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Neue jüdische Presse · 1911-03-10 · Heft 10 (10.3.1911) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 10 (10.3.1911)
Date
1911-03-10
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 enger Verbindung mit Stiamil unb der liberalen Union, und man ist der Meinung, Laß die antisemitische und antizionistische Neigung gewisser Parlamentarier auf seinen Einfluß ziirückzuführen sei. A«s -er Lehrerwett. Gelsenkirchen. Hauptlehrer Max Kaufmann feiert am 1. April sein 25 jähriges Jubiläum als Lehrer und Prediger der hiesigen jüdischen Gemeinde. New Bork. Dr. Judah L Magnes h»t den Ruf als Rabbiner der B'nai Jeschurun-Gemeinde, einer der ältesten jüd. Gemeinden Newyorks, angenommen. A«S den Vereine«. Frankfurt a. M „Montekiore"-Verein. In seinem Vortrage „Welche'Stellung soll der gläubige Jude den Ergebnissen der modernen Naturanschauunggegenüber ein nehmen?" beschäftigte sich Professor Dr. Fink hauptsächlich mit der biologischen Naturwissenschaft, denn die exakte Naturwissenschaft, die nur auf Tatsachen fußt, ist nie zum Judentum in irgend einen Gegensatz getreten. Redner zeigte an den Grundanschauungen des Darwinismus, daß das, was in der modernen Naturanschauung der Anschauung des Judentums widerspricht, Hypothese ist und vor einer genaueren Prüfung nicht stand hält. Frankfurt a. M. Der „Montefore"-Verein veranstaltet seine Purimfeier statt Mittwoch, den 15. März — wegen des auf diesen Tag fallenden Jahrzeitstages seines Ehrenpräsidenten Rabb. Dr. Markus Horovitz s. A. — erst, Sonntag, den 19. März, abends 8 Uhr im großen Saale der Frankfurt-Loge, Eschersheimer Landstr. Das Programm, das in den ersten Tagen zum Versand gelangt, garantiert für einige genußreiche Stunden und wird gewiß seine alljährliche Anziehungskraft nicht verfehlen. Die Kartenausgabe erfolgt am Mittwoch den LS. er. und Donnerstag den 16. er. abends von 8—10 Uhr und Sonntag den 19. er. vormittags von 10—12 Uhr int Vereinslokale, Seilerstraße 22. Frankfurt a. M Wie man uns mittcilt, sind die Vorbereitunaen zuin Purim-Kornm e r s e, Sonntag, 19. März, abends 7 Uhr, des Vereins „Nachlaß Zwi" in vollem Gange und verspricht die Beteiligung eine außerordentlich rege zu werden. Verkaufsstellen für Eintrittskarten sind bei den jüdischen Buchhandlungen errichtet. Frankfurt a. M. Im Verein für jüd. Geschichte und Literatu r sprach-für den verhinderten Dr. Hülsen Prof. Dr. K r a c a u c r über die älteste Geschichte der Frankfurter Juden. Da der Vortrag demnächst im Druck erscheinen wird, so erübrigt es sich uns, die Ausführungen, die den besonderen Beifall der zahlreich erschienencir Zuhörerschaft fanden, wiederzugeben. Fraukfurt a. M. Die Wohltätigkeitsveranstaltung der Jüd. Brockensammlung „Peah" dürfte zur vollsten Zufriedenheit des Gebers wie des 'Nehmers ausgefallen sein: der Geber, die „Peah", hatte ein glänzendes materielles Resultat — und das ist die Hatrptsache — zu verzeichnen und der Nehmer, das tansendköpfige Publikum, schied mit dein Gefühle der Befriedigung — und das ist nicht minder wichtig, da es das Gelingen einer zweiten derartigen Veranstaltung verbürgt — lange nach Mitternacht und die tanzlustige Juaend noch später von der Stätte des Festes. - Von den mannigfaltigen Darbietungen auf der Bühne waren es die Tänze — der Zigenncrtanz der F e i st' scheu und S o n d h e i in c r' scheu Kinder und der Tanz „Waldzaubcr" der Damen Alice und Lilly S ch a m e s —, die Gesangsvorträge Alice Baehrs mit ihrer gutgeschulten, sympathischen Koloraturstimmc, sowie der Violinvortrag des jungen Kurt S t e r n, die künstlerisch Hervorragendes boten. Aber auch die anderen Veranstaltungen — ein eigens für den Abend geschriebenes Tendenzstückchen des Redakteurs Schachnowitz, Rezitationen Else Adlers und Gesangsvorträge Mathilde Oppenheimers und Theo Bachenheimers — fanden ein beifallfreudiges, dankbares Publikum. Die Tendenzrede mit dem Motto „Arbeit statt Bettel, Kauf statt Schenken" hielt Frau Erna Bamberger. Während der einftündigen Pause kam das buntfarbige Bild in Bewegung, und es entwickelte sich ein sehr reges Treiben. Im Nebensaale waren Verkaufsbuden errichtet, vor denen sinnige gereimte Sprüche und liebenswürdige junge Damen zum Kaufen von Speise und Trank und der Lose für die Tombola einluden. Aber auch unter bem drängenden und spielenden Publikum erschienen schmucke Marketenderinnen. Der Tanz entschädigte sie nachher für die mit Liebe und Eifer geübte Arbeit. Berit«. In dem großen Saale der Spichern- Festiäle hielt vor vielen hundert Zuhörern, eine» Einladung des Neuen Jüdischey Gemeinde- Vereins folgend, Rabb. Dr.. Emil Cohn-Kiel einen Vortrag'über religiöse Probläme der frankfurter Israelitisch^ KamWenblatt. Gegenwart. Er wies nach, was den sgn. Reformbestrebungen unserer Tage fehle, als Reformationsbestrebungeii angesehen zu werden. Die Refortn der Liberalen unserer Zeit sei Neuerung, Reformation sei Erneuerung. Erneuern setze religiöses Erlebnis voraus. Die Reform unserer Tage sei Anpassung, im besten Falle Apologethik, und eS sei «ine schwere Selbsttäuschung, wenn angenommen werde, daß in der Tat eine Reform eine Anknüpfung an das Jndentunr der Propheten bedeute. Berlin. Den, Berichte des Vorsitzende», Dr. M a x G i n s b u r g, in der Generalversammlung des Vereins „Jüd. Lesehalle und Bibliothek" (Oranienbnrgerstr. 58) entnehmen wir: Eine Besuchsziffer von 31799 P c r s o n e », eine in den Vorjahren nie erreichte Zahl, konnte festgestellt werden. In den Leseräumen liegen ständig 85 Z e i t s ch r iftenin den verschiedensten Sprachen aus. Die Bibliothek ist um mehr als 550 Bücher bereichert worden und umfaßt jetzt 7172 Bände jüdischen Inhalts, von denen mehr als 50«», 3642 Werke, im letzten Jahre aiisgelichen wurden. Der Zuwachs der Bibliothek ist vornehmlich einigen hochgesinnten Spendern, insbesondere Siegfried Brünn und Gcheinirat Professor Geiger, zu verdanken. Eine bedeutende Bücherspende steht jetzt dein Institute von seiten des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes bevor, der seine Bibliothek aufzulösen beschlossen hat. Nürnberg. Der Verein gegen die Gefahren des Rev isivnsediktes-hatte zu Sonntag Nachmittag eine Versammlung einberufen, die trotz des ungünstigen Zeitpunktes gut besucht war. Rabb. Dr. P. Kohn-Ansbach sprach in klarer, formvollendeter Rede über: „Die religiösen Strömungen und das Revifivnsedikt." - Tie Aufgabe, die sich der Verein, in dessen Aufträge er spreche, gestellt habe, sei, nach Wahrheit zu ringen, und darum wolle er versuchen, rein objektiv, blos dem Wesen nach, ohne die Personen in Betracht zu ziehen, die drei religiösen Strömungen innerhalb der heutigen Judenheit zu charakterisieren. Nachdem Redner dies in ausführlicher Weife getan hatte, ging er auf das Revisionsedikt über. Er verurteilte die Revisionsbestrebnngen, da die Folge des Revisionsedikt sein kövne, daß die Regiermig die Orthodoxen und Liberalen als zwei verschiedene Religionsgemeinschaften erkläre Mid also so die Juden in zwei Teile spalte; oder aber, daß die Regierung andernfalls das Judentum als eine religionslose Religion betrachte. Dieser Nachteil könne durch den Vorteil, den die kleinen Gemeinden durch das Revisionsodikt erhalten, nicht ausgehoben werden. Man solle sich ohne Eingreifen her Regierung einigen. In der Diskussion, an /der sich leider nur Zionisten beteiligten (leider, da man doch auch gern die Gründe der orthodoxen Revisionsfreunde und der Liberalen gehört hätte), wandte sich vor allem Rechtsanwalt Münz in sehr gewandter und überzeugender Weise gegen die' einseitige religiöse Auffassung des Referenten vom Judentum, der vor alleni das nationale Band, das uns vereinigt, außer Acht lasse. Wenn wir imninier und immer wieder die Gemeinsamkeit der Geschichte und der Abstammung betonen, dann wird uns auch das Revisionsedikt keine Gefahr bringen. Von anderer Seite trat man gerade aus' zionistischen Gründen gegen die Revision auf. Dettelbach lUntersronken), 6. März. Heute Abend sprach hier Louis Kahn- Frankfurt a. M. namens der Kommission für ländliche Wohlfahrtspflege, Abteilung der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums". In glänzender Rede .verstand es Herr Kahn, alle Zuhörer zu fesseln, ja zu begeistern. An nnserrn Äuge zog ein Bild der zeitgenössigen Jubenheit, des modernen Judentums mit allen dasselbe bewegenden Problemen und Zeitfragen vorüber, belegt mit den Zahle» der Statistik. Wir sahen dabei die außerordentlich verzweigte und fürsorgliche Tätigkeit der „Freien Vereinigung" im Interesse der echten Einunoh und Jiroh. Das eine ist sicher: viele — selbst Orthodoxe — ahnen kaum, was die „Freie Vereinigung" selbstlos leistet und — selbstlos verschweigt! Herr Kahn öffnete manchem die Augen, und alle Anwesenden zeichneten sich sofort als Mitglieder ein. Duisburg. In [bn Ortsgrupve des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens sprachen Rechtsanwalt Dr. Herzfe Id-Essen über „Die jüd. Kausleute und der deutschnationale Handlnngsgehilfenverband" und Dr. Rosenthal-Duisburg über „Die Wahllage in Duisburg." — Im Verein für jüd. Geschichte und Literatur zuHamborn sprach Adolf Koch- Essen über den Nordau'schen Vortrag „Das Judentum im 19. und 20. Jahrhundert." — M. — Lichtenberg b. Berlin, 2. März. Die „Israel. Vereinigung Lichtenberg" feierte am 27. Februar ihr 15jähr. Bestehen und hielt zugleich ihren 100. Vortragsabend ab. In. anerkennenswerter Freudigkeit haben die Mitglieder aus kleinen Anfängen heraus sich eine Organisation - geschaffen, die heute gegen 100 Mit» Nr. 10. glieder umfaßt und in der Frankfurter Allee 18g ein ivürdiges Gotteshaus, das. 150 Synagogenplätze enthält, errichtet. In der Itelrgivnsschule, an der 2 Lehrkräfte-wirken, werden -ca. 100 Schüler unterrichtet. Interessant ist,- daß ca der Wirksamkeit des verdienten Vorsitzenden, Eugen Lew al d, gelungen ist, von der Kommune Lichtenberg eine jährliche Subvention zu erhalten. Seit ihrem Bestehen hält die Ver-1 einigung belehrende Vorträge ab. Mit besonderem Dank erwähnte der Bericyterstatter, Dr. Birnbaum, die freundl. Unterstützung, die der verstorbene Dr. KarpaleS der Vereinigung durch seine Vorträge hat zuteil werden lassen. Den Festvortrag hatte Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, Bertin, in lievenswürdiger Weise übernommen, der über die Beoeutung des Judentums - im Leben der Gegenwart und über die Aufgaben der Berliner Jiwischen Gemeinde sprach. Den harmonischen Verlaus des Abends beschlossen künstlerisase Darbietungen. Ph. G. ÖuDu(iCti. Der id o i u m n Klara Hirsch Unterstützungsverein hat im letzten Jahre wieder hervorragend zur Linderung des Judenelends beigetragen. 129 725 Kronen wurden ausgegeben. Davon entfielenans zinsenlose Darlehen «7 850 Kr., Hilssgelder 12 450 Kr., Schnlzwecke 11970 Kr. Zioni. ikürich. Zu dem Vortrage Dr. Feitlon»lr,chs über sdie „F a l a s ch a s" hatte sich eine dichtgedrängte, unzählige Menschenmenge vor - den Toren des Saales angestaut, und als die Sacuküre» geöffnet wurden, wären im Augenblick sämtliche »Plätze besetzt, sodaß zahlreiche Damen und Herren sich nur mit Attihe einen- Stehplatz erringen. konnten. Rabbiner Dr. L i t t in a n n betrat zunächst die Rednertribüne und gab einen Ueberblick über die Zustände der Juden in Abessynien, von deren Existenz .mir bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts keine Kunde hatten, inid die ihrerseits in dem -,Wahne lebten, sie seien die einzig noch lebenden Juden in der Welt. Dr. F e i t l o w i t s ch ergriff sodann das Wort. Aus seinem Vortrage sei sorgendes wiedergegeben: Die Falaschas leben in einem Komplex von zerstreut liegenden Dörfern in Abessynien. Ihr Lebenserwerb ist die Schmiederei und Töpferei, wie sie noch im primitiven Zustande gehandhabt wurden. . — Als Dr. Feitlowitsch zu den Falaschas gekommen war, schenkten sie ihm zuerst kein Zutrauen, denn sie sahen ihn als einen christlichen Missionar an. Als es ihm jedoch allmählich -gelungen . war, sich das Vertrauen der „Falaschas" zu erwerben, herrschte unter ihnen ein solcher Enthusiasmus, daß sie ihn als den „Messias" ansahen. Junge „Falaschas" scharten sich um ihn und erklärten ihm, sie seien bereit, mit Waffengewalt nach Palästina zu gehen, Jerusalem zu erobern und ein jüdisches Königreichzn begründen. Daraus läßt sich erkennen, welch gute Juden die Falaschas sind. Rührend war es, zu vernehmen, als der Falascha-Gelehrte „Jeschaja", als er hörte, daß es in Europa noch', so viele Juden gebe, Dr. Faitlowitsch zu Füßen fiel und die Worte unseres' Propheten ausrief: „Ki lau almon Jisroel"!- Jeschaja erzählte Dr. Faitlowitsch, daß mehrere Missionare es in seiner Jugend versucht hatten, ihn zum Christentum zu bekehren, sie wollten ihn Weißmachern,, daß vom Judentiim fast gar kein Rest mehr be-, stehe, er möge daher dem Beispiele seiner Brüder folgen und ^Christ werden. —; Die Falaschas beobachten den Sabbat und die Feiertags nach genauester Vorschrift. Jeden Freitag Abend, ebenso an jedem Vorabend eines Feiertags, versainmcln sie sich in ihrer Synagoge und feierni dort gemeinsam den Sabbat und die Festtage. Bon Ehanukah und Purim wissen sic nichtsl Das Opfern nach mosaischem Ritus hat sich bei ihnen bis auf den heutigen- Tag erhalten. Ebenso beobachten sie die Speiscgesetze. Mit besonderer Strenge jedoch befolgen sie die biblischen Reinhcitsgesetze, Tnino und Taharoh. Sie gehen hierin! so iveit, daß sie für ihre Frauen während der Meiistrnationszeit Jsolierzelie errichtet haben. Zum Schlüsse richtete der Redner einen Appell an die Zuhörer, daß sie sich möglichst zahlreich dein neugcgriindeten „Falascha-Komitee" anschließen mögen, es handle sich darum, den „Fa-, lafchas" durch Gründung von Schulen zu helfen und eine Bevölkerung von 60,000 Seelen dem Jildeiltuiii zu erhalten. In wissenschaftlicher Hinsicht möge dem Schreiber dieses Briefes gestattet sein, folgendes zu bemerken. Herr Prof. Schwally hat mit seiner Hypothese Unrecht, wenn er meint, die „Falaschas" seien ciü Stamm, der im Altertum durch angebliche jüdische Mission, ähnlich' lote s. Zt. die Chazarcil, zum Judentnin bekehrt worben ist. Schon der Name „Falaschas" spricht entschieden dagegen. Denn „Falaschas" heißt in der abesiynischen Sprache Fremdlinge, Eingewanderte, nicht zu den Einheimischen Gehörige. Es ist 'daher sehr wahrscheinlich 'und geradezu als eine Währ-s heit anzunehmen, daß die Falaschas nach dev Zerstörung des ersten TeinpeE nach Abessynien ausgewandert sind. Hier lebten sie in öölfigefc

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