Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-10-16 · Heft 83 (16.10.1936) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 83 (16.10.1936)
Date
1936-10-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653999--29669-2691207
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

14 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 83, 16. X. 1936 Fragen des Religionsunterrichts ln seiner Beschäftigung mit Fragen des Religionsunter־ rieht* ist Dr. Heinrich Leinle in Nr. 78/79 der ״Jüdischen Rundschau“ zwangsläufig zum Gesamtkomplex der ״Verhinderten Religiosität“ gelangt. Lemle sieht die praktische Aufgäbe des Religionsunterrichts darin, es nicht zu den ״Vcrhinderungeu“ kommen zu lassen, die aus der Entwicklung des Jugendlichen seihst sowie seiner kritischen Betrachtung religiöser Menschen, Einrichtungen und Traditionen erwachsen. Für ihn besteht die notwendige Aenderung der religionsunterrichtlichen Praxis in einer stärkeren Betonung der religiösen Probleme ״im engeren Sinne“ im Gegensatz zu Geschichte, Soziologie und Sprache des Judentums, in einer lebendigen Stellungnahme zu jenen, endlich in der methodischen Lösung religiöser Zweifel in der Seele des Jugendlichen. Es bedarf keiner Erörterung, daß diese Ableitungen im Wesentlichen richtig sind. Die folgenden Zeilen wollen die methodischen Fr a g e n, die Lemle angeschnitten hat, weiterführen; sie zu praktischen Anregungen zu verdichten, ist nicht ihre Absicht, sie völlig zu lösen ist unmöglich. Religiöse Zweifel und Krisen sind in der Entwicklung des Jugendlichen etwas Natürliches. Es kann hier darauf verzichtet werden, ihre Entstehung und ihren Ablauf, aber auch ihre Lösung und häufige ״Pseudolösung“ darzustellen. Die frühere Religionspädagogik hat dem Vorhandensein dieses Umstandes nicht Rechnung getragen. Die Vogelstraußpolitik auf diesem Gebiet hat Ergebnisse gezeitigt, die allgemein bekannt sind. Heute darf angenommen werden, daß die religiöse Erziehung, zum mindesten soweit sie in den Händen modern ausgebildeter Lehrkräfte liegt, den alten Standpunkt aufgegeben hat. Freilich darf man nicht vergessen, daß es nicht allein jenes mangelnde Eingehen auf die Zweifel der Jugendlichen war, dem die Verantwortung für die Areligiositäf weiter Kreise zuzuschieben ist: die allgemeine weitanschauliche Entwicklung, die Ausgestaltung des positivistischnaturalistischen Weltbildes lallt in jene Generationen, deren pädagogische Vertreter den historischen Fehler begingen, nicht für die Sicherung der religiösen Werte gesorgt zu haben. Heute, wo die Bedeutung der Religion für die überindividuelle Kultur wie für die Bildung der Persönlichkeit wieder erkannt wird, ist der gute Wille vorhanden, ihr wieder eine entsprechende Stellung einzuräumen. Zumindest gilt das fiir das Judentum in Deutschland, während für Palästina unter dem Einfluß der äußeren Lebensführung andere Gesetze gelten. Somit sind auf der ideologischen Seife die Voraussetzungen dafür vorhanden, der orgauisdi-crüwicklungsmäßig sich einst eilenden ״Bedrohung“ der Religiosität, die wir damit gegenüber der ״Verhinderung“ abgrenzen möchten, zu begegnen. Leider hat aber Lemle die praktischen Schwierigkciten, die dem entgegenstehen, nur