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Jüdische Rundschau · 1935-09-27 · Heft 78 (27.9.1935) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 78 (27.9.1935)
Date
1935-09-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Literatur - Blatt NR. 78, 27. SEPTEMBER 1935 Ein Begleiter durch das Jahr Almanadi des Schocken Verlages ״. . . Die Mauer steht ohne unser Zutun. Ob wir in der Mauer unbebautes verkommendes Erdreich bewohnen wollen oder einen schönen (!arten, das steht bis zu einem gewissen Grade bei uns.“ Franz Rosen zweig schrieb diese Worte vor 14 Jahren einem Freunde, der ihm vorwarf, daft er zu genau wüßte, eiaß ein einziger Himmel sich über allen irdischen Mauern weg,,wölbt“. Jetzt stehen sic aut der ersten Seite des Schocken-AIinanachs für das Jahr 5t)06 — dies ist der Text, und das ganze reiche Biidilein bildet den Kommentar zu diesem Texte. Der überraschend schöne, vielen von uns bislang verschlossene Garten unserer jüdischen (ieisteswelt tut sich vor uns auf — hier duftet eine Blume, dort lockt eine Frucht . . . überall da, wo wir bis jetzt ״unbebautes Erdreich“ zu schauen fürchteten. Jüdischc Oek'hrtenköpfe des 19. Jahrhunderts sprechen zu uns: Leopold Zutiz, der Begründer der ״Wissenschaft des Judentums“, erzählt vom Lehen der deutschen Juden im Mittelalter; 1 lerniann Cohen, «Ier Philosoph der ״Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums“, legt in einem seiner bezeichnendsten kurzen Aufsätze das Wesen des ״Grundlosen Hasses“ dar, jener eigentlichen Todsünde, wegen der nach de nt Ansprüche des Talmud der zweite Tempel zerstört worden war, ״Der Haß ist grundlos. Das ist aas tiefste Wort, das über diese Verirrung des Gemütes gesprechen werden kann . , , Der Mensch ist zum Lieben da. t'nd wenn er haßt, so wird sein Dasein vergeblich . . — 7u diesen großen Lehrern des Judentums tritt ein Dritter, allzu früh Vergessener: Jakob Bemavs, der ja nicht nur Wilamow itz, sondern auch Männer wie Jakob Guttmann und Hermann Gölten zu Schülern hatte. Mur einige wenige — vielleicht all/11 wenige — ״Beobachtungen und Einfälle“ aus dem noch niemals ausgewerteten handschriftlichen Nachlab in der Bonner l'niversitatsbibliothek teilt H. Bajhuns noch mit; sic reichen kaum aus, um ein Bild dieses merkwürdigen und immer noch rätselhaften, genialen Mannes zu gehen, der in einem pessimistischen Brief im Jahre 1849, als alle Hoffnungen dis Sturmjahres zerstoben schienen, schlicht von sieh sagen konnte: ״Wenn ich kein Jude wäre, so würde teil traurig sein!“ Neben den Forschern unserer Vergangenheit aber tritt unsere nationale Dichtung auf den Plan — nationale Dichtung, die bei uns auch, fast immer religiöse IAchtung bedeutet. Line Scliclta des Hai (iaon erscheint im Urtext und in der erschütternden Nachdichtung vor! Karl Wolfskchl — das tausendjährige Gedicht erwacht zu neuem Lehen im Munde des Mannes, der in seinen Gedichten seihst den Rur der ״Stimme“ vernahm. Nach dein Lande Israel führen uns zwei ernst-heitere Berichte: Mosche Präger der Schreiber (Mosche Porges aus Prag) erzählt um 4950 höchst ergötzlieh von seiner Fahrt nach Jerusalem, wohin er ״viel Sach hat mitgenommen, / was dort wohl auch ist zit bekotnmen / Und was er in Prag hat verkauft, / das hätte er dort noch gut gebraucht . . .“ K. Wilhelm hat uns diesen höchst zeitgemäßen Reisebericht in jüdisch-deutschen Reimen zugänglich gemacht (ein Vorabdruck erschien in der ״Jod. Rundschau“). — Der andere Reiscbericlit ist ein Kunstwerk an sich: S. J. Agnon erzählt in der von M. Spitzer übertragenen Novelle ״Lines Menschen Herz" die wahrhaft erbauliche Geschichte von Simcha B.iruch. der nach dem Tode seines Lehrers, Rabbi Hirsch, des ״Dieners“, nach dem heiligen Lande zog und dort in der heiligem Gemeinde von Satea den Chassidim Wein ausschenkte, ״den ungarischen Wein, der seine Trinker hungrig macht und den man an den Winterschabbateii nach dem Tagesmahl trinkt ,um die Mizwall des dritten Schabbatmahls erfüllen zu können; und auch den Mcsumman-Wein, den man nur zu dritt trinken kann (genannt ist er nach dem zu dreien gesprochenen Tisch-Segen) — denn wer davon einen Becher getrunken hat, der braucht zwei Männer, die ihn heiinführen . . .