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Jüdische Rundschau · 1935-09-27 · Heft 78 (27.9.1935) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 78 (27.9.1935)
Date
1935-09-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 78 27. IX. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Menadiems Hochzeit Erzählung von Yehuda Yaari Aus dem Hebräischen übersetzt von Escha Scholem, Jerusalem . Staube, wenn mich einmal meine Kinder oder KindeskiiKler bitten werden, ihnen etwas von jenen Tagen, den ersten Tagen der Besiedlung des Emek /״ erzählen, dann werde ich ihnen unter vielem anderen die Geschichte von M cn achc m s 11 n d L i s a s II o c 11 z c i t erzählen. Dies Ereignis hat bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen, ohne daß ich wüßte, warum es stärker auf mich wirkte als andere wichtigere Erlebnisse. Ich entsinne mich, wie wir in jener Nacht, nach der ״Hochzeit“, vom Felde heinikehrten, und Elieser, der an meiner Seite ritt, mir ganz, leise zuflüsterte: ״Weißt du.■‘ Ich habe das Gefühl, als ob wir heute den Beginn einer neuen Kultur gesehen hatten.“ Vielleicht haben diese Worte Elicsers und seine Stimme, als er sie sagic, die Geschichte so tief in mein Gedächtnis eitigegrabcn; ja, vielleicht ist dies der Grund. Aber wozu die lange Einleitung? Besser, ich erzähle die ganze Geschichte, wie sie sich zugetragen hat, Mc nach em — ich weiß nicht, was dieser Name heute im Emek bedeutet. Seit langen! habe ich es verlassen und komme nur noch selten zu wenigen Ferientagen dorthin. Uno wenn ich hinkomme, hüte ich mich mit Bedacht, viel nacli Menschen zu fragen u!1d 711 forschen, die zur Zeit meines Besuches nicht da sind- Ich fürchte, viel zu fragen. Viele Veränderungen haben im Verlaufe der Jahre die Kibbuzim des Emek betroffen; viele ihrer Menschen haben sich völlig gewandelt und sind ganz verschieden von dem Bilde deiner Erinnerung (diese Veränderungen, so natürlich und notwendig sie in der Entwicklung ries Menschen sind, schmerzen und enttäuschen dich, wie die Begegnung mit einem Erwachsenen, <len du als Kind geliebt hast.) Andere erlagen der Versuchung, verließen den Kibbuz, und begannen in •den Städten des Landes und sogar im Auslände ein Leben des Umhergetriebenseins. Andere wurden durch eine Krankheit oder durch einen Unfall vorzeitig dahingcrafft, und ihre Gebeine ruhen heute schon zu Füßen des Gilboa. Ja, ich fürchte mich, nach einem Gefährten zu fragen und zu forsehen, wenn ich ihn bei einem Besuch nicht sehe. Ich fürchte, inan könnte mir Dinge erzählen, deneu ich nicht gewachsen wäre. Ich weiß, das ist eine Schwäche; aber was kann ich tun, diese Schwäche ist tief in mein Herz, gesenkt. Als ich das letztem,11 im Emek war, fand ich Mcnachcm nicht dort; ihn und seine Lisa nicht. Aus schwächlicher Furcht fragte ich nicht nach ihm, und ich hörte nichts über ihn; nicht einmal seinen Namen erwähnte man. Ist das ein Zeichen, daß etwas mit ihm nicht in Ordnung ist? Vielleicht! Denn in vergangenen Zeiten wäre so etwas unvorstellbar gewesen. Im Emek zu sein, ohne daß man etwas über Menachem hörte! Damals war er der berühmteste ,Mann dort. Man brauchte nur den Namen ״Mcnachcm“ zu erwähnen, und schon wußte jeder, von wetri man sprach. Nicht mir im Emek, bis zu den Kwuzoth des Jordantale:», bis zu den Kolonien