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Jüdische Rundschau · 1935-01-22 · Heft 7 (22.1.1935) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 7 (22.1.1935)
Date
1935-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7, 22.1.1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Safte 3 Die neue Bibelübersetzung Von Ludwig Fe ach t wunger Von dcr/neuen Uebersetzung der Bibel, die seit langem In Sicht war, liegt der vollständige Band des Pentateuch seit kurzem fertig vor (Verlag J. Kauffmann, Frankfurt a. M.). Ueber die Entstehung dieser deutschen Bibel, über die Verfasser (Elias Auerbach, Emil Bernhard Cohn, Max Dienemann, Julius Oalliner, Sally Gans, Benno Jacob, Emil Levy, Ludwig Levy, Seligmann Pick s. A., Georg Salzberger, Hermann Schreiber, Cäsar Scligmann, Max Wiener) und über die besonderen Aufgaben und Absichten ihres Herausgebers, Harry Torczyner, war in der „Jüd. Rundschau" öfters berichtet; zuletzt hat Prof. Torczyner selbst (in der Nummer vom 17. 2. 1933) die Grundsätze und Eigenheiten des von der Berliner Jüdischen Gemeinde veranlaßten neuen Bibelunternehmens dargelegt. Das jetzt vorliegende „Fünfbuch", die Thora, ist von dem Potsdamer Rabbiner Hermann Schreiber verdeutscht. Bei dem besonderen Reichtum gerade dieses Teils an verschiedenen Stilformen und literarischen Gattungen kann man sich schon jetzt einen vollkommen deutlichen Begriff von den Besonderheiten der „Berliner Bibel" machen. Wir besitzen vier berühmte, klassische deutsche Essays über die Kunst des Uebersetzens, zumal der deutschen Uebertragung aus dem Hebräischen und im besonderen der hebräischen Bibel. Allen voran, nodh heule unübertroffen und mit jedem Wort gültig: Martin Luthers ,,Sendbrief vom Dolmetschen" aus dem Jahre 1530. Ueber die landläufige, noch heute nicht überwundene Irrführung, an der eine vermeintliche „Geläufigkeit" des Bibeltextes schuld ist, hat Luther den lapidaren Satz ausgesprochen, der einer Beurteilung der Torczyner-Schreiber-Bibel am besten vorangestellt wird: „Leufft einer jetzt mit den Augen durch drey oder vier Bletter und stösset nicht einmal an, wird aber nicht geivar welche Wachen unnd Klötze da gelegen sind da er jetzt über hingehet wie über ein gehöffclt Bret, da wir haben must schwitzen unnd uns engsten ehe wir denn solche Wakken unnd Klötze aus dem Wege reumeten, auf dass man kundte so fein daher gehen." Moses Mendelssohns große Einleitung zu seiner Pentateuch-Uebcrsetzung (1780- 1783) bleibt das zweite Dokument über die hier zu überwindenden Uebersetzungsschwierigkeiten. — Franz Rosenzweig hat in dem berühmten Nachwort zu seiner Verdeutschung von Jehuda Halevi, das mit den acht Kapiteln „Die Schrift und Luther" von ihm aus dem Jahre 1926 zusammenzustellen ist, mit plastischer Eindringlichkeit über die Einführung der fremden hebräischen Rhythmik ins Deutsche gehandelt. Und endlich ist von B u b e r in dem Vorwort zur zweiten revidierten Ausgabe seiner mit Rosenzweig zusammen unternommenen Thora-Uebersetzung unter dem Titel „Ueber die Wortwahl in einer Verdeutschung der Schrift" allen Einwänden begegnet worden, die gegen die Eigentümlichkeiten seiner Uebersetzungsarbeit erhoben wurden. An die vier Essays muß gedacht werden, wenn man die Schwierigkeiten ermessen will, die eine neue deutsche Bibel von vierzehn verschiedenen Uebersetzern zu überwinden hat und über die sich der Herausgeber in einer Einleitung zu dem Fünfbuch ausführlich verbreitet. Der russische Philosoph Leo Sehe stow, der auch der deutschen Öffentlichkeit (im Verlag Lambert Schneider 1929) unter dem