“ Die Geschichte von der Lichtfeier zu Ehren des toten Rabbi duftet ״wie der Duft von allerlei Arten köstlicher Hölzer nach dem Regen“. Aber dieser Almanach wandert mit uns nicht nur durch den Garten der jüdischen Vergangenheit; auch auf dem steinigen Boden der jüdischen Gegenwart — aber wann war unser Boden anders als steinig? — weiß er Früchte zu ernten. Zu diesen rechne ich vor allem den sehr klaren kalendarischen Aufsatz von Fritz Toby ״lieber den jüdisehen Kalender“ und die Kalendarischen Umrechnungstabeilen 1850—2000, die uns ermöglichen, noch für Kincier und Enkel die Barmizwoth auszurechnen und manche oft gestellte Frage zu beantworten. — Ferner die Statistischen Tabellen über die Juden in Deutschland, die uns nicht nur über das Wachsen der sieben größten Gemeinden, sondern auch über die Anzahl der Erwerbstätigen, über das jüdische Schul werk usw. unterrichten. Und endlich die Statistik über die Einwanderung nach Palästina, die Berufsschichtung, die Siedlungen, die Bodenschätze des Landes; hier wird dieses reiche Buch zum unentbehrlichen Nachschlagelnichlcin für jedes jüdische Haus, wo alle diese Fragen heute täglich erörtert werden. Blüte tmd Frucht zugleich aber sind die schlichten, stolzen Worte, die Martin Buber für unser alle! Not und Bedrängnis fand ״Erkenntnis tut not“: ״In einer Zeit der äußersten Dürre stellt der Bauer die Aussaat nicht ein. Freilich crschcints ihm, als werde sein Acker ihm nichts tragen, wenn nicht ein Regen das Erdreich lockert. Aber er tut das Seine, schwer besorgt, doch unverzweifelt. Ohne daß er das Seine tut, wirds keinesfalls geraten. Darum wirft er das Korn aus, als hinge alles nur davon und nicht vom Wetter ab. Wird cs regnen, so hat er recht getan, und wird cs nicht regnen, — so hat er recht getan, Die rechte Handlung fruchtet, auf gewohnte oder ungewohnte Weise .. m Auch diese Zeilen können nur ״Bemerkungen zu einigen Beiträgen des Almanachs“ sein, wie das Schlußwort in eben diesem Almanadi genannt wird. Denn der Raum reicht nicht aus, um auf die Fülle der in diesen wenigen Seiten gebotenen Gaben hinzuweisen: etwa auf die neuartig schönen, aus dem alten Väterboden neue Kraft saugenden palästi-!musischen Gedichte von Ludwig Strauß oder die Wiedergaben eines kraftvollen Aufsatzes von CI1. N. Bialik über die Erneuerung der hebräischen Sprache und eines höchst gegenwartsnahen Briefes des ״Alten“ A. D. Gordon an die Schülerinnen der jüdischen Mädchenschule in Berlin. — Und aus dem kleineren, aber wolilgehecteu Garten dieses Büchleins heraus öffnet sich der Bück auf einen viel größeren, ebenso wohl gehegten Garten jüdischen Schriftrums in Vergangenheit und Gegenwart: ein Verzeichnis der Bücher des Scliocken-Verlages beschließt den Almanadi. Bertha Badt-Strauß Rilkes letzte Briefe Der Insel-Verlag hat Rainer Maria Rilkes Briefe am den letzten Jahren herausgegebeii (Rainer Maria Rilke, Briefe aus Muzot, 1921—1926). In der ״Jüdischen Rundschau“ sind bereits zwei Briefe, die in diesem Band Aufnähme gefunden haben, zum Abdruck gelangt (״J. R.