Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 44 (7.11.1913)
- Date
- 1913-11-07
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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KS feite iö. ManGrrler WraMWe» KmckkieMM. Slr U. PePsö«alte»«. Kleine Mitteilungen. Richtung ist un Bgrjahre in emcr neuen, imr 3000 ha umfassenden Kolonie Dora gemacht worden, wo 83 Kolonisten auf Parzellen von 25—30 ha gutbewässerten Landes Jnteusivkultur treiben sollen. Im Berichtsjahre wurden diese Versuche mit noch viel kleinern Anteilen fortgesetzt. Einschließlich der neuen Kolonie Aiontefiore weist Argentinien 2525 jüdische Kolonisten mit 3135 Familien und 17 414 Seelen auf. Daneben leben in den Kolonien 1385 Arbeiterfamilien mit 6626 Seelen. Dieselben bilden ein anspruchsloses, unternehinungsfrohes Element, dem keine Arbeit.zu schlecht oder zu schwer ist. Während, der Saison arbeiten sie bei den Älonisten in Tägelohn und suchen, trenn die Feldarbeiten zu Eiche sind, sich als Fuhrleute, Händler und Handwerker duuhzuschlagen. Biele von ihnen haben es binnen weniger Jahre zum beschechenen Wohlstand gebracht. Für die Jca bilden diese Arbeiter eine unerschöpfliche Reservearmee, der sie ihr bestes Menschenmaterial für ihre neuen Kolonien entnimmt. Der diesjährige Bericht enthält eine Anzahl Tabellen, welche den Fortschritt der Kolonisation in Argentinien graphisch darstellen. Die Zahl der Kolonisten ist von 785 im Jahre 1899 auf 2527, das von ihnen bestellte Land von 50000 aus 250 000 da gestiegen. Im Jahre 1905 tonnten sie nur 464 000 Frcs. zurückzahlen, 6 Jahre später überstiegen diese Rückzahlungen bereits die erste Million, um im Berichtsjahre freilich wieder auf Frcs. 978 000 zu sinken. Die materielle Lage der Kolonisten ließ nämlich in diesem Jahre fast alles zu wünschen übrig. Infolge allzureichlicher Regenmengen konnten von den bestellten 196000 ha nur 132000 geerntet werden. Sie erbrachten 85600 Tonnen Getreide im Werte von liy* Will. Frcs., von denen aber 10% Mill. Frcs. Unkosten abgingen, so daß den Kolonisten etwa 600000 Frcs. Reingewinn übrig blieben. Ein lächerlicher Lohn für die mühevolle Bestellung von 196000 da Land! Erfreulicherweise Ist die materielle Lage der Kolonisten so fest gefügt, daß sie nicht so leicht erschüttert werden könnte. Beträgt doch das von ihnen ersparte, in.Bieh,Maschinen nsw. investierteKapital, gering gerechnet, 31 Millionen Frcs! Auch haben sie in den 20 Jahren bereits vom Städter soviel abgelegt und vom Bauer sich so viel angeeignet, daß die Mißernte des Jahres 1912 nicht ohne günstige Folgen für sie bleiben dürfte. Bereits haben sie für die landwirtschaftliche Campagne 1912/13 gegen 13000 da weniger bestem, die nunmehr als Weideland dienen werden. Des ferner» wurden 23500 da Flachs und Getreide weniger und dafür 10 OM da Mais mehr bestellt. Die Kolonisten werden, statt wie bisher alles aus eine Karte zu setzen, fortan nebst dem Getreidebau auch, der Weh- und Geflügelzucht erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Erfolgreicher noch als selbst in Argentinien hat sich die . jüdische Kolonisation in den Bereinigten Staaten von Nordamerika gestaltet. Die Leitung des Kolonisationswerks liegt da in den Händen des Jüdischen Hilfsvereins für Ackerbau und - Industrie, der ohne alle Bevormundssucht Mische Bauern zu unterstützen bemüht ist. Cs ist nun auffallend, daß trotz dieser Zurückhaltung sich in diesem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten in kaum 15 Jahren ein kräftiger und zahlreicher jüdischer - Bauernstand entwickeln konnte, weil kräftiger und zahlreicher als in Palästina, zahlreicher selbst als in Argentinien. Die, jüdischen Farmer werden da auf 5000 Famillen mit 25OM Seelen geschätzt, die zusammen 243000 da Land bestellen. Das von ihnen investierte Kapital wird auf 140 Millionen Mark geschätzt. Sv ist mit Hilfe eines geringfügigen Betrags von 2 7M0M Jk ein Werk geschaffen resp. gefördert worden, welches weder in Palästina mich .in Argentinien seines Gleichen hat, obwohl man in beiden Ländern mit ganz andern Summen zu Werke ging. aparte nene Master, französische Bindeart. Xaturpräp. ELränze in grösster Aaswahl. Wolseftiendorff & Meissner 88Töngesga»se 88. —— ---:-!