Titel „Auf Hiobs Wage" nie gehörte Dinge „über die Quellen der ewigen Wahrheiten" gesagt hat, kommt in diesen Tagen (Dezember 1934 im 17. Heft von „Orient und Okzident") bei einer merkwürdigen, spezifisch russisch anmutenden Interpretation von Martin Bubers „Zwiesprache" auch auf Bubers Bibelverdeutschung zu sprechen und verbreitet sich über die „rückhaltlose Leidenschaft", von der darin das Ringen mit der hebräischen Sprache und gerade mit diesem tausendmal gehörten, „geläufig" gewordenen Wortlaut angetrieben wird. Er sagt: „Wir, so tief überzeugt, daß Wahrheit nur in den klaren und deutlichen Urteilen leben kann, wie können wir in unserer aus dieser Ueberzeugung geformten Sprache ausdrücken, was Menschen gesehen und gehört haben, welche d^e Fähigkeit, das letzte Geheimnis zu berühren, noch nicht verloren hatten!" Bubcrs Leistung besteht darin, daß man in jedem Satz diese Leidenschaft spürt, den alten, ursprünglichen, uns fremden Laut im Deutschen nachzuahmen, das Seltsame, üanzandere, seltsam, fremd zu erhalten, es unter keinen Umständen „geläufig", gemeinverständlich, profan zu machen. Von einem solchen Streben ist die neue Uebcrsetzung entfernt, sie will schlicht unter spürbarem Verzicht auf sprachliche Neubildungen den einfachen Text, den sie nicht ersetzen kann und will, wiedergeben mit dem Mut, sich an das Schondagewesene, ja Hergebrachte im deutschen Ausdruck anzulehnen; sie kommt damit den Uebersetzungen von Mendelssohn und Zunz am nächsten, wobei dem Herausgeber schon nach dem bis jetzt vorliegenden Teil bestätigt werden kann, daß auch hier (wie bei Buber) „mit dem gleichen Ernst und dem gleichen Willen das Letzte aus dem Bibclwort herauszuarbeiten und lebendig zu gestalten versucht wird". Wie weit dabei in der einen oder anderen Uebertragung dem Ziel nähergerückt wird, das eine alte hermeneutische Regel jeder Interpretation, also vor allem der Uebersetzung in eine fremde Sprache, vorschreibt, den Autor besser zu verstehen als er sich selber verstanden hat, diese Frage kann auch durch die subtilste Vergleichungsarbeit nicht entschieden werden. Auch die Verfasser der neuen „einfacheren" Verdeutschung wissen, daß Verständlichkeit eines von weitem so einheitlichen, bei nähcrem Hinsehen durch und durch heterogenen Textes ein Schweben zwischen dem gewöhnlichen Sprachgebrauch und der Eigenprägung bleiben muß. Von verwaschenen Worten will sich jeder fernhalten. Bei aller „Verständlichkeit" — das weiß Torczyner wie kein anderer — muß das in der Bibel Gemeinte wieder durch eigen geprägte Worte und in einer „Syntax", vor allem in dem „Original-Rhythmus" gesagt werden, daß der Leser oder Hörer wieder aufhorcht. Der ursprünglichen Absicht allerdings, eine „Volksbibel" in deutscher Sprache zustande zu bringen, muß bei diesem „Schweben" häufig entsagt werden. „Volksbibel" für die deutsche Judenheit? Scheitert nicht ein solches Unterfangen daran, daß eben diese Gemeinschaft, diese 450 000 Seelen, kein „Volk" sind, dem ein „Volksbuch" gegeben werden könnte? Fehlt nicht hier der verbindende Durchstrom des eigenen, gemeinsamen, in den Zusammenhang der Natur und des freien natürlichen Wachstums auf eigner Erde hineingestellten atmenden Lebens? Einer solchen Gemeinschaft kann kein gemeinschaftlicher Besitz mehr wie ein deutsches „Volksbuch", eine deutsche „Volksbibcl" neu anwachsen. Aber es kann ihr ein subtil gearbeitetes, mit jedem Wort auf die Goldwaage gelegtes Kunstwerk, eine Filigranarbeit des hellsten Kunstverstands, der Gelehrsamkeit und des Sprachgefühls, geboten werden. Die beiden neuen