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Jüdische Rundschau · 1936-06-12 · Heft 47 (12.6.1936) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 47 (12.6.1936)
Date
1936-06-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 47, 12. VI. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seile 19 PalditinaAmi Berlin RR I FFF AN DI F REDAKTION »m 9twiiu amncv «oa palbitin■ Aß ml. 1 JLj 1 zTl 1 T 1Jr m JLj II A-J ALß JTjL IV A A V-r 1 h Berlin W IS, Meinekestraße 10. Telefon: Sammel-Nummer J 1 (Bismarck) 9031. Mittelstands-Hachscharah Im Anschluß an die vor einiger Zeit erschienene Vornotiz geben wir nunmehr bekannt, daß das erste Zentrum der Mittelstands-Hachscharah in den nächsten Wochen in Betrieb genommen werden wird. Es handelt sich um einen vorwiegend gärtnerisch genutzten Betrieb in der Nähe von Berlin, der hinreichend Ausbildungsmöglichkeiten in allen Zwei- ^en der Obst- und Gemüsegärtnerei, Milchwirtschaft, Kleintierzucht, Hauswirtschaft, eventuell auch Imkerei bietet. Bereits ab 1. Juli können eine Anzahl Ausbildungsplätze besetzt werden. Die Auswahl der Bewerber sowie die Durchführung des Ausbildungsprogramms liegt in den Händen des Palästina-Amtes. Die Kosten der Teilnahme einschließlich Unterbringung, Verpflegung, Ausbildung und Unterricht, sowie die Kosten für Wäsche und Versicherung gegen Unfall im Betrieb betragen pro Person und Monat 85 RM. Die Verpflichtung gilt zunächst fest auf sechs Monate. Der erste Monat gilt als Probezeit für beide Teile. Die Unterbringung schulpflichtiger Kinder ist hier mangels einer geeigneten Einschuiungsmögiichkeit nicht durchführbar. Die Interessenten wollen sich wegen näherer Einzelheiten an das Palästina-Amt Berlin, Abteilung Organisation, wenden. Bundestag des ״Brlth «Jehudim Zeirlm“ Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands (Brith Jehudim Zeirim) führte vom 29. Mai bis 1. Juni ein Bundeslager in Offen bürg i. B. durch, an dem 150 Chawerim aus allen Teilen des Reiches teiinahmen. Der Bundestag wurde mit einer Freitagabendf e i e r eröffnet, bei der Oerson Stern über seine Palästinareise berichtete. Am Schabbat fand eine Bibellerngemeinschaft unter Leitung von Hans Grünewald, Frankfurt a. M., an Hand von Textstellcn über die Offenbarung statt. Im Aus- Schluß daran führte Martin S e i i g e r eine Arbeitsgemeinschaft über ״Freiheit und Bindung in der Gemeinschaft‘‘ durch. Im Mittelpunkt des Oneg Schabbat stand die Aufführung einer, von der Gruppe Heilbronn unter Leitung von GreteS c h e u e r, ausgearbeiteten Bildfolge ״im Chula“. Martin Seliger las aus seinem Jugendbuch ״Max und seine Freunde“. Am Schabbatabend fand in der Synagoge gemeinsam mit der Gemeinde Offenburg eine Kundgebung statt, bei der der Vorsitzende der Synagogengemeinde Offenburg, Emil Neu, für den Jugendbund Offenburg Siegfried Schnurman!1, für den badisehen Landesverband Werner E i I i n g e r, Baden-Baden und für den Jugendverband Martin Seliger, Berlin, sprachen. Im Mittelpunkt der Kundgebung stand ein Vortrag von Paul Eppstein, Berlin, über die Lage in Palästina. Die Arbeit am Sonntag begann unter Leitung von Martin Seliger mit einer Sichah der Jüngerenschaft über ״C h a 1 u - ziuth“. Im Anschluß an die Frage Freiheit und Bindung in