Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 100-101 (23.12.1925)
- Date
- 1925-12-23
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 100 10t JUED1SCHE RUNDSCHAU £35 laß ne- M Bczafe! Jaüc! j (Gestorben in Tel-Awiw, 4. Dezember'1025 =17 •<־. Kislcw 5656.) M Es kt mir schwer, Ober Bczalcl Jaffc zu schreiben. Sein;־]plötzliches Hinscheiden Int mich zu tief erschüttert. Noch;:)ist cs mir fast unbegreiflich, daß dieser treue Freund für i l Immer dahingegangen ist, daß seine strahlenden Augen mit Jen! gütigen Lächeln für immer geschlossen sind. Gerade; 1m Tage seines Todes wollte er mit mir nach Galiläa und; :Emck Icsrccl fahren, um zu sehen, was dort im letzten Jahre , geschehen ist. Statt dessen bekam ich am Morgen des; Abfahrttages die Nachrieht, daß er in jene Welt entrückt ist, von der niemand wicderkchrt. i Ich kannte ihn seit dem Jahre, in dem er nach Palästina kam, seit 1010. Ich sah ihn aus der Nähe bei all seinen Arbeiten, sei es bei der Gründung der Audscha-lkwässerungs* crsellschaft, in seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der uculah, als eines der ersten Mitglieder im Vcrwaltungsntc von Tel-Awiw, als Richter im Mischpat Haschalom, als einer der Direktoren der Palestine Land Development Co., als Mitglied des \V3ad Hachinuch, als Mitglied des Waad Leumi, •1s Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Jaffa. In?.!len diesen Arbeiten zeigte er einen bestimmten Charakterzug, der ihn aus der Reihe seiner Mitarbeiter heraushob: eine klare Linie in 311 seinem Handeln, eine immer gleich* bleibende Ruhe und den Willen zur Tat. Er war keiner ’von denen, die ihr Leben mit philosophischen Gesprächen, mit Reden oder mit Zeitungsartikeln ausfüllten. Er war spar- «3m ln Wort und Schrifr. Neben den vielen Männern des Wortes hob er sich ab als ein Mann der Tat. Er war in «einem Handeln niemals von Zweifeln geplagt Er wurzelte icit seiner Kindheit so fest im Judentum und im Zionismus, d«ß er niemals einen Augenblick daran zweifelte, daß uneer Werk in Palästina das alleinige Mittel zur Erhaltung des Judentums sei und daß dieses Werk gelingen werde. Aus dieser festen Ueberzeugung heraus vermied er es, sich Jn Erörterungen darüber cinzulasscn, was für eine ferne Zu- Icunft politisch oder sozial das beste sei. Er verstand, daß das kommende Geschlecht neue Lösungen für unsere Pro- Meine finden wird, und daß für das jetzige Geschlecht die Zeit ist, geduldig und beharrlich Stein •auf Stein zu dem Fundamente eines neuen Gemeinwesens zusammenzutragen. Deshalb war ihm die kleinste Arbeit, welche zur Vorshirkung der Fundamente notwendig schien, heilig und wichtig. Wenn rs schwere Aufgaben in Palästina gab, von denen keine Ehre, sondern nur Mühe und Arbeit zu erwarten war, und wenn niemand sich fand, der sich dieser Aufgabe unterziehen wollte, da war cs Bcz.alel Jaffc, der als ciurigor in die Bresche trat. Wenn cs galt, irgendwo aus einem Chaos Ordnung zu machen, da war er es, der mit seinem klaren praktischen Blick und seinem angeborenen Orinungssinn das scheinbar Unmögliche möglich machte. Wenn