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Jüdische Rundschau · 1936-05-15 · Heft 39 (15.5.1936) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 39 (15.5.1936)
Date
1936-05-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seife P JÖDlSCHFl RUNDSCHAU Nr. 39, 15 V. 1936 :1'#® Nr. Hebräische Sprach-Literatur 2017 Worte Hebräisch Eüeser Rieger: או״ר מלות היסוד של הלשון העברית השמושית (Der Schal/ ari (iniiidu orten in der hebräischen Umgangsspruche). Verlag des hebräischen Lehrerseminars, Jerusalem 1035. Lin Experiment: Man lege einer Reihe von Personen eine bestimmte An/ah! von Dingwörtern vor und lasse sie diese nach der vermeintlichen Häufigkeit ihres Vorkommens in der Sprache ordnen. Man wird kaum zwei übereinstimmende und viele weit atiseiuamlergehcnde Anoruinmgen finden. \X eiche der vielen Anordnungen kommt der Wirklichkeit am nächsten? Welches ist die ״richtige“ Anordniing? für das begrenzte (iebiet eines Werks der Literatur oder der Sprache eines Schriftstellers läßt sich genau feststellen, welche der henut/ten Wolter am häufigsten, welche am seltensten auftreten. Viel schwieriger erfaßbar und nur näherungsweise lösbar ist das Problem, wenn es an! den ganzen Umtang der täglichen Umgangssprache ausgedehnt wird. Sprachstalistische Untersuchungen bestehen für die \v e s t e 11 r o p ä i s c h e n Sprachen seit längerer Zeit. J. W. Kaedings ״Häufigkeitswörterbuch der deutschen Sprache“ (PDS) verarbeitet z. H. 11 Millionen Wörter (mit Wiederholimgcn). Lin solches Werk ist für den Sprachunterricht, aber auch für Philologen und Psychologen wichtig. Es kann praktischen Zwecken wie der Stenographie, der Einrichtung von Sclireihrnasehinen mul Setzerkasten dienen. Eine sok'ne l!mers11ehung erschien nun für die 11 e h r ä - i s c h e U m g a n g s s p r a c 11 e als erstes (ilied einer vom h e b r a i s c 11 e n I <: h r e r s c •r! 1 11 a r in Je 1־ u s a 1 e m herausgegebenen Seluiilenreihe, die methodische und didaktische!׳ragen des pahotinen-useiien Schulunterrichts behandeln solb Riegers Werl; ist wesentlich durch die Aufgabe bestimmt, für die brienumg der schwierigen Orthographie eine Methode zu tnulnii. \X vil! man, welches die' am häufigsten erscheinenden Wörter -.iml. und lernt vor allem deren Schrcibw eöc, so wir׳,! man einen viel größeren Teil der gesamten Wortmenge richtig schreiben, als wenn man ebensoviel Wörter ohne Rücksicht auf ihre Häufigkeit lernt. Riegcr hat mit über 35 Mitarbeitern ein Material von 200 000 Woltern untersucht, das zu je 1 . aus Kimler-Bricfcn, -Aufsalzen und ־/,eitungeii, aus privaten und Geschäftsbriefen Erwacliscncr uml aus der populären traditionellen Literatur ( I mach, Aggaila, ticbete) stammt. Das Interesse an der Rcchtsehrc.'lnmg bedingte eine starke Berücksichtigung von Briefen; die anderen Gesichtspunkte lind Methoden der Klnssifi/ietnng können liier imherucksichtigt bleiben. (Z. B. warum die Konjugationen eines Verbs getrennt zu zählen sind, warum die unselbständigen Vorsilben nicht mitgczählt werden 11-w.) Unter den 2001)00 Wörtern fanden sich nur rund 6000 verschiedene, eine erstaunlich geringe, wohl stark durch die Auswalilprm/ipien mithestimmte Zahl. Unter diesen 6000 kamen 2017 Wörter zehnmal und öfter vor. Diese 2017 Wörter kamen insgesamt PM) MH) mal vor, bildeten also 95'; Prozent der untersuchten Wortmengc. Die zehn haufigsten Wörter 'machten 12 0«, die 