der Gemeinschaft wurde die Forderung der Chaluziuth aus der gesellschaftlichen Situation des jüdischen Volkes und den Erfordernissen des Aufbaues von Erez Israel als notwendig erkannt. Im Verlauf dieser Aussprache kam der Wille der Jüngerenschaft zum Ausdruck, sich zu dem Weg der Chaiuziutri in freier Entscheidung zu bekennen. Diese Frage stand auch im Mittelpunkt einer anschließenden Aussprache mit den Aelteren und den Führern der Jüngerenschaft. Es ging bei dieser Aussprache um die Ausschließlichkeit der Chaiuziuth als Erziehungsziel für die Jüngerenarbeit, während für die Aelterenschaft Chaluziuth nur maximales Erziehungsziel sein könne. Am Nachmittag leitete Paul Eppstein eine Sichah über ״Grundlagen jüdischer Geschichtsbetrachtungen“, die von dem Gesamtthema Freiheit und Bindung in der Geschichte bestimmt wurde. Nach einem Ueberblick über die jüdischen Wanderungen und einer Darstellung über das Wesen des jüdisehen Volkes wurden die gesellschaftlichen Bestimmungsgründe der Geschichte des jüdischen Volkes besonders am Beispiel der Entstehung des Zionismus behandelt. Die Aussprache über die Situation des Bundes unter Leitung von Paul Eppstein wurde begonnen mit Referaten von Wolfgang Edinger, Frankfurt a. M., Grete Scheuer, Heilbronn, Martin Seliger und Gerson Stern. An ihr nahmen besonders teil: Reinhold Herz, Berlin, Heinrieh Le »1!e, Frankfurt a. M., Kurt Freudenthal, Würzbürg, Baruch Eisenstedt, Berlin und Kurt Nußbaum, Bcth-Chaluz-Beuthen, der besonders auf den Ausbau des Hachscharahwerkes des Verbandes einging. Im Mittelpunkt dieser Aussprache stand das Verhältnis der Jüngeren- und Aelterenschaft im Jugendverband und damit die Frage der Chaluziuth als maximales oder totales Erziehungsziel. Es wurde festgestellt, daß mit der zionistischen Entscheidung des Gesamtverbandes die ideologische Einheit von Jüngeren- und Aelterenschaft gewährleistet sei. Die religiöse Frage wurde in einer Arbeitsgemeinschaft besprochen, in der Gerson Stern, Heinrich Lemle und Rcinhold Herz die Forderung vertraten, daß der Jugendverband in eine verpflichtende Auseinandersetzung mit dem Problem der religiösen Haltung und der religiösen Form eintreten müsse. Baruch Eisenstädt, Berlin, der als Vertreter des Hechaluz an dem Bundestag teilnahm, wandte sich dagegen, daß man den Chaluzim in der Golah und in Palästina eine stärkere Kritik über seine Stellungnahme zur religiösen Form zuteil werden lasse, als sie der religiöse Liberalismus im Kreise seiner eigene-n Anhänger für notwendig empfinde. Es, komme darauf an, sich der sozialen Verant- Wörtlichkeit bewußt zu sein, die auch allem Streben nach religiöser Form zugrunde liegen müsse. Martin Seliger wies besonders auf die Gemeinschaftsform des Kibbuz Machar hin, in dem der Chawer der Verbandsleitung, Walter Hoizmann, arbeitet. In die Verbandsleitung (Paul Eppstein, Berlin, Martin Seliger, Berlin, Reinhold Herz, Berlin, Joe Israel, Hannover, Erich Cohn, Halle, Walter Holzmann, Kibbuz Machar) wurde Heinrich Lemle, Frankfurt a. M., zugewählt. Kundgebungen des Keren Hajessod GERA Dienstag, 16. Juni, 20,15 Uhr, in dar Synagoga Rechtsanwalt A. Maisr, Leipzig Die Ereignisse in Erez Jisraei — Unsere Antwort Die Erfüllung der Gebote Brünn, den 7. 6. 