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Jüdische Rundschau · 1937-09-17 · Heft 74-75 (17.9.1937) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 74-75 (17.9.1937)
Date
1937-09-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 74/75, 17. IX. 1937 Ein Sohn des Ghettos Zum 100. Todestage Rabbi Akiba Egers am 13. Tisdiri (18. September) Wir sind heute etwas abgestumpft gegen Jubiläen aller Art; besonders die Einzelgestalten alter jüdischer Talmud• gelehrter verfließen uns in ein allgemeines, blasses Schema von unermüdlichem Fleiß, Scharfsinn und religiöser Humani• tat. Auch der größte Oberrabbiner von Posen, dessen Todestag sich drei Tage nach dem Jom Kippur zum 100. Male iährt, und den sein würdigster, wissenschaftlicher Biograph, Leopold Wr esch ner, mit Recht den ״letzten Oaon in Deutschland“ nennt, soll hier nicht als Geistesheros und Leuchte der hebräischen Wissenschaft gewertet werden. Doch verdient seine ganz einzigartige, anziehende Personlichkeit, sein in sich geschlossener und gefestigter Charakter unser Interesse aus dem Grunde, weil wir in ihm ein kristallisiertes Produkt jenes Ghettos erblicken können, das im IS. Jahrhundert seine Blütezeit erlebte. In der Eisen- Städter Judengasse —■ der einzigen Europas, die bis heute autonome politische Gemeinde geblieben ist und allscliabbaflieh durch eisernes Tor und Kette für den Wagen verkehr abgcsperrl wird — stellt der Synagoge gegenüber das seit einigen Jahren mit eincrOcdcnktafel vorsehene Maus, in dem Rabbi Ahiba Eger (Gobelin im Wolf• am ersten .Marcheseil- Museum in Eisenstadt} Wan 5522 (1761) der kleine Akiba das Licht der Welt erblickt hat. Enge Höfe und Häuser begrenzten sein ärmliches Elternhaus; die Weite und Schöne des Leuhagcbirgcs, das durch den ״Maierhof“ in seine Wiege blickte, hat der Knabe wohl nie genossen. Dagegen umgaben ihn ehrwürdige Erinnerungen und Traditionen, nicht nur an den Neubcgrüudcr und Namensträger der Gemeinde, M 11 ra 111 Asch R. Meir Eisenstadt (gest. 17+1), sondern auch solche an seine eigenen Ahnen. Sein Vater, Moses G ii 11 s’), ein gelehrter, frommer Mann, der den Palästinadienst der Gemeinde verwaltete, seine Mutter Gitl, die Tochter des bekannten Wormser Rabbis, R. Moses Broda, eine tatkräftige, kluge Frau, bewohnten das Stiftungsgebäude des Großvaters, Samuel Güns, der. ein ganz bescheidener Kapitalist, dennoch zwei Häuser und ein Kapital von 5000 Gulden (unterlassen hatte zu dem Zwecke, eine Armenschule zu schaffen, wie sie ähnlich erst 60 Jahre später im Frankfurter Philanthropin in Erschei- Inung trat. (Im Hause befindet sich bis heute die Israel. Volksschule und ein Eger-Zimmer des Burgenländischen Jüdisehen Landesarchivs, von Sdndor Wolf eingerichtet) Am oberen Ende der Gasse, wo sie vom Tor des Friedhofes abgeschlossen wird, sehen wir ein pittoresk anmutendes Gebäude mit Gedenktafel: das Legat eines anderen Samuel Güns, der hier ein Betli Hamidrasch und Bibliothek für Studierende, ein Armenhaus, Asyl und Hospital (Hckdesch) für Bedürftige ins Leben gerufen hatte. Die Väter der er- Wähnten beiden Vettern, Israel und Wolf Güns, in den weltlichen Akten Schlesinger genannt, waren erwerbstüchtige, großzügige Männer, die ersten ungarischen 1Juden, die von Karl VI. ein ihnen im ganzen Lande Frei- Zügigkeit gewahrendes kaiserliches Privileg erhielten, ״für die Dienste, die sie dem Valerl,nide mit Gefährdung ihres eigenen Lebens geleistet". (Das Dokument im Budapester Jüdischen Museum.) Deren Vater aber, der die Ahnenreihe Akiba Egers väterlicherseits eröffnet, Mordechai (Max) Margolies-Jafa (Edelperle), war der letzte Richter der alten Wiener Judenstadt gewesen, der wahrend der Türkenbelagerung (1686) auf der Flucht den Märtyrertod starb. Und fragte Akiba die Mutter nach ihren Eltern, so hörte er mit Ehrfurcht den Namen eines Akiba Eger nennen, der als Rabbinatsvorstehcr Preßburgs jung verstorben schon einen Weltruf erringt hatte, und dessen Almen, eine Reihe •Halber- Städter Egers, weit hinaufreichten, bis