es ״alt, einem, der in Not war, beizustehen, 60 war er cs, der dafür keine Mühe scheute. Er buhlte nicht um die Gunst der Menge, er fühlte sich am wohlstcn, wenn er fern von dem Trubel des Tages in seinem Studierzimmer ruhig und imbemerkt seine Arbeit tun konnte. Wenn cs nötig war, für seine Ueberzeugung zu kämpfen, so scheute er nicht den Kampf. Aber er führte seinen Kamnf in einer solch vornehmen Form und mit so reinen Waffen, daß seine Gegner von heute oft seine Freunde von morgen wurden. Seine Freunde wußten seit mehreren Jahren, daß er an einer schweren Herzkrankheit leide, und daß es für ihn eine sündige Lebensgefahr bedeutete, wenn er so arbeitete, wie er es tat, der keine Miaute unbenutzt ließ. Aber was i'a.tc cs für einen Zweck gehabt, von Bezahl Taffe zu ver-!.mgen. daß er sich von der Arbeit •zuriiekzirhen _t:ml_ auf diese Weise seine Tage verlängern solle? Er wäre über eine solche Forderung mit seinem gewöhnlichen freundliehen Lächeln hinweggegangen. Für ihn war Leben Arbeit. I.*r hetrarhtetc sich;1U einen Soldaten in der Schlacht und wollte nicht auch nur einen Augenblick das Schlachtf«.:kl verlassen. Und wirklich, er hat recht gehandelt. Er hat aus seinem Leben, indem er sich voll in den Kampf warf, viel mehr schönferBchc Arbeit her.ausgcholt, als es je möglieh schien. Er ist gestorben mitten in der Arbeit und im Vollbesitze seiner geistigen Kräfte, geliebt und geachtet von allen, mit denen er je in Berührung kam. Mit ihm ist der Besten einer von uns dahingegangen, einer von denen, welche die erste Arbeit der Zionistischen Organisation in Palästina ils Säulen trugen. Auf dem Gebiete des BoiJrnkaufe», der Verwaltung von Tel-Awiw, des Erzichungswesens. der Organisation der Judenheit, hat er sich dauernde Verdienste erworben, deren Erinnerung in uns stets wach bleiben wird. Sein Leben, ein Leben treuer Pflichterfüllung, soll dem kommenden Gcschlechte zum Vorbild dienen, fcrusalcm. 19• 10 sie w 5656. 6־. Dezember 1025. Arthur Ruppin. Die N0vembcrelng2n!je des (Mitteilung des Londoner Vereinigte Staaten Polen: Keren Hsjessod Hauptbüros.) £ 19 378. 5. hes Südafrika Rumänien: 5. Deutschland 6. Bulgarien 7. Tschechoslowakei 8. Holland 9. Palästina Warschau £ 3 20S.14.11 Lemberg 691.19.— WUna 117.16. 5 4 018.10. 4 2 500.-.- Bukarest £ 1 073.14. 4 Bcßarablcn 250.—,— Bukowina 197.13. 9 Transsylvanien 163.12. 1 16S2.-. 2 1 429.11. 2 1'׳!ü i;ü. Belgien Je- Inte; des ׳ Chile Litauen Finnland Oesterreich Estland Aegypten Dänemark Griechenland Frankreich (Straßburg) Marokko Danzig Lettland Norwegen Einzclbcltrage 724. 2. 443.17. <416.15.1 402. 5. 347.10. 25 t. 1. 250.-.- 24 U 5.1 203. 3. 142.15. 133. 6. 121. 7. $8.15.- י .55.17 IS.-.- 46.14.1 42. 8. 9.13. 5.- 32984. 