im unteren Galiläa reichte sein Ruhm. Er ist doch der blonde Mcnachcm, der ״Fellaeh“, eien die Spottvagei des Kibbuz die ״Seele der Feste“ nannten, denn es gibt kein Fest und keine Feier im Kibbuz, ohne daß Mcnachcm Festordner ist, und cs gibt keinen Feiertag und kein Ereignis, ohne daß er deshalb ein Fest veranstaltete. Ob das Ereignis nun gut oder — Gott behüte —- böse war, Mcnachcm machte sein Fest daraus. Er machte da keinen Unterschied. Ein Mädchen verheiratet sieh, — Mcnachcm gibt ein Fest. Ein Kind wird im Kibbuz geboren — Mcnachcm!nacht eine Feier, eine Baracke wird im Lager errichtet — Menachem veranstaltet die ״Hausoinweihuiig“, der Erntebegimi — ein Fest, der Schluß der Ernte — eine Feier, der Anbruch der Wurfzeit — ein Fest, die Schafschur — eine Feier, und so zu jeder Gelegenheit. Unnötig zu erwähnen, daß kein Feiertag oder Halbfeiertag ohne Fest und Freude voriibergintg: Peßach, Schcwuoth, Sukkoth, Chanukkah, Purim, aber auch der Gründlingstag des Kibbuz, der Tag der ״Landnahme", diese alle und noch andere Tage waren Fest- und Freudentage für Menachem, als ob sie zu keinem anderen Zweck geschaffen worden wären, als damit sich Mcnachcm freuen und andere erfreuen könne. Natürlich glückte nicht jedes von Mcnachems Festen. Zuweilen kündigte Menachem ein Fest an, und nicht eine lebende Seele erschien im Eli/immer. Das war nicht zu verwundern. Es gab so viele Feiern und Feste, daß die Leute ihrer überdrüssig wurden. Menachem aber berührte das ganz una gar nicht. ״Sie wollen nicht kommen, das tut nichts! Denn nicht! Wenn sie lieber schlafen als sich freuen, schön, sollen sie schlafen!“ Er selbst leierte, er selbst freute sich. Er nahm die Flaschen Wein (es gelang ihm jedesmal, sie aus dem Vorratsraumc zu nehmen -- mit oder ohne Erlaubnis), brachte sie in den Pfcrdestall und veranstaltete dort seine Feier, bei der sich nur noch die Wächter beteiligten. ״Das tut nichts.“ Die Wächter nahmen ihn stets gern auf. Sie freuten sich über das Glas Wein, das sie in der Nachtkälte wärmte, und über das bißchen Abwechselung, das die Langeweile vertrieb. So verbrachte Menachem mit ihnen froh die Zeit, bis die Flaschen leer waren, und wenn sie ihn verlassen hatten und zu ihrem Nachtdienst zurückgekehrt waren, dann blich er allein im Stall, saß da und sang in die dunkle Leere, die vom Schnauben der Pferde und dem Geräusch des Widcrkauens erfüllt war, Lied auf Lied, mit schwerer grober Stimme, mit der Stimme alter Bauern. Bis der Vorhang eines der nahen Zelte hochgehobcri wurde (damals stanaen die Wohnzelte noch in der Nähe des Pferdestalics) und ein aus dem Schlaf Gestörter ihm aus der finsteren Leere einen Fluch an den Kopf warf: ״Zum Teufel, Menach ein! Vielleicht gehst du schon schlafen? Man muß schon bald wieder zur Arbeit aufstehen!“ Kurz, Menachem sorgte für die Freude im Kibbuz. Wenn zehn Maß Freude dem Kibbuz zufielen, kamen nenn davon aut Menachem. Er verstand cs zu jeder Zeit, sich zu treuen und die anderen zu erfreuen. An Feiertagen und Wochentagen, in Zeilen der Sorglosigkeit wie in Stunden der Sorge und Gefahr. Er zwang die Freude geradezu den Mensehen auf. Niemals werde ich vergessen, wie er sich damals in jener Nacht, als wir einen Ucbcrfall befürchteten, auf den Boden setzte und uns ein Lied lehrte, das ihm in dieser Stunde