“ Nr. 36 vom 3. Mai 1935), die wesentliche Erkenntnisse zur Judenfrage zum Inhalt haben. Es ist hier nicht der Ort, auf die Weit einzugehen, die sieh in den Briefen Rilkes, von denen eine f* Kreisen kam, ist 'es ein tiefes Erlebnis, in diese Welt der Menschlichkeit und der reinen Idee hineiiizutauchen, die in Rilkes Briefen offenbar wird und die doch so eng mit dem täglichen Lehen und den großen Bewegungen der Zeit verbunden bleibt. Gerade heute, wo die Unrast des Lebens den Einzelnen gefangen zu nehmen droht und er sich nur allzu leicht mit vereinfachenden Formeln begnügt, die die Dinge der Welt nur höchst unvollkommen ’einfangen, ist es gut, einmal in eine ruhigere Atmosphäre hinüberzusclirciten und zu sehen, wie ein Mann vom Range und von der Eigenart Rilkes sich mit dem Leben, das er von seinem stillen Turm in Muzot aus enati beobachtete, über das er mit seinen Freunden und reundinnen und mit vielen, die sich an ihn wandten, in einer kristallklaren Sprache redete, abfand und wie er zu den Grundfragen des Daseins, die auch unsere Fragen sind, Stellung nahm. Wenn wir daran gehen, unsern eigenen Ort in der ״Welt zu fixieren und gerade, wenn wir uns bemühen, ihn entscheidend in unserem eigenen jüdischen Out verwurzelt zu betrachten, so können wir dies nur, wenn wir uns zugleich mit den Geistern der Wett um uns konfrontieren. Hierzu wird auch für die junge Generation unserer Tage einer der wes entiichsten aus dem Bezirk der deutschen Kultur Rilke sein und bleiben, dessen Briefe aus seinen letzten Jahren auch als absolutes Kunstwerk und Sprachschöpfting an höchsten MaB* Stäben gemessen werden dürfen. oe. Loyola und die Juden Schon immer hat es jüdische Autoren von geistigem Format gelockt, sich mit den bedeutenden Gestalten der katholischen Geschichte auseinanderzusetzen. An eine der interessantesten Epochen erinnert das neue Werk des Schriftsteliers Ludwig Marcuse. Marcusc hat jetzt eine Biographie über ״Ignatius von Loyola“, den genialen Asketen Uno christlichen Revolutionär (der irdisch zielbewußte Christ steht ihm über dem Erlösung hoffenden Christ) und Gründer der Societas Jesu geschrieben. Unter den zahlreichen Biographen, die Marcuse vorangingen, interessiert uns einer besonders, nämlich J. A. de Polanco, dessen ״Vita Ignatii et rerurn Societatis Jesu historia“ mit das wichtigste Quellenwerk zum Leben des heiligen Ignatrus ist. Dieser Polanco war nämlich Jude. Er ist obendrein der Adjutant des großen Jesuiten gewesen. Von seinem großen Prüfungstag an, da er die Frage des Ordensgenerals: ״Worin besteht die Haupttilgend eines Sekretärs?“ mit der Antwort: ״Darin, daß er Geheimnisse unverbrüchlich bewahrt!“ beantwortete, bis zum Tode seines Vorgesetzte*, ist er der willenlose und doch aktive erste Jünger des Meisters gewesen. In einer Zeit, in der z. B. das Bologneser Ghetto wegen der dort herrschenden furchtbaren Zustände den Namen Inferno erhielt, war der Vertrauensmann des mächtigsten katholischen Mönchs ein Jude. Die Judenfrage der damaligen Zeit war freilich wes entlieh eine Frage ihrer Taufe. Loyola speziell hatte besondere Werbemittel erfunden. Ein ״Asyl für getaufte Juden“ war überhaupt der erste Akt des Societas Jesu. Wer sich taufen ließ, durfte das Geld, das er erworben hatte, behalten. Arme Ncuchristen, die nichts mehr nach der Taufe von den trüberen reichen Stammesgenossen erhielten, mußten von ihnen nunmehr durch ״Stiftungen“ entschädigt werden. Die Judentaufe selbst wurde zu einem Schauakt von größter Feierlichkeit, zu einer Volksvorstellung. Marcuse zeigt, ohne daß er es in dieser Richtung betont, deutlich auf, wieso ein Johann de Polanco der intimste Apostel lind Mitarbeiter des heiligen Lovala werden konnte. Denn es kann kein Zweifel sein, daß den Judenstämmling Polanco vor allem auch jene aktive Humanitas reizte, die Loyola iin Gegensatz zum reinen Erlösungsgedanken beherrschte. M. G. Glaube und Volkstum Prof. D. H. W. Hertz borg stellt iti seiner neues Schrift ״Der Deutsche und das