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Neue jüdische Presse · 1915-01-14 · Heft 2 (14.1.1915) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 2 (14.1.1915)
Date
1915-01-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. des Staates Georgia» das Todesurteil beiseite zu setzen, weil Frank bei dessen Verkündigung nicht im.Gerichtssaal anwesend war. Leider hat auch der Oberste Bundes- Staatsgerichtshof die Revision Franks ab.gewiesen. Alle Rechtsmittel sind also erschöpft. Den armen Frank kann nunmehr lckiglich die Gnade des Gouverneurs des Staates Georgia von der Todesstrafe retten. Der österreichische Fall Hilsncr in amerikanischer Ausgabe! AUauta. Zu einem dramatischen Akte gestaltete sich Leo Frank's Ansprache an den Gerichtshof. Er sagte: „Der heutige Tag ist für den Staat Georgia -wichtiger als für mich, well der Gerichtshof unter der . Maske des Gesetzes einen unschuldigen Menschen zum Tode verurtellen wird. Der Gerichtsbeschluß vom 25. August 1913, der mich an dem Tode der Mary Phagan schuldig erllärt» hat auch diesmal nicht die Wahrheit festgestellt. Ich erkläre vor aller Well, daß das Urteil das notwendige Ergebnis einer Atmosphäre voll Gewalttat und den Wunsch, mir das Leben zu nehmen, war. Das Urteil gründete sich auf Beweise, die durchaus falsch waren und unter anderen Umständen niemals geglaubt worden wären. Das Leben ist inir lieb. Es ist keine geringe Sache, die Liebe derjenigen aufzugeben, die einem lieb und teuer sind: Frau, Eltern und Freunden. Doch schreckt mich nicht der Tod. Ich gehe zum Tube mit den: vollen Bewußtsein meiner Unschüü» und mit der Ueberzeugung, daß meine volle Reinwaschung endlich Lammen muß." Trotzdem hielt der Gerichtshof in letzter Instanz das Todesurteil aufrecht. Tee-Schmidt gegr. 1730 älteste dentaebe Xeefirm* Hute Teeselimidt. . . . No. 12 Mk. 4.40 Kuke Wfdda ..No. 6 Mk. 4.90 OtUna Clrnstee. ...... UL2.20 Pe»o Soneboog Spitzem . . No. 2 Uk. 2.70 Onsgr P'kobltttemplUen No. 3 Hk. 3.20 Kabo Soma Hk. 2.— 2.40 3.— Siedettosra ln allen Stadtteilen. Frankfurter Berichte. „Montesiore"-Verein. Es .kann kein Zweifel darüber obwalten, daß unseren Jugendvereinen in dieser ereignisreichen Zeit ganz besondere Aufgaben gestellt sind, und es hieße den Zweck und die Bedeutung derselben verkennen, wenn diese während des - Krieges ihre Tätigkeit nicht aufrecht - erhielten. Das hat der Mvntefiore richtig erkannt, und er hat sich ' bestrebt, in seiner Tätigkeit de» Kriegsverhältnisseu Rechnung zu tragen. Gleich, bei Ausbruch des Krieges hat er für die infolge Stellungslosigkeit in vorübergehende Not geratenen Mtglieder einen sehr billigen Ubendttsch eingerichtet und auch diese sonst mit Rat und Tat unterstützt. Bor allem aber kam cs 'ihm darauf an, eine Stätte edler Geselligkell zu bleiben und dazu Leizutragen, daß die ihm angeschlossene Jugend dazu erzogen werde, die hehre und heilige Zell zu erleben, sie in ganzen Bedeutung zu erfassen und ihre Seele mit Idealismus zu ersüllen. Er hat deshalb "durch Vorträge, Besprechungsabende und dellanmtorische , Darbietungen ein Bild -des geistigen Lebens der großen Zell zu geben versucht. Er hat alsdann seine Jugendlichen veranlaßt, sich an den militärischen Vorberellungskursen zu beteiligen, und er ist mit anderen jüd. Bereinigungen in Verbindung getreten, um auf Grund eines einheitlichen Vorgehens die Zahl der Juugmannschäften zu erhöhen. Aber auch die in das Feld Gezogenen hat er .nicht vergessen. Fast 150 Atllglieder sind zu den Fahnen geeilt. Der größte Tell steht an der Front." Alle erhalten regelmäßig Liebesgaben. Mll allen steht der Verein im Briefwechsel. Alle freuen sich, daß der „Monte" ihrer gckenkt. Ihre Schreiben sind Zeichen inniger