einfiel. Aber nicht immer ruhte der Geist der Freude auf Menachem. Es kam vor, daß er in eine furchtbare Traurigkeit wie in eine Wolke gehüllt war. Er stand und freute sich, er saß und sang, und plötzlich, niemand wußte weshalb und warum, fiel auf ihn eine dumpfe Schwermut, die sein ganzes Wesen im Augen blick verwandelte, als ob er in eine Pechgrübe gefallen wäre und ganz schwarz aus ihr herausstiege. In solchen Stunden war cs unmöglich, zu ihm zu sprechen. Sprach man zu ihm, so war es, als ob man zu einem Ahwesenden spräche. Er war da, aber sein Geist schien in weiten Fernen heriinwsischweifen. ln solchen Stunden verkroch sich Menachem in sein Zelt, saß da und schrieb die ganze Zeit. In diesem Zustand der Traurigkeit und Schwermut verharrte er einen 'Lag oder zwei Tage, bisweilen auch eine ganze Woche, bis er von seihst daraus erwachte. Dann brachte er dem Kassenvcrralter, der die Post unter sich hat, einen dicken, schwarzen Brief, der doppelt und bisweilen sogar mehrfach frankiert werden mußte. Und dann war er wieder wie vorher, froh und Freude um sich verbreitend, Menachem, die Seele der Feste. Und im Kibbuz wußte man — nein, man wußte nicht —, man vermutete: Menachem hat ein Mädchen, das er im Auslande ziiriickgelasseii hat, nach ihr sehnt er sich, ihretwegen versinkt er in Traurigkeit, an sie schreibt er die dicken Briefe. Seine Zeitgenossen wußten ein wenig Bescheid über dieses Mädchen. Sie wußten, daß sie Lisa Rosenkranz hieß und in Wien lebt. Sie wußten, daß sie später nach Palästina kommen und sich dem Kibbuz anschließen wollte, aber daß sie beschlossen hatte, vorher ihre Universitätsstudien zu beenden. Sie will Aerztin im Kibbuz sein, nur Aer/tin! Sie will die Genossen, wenn sie krank sind, behandeln, sie von ihren Leiden heilen. Das ist ihr Ideal.... All das hat Menachem einmal seinen Zeitgenossen erzählt, als seine Schnsucht und seine Traurigkeit ihn überwältigten, als er dasaß und ״betete“ (so nannten seine Zeitgenossen im Scherz sein Briefschreiben, denn er schrieb seine Briefe bebend wie ein Betender). Einmal fuhr eine berühmte Pianistin durch das Emek und kam auch fiir einen Tag in den Kibbuz. Selbstverständlich ließ sich Menachem eine solch wundervolle Gelegenheit, ein Konzert zu veranstalten, nicht entgehen. Er miihte sich viele Stunden vor und »ach dem Abendbrot ah, das Eßzimmer herzuriehten, er haute aus Tischen eine Bühne mit schonen Pflanzen aus der Baumschule, dann zündete er auch die zweite Llix-Lampe an, die man sonst nur am Freitagabend ansteckte, richtete die Bänke in Reihen, und das Konzert begann. Fine sanfte Stille war ringsum. Die Menschen saßen mit sehnsuchtsvollen Augen und tranken die Melodien gleichsam mit ihrem ganzen Sein. Die Pianistin spielte ein Stück nach dem anderen, mit kurzen Pausen, ia denen das Bellen der Hunde, untermischt mit dem Heulen der Schakale durch die offenen Fenster ins Eßzimmer drang, und als man in der letzten Pause das Klingen der Glöckchen einer Kamelkarawane hörte, die den Pfad am nahen Bergabhang passierte,’ begann die Pianistin den arabischen Tanz von Tschaikowski zu spielen. Scheinbar erinnerte sic der Klang der Kamelglöckchen an diese Melodie. Und da geschah etwas ganz Seltsames: Kaum hatte die Pianistin das Stück begonnen, sprang Menachem plötzlich von seinem Sitze auf, als