9. Im Prozeß Dr. Rupplns gegen ..Doar Hajoir“ bat das Ge*..nt entschieden, daß Ben Awi für die Artikel, die wahrend seiner Anwesenheit in Palästina erschienen sind, verantwortlich ist, jedoch nicht für die wahrend seiner Abwesenheit erschienenen. (Z4K0.J Die Fc&nenfder 13 J0rs52tea Jerusalem, 18. Dezember (J.T.A.) Die Fahnen des 40. (jüdischen) Bataillons der Königlicher! Füsiliere, sind gestern morgens in Jerusalem ein getroffen. Zahlreiche frühere jüdische Soldaten aus allen Tellen des Landes hatten «ich in Jerusalem cimrcfundcn, um die Fahnen entgcgciuunchnicn. Eine große Menschenmenge war bei Ankunft des Zuges am Bahnhof versammelt. In einer großen Prozession wurden die Fahnen in die große Synagoge in der Altstadt gebracht. Auf dem ganzen Wege wurden sic von dem jubelnden jüdi sehen Massen gegrüßt. Die Ordnung wurde nicht gestört. Der Zeremonie der Nicdcrlcgung der Fahnen In der Großen Synagoge wohnten der Oberkomtnissar Lord P1 u ni c r, der englische Bischof in Jerusalem Dr. Rcnnic Mac Inncs, der Kanonikus der St. Georg Kathedrale Dr. Danby, alle höheren Beamten der Militär- und Zivilämtcr und die Beamten für das Luftwesen bei. Ferner waren alle ausländischen Konsuln anwesend. Die Stadt Jerusalem war durch den Bürgermeistcr Ragheb Bey Nasch aschibi repräsentiert. Es wurden Gebete für den König, Lord Plumcr und den Eroberer Palästinas, Fcldm.1r5ch.ail Lord Allenhy gesprochen. Der Oberrabbincr Kuk hielt eine Predigt, in der er auf die Bedcutung des Ereignisses der FaJuienliinterlcgung für die Oeschichte der palästinensischen Judenheit hinwics. Mit Psalmgesängen endete die Feier. Bevor die Fahnen nach Jerusalem gebracht wurden, waren sic im Gymnasium zu Tel-Awiw ausgestellt. Tausende Einwohner Tel-Awiws versammelten sich im Hofe des Gymnasiums zu einer öffentlichen Kundgebung. In Namen der ehemaligen jüdischen Soldaten sprach Herr Smielansky, ferner hielten Ansprachen Oberrabbiner UzicI, David Yeil in im Namen des Waad Leumi und Herr Bograezow im Namen der Stadt Tel-Awiw. Jerusalem. 20. Dezember. (J. T. A.) Die Offiziere und Soldaten des 40. (jüdischen) Bataillons der Königlichen Fiisi- Tiere sandten aus Anlaß der Hinterlegung der Fahnen des Bataillons in der Jerusalemer Großen Synagoge einen telegraphischen Gruß an den König. Aus der Privatkanzlci des Königs langte ein Danktelegramm ein. Dem von den Offizieren und Soldaten des 40. Bataillons gegebenen Festessen wohnte der Gouverneur von Jerusalem, Sir Ronald Storro, .׳ds Ehrengast M. In teineni Trink- Spruch bczeiclniete er den jüdischen Aufbau in Palästina ah eines der größten Ereignisse der Geschichte. — Während der Ucbcrfülirungszcremonic verteilten Komraunlstcn Proklamationea gegen Zionismus und England. (Wir haben unsere Ansicht über diesen Fahncnrmnmcl bereits zum Ausdruck gebracht. Schmerzlich bleibt nur noch zu erwähnen, daß auch hei uns wje bei allen Völkern die G c 1 s 111 c 11 ke i t sich scheinbar zu Dingen!!ergibt, die mit Religion nichts zu schaffen haben. — Red.) Enrepss ndir£gc ISr dca Keren Kafcmetb Jerusalem, 25. November 1925. (P. C.) Eine Ver• Teilung der Einnahmeziffern des K. K. L für das Jahr 56S5 zeig! die großen Anstrengungen, die im letzten Jahre für den Fonds in den europäischen Ländern gemacht worden sind. Vor zwei Jahren (:/>ל.