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Jüdische Rundschau · 1936-05-22 · Heft 41 (22.5.1936) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 41 (22.5.1936)
Date
1936-05-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41. 22. V. 1936 jüdische Rundschau Seife 5 Jüdischer Alltag: aus drei Jahrhunderten ,,Jüdische Memoiren aus drei Jahrhunderten“. Herausgegeben von Hans Bach (Schocken-Biichered 52/53). Jüdische Denkwürdigkeiten und Briefe sind für unsere Geschichte wichtig und aufschlußreich, weil sie uns den einzigen Zugang zum Innenleben unserer Gemeinschaft zeigen — den einzigen Weg, über die Berichte des äußeren Geschehens hinaus einen Einblick in das Leben des jüdischen Alltags zu tun. Erst aus diesem ״Midrasch“ der jüdischen Geschichts- Chronik lernen wir unsere Voreltern kennen, wie sie jung waren und wie sie alt wurden — wie sie weinten und lachten, freiten und beerdigten. Der Brief ist die erste Quelle dieser Erkenntnis vom Alltagsleben unserer Vorvater — jüngst hat die umfassende Sammlung Jüdischer Briefe aus drei Jahrhunderten, die Franz Köhler im Saturn-Verlag herausgab, uns einen tiefen Blick in diese versunkene Weit tun lassen; nun ergänzt Hans Bach durch eine geschickt angeordnete Auswahl von jüdischen Memoiren aus den letzten drei Jahrhunderten diese Rückschau auf die Vorbedingungen unserer Gegenwart. Es ist ein unendlich buntes und lehrreiches Bild geworden — fast unausschöpfbar in der Fülle des Wissenswerten, die es uns auf die ergötzlichste Weise vermittelt. Freilich ist hier bewußt — im Gegensatz zu der früher erwähnten Sammlung — ein örtlich begrenztes Teilgebiet der Judengeschichle herausgegriffen worden: jüclische Geschichte, soweit sie auf deutschem Boden erlebt worden ist. Mit der Ausnahme der ersten Quelle — der hebräisch geschriebenen Erinnerungen des Ascher Levi aus Reichshofen, der zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges lebte, und der Erinnerungen des Petschaftsstechers aus Treuenbrietzen Aron Isaak, der in schwedischer Sprache von seinen Kämpfen um die Niederlassung in Stockholm berichtet — sind diese Memoiren in deutscher Sprache geschrieben; und schon hier zeigt sich, wenn man die Schreibweisen vergleicht, die Entwicklung und eine gewisse Einheit in der Vielfältigkeit — von dem naiven Volkston der Gliickel von Hameln his zu der ״gebildeten“ Sprache der Henriette Herz und der bewußt ghettoiiaft karikierend gefärbten, grotesken Ausdrucksweise des jüdischen Kaufmanns in der Kleinstadt des IQ. Jahrhunderts — hier wird ein halb sentimentaler, halb überlegener Abschiedsblick auf unwiderruflich Vergangenes geworfen. Der Verschiedenheit des mündlich-schriftlichen Ausdrucks (denn es bildet den Reiz dieses Buchs der Dilettanten, daß wir — mit seltenen Ausnahmen — die Sprache des Alltags zu hören bekommen, und nicht die Sprache des Schriftstellers!) entspricht die Verschiedenheit der jüdischen Lebensform. Ascher Levi aus Reichshofen ist zuerst Kinderlehrer. und muß sich plagen; aber ab wir von ihm scheiden, da ist er Hausbesitzer und erzählt uns von Kammer und Küche. Glückeis Mutter erhält sich selbständig als Spitzenklöpplerin; ihre Tochter betreibt nach dem Tode des Mannes seinen Juwelenhandel weiter. Aron Isaak zeigt sich uns als einer der wenigen Juden, die sich schon damals den Zugang zum Kunsthandwerk erkämpften — das er freilich nicht in Deutschland, sondern in Schweden ausübte. Dann kommt das 18. Jahrhundert mit seiner Begeisterung für