deutschen Uebersetzungen sind trotz ihrer Verschiedenheit von dieser Art, und keines der beiden Werke kann das deutsche Judentum mehr entbehren. Im übrigen entscheidet die praktische Durchführung in der letzten endgültigen Gestalt, wie wir sie bis heute von Buber-Rosenzweig bis zu den Psalmen (also etwa '4 der ganzen Bibel) und von Torczyner mit seinem Mitarbeiterstab durch Uebersetzung der Thora allein (nur >,4 des Ganzen) empfangen haben. Das Fünfbuch für sich bietet überreichen Stoff, die neuen Wege der Berliner Bibel anschaulich zu machen. „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Die Erde aber war bloß und bar." — Die ersten drei Verse des zweiten Kapitels DRaS^ai f*mm O'nWn lV3»1 — die Iitur- 1 r T T| ' ttti " — t — \;_ gische Einschaltung, die aus der Schöpfungsgeschichte wie eine Bildsäule für sich herausgehoben bleibt und kein modernmenschlich übersetzbarer „Text" mehr ist — an diesen drei Versen (pars pro toto) kann der Beweis geführt werden, daß nur das hebräisch aus der Thora-Rolle vorgetragene oder als Gebet rezitierte Wort die Bibel selbst ist und daß eine deutsche Uebersetzung ewig eine Krücke wie Fibel und Grammatik bleiben muß. — Der Anthropomorphismus, „die Stimme des Herrn" im Paradies (Genesis 3. Kap.) ist schon bei Buber-Rosenzweig in den „Schall Gottes, der sich beim Tageswind im Garten erging", bei Torczyner-Schreiber in den „Hall des Ewigen" verwandelt. Und der Fluch (Gen. 3, 16): „Viel mache ich dein Schmerzen l'nd dein Schwängern'. In Schmerz gebärst du Kinder; Nach deinem Mann geht dann dein Trieb, 3>>ch er, er herrscht dich an." Die Wiedergabe rhythmischer Partien, die Torczyner in viel häufigeren Fällen als nach den bisherigen Interpretationen annimmt, wird zwar typographisch (durch Verseinteilung) und durch eine ungewöhnliche Syntax, vollkommen deutlich; ob sich dagegen diese rhythmisch aufgefaßten zahlreichen Stellen auch klanglich und metrisch genügend als poetisch oder rhetorisch ausweisen, ist eine andere Frage. Der Herausgeber äußert sich dazu im Vorwort so: „Dort, wo im Grundtext deutliches, regelmäßiges Metrum erkennbar ist, ist es im allgemeinen versucht worden, den jambisch-anapästischen Charakter der dem Hebräischen eigenen steigenden Betonung festzuhalten." Doch ist es bei diesem Versuch nicht immer, wie das letzte Beispiel zeigt, ungezwungen und ohne Verzerrungen abgegangen. Die metrischen Teile stoßen oft von der absichtlich vereinfachten Stilhaltung des „Prosatextes" auffallend ab. Z. B.: Die viel umstrittene Stelle Genesis 6, 3 (über die „Nephilim", die Riesen auf Erden und die „Bne-hoelohim", die „Gotteswesen") wird einfacher genommen als sie ist: „Mein Geist soll nicht für immer im Menschern bleiben". An umgekehrten Fällen fehlt es indes nicht: Als Noah von seinem Wein erwacht (Gen. 9, 24) und den Fluch über Kenaan ausspricht, wird TiC'J *K DB' usw. „Gott lasse vr ( : - sich zu Jcfet locken und wohne in den Zelten Scherns" übersetzt, was unter den vielen möglichen Auslegungen des Verses (trotz der Autorität von Procksch) die problematischste ist (vgl. darüber jetzt ausführlich: Jacob, Genesis-Kommentar S. 266 f.). Die berühmtesten metrischen Partien des Pentateuch sind Jacob- und Moses-Segen (Genesis 49 und Deuteronomium 33), Schilfmeerlied (Exodus 15), Bilcam-Sprüchc (Numeri 23 und 24) und das „Moses-Lied" (Deut. 32). Worterklärung durch die Wortwahl und Metrum in der deutschen Wiedergabe müssen in diesen Teilen im besonderen Maße Ergebnisse minutiöser Entscheidungen auf Grund eines ungewöhnlich aufgeschwemmten Materials in alten und