100 häufigsten 41 <’o, die KHK) häufigsten $5 ״׳׳׳ aus. Mit 500 Wörtern kennt nt a n;׳■, des Wortsc 11 a t z e s d e r U tu gangsspräche, mit '2000 sogar Mit weiteren 2000 gcwinnt man aber nur weitere 3 ״״. Diese 2017 Wörter ordnet der Verfasser nach fallender Häufigkeit und gibt bei jedem Wort an, wie oft cs gezählt wurde. (Die vier häufigsten; 2654 ,2706 ,2721 ,5511 על׳ כי׳ לא׳ את mal.) Eine zweite Liste enthalt die Wörter in alphabetischer Reihenfolge. Hinter jedem Wort wird der ״Schwierigkeitsgrad“ und die Schulklasse, in der es geübt wird, angegeben. Das Werk greift eine ganze Reihe noch weiter zu verfolgender intcrev-antcr f ragen an; I. Die A u s w e r t 11 11 g i m U n t e r r i c 111. Die Ergebnisse der Statistik hat k’icgcr seinem Werke הוראת הכתיב zugrunde gelegt.! emer iiat nach ihnen Rieger zusammen mit Mciiachem A r 11 o 11 Rec'litsclireibungshefte für die einzelnen Schulklassen herausgegeben. Dir Ozar miliot hajessod dürfte aber nicht nur für die Rechtschreibung in Erez Israel, sondern viel mehr noch für den Hebräischunterricht in den Galuthländern wichtig sein, insbesondere für die Anlage von Lehrbüchern. Man sehe sich einmal die vorhandenen Lehrbücher auf Grund der Statistik an! 2. Wieweit ist der Wortschatz durch Alter, Geschlecht, Beruf, soziale Stellung ttsw. bestimmt? Rieger zeigt 1. B. an zwei Tabellen, daß 46 der untersuchten Wörter nur der Kinder-, 108 mir der Erwachscnensprache angehören (Taf. 6 f.), und wie verschieden die Häufigkeit vieler Wörter in diesen beiden Sprachformcn ist. Hier liegen noch weitere sprachstatistische Aufgaben. 3. Welche Rückschlüsse lassen sich aus sprachstatistischen Ergebnissen a 11 f V o 1 k s 1 e b e n und Charakter ziehen? Hier wird vorläufig noch vorsichtig vorzugehen sein, denn die Lexika der verschiedenen Sprachen sind methodisch, wie Rieger richtig betont, sehr verschieden angelegt, und ihre Angaben können daher nicht ohne weiteres miteinander verglichen werden. Doch sei hier bemerkt, welche hebräischen Wörter Rieger viel häufiger fand als die entsprechenden fremder Sprachen. Es sind dies unter anderem: שלום׳ חברה׳ חבר׳ פועל׳ עבודה׳ ארץ׳ also Begriffe und Formeln, die im palästinensischen Lehen eine große Rolle spielen. Wenn dagegen zu den häufigsten Wörtern auch שלח׳ כבודו׳ יום מכתב׳ בקש׳ קבל׳ gehören, so hängt dies wohl mit der zu fast zwei Drittel aus Briefen getroffenen Auswahl des Materials zusammen. Wir dürfen also der weiteren wissenschaftlichen und pädagogischen Auswertung von Riegers wichtiger Untersuchung mit Interesse cntgegcnselien. Dr. Gustav Ormann Eine hebräische Fibel Dan und Gad. Hebräische Fibel von Wolf N e i e r. Bilder von Heinz Wallenberg und Paul Hannemann. Verlag Siegfried Scholem, Berlin-Sdtöneberg. 1936. Vor kurzem erschien eine neue hebräische Fibel, ein Buch für die kleinen Anfänger, wie die Lehrer cs sich schon lange gewünscht haben; kindgemäß im Inhalt, klar im Aufbau, schön in Druck und Illustration. Man sieht auf den ersten Blick: hier liegt die Arbeit eines erfahrenen Schulmannes vor, der all die Schwierigkeiten einer hebräischen Fibel für das deutsch-sprechende Kind kennt und sie zu meistern weiß: mit kleinstem Wortschatz arbeiten und doch inhaltlich Ganzes geben und Sprechmöglichkeiten schaffen. Die Sprache des Büchleins ist einfach und leicht, ohne daß diese Vorzüge auf Kosten der sprachlichen Richtigkeit gewonnen