Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 44 (7.11.1913)
- Date
- 1913-11-07
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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| fo. 44 _ ' [jicm energischen Eingreifen der zion. Vertreter zu verdanken, daß diese Angelegenheit, welche mit Recht in der breitesten Öffentlichkeit das unliebsamste.Aussehen hervorgerufen hat, einer ordnungsmäßigen Erledigung zugenihrt wird. Krakau. In Jaworszno verschied — 71 Jahre alt — Rabbi CH. S. Rosenblnm, einer der Gebanlei haiaiiroh 'Galiziens. Aus der zionistischen Bewegung. Berlin. Ach ad Haam (Ginzüergh Schmarja Lew in u. Dr. Tschlenow, die zionistischen Mitglieder des Kuratoriums des jüd. Technikums in Haifa, haben ihren Austritt aus dem Kuratorium erklärt, weil das Deutsche zur Unterrichtssprache bestimmt worden ist und das Hebräische erst an zweiter Stelle rangiert. WieSbareu. Kürzlich veranstaltete die Zton. Ortsgruppe ein in jeder Hinsicht sehr gelungenes Fest. Ein nicht sehr zahlreiches aber sehr elegantes Publikum stillte den Saal der „Loge Plato". Biele bekannte Zionisten waren zugegen (Maler Pelichowski, Nahum Sololow). Der 7jährige Violinist Theo.Ratner stellte sich auch dieses Mal in den Dienst der Wohltätigkeit. Von seiner Mutter, einer Schülerin Moritz Moszkowski's, am Klavier begleitet, spielte er das Violinkonzert von Seitz in einer sowohl technisch, als auch musikalisch vollendeten Weise. Das Publikum spendete stürmischen Beifall. Im Aufträge der Zionistischen Ortsgruppe wurde dem kleinen Künstler ein herrlicher Lorbeerkranz überreicht. Außerdem wirkten noch mit Frl. R. M a l i n o w s k i (Gesang), Frl. Weil-Mainz (Rezitationen aus der Bibel), der bekannte Wiesbadener Pianist Walter Fischer. Lehrer Otto Stückrath-Biebrich las jüdische Legenden (eigene Dichtungen) vor. ... Ans de» Vereinen. Berlin. Am Montag, 17. Nov veranstaltet der „Jüd. Wanderbund Blau-Weiß" in den Räumen des Logenhauses, Kleiststr. 10, abends 9 Uhr, eine Versammlung über das Thema: „Antisemitismus' und Wandervogel". Es werden sprechen Referendar Markus, Breslau, im Namen der Führerschaft des Jüdischen Wanderbundes „Blau-Weiß" Breslau und cand. jur. Karl Glaser, Berlin, im Namen des Jüdischen Wanderbundcs „Blau- Weiß" Berlin. Adresse des Jüd. Wanderbundes „Blau-Weiß" Berlin: Dr. Adalbert Sachs, Berlin W., Königgrätzerstr. 89. Frankfurter Berichte. Verein zur Förderung der Interesse« der Israelitische« Religiousgefellschaft. Hunderte von Herren und Damen aus den Kreisen der Israelit. Religiousgefellschaft hatten sich Sonntag abend im großen Saale der Börse eingefunden. War cs doch rin eigener Reiz, ihren Rabbiner einmal in einem anderen Milieu sprechen zu hören, in einer anderen Beleuchtung zu sehen. Und gerade in dieser anderen Umgebung, wo er dem Publikum näher gegenübersteht, kam das Ehrwürdige seines Aussehens, das .Ausgesprochene, das aus einem Guß gemeißelte seiner Persönlichkeit noch stärker als sonst zur Geltung. Aber auch jedes seiner Worte war ganz er selber. Rabbiner Dr. Breuer ist kein Demokrat, das Bewußtsein seiner Stellung hindert ihn daran. So begann er denn seine Ausführungen mit der Warnung, daß der neue Verein nicht in seine Sphäre eingreisen möge. In den 38 Jahren seiner Tätigkeit habe er voll und ganz das seinige zu tun versucht, dem Motto „Emmes wescholaum", das der Verein auf seine Fahne geschrieben hat, zu dienen. „Emmes", die Wahrheit, verlange die Zurechtweisung, — und diese möge man auch, fernerhin ihm überlassen. Der Verein möge es sich genügen lassen, belehrend und aufklärend zu wirken. Der Verein wolle ferner die Interessen der Religionsgesellschaft vertreten. Es sei selbstverständlich, daß mancherlei Aufgaben nicht in den Bereich des Rabbiners und der Vorsteher fallen, daß da der einzelne mitzutun, mitzuhelfen habe. Ist es doch ein jüdisches