1938 An die Sohriftlcitung der ,,Jüdischen Rundschau ‘. Berlin. Die Auduhrunoen Dr. Erwin Hamburgers in dem Arfikel ״Gesetz und Jude‘‘ (Nr. 42/43 der ״J. R.;i vom 26, 5. 1936) sind vielleicht geeignet, «len Anschein zu erwecken, daß der fromme Jude — gleich>arn eine Idealgestalt — aus innerem Arnrieb und mit reimter Freude alle Gclxrte erfüllen würde. Ohu-e die zentrale Rolle zu leugnen, welche die שמחה של מצרה i״ der jiidis<11en Vor.stellungswclt spielt und die vom Talmud immer wieder betont wird —■ so z. B. in סיטה לא: גדול העושה מאהבה יותר מן העושה מיראה׳ möge darauf hingewiesen werden, daß in unserem alten Schrifttum gelegentlich auch Meinungen geäußert werden, die von der oben wird ׳!׳gegebenen beträchtlich abweichen. Nicht nur, daß der Talmud weih, daß auf je höherer Stufe: ein Mensch steht, um so größer die Versuehung ist, die an ihn herantritt: כל הגדול מחברו יצרו גדול ממגו סיכה נב)) stellt er jenen Menschen, der sich selbst übe!winden muß, um die Gesetze zu erfüllen, hoher als den, der aus innerstem Antrieb ״gerne'‘ das Böse meidet und das Gute tut. In den פרקי Jerusalem, 28. 5. 1936 An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau.“ ln Ihrer Ausgabe vom 15. 5. bringen Sic einen Beitrag von Dr. Gerhardt Ncumann ,,Judisehe Sagcnkundc'S in dem die Forderung erhoben wird, die jüdisch-folklorisiische Arbeit von einer zentralen Stelle her zu betreiben. Dazu darf mitgeteilt werden, daß die Univcrdtat Jerusalem in letzter Zeit Anditze zu einer solchen Arbeit unternommen hat, und zwar durch die Berufung des למום (23 .mißt es: (V! אבות geilt SO weit, daß י־ Da •צערא אגדא nur die gegen den inneren Antrieb durch Sclh-tiibiuwindung erkämpfte Pili hirrbülung als wertvoll angesehen wird. So תורת בוחלים קדושים: heißt es in אמר ר׳ אלעזרבן עזדיה: לא יאמר אדם א* א: שי לאכול בשר חזיר׳ אי אפשי ללבוש כלאים! אלא אפשי׳ אבל מה אעשה ואבי שבשמים גור עלי• Maimonidcs setzt sich im sechsten Abschnitt seiner שמונה פרקים mit diesem scheinbaren Widcr^nrurh auseinander und kommt zum ErgelmF, daß sich die erste Ansicht, auf das Ausrichten des Lebens nach den höchsten ethischen GniiaFätzen l>ezieht, nach den Grundsätzen, die von allen Menschen und Völkern gemeinsam auch dann Ixdolgt werden müßten, wenn sic uns nicht in der Thora befohlen worden wären, während die letzte Meinung sich auf die הקים bc* zieht, d. h. auf diejenigen Ge- Bote und Verbote, deren Grund uns nicht weiter einlcuchtei. und die wir nur befolgen, weil cs die Thora so befiehlt. Zu diesen letzteren gehören die Speisegcsdze und das Verlx>t des שעטנז, die bczeä ,hm••nderwei-c m dem angeführten Ausspruch des R. Fleasar ben Asarjah erwähnt werden. Mit vorzüglicher Ho. h.ichtung Artur E r d c 1 y i II errn Dr. Erich Brauer als ״Research Fellow“ in den Stab ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiten Dr. Erich Brauer, der nach einer Reihe folkionstiseher Aufsätze, besonders durch das große Buch ״Ethnologie der jemenitisehen Juden*‘, Hcidellxug 1934, bekannt wurde, untersucht zur Zeit im Aultrag der Universität Jerusalem die Folklore der kurdischen und kaukasischen Juden. Außerdem besteht an der Universität Jerusalem ein von Herrn Dr. Robert L a c h m a n n gegründet es und geleitetes ״Archiv für orientalische Musik“, dessen Arbeitsiichtung gleichfalls durchaus Folkloristi&ch und nicht w׳c- «.entlieh künstlcri •>d!