mit einem einzigen Satze berührt, indem er sich mit der Feststellung begnügte, daß 90 ״/o unserer Schüler den Unterricht in einem Alter vorlassen, in dem sie gerade erst in den Zweifel hineingekomnien sind. Man berücksichtige aber, daß das Wichtigste der Er- Wägungen Leinles für Altersstufen gilt, die iiberhaunt nicht mehr in die Schule gehen. Früher, als mau noch Primaner unterrichten konnte, konnte man (in günstigen Fällen) die Schüler durch die ganze Periode der Reifezeit hiudurchfüliren und sie durch alle Stadien ihrer religiösen Entwicklung begleiten, also auch manches zur Lösung der Zweifel beitragen. Demgegenüber scheint eine Gefahr darin zu liegen, zu früh mit dem Zweifel zu operieren. Sicherlich trägt es erheblich zur Kontaktbildung zwischen Lehrer und Schülern bei, wenn er sieh dem Schüler ״stellt“. Die Schwierigkeit liegt vor allem darin, daß sich der Führende meist auf der Mitte des Weges vom Geführten loslösen muß. Es ist also Aufgabe des Religionsunterrichts, die religiöse Entwicklung auch über den Zeitpunkt des Austritts aus der Schule hinaus sorgfältig zu beobachten und die in ihr Stehende» zu betreuen. Wie das geschehen kann, dafür kann es kein Rezept geben; cs wird oft von persönlichen und örtliehen Umständen abhäiigen. Lemle erwähnt, daß die Religio» oft im Leben der Chaluzim keinen Platz habe. Das ist aber keinesfalls auf Palästina beschränkt, sondern macht sich bereits in der Vorbereiturigszcit bemerkbar. So muß den drei Ursachen verhinderter Religiosität, die Lemle nennt, eine vierte für die Bedrohung zugcsellt werden: die religionsgleichgültige Einstellung derjenigen Kreise in Palästina, iti die man sich einzugliedem trachtet. Eine grundsätzliche Klärung dieser Frage müßte angchahnt werden, vielleicht im Zusammenhang mit der jugena-Alijäh. Bezieht man alle religiöse Erziehungsarbeit aut ihr höchstes Ziel, am Aufbau einer Weltanschauung niitzuwirken, so wird ersichtlich, auf welche Ranghöhe auch die unterrichtliche Wirksamkeit gehoben werden muß und welche Anforderungen an cfie Unterweisung in! Einzelnen gestellt werden dürfen. Gewiß kann es sich nicht darum handeln, den (auch geistes-) geschichtlichen Prozeß der Säkularisierung des Judentums rückgängig zu machen. Aber die geistig-seelische Renaissance unseres Volkes beschränkt sich im pädagogischen Kreise nicht auf die Vermittlung judentumskundlichen Wissensgutes. Sie erfordert die Schaffung eines persönlichen wie eines überindividuellen seelischen Kraftzentrums. Sinn und Aufgabe des Religionsunterrichts ist es, auf elementarer Stufe fruchtbar daran mitzuarbeiten. Rabbiner Dr. H. Andorn, Nürnberg Wiener Brie! Von unserem Berichterstatter J. R-, Wien, 11. Oktober Das österreichische Regderungsorgan «iber Juden und Araber Die amtliche ״W jener Z ei t u n g“, das offizielle Organ der österrviehischen Bundesregierung, veröffentlicht innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Male einen Artikel über Palästina, der eine der jüdischen Haltung in Palästina gerecht werdende Darstellung der Verhältnisse im Lande gibt. In einem ״Juden und Araber“ betitelten Bericht aus Haifa werden zunächst die katastrophalen Folgen geschildert, die sich aus der monatelang zögernden Haltung