Anhänglichkeit und herzlicher" Dankbarkeit. Bezeichnend hierfür ist der Brief eines Feldgrauen. Dieser schillwrt, wie im Schützengraben ein Freitagabendgottesdienst abgehalten wurde, und wie er in feiner Ergriffenheit an die schönen Freitagabende im „Montcfiore" denken mußte und er das stille Gelöbnis tat, daß er, wenn Gott ihn zurückführt, ein nützliches Mit- ° glied des Vereins werden will. Der Geschichtsschreiber, der diese glorreiche Zeit einst schildern wird, mag auch diese Feldpostbriefe studieren, und er fvird finden, daß -aus ihnen hohe Begeisterung, Pflichterfüllung und Hingabe für das Ganze spricht. 6 Mitglieder haben das Eiserne Kreu z erhalten; einer von diesen ist wegen hervorragender Tapferkeit zum Leutnant befördert worden. Leider hat auch die rauhe Hand des Todes den Verein nicht verschont. Zehn Mitglieder haben den Heldentod erlitten. Es sind dies die Herren: Selmar Ansbacher, aus Leutershausen, bei Firma L. Bauer. Martin Feist, Sohn der Eheleute Louis Feist, fel. Angedenkens, Obermainanlage 30. Max Fränkel, Sohn der Eheleute Bernhard , Fränkel, Sandweg 9. Josef Griinebaum, Sohn der Eheleute Max Grünebaum, Rechneigrabenstraße 8. Salli Halberstadt, Sohn der Eheleute Leopold Kalberstadt, Hüller der schönen Aussicht 1. Alfred Mainz, Sohn der Eheleute Leo Mainz, Uhlandstraße 46. Siegfried Mantel, aus Mellrichstadt, bei Firma L. Bauer, Käiferstraßc. - frankfurter Israelitisches Familienblatt. Ei» i l M a r x, «ohn der' Eheleute Friedrich! Marx, Eiserne Hand "41. Salli Michel, Sohn der Eheleute Maximilian Michel, Langestraße 61. Max Sondhcimcr, aus Schlüchtern, bei Firma Grnnebaum u. Haas. Sie alle haben redlich mit ihrem Teile gcarbellet, die Interessen des Vereins zu fördern. Sie alle waren ehrenfeste und makellose Naturen, durchdrungen von dem Hauche idealen Strebcns. Die Mitgliedschaft bedauert tief den Heimgang dieser edlen Menschen. .In den Annalen des Vereins wird ihr Name unauslöschlich eingeschrieben bleiben. Eine Ehrentafel mit de» Namen der .Verklärten wird in den Vercinsräumen Aufstellung finden, und so werden sie Leitsterne und ewige Vorbilder echter Vaterlandsliebe und hingebendcr Treue für uns und alle folgenden Geschlechter sein. Religionsgesellschaft und Gemeinde. „Der Israelit" schreibt: „In der Generalversammlung der Synagogcngemcinde „Israelitische Religionsgesellschast" war aus eine Interpellation auch erklärt worden, daß die- Verwaltung dem Vorstände der „Jsr. Gemeinde" anläßlichdes Krieges die Einleitung einer gemeinsamen Hilfsaktion auf paritätischer Basis vorgeschlagen, jedoch mit diesem Vorschläge keine Gegenliebe gesunden habe. Die Richtigkeit der Mitteilung bestreitet ein „zuverlässiger" Einsender im hiesige» Familienblatt „zur Steuer der Wahrheit"' durch die Gegenbehauptung, der Vorstand der „Jsr. Gemeinde" habe seinerseits die Leitung der Aktion gar nicht beansprucht und auch nicht übernommen. Diese Gegenbehauptung kann n u r auf völliger Unkenntnis der Tatsachen beruhen. Der Vorstand der Jsr. Gemeinde hat nicht nur eine vom Jsr. HUssverein bereits am 31. Juli in die Wege geleitete gemeinsame Aktion der hiesigen jüdischen Wohlfahrtsvereine inhibiert und selber unter seine Leitung genommen, sondern er hat auch den .Vorschlag der Religionsgesellschast vom 4. August durch sein Schreiben vom 6. August mit der ausdrücklichen schriftlichen Begründung als unannehmbar bezeichnet, daß eben „die gesamte j ü d i s che H ilfstäti.gkeit anläßlich des Krieges bei ihm (dem Gcmeindevorstand) zentralisiert werde n s o l l e." Danach war das gleichzeitige Angebot des stellverttetcnden Vorsitzes in der Fürsorgekommission eine inhaltlose Ehrung, auf die es der orthodoxen Gemeinde nicht ankommcn konnte. Vielmehr