Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 86 (27.10.1936)
- Date
- 1936-10-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 86 27. OKTOBER 1936 Jüdisches Brauchtum ״Umweltlehre“ Jakob Baron Uexküll: ״Niegeschaute Welten. Die Umwelten meiner Freunde.“ S. Fischer Verlag, Berlin. Der Biologe Jakob Baron Uexküll, Sprößling eines baltischen Rittergi'st Iileclits, der ein reiches, von Arbeit und Forschung erfülltes Leben hinter sich hat, berichtet in diesem Buche einige Episoden aus seinen Lriuneruiigen. Er tut dies in einer reizvollen Weise, indem er auf Menschen und Ericbnissc gleichsam seine biologische Methode anwendet, alles in seiner Umwelt zu sehen und daraus zu erklären. Es ist, wie er sagt, eine Art ״nach außen verlegter Seelenkundc“; wer die Seele eines Menschen wirklich verstehen will, müsse dessen Umwelt kenncnlcrnen. Schon dieser allgemeine Grundsatz zeigt, daß das Buch für uns ein besonderes Interesse hat. Denn wir finden hier, was sonst häufig im inoderneu Leben zu vermissen ist, den Wunsch, auch Fremdartiges nicht von vornherein abzulehncn, sondern den Wurzeln seines Wesens nachztigehcn. Die Welt, in der Baron Uexküll lebt, ist eine nationale Minorität innerhalb des alten Vorkriegs- Rußlands, 11nd die Familie ist durch enge Bande sowohl mit der russischen Geschichte als auch mit der deutschen Kultur verbunden. Der Verfasser begegnete einer großen Zahl von Persönlichkeiten, zum Teil auch solcher, deren Namen bekannt sind, und er charakterisiert sie durch Episoden oder Ausspriiehe, die einen Einblick in ihre Umwelten geben, in diesem Rahmen ist ein besonderes Kapitel den ״russischen Juden in ihrer Umwelt1‘ gewidmet. [>cr Verfasser beschreibt den Besuch in einem kleinen kurländisclien Städtchen, bei dem er als Primaner 711m ersten Male einen Eindruck von dein jüdischen Volke empfing. Er steht erstaunt vor diesen Menschen, die ein völlig abgesondertes, seine Eigenart streng erhaltendes Volk darsteilen, das damals noch in strengen religiösen Formen lebte. Später kam er noch häufig mit Juden zusammen. Augenscheinlich steht er ihnen ohne Vorurteil gegenüber, wie anderen Objekten seiner Beobachtung. Er hat, so berichtet er, angesichts dieser ,,gleichartigen Masse“ das Gefühl, cs müsse sich dahinter ״noch manches Cielieinuiis verbergen“. Wer denkt da nidil an Pinskers Worte, die Cioius-Jiiden wirkten ,,unheimlich“ wie ein ,,Gespenst“! Uexküll wirft die Frage der Organisation der Judenschaft auf, die er aus einem kleinen amüsanten Erlebnis auch tatsächlich erschlichen zu können meint, da sich ergibt, daß die jüdischen Geschäftsleute in den kleinen Städten tatsächlieh Zusammenhalten. Von einem hohen russischen Beamten bekommt er dann einige Aufklärungen über die Juden, vor allem wird ihm bedeutet, daß seit Beginn der achtziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts die jüdischen Organisationen in voller Auflösung begriffen seien, und zwar durch das Umsichgreifen der religiösen Reform und das Eindringen der Aufklärung. Diese vom Judentum abgefallenen Juden wenden sich immer mehr dein Nihilismus zu. Der Gewährsmann Uexkiills, dessen Aeiißerungen er wiedergibt, vertritt den Standpunkt, daß das Judentum an sich nicht eine Gefahr für den Staat bilde, wohl aber das sich a u f 1 ö s e n d e Judentum, weil es zahllose wurzellose Existenzen schafft. In Dorpat an der Universität hat Uexküll diese These