neuen Kommentaren buntester Herkunft sein. Eine eindeutige Exegese aus hundert Möglichkeiten ist hier kaum erreichbar. Wer kann etwa nur den kurzen Rahmen-Psalm um den Moses-Segen (Deut. 33, 1—5, und 33, 26 29) halbwegs befriedigend auflösen; die erste und zweite Fassung bei Buber sind beredt genug. Hier reichen auch „Einfachheit" und „Schlichtheit" nicht mehr aus. Die Wortspiele sind besonders gefährlich* und gelingen selten. Im Jacob-Segen (Gen. 49, 19) etwa: Gad gattet sich Gerottc, Und er geht an zur Ferse. Als Resultat langer vergleichender Listen schwerer Stellen in den verschiedenen Uebersetzungen und eines Ueberblicks über die Gesamtgcschichtc der Exegese aus allen Lagern bleibt bestehen: der kommentarlosen Laienbibel ohne Urtext sind Schranken gesetzt, die meist unterschätzt werden. Unsere Erkenntnismittel sind wenig geeignet, die Eigenart dieser fremden Welten — denn um Welten, und noch dazu gänzlich fremde, handelt es sich in der Bibel — zu erfassen, und noch weniger bringen unsere Sprachmittel die unlädierte Hinüberprojizierung ohne Kommentar zustande. Am offensichtlichsten ist dieses Unvermögen bei den Teilen in gebundener Form und in dem eigentlichen Zentrum der Thora, bei den Kultvorschriften über Priester und Opfer, vor allem bei dem ganzen Komplex der Rechtsaufzeichnungen. Eine kommentarlose deutsche Uebersetzung dieser umfangreichen und zentralen Teile beleuchtet in fast unerträglicher Grellheit den beim rein religiösen Gebrauch des hebräischen Textes verdeckten Widerspruch der kanonischen Theorie eines einmaligen Aktes göttlicher Rechtssetzung in Israels Frühzeit mit dem rein literarischen Befund, dem unausgeglichenen versprengten Nebeneinander dieser Rechtsaufzeichnungen. Bei der uns vertrauten Thora-Vorlcsung kommt es niemand ins Bewußtsein, daß „das Gesetz" kein geschlossenes Rechtscorpus ist, während die deutsche Bibel als eigenes Buch (nicht etwa die althergebrachte Ucbersetzungsart Wort für Wort) unerbittlich die nachträglichen Schicksale der Rechtscorpora (etwa des „Bundesbuchs" Ex. 20, 22 23, 33 oder des „Heiligkeitsgesetzes" Lev. 17—26) erkenntlich machen. Unsere Alten — übrigens auch die katholische Kirche vor der Reformation — haben ganz genau gewußt, warum sie geschlossene deutsche Bibelübersetzungen als Häresien brandmarkten, und wir brin- Frans Wer/el. dts\rn Bihtldravrux „Dtr Wi£ der Vcrheißunz" in Art .Jüduihen Rundschau" frschnnL mintififiiiMiitiiiiiiiitiiiiiriiiiiiiiiiiiiiiiiiiriitiiiiiiiiitii)iMriiiiMiiifsiititiiitiiiitiiihiitiMiiifTiiiit<iitiiiiMiiitMiitititrnitiiiiiiiirtin gen heute für den Bannstrahl, den die Rabbiner von Fürth und Prag auf die Mendelssohn-Uebersetzung des Pentateuch herabgesandt haben, einen höheren Grad des Verständnisses auf als das 19. Jahrhundert. Was namentlich die mittleren Bücher mit ihren Opfer- und Speisegesetzen, Kultbcschreibungen und uraltem Vorstellungsgut magischer Art an unüberwindlichen Ueberset/.ungsschwierigkeiten enthalten, muß nicht noch einmal in den Einzelheiten klar gemacht weiden. Der großartige Versuch des 5. Buches, die alte Volks- und Rechtsordnung Israels mit eindringlicher Werbekraft in abgewandelter Form neu darzustellen (ein Vorgang, den man jungst mit dem bewußten Zurückgreifen auf alte und älteste Vorbilder im Schrifttum und auch in der Kunst der etwa gleichzeitigen, ins 7. Jahrhundert vor Chr. fallenden sog. Renaissance Aegyptens unter den Psammetichen verglichen hat), dieser Wiedererneuerungsversuch wird gerade in einer Uebersetzung, wenn man sie nicht nur zum Nachschlagen benützt, merkwürdig