Gebot, das Gemeinbewußtsein zu pflegen! Dieses Gemeinbewußtsein müsse trotz des Austrittsgedankens, der der Religionsgesellschaft zu Grunde liegt, die große jüdische Gesamtheit umfassen. Das Mitglied der Religionsgesellschaft müsse mit dem Wohl und Wehe der jüdischen Gesamtheit fühlen, — doch dürfe dieses Fühlen nicht dazu'sichren, die Isolierung, die allein die Reinheit der wahrhaft jüdischen Gedankenwelt erhält, aufzugeben. Anders habe Hirsch in seinen Worten zu 1. Buch Moses 18. Kap. 24. Vers (Besauch hoir) auch nicht verstanden sein wollen. Unser Leben müsse die anderen anziehen, wir dürfen aber nicht zu ihnen gehen. Dieser Eröffnungsansprache des Vaters folgte das Referat des Abends seitens des ältesten Sohnes,. Distriktsrabbiners Dr. Raphael Breuer-Aschaffenburg. Der Sohn ist ein sehr gelehrter Herr; seine diesmalige Rede war aber so gelehrt, daß ihn die wenigsten verstanden haben. Er sprach über das Wesen der jüdischen Genre inde und stellte als Axiom seiner Ausführungen folgenden Satz auf: Wie sich die jüdische Idee der Menschheit verhält zum jüdischen Begriff der Gesellschaft, so verhält sich die'Idee der jüd. Gesellschaft zur jüd. Gemeinde. Hcarckfurter FsraeJtWes FamiHenAW. Die menichliche Gesellschaft sei nichts Willkürliches, sondern bestimmt nach dem Plane des Schöpfers. Auch die jüdische Gemeinde müsse daher auf Grrmdlage einer bestimmten Gedankenwelt, die das Wort Gottes festgesetzt hat, ruhen. Sie ruht auf 'Thauro, Awaudo und Gemilus- Chassodim, die das Denken, das Wollen und das Fühlen regulieren sollen. Redner versprach, in einem späteren Vortrag noch weiter auf sein Thema einzugehen. Doch eines sei heute schon gesagt. Gerade Herr Rabbiner Dr. Raphael Breuer ist ein Schulbeispiel dafür, daß sich eine mathematisch bis zur lettzen Schlußfolgerung durchdachte Theorie im Leben nicht durchführen läßt, denn nach der von ihm und seinem Vater mit solcher Konsequenz verfochtenen Theorie dürfte er — unseres Erachtens — nicht Rabbiner in Aschaffcnbnrg sein. AgndaS-Jisroel-Jngendgrnppe. Zum ersten Vortragsabend des Wintersemesters hatte sich ein großes Publikum eingesunden. Rabb. Dr. Cohn-Basel, einer der eifrigsten Förderer der Agudas Jisroel-Jugendbestrebungen, behandelte in einem umfassenden Bortrag „Die Notwendigkeit der A. I." und sicherte sich mit diesem Thema die Aufmerksamkeit der zahlreichen Zuhörer, die den in populärer Form dargebotenen Ausführungen mit steigendem Interesse folgten. Der Referent erklärte die Notwendigkeit des organisatorischen Zusammenschlusses aller Gesetzes treuen auf Grund der geschichtlichen Entwicklung. Das jüdische Volk, seitdem es des eigenen Heimatbodens entbehren muß, den verschiedensten äußeren Einflüssen ausgesetzt, über die ganze Welt zerstreut, in wirtschaftliche Verhältnisse hineinversetzt, die ihm bislang fremd gewesen, mag numerisch an Getreuen verloren haben; aber die Kraft des Judentums schwindet nicht mit dem Verlust des heimatlichen Bodens. Seine Stärke ist die ~ Tauro, und wo man nach ihren Gesetzen seinen Lebenswandel einrichtet, da findet sich auch heute noch lebendiges, unverfälschtes Judentum. Im Osten, in einem Lande, in dem man noch heute es fertigbringt, die Juden eines Ritualmordcs zu beschuldigen, wo die Pogromwut ungezählte Opfer gefordert hat, wo dem Juden die Lebensbedingungen bis ins Undenkbare erschwert werden, gerade dort hat die Gesetzestreue noch ihre Stätte, wenigstens bei den Alten, und wenn dort uns heute die Jugend verlören geht, so ist gerade die A. I. berufen, eine in der Großzügigkeit den anderen bestehenden Bereinigungen zum mindesten ebenbürtige, aber auf unwandelbar gesetzestreuem Boden stehende einflußreiche Organisation entgegenzusetzen. Nach dem Referate ergriff Prof. Ad. Wehl das Wort, um seiner Freude darüber Ausdruck zu geben, daß nach langwierigen Vorarbeiten der Gedanke der Organisation der Gesctzestreuen innerhalb der A. I. immer sesteren Fuß fasse. Es sei besonders beachtenswert, daß die A. I. heute schon auf die Jugend rechnen kann, die sich an den verschiedensten Orten zu Jugendgruppen zusammengetan hat, um durch das Studium der Quellen des Judentums sich zur Mitarbeit an den Aufgaben der A. I. vorzubereiten. Daß man es in der frankfurter Jugendgruppe verstanden habe, auch in sozialer Hinsicht, durch die Schaffung zweckmäßiger Räumlichkeiten, den jüdischen jungen Leuten eine Stätte zu schaffen, an. der sie zum gegenseitigen Sichkennenlernen Gelegenheit haben, und so innerhalb der Jugend die Wege gebahnt habe zu einer Annäherung zwischen Ost und West, sei besonders zu begrüßen. Unter stürmischen Ovationen bestieg der Präsident der A. I., Jakob Rosenheim, die Tribüne, um von dem befriedigenden Fortgang der Entwicklung der A. I. zu berichten, nachdem die lange Zeit intensiver Vorarbeiten manches Mißverständnis aus dem Wege geräumt oder zum mindesten abgeschwächt habe. Einen bemerkenswerten Fortschritt bedeuteten die Tags zuvor von dem provisorischen Komitee in arbeitsreicher Sitzung gefaßten Beschlüsse, darunter in erster Linie die Einberufung des ersten Kongresses d. A. I. und die Inangriffnahme einer ausgedehnten Propaganda-Arbeit in Amerika. In Würdigung der Mitarbeit der Jugend, sei der Frankfurter Jugendgruppe durch Sitzungsbeschluß die Genehmigung erteilt worden zu einem demnächst rinzuberufenden Jugend-Tag. Diese Eröffnungen wurden mit rauschendem Beifall ausgenommen, und als die begeisterten und begeisternden Worte des Redners kaum verhallt waren, setzte ein Beifallsturm ein, der erst gedämmt werden konnte, als Direktor Dr. Lange als Vorsitzender der Frankfurter Ortsgruppe der A. I. das Wort ergriff, um seinerseits der Jugendgruppe für das bisher Geleistete Anerkennung zu zollen, die ihr insbesondere dafür gebühre, daß sie für alle wichtigen Schritte, die sie'unternehme, sich des Einverständnisses der Ortsgruppe oder der maßgebenden Stellen der Organisation versichere. verein „Mekor Chajim". Am letzten Freitag abend wurden die zwanglosen Zusammenkünfte unter großer Beteiligung eröffnet. Nach Kegrüßungsworten des Komitees durch B e n n o B e nd i x wurden begeisternde Ansprachen gehalten seitens Rabbiner Dr. S. Breuer und Oberlehrer Dr. Jos. Breuer. Namens des Vorstandes wies Gabriel Plant auf die Neueinführung eines Anfängerkursns hin. Semiraus, Chorgesänge und Tischlieder trugen zur Verschönerung der Feier bei. EröffuungSabend des,.Montesiore"-Veretu. Mit einem glänzend gelungenen musikalisch-deklamatorischen Abend hat das Winterhalbjahr verheißungsvoll begonnen. Dr. Löffler, der Vorsitzende» sprach die Worte der Begrüßung. Sodann hielt Rabbiner Dr. Horovitz die Leite 11 Weiherede. In formvollendeter und tiefdurchdachter Weise wies er auf die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der jüdischen JuE»d hin. Er betonte» wie gerade der Montefiore seine Mitglieder unter steter Voraussetzung der spezifisch jüdischen Probleme mit allen Lebensfragen vertrank mache und ihnen so alles biete, was der jüdische junge Mann wissen muß, um im späteren Leben seinen Mann zu stellen. Sodann erfreute Frl. Erna Bloch die Zuhörer durch mehrere vorzüglich zu Gehör gebrachten Lieder. Frl. Hedi Weil! erntete mit ihren Biolinvorträgen reichen .Beifall, und Frl. Cilli Rapp, eine hervorragende Rezitatorin, trug mehrere Gedichte vor, die stürmisch beilatscht wurden. Zion. Angendgruppe. In 14 tägigen Zwischenräumen finden an den Montagen die Vereinsabende im Kaufm. Vereine statt. Diese Abende bestehen ans einem fortlaufenden Geschichtsvortrag, einem zion. Referat und Diskussion. Der im Vorjahre von Herrn Beermann geleitete hebt. Sprachkursus wird.weiter fortgesetzt. Ein neu begründetes „zionistisches Seminar" soll dazu angetan sein, die Mitglieder mit