Alte Testament“ (Verlag Alfred Töpelmami, Gießen) die Beziehungen ins Licht, die zwischen Glauben und Volkstum in der Bibel sichtbar werden. Prof. Hertzberg hebt hervor, daß für die Verbindung von Volk und Gott das Neue Testament so gut wie gar nichts bieten würde, was in der.gc- Schichthöhen Lage jener Zeit begründet wäre. ״Das römische Weltreich und die griechische Weltsprache waren völkischen Aiiliegen nicht günstig. Uni so mehr fallen die alttestamentliehen Aussagen ins Cie wicht. Das Alte Testament erwächst geradezu aut dem Boden eines durch Glauben geeinten Volkstums. Für die Gesamtbibel füllt es daher die Lücke aus, die das Neue Testament seiner Zeit und Art gemäß offen gelassen hat; und das Neue Testament konnte die Lücke offenlasscn, weil das Alte sie bereits ausgefüllt hatte, und die Verankerung des Menschen in seinem Volk als etwas Selbstverständliches übernehmen. Das Alte Testament will in seinem Gesamtverlauf zeigen, wieso und wie ein Volk unter Gott stehen muß, und seine Propheten haben bei den Widerspenstigkeiten ihrer Nation immer wieder der. Auftrag, sic zu Gptt zurückzurufen, damit das Volk statt des Namens der Untreue ,lo ami‘ (Nicht-mein-Volk) den Namen der Treue ,ami‘ (mein Volk) erhalten könne (Hosea 1, 9; 2, 3, 25).“ (Seite 24.) Rabb. Dr. Ernst Steckelmacher, Ludwigshafena.Rh. Die Weise der Quäker. Von A. Ruth F r y, Quäker-Verlag. Bad Pyrmont, 1935. Dieses Buch einer in England sehr bekannten Quäkern! das jetzt in deutscher Uebersefzung vorliegt, gibt einen vortrefflichen Einblick in die Gedankenwelt, die Geschichte und das Leben der Quäker, dieser von England ausgehenden religiösen Bewegung, die in der Mystik fußend die Religion der tätigen Menschenliebe zu ihrem Inhalt gemacht hat und über Völker und Grenzen hinaus ein reiches Feld der Liebestätigkeit bestellt. -n• Kinderbibel Die Geschichten der Bibel II. Die Reiche Israel und Juda der jü-di-chfii Jugend neu erzählt von Joachim Prinz. Mit 6 'Tafeln und vielen Bildern von Heinz Wallenberg, Erich Reiß Verlag, Berlin. In diesen Tagen der Sündenbekenntnisse müssen auch diese Zeilen durch ein Bekenntnis he gönnt 11 werden. Lin tief eingewurzeltes Mißtrauen!;egen jede moderne Bibel-Paraphrase erfüllte mich seit Jahren 11ml wurde auch durch die erster! Bibel-Bücher von Joachim Prinz nicht aus dem Leide geschlagen. Im (ieeenteil: ich war geneigt, jenem kleinen Jungen recht zu geben, der den Wortlaut der biblischen Geschichte aus der Schulstunde noch frisch im Gedächtnis bewahrte t irtri I) ei ji ■Her Aliwei rhiing des! *rin/sc heu Buches das strengt* Urte! i f.! Ute: ,,Ganz hübsch — aber alles stimmt da n i ch't Seit dein aber habe ich mich überzeugt, daß diese Bi;eher i in 1 ei 11 de־!(■! r heutigen Kinde 1• eine wichtige Aufgabe erfu' ilvlt ki.n neu. E s scheint nt ir, als ob auch P n 11/ selbst in d er Belt andl!mg dt •s biblischen Stoff es seit dem Erscheinen des v r> teil Veralte lies ,,Heide! 1 und Abenteuer der Bibel•־ \ je! .-i eh ui 1׳ r 1 ,int! zu 1 nckhall ende r gexx ordeu sei. : Und als ich vor kurzer Zeit ein paar Kinder, die ja das eigentliche Publikum und auch die eigentlich berufenen Richter für diese Bücher sind, wieder einmal fragte, da erhielt ich andern Bescheid: sie könnten es kaum erwarten, bis sie aus der Schule nach Hause kamen und alles, was sie in der Stunde gehört hätten, noch einmal im ״Prinz“ liachlesen könnten. Da wäre alles so spannend erzählt, daß man es nie mehr vergessen könnte. Und erst die Bilder und Karten! Wie der einzige Bar Kociiba, ein einsamer Mann mit Schwert und Schild, sich gegen die unzähligen römischen Soldaten stemmt, die mit Kriegswagen und Geschütz heranziehen; oder wie Mardchai zwischen den beiden Riesen-EIef,inten am Königstor ״stumm wie eine