י) brachte der Kontinent Europa 30 °/0 der gesamten Einnahmen auf; 5684 stieg diese Zahl auf mehr als die Hälfte und 5685 machte sie 57,6 °/0 aus. Auf der anderen Seite ist der Anteil Amerikas von 31,5 f,/0 im Jahre 50S3 und 5684 im vergangenen Jahre auf nur 24,8 0/o gesunken. Die vollständige Tabelle der Einnahmen, nach Erdteilen geordnet, ergibt folgendes Bild: Europa Asien Afrika Amerika Au'.tralicn Einzclspenden u. Diverses Keren Hajessod 56S5; £E 140 952,270 407,617 9 ״ 786,073 17 ״ 61630,964 ״ 322,031 3 262,479 14 974,855 56S5 56S4 5663 6׳״ c/0 0/0 57,6 51,5 30 3,6 5,6 8,9 6,8 f\4 3,7 24,8 31,6 31,5 l/J 3,1 1,9 5f5 1,5 9,2 0,4 3 14,8 ioo «;0 ס/״ 100 100 « jemeth sind £ ו 625 der südafrikanischen zionistischen Föderation cingcgangcn, als Erlös aus einer dem Fonds abgetretenen Versicherungspolice des verstorbenen Herrn Saul Mcycrson aus Pretoria. Die Kontrolle des Eodcnkacls Am 13. Dezember fand fn Warschau unter Vorritz von Le vite und in Anwesenheit des Vertreters der P. L. D. C., Kaganoff, eine Besprechung der Vertreter der Gesellschäften statt, die den Kauf von Boden ln Palästina betreiben. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, das seinerzeit eingesetzte Kontrollkomitcc, das die Tätigkeit dieser Gesellschaften in Warschau und der Provinz kontrollieren und fördern sollte, aufzulösen. (Ziko.) Die JaStiorasaea-SalSGa 1025/26 Am 15. November ging die erste direkte Sendung von Jaffaorangen nach England ab. Die Preise schwankten zwischen 13/— und 15/— für erstklassige 144er Kisten. Die Nachfrage war gut, obgleich die Frucht etwas fahl war. Wie verlautet, soll der diesjährige Ertrag unter dem Durchschnitt sein. (Ziko.) Die!״ilgllcucrz:s!il der ״Kapaä C&oHa“ Jerusalem, 9. Dezember. (P.C.) Die letzten Ziffern der Kupath Cholim (der palästinensischen Arbeiterkranken• kassc) über ihre Mitglieder*,1hl 7.«'i״cn fine 6tändigc, dauernde Erhöhung. Am 1. Oktober 1923 hatte sic etwa 7000 Mitglieder, am 1. Oktober 1924: 8121, welche Zahl bis zum 1, Oktober 1925 auf 13 077 gestiegen ist. Die merkwürdige Bewegung, die die Chaosfdlm des Jab 1 oncr und Kozlcnitzcr Robben nach Er« Israel geführt und zur Ansiedlung auf Boden des Keren Kajemeth veranlaßt hat, findet eine Dirstcllung In der illustrierten Broschüre aus der Feder Rabbi Benjamins: ״Und die Chassi• dim zogen nach־ Etcz Israel../‘, die soeben Im Verlag des Hauptbüros des Keren Kajemeth in Jerusalem erschienen ist. Die Broschüre ist bisher in hebräischer, jiddischer, deutscher, polnischer und ungarischer Sprache erschienen. Die Leitung der Arbcitcrküchc in Haifa beschloß die Errichtung einer eigenen ständigen Arbeiterküche In Tibcrias. Den Bauplatz hierfür kaufte die Arbeiterbank, während der Bau, der gegen £ S00 koste« wird, vom Solei B 0 n e h ausrcfükrt wird. Vorläufig wird die Küche in einer Baracke eröffnet. (Ziko.) Die S!13rd2!c 23 dc2 ni-üslsc.'ttn ttlvcrslföai Bukarest, 18. Dezember. (J. T, A.) Mitte dieser Woche wurden die Vorlesungen au der infolge der a:1tisemitischen Unruhen geschlossen gewesenen" Bukarcster Universität wieder angenommen. An dem Institut Vabes, wo Prof. Vladcscu eine Vorlesung abhlclt, wurde der einzige jüdische Hörer von den übrigen Studenten aus dein Ilörsaal h 111 