Aufklärung und Philosophie: Moses Mendelssohn erscheint in den Spiegelungen der Henriette Herz, der bildungseifrigen Arztfrau und Mädchenerzieherin, und des wilden Fremdlings aus dem Osten, Salomon Maimon. Das IQ. Jahrhundert zeigt uns den jüdisehen Maier Moritz Oppenheim, die Schauspielerin Therese Devrient, zwei Kaufleute (A. H. Heymann und Sigmund Mayer), zwei Schriftsteller (J. Rodenberg und Berthold Auer-?bauch) und zwei gelehrte Forscher — auf dem Grabe von M. Lazarus in Meran, dessen Jugenderinnerungen diese Auswähl schließen, steht stolz das eine Wort ״Philosoph“. — Ein nicht nur ergötzliches und lehrreiches, sondern auch nachdenkliches Buch, aus dem die Enkel vieles lernen können. b. a st. ״Mutter und Kind im altbiblischen Schrifttum“ von Alexander M a r g o 1 i u s (Berthold Levy Verlag, Berlin 1Q36) entstand aus einem Vortrage, den der Verfasser in den Jahren 1Q31 und 1Q32 gehalten hat und wurde für den Druck durch mannigfache Zusätze und Belegstellen erweitert. Es will — und darin liegt sein Reiz — nichts beweisen, sondern nur erzählen, was die Bibel und ihre Erklärer über Mutter und Kind zu sagen haben. Dankenswert ist, daß der Verfasser mit großer Belesenheit auch neuere jüdische und nichtjüdische Quellen benutzt hat. Bs. Zionismus in Buenos-Aires, im Mai Wenn über die genaue Zahl der in Argentinien lebenden Juden einige Zweifel herrschen — manche behaupten, es seien nicht mehr als 250000, andere wollen wissen, daß schon 400 000 jüdische Seelen hierzulande existieren — so ist es sicher, daß die organisatorische Seite des jüdischen Lebens noch ziemlich viel zu wünschen übrig läßt. Das darf auch nicht wundernehmen, denn es handelt sich ja um einen relativ jungen, noch nicht tief verwurzelten Organismus, dessen Formen noch verschwommene und nicht festgefügte sind. Noch gibt es ״Landsmannschaften“, Gruppen und Griippchen von Juden verschiedener Abstammung, die sich nicht finden können oder wollen, und in der 150000 Juden beherbergenden Hauptstadt gibt es noch keine einheitliche jüdische Gemeinde, sondern zahlreiche ״Kongregationen“ und Tempelgemeinden, die nebeneinander einhergehen. Es muß den Zionisten als Verdienst angerechnet werden, daß sic die ersten waren, die über diese Schranken und Schwierigkeiten hinweg, eine einheitliche Zionistische Federation gegründet haben, die bcssarabischc, litauische, aitrumänische und sogar sephardische Juden umfaßt, und daß sie, ohne eigentlich den ״nichtzionistischen“ Teil der hiesigen Juden bisher direkt für den Pakislinagedanken gewonnen zu haben, überall mitarbeiten. Vor einigen Tagen hat eine außerordentliche zionistische Landeskonferenz stattgefunden, die i!1 der Hauptsache zwei Fragen zu behandeln hatte: Besuch Nahum Sokolows in Argentinien, und die Frage der Schaffung eines zionisti sehen ״Dachverbandes“. Schon vor einigen Wochen ist Dr. A. Mibashan, aus Jerusalem kommend, hier angelangt; er hat vom Hauptbüro des KH. in Jerusalem die spezielle Aufgabe erhalten, eine Kampagne für den KH. durchzufiihren; und da die argentinische Judenschaft, und vor allem natürlich die Zionisten, schon vor langer Zeit den Wunsch geäußert hatten, den Ehrenpräsidenten der Zionistisehen Organisation in ihrer Mitte zu begrüßen, wurde der ganze Plan der Arbeit auf den Besuch Sokolows in diesem Lande zurechtgeschnitten. (Inzwischen ist dieser Reiseplan durch den plötzlichen Tod Nahum Sokolows zunichte gemacht worden. Red.) Am 2Q. April wurde die Konferenz Eine Chaluzfarm in