von der Aufiösung des Judentums auch von den jüdischen Kollegen bestätigi erhalten. Diese Juden wären über den Zerfall und insbesondere die Mischehen verzweifelt gewesen, zumal die aus den Mischehen stammenden Kinder meist gegen das Judentum feindlich eingestellt seien. Die Frage nach dein eigen- Sinnlichen Volksbcvußtsein der Juden wird dem Verfasser durch einen jüdischen Kommilitonen mit einem Hinweis auf das baltische Deutschtum erklärt: Das Gefühl der S c!1 i c k - salsgcnicinschaft halte die Juden (ebenso wie diese deutsche Minderheit) zusammen. Freilich sei die Gefahr e i n e r A u f I ö s 1111 g durch Assimilation sehr groß, wenn nicht, wie so oft im Laufe der jüdischen Geschichte, der Antisemitismus aus bricht, der die Juden ״daran erinnert, daß sie ein Volk sind und unter einem Gotte eine gemeinsame Aufgabe zum Wolile der Menschheit zu erfüllen haben“. Baron Uexküll beschreibt dann den Schluß eines solchen Gespräches mit dem jüdischen Studenten — es war, wohlgemerkt, in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts — folgendermaßen: ״Wir waren wählend des Spazierganges, auf dem mir der jüdische Student seine Befürchtungen und Hoffnungen vorirug, an einer Schafherde vorbeigegangen, die von einem Hund umkreist und zusammengehalten wurde. Plötzlich blieb er stehen, drehte sich um und deutete auf die Herde: ,Sehen Sie1, rief er aus, ,das brauchen wir, und ich bitte Gott tüglieh, daß er uns den unerbittlichen Antisemitismus sende, der die verlorenen Schafe Judas wieder zusnmmeufreiht1,“ Ein anderes Kapitel von jüdischem Interesse ist in dem Abschnitt enthalten, der den Titel führt ״Die Umwehen dreier regierender Damen“. Eine dieser ,,regierenden Damen“ ist Therese von Rothschild, gehören in Frankfurt am Main, eine Jugendfreundin der Schwiegermutter des Vcrfassers, die er mit seiner Familie in ihrem Hiiuftchen in Berck sur Mer (Frankreich) besucht, und deren vornehmen Charakter, einfache Lebensführung und soziale Großzügigkeit er bewundert. Die Baronin Rothschild hielt, wie er berichtet, die jüdischen Speisevorschriften, und darum waren die Mahl- Zeiten bei ihr sehr eintönig, während der Gast ״mit Neid“ sah, welche Leckerbissen in der Küche den Diensthoten aufgetischt wurden. Die Baronin benutzte ihr Geld zum Aushau von Krankenhäusern, die den staatlichen Hospitälern weit überlegen waren. Ein einfacher Fischer äußerte einmal zum Verfasser: ״Welches Glück, daß die Baronin Rothschild das viele Geld besitzt und nicht wir. Was für einen Unfug hätten wir damit angerichtet!“ Die Baronin hatte auch oft Diplomaten zu Gast und an einem solchen Diner nahm auch der Verfasser teil. Damals, es war um die Zeit des Panthersprungs von Agadir, ״ahnte die Hausfrau nicht, weich bittere Erfalinmgen ihr bevorslaitdcii, als der entfesselte französische Chanvinismus sie wegen ilmcr unverhohlenen deutschfreundlichen Gesinnung zur Zielscheibe seiner Angriffe machen sollte“. Das Buch von Uexküll, das auch sonst noch manche ge- Itmgene jüdische Anekdote enthält, hat nicht den Charakter von Memoiren tim! ist kein zusammenhängender Bericht, aber sein Reiz liegt darin, daß die verschiedenartigen Welten, •11it denen der Verfasser in Kontakt kam, hier zwar mit Augen eines bedeutenden, fest in seiner Eigenart wurzelnden Mannes aus adeligem Geschlecht gesehen werden, aber doch mit :lein Bestreben, ihrer Eigengesctzliehkeit gerecht zu