zum Stadial! Ginsmann im 17, Jahrhundert, Ein interessantes Denkmal dieses deutschen Einflusses mag die bunthestickte Thorawimpel bilden, die bei der Geburt Akibas von seinen Eitern der Synagoge gespendet wurde (eine in Ungarn sonst unbekannte Sitte), und die heute eine wertvolle Reliquie des Wolf- Museums bildet. Ahnenstolz, Familientradition sind mit die stärksten Antriebe, die die Entschlüsse jugendlicher Seelen beeinflussen; in ihnen offenbaren sich unbewußt die geheimnisvollen Kräfte der Vererbung. Und in welche Richtung hätten diese bei Akiba eher drängen sollen, als in die geistiger Beschäftigung mit der Thora?! Ein Talmid Chacham, ein Gottesgelehrter ׳zu werden, war der höchste Ehrgeiz jedes jüdischen Kindes im Ghetto, Zu diesen! Zwecke mußte der kaum sechs Jahre alte Akiba elterliches Heim und Heimat verlassen, um sie niemals wiedcrzuschcn. Er zog ins unferne Mattersdort in die Jeschiwa und im Barmizwah-Aiter zu seinem Oheim, R. Benj. Wolf Eger nach Breslau. Hier saß der Jüngling nun zu Füßen anerkannter Größen, bis er selbst groß und heiratsfähig wurde. Altjüdischem Brauch gemäß wurde er von einem reichen, frommen Juden in Li s s a zum Schwiegersöhn ״eingesetzt“, erhielt von diesem vollen Unterhalt, damit er sich, ungestört, als Selbstzweck dem Thorastudium widmen könne. Eine Feuersbrunst, die Hab und Gut und Bibliothek vernichtete, zwang den jungen Ehemann zum erstenmal, dem Leben ins Auge zu schauen, die Thora ״zum W'erkzeug“ einer Existenzgründting zu benützen: Rabbiner zu werden? Wie schwer ihm diese. Aufgabe wurde, wie er die vom Schicksal ihm aufgedrungene Würde des Rabbiners zeitlebens als Bürde, als Tragik seines Daseins fühlte, ersehen wir aus zahlreichen, rührenden Stellen seiner Privatbriefe, die in den hebräischen Editionen seines Urenkels, des Bcregszäszcr Rabbiners R. Salomo Szofer (Schreiber): Chut harnschullosch und besonders in den neueren Iggroth Szofrim (Briefe der Egers und Szofers) zu lesen sind. Bekannt ist seine Beichte, die er an einen seiner Schüler richtet: ״Als ich in Lissa, jener von Weisen erfüllten Stadt wohnte und manche Gemeinden mich zu ihrem Rabbiner wünschten, lächelte ich ihrer, denn seitdem ich bin, haßte ich das ״Rabbonuth“ (eigentlich: Großmannssucht, hier soll •) A. Eger unterschrieb sich in der Regel! Akiba Güns Ple-Asch aus Eisenstadt. es wörtlich: das Rabbinat, den Rabbinerberuf bedeuten) und fürchtete wie vor den Pfeilschiitzen davor, mich über andere zu erheben.“ Oder an anderer Stelle: ״Gott sieht meine Seele, den Schmerz meines Herzens, die Gebrechlichkeit meines Körpers: von Tag zu Tag werden mir die Rabbinatsagenden lästiger, an deren Statt ich meine Pflichten, gottgefällige Arbeiten, verrichten sollte.“ ״Bitterer als der Tod ist der Beruf des Rabbiners“, klagt er in obigem Schreiben. Sieh, hier eine Stadt, die meinen Namen trägt, die Seele des Reichen wie des Armen liegt auf mir, ich muß die Verantwortung auch für den Sünder G. b. tragen. Deshalb denke ich oft: Oh, könnte ich sein wie einer meiner Gemeindemitglieder oder der Armen des Volkes. Wer befiehlt uns denn, daß wir in besseren Kleidern gehen, feinere Speisen essen, wo es doch auf der Straße so viele gibt, die nichts anzuziehen und nichts zu verzehren haben!“ Oefter äußert der junge Rabbi den Wunsch, er möchte Lehrer, sogar Nacht- Wächter werden, um sich durch Arbeit das Allernötigste zu verdienen, um nicht vom Gehalt der Gemeinde oder den Geschenken der Reichen abhängig zu sein. R. Egers puritanisches Wesen verpönt sogar als Aeußerlichkeit jene im hebräischen Schrifttum übliche Häufung von Titulationen, läßt sich immer nur ״Raw“ Rabbiner nennen, während er seine Jünger niemals duzt, sie auch nicht als ״Schüler“ anspricht, denn ״wer weiß, wer mehr vom anderen gelernt hat?“ Für sich bedürfnislos, kennt er keine Ambitionen weltlicher Erfolge, er ״flüchtet vor den Ehrungen, die ihm nachlaufen“. Als sein Bruder ihn überreden will, sich von Märkiscb-Friedland nach Posen zu bewerben, antwortet er: ״Du meinst, wