Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1911)
- Date
- 1911-03-10
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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p-m-. 10. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 11. Abgeschlossenheit und hatten keine Ahnung, daß ihre Brüder nach Abkanf des babylonischen Exils; wieder nach Jerusalem znrnckgckehrt und dort den Tempel ansgebaut hatte». Für die etwaige Annahme, das; irgend ein anderer »ichtjüdlscher Stamm (denn ei» einheimischer Stamm kann es nicht sein, weil, wie bereits erwähnt worden i|'t„ der. Name „Falaschas" damit in Widerspruch stünde) in Abcssynicn eingewandert wäre, der sum, Judentum bekehrt worden ist, ist gar keine histo-, rische Kunde vorhanden. Ein besonderes Argument für diese Tatsache ist der Kultus der Fa-- laschas. Die Falaschas haben bis auf den heutigen Tag den RituA) der zur Zeit des ersten Tempels gebräuchlich war, beibehalten. Es ist daher anznnehmcn, das; die „Falaschas" ursprüngliche, reine und stainincsechte Inden sind. S a l o m o n H o r o Iv i tz. Knust nnd Literatur. Emile Berhaeren, heransgcgeben und übertragen von Stefan Zwcig. 3. Bände. Insel- Verlag, Leipzig. Berhaeren war bis vor wenigen Jahren in Deutschland fast ein Ungckannter, jedenfalls aber ein nichj nach Gebühr Anerkannter. Derjenige, der seinen Namen iit Deutschland in die ivcitcsten Kreise getragen, der hier sein eigentlicher Herold geworden ist, ist der junge jüdische Wiener Dichter und Kritiker Stefan Zweig. Dies ist kein Zufall, mir scheint es charakteristisch. Denn derjenige Zug seiner Dichtung, der Verharren seine Eigenart verleiht, der ihm eigentlich seine bahnbrechende Bedeutung gibt, ist keinem Menschen natürlicher nnd verständlicher als dem Inden. Doch vorerst: Worin besteht Vcrhaeren's Bedeutung? Er ist der eigentliche moderne Dichter, der Sänger des modernen Lebens. Er singt nicht nur von Möndschcinnacht nnd Liebesgram, von Waldesstille nnd Frauenreiz, nein, er singt auch von Fabriken nnd Eifciibahncn, von der modernen Hast und dem Grotzstadtlärm, er besingt alles, was er im Gewoge des modernen Lebens wahrnimint. Und nicht nur sein Dichtungsinhalt ist ein neuer, wahrhuft moderner, auch seit« Rhythmus ist cs. Nicht nur leichte dahinslicßcndc Jamben und spielende Alexandriner, sein Rhythmus ist bald ernst und schwer,, bald eilend nlid hastend, es ist der Rhythmus des modernen Lebens. Warum nun ist diese Eigenart Verhaerens besonders uns Juden natürlich und verständlich? Deshalb, weil Berhaeren nicht mehr die Dinge an sich besingt, sondern den Geist, der sie beherrscht, der sie erzeugt, und den sie verkünden. Wenn er von den Telcgraphendrähten dichtet, so meint er nicht die Drähte als solche, sie sind wertlos, aber er meint den Geist, der sie geschaffen, meint die Größe menschlichen Geistes, der sie sich zu Nutzen macht, ineint die Hast deS modernen Lebens, die sie symbolisieren. Diese Kunst aber, die in dcit Dingen den Geist besingt, in dem Stosf die Idee verherrlicht, die die sinnliche Welt im Gesang abstrahiert, ist sie nicht gerade uns Juden, dem Volk des abstrakten Denkens, besonders sympathisch verständlich, wesensverwandt? Wahrlich, es ist kein Wunder, daß der Jude Zweig der Herold Verhaerens geworden ist, rrnd es wird mich auch nicht wundernehmen, wenn Berhaeren unter Juden besonders