- Das Recht auf Propaganda. HeinrichMargulies, früherer Vorsitzender des Vorstandsvereines Breslau. Die Winterarbeit beginnt. Die ersten Versammlungen finden statt. Allerortens wird über das Programm der kommenden Monate gestritten. Da gilt es an eines zu erinnern: an den „Verband dersüdischen Jugendvereine". Der letzte Sommer hat viel erregte Debatten hierzu gebracht, und doch ist nur an wenig Orten Klarheit zu finden über die Art, wie wir Zionisten weiterhin Stellung nehmen zu dieser Organisation. Wir waren die ersten, die arbeitsfreudigen Mitarbeiter. Wir haben an der Erstarkung des Veromrdes xin ungleich größeres Verdienst, als unserer Zahl entspricht. Wr haben uns oft unter Hintansetzung eigener Wünsche der nicht immer erfreulichen Arbeit geopfert. — Nun kam die Frankfurter Tagung, die uns vor die Frage stellte: Was nun? Hier soll versucht werden, die Frage zu klären, zu beantworten. Nicht im Sinne einer Partei oder einer Richtung. Ich spreche als Zionist, aber als einzelner; lediglich als einer, der mit zit den ersten gehörte, die sich zur Arbeit cinfanden, als einer, der an der Ent- Wicklung der Dinge nicht ganz unbeteiligt war. * „Wir pfeifen auf Mitglieder, die nur mit der Absicht der Herren Blumenfeld und Rosenblüth zu uns kommen; mögen die Mitglieder, die nur aus parteipolitischen Gründen bei uns sind, Hut, Mantel und Stock nehmen und möglichst schnell verduften. Derartige Mitglieder verbitten wir uns auf das allerenergischste!" Als Dr. Apfel, der Präsident des Verbandes am Frankfurter Delegiertentage diesen Ausdruck gebrauchte, war es nicht eine unbedachte Aeußerung, die in lebhafter Diskussion siel; es war ein'Satz aus der wohlvorbereiteten und überlegten Rede, in der er sich prinzipiell mit dem Zionismus .auseinanderzusetzen gedachte. Und darum ist es notwendig, diese so oft aus allerlei Munde gehörten Worte diesmal etwas ernster zu beleuchten und sie niedriger zu hängen. Wir sind Dr. Apfel dankbar für diese Ausdrucksweisc. Er macht uns unsere Arbeit leicht. Unsere Arbeit, die darin besteht, das ungeheure Misverhältnis nachzuweisen und der Oeffentlichkeit zum Bewußtsein zu bringen, welches zwischen seiner Person und seiner Aufgabe besteht. Selten hat Dr. Apfel dies so unumwunden zu erkennen gegeben, selten hat er in seiner bisherigen Lebensanfgabc, dem taktischen Manövrieren zwischen Zentralverein und Zionismus, die elementaren Voraussetzungen der von ihm geführten Organisation so brutal über den Haufen geworfen, wie hier. Er machte sich in seiner Rede darüber lustig, daß neuerdings in Zionistenkreisen so viel Begeisterung für Neutralität herrsche. Es ist nicht unsere Schuld, wenn Dr. Apfel erst „neuerdings" wieder einiges im Zionismus entdeckt; wir haben uns im Laufe der Jahre nicht geändert, w i r haben von jeher im Zentralverein wie im Jugendvcrband die Gleichberechtigung aller Richtungen verfochten; wir waren cs, die schon früh davor tvarnten, in Dr. Apfels Neutralität.wahre Anerkennung des Zionismus als gleichberechtigter Strömung zu sehen; wir waren es, die den Tag prophezeiten, an dem er diesen Deckmantel der Neutralität fallen lassen und (endlich offen) dem Zionismus das Recht zum Zutritt streitig