Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 83 (16.10.1936)
- Date
- 1936-10-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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■יי w w JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 83,16. OKTOBER 1936 Liberale Gemeindepolitik Ein erstaunlicher Artikel Neue Ausstellung im Klubheim soll, son- und Nicht- Mit groliem Erstaunen hat der Berliner jüdische Leser im ״Genieindcblaft der Jüdischen Gemeinde zu Berlin“ vom 11. 10. 1936 einen Leitaufsatz von Moritz Roscnthal gelesen, der sich betitelt ״\X' ir geben Rechenschaf t“. Wer ist ״wir“? Der Geineindevorstand? I)!cs sollte man bei einer derartigen Publikation im offizieller! Gemeindeblatt vermuten. Aber nein! ״Wir“ sind die Vertreter der religiös-liberalen Liste, die hei den Wahlen im Jahre 1930 eine Mehrheit!יו der Reprüsentaiitenversammking und im Vorstande erhalten haben. Der Artikel hat also ausgesprochen parteipolitischen Charakter, und das ist zu be dauern, denn dadurch wird unvermeidlich die Parteipolemik heraufbesehworet,. Wir glauben, daß sich seit 1933׳ soviel geändert hat, daß heute gerade die Liberalen nicht an den Wahlkampf von 1930 und ihr damaliges Programm erinnern sollten. Es gellt auch nicht an, die Leistungen des Gemeindevorstandes nach 1933 einfach aut das Konto der liberalen Partei zu blichen. Dies stellt in seltsamem Gegensatz. zu den vielfachen Erklärungen des Oemc'nd.•Vorsitzenden, daß nach der Umbildung des (jemeindevorstaiutes nach den Ereignissen des Jahres 1933 die Gemeinde nicht mehr von der religiös-liberalen Mehrheit ״geführt“ werden dern daß in dem Vorstand der Gemeinde Zionisten Zionisten gleichberechtigt miteinander arbeiten. Herr Roscnthal ist in der Beurteilung der Leistungen des Gemeind «Vorstandes, dem er selbst angehört, keineswegs zurückhaltend: ״Wir wissen, daß wir uns diese Treue mit einem außergewöhnlichen Maß an verantwortungsvoller Arbeit verdient haben.“ Es soll hier nicht bestritten werden, daß der Gemeinde Vorstand wichtige Arbeit geleistet hat. Es ist aber ungewöhnlich, wenn man sich das Maß von verantwortungsvoller Arbeit selbst, bescheinigt. ln dem Artikel soll gezeigt werden, eiaß das Programm, das die religiös-liberale Fraktion bei den Wahlen im Jahre 1930 verkündet hat, in der Praxis der folgenden ft Jahre voll und ganz, verwirklicht worden ist Dabei wurden freilich all diejenigen spezifischen Momente verschwiegen, die als der spe- 7ifische Inhalt religiös-liberaler Forderung gerade im Wahlkämpf 1931) und in spätem! Erklärungen hervorgfhoben worden sind. Diese programmatischen Forderungen sind nämlich an der Wirklichkeit’ zerschellt. Der Verfasser spricht z. B. von dem Ausbau des Schulwesens. In der Veröffentlichung des Vorstandes des Liberalen Vereins für Angelegenheiten der Berliner Jüdischen Gemeinde im Oktober 1930 ist aber als ausdrückliche Forderung verlangt worden, ״daß in nächster Zeit zumindest ein weiterer Aufbau des jüdischen Profan- Schulwesens auf Kosten der Steuerzahler der Jüdischen Gemeinde umerJileihen würde“. Entsprechend diesem Programm imd dieser Zielsetzung wurde in der Repräsentantenversammhing der Jüdischen Gemeinde vom 12. März 1931 aut Antrag der Liberalen die Einrichtung neuer Klassen in den Schulen der Gemeinde abgeiehnt. Es gehört daher schon Vertrauen zur Vergeßlichkeit der Wähler dazu, wenn in einem Bericht, der programmatische Zielsetzung und praktische Verwirklicliung gcgcntiberstellt, der Ausbau des Schulwesens erwähnt wird. Der Rechenschaftsbericht