der englischen Verwaltung ergaben, und als krasses Beispiel die zwanzig Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Tulkerem und Chedera angeführt, auf der Dutzende A tisch Läge verübt wurden, ohne dal! diese von den englischen Behörden verhindert werden konnten. Erst die allmähliche Erkenntnis der britischen Verwaltung von der Un- Zuverlässigkeit der arabischen Polizei und der überwiegend arabischen Eisenbahnbea«ntenschaft vcranlaßte die englische Administration, mehrere tausend jüdische Polizisten anziiwerbeu und arabische Polizeikräfte durch Juden zu ergän/en. Der Bericht weist auf den großen Waffenbesitz der arabischeu Aufständischen hin und erinnert i!1 diesem Zusammenhang an die seinerzeitige Muiiitionsschmuggelaffäre in Zementfassen!, die von den Arabern den Juden in die Schuhe geschoben wurde und daran, daß die Untersuchung der Bebürde!! nie 11t den geringsten Zusammenhang zwischen dieser Affäre tim! den Juden teststellte. Hingegen sei cs heute ganz offenkundig, dal) die Araber auf illegale Weise ungchetire Mengen an Munition und Waffen a 11 f g e s p e i - c!1 e r f haben, 11 nli der arabische W a f f e 11 s e 1! 111 11 g g e I seit Beginn der l 'nrulicii ,.-in o f f e n c s Geheimnis für alle I edc c.-r Bevölkerung sei, daß ferner aus T r a 11 s j o r d a - »teil :;.111/ gtoib,׳ Waifciimciigcn nach Palästina geschmuggelt werden. Der Schluß des Berichtes ist der Haltung der Juden im l ande wählend der Kämpfe gewidmet. Ihre mustergültige Disziplin werde heute bereits als Selbstverständlichkeit hingenommen. Vor der festen jüdischen Defensivstellung hätten die Araber auch heilte mehr Respekt als vor den immer vei Iiamllimgsber«־ iien Engländern. ״Die Juden“, heißt es hier, ״haben vom ersten lag bis heute ihre Arbeitsposteil nicht vc! lassen. Der A u f b a 11 h a t nicht ei 11 e 11 Augenblick s t i II g e s t;1 n d er!... Zum Kampf gegen die Juden hat sich der Araber!lieht gestellt, er arbeitete aus dem Hinterhalt. Wo eine judi-ihe Position angegi iffcii wurde, da wurden die Angreifer mühelos zurtiikgeschlagcn. Pie Einwanderung ist bisher ungestört vor sieh gegangen. Der jüdische Wirt- %C 11 a f ז s ui .1 r k t 11 a t die 11 e u Hin,׳ u g e k o nt menen mühelos absorbiert. Trotz aller Terrorakte haben die Erntearbeden begonnen und werden zum W o 11 I e des ganz e 11 Landes iliirehgeliihrt. Die bald wieder auf den ettropäiselten Markten erscheinende Orange soll ein Bote des F r i e d c n s w i I I e!1 s der arbeitenden Bevölkerung Palästinas sein.“ Kundgebung der jüdischen Legitimisten Trotz iles allgemeinen Vcrsammlungsvcrhotes fand Sonnlagabem! im Hotel Continental durch besondere Gcnehmig u n g des B 11!1 d e s k a nzleranitcs im Einvernehmen mit der ״V ater! ii 11 d i s c 11 e n Fr o n t“ eine vom ״R e i c h s - v e rband jüdischer L e g i t i m i s t e n O e s 1 e r r e i c h s“ cinbenifeue Versammlung statt, zu der außer den jüdischen Korporationen zahlreiche nicht jüdische Persönlichkeiten aus dem öffentlichen I eben in Oesterreich erschienen waren. Man sah den Präsidenten des ״Eisernen Ringes“, Ritter v. Wies 11 e r, den Leiter der Zentralkanzlei der legifimistisehen Organisationen Oesterreichs, Freiherrn v. Mirbach, ferner