machen würde. Dr. Apfel hat es getan. Seine dialektische-demagogische Geschicklichkeit jongliert mit den Grundprinzipien des Verbandes. Grundprinzip des Verbandes: das ist. die Zusammenfassung aller Richtungen; — Dr. Apfel aber tritt mit Entschiedenheit gegen eine unter ihnen auf. Voraussetzung des .Verbandes: das ist die Gleichberechtigung aller, auch der parteipolitischen Strömungen; — Dr. Apfel aber „pfeift" auf uns und wünscht, daß wir „verduften". Dr. Apfel als Präsident einer Organisation, die alle Richtungen umfaßt, hat nicht das Recht» den Ungehörigen irgend einer Richtung die Tür zu weisen. Er hat über den Parteien zu stehen, er hat überhaupt keine andere Mission, als ein Zusammenarbeiten aller Strömungen zu organisieren! Die freundliche Mitteilung seiner melodischen Tätigkeit berührt uns daher ebensowenig als seine höfliche Aufforderung, zu verduften. Sitz hat nicht mehr Wert für uns als die dem Wortlaut nach, ja völlig gleichlautende Antwort, die sich jeder jüdische Reichstagsabgeordnetr von den Antisemiten holt, wenn er für die Gleichberechtigung auch seiner Richtung eintritt. Fällt uns ja gar nicht ein! Den Kampf sind wir gewohnt und die Dickfelligkeit, die wir ims im Streit mit der Front nach, dort erwarben, wird uns auch, hier zum Siege verhelfen. Nein — den Gefallen werden wir Herrn Dr. Apfel so wenig erweisen als dem Abgeordneten Ahrendt. Und mit derselben „Aufdringlichkeit, mit der wir um den Offiziersrock kämpfen, mit demselben Mangel an Taktgefühle, der uns trotz der deutlichen Abneigung seitens der Majorität zum Verweilen im Staate die Möglichkeit gibt, werden wir auch hier nicht die Waffen strecken. Bon Anfang an haben >vir erklärt (Dr. Apfel möge sein Berbandsblatt studieren —. er hat es ja dort abgedruckt), daß wir die Mitarbeit im Verbände als eine Kraftvergeudung unserer jungen Leute, die wichtigeres zu'tun hätten, betrachten; — daß wir aber nicht in dev Lage wären, darauf zu verzichten, weil wir nicht das Recht haben, bei irgend einer jüdischen Erziehungsarbeit untätig daneben zu stehen, weil wir uns unserer Pflicht bewußt sind, dafür zu sorgen, daß diese Erziehung nicht pselldosondern wirklich, jüdisch, d. i. nationaljüdisch wird; daß wir es als einen Segen preisen würden, lvenn der Verband so positiv jüdisch arbeiten würde, daß er uns nicht mehr braucht; daß wir aber bis. zu diesem Tage mitzuarbeiten gezwungen wären. (Schluß folgt.) , . Berlin. Zum Tode des Geh. Kommerzienrats Ludwig Max Goldberger, des Präsidenten der ehemaligen Deutschen Ävnfcrenzgemeinschaft der Alliance Jsraelite Universelle, sei noch nachgetragen, daß der Kaiser einen Lorbeerkranz schickte, der auf weißen Atlasschleifen die kaiserlichen Initialen trug. Berlin. Kommerzienrat Max Levy, Inhaber der Leinenweberei A-G. Rothschild Söhne, erhielt den Titel Geheimer Kommerzienrat. . David Caro u. Frau geb. Stern feierten die goldene Hochzeit. — Oberinspektor S. Schindler-Kattowitz erhielt die Rote Kreuz-Medaille 3. Klasse. Dresden William Abraham, Fablikb.sitzer, erhielt das Ritterkreuz2.KlassedesAlbrechtso r d e u s. München. Eine Mitgliederversammlung der orthodoxen Religionsgcsellschaft „Ohel Jacob" hier, welche ihre Synagoge in der Herzog Rudolphstraße hat, beschloß den Bau einer Filialsynagogc an der Pettcnkoserstraßc. Dieselbe wird vom jüdischen Architekten Max Neumann nach dessen Plänen hergcstellt. Der Bau soll in Bälde in Angriff genommen werden. Die hierher kommenden Fremden, welche im Bahnhofsviertel wohnen und gern einen orthodoxen Gottesdienst besuchen, werden den Beschluß mit Freuden begrüßen. Kirche« (Baden) Das Herz Bloch'sche Ehepaar feierte die goldene Hochzeit. Gehcimrat Dörle überreichte die Jubiläumsmedaille, der