weist alsdann darauf hin, daß in bedeutendem Umfange ,Mittel für Wirtschaftshilfe erforder- Vieh geworden sind. Zur Wirtschaftshilfe gehört das Gebiet der Förderung der Berufsumschichtung. Muß erst daran erinnert werden, daß noch am 14, Januar 1932 die Liberale Fraktion der Repräsentantenversammlung den Antrag, dem Hcchaluz in Deutschland wie im früheren Jahre auch diesmal 2000 RM. zu bewilligen, abgelehnt hat? Es ist richtig, daß die Berliner Gemeinde große Leistunge!1 zu vollbringen hatte. Es wäre aber gänzlich falsch, diese Leistungen auch nur im wesentlichen als das Ergebnis der Arbeit einzelner Menschen darzustelien, am allerwenigsten ist sie das Verdienst der Liberalen Partei u!1d ihres Programms. 111 Wahrheit hat der Druck des jüdischen Schicksals seit 1933 die Gemeinde gestaltet und hat sie all diejenigen Aufgaben in Angriff nehmen lassen, die die religiös-liberale Fraktion vorher aufs schärfste bekämpft hat. Der Wert der Arbeit der einzelnen Menschen, soll nicht verkannt und nicht verkleinert werden, es darf aber nicht hingenomnien werden, wenn Menschen, deren programmatische Forderungen in allen Punkten von der Wirklichkeit widerlegt sind, ihre Arbeit zum Beweis für die Richtigkeit ihrer Theorie anführen. e. u. Unter dem Motto ״Kunst im Sommer 1936“ hat das Sekretariat für bildende Kunst eine an Qualität und Wahl des künstlerischen Gegenstands außerordentlich gute und reichhaltige Atissfeü’ing im Kltibheim in der Marburgcr Sfr. 5 Julie Woljthorn: Porträt Eugen lierseh: Mutter und Kittd Foto* : J. Abraham durch Torbögen, haben jenseits des nur gut getroffenen Lokalkolorits den Vorzug eigener höchst persönlicher Form und Farbe; es sind, wie man sich ausdrücken darf: Geinälde von Format. Trotz der Hingabe an eine gewisse sommerliche Gelöstheit, hier nur sichtbar in der Wahl der Farben, wirken diese Gemälde sehr gefestigt und geschlossen, eine Spaziergängern! mit klugem Blick und fester Gestaltung stellt dahinter. Ludwig S c h w c r i n s ״Landschaft“ ist dagegen ganz, gelöst von aller Schwere in ihrem hellen Rosa-Rot und zartem Violett und zartem Grün und träumendem Goldton. In dieser Sommenviese am Meer oder am See schimmert und schweot Himmel und Wind, ja sogar die ganze Wiese mitsamt dem leicht gewellten Hügelland. Es ist etwas von der Märclienstiinminig seiner Tobias-Landschaft darin. Eugen Herrsch zeigt diesmal kein Interieur, audt kein Stil leben, sondern ein bemerkenswertes Doppelporträt: eigenwilliger Technik. Eine junge Mutter nur in Umriß- Zeichnung mit ihrem kleinen Kind, einem übrigens nicistcrhaft gemalten. Die Augen haben die klare Spiegelung und Tiefe, wie w־ir sie sonst mir bei Lotte I •iserstesiis Porträts gewohnt sind. Das Ciesiclit hat all das Seidenzarte der Temperateclmik und auch der Pastellföne und die plastisehe Durcharbeitung bester realistischer Darstellung. Ered Goldbergs Gemälde haben die eindringliche intensive Art der Darstellung, erreicht durch meisterhafte Durcharbeitung im Zeichnerischen und durch klare färbe, ebenfalls bis in die letzte Nuance erarbeitet. Sem ״Blinder״' mit dem Stock, der ihm später den Weg zeigen wird, in den Händen den zusammengebrachf. In Landschaft und Porträt, im Gemälde, in Zeichnungen, Oiaphik und Plastik finden sich gute und oft vortreffliche neue Arbeiten. Nicht zuletzt durch die große Beteiligung der bekanntesten jüdischen Künstler: Pasternak, Prof. Wolfsfeld, Mi Ine1 00, Rosenthal-Rosta, Julie Wolftliorn, Mcfa Cohn-Flendel sind mit guten, neuen Arbeiten vertreten. Dazu die jüngeren, die