von den vielen Figuren, die dort aus dem Marmor gehauen waren“ die bösen Kämmerer belauscht; und viele andere mehr. Alle diese Bildet, die meist sehr glücklich Scliriftzcichen und Bild verbinden, finden sich in dem neuen Bande der ״Geschichten der Bibel“, der die schreckensvollen Geschicke der Reiche Israel und Juda schildert. In richtiger Erkenntnis sind diesen düsteren Bildern aus der Volksgeschichte, in denen Blut und Verrat zum endlichen Untergang f!ihren, ein paar der erzählenden Bücher der Bibel hinzugefügt; so kommt neben Krieg und Brand auch die liebliche Gestalt der Aehrenieserin Ruth, die schöne Königin Esther und die heldische Erscheinung der Judith zu ihrem Recht. ״Die Kinder, sie lesen es gerne!“ — das wird man bestimmt auch von diesem Bande der Geschichten der Bibel sagen können. Und damit ist der Zweck des lebendigen Buches erfüllt. B. B. St. Von jüdischer Kunst Prot. Franz Landsberger. Einführung in die jüdische Kirnst. Philo-Verlag Berlin. Ein sehr anschaulicher und handlicher Führer durch all die Schwierigkeiten, die hei Betrachten jüdischer Kunstwerke entstehen, ist das Buch ״Einführung in die jüdi sc he Kunst“ von Prof. Franz Landsberger, dem Leiter des Jüdischen Museums in Berlin. Der Verfasser gebt von einer Betrachtung der sakralen jüdischen Kunst aus, wobei neben dem Schmuck der Synagoge durch Baukunst und Kimsthandwerk, bei dem engen Vervvachsensein des jüdischen Menschen mit seiner Religion, auch all die Gerätschäften des häuslichen Lebens und der häuslichen Feiern mitbesprochen werden. Sehr zu begrüßen ist es, daß auch die jeweilige Verwendung des Kultgerätcs angegeben wird, wobei die Aufmerksamkeit außer auf das Gegenständliche besonders auf die formale Schönheit gelenkt wird. Die Gualität der sorgfältig ausgcwähltcn Abbildungen, die die Hauptwerke jüdischer Kunst umfassen, erleichtern wesentiic.. das Verständnis. Ein eigener Abschnitt beschäftigt sich mit dem jüdischen Künstler. Mit liebevoller Sorgfalt ist hier zusammengestellt, was man an künstlerisch schaffenden jüdischen Persönlichkeiten aus allen Jahrhunderten greifbar machen kann. Man erführt von Juden, die Synagogen erbaut, Synagogen ausgemalt haben, von jüdischen BuchkünsJlern des Mittelalters und der Neuzeit, von jüdischen Silberschmieden, üelbgicßcrn, Medailleuren, Waffenschmieden, Porträtisten. Einige bis jetzt noch weniger bekannte künstlerische Erscheimmgen, wie der Waffenschmied der italienischen Renaissance, Ercole Fi-dcli, der bedeutende Porträtminiaturist Samuel Cooper, ״der englische Van Dyck“, oder der schwedischc Maler Ernst Jcscphson erhalten eine ihrem Schaffen gebührende Würdigung. Nach der Ausbreitung des Materials wird in dem letzten Kapitel, ״Jüdischer Stil", eine tiefergehende Frage erörtert. Abgesehen davon, daß die jüdische Kunst, wie die Kunst eines jeden Volkes von der Zeit und der Umwelt beeinflußt ist, ersteht hier die Frage nach einem jüdischen Stil im tieferen Sinne, d. 11. als Ausdruck des Erlebens, Empfindens, der seelischen Haltung der jüdischen Gemeinschaft. Nach vielen feinsinnigen und treffenden Hinweisen besonders auf die jüdische Kunst, mit den Reizen und Mängeln einer Volkskunst, und auf die Neigung zu graphischen Dar- Stellungen und der starken Begabung jüdischer Künstler für das Porträt, wird zum Abschluß des Buches festgestellt, daß eine Entfaltung jüdischer Kunst und ihrer Eigenart nur ״durch eine tiefere Versenkung in jüdisches Wesen geschehen“ kann, ״also durch Faktoren, die den ganzen Mensehen ergreifen und von hier aus in das Schaffen des Künstlers einströmen“, Dr. Irmgard Schüler ALMANACH DES SCHOCKEN VERLAGS AUF DAS JAHR 5696 / 19 2 SEITEN / 60 PFG. .■ ■ ■■ - - .- - — - .....——

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