Synagogenrat im Aufträge des Oberrates der Israeliten die Porträts unseres Großherzogspaares. Auch der Bürgermeister und der Pfarrer gratulierten persönlich. Wien. Eine zurückgewiesene Stiftung —> Der im April verstorbene Fabrikdirektor Gustav Lustig vermachte 100 M0 Kronen für eine Stiftung „zur Erziehung besserer, ehrlicher, Pflicht- und zielbewnßter Menschen" und ordnete an, daß hierbei „die veralteten Dogmen der Religionen sowie der nationalen und wirtschaftlichen Kämpfe ausgeschaltet" werden müßten. Die Statthalterei als.Stiftungsbehörde hat das Legat nicht angenommen. Das Kapital fällt nun an Freibenkervereine. Friedek (Oesterr.). Kommerzienrat Jakob Munk erhielt das Ritterkreuz des Franz Joseph- Ordens. Olocken-Drogerie Allerheiligenstrasse 53. Telephon I, 3217. Vorteilhafteste Bezugsquelle für alle farfümerien, — — - -■ Seifen und Toilette-Artikel. —— Ans der Lehrerwelt. HeiöingSfeld. Infolge seiner Pensionierung hat Hauvtlehrer tz. Goldstein den Ort seines 19jährigen segensreichen Wirkens verlassen. Mit Bedauern sieht die jüdische Gemeinde ihren Lehrer scheiden, denn in strenger Gewissenhaftigkeit mid wahrer Pflichttreue hat er seines Amtes gewaltet und ist jederzeit mit Wärme für die Interessen der Gemeinde eingetreten. Die Gemeinde ließ durch die Verwaltung in Würdigung der geleisteten Dienste einen silbernen Pokal als Zeichen der Dankbarkeit überreichen. Es geht nun der allgemeine Wunsch dahin, daß es Herrn G. vergönnt sein möge, in seinem neuen Domizil zu Würzburg in körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische im Kreise seiner werten Familie noch einen schönen Lebensabend zu genießen und sich, der wohlverdienten Ruhe noch viele Jahre zu erfreuen. G- Rappoltsweiler. Der hiesige Kantor hatte sich im August nach Erstc'in zu einem Probegottesdienst begeben. Der Vorstand hatte ihm Urlaub unter der Bedingung erteilt, daß er einen Vertreter stelle. Das tat er auch, —i aber. der Vertreter erschien nicht. Als der Kantor nach hier zurückkehrte, fand er einen eingeschriebenen Brief des Vorstehers vor, der ihm seine sofortige Entlassung ankündigte. Der Kantor hat natürlich geklagt, und es findet in Kürze der Termin statt. Neumark ,Westvr) Dem seit 27 Jahren an der evangelischen Volksschule wirkenden Lehrer Asch, Vorsitzender des Turnvereins, Schriftführer des Krlegervereins nsw., wurde vom Schulrat, nachdem er sich über seinen Unterricht sehr lobend ausgesprochen hatte, eröffnet, daß er als Jude fernerhin den Unterricht in Deutsch und Geschichte nicht mehr erteilen dürfe. Wie». Auf der Tagesordnung der letzten Borstandssitzung stand die Wahl eines Rabbiners für den Leopoldstädter Tempel. Die Frage der Besetzung dieses Postens wurde über drei Jahre hinausgeschoben, ohne daß eine Persönlichkeit namhaft gemacht werden konnte, welche die allgemeine Zustimmung gefunden hätte, was auch beim Wahlakt selbst zum Ausdruck kam. Nach dem Statut muß der zu bestellende Rabbiner mindestens achtzehn Stimmen auf 'sich vereinigen. Diese Majorität kam in den zwei ersten Wahlgängen nicht zustande; erst im -ritten Wahlgang wurde Dr. Max Grunwald mit der erforderlichen Majorität gewählt. Dr. Gwar bisher Gemeinderabbiner im XV. Bezirk. Am Schluß der Sitzung kam es zu einer äußerst erregten Debatte über die Interpellation der Zionisten betreffend die Entlassung von fünf Religionslehrern, weil sie als Lehrer der Taubstummenanstalt gegen den Direktor dieser Anstalt klagbar wurden. Die in der Debatte von den Zionisten erhobenen Vorwürfe wurden in keiner Mise entkräftet. Der Präsident; Dr. Stern, erklärte schließlich, daß er Erhebungen einleiten und d.as ganze Material dem Kultusvorstand zur Entscheidung"unterbreiten werde. Es ist x