England In England I>csteht seit einem Jahr die Lehrfarm ״Kibbuz Habonim“ (״Ringiestone“) des englischen Hechaluz. Das Geld zum Kauf und zur Einrichtung des 84 acres ( 34 ha) großen Besitzes wurde von der Zionistischen Organisation als Darlehen gegeben, und zwar aus dem Legat eines südafrikanisehen Juden. Ein besonderes Komitee sorgt für die Chaluzim. Ziemlich kleine und alte Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurden mit der Farm übernommen, jedoch bauten die Handwerker unter den Chawerim einen schönen Kuhstall, zwei Wohnbaracken, die sehr hübsch und sauber aussehen, und einen Waschraum. Das Vieh besteht aus 5 Kühen, 4 Kälbern und 30 Schafen. Die Hühnerzucht, in selbstgebauten Schuppen untergebracht, ist erfolgreich durch Gebrauch eines Bratapparates, in dem der größte Teil der 600 Kücken und Jimghührier ausgebrütet worden ist. Der größte Teil der Farm ist Weideland, wie meist in England. Es werden Getreide, Kartoffeln und Gemüse angebaut, außerdem gibt es Obststräueber und -bäume. Auf der Farin sind ungefähr 20 Chawerim und Chaweroth aus den Ortsgruppen London und Manchester des Hechaluz, und 2—3 Chaweroth aus Deutschland, die schon in England Mitglieder des Hechaluz waren. Die Hebraisiening wird äußerst energisch betrieben und wird durch einen Palästinenser und mehrere Hebräisch sprechende Chawerim erleichtert. Die umfangreiche englische und jüdische Bibliothek gibt Gelegenheit zu vielseitiger Fortbildung. Ende dieses Sommers wird voraussichtlich die erste Gruppe Chaluzim zur Alijah gehen. Obwohl es jetzt noch nicht feststeht, so werden sie wahrscheinlich versuchen, in Palästina zusammen zu arbeiten. S. Ellern, London Wegen des Himmelfahrtstages wurde die heutige Nummer bereits einen Tag früher abgeschlossen: Der Widersadier des Todesengels Bericht von den Streitigkeiten um Rabbi Akiba Eger Von LEO HIRSCH (Schluß) Was wolltest du denn von ihm? fragte die Stimme. Ihn selbst, sagte der Todesengel heftig, und daß er mir nicht dazwischen sei bei anderen in meiner Arbeit! Fahre fort in deiner Klage! Ich kam darauf nachmittags wieder, als einer von seinen Söhnen gerade aus dem Zimmer ging. Es ist irgend etwas Unheimliches im Zimmer, flüsterte der Sohn stockend und an der Tür zaudernd. Es kann nichts ohne Auftrag sein, sagte der Rabbi begütigend und unbetroffen, und der Sohn ging ein wenig beschämt. Der Rabbi lag auf seinem Sopha und las. Es war wie an jedem Nachmittag, das Lesen, besonders neuerschienener Schriften, gehört zur Ordnung »eines Tages, und er pflegt es liegend zu tun, weil er zum Sitzen zu schwach ist. Er liest also und hat immer den Bleistift zur Hand, um seine Einfalle und Einwönde gleich anzumerken. Und während er liest, halte ich meine Liste über das Buch, gerade über die Seiten, die er eben aufgeschnitten hat. Aber wenn ich geglaubt hätte, jeden Mensehen mit einer solchen plötzlichen Liste des Todes erschrecken und verwirren zu können, so muß ich den Rabbi Akiba Eger von solchen Menschen ausnehmen. Er erschrak nicht und blieb unverwirrt. Während er sonst oft vor Schmerzen aufseufzt, atmet er, während er meine Liste liest, so leise und stetig wie ein Kind in der Wiege. Ja, er liest aufmerksam Zeile für Zeile, Name für Name, und als er gegen Ende des Blattes kommt, regt er sich zum ersten Male Mit leisem Unmut schüttelt er einmal den großen, schweren Kopf. Einen Augenblick lang »ehe ieh noch die weißen Haare seines Bartes nachzittern. Es war, als hätte er mit dieser Bewegung* eine