werden. Kein Wort tritt als zusammenhanglose Vokabel auf, sondern jedes, von Anfang an, als Teil eines Satzes, eines sprachlich und inhaltlich Ganzen. Ganz allmählieh, unter steter Wiederholung des Bekannten, wird der Wortschatz erweitert. Die reiche Illustration ermöglicht das Verständnis des Neuen ohne Uebersetzung, sie bietet Stoff und Anreiz zu vorbereitenden und erweiternden Sprechübungen. Der Worteinprägung dienen u. a. ein nettes Bilderlotto — die farbigen Deckblättchen mit den Wörtern sind der Fibel lose beigelegt, die Bilder selbst erscheinen im Text ab S. 19 — sowie die Liedchen, die in engster Verbindung mit dem sonstigen Inhalt stehen. (Schade, daß nicht auch die Noten zu ihnen in einem Anhang gegeben sind. Der Verfasser wollte wohl eine Verteuerung des Buches vermeiden und verließ sich auf das Geschick des Lehrers der Kleinen, selbst passende Melodien auszudenkci oder von den Kindern finden zu lassen.) Mit Grammatik ist die Fibel zum Glück nicht belastet; sie wäre im ersten Schuljahr, das ja für die Einführung in Frage kommt, durchaus nicht am Platze, Das Verständnis für wichtigste sprachliche Unterschiede: Einzahl und Mehrzahl, mannliehe und weibliche Form, wird in natürlichster Weise durch den Inhalt der Lesestücke selbst herbeigeführt. Das Verb erscheint in vielerlei Formen, in verschiedenen Personen und Billige Kuren an den heißen, hochrad. Thermen Bad Teplitz - Schönau hei Gicht, Rheuma, Ischias. Auskunft: Städtische oder Clarysche Kurdirektion. Zeiten, ist daher abwechslungsreich im Klangbild und leicht einprägsam. In bezug auf ihren In 11 alt kann man die Fibel als ״heimatkundlich“ bezeichnen. Die Umgebung des Kindes, Haus, Garten und Schule, seine Freuden und Leiden, ver* traute Gestalten aus der biblischen Geschichte, die Feiertage des jüdischen Jahres und Erez Israel bilden den Stoff der Fibel. In ihrer zweiten Hälfte finden sich auch, wieder in inhaltlich engster Verknüpfung mit den Lesestücken, die wichtigsten ßrachoth und einige Gebete. Eine der Fibel beigefügte ״Anleitung‘• zeigt an geschickt gewählten Beispielen, wie der Gebrauch der Fibel und die Vorbereitung ihrer Benutzung gedacht ist. Sie weist auch darauf hin, daß es für den Lehrer notwendig ist, sich lange vor Beginn des hebräischen Leseunterrichts mit ihr zu beschäftigen. Allen, die hebräischen Anfangsunterricht zu geben haben, sei deshalb die baldige Anschaffung der Fibel ״Dan und Gad“ dringend empfohlen. Dem Büchlein ist weiteste Verbreitung zu wünschen. Seine Einführung und sinngemäße Benutzung könnte wesentlich zur Hebung des hebräischen Anfangsunterrichts an den jüdischen Schulen beitragen. S. Sch. Sclbstanzcige אורה ושמחה von Ch. Mnndclbaum und K. Rothschild. Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig. 6. Auflage 1936. Mit der neuen Auflage feiert die Fibel Orali W׳s i m - cliah ihr zehnjähriges Erscheinen. Während dieser zehn Jahre hat sie an ihrem Teil für den Gedanken des hebräischen Sprechens von der ersten Schulstunde an geworben. Die Zeit hat das ihre dazugetan, dem Gedanken zum Sieg zu verhelfen, daß zur jüdischen Bildung die Sprache, die Trägerin der jüdischen Kultur, notwendig hinzugehört. Ein philologischer Lernbetrieb mit Grammatikregeln und Vokabellernen, wie er auf der Mittelstufe notwendig wird, ist auf der Unterstufe unmöglich. Der Sechs- und Siebenjährige hat nicht die Reife, sieli ü her die Sprache zu