a u 8 g e w o r f e n. Der Student kehrte zurück und ersuchte Prof. Vladcscu, ihn zu schützen, doch wurde er von den Kommilitonen abermals hinausgeworfen. Am gleichen Tage wurde Prof. Reiner, der vor überfülltcni Hörcaal eine Vorlesung hallen wollte, von den Studenten angeRpien und aus gepfiffen. Kein einzlgcr jüdischer Student war anwr-ena. Prof. Reiner, ein Jude, verließ sofort den HöranaJ. Die Vorlesungen im ehemischen Laboratorium wurden verhindert und die Fensterscheiben cingcschlngcn. Der MI:;!.'.errat hat, wie gewöhnlich, die Ergreifung der ״schärfsten Maßnahmen“ beschlossen. 2 750000 Jedes Ja S0wieImS!23d Mosknu, 15. Dezember. (J.T.A.) Laut den soeben vom Zentralbüro der jüdisch-kommunistischen Sektion (Jewsvktia) niHgcMKrn Zificrn leben gegenwärtig in den Ländern der Sowjet-Union 2750 000 Juden. Von diesen sind 300 000 in Gewerkschaften organisiert. 120 00!) Juden find Arbeiter, 130 000 sind Landarbeiter, 700 Ü00 Handwerker und Awgehörige anderer Bcrufsklass'cn. Der Statistik ist ferner zu entnehmen: 40 «,0׳ der Mftglieder der Gewerkschaften in WeiOruPdand sind Juden. Insgesamt existieren in Weißrußland 330 Hand werk er-Gcnossenschaften mit 97 000 Mitgliedern. 312(X) Juden und Jüdinnen waren am 1. Januar 1925 Mitglieder oder Aspiranten der kommunistischen Partei. Allein die Zahl der Frauen betrug 6215. Die 530 jüdischen Schulen werden von mehr als 100 000 Kindern besucht. Es existieren S jüdische Lehrerbildungsanstalten mit 800 Studierenden, 80 jüdische Abendkurse, ISO jüdische Klubs, 57 jüdische Lesehallen und 391 lokale jüdische Vereinigungen zur“ Bekämpfung des Analphabetismus. In 32 kleineren Stadtsowjets ist die Geschäftssprachc jiddisch. Es existieren 16 jüdische Gerichtshöfe und 3906 jüdische Mitglieder der Stadtsowjets in der Ukraine. In Weißrußland sind in den Stadtsowjets 30 «/״ Juden. Ts׳j2j1g des Haies der EmigrMlonskoalcrenz In den letzten Tagen wurde in Berlin eine Sitzung des Rates der Einigrationskonfercnz in Anwesenheit von etwa 20 Delegierten abgehaltcn. Von der Exekutive des Emigrationsdirektoriums waren anwesend die Herren Dr. Krain i n , Dr. Oskar C o 11 n , L w o w 11 s c 1! - D .1 v i d o w i t s c h , Latzky-Bcrtholdl, Dr. Ben Nathan u. a. m. Ine Wc'tliilfskonfercnz war durch Herrn E f r o j k i n - Paris v»*• treten, die Zcntr.ilvcrwaltung ״ORT“ durch Dr. Singa- Iowsky, der Verband ״OSE“ durch Herrn Fein leib, die amerikanische Emigrantcn-lIilfsgcscllschaU ״HlAS“ durch Herrn Dr. Bernstein, das Arbeiterfürsorgeamt durch I lernt Sch. Rudel. Aua Polen erschienen 3 Vertreter: Sejmabgeordneter Dr. Schipper, Dr. Silbcrfarb und Grünfcld; ferner erschienen 2 Vertreter aus Danzig, einer aus Riga, einer aus Kowno, einer aus Kischincw. Auch war das Zentralkomitee des ״I Icchaluz“ in Polen durcli einen Dclrgierten vertreten. Den Vorsitz führte Herr Dr. Schipper. Dr. Krainin hielt ein Referat über die Arbeit der Exekutive und die Lage in d«־r Emigration. Herr Efroikln referierte über die Arbeit des Evakuationskomitces in Paris, das sich bekanntlich aus Vertretern des amerikanischen