brachte deren Vorsitzender im vollen Einverständnisse mit seinen Kollegen das persönliche Opfer, durch seinen Eintritt in das erst später gebildete sogenannte „Zentralkomitee" als Privatperson die erstrebte "Fühlung wenigstens notdürftig herzustellen." Auf "diese Ausführungen schreibt uns nun der Schreiber des Eingesandts in unserer Zeitung: „Zwar ist der Verfasser der Berichtigung .unter der Üeberschrift „Ein Dementi" in No. 2 des „Israelit" vom 7. Januar offenbar gut unterrichtet, aber er bringt nur die .ihm Passenden Einzelheiten, während er andere wesentliche unerwähnt läßt. Auf diese Weise wird das Bild von der Stellungnahme der Jsr. Religionsgesellschaft nicht geklärt, sondern verwllrt. Allerdings hat die Jsr. Gemeinde, als der Almoscnkasten und der HUssverein zu einer Versammlung behufs Organisierung der jüdischen Kriegsfürsorge cingeladen hatten, diese Versammlung inhibiert und ihrerseits alle in Betracht kommenden Bereinigungen, darunter auch die Religionsgesellschaft, zu einer Versammlung cingeladen mit dem ausgesprochenen Zweck, das Hilfswerk zu organisieren, um ein Zusammenarbeiten der verschiäenen Vereinigungen unter einer verantwortlichen Leitung herbeizuführen. Die Leitung sollte eine vpn den zusammenberufenen Vereinigungen selbst gewählte Zenttalkommission mit einem Exekutiv ausschuß an der Spitze übernehmen. Es war von der Gemeinde niemals beabsichtigt, die Leitung selber in die Hand zu nehmen. Dies ist den Herren von der Religionsgesellschaft und insbesondere ihrem Vorsitzenden wiederholt auf das Entschiedenste erklärt worden. Es kam demnach, wie in den ersten Versamnilungen wittierholt festgestellt worden, auch" eine paritätische Leitting des Hilfswerks durch die Gemeinde und die Religionsgesellschast garnicht in Frage. Dagegen wurde der Religionsgesellschaft für den Fall, daß sie der Organisätton beitrete, angeboten, daß ihr Vorsitzender den stellvertretenden Vorsitz in der Zenttalkommission und in dem Exekutivausschluß .haben sollte, nachdem von der Zenttalkommission zum Vorsitzenden dieser beiden Gemeinden der Vorsitzende des "Vorstands der Israelitischen Gemeinde gewählt worden war. Die Religionsgesellschaft hat nichtsdestoweniger die Tellnahme abgelehnt. Als dann diese Ablehnung in einer Sitzung der Zenttalkommission bekannt gemacht wurde und der Vorsitzende des Vorstands" der Religionsgesellschaft mit dem Bemerken, daß inan in einem Gremium ja auch überstimmt werden könne, wenigstens für seine Person darum" bat, an dem Hilfswerk Mitarbeiten zu dürfen, wurde er persönlich! in die Zenttalkommission als Mitglitt» "gewählt. Das ist die ganze und reine Wahrheit." Personalien. In dieser ernsten Zeit, da der Tod mit rauher Hand draußen so frische Blüten knickt, gehen die andern, die ausgekämpft und ausgerungen haben, von der großen Menge unbemerkt, ganz füll von uns. Gabriel Mosenberg s. A. gehörte zu jenen, die still und bescheiden in ihrem Kreise wirkten, aber Nr. 2. \ um so mehr von den -echten und wahren Mensch« verehrt wurden. Seine vornehme Natur duldete nüht Unwahres; seltene Herzengüte war bei ihm mit rem« Frömmigkeit gepaart, die tief in seiner Seele wuselt ein Erbteil seiner berühmten Ahnen. Bis zum "hol Rabbi Löw konnte er die Stammlinie verfolgen, r auch in der jüngsten .Vergangenheit standen die Sprosse dieses Stammes mit in. den vordersten Reihen Kampfes um die Treue zum überlieferten Indent» War doch, sein Vater Samson Rosenberg Mtbegründel der Gemeinde von Esriel Hildesheimer in Berlin, dered Vorstandsmitglied auch der Sohn lange Jahre Hins durch gewesen war. Doch Ahnenstolz kannte dies«! innerlich so vornehm denkende Mann nicht, es .ww ihm nur eine Verpflichtung mehr, den echtjüdischcn Geiß in