werden. Das Leitwort des Buches lautet: ״Freundschaft erblüht nur dort, wo fremde Umwelt Heimat wird“. sch. -411s Brasilien zurück Herbert Frankenstein Wirtschaftsberater für Brasilien, Berlin - Säo-Paulo Berlin-Charlottenburg / Schlfiterstr.33 / CiSteinpl.3357 Sprechstunden nur nach telefonischer Voranmeldung Jüdisches Fest, jüdischer Brauch. Ein Sammelwerk. Unter Mitwirkung von Else R a b i n herausgegeben von Friedrich Thicbcrgcr. Jüdischer Verlag Berlin. Worin drückt sich das j ii d i s c 11 e im Lehen eines Juden aus? Diese Frage ist seit Beginn der modernen jüdisch-nationa len Bewegung höchst aktuell. 111 den westlichen Ländern ist ein großer Teil uer Zionisten nicht aus Zusammenhang mit der jüdischen Tradition, sondern aus nationalen und moralischen Erwägungen, die der europäischen Gedankenwelt entstammen, zum jüdischen Volkstum znriiekgekehrt. Bald mußte die Frage nach dem Sinn und Wesen dieses jüdischen Volkstums aultauchen, denn es konnte ja nicht nur eine formale Zugehörigkeit sein, sie mußte für das Lehen des Einzelnen in der Gemeinschaft neue Inhalte und Werte setzen. Die bei manchen ursprünglich vorhandene Vorstclhing, das vollnationale Leben der Juden in Palästina werde ein ״selbstverständliches“ Judentum schaffen, während die Diaspora zu schnellem Untergang verurteilt ist, konnte nicht aiifrcditeihalten werden, als sich zeigte, daß der Prozeß der Volkwerdiing auch in Palästina ein längerer war, als man meinte. Weiche Inhalte bieten sich unterwegs? Dieses Problem hat in Deutschland in den letzten Jahren noch in ungeahntem Maße an Aktualität gewonnen. Denn Tausende von Juden, die nur noch sehr lose mit dem Judentum verbunden waren, sind in die jüdische Gemeinschaft znriiekgekehrt, zunächst bekenntiiismäßig, dann, iinnrer weitertastend, auch praktisch. Wir haben ein vielseitiges jüdisches Leben entwickelt, aller es zeigt sich, daß die einzigen Formen, die es noch gibt, die religiösen Gebräuche der jüdischen Tradition sind. Sogar in Palästina erkennt man allmählich, daß man an diese Bräuche anknüpfen muß; um wieviel mehr gilt das in den Ländern, wo das Jüdische ein isolierendes Inseldasein innerhalb des Stromes des allgemeinen Lebens zu führen hat. So haben wir vielfach das Bestreben beobachten können, sich mit den jüdischen Bräuchen, die noch den Großvätern geläufig waren, bekannt- 71nnachen. Es sind auch in den letzten Jahren ein paar gute Bücher in deutscher Sprache erschienen, die in das jüdische Brauchtum und besonders den Festkalender einführen. Demselben Zweck dient eiri eben erschienenes neues S a m in e 1 - hu cli, das nicht mir in beschreibender oder belehrender Form die Welt jüdischer Sitten und Bräuche den heutigen Menschen näher/uhringen trachtet oder praktische Anleitungcn gibt, sondern zugleich ein Bild davon zu geben versucht, wie Bräuche und Feste im Denken und Trachten des jüdischen Volkes, seiner Dichter und Denker, gestaltet worden sind. Aus vielen Spiegeln wird iiier das Bild jüdischen Brauchtums zuriiekgeworfen, und die Wirkung ist dementsprechend vervielfacht und intensiv. Die Herausgeber des Buenos, Friedrich Thicbcrgcr und Else R a b i n, sind offenbar nach einem fest tinirissenen Plan vorgegangen. Sie haben für alle die besonderen Tage und l öste des jüdischen Jahres belehrende Artikel über Sinn und Bedeutung vorausgeschickt, dann folgt meist eine Darstellung der Bräuche und schließlich