Emcrgcncy-Komitecs, des Joint und des Emigrationsdirektoriums zusamtnensetzt. Dieses Komitee erfüllt jetzt die ihm vorgezcichncte Aufgabe, die in den Häfen gestrandeten Emigranten unterzubringrn. — Herr W. Latzky referierte über Pläne der Arbeit in den Einwanderungsländern, Herr J. Lesisekinsky berichtete über die fn Berlin zwischen den vier jüdischen Zentralorgani- «:atlonen ״ORT“, ,,OSE“, WcIthilFkonfcrenz und Eniigraüons• dlrektoiium geführten Vcriiaisdltmgr» betreffend eine K<;or• dinicrung ln der Sammlung von Hilfsgcldcrn. Herr Dr. Ben Nathan sprach über den Plan einer Bank für allgemeine jüdische Hilfszwecke. . . , ״״״, . Es wurde beschlossen, an die Gesellschaft ״HIAS“ m Amerika mit einem Vorschlag heranzutreten, die Arbeit in Europa angesichts der schweren Lage im Emigrationsw«־.«! nicht cinzustcllcn. Ferner wurde beschlossen, einen PIan_ praktir.cher Arbeit in den Einwanderungsländern, hauptsächlich in den s ii d a m e r i k a n i s c 11 c!1 Ländern, nusrusrbntcn, ferner Mittel zur Erforschung der Einwandcningsinöghchkcitcn in Australien zu ergreifen. Es wurde ferner beschlossen, eine Propaganda-Aktion unter der amerikanischen Judenheit cinzulciten, um die dortigen Massen über die wirklich katastrophalc Lage im europäischen Emigrationswesen aufzuklaren und sic zu positiven Leistungen zugunsten der jüdischen Enugranten aufzufordern. In einem weiteren Beschluß wurden die erwähnten \!cr Zcntralorganisatlonen aufgefordert, sich betreffend gemeinsanier Aktionen zwecks Gcklnufbringung in den Ländern außerhalb Amerikas auf einen positiven Beschluß zu einigen. Das Gcncralkomitee des Ordens ßnci Brith hat für zwei neue, in Bochum und Plauen zu begründende Bntn-Logen die Autorisation erteilt. Felix fetid, F.ssc3 In Zürich starb auf der Reise Sanitätsrat Dr. Felix Mendel aus Essen an der Ruhr. Mendel war cm bedeutender, auch wissenschaftlich vielfach tätiger Arzt, seit vielen Jahren Vorsitzender des Vorstandes der jüdischen Oememde m Essen und eine im jüdischen Leben bekannte Person!;«.:!* keit. Er war ein Freund Palästinas. Die Ausführung seines Planes, Palästina zu besuchen, ist durch seinen Tod vereitclt worden. Mendel erklärte oft, er habe volles Ve.rstiindnls für die Ziele der Zionisten und arbeite gern mit ihnen zusammen. Als er bei den Wahlen zum prcuß.schcn Landesverband jüdischer Gemeinden kandidieren sollte, erhob sich Im liberalen Lager lebhafter Widerspruch, weil man seinem jüdischen Liberalismus nicht traute. Mendel liebte cs, lächelnd über seine assimilierte:^ Freunde zu scherzen. Als er zum Landesverband gewählt war, bcabsichtigte er zunächst, parteilos zu bleiben, trat aber schließlieh aus praktischen Gründen der liberalen Fraktion bei. Er machte keinen Hehl daraus, daß cs ihm unverständlich sei, wie die liberale Fraktion Anhänger Naumanns in ihren Reihen dulden könne. Mendel war nicht imstande, sich von der Atmosphäre der westdeutschen Assimilation freizumachen. Aber mit seinen heimlichen Sympathien strebte er hinaus. Er war eine echt jüdische Persönlichkeit, da gütiger Mensch. Wir trauern um ihn. Dr, E*