kleine Fliege verscheuchen wollen, die sich auf seine Stirn oder Nase gesetzt hätte. Dann nahm er einen Bleistift und strich die ganze Liste der Namen mit einem geraden, leichten Striche durch. Und auch das geschah mit der gleichen leidenschaftslosen Selbst■ Verständlichkeit, mit der man ein Insekt verscheucht. Ich glaube, er achtete nicht einmal darauf, daß die Liste zu Boden fiel und liegen blieb. Er las weiter, als hätte er sich nie darin unterbrochen gehabt oder doch nicht mehr, als man innehSlt, wenn man in einem fremden, nicht wichlägen Buch über ein falsch gesetztes Komma stolpert. Was sollte ich, fuhr der Todesengel in seiner Klage fort, mit meiner Liste tun, deren Namen durchgestrichen waren? Ich wollte vor das himmlische Gericht kommen, u™ gegen den aufzutreten, der meine Aufträge durchkreuzt, ®ein Recht mißachtet und mein Amt verstört. Aber ich beschloß, mich zu beruhigen und erst noch abzuwarten, was er unternehmen würde, der mein Widersacher ist. Denn ich konnte nicht glauben, daß ein Mann mit so geringer Furcht und solcher Kenntnis des Heimlichen und Unheimlichen sein Genügen darin finden würde, nur eine Liste von Worten durchzustreichen. Wenigstens erschien es mir um diese Zeit noch so, als wenn er nüchtern und geheimnislos dächte und als wenn eben darum die Männer der Vernunft ihn des Aberglaubens und die Weiber des Alterglauhens ihn der Zauberei verdächtigten. Aber später erkannte ich — Was tat nun Rabbi Akiba Eger? wurde der Engel des Todes gefragt. Ich bitte wegen meiner Abschweifung um Verzeihung. Der Rabbi schweifte keineswegs ab. Kaum war die Cholera in der Stadt, als er seine ganze siebzigjährige Kraft, seine Umsicht und sein Wissen auf sie richtete. Ohne die Errungenschaften der Medizin seines Jahrhunderts zu kennen und zu überschätzen, entwickelte er ein eigenes System der Seuchenbekämpfung. Er verordnete eine bestimmte Diät für jedermann, hoch und niedrig, krank und gesund. Das war nichts sonderlich Neues, aber daß diejenigen, denen er befahl, gehorchten, war außerordentlich. Auch den Nichtjuden war Diät geboten. Aber sie mißachteten das wohl, wurden krank und starben in Massen. Die Juden blieben wenigstens von schweren Fällen so gut wie verschont, weil sie Diät hielten, keinen Fall verheimlichten und so jede Ansteckung vermieden. Allerdings wußte Rabbi Akiba Eger seiner Anordnung einen Nachdruck zu verleihen, der nur einem großen Rabbi möglich war und nur auf Juden wirken konnte. Selbstmord, erklärte ihnen der Rabbi, ist Verbrechen. Cholera durch Diätfehler zu bekommen, ist Selbstmord. Mord ist das grausigste aller Verbrechen, und nicht nur Selbstmord ist Mord. Seine Cholera zu verheimliehen und dadurch andere anzustecken, das ist Mord und abermals Mord. So erreichte er, daß die Cholera von den Juden geprellt wurde. Nun aber kamen die großen Feiertage näher, das Fest des neuen Jahres und der Versöhnungstag, worauf wir, die Cholera und ich, unsere letzte, verbitterte Hoffnung setzten. Während der Todesengel diese Worte sprach', wandten sich die Seraphim ab, und die Cherubim verhüllten ihr Antlitz. Aber der Engel des Todes, der darauf nach den Schaudernden hinblickte und voll kalten Staunens innc hielt, wurde gleichwohl ermahnt, in seinem klagenden Berichte fortzufahren, und er begann wieder in seiner monotonen Sprechweise: Rabbi Akiba Eger ließ die Aerzte der Juden von Posen rufen, beriet sich mit ihnen und bestimmte, daß an den hohen Feiertagen nur die Hälfte der Plätze in den