stellen und sie als Objekt zu betrachten. Die Sprache ist ihm ein subjektiv erfaßtes und unmittelbar gebrauchsfähiges Werkzeug zur Acußcrung seiner Gedanken. So und nicht anders muß ihm auch die hebräische Sprache entgegentreten. Alle Aenderungen und Verbesserungen, die wir auf Grund der Unterrichtserfahrung bei der Neuauflage angebracht haben, sind getragen von dem Bestreben, alle Texte noch enger an das Fibelbild anzuschließen, alles so zu formen, daß es im Sprechen angewandt werden kann, um so die natürlichen Vorbereitungen des l.esens im ungezwungenen Sprechen zu erleichtern. Auch das Ueben und Befestigen des Neuerlernten muß ebenso natürlich und lustbetont sein wie die Ncudurchnahme. Der neuen Auflage sind drei weitere Seiten zu lebendigem, spielendem Ueben hin/iigefiigt worden. Eine Seite ist als Bilderlotto zum Ausschneiden gesondert beigefügt und wird besonders zur stillen Beschäftigung willkommen sein. Zwei der neuen Seiten sind zu einem anregenden Besehäftigungs* spiel ausgestaltet worden. Anscheinend wahllos zusammengestellte Bilder und Wörter enträtseln sich sinnvoll durch ein der Fibel beigegebenes Deckblatt, aus dem sechs Quadrate ausgestanzt sind. Beim Auflegen erscheinen in den ausgcstanzten Quadraten sechs Bilder und Wörter in einem sinnvollen Zusammenhang. Je nachdem man das Deckblatt auflegt, geht das in acht verschiedenen Weisen. Dr. Ch. Mandclbau m N«d1 druck eff ,*f>o Jf As u׳ Surele Hot A S! Zip Zip Sse A Spo Surele Dus K Zip Es von de hat. E wurde ves“ 1er beweise! Delikate Kuggcls zu biete frommer eines de *) Soc Der Widersacher des Todesengels Beridit von den Streitigkeiten um Knbbi Akib« I'.gcr Von LEO HIRSCH ERSTES KAPITEL Der Todesengel trat vor das himmlische Gericht und erklärte, dal) der Unlergaim des Judentums fällig wäre. Wie willst du ihn \olI-Ire, km? fragte die göttliche Stimme. Den Juden im Westen will ich Gift geben, sagte der Todesenge!. (.11) ihnen die Menschenrechte! hat ein Seraph. Die Hoffnung auf die Menschenrechte will ich ihnen gehen, lächelte der Todesengel, dann werden sie ihr Judentum locker lassen und aus den Händen verlieren. So gib wenigstens den Juden im Osten kein Gift! flehte der Scrupli. Ich will ihnen keine Menschenrechte gehen, lächelte der Todesengel, sondern sie mit Wunderrabbis und Aberglauben mästen, bis sie Tu, was deines Amtes ist! unterbrach ihn strenge die göttliihe Stimme, und der Engel des Todes ging, um den Untergang zu voÜMreeken. Als die Pforte des Himmels sieh hinter ihm geschlossen hatte, rief die göttliche Stimme: Wo sind die sechsunddreißig Gerechten? Und sechsunddreißig Cherubim machten sich auf und eilten, je neun, in alle vier Winde, um die scchsunddreißig Gerechten zu suchen, auf denen seit alters her der Bestand der Well ruht. Und sie mußten lange suchen, denn die Gerechten leben seit alters her unerkannt mitten unter den Menschen. Wahrend sie suchten, begann ein seltsames Spiel. Welches ist die Grenze zwischen Ost and West? fragte der Seraph, und der Todesengel antwortete: Die Grenze zwischen Ost und West ist /.wischen Polen und Preußen. Nun ge- »chali das, wovon wir berichten, um die Zeit der ersten Teilung Polens im dritten Drittel lies achtzehnten .Jahrhundert» nach der irdischen Zeitrechnung, und im Westen wurden immer fordernder die Worte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ausgesprochen, im Lande Preußen herrschte