget von 9000 Mark kümmerlich ihre Existenz fristen, must ohne eigenes Heim sich in alten zufällig leerstehenden Gebäuden Unterkunft suchen und vietmal im Jahre Umzug halten. Für alle möglichen und unmöglichen Anstalten in Palästina ist Geld da; Institute, die gar nicht existieren und nie existiert haben, beziehen Tausende von Francs alljährlich; für diese vom nationalen wie religiösen Standpunkt gleich bedeutsame Schule aber stiftet kein Mensch einen Groschen. Es scheint fast in der Tat, als ob es in palästinensischen Anstalten nicht auf den inneren Werl, sondern auf die Geschicklichkeit der Reklametrommel ankäme. Vielleicht, daß sich nächstens doch noch der Mann oder die Organisation findet, die iH'in schwer um die Existenz seiner Schule känlpfenden Direktor und Lehrerkollegium hilfreich beispringt und ihnen die finanziellen Mittel zur Verfügung stellt — sie brauchen keineswegs bedeutend zu sein —, die die ungehemmte, freie Entwicklung und Entfaltung dieser bahnbrechenden Schule ermöglichen werden. Und nun zu der Gruppe der Schulen, die zneisellos auch in diese Kategorie der hebräisckfen, nationalen, streng religiösen Schulen gehört, obwohl man manchmal Zweifel hegen möchte, ob "diese Klassifizierung zu recht erfolgt; zu den Schulen de, „Freien Bereinigung für die o r t hohören Interessen dcS Judentums". Ich sage, man kann manchmal Zweifel hegen, ob diese Schulen in diese Kategorie hineingehören, denn rvas sie vor allem charakterisiert, ist ihre innere Uneinhcitlichkeit, das Schwankende und Unklare ihrer Physiognomie. Ter Geist, der diese Schulen beherrscht, stellt ein unorganisches Gemenge dreier Elemente dcrr. Das erste Elenrent trägt die „Freie Bereinigung" hinein. Als diese d»iran ging, ihr Schulwert aufzurichtcn, tat sie es mit dem ausgesprochnen Willen and offenkundigen Anspruch, in den Kolonien Palästinas als Retter in der Not auszurreten, als Rener der durch die rein nationalen Schulen gefährdeten Religion. Es ist eine Frage für sich, ob die Religion fo-r Kvlouifteujugend wirklich gefährdet war, eine andere Frage, ob, wenn das der Fall ist, es den Schulen d<'r „Freien Bereinigung" gelingen wird, diese Gefahr für die Dauer abzmvenden. Gering: den Leitern der „Freien Bereinigung" erschien es so, als ob die Religion in den palastirrensisck)en Kolonier, in Ge fahr sei mu> es ihre Pflicht fei, rettend, helfend einzuspringen. So kam es ihnen wohl vor allem darauf an, religiöse Sctprlen zu grüudc'n; nrrd religio-.' in ihrern Sinne, das heiyt im Sinne der Kr. 16. separatistischen Orthodoxie. Man mutzte aber bald erkennen, das; für dieses spezifisch geartete Gewächs der palästinensische Boden sich schlecht eigne, daß in den Kolonien weder Raum noch Berstündnis für Trennung und Trennungsgeist vorhanden war, und innßte so Konzeffionen an das Nationale machen. Damir rvar das zweite — dem ersten wenig honrogene Element in die Schulen hincingedrnngen. Hinzu kam noch ein drittes. Der grösste Teil der Lehrer dieser Schulen besteht aus „Melamdim" der Jerusalemer Talmud-Thoras. Movc-rn gebildete Lehrer, die den religiösen Ansprüchen der „Freien Bereinigung" genügen, findet sie nicht in Palästina, und so mutz, sie ihr Lehrmaterial aus diesen Jerusalemer „Metamdim" nehmen, die oft zwar gute Melamdimimmer aber fckKeckste Lehrer sind. So setzt sich der Geist dieser Schulen aus drei Elementen zusammen: separatistische Orthodoxie, nationaler Hebraismus und Jerusalemer Chalukahjndentum. Daß pie Berbindung, die dabei herauskommt, nichts Einheitlickies fein kann, ist klar. Man merkt dies den meisten Schulen schon äußerlich an. Man weiß meist, wenn man sie betritt, nicht recht: Srnd sie Schulen oder Chedvrim? Ter Lehrer ist Msist ein typischer Jerusalemer „Melamed", der sich denn auch ganz so geriert, wie er es von seinem „Eheder" her gewohnt ist. Bor ihm liegt aber stets ein modernes Klassenbuch, von dem man aber den Eindruck har, daß es zu diesem keifenden, sich heftig schüttelnden, oft ohne Rsck und Kragen unterrichtenden „Melamed" schlecht paßt. Die Schüler werden zivar von dem ans Deutschland stammenden Direktor der Sckmlen zu Ordnung und Präzision zu erziehen versuckK, ist aber der Direktor weit weg, dann schütteln sie sich, schreien und kreischen und verfallen nneder in ihre llnmamerra, ganz wie im Eheder. Dieselbe Ilneinheitrichkeit gilt auch in Bezug auf die GruniKagen dieser Schulen. Man unterrichtet zwar hebräisch, aber in aschkenasisckfer Aussprache; ohne strichen logischen Grund, lediglich, weil die Lehrer fast alle Jerusaleiner Chalukahsuden sind, und inan sich scheut, in der Lpra.l^ ganz und gar den anderen „apikorsischen" Schulen zu gleichen. Und ebenso steht es mit der Tendenz der Erziehung: Man kann sich Kvar nicht ganz dt'm Einfluß des nationalen, solidarischen neupaläfttnensifchen Judentums entheben, aber man bemüht sich, doch hie und da Tropfen des Trennungsgeiftes in die Seelen der Kinder zu träufeln; Man deutet ihnen an, daß sie mit den avderen, die Jcnfchuie besuchenden Kindern nicht spielen sotten. Natürlich tun sie es doch; genau so, wie sie draußen auch, größtenteils schon rvahrend der Schulzeit, später aber alle die sephardische Aussprache akzeptieren. Die Prinzipien des Trennungsgeistes lassen sich eben nickir nach Palästirra verpflanzen. Die Kraft des Nationalen ist stärker als alles. Deshalb täte man gut darmr, alte ja nutzlosen Brwsuche, separatistische« Geist nach dem gesunden Palästina zu importieren, zu unterlassen. Denn rr>as praktisch ixrbei herauskommt, ist nur d«r^: man oersckp'rzt sich die Sympathie dcw öffentlichen Meinung in Pstttästina. Die Sckuilen der „Freien Bc'reinigung" sind sehr unbelieb-, ja teils verhaßr, in Palästina; und uidyt etwa nur in Tel-^ttviw. auch in dc'n Kolonien, guch in Jerusalem. Und der Grund ist nicht etwa der, dtiß sie orthodr'x sind. Auch der Tachkemon: ist orthodox: trotzdem feinbet ihn niemand an; im Gegenteil: alle Welt rvünscht ausrichng. d,rß er