Synagogen und Gebe träumen besetzt werden sollte, um die Gefahr zu meiden, die durch das Zusammensein so vieler Menschen gesteigert werden mußte. Jedes Mitglied der Ge- Argentinien feierlich in einem der größten Säle der Stadt, der ״Prince George Hall“, eröffnet; der derzeitige Präsident der Zionistisehen Organisation, I. Kaplan, eröffnete den Abend und begrüßte den Spezialdelegierten aus Jerusalem, Dr. A. Mibashan. Nach ihm sprach ein hiesiger zionistischer Redner, Herr Schenderei, worauf Dr. Mibashan die gegenwärtige Lage in Erez Israel schilderte. Die sachlichen Sitzungen der Landeskonferenz verliefen zur allgemeinen Zufriedenheit. Herr Kaplan hielt ein kurzes Referat über die Lage im Zionismus, worauf Herr S. Ra binowitsch, Präsident des hiesigen KH.-Komitees, seinen Bericht über die Tätigkeit dieses Fonds im abgelaufenen Jahre gab. Die Konferenz akzeptierte einstimmig eine Resolution, die zu Ehren des geplanten Besuches Sokolows in diesem Lande eine außerordentliche Aktion für den KH. zu machen bestimmt, die mindestens eine Viertelmillion Pesos ergeben soll. Hierauf hielt N. Gesang, der einflußreichste ziouistische Führer Argentiniens, eine Gedenkrede aut die im letzten Jahre Verstorbenen. Herr L u t z k i, L.citer des Organisationsdepartements, hielt ein Referat über ״Organisation und Ichud“, wobei er das Problem des allgemeinen Zionismus und speziell die Frage der Verwirklichung des Dachverbandes behandelte. Es wurde eine Kommission ein• gesetzt, die sich mit den Details der Durchführung des Ichud in den kommenden Monaten befassen soll. Schließlich wurde noch das Referat über ״Erziehung und Tarhut“, das von Dr. M. Slinin abgehaltcn wurde, zur Diskussion gestellt Ein Punkt, der sehr betrübend wirkt, ist, daß die Juden aus Deutschland sicli an diesen Arbeiten der Zionistisehen Organisation fast gar nicht beteiligen. Die älteren, d. h schon seit jeher hier niedergelassenen Juden aus Deutsch•!and stehen meist abseits und machen, im besten Falle, bei den Gcldsanimhmgen mit; die neueingewaiulerten Elemente, die ja schon eine andere seelische Disposition mitgebrachi haben, befinden siel:, besonders in der ersten Zeit, noch im Stadium der Sorgen um ihre eigene L'inwurzeiung, und kommen vorläufig noch nicht mit dem zionistischen Leben in Berührung. Auf diesem Gebiet kann noch sehr viel getan werden. Abu-Noemi Jüdische Wissenschaft Unsere Rundfrage ״Um die Zukunft der jüdischen Wissen- Schaft“, die wir in unserer Peßach-Nummer veröffentlichten, hat ein vielfaches Echo gefunden. Die Wochenschrift ״The Jcwish Exponent“ in Philadelphia bringt in ihrer Ausgäbe vom I. Mai eine ausführliche Stellungnahme zum Ergebnis dieser Rundfrage und meint, daß es erstaunlich sei, ■zu sehen, daß Hoffnung und Mut auf der Seite derjem'gen Gelehrten seien, die in Deutschland lehen, während die ausländischen Gelehrten eine starke Resignation an den Tag gelegt hätten. Es wird in dem Aufsatz ferner daraul hingewiesen, daß viele Intellektuelle, die bisher von jüdi• sehen Dingen abseits standen, jetzt zu jüdischer Wissenschaf! zurückkehren, und daß dies eine Bereicherung bedeuten könne Von der Zusammenfassung der jüdischen Jugend in jüdischen Schulen wird ebenfalls die Förderung des Interesses an jüdi• scher Wissenschaft erwartet. Der Aufsatz analysiert vor allem die Antworten von Prof. Dubnow und Prof. E 1 b o g e n und schließt mit der Ueherzeugung, daß die Hegemonie de! jüdischen Wissenschaft sich auf Palästina verlagere. He• bräisch