der König der Aufklärung, und auch das Judentum klärte sich auf und wollte immer weniger werden; denn der Engel des Todes hatte schon begonnen, den Juden des Westens sein Gift in die Augen zu träufeln. Jetzt legte der Engel seine schwere Hund auf das Land Polen, um soviel davon, wie er nur greifen konnte, abzureißen und an den \\ 'es len unzufügen. Aber der eilen olle Seraph war schneller und zog ihm das östliche Land unter den Fingern weg, so daß nur ein winziger Fetzen in der greifenden Hand blieb. Und dieses kleine Stück Land allein, zwischen Ostpreußen und Brandenbürg, kam also bei der ersten Teilung Polens an Preußen; da gab es nicht eben viele Juden, so daß es ihnen leicht fiel, sich den anderen in Preußen anzugleiehen und sich zuerst nur einen winzigen llaucli von Aufklärung in die Augen träufeln zu lassen. Mittlerweile kehrten die sechsunddreißig Cherubim vor das Angesicht des Unnennbaren zurück. Sie hatten in allen vier Richtungen auf Erden geforscht und gesucht, und sie hatten nur auf fünfunddreißig menschlichen Stirnen das Zeichen der heimlichen Krone leuchten sehen. Der sechsunddreißigste Gerechte war gestorben. Es stand bei Gott, wem er nun das Zeichen der für Menschen unsichtbaren Krone in die Stirn brennen würde. Und in dieser Stunde, da die Cherubim und die Seraphim und die Seelen der berufenen Fünfunddreißig erwartungsvoll auf den Stufen des himmlischen Gerichts verharrten und durch die kaum ein Spültehen geöffnete Pforte der F.ngel des Todes hineinlugte, in dieser Stunde geschah es auf Erden, daß ein junger Mann, den sie Akiba Eger nannten, einem jungen Mädchen, das nicht anders als Glöckchen hieß,unter einem Trauhimmel einen schmalen goldenen Ring Uber den zarten Finger schob. Die Freude und der Stolz der Hochzeiter und der Feiernden war groß und gemütlich laut, es wurde Wein getrunken, ein talmudisches Wörtchen erörtert, der Bräutigam neigte sich vor und berührte die Spitzen ihrer zarten Finger, die maßvolle Heiterkeit •wuchs, und der Gäste waren viele. Und ©s war dort, wo der Trauhimmel keinen Blick mehr nach oben ließ, gerade der llLmmel offen. Darum wußte auch der Engel des Todes, kaum daß er einen Blick durch die nur ein Spältchen geöffnete himmlische Tür getan hatte, sofort Bescheid. Während fünfunddreißig Gerechte im Himmel erscheinen, sagte er sich, feiert dieser junge Mann seine Hochzeit. Und wer ist dieser Bräutigam? Ein Tulmudist von neunzehn Jahren, ein Kind mit einem Greiscnhirn. Und warum verheiratete, verschleppte man dies Kind, das aus Ungarn stammte und dessen Eltern in Ungarn waren, gerade ins Posensche, in diesen Ort L i s s a? Es gibt doch viele Juden in I.issa und gute Juden, und eine solche Zuflucht des guten Judentums ist natürlich in den Grenzen, ist an der Grenze des östlichen Landes, das man mir vor acht Jahren unler den Fingern wegzog! Ich weiß Bescheid, man nehme sich in acht. Als wäre sein Geist in der Ferne gewesen und eben zurückgekehrt, so kehrte der aufmerksame Ausdruck in die Augen des neunzehnjährigen Akiba Eger zurück, da der erste Gast sich verabschiedete. Und ein trauriges, web-!nötiges, ganz unjunges I.Schein legte sich um seine Mundwinkel. Halte er das Selbstgespräch des Todesengels mitangehört? Er wußte ja, wie schwächlich sein Körper w׳ar. Er mußte die Hinfälligkeit seines jungen Leibes durch die Stärke und Bedeutsamkeit seines Willens ausgleichen. Er mußte