Leser, Bewundrer nnd Schüler finden wird. Von den 3 Bänden dieser e r st c n derrtschen Ausgabe Verhaerens hat Zweig den ersten einer Charakteristik Verhaerens gewidmet. Diese Charakteristik, in der eigenartigen, sprühenden, hohen Sprache Zweigs geschrieben, ist, wenn auch manchmal in der Verherrlichung Verhaerens ein wenig zu weit gehend — was ich Zweig durchaus nicht übclnehme —, im ganzen ein Meisterstück literarischer Darstellung. Sie ist auch von Rhythmus der Verhaeren'schen Dichtung getragen und bereitet — von der Belehrung abgesehen — einen hohen künstlerischen Genuß. Die anderen ztvei Bände enthalten: „Ausgelvählte Gedichte" und „3 Dramen". Die Uebcrtragung durch Zweig ist schon — so bei der Berliner Aufführung des Dramas „Das Kloster" — zu oft gerühmt worden, ist auch bei seinem starken Talente zu selbstverständlich, als das; sie noch einesbesonderen Lobes bedürfte. Dr. N. Heinrich Heine's sü »i tl ich e Werke in 10 BändeUnter Mitwirkung von Jonas Fränkel, Ludtvig Krähe, Albert Leitzmann und Julius Pctersen heraüsgegcbcn von Ds'ar Wal'el. Jeder Band geheftet JL 2,—; in Halbpergament JL 3,—. Borzugsansgabe (einmalig): 1000 Exemplare ans Insel-Hadernpapier. Geheftet JL 5,—; in Halblcder JL 7,—; in Leder JL 10,—. Heine, Bd. VII. 504 Seiten. Mit diesem siebenten Band hat die Heine- Forschung einen bedeutenden Schritt vorwärts getan. Es war das nicht anders zu erwarten, wenn der zweifellos erste Kenner der romantischen Literatur und Kultur, Oskar Walzel, es unternahm, Heines Schriften über die Roniantik nnd das vorangehende deutsche Geistesleben zu erläutern. Tatsächlich haben jene Heine'schen Aufsätze, auch für den heutigen Leser wahre Blüten geistvoller Literaturbetrachtnng, durch Walzel einen Kominentar erhalten, der nur als vorbildlich für die Lösung ähnlicher Aufgaben bezeichnet werden kann. Das ist gewiß ein erfreuliches Prognostikon für das Fortschreiten dieser zugleich an Ausstattung und Billigkeit unübertrefflichen Heineausgabe. Das jüdische Bekenntnis als Hinderungsgrund bei der Beförderung zum preußischen Reserveoffizier. Im Aufträge des Verbandes der Deutschen Juden dargestellt von seinem Generalsekretär Dr. Mar I. L o e w e n t h a l. 134 Seiten. 1011. Sprechsaal. Die letzte Nummer des „Fr: Israel. Familienblattes" enthält den Bericht über einen Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. Bambergev (Hanau), tvelcher die „M e m o i r e n d c r G l ü ck e l v o n H a m c l n" zum Thema hatte. Ter Herr Redner bedauerte, daß die Memoiren so wenig gekannt seien und hält mit Recht die jüdisch-deutsche Sprache in der sie abgefaßt sind als Grund hierfür. Bor Jahresfrist hat Fräulein Bertha Pappenheim eine ausgezeichnet gelungene llmschreibnng dieser Memoiren erscheinen lassen. Das luxuriös ausgestattete Werk ist leider nur als Manuskript gedruckt. Immerhin ist es jetzt den der jüd. - deutschen Sprache nicht mächtigen Lescrrc und Leserinnen möglich, sich in die gefühlvolle Lebensschildernng der Glückelc zu vertiefen. Tie hiesige Stadtbibliothek besitzt das Werk nnd macht es im Lesesaal Benutzer» zugänglich. T. F. Spenden. Es gingen ein: Bei der Z i o n. I u g e n d g r n p p e, Frankfurt a. M.: Von den Hinterbliebenen des seel. Herrn Jos. W. Hackcnbroch 20,— JL Dr. Siegfried Schwarzschild, durch L. 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