werde deshalb die Grandlage für jüdisches Studium künftighin bilden; Englisch jedoch würde das Medium für eine weitere Verbreitung der Werke bleiben müssen. Z BRASILIEN ~- HERBERT FRANKENSTEIN Wirtschafte h eralf r Berlin—Sa o Paulo Dozent d. Wirtschnftswissensch. i. Radio Sao Paulo Brasilien-Auswanderungs-Beratung durch Jurist u. Wirt- Schaftswissenschaftler — Uebersiedlung — Vermögenstransfer — Geschäftsgründung — Wirtschaftsberatung — Ständige Korrespondenten und Vertreter in Brasilien BF.RI.IN-CH ARLOTTF.NBURG, Sr h Ir, t c r s t r, Bz 33 Sprechstunde nur nach trief. Voranmeldung / CI Strinpl, 3357 moinde hatte seinen Platz und bekam nun eine numerierte Platzkarte. Die Inhaber der ungeraden Platznummcrn durften nur am Neujahrsfest, die der geraden nur am Versöhnung*• tage beten gehen. Und nur jeder zweite Platz, durfte besetzt ־worden. Um diese Ordnung um jeden Preis durchzuführen, •wurden militärische Wachen vor die Eingänge zu allen Synagogen gestellt und auch drinnen Polizeibeamte postiert. Die Ncujahrsandnelit wurde auf fünf Stunden verkürzt. Nur Wachskerzen mul nicht eben viele wurden geduldet, Oel und Talglieht verboten, weil es die Luft verunreinigte. Und im Namen Rabbi Akiba F.gers wurde jeder Einzelne vorpflichtet, vor der Andacht am Neujahr etwas Warmes zu genießen und beim geringsten Schwnchegefüh! den Gottesdienst zu verlassen und zu Haus zu frühstücken, wenn er die ersten Schofarlöne noch mit angehört hatte. Mit; Rücksicht darauf ordnete der Rabbi eine halbstündige Pause vor dem Mussaf-Gcbet an. Am Ycrsöhmingslag wurden große Kürzungen der Gehetsordnung durchgesetzt, eine cinstündige Pause vormittags, mehr als eine Stunde nachmittags eingelegt. Im Gemeindehaus taten zwei Aerzte abwechselnd Dienst und mußten hei der geringsten Schwäche unbedingt geholt werden. So beugte der Rabbi der Cholera vor. Dennoch gelang es hier und da, auch einen Juden aus Posen auf die ,Seite der Cholera zu buchen. Aber es war doch wie die Beschießung einer Festung, die auf einem Berge liegt und durch allzu hohe Mauern geschützt ist; die steil nach oben geschossenen Kugeln fallen wieder in die Reihen der Schützen zurück. Seihst der König von Preußen, dessen Regierung nicht lange vorher dem Rabbi den Talmud- Unterricht in den Schulen versagt halte, mußte nun zugestehen, daß die Hygiene seiner barbarischsten Talmudjuden in seiner neuesten und unzivilisiertesten Provinz besser als die der anderen Untertanen in den anderen Städten war. So kam es, daß der König Friedrich Wilhelm III. und seine Regierung dem Rabbi besondere Dankschreil>en durch einen besonderen Gesandten überbringen ließen. Der Gesandte kam am Schabbat, und da der Rabbi am Schabbat das Schreiben nicht aufbrechen durfte, so sagte er: Ich kann es uiclit lesen. Da erbrach der Gesandte das Schreiben und las es ihm vor. Und der Rabbi lächelte .... Unwillkürlich, während er diese Worte sagte, lächelte auch der Todesengel, und auch' die Gierubim lächelt«» und die Seraphim lächelten, und das himmlische Gericht selbst schien zu lächeln, bis die göttliche Stimme fragte: Und worüber klagst du, mein Sohn? Da erkannte der Engel des Todes, daß seine Klage sich selbst auch das Urteil gesprochen hatte und daß er sich nur noch zurückziehen konnte. Er beugte sich stumm dem Urteil und ging. Als die Pforte des Himmels sich hinter ihm geschlossen hatte, rief die göttliche Stimme: Erweiset Ehre dem Rabbi Akiba Eger*

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