Vertreter der ״ Vaterländischen Front", der Wiener Kiiltnsgemeimle tt. a. m. Der BiiiHlesfiihrer des ״Reiehsverbamles jüdischer Legilimisten“, Generalniaior So mm er, entwickelte das Programm der jüdischen Legitimisten. Rabbiner Rose in a n n wies auf die monarchistische Gesinnung der Juden im alten Judenstaat hin. Als Hauptredner des Abends sprach der bekannte katholischt׳ Publizist, l biiv ci sil.iisprofcssor Dr. 11 i i d e b r a n d t, der als Gliefrednkteur des i h r i s t I i c 11 e n Stli ndcstaates“ schon öfter■' in der Jmienfrage publizistisch hervurgetreten ist. Professor I lildcbrandl wies darauf hin, daß Oesterreich- I iabsbiirg der Hort des Abendlandes gewesen sei, dem auch weder die Aufgabe zu lalle, die d1ristlieh-aben<ll;i111li'< 11c Kultur wieder auf/111 u Ilten. Au dieser Kultur habe nicht nur die Antike und da- <.11:i'tennim, sondern auch das gottgläubige Judentum seinen Anteil gehabt und teils seihst von dieser *Kultur viel empfangen. Wie sehr das jüdische Volk mit dem A bendland \ erblinden -ei und zu diesem gehöre, beweise 1' .1 I ,1 s 1 1׳ n a, wo die euuviinderiulcn Juden als aht'lldliintlische Eindringling e betiaeliU-t werden. Der Redner lichtete zum Schluß 1 im 11 A p pell an die Juden, gcmcium! in mit dem kntl'.olis, hen ()e-terreiell itir Iiabsbiirg und Oesterreich zu ]״•impfen, ■Juden im Handel und Gewerbe Die :)normale soziale S, liichtimg der jüdischen Bevölkerung im österreichischen Bundesstaat kommt am attgenscheinliehsten in der Tat-aehe zum Ausdruck, daß von den 192 000 Jude״, die die gesamte jüdische Binwohnerschalt im öster- Teichisclien Bundesgebiet ausmachen, 17bCK»0 oder 92 ״״ in der Bundeshauptstadt W i e 11 leben. Es ist daher einleuchtend, «laß die jüdische Bevölkerung in diesem lande vorwiegend jene Berufe ausübt, die die Großstadt mit ihren vielfältigen Betlürfiiissen im Handel und Geschäftsverkehr bietet. Tatsache Ist, daß die soziale Struktur der Wiener Judenseliaft eine ungesunde ist und immer wieder neue krisenhafte Ersehe! mmgen auftauehen, die die Wirtschaftsexistenz weiter jüdischer Kreise erschüttern. 11\pertliropie in einzelnen durch langjährige Entwicklung bedingten Gebieten auf der einen Seite, Ausschaltung aus zahlreichen Berufen auf der anderen Seite — das ist die innere Wahrheit der wirtschaftlichen Lage des Wiener Judentums, Wenn daher die Forderung nach dem Ntmitrus clausus, die in versteckter oder offener Form immer wieder erhoben wird, nach dem Prinzip der Ge rechtigkeit erfüllt werden sollte, so gebe es wohl ein paar Opfer des ohnedies sehr schwer kämpfenden jüdischen Anxvältestamles und anderer freier, intellektueller Berufe, aber zahlreiche den Juden bisher verschlossene Gebiete — komtmtnaler und bundesstaatlicher Dienst — würden ihnen nach ihrer prozentuellen Bevölkern»(;*stärke geöffnet werden, was zweifellos für den jüdischen Wirtschaffsorganismiis in dieser Stadt von grillt er ein Segen wäre, als die lieber zahl der meist beschäftigungslosen aus privatem wie öffentlichem Dienst ausgesella 1tet011 intellektuellen Schichten, die nur durch ili 1 e Zahl, nicht aber durch die soziale Kraft das Schlagwort von der ״indischen Ueberfiillnng“ darbieten. U i e st e h t es n u n m i t den J u 