transparent. Wir möchten hier von einer listenmäßigen Gegenüberstellung der unzähligen Unübersetzbarkeiten (etwa der biblischen Fauna und Flora, der Opfergattungen, der Stiftszelteinrichtungeti usw.) absehen. Schreiber-Torczyner verzichtet beispielsweise auf die schönen und klangvollen Verdeutschungen Bubers bei unbekannten Tiernamen: statt „Zugheuschrecke", „Freßgrille", „Grasrenner", „Sprengsei" sagt er: die „Arbe-Heuschrcckc", „Sol'am-Schrccke", „Hargol-Schrecke", „Hagab-Schrecke". Torczyner hat selbst für viele neue Wort- und Sinnerklärungen in Spezial-Aufsiitzen (der Zeitschrift „Lcschonenu", der „Monatsschrift" und in anderen Fachblättern) Auskunft über seine Wortwahl gegeben. Die Gesamtleistung hinterläßt einen imponierenden Eindruck. Wenn man viele Wochen damit zugebracht hat, die neue Thora-Uebertragung als sprachkünstlerische und sprachwissenschaftliche Leistung unbefangen zu untersuchen, so drängt sich als Ergebnis dieser Bemühungen mit überwältigender Stärke das große Problem „R c I i g i o u und S p r ac h e" von neuem auf. Jetler Sprach-Trausfcr ist eine Art religiöser Mission im spezifischen Sinn des Wortes. Es ist bekannt, daß als Vorbedingung für die Uebernahme des Gehalts der christlichen Lehre bei den germanischen Völkern erst ein christlicher Wortschatz geschaffen werden mußte. Nicht anders ist es bei den neuen deutschen Bibelubersetzungen. Sie sind allerdings nur e i n Behelf unter s ielen, unseren dem jüdischen liigengehalt durch Generationen entfremdeten deutschen Juden das alte jüdische Gut in Reinheit wieder zu übergeben; die kommentarlose Laienbibel bleibt bei aller Unentbehrlichkeit hauptsächlich Nachschlagebuch wie Lexikon und andere Hilfen. Wo im religiösen Leben sprachlich festgelegte Texte die bedeutsamste Rolle spielen wie beim Judentum, kann die hingebende Tätigkeit des treuen Uebersetzers nicht hoch genug veranschlagt werden. Diese Tätigkeit dient der Bewahrung des lebendigen Verständnisses für das jüdische Zcntralheiligtum. Die Ucbersetzuugstätigkeit ist die edelste Art der Auslegung, der alten schweren Kunst der Hermeneutik; sie kann heute nicht mehr anders als nach kritischen, auf den uns unausweichlich von den modernen philologisch-historischen Wissenschaften gewiesenen Wegen, geleistet werden. Ihre Grenzen und Gefahren sind damit vollkommen bewußt gemacht. Torczyner ist mutig auf diesem Weg gegangen, er und seine Mitarbeiter haben Hervorragendes geleistet. Aber ein „Hausbuch" oder ein „Volksbuch" kann die Berliner deutsche Bibel niemals werden. „Palästinatag" in Amerika Washington, 20. Januar. (JTA.) Unter außerordentlich starker Beteiligung wurde am 20. Januar in Washington der erste amerikanische „P a I ä s t i n a t a g" eröffnet, eine Kundgebung der amerikanischen Judenheit für den Gedanken des Aufbaus der jüdischen Heimstätte in Palästina, zu der eine große Zahl jüdischer Organisationen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten insgesamt etwa 2000 Delegierte entsandt hatten. Präsident Roosevelt, Staatssekretär H u 11 und andere Mitglieder der amerikanischen Bundesregierung hatten Botschaften an die Tagung gerichtet, in denen sie ihre Sympathie für die Bestrebungen zum Aufbau Palästinas aussprechen und dem Aufbauwerk Erfolg wünschen. Der „Palästinatag" soll zu einer ständigen Einrichtung in Amerika werden und alljährlich als Manifestation der Entschlossenheit des amerikanischen Judentums, mit aller Kraft an der Vollendung des jüdischen Palästina-Aufbaus mitzuarbeiten, wiederholt werden.

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