seinem Kreise zu pflegen und zu erhalten, bei ihm immer zahlreichere Freunde zuführte. Er war .st seiner Art ein selbständig forschender Geist, der auä wiederholt mit seinen literarischen Arbeiten an dis Oesfentlichkeit getreten ist. . Als ihn lang dauerndes Siechtum ans Haus gefesselt hatte, fand er hier dis Quelle, aus, der er immer wieder Mut und Krass geschöpft unter der aufopferungsvollen Pflege seim so tteu sorgenden, hingebenden Gatttn. Es ist wahr, Gabriel Rosenberg hatte nur Freundes und wenn auf seinen Wunsch auch kein Wort de Gedenkens an seiner Gruft gesprochen ward, seine Kindern und Freunden wird sein Leben das heiliges Vermächtnis bedeuten, nur Pflichterfüllung im Lebal zu üben und unerschütterliche Treue dem Judentuns zu halten. Dr. A. ,2 >Po abl kai ihr Ibil hü die nu M> me M" Fr alt Kleine Notizen. Das Rabbiimt der Jsr. Gemeinde hat den Beschln gefaßt, in diesem Jahr aus vaterländischen Gründe den zu bereitenden Mazzcn Roggenmehl in dem von dem Gesetz für L-Brot vorgeschriebenen Maße znzu-! setzen. Ebenso soll eine möglichste Einschränkung de-s Mazzcnverbrauchs bewirkt werden. Der dieser Tage hier verstorbene Robert Flersheim, der am .fl. Jüli 1843 geboren wurde, wm> das erste Kind in Frankfurt, an dem 'dü> Miloh nicht vollzogen wurde. Seine Elteris tauften sich später. Auf Verordnung dxs Regierungspräsidenten ist den<> jcnigen Ausländern, die noch Hausiererlaubui-I hatten, diese für dieses Jahr nicht mehr ge-I währt worden. Eine Anzahl , galizischev jüdischer! Familien hat so ihren kümmerlichen Erwerb erngebütztl und befindet sich in traurigster materieller Lage. I Der 85jährige Michael Goldberg aus Krakaiil wurde Mittwoch abend nahe dem.Schauspielhanse vor! einenr beladenen Wagen mngefahren. Der Greis erlittI erhebliche Verletzungen am Kopfe und wurde dem städti-s scheu Krankenhause " zugeführt. mc hei na Fr iBe!fri ich klc Fr sto es kei bei °h pa Cafe Kaisergarienl am Opernplatx Erstklassiges Familien-Cafö Nachmittags Konzerte. lau Inti sch lcr lai Fr. Haasaimaaa, Besitzer. II- Die Verjagten. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts Bon C. Berg. Fortsetzung.) |vo wi Bei der Frühstücksfrage Hub sogleich ein sehr ergötz-! lichcs Sprachenscharmützcl an. Da die Aufwärterin nur! sehr^ wenig deutsch, Claudia aber ungefähr ebensoviel chinesisch wie rumänisch zu sprechen wußte, war an dein! reichbesetzten, mit allerhand. der Deutschen unbekannten^ Genüssen appetitlich beladenen Frühstückstisch eine ziemliche Verwirrung ansgebrochen, so daß Claudia unwillkürlich die Weise mancher Leute annahm, die glaube»,I daß, wenn man nur recht laut rede, einen das fremd-I sprechende Gegenüber schon verstehe. Zum Glück kam oerj Haussohn, der kleine, fünfjährige Gabriel, hereingesprungen. Er fiel der neuen Tante stürmisch um! den Hals. Er hatte am Abend vorher, vermögt der ihm mügebrachten Bilderbücher und Spielereien, eine sehr ernsthafte Freundschaft mit ihr geschlossen, un«I kaum entdeckte der kleine Mann den rumänisch-deutsche«! Konflikt, als er in ganz geschickter Weise die Verdolmetschung von Rede und Gegenrede zu Ende führte. In! Rumänien legt der gebildete Mlltelstand sehr hohe«! Wert auf die sprachliche Ausbildung der Kinder, wie inj Deutschland etwa höchstens bei der Aristokratie gebräurh-I lich ist. Claudia erstaunte, wie das Knirpslein vor ihn gar artig französisch zu parlieren verstand und auch! mit einigen englischen Brocken um sich werfen konnte.! „Wer hat Dich so viel gelehrt?", fragte sie scherzend.! „O", erwiderte das Männlein gewichtig, „rumänisch! spricht Mama mit mir, deutsch mein Vater und französisch ma bonnc." Dann lief er hurtig in ein Neben-

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