hätte ihn ein Skorpion gestochen, und verließ das Eßzimmer. Niemand wunderte sich' Sicher wieder ein Anfall von Schwermut. Es war ja nicht das erstemal, daß er einen solchen Anfall bekam. Sie kannten Menachem. Trotzdem waren sie sehr böse aut ihn, denn sie sahen sein Betragen als eine Beleidigung der Pianistin an, die ihnen nur aus Freundlichkeit vorspielte. ״Milten im Konzert aufzustehen und fortzulaufen, als ob er sich verbrüht hätte, das ist ein unerhörtes Benehmen! Gut, er hat seine ,Zustände‘, was ist schon dabei. Konnte er sich nicht noch ein paar Minuten zusammennehmen und nicht so demonstrativ hinausrennen? Der Flegel!“ Einige Tage vergingen, und seine Traurigkeit wich nicht. Diesmal dauerte sein Zustand länger als gewöhnlich. Er war wirklich wie ein Schlafwandler. Als eine Woche vorüber war, kam er zum Kassenverwalter und übergab ihm den üblichen Brief, nur daß der Brief diesmal ungewöhnlich dünn und leicht war. Was jener Brief enthalten* hatte, das konnten die Leute des Kibbuz erst nach etwa zwei Wochen vermuten. Nach zwei Wochen nämlich, als Sender, der Fuhrmann, zur Bahn fuhr, um die ״Produkte“ abzuliolen, die aus Haifa angclangt waren, kam der Stationsvorsteher und übergab ihm ein Telegramm für Menachem Kirschenbaum. Und dies Stand im Telegramm: ״Komme nächsten Dienstag, Lisa.“ Wie es schien, hafte Menachem in seinem dünnen Briefe gefordert, daß sie sofort, noch vor Beendigung ihres Sftidiums, käme. Fr könne so nicht wciterlcben, verzehrt von Sehnsucht und Traurigkeit. Sie müsse kommen. -So hatte er ihr sicher in seinem kurzen Briefe geschrieben. Sie aber gehorchte ihm und kam. An diesem Tage arbeitete Menachem heim Tiefpflügen aut den entfernten Feldern an der Grenze und kam erst am Abend nach Hause. So wußten alle Menschen des Kibbuz, von dem Telegramm und seinem Inhalt eher als Menachem. Telegrammen gegenüber legte man sich irir Kibbuz keinen Zwang auf. Ein Brief war eines von den wenigen Dingen, die man als persönliches Eigentum anerkannte, und jeder hielt sich streng davon zurück, an einen Brief zu rühren, der nicht sein eigener war. Ein Telegramm aber betrachteten sie alle als ein Ding, das die ganze Gemeinschaft anging. Der Kibbuz hatte freilich vor dem Telegramm für Menachem nur zwei Telegramme bekommen — das eine von einer Jugcndgruppe im Ausland war für den Ranzen Kibbuz zum Tage der Ansiedfung, und das zweite für Sdumiel, als ihm sein Vater starb — beide aber wurden von dem geöffnet, der sie zuerst in die Hände bekam, und der Inhalt wurde von ihm sofort verbreitet. Als Menachem also gegen Abend von der Arbeit zurückkam, jubelte es ihm von allen Seiten entgegen: ״Ein Telegramm ist für dich da, Menachem! Sie kommt!... Nach wenigen Tagen kam Lisa. An diesem Tage zog Menachem seine Fcsttagsbluse an: putzte seine Schuhe und fuhr nach Haifa, um sie ahniholcn. Als er mit ihr zurückkam, brachte er sie sofort ins Eßzimmer. Fs war um die Abendbrotszeit, und er ging mit ihr von Platz zu Platz und stellte sic jedem einzelnen vor. Alle waren von ihr begeistert, von ihren schwarzen Locken, die ihren Kopf wie eine Krone umgaben, von ihren Augen, die Güte und Klugheit ausstrahlten, von ihren weißen Zähnen, die heim Lachen — und sie lachte viel — in ihrem Munde aufblitzten; kurz, schon am ersten Abend gewann sie alle Herzen