an Gott, nicht an den Tod glauben, dachte er und verneigte sich mit tiefer Ehrerbietung auch, vor den Abschiednehmenden, die jünger waren als er. Und eine ruhige Zeit begann. Soll das Mäuslein einmal springen, wie wenn es frei wäre, sagte der Todesengel in seiner ewigen List. Aber das Mäuslcin sprang nicht. Der junge Akiba Eger gab sich in keine Gefahr und Versuchung. Sein Schwiegervater wußte sein Vermögen zu keinem bcsserer. Zwecke erworben, als um es der Lehre dienstbar zti machen, und so diente der junge Ehemann der Lehre. In dem Haus, das freundlich zwischen Park und Gärten lug, unterrichtete, lernte Akiba Eger mit den Talmudlreflissenen vom Moigen bis zum Abend, von Gebet zu Gebet, von Jahr zu Jahr. Es war eine Talmudnkndemic, die er sieh aufbaute, ohne Aussicht auf Geld oder Geltung, eine Jesehiwa, nicht die einzige der Stadt, die viertausend Juden und manchen berühmteren Forscher darunter hatte. Rabbi Akiba Egers Art zu lernen und zu Uhren stach aber von allen anderen durch ihre gesammelte Nüchternheit ab. Er lernte ohne Seitenblick auf andere. Er setzte nicht Gegensatz zu Gegensalz, behauptete nie dieses, weil jener jenes behauptet hafte. Er legte cs nicht auf blitzende und blinzelnde Einfälle an. Er suchte nie, ungemeine Gedanken zu verbinden. Er verzichtele auf Ucberraschungen. Er wollte nicht Eindruck machen. Er lernte geradeaus, bedachtsam, voller Bedacht. Er suchte zu wissen, zu erfahren, zu verstehen. Er suchte die Wahrheit, indem er Stein auf Stein baute. Er lernte um der lehre, um Gottes willen. Er hatte Ehrfurcht. Um niemand herabzuwürdigen, duzte er niemand und nannte niemand seinen Schüler. Doch sorgte er sich um jeden, der mit ihm lernte, und half den Bedürftigon auch noch zu Nahrung und Kleidung. Es gab keinen Kranken, den er nicht besuchte. Es gab nur einen Mensehen, dem er heftig begegnete, das war ein Schüler, dem er wegen vieler Liederlichkeiten die Tür wies; doch obschon er im Recht war, bedrückte ihn seine Handlung so lange, bis er, nach fünfzehn Jahren, dem Schüler einen Brief schrieb mit der Bitte, ihm zu verzeihen. Der junge Rabbi litt von Jugend auf an der Schwäche seines Körpers. Schwermut erfüllte ihn ganz. Und doch ließ er sich auch von seiner Traurigkeit nie versuchen. Ehe es tagte, ging er ins Tauchbad, Morgen um Morgen, Sommer und Winter. Er aß wenig, selten Geflügel, nie anderes Fleisch, kaum Brot. Er schlief selten mehr ais fünf Stunden. Schon in diesen jungen Jahren schien er mehr des Todes als des Lebens zu sein. Aber ihn scherte das wenig. Man hörte ihn nie laut lachen, man sah ihn nie verzweifeln. Man hörte ihn immer lernen, den ewigen Singsang, die unendliche jüdische Melodie des Suchcns und Eindens, des Denkens und Begreifens. Und das leise Schluchzen des Glücks und das leise Jauchzen der Gewißheit durchtöntc das unaufhörliche Summen und Sinnen nur, wenn die Frau des jungen Rabbi, die Glöckchen hieß, in der anderen Stube mitsumn heimlich die sie Nad das Mä Zuschlag Freude Wenn West Judcntui Wenn Traum worden bim? spiegelte war de gestorbe ton sich darin, eines Nr Es roch brannte darauf Die Jes Eger w waren war verl Geltung sagte di und der Will und lind Als die aus der Plötzlich sind, far sich du Eger bi Blöde e Not hin« tngel. Akil ihn in e Aufklärti dieses a in eine Fried einfältig varen. Taler in «onnto -r tloinü

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