eine Auswahl berühmter literarischer Beiträge, die dem betreffenden Tag gewidmet sind oder ihn zum zeitlichen Hintergrund haben. Auf diese Weise bekommt der Leser einen bunten und reichhaltigen Einblick in die jüdische Literatur, besonders auch in die zeitgenössische Literatur hebräischer, jiddischer, deutscher Sprache (aber auch aus anderen Sprachen), alles sorgfältig ausgewählt und gut übertragen. Schließlich sind noch die Bildbeilagen lind die Musikbeilagen zu erwähnen. Auf den Bildern werden kultische Geräte u. ä. dargcstellt, die Noten bringen charakteristische Melodien zu den liturgischen Gesäugen. Hat man diesen Rahmen charakterisiert, so kann bei Besprechung eines Werkes von fast enzyklopädischem Charaktcr nicht viel mehr erfolgen als eine kursorische Aufzählung des Gebotenen. Denn die Absicht, den Gehalt einzelner (etwa der religionspliilosoplüsrhcn) Beiträge wiederzugeben, würde an der Fülle des Materials scheitern. Besonders gelungen scheint uns gleich der erste Teil, der Abschnitt über den Schn b h a t. Natürlich läßt sich unendlich viel über den Schabbat sagen, und das kürzlich in Ein neuer Max ßrod ״Annerl“, Roman. — Verlag Allert de Lange, Amsterdam. Max Rrods gesamtes Werk ist befangen in dem tragischen Dualismus von Sittlichkeit und Triebhaftigkeit, von ״gutem und bösem Trieb“. In seinem neuen Roman ״Annerl“, der die I-inie etwa der ״Frau, nach der man sich sehnt“ härter, brutaler, vielleicht mich weiser weiterführt, wird die Frage aufgeworfen, die beide Pole in gleicher Weise vor die Flitsche!- düng stellt: ״Ist Hilfe möglich? Kann mit höchstem Krafteins,atz dem Menschen vom Menschen Hilfe gebracht werden?“ In einer großartigen Synthese, in einer Synthese eigentlieh seines gesamten Werkes, gibt Brod die Antwort: in der Einheit zwischen körperlicher Liehe und sittlicher Forderung, zwischen Ethik und Erotik. Rein künstlerisch gehört die Annerl zu den markantesten Fraiiengestalten seiner Romane überhaupt. In einer grausameii, ausbeuterischen, gewissenlosen Welt wächst sie auf, ein Mädchen von ungewöhnlicher Schönheit, und sie wird, wie ihre Welt — grausam, ausbeuterisch, gewissenlos, Erdgeist und Weihsteufel zugleich, nicht mehr meßbar mit den Maß- Stäben der Moral. Aber Schönheit hat ihr Gesetz jenseits von Gut und Böse. ״Es war wohl ein mit den tiefsten Rätseln Vertrauter, von dem das Wort kommt, daß das Acußere ein in den Geheimniszustand erhobenes Inneres sei. Und gibt nicht Plato im ,Phaülros1 der Schönheit eine Sonderstellung unter den Ideen?“ Doch nicht nur ihre Welt der Schmuggler, Zuhälter, Manntiere ist schlecht — es ist in allem Krieg.Die natürlichen Bedürfnisse nicht nur der Völker, sondern der Individuen untereinander scheinen in imschliehtbarcm Widerstreit zu liegen, ״es ist keine vernünftige Harmonie in diese Sache zu bringen“ — Krieg ist auch zwischen Heinz Paehelbel, behaftet in vielem mit des Dichters eigenen Zügen, und einer Schauspielerin; aus einer quälerischen, schmerzerfüllten, vorsinkenden Liebe, gestaltet mit der alten Meisterschaft in der subtilen Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau, rettet sieh Paehelbel in die Körperlichkeit der schönen Annerl, in eine naturhafte, unverbindliche Beziehung. Aber leben, ״heiß, bis an die Grenze des Irrsinns und noch ein Stück darüber hinaus“, das schreckliche, gefährliche, nackte Lehen kennt keine Unverhindlichkciten, und er sieht sich «inein Menschen gegenüber, zerrissen und todeswütig, verfallen dem furchtbaren Gift: Kokain. ״Kann mit höchstem Krafteinsatz dem Menschen vom Menschen Flilfe gebracht werden?