־musikalisch ist —■ cs werden dort auf Platten die gegenwärtig noch lebendigen Reste orientalischer Mudk bidischer und nichtjüdUchcr Stamme festgehalten, die in Palästina und Danz'g ־ diva, den 8. Juni 1936 Sehr geehrte Redaktion! Ich las in Ihrer Nr. 44/45 von den Sitten und Gebräuchen der sephardischen Juden und .stelle aus den Erinnerungen meiner Kindheit, also jetzt vor etwa 70 Jahren, fest, daß sie sieh gar nicht so sehr von den Gebräuchen der Ostjuden in Rußland und Polen untemhieden. In meiner Heimatstadt Sehkiow in Weißrußland gab es zwar keinen Preganero, ai>or der Sehaines der Synagoge hatte dieselben Funktionen. Mit gewaltiger Stimme lief er die Juden zum Beten mit den W'otten: Juden, stellt, auf zur Awoduth üalwueh (zum Dien-u für den Sc hop I c!). Zu Sciühoth klopttc man an die Fcn 4r; i,1! 1■ ■n (die 1 lau-er w ,11111־ alle ein-m PU lg). Gleichzeitig lief er etwa um drei Uhr na< ht> zum nuedlud. ln der \a:hi von K 1)11111' ZU l i'reita^ schlief eine Hau *.!rau Fm! j4.tr nicht. Sie buk . Ha! h es zum Schahbab mißen!(־! n c:1 1 heso 1m lerci Gebäck, das in WViliruß! and (K’kaiuit. w;n,; in, h; ׳K01f Shn k, wie 1h1־ i den S< ".,!,ך uiim. und d;18 Prepezes hieß . Ks war au.־, demmdben Teig, VV Kl die hau ■lics, ul »er flach. w i e e 1 n Tdi er, und oben!>0-1r ichcri mit gern ahlenem .Feingarnen 11 lochzei’cn von reif hen lauten leierte inan nah! c re Woeher». Fine ganze W oche vor der Hochzeit war de. n A tmen und Beulen! gewidmet. Au 1 die Nar hrieht von einer rc iehm I Ick: hzeil kamen Bettler au י־ allan Gegenden von weither, man aal» ihnen zu e>sen, soviel sie wollten, und eine Kapelle spielte ׳ auf. Die Brau! mutter und ott aueh die Braut mußte mit < len Bett• in den nahen Grenzländern erreichbar sind. Näheres über das ״Ardnv für orientalische Musik‘* ist. in dem soeben erschienenen ״Mit1«-ilungd)!att der Universität Jerm.]h־m füt den Monat Juni“ ersichtlieh. ln vorzüglicher Hochachtung Dr. Ernst S i m o O lerinnen tanzen. Eid nachdem die Bettler fort waren, begann das richtige llochzeitdesi. Sieben Tage Fest war auch hei den Aenrisien Usim. Das Fest, begann immer am Sonnabend vor der Hochzeit, es kamen Frauen und Miid. hen in der Wohnung der Braut zusammen, eine Kapelle spieli 1' und die Frauen tanzien. Männer hatten keinen Zuluft.. Die Trauung fand auf einem kleinen Platz neben der Svn.igoge .•־tat(: man brachte zucr-l den!häutig,nn und stellte ihn auf einen Stein, dann holte die Kapelle die Braut ein. M.inrlii na!;nuß> ie der Braut igam nu'hr . .d, e ine Stunde auf diese \VeUe v, a! ten. 1 uzm n whrn vert liehe״ ihn L W i'zbnldt > die Zeit, sl,l'l.״l , ihn ahe 1־ alii! 1 mit Steek-!!adeln /um SP aß. Au 1 Sehabbat Y,,I ,1 Mot 1 tzc,! wurde der Bern•״.;am in d (־׳! Svn. ״ahi f\ d . h. die 1b iiai wurde r!!n/nel! . brk .nun! jwmnct!1. von der ]׳'rauen pale! ie M'huts ct.־n die 11־.■u, n .\u ~,e und B< jnbons auf den 15 i .111' i pam. ln S, hk 1 ow ging m Freitagabend ־1,1> Da ja1) ״• ׳.ich! 01) zu ־! den vt'iim er 11 und befahl die Enden ZU »1 111:1 cmn. I ־S m! naeh!!Kauer F.i!me! ung nl e!d voigokomm, n. daß man jemanden v. rpen UeU hm hmi ׳ein der Sbald mini! he-andi n mußte. AU e 1 e M־hl O'M'II die Geld- WC bdm, d ie m d klcit um Tj.