den einzelnen grundlegenden prinzipielle» Fragen der zionistischen Theorie vertraut zu machen. schließlich sind eine Makkabäerfeier und sonntägliche Wanderungen geplant. verein „Jüd. Kultnr". Nächsten Sonntag (9. Novbr.), abends 6i/s Uhr, findet die Einweihung der neuen Bereinslokalitätcn (Obermainstraße 4), verbunden mit einer kleinen Feier statt (Weiherede: Dr. Gottselig). Die Bereinslokalitäten, bestehend aus einem Lesesaal, Klub- und Bibliothekszimmer, sind an Werktagen mittags von 12i/»—3 Uhr und abends von 7—11 Uhr, am Samstag, Sonntag und Feiertagen den ganzen. Tag geöffnet Ferner finden regelmäßig alle 8 Tage Bor tr äge sowie Kurse der Jüdischen Geschichte und zweimal wöchentlich hebräische Sprachkurse statt „VgudaS Jisroel"-Jugeudgruppe. Vom Büro der A. J.-Jngendgruppe schreibt man uns: Montag, den 10. crt, beginnt der Jüdische Geschichtsknrsus (Dozent: Rabbiner Dr. Bondi). Einem vielfachen Wünsche unserer Mitglieder entsprechend, findet die Wochenrnudschan in Zukunft am Sonntag abend um 8% Uhr statt, dagegen hält Direktor Dr. Lange seine Vorlesungen über Doroth Horischannim in Zukunft am Samstag nachmittag um 4 Uhr ab. „AgudaS Jisroel"-MäÜcheusrn--e. Für den ersten geselligen Abend, der Sonntag stattsindet, sind Rezitationen, Gesangsvorträge, Theaterausführungen usw. vorgesehen. Zu allen Veranstaltungen der Mädchengruppe sind stets Gäste — Damen — willkommen. Mutz der moderne Naturwissenschaftler materialistischer Monist sein? Im Verein „Nachlaß Z w i" sprach Dr. med. et Phil. Albert Feuchtwanger über obiges Thema. Der Redner, ein vorzüglicher Dozent, führte folgendes aus: Jede Naturwissenschaft muß sich aus den Boden der Erfahrung stellen, d. h. ihre Erkenntnistheorie muß ei« erkenntnistheoretischer Empirismus sein. Auf Grund unserer Erfahrungen sind uns nur „Empfindungen", also nur geistige Prozesse primär gegeben. Ans Grund dieser „Empfindungen" wird dann vermittelst weiterer psychischer, geistiger Vorgänge auf eine die Empfindungen (Erscheinungen) verursachende materielle Welt geschlossen. Der materialistische Monist behauptet, daß nur die materielle Welt primär existiert und daß nur die Materiezum Aufbau unseres Weltbildes genügt. Diese Behauptung ist mit den Erfahrungen des erkenntnistheoretische« Empirismus nicht in Einklang zu bringen und als dogmatisch abzulehnen. Der idealistische Monist, der sein Weltbild allein aus den primär gegebene» „Empfindungen" aufbaut, kommt mit dem naiven Realisten, dem „gesunden Menschenverstand" in Konflikt. Die Beweise, die der gesunde Menschenverstand für die Existenz der materiellen Welt vorbringt, sind tatsächlich nicht zu widerlegen. Es mutz, also auch derjenige, der das Geistige als das Primäre und Wesenlliche ansieht, schließlich auch die Existenz der Materie anerkennen. Im Augenblick dieser Anerkennung verläßt er aber den Boden des Monismus und wird Dualist. Wenn nun der Naturwissenschafller auf erkenntnistheoretischem, empirischen Wege Dualist geworden ist» so darf er sich auch eine dualistische Metaphysik, eine dualistische Weltanschauung bilden. Diese dualistische Metaphysik erlaubt ihm, trotz naturwissenschaftlicher, vsychologischer Kenntnisse neben der Körperwelt eine geistige Welt zu konstruieren» in die vermittelst unseres Glaubens unser Sehnen nach Geistigem, Uebersinnlichem, Göttlichem gestellt wird. Dem Bortrag schloß sich eine eingehende Debatte an, in der Rcchb. Dr. Neuwirth-Bingen, Direkwr Dr. Länge, Dr. R. Seligmann, Dr. med. A. Stern, Dr. med. Siegfried Oppenheimer, Professor Dr.. Bondi und Joses Bamberger sprachen. Geschichte der.Inden in Spanien. Unter außerordentlich starker Beteiligung begann Dr.. B. M a y seinen auf 4 Vorträgen berechneten Zyklus über die Geschichte der Juden in Spanien. In klaren, allgemein verständlichen Ausführungen gab der Referent eine fesselnde Darstellung der Lage de»