11 e n i tri H a n d e l!1 1111 (1 e w e 1• b e i n W' i e n? Auch hier wird nur der ״über- (iro/cntuelle“ Anteil der Juden gesehen, und weder die tieferen Ursachen, die die Juden zu diesen Gebieten drängten, untersucht, noch die Tatsache berücksichtigt, daß sich auch hier eine allen sichtbare Wandlung vollzieht, die den jüdisehen Anteil immer kleiner werden läßt. Die Mechanisierung der Betriebe des Handels hat das illrige dazu getan, um das jüdische Element immer mehr entbehren zu können. Daran andern auch mcht die kürzlich gemachten Feststellungen dos ״W lener Montag blatte s“, des Montag-Frühblartes der Katholischen ״R e i c h s p os t“, das sich in letzter Zeit sehr ausführlich mit dem Anteil der österreichischen Juden aut den verschiedenen Gebieten in Wien beschäftigt. Nach seinem Berieht über den jüdischen Anteil im österreichischen Filmwesen untersucht das genannte Blatt, welchen Anteil dieWicner Juden an H a!1 d e I u n d < i e w e r b e haben. Das Blatt betont das Bestreben, objektiv zu bleiben und ״nicht etwa auf längst bestehende Verhältnisse“ zurückzugreifen, sondern sich lediglich mit den jüngsten Neugründungen, respektive Neuregistricrungcn, zu beschäftigen, aus denen der Anteil der Juden ersichtlich gemacht werden soll. Dabei weist das Blatt selbst auf das Bestehen des sogenannten Untersagungsgesetzes hin, das den Antritt eines neuen Gewerbes sehr erschwert, und daß daher die Zahl der Gcwerbeanmckliingen im Verhältnis zu früher außerordentlieh klein sei. Das ״Monlagblatt“ untersucht an Hand amtlieber Zahlen die Wiener Ciewerbcamncldiingen in der Zeit zwischen 1. bis 18. September, veröffentlicht in diesem Zusannnenhang die täglichen Anmeldungen dieses Zeitraumes unter besonderem Hinweis auf die Zahl der Juden und ihren prozentuellen /Anteil an diesen Anmeldungen. So waren in den ersten zwei Septembertagen unter je 22־ Anmeldungen je 12 oder je 55 ״'.״ Juden, an anderen Tagen wieder waren unter den Neiianmeldungen bis zu 57 ״׳״ Juden, an einem Tage allerdings nur 21 0״. Insgesamt, weist das Blatt nach, befinden sich in den 16 Wochentagen zwischen 1. und 18. Septauber in Wien unter *125 Gewerheann1eld1!11gc-n 192 oder 45,17״'״ Juden, ״während das Verhältnis der jüdischen zur nichtjüdischen Bevölkerung 176 031 zu 1 696 529 beträgt, d. h. der Anteil des Judentums an den Gcwcrbeanmcklungcn dürfte eigentlich nur 10,35״׳״ betragen“. Das Blatt demonstriert seine Untersuchungen zum Schluß durch Veröffentlichung einer ganzen N a in e 11 s I i s t e der n e ti .1! ו g c m e 1 d e t e n j ü - di sch en Gewerbe- und Handelstreibendern Chajes• Gedenkfeier Anläßlich des 60. Geburtstages des Wiener Oberrabbiners Professor Zwi Pcrez Chajes, der vor neun Jahren in! 51. Lebensjahre verstorben ist, fand im Festsaal des Hotels Continental eine Gedächtnisfeier statt. Die Gedenkrede des künstlerisch umrahmten Abends hielt der Vizepräsident der Kultusgemcindc, Oberbaura( Robert S t r i k - k e r, der ein Porträt von der überragenden Persönlichkeit Chajes’ entwarf, in welchem sich höchste Religiosität, natiirliehe Sittlichkeit, zionistisches Fühlen und Handeln in seltener Harmonie zusammenfanden. Das jüdische Wien, führte der Redner aus, hat in den Jahren