-u'hen in der Mi! te -■ Ie״ M;1 iktes standru. Mri.l 11b waren es merkm ii rdip et \vc i'C 1 *’lauen, die diesen Hem! au -u bien . Die richterliche Geu.di de־ י Bc •th-Din war auch bei Uli s gn >ß, ־ n>ch rößer aller- ÜillR. die des Kahal Ls — also der G emei nde. Hoch;!׳ rhtung' ■voll L. J. M c ז k i n Jüdische Folklore Volksbräuche hei Sefardim und Asdikenasim Künstlerisches Leben in Hamburg Um das Hauptereignis der Wintersaison, die Aufführung der ״Awodath Hakodesch“ von Ernest Bloch gruppierte der Kulturbund eine Reihe mehr oder minder gelungener Veranstaltungeu. Das Schauspiel brachte ״Spiel im Schloß“ von Franz M o I n a r. Nebc-11 der sorgsamen und geschmackvollen Regie war hier Fritz Melchior der Hauptträger des Erfolges, neben ihm die hübsch aussehende Liselotte Cohn, Julius Ko bl er als possierlicher Lakai und der etwas übertreibende Max Ehrlich a. G. Das Schauspielcnsemblc beschloß die Winterspielzcit mit einer sehr achtbaren Auffiihrung von ״Hamlet“ in der Schlegclschen Uebersetzung, teilweise neu gefaßt von Therese Robinsohn. Der Regisseur Dr. Buxbaun! brachte das Kunststück zuwege, die Dichtung auf der kleinen Bühne (im Theatersaal des Konventgartens) zu vollem Leben erstehen zu lassen. Unterstützt wurde er hierbei durch Hans Sondhcimcr mit der geradezu raffinierten Raumgestaltung und durch die schönen Kostüme Käte Friedheims, Von den Darstellern ist in jeder Hinsicht Heinz F riedeberg als Hamlet zuerst zu nennen. Der junge Hamburger ist eine eminente Begabung, ein guter Sprecher und denkender Darsteller; er fesselte vom ersten bis zum letzten Wort. Aus der großen Reihe der Mitwirkenden seien nur hervorgehoben Fritz Melchior mit seiner vorzüglich gesprochenen Priamusszene als 1. Schauspieler, der Totengräber von Max Koni ns ki und die rührende, wenn auch noch unreife Ophelia Annciise Töpfers. -Das Ganze war eine imponierende Leistung, deren voller Erfolg unseren Schau- Spielleiter Dr. Buxbaum zu neuen Taten ermuntern darf. An Konzerten hörten wir zunächst den Liederabend von Beatrice Freud enthal-Wag halte r, deren buntes Programm (in nicht weniger als sechs Sprachen!) viel Beifall fand. Das Lied ״Erew Schabbos“, das Gebet der jüdischen Mutter beim Entzünden der Schabbatlichter, gehört aber nicht auf das Podium. Am Flügel war Leo Schönbach ein sorgsamer Begleiter. Einen künstlerischen Genuß bot das Konzert von Joseph Schmidt. Der Sänger gab mit seiner feinkultivierten, in der Mittellagc merkwürdig umflorten, in der Höhe um so biendenderen Stimme in italienischen Arien sein Bestes. Unter den vielen Zugaben wurde ein (hebräisch gesungener) Psalm von Miiner besonders dankbar begrüßt. Der übervolle Saal des Konventgartens spendete dem Künstler tosenden Beifall, an dem der vorzügliche Begleiter Leo Taubmann redlichen Anteil hatte. Ein weiteres künstlerisch hochstehendes Ereignis war der Kammermusikabend des Trios H. W. Steinberg (Klavier), Anni Steiger (Violine) und Dr. J. Sakom (Violinccllo). Der temperamentvolle und großzügige Dirigent Steinberg spielte anfangs (H-dur-Trio von Brahms) zu orchestrai, fügte sich aber in den weiteren Nummern (Geister- Trio von Beethoven und dem reizenden A-moll-Trio von Schumann) fein