“!diese Frage stellt sich vor Paehelbel und macht aus dem Liebenden «inen Arzt, aus dem Liebhaber einen Heiligen wkfer Tel-Awiw in hebräischer Sprache erschienene Schabbat-Bucif zeigt, weiche unerschöpfliche Fülle sich hier darbietet. Die Herausgeber mußten sich weise Beschränkungen auferiegen, Sie konnten /. B. den /alih eichen Midraschim keinen Piatz eiiirlimnen. Ihre Auswahl ist aber klug und vielseitig. Den wichtigen einleitenden Aufsatz schrieb Max Wiener, der in Abkehr von einem populären modernen Mißverständnis dartut, daß ״die soziale Bedeutung des Schabbat im jiklischeu Leben von einer mystisch-religiösen überhöht“ wird. Es folgen Auszüge aus Werken von Neliemia Anton Nobel, Leo Hacek, Iran/ R o s 111 ׳ / \v e i g, Abraham Berliner, Philo von Alexandrien, Gedichte von 7. locisti, Gabriel Ri css er, Abraham Ihn Lsra (in der Uebersetzung von Seligmaiin Heller), eine Szene aus der ״Goldenen Kette“ von Percz. V011 den belletrixtisehen Beiträgen nennen wir ,,Der kurze Freitag“ von Bialik, ״Rabbi Mottl lind Ji/ehok Scholen!, der Kleine" von Jelinda Suinbcrg, ,,Den Schabbat entheiligt.“ von Israel Zangwill, ״Von Abend bis Abend“ von Mendeic Modlet Sforitn, ״Mcmlele Wilna“ von Leopold Kompert. Damit ist aber der Inhalt des Abschnitts ״Schabbat“ keineswegs vollständig anfge/ähll. Zu jedem ein,׳einen Stuck sind Sammlungen mul Guclk'iiangahci! vorhanden, die zugleich in gedrängter Form iiteraturgc-xclnclnbclic Hinweise enthalten. Adiulich wie es liier für dm Abschnitt ״Schabbat“ gezeigt wurde, sind nun auch die folgenden Abschnitte gegliedert. Sie um fassen ־. die hohen i’mitage (wobei •Manfred Swarsensky über R! »eh 1 Du ■!!.׳mal! und Max Lschelbacher über Jom I lakippur die einleitenden Aufsätze schreiben); Peßach (einleitender Auiöai/ von IneJiich Thiebergcr), Schawuoth (Einleitung vmi Max Uimcmamt), Sukkoth und die anschließenden Ende (ciiigi-IDh t \11״ Oskar Wolfsberg). Alle diese Abschnitte enthalten eine Reihe von Dichtungen, Auszügen aus plniosoph;-•:heu Uh! km, Betrachtungen, Mi״ drasehini, Stucke aus moderner I Iוcrat 111־. Lin Teil ist betitelt: ״I) i e 1 r 1׳ u ti 1 g e n T a g c“, dem der nächste Abschnitt ״Die t r a 11 1׳ i ״ e 11 T a g e“ gegenüberstellt. Freudige Tage sind Ghauukkah, Purim,!Lisch Ghodesch, Ghamisclia Amir iieschwat, Pag b’oitter; traurige Tage: Ti.seha beaw, I ,.׳!sitae c, die traurigen Gedenktage unserer lcidcnsvollen Geschichte. AÜe diese Tage werden erklärt und in ihrer Wirkung auf die Volksphantasie gezeigt. Schließlich sind noch die f reignRxe des persönlichen L ebens, die einen zeremoniell.irtigcii Charakter haben, bearbeitet. Auch sie wieder n 1 fallen in freudige Lrcignisse und Trauertagc. Ein folklo!istischer Anhang gibt Lektüre, die sich auf diese persönlichen beste bezieht. Das Werk wiril ciiigcleitct durch einen allgemeinen Teil, in dein ein Grundriß de» jüdisch-religiösen Lehens gezogen wird. Friedrich Thicbcrgcr charakterisiert die eigeiitütnliehe religiöse Haltung des Juden. Fs folgen daun Aufsätze von Else Ra bin: ״Das jüdische Haus", von Ignaz Ziegler: ״Die Gemeinde“, von Max Eisler: ״Bau und Einrichtiiug der Synagoge“, von Arno Nadel: ,,Die synagogale Musik*׳ und von dein kürzlich verstorbenen