seit dem Tode dieses größten Wiener Oberrabbiners zutiefst empfunden, was ihm dieser geistige und religiöse Führer bedeutet hat. Die Kultuswahlen Knapp vor Torschluß, unmittelbar vor Ablaut des Einrichtungstermins fiir die Kandidatenlisten, ist es_ der zionistisehen offiziellen Gruppe gelungen, die Revisionisten von ihrer beabsichtigten selbständigen Kandidatur abzubringen und auch sie in einen gemeinsamen zionistischen Block einzubeziehen. Der Zusammenschluß der zionistischen Gruppen in einer gemeinsamen ״Zionistischen Liste“ durch Eintritt der Revisionisten in diese erstreckt sich nunmehr auf vier zionistische Parteien; die B-Gruppe der Allgemeinen Zionisten (Landesverband), Judenstaatspartei, Vcrband der radikalen Zionisten und Revisionisten, denen, ebenso wie den Radikalen, je zwei Mandate zugesichert wurden. Es wird angenommen, daß bis zum verlängerten Termin des 16. Oktober, an dem sämtliche Kandidatenlisten dem Präsidium der Gemeinde überreicht sein müssen, auch der ״Misra ebi" auf der gemeinsamen ״Zionistischen Liste“ zu finden sein wird. Diesem zionistischen Block steht nunmehr als zionistischer Gegenkandidat die Zionistische Organisation ״Binjan Haare7" gegenüber, mit der die Verhandlungen zu einer Einheitsliste ergebnislos geblieben waren. Dr. Johann von Leers ist mit einem Lehrauftrag für ״Rechts-, Wirtschafts- und politische Geschichte aut rassisciter Grundlage“ an die Universität Jen־a berufen worden. Kinderlied s_/ der jüdischen Rundschau In den palästinensischen Kwuzoth viel gesungen, mitgeteilt von A. Harzfeld All« BeihU Vorbehalten Nachdruck verböte« Ch. Wlnawer )er nie.der eppe.?in , /rv?' uns den Zc> . 7nj. ram ni? . re. mem nd rose) e.lim.. 7*^0! ■ km??in, in die h'Tpfel )er) ■)in ein , Vt. ni) - Je. A«# _ 1i-P«m rim. — J lei.?een eeir *fr'e?'^־Zje -?ein . ~ Steig hernieder, Zeppelin! »וירון רד אלינו׳ &ךר(ן, Trag uns zu den Wolken hin. 3ןח אווננו למרום• ln die Wipfel hoch hinein נתרומם עד ראש־עעים Flattern wir wie Vögel ein. ונהיה וצברים• Zu den Sternen geht'* mit dir, נעלה עד נוקדם׳ Auf den Wölkchen reiten wir, ןוך5ב על ,עננים• Und dann »ind wir gar zu Gast;בוא לרתארח Bei dem Mond im Goldpalast. ן»ל 1ית1?יל ו׳ירנו• Streckt die Hand zum Himmel aus! להיפרם יד נוקזיט! Pflückt von Sternlein einen Strauß, 3ון5ים נלעים נוריד! Füllt eure Taschen an damit, ן3!לא את ה?י9ים׳ Bringt'* als Geschenk den Kindern mit! גווונוו! לןלדים• Deutsche Ueberlragnnff von M a t eh a Kaliko Die ״Theologischen Blätter“ (Verlag Hinrichs, Leipzig) bringen in ihrem neuesten Heft September ׳Oktober 1936 eine umfangreiche Abhandlung zum Moloch- Problem von Martin Buber. Buber setzt sich in diesem Aufsatz, der auch in die zweite, stark vermehrte Auflage des Buches ״Königtum Gottes“ (Schocken-Vcrlag) aufgenommen werden wird, mit den Thesen auseinander, die der Christliehe Theologe Otto Eißfeldt in einer Schrift über das Wesen des Gottes Moloch und über die Sitte der Kinderopfer in der Bibel aufgestellt hat. Buber gelingt es nachzuweisen, daß für die Behauptungen von Eißfeldt, das Kinderopfer gelte ״als eine von IHWH gebotene und ihm wohlgefällige Leistung", im biblischen Text keine Grundlagen vorhanden sind. I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.