im Kibbuz. Am selben Abend, noch bevor man mit dem Essen fertig war, setzte sich Lisa ans Klavier und begann die Tasten anzuschlagen. Zuerst klimperte sic spielerisch vor sich hin, aber als das Klappern der Löffel und Teller aufhörte, begann sie ernsthaft zu spielen. Was aber spielte Lisa an jenem Abend? Sie spielte den arabischen Tanz von Tschaikowski. Da begriffen sie Meiiacheuis Niedergeschlagenheit in der Nacht des Konzerts, und warum er damals das Eßzimmer verlassen hatte. Alle lachten sich an, als diese Melodie ertönte. Am nächsten Morgen stand Menaehein wie gewöhnlich mit allen ״Fellachen“*) hei Morgengrauen auf, trank den heißen Tee in der Küche und ging in den Pferdestall» um seine grauen Maultiere zu zäumen, die stärksten und störrischsteil Tiere im Kibbuz. Fr zäumte die Tiere gemächlich und liingegcben, als erfülle er ein Gebot. So machte er es an jedem Morgen; er war ein Schiller Gordons und tat seine Arbeit mit Hingabe. Fr schirrte die Tiere vor den Pflug und sang dabei das ukrainische Volkslied, das er nie während des Zäuincus zu singen unterließ, ob er nun in guter oder gedrückter Stimmung war: Hoch über Täler und Berge Zielin Tauben in Scharen, Brüder, zäumet ehe Pferde Ihnen nach/tifahreu . . . Dann ging er in sein Zelt zurück und brachte Lisa, setzte sie aut das eine Maultier und sich seihst aut das andere, und au! dem Rucken der mächtigen Tiere zogen sie dahin aufs F'eld, den dumpf ratternden Pflug hinter sich herzichend. Die Genossen, die in dieser Stunde im Eßzimmer zum Teetrinken versammelt waren, traten, als sie das Rattern des Pfluges hörten, alle ans Fenster und!reinen sich an dem reitenden Paar. Lisa trug neue Kleider, die die aufgehende Sonne zart erglänzen ließ, 11110 Menadiems blonder Kopf glich einem jungen, soniieiiiiber.-.frimiH :1 Baum« ipiel. ״Ein schönes Paar", sagte das l.äehelu in aller Augen, ״ein schönes Paar“, ließen -sieh einige laut vernehmen, und so be>chl<״Ksen sie, ihnen ein Fest zu geben, sie mii-oen für sie noch diese Nacht ein Lest geben, ein 1 'cberrnschungsle-d. Etwa nicht? Menachem war der Veranstalter aller Feste und Feiern im Kibbuz 11 ml wir sollten für ihn kein Fest gehen־' Wir müssen heute nacht ihn und sein Mädchen feiern! Sie beschloss«! endgültig; Heute nacht findet ein Fest statt. Den ganzen Tag muhten sich <110 Mädchen, das Fß- ־zmimer 711 schmücken und allerlei ״gute .Sachen׳■’ zu richten; sie sammelten Feldblumen für die Tische, buken, brieten, wuschen, scheuerten, und als die Sonne uni erging, zogen sich alle ihre weißen Feiertagsbluscu an und kamen ins I.ß- Zimmer, bereit zur Freude, zum Tanz, zum Trinken und zum Fest. Alle waren schon im I flziminer versammelt, nur Mcnachem und Lisa waren nicht da. Sie verspäteten sich auf dem Felde. Die Sonne sank hinter dein fernen Karmel und sie kamen nicht, man aß eilig das Abendbrot und sie kamen nicht, man begann sich um sie zu sorgen. Was ist mit ihnen geschehen? Warum haben sie sieh vergöltet? Anfangs eiachte man: es ist Lisas erster Tag im Kibbuz und Menachem hat sich wohl damit aufgehalten, ihr die Felder zu zeigen. Aber jetzt, als cs finster wurde, begann rnan sich zu sorgen. Was kann er ihr da im Dunkeln zeigen? Was ist mit ihnen dort geschehen? Die Sorge wuchs von Minute zu Minute. ״Es war ein Wahnsinn“, sagten einige, ״ein Mädchen mit zur Grenze zu nehmen. Wir hätten ihm das sagen müssen ...