im Klubhcim bekannt wurden, wie Curt J e n s e!1, der mit einem sehr guten Gemälde ״Bootsbaten“ seinen Hut als Landschafter bestätigt, oder Lili Blumen au mit ihrem schonen Aquarell aus Bornholm. Die Landschaftsdarstcllungcn, Ergebnisse der Soniincrreiscn, sind naturgemäß gut vertreten. Sie interessieren auch nicht allein durch die Stimmung der lerne, sondern durch malerische Qualität, wie Beatrice Lions Landschaften aus Abazzia oder durch Frische des Eindrucks und größere Belebtheit der Farben, als mancher Maler sie hier in Berlin für gewöhnlieh zeigt. Dies gilt besonders von den Gemälden von Julius Rosen bäum: Landschaften aus Malccsinc. Seine Farben sind lebhafter und nuancierter als bisher. Sein Stadtbild mit der Palme vor der dekorativ flankierten Treppenstufc und dem Blick in eine malerisch südliche Straße, die bei aller Einfachheit die italienische Prachtliebe der Palazzi almen läßt, dies rf schon ein sehr geglücktes h. tasternati: Porträt Alexandre Kogan Foto: H. Sonn«״fc1d Waller Cohn: Harmonika Knabe mit JFuto: J. Abrahaa <0*a liuhr,: ,..t'irjarn“ 10to: Herbert Sonuenfttld J. liosenbaum: zins Malccsinc Toto: J. Abraham Geschenk dieses Sommers. Seine Frau Adele Reiftenbcrg-Roscnbauni zeigt gleichfalls Landschaften aus Malcesine. In einer der Fläuscrgruppen sieht man all den farbigen Glanz, der ihre Landschaften kennzeichnet. Beatrice Lions Stadtbilder aus dem Süden, eine enge Straßcnschlucht mit dem Blick über die Berge und ein malerischer Durchblick Hut, geöffnet zum Empfang der Gaben, all das in den Farben von dunklem Bram!, das allmählich heller wird, bis zum hellen Grau des Hutes, ist in Zeichnung, Farbe und Darstellung eine völlige Einheit geworden. Ernst Rosenthal-Rostas Gemälde ״Herberge“, ebenfalls mit sozialer Note, weist trotz der dunklen Gesamthaltung der Farbe im einzelnen in Variationen nach Rotbraun und Dunkelblau genug Nuancen und delikate Uebcrgängc auf. ln zwei anderen Gemälden, besonders einem kleinen (.)eibild: ״Liebes-Paar" 1'n Temperament und Schwung, in Darstellung und Farbe voll Kraft, zeigt er sich als beachtenswerte Begabung. Das andere Gemälde, die ״Schlafende Frau“, gebückt sitzend, im roten Kleid, ist ebenfalls ein gutes Stück Malerei. Mit Ernst Rosenthal-Rosta nicht zu verwechseln ist der junge Heinz Rosenthal.!11 der Komposition ist er noch unsicher, doch sein Blick in eine •Straße zeigt Begahung. Jung und begabt scheint auch Berthold I: h r e!1 w e r t, dessen lllustrationen ״Bulgarische Bauern“ Talent mul Einfühlung und zeichnerische Begabung zeigen. Von Konrad Fließ, dem bereits bekannteren jungen Künstler, sieht man Porträts seiner bekannten Art. Ganz groß ist das herrliche Porträt A. Kogens von Pasternak. Dies (ieiu.ihle zeigt einen jovialen alteren Herrn mit sehr lebensvollem, breitem Kopf, trotz grauem Bart mit sehr vergnügten jungen Augen. Diese Stimmung Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV Sonnabend 17. Oktob., 20.30 Ubr BZV •Heim, Kantstrnße 54 Haltambftilang Dr. Ch. Borodianski: Emek Chul« mit Lichtbildern (hebraiscM Sonnabend 17. Oktob., 20.30 Uhr BZV-Heim, Roscntbnit»r Straße 44 Chuif iwri Zzntram-Nord Sonnabend 17• Oktob.