Wiener Rabbincr David Feucht wang eine Betrachtung ״Der jüdische Alltag“. Das fast 500 Seiten im Großformat umfassende Buch ist ein modernes Kalcnilerbuch des jüdischen Jahres. Wer cs gelesen hat, wird tatsächlich einen Eindruck von dem Reichtum und der Eigenart dos jüdischen Lehens und seiner sinnreichen, altehrwiirdigen Gebräuche erhalten halten, und viele werden sich von dieser anheimelnden und gemütvollen, aber auch gedankenreiche» und religiös erregenden Weit angezogen fühlen. Ob cs den enttreindeten Söhnen, die durch die moderne Zivilisation diirchgeguugcn sind, möglich sein wird, im eigenen I eben dieses liraiiclituin zu realisieren, ist natürlich ein Problem, das au dieser stelle nicht erörtert werden kann, jedenfalls glaub,!! wir, diiii sich allmählich eine Wiederannäherung voll.icheii kann, wenn erst einmal dieses Buch in das jüdische Haus eindringt und dort zur ständige« Lektüre getttadtf wird. hisbcxiiituVt<• ist es für die herai!wachsende Jugend geeignet, um! man braucht keine prophetische Begabung .11׳ haben, um vor.uis/uxageil, daß dieser. Buch eines der beliebtesten Ihantii/wnli-( icsehi nke werden wird. Willen. Er verzichtet aut Gluck, er verzichtet auf Liebe, ein rasender Wettlauf mit dem Gift beginnt, wer ist schneller, wer ist stärker? Jede Fa sei׳ der Existenz, wird eingesetzt m den Kampf um die Rettung. ״Die lliltc <1:1 mul dort hangt ja davon ah, ob wir dm an glauben und testhalten, daß die׳ Welt im Kein gut i-t!“ Die Rettung An 1111־ In ist /um Kraftmesser geworden ׳ ■ kann inan an < ine Weit, an ein Europa der Harmonien g'1:1;du 11? Ist die Weit im Kein ci.udi nicht ewig friedlos und von (irund aus \ er: lei bl.,!'t!d dm 11 bin ich durch dich ein wen ig bcs-er geworden. AinuiT', kann schließlich Paehelbel mit der Apotheose des Llhikcrs honstatiereu. Ist die Welt im Kern doch nicht ewig friedlos'/ So hetrachtet, schließt das Buch, ein leid volles, viel sinnierendes, manchmal weises Buch, mit einem optimistischen Akkord. H e r b e r t Eric d c n t h a 1 Der Prediger Salomo Joseph Carlebach: ״Das Buch Koheleth, einDeutungsversuch“, Hermoti Verlag. Frankfurt am Main IRJfi. Die Schrift will die I lauptgedankeu des Buches Koheleth in gemeinverständlicher und erbaulicher l’onn weiten Kreisei! zugänglich machen. Dies soll durch eine ״freie lieber- Setzung'‘ erreicht werden, die vor oft ,,derber Wiedergabe der Ein zelwendung iii'ht zuriickschreckt“ und die durch zahlreiche Zusätze erweitert, durchaus als Paraphrase atizusprechen ist. Das Vorwort nennt als den (i r 11 11 d g c d a 11 - ken Koheleths den ,.Pessimismus der Sdb.-thefreimig“. Es sei das Buch der ״gedämpften I ebcnsfrcutle, der um die Tragik des Seins wissenden Freude“. Das Nachwort bemüht sieh um Auseinandersetzung mit der 1 orschuug. 1111 Gegensalz zur Ribelkritik hält der Verfasser an der traditionellen Autorschaft Salomos fest, denn es sei ״ganz ausgeschlossen, daß irgendein Weiser es gewagt hatte, sich als König von Jerusalem vor/iistellen, wenn cs nicht der Wirklichkeit entsprochen hätte. Solch plumpe Anmaßung ist undenkbar. Da bleibt keine Wahl als die Ueherlieferung... Man macht sich künstlich blind, wenn man es dem Salomo abspneht und in andere Zeiten vertagen will.“ G. O. Von Dr. med. Gottlieb Pick ist im Verlage des Reichsblindes der deutschen Aerzte in der Tschechoslowakei ein Buch über ״Medizin, Krankheit und Aerzte“ erschienen.