“ Sie waren nun sicher, daß den beiden ein Unglück geschellen war. Sie zäumten die Pferde und zogen aufs Feld, um sie zu suchen. Zehn waren beritten und zehn zu Fuß, und sie verteilten sich über das ganze Feld. Ein schwerer Gedanke lastete auf allen, und sie fürchteten sich, ihn auszusprechen: ״Wer weiß, wo ihre Leichen liegen...“ So ritten sie in drückendem Schweigen eine knappe Stunde, bis sie an die lange Furche nahe der Grenze kamen. Die Furche glänzte vor Feuchtigkeit im Lichte des Mondes und des Abendsternes, die am Firmament einander gegenüber zu tanzen schienen, ihr Geruch w*«r erfrischend und süß, sie war beute ge|7,lügt. Sie zündeten sich Zigaretten an und standen so eine Minute neben der frischen Furche, als ob sie an einem offenen Grabe stunden. Als sie so standen., hörten sie in der Ferne eine Stimme wie ein Echo, das der Wind vom anderen Ende der Furche heriiherfrug: Hü — Hü — ihr Grauen! Noch eine Furche! — 1111! Die Stimme war Meiiacheuis Stimme. F111 starkes Anziehen der Züge!, ein leichter Druck in die Flanke des Pferdes und nach wenigen Minuten waren sie hei ihm. Menaehein stand in der .Mitte der Furche und erwartete sie, denn er hatte das Glimmern der Zigaretten von weitem gesehen und das Stampfen der Pferde gehört־. Fr stand da und hielt die Zügel in seiner Hand und Lisa stand da und lehnte sich an den Pflug. Fs war eine kurze Stille der Verwirrung. Schließlich konnte Schmuel nicht mehr an sich halten. ״Verflucht“, rief Schmuel zornig, ״wir haben zu Haus; ein Fest für dich gerichtet, und du stehst liier und spielst. Wir bähen schon gedacht, wir wurden euch beide tot im Graben finden.“ ״Geht zum Teufel", erwiderte Menacliem mit seiner mutwillig kindlichen Stimme, ״warum kommt ihr hierher und stört uns? •Seht ihr denn nicht, daß wir unsere Hochzeit feiern? — —“ *) So nennt man die im Getreidebau (״Fakliah“) besdiäftigten Arbeiter. Hebräisches Theater in Warschau Sonntag abend findet im Nowoszczi-Thcater in Warschau die Premiere eines hebräischen Studio statt. Es handelt sich insotern um ein besonderes Ereignis, als diese Premiere zugleich als ein Jubiläum des hebräischen Theaterlebens überhaupt begangen wird. Es ist jetzt fünfundzwanzig Jahre her, seit in Polen die erste hebräische Bühne gegründet wurde, als Anfang einer Bewegung, deren Resultat 11. a. auch die ״Flabimah“ werden sollte. Damals hat J i z. c 11 a k Katzenelson in Lodz mit Darstellern wie Julius um-d Ernilia Adler, Schuschauna, Saslowski, Wolf Silberberg und dem inzwischen verstorbenen Jedwab begonnen. 1911 hat der spätere Gründer der ״Habimah“, Zern,ich, in Bialvstok eine hebräische Bühne gegründet, deren Dehnt in Wilna stattfand. 1013 versuchte eine hebräische Bühne in Warschau Fuß zu fassen, zu deren Initiatoren Zorn,־ich, Gnessin und Rowitia gehörten. Nach dem Krieg konnte sich ein hebräisches Theater drei Jahre in Litauen halten. Neuerdings ist die Bewegung in Warschau wieder aufgeflammt. Mark Arnstein, der erste Regisseur der Moskauer ״Habiniah“, probt seit zwei Jahren drei Einakter von Frischmann ״Ramidbor“, ״Galuth“ und ״Genial!“ und bereitet ein Drama ״Noaeh“ als zweite Darbietung vor. Türkisch mit■ Spielkarhen ffelili 1

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