ein. Die als Solistin für uns neue Frankfurter Geigerin zeigt sich als Meisterin des Kainmermusikstiis, in dem Dr. Sakom die reifste Leistung bot. Der jüdische Männerchor ״Hasomir“ brachte unter Leitung von Oberkantor Lieber einen jüdischen Volksliederabend, bei dem die hingebungsvolle Liebe aller Mitwirkenden zur Sache ruhmenswert ist. Oberrabbiner Dr. Carlcbach hielt hierbei einen Vortrag ״Kunst- und Volksgesang in Israel“. Leon K o r n i t z e r Die Berliner Malerin Käthe Miinzer-Ntumann (Kate Münzer), die jetzt in Paris lebt, wurde von der ״Societe Nationale des Beaux Arts“ zur Sodetaire gewählt. Handwerkliche Ausbildung in Palästina. Im Herbst dieses Jahres wird die noch im Bau befindliche handwerkliche Ausbildungsstätte der Jugend-Aiijah in J a g u r eröffnet, die den Namen ״L u d w i g - T i e t z - L c h r w c r k s t ä 11 e״ tragen wird. An der Schaffung dieser Lehrwerkstätte sind außer der Reichsvertretung der Juden in Deutschland die Großloge, der Hitfsvercin der Juden in Deutschland, sowie der Centralverein der Juden in Deutschland beteiligt. Jugendliehe von 15 bis 17 Jahren werden in Jagur eine dreijährige handwerkliche Ausbildung genießen. Ais Bmtfs/weige sind vorgesehen: Tischlerei (Bau- und Möbeltischlerei), Schlosserei (Bau- und Maschinenschlosserei), Klempnerei, Schmiede, Schweißerei. Es ist geplant, auch weitere Berufe hinzuzunehmen, sobald man genügend Erfahrungen gesammelt hat. Hervorragende pädagogische und fachliche Lehrkräfte werden tätig sein, um eine qualifizierte Berufsausbildung der Jugendliehen zu schaffen. Die A 11 s b i 1 d 1111 g s k o s t e 11 werden voraussichtlich 80 bis 85 RM. betragen; im Falle erwiesener Bedürftigkeit kann der Betrag auf 75 oder 70 RM. herabgesetzt werden. Soweit auch diese Summe nicht aufgebracht werden kann, können Zuschüsse gegeben werden. Nähere Auskiinftc sowie Anmeldungen bei der jüdischen Jugendhilfe, Bcrlin-Gharlottcnburg 2, Kantstr. 158. Barmizwah-Geschenke des Preußischen Landesverbandes. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat beschlossen, künftig jedem Barmizwahknahcn in den ihm angeschlossenen Mittel- und Kleingemeindeii ein Buchgeschenk zu überreichen. Neben der ״Schul- und Hausbibel“ von Auerbach gelangen die Bücher von Leo Hirsch ״Praktische Judentumskunde“ und Emil Beruh. Colin ״Das jüdische ABC“ zur Verteilung. Im Kulturbund für Ostwestfalen und angrenzende Gebiete (Sitz Herford) sprach in Bielefeld, Detmold, Hamm, Herford, Minden, Münster, Oldenburg, Osnabrück, Paderborn und Rheda Dr. Anneliese Landau, Berlin, über ״Felle Mendelssohn und seine Zeit“.!>ie musikalischen Belege wurden von Wolfgang Rose mit vollendeter Meisterschaft wiedergegeben. Hnmhlirri* Mittwoch, den 17. Juni, 20.30 Uhr ** im Gabriel Rieeser Saal, Oberatr. 120 Dr. MICHAEL TRAUE IM KAMPF DM EREZ {ISRAEL - EINWANDERUNG UND AUFBAU 1929—1936 / Juden und Araber / Bilanz des Friedens / Kolonisten und Eroberer / Kampf aus dem Hinterhalt / Politische Prämien? / Englische Mandatspolitik / Wir verteidigen unsere Rechte / Die Haltung des Jlschuw / Unsere gemeinsame Front Jewlsh Agency for Palsetine, Ortsausschuß Hamburg Max M. Werburg Ham burgar Zionistische Vereinigung Dr. Porez Zadlk

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