* 20.30 Uhr BZV-Heim, Kantstraße 54 siebe Anzeige Savignpplatz Montag■ 1f>. Oktob., 20.30 Uhr Kaffee Wittelsbach, Bayerischer Platz 2 Dr. David Schloftberg׳: Streikabbruch Kaiscrp'atz wa• nun? D:׳’ nstajr Zfk Oktob., 20.30 Uhr BZV-Heim, Neukölln, Jagrerstrnßc 6 Flerrnannplatz Dr. Leo Schereki Patfistina-Ausrust 36, ein Reifebericht Mittwoch 21. Oktob.,?0.30 Uhr Mittwoch 21. Oktob., 20.30 Uhr Bailenstedter Straße 2 Fehrbzlliner Platz Hang Gärtner* Jödische Erziehung von Heute BZV-Heim, Landsberger Stmße S7 Ftitdrichnhain 6 Monate Unruhen in Palästina. Versuch einer Bilanz. Referenten: Valter Tempel, Rud. Abraham, Dr, Jos, Weiß Mittwoch 21. Oktob., 20.30 Uhr Berolinn-Festsale, Schönhauser Allee 28 Wordring 6 Monate Unruhen in Palästina. Versuch einer Bilanz, Referenten: Dr. Alfred Rabau, Dr. Han» Capell, M. Hirschfeldt. Mittwoch 2LOktbr., 20.30 Uhr Spandau, Lindenufer 12 siebe Anzeige Spandau Donnerstag׳ 22. Oktob., 2030 Uhr Weißcnsee, Wörthstroß« 20 (Dauerheim) Dr. Werner Levie: Auf dem Wege zan jüdischen Kulturleben Wetßensc* Mittwoch, 21, Oktober, 20>4 Uhr t Spandau, Lindenufar 12 Dr. ERNST BERENT Palästina im August 1936 Ein Reisebericht Berliner Zionistische Vereinigung, Bei. Spandau Arbeit u. Sport loh.! Loew#nth«i Berlin-Charioftenbg. ^aiser-Frledrlch.Straßo 50* Laden und |. Etage Palästina• Ausrüstungen i.cmiuzim v.T«untt9n Sportand Bornfobek eidnn« Jeder Art Klavierstimmer Peroz B 2 Stegl. 1920 ISA Jüdischer Kulturbund Berlin, E.V. Die beiden letzten Gastspiele Sonnabend, den 24. Oktober und Sonntao, den 25, Oktob,, 26,15 Uhr BACH-SAAL, LUtzowitr. 78 jDd.,cbnssidis1hc, russisch.,tatarisch., franzds.,spanische, amerik.Chansons Am Flügel: Werner See lig - Biß Karten RM. 1,— bis 3,— im Kulturbund und in den brk. Zahlstellen Eintritt nur gegen Kulturhundlmitglicd• oder neue R-Knrtc H.S.C. HAGIBOR im Deutschen Makkabikreis Sonnabend, 24. Oktober, 21 Uhr Brildervereinshaus, Kurfürstenstraße 115/116 Gesellschafts-Abend Festansprache: Dr. Hans Kies / Kapellan Fabian * Samulon MHwirkend.: Werner Bukefzer / Siegbert Steinfeld Dr. Jacob Schönberg Große Tombola EintrKf.ksrten im Vory.rkeuf ru RM 1 .SO bei der Iwrla-Bank, Faaan.n- *lraO.18 u. Dfrcka.natr. 26 27, im Makkabikreis, Meinekeslr. 10, bei Rothoir, Alle Schänhauasr Str. 87 11. Im Brüder»ereinehau«. An der Abendkasse RM 2,-- Ein Teil des Reinerträge* fließt der Jüdischen Winterhilfe zu Sonnabend, 17. Oktober, 20’ ״ Uhr / BZV-Heim, Kantstr. 54 ONEG SCHABBAT Rezitation / Gesang / Musik Ansprache: Rabb. Dr. Alfred Jospe BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Gruppe Savignyplatz 16. Kreistagung des Makkabi am 17, und 18. Oktober 1936 in Berlin Logenhaus, Kleiststr. 10 (Gartensaal) Sonnabend, den 17. Oktober 20 Uhr: Eröffnung der Kreistacung Begrüßung: DR. HANS FRIEDENTHAL Uraufführung des neuen Makkabi-Films Wihl der Kommissionen Sonntag, den 18. Oktober 5 00 Uhr: Referat. DR. HANS FRIEDENTHAL Der Standort des Makkabi im Zionismus *.25 Uhr: Referat: DR. KURT LEWIN Kampfsport, Massensport u. körperliche Schulung 9.50 Uhr: Referat: SIDDT GOLDSCHMIDT Programmatisches z. Erziehungsarbeit d, Makkabi Bericht der Kassenrevisoren 10,25 Uhr; Generafdebattt 13,30 Uhr; Mittagspause 15,00 Uhr; Zusammentritt der Kommissionen 19,00 Uhr: Bericht der Kommissionen, anschließend Wahlen Verbunden mit der Tagung; Ausstellung des Makkabi: Arboff das Makkabi, dargestellt In Warf und Bild Alle Mitglieder von Makkabivereinen sind als Gäste zur Tagung willkommen! ÄRZTEGESELLSCHAFT FÜR PALÄSTINA DER BZV DoanerrMg, dea 22 X. 20,30 Uh r ». t.imLojtnheu», KleUtitr.lO, Neuer Seel VORTRAGSABEND Haler den Vorsitz tos Herrn Prof. Dr. E. Se.izmaoa. Ei sprechen, Dr. Hans Friedenthal: Sinn und Aufgabe der Ärztegesellschaft Dr. S. Spiro; Leiter der Ärztlichen Abteilung des Pa!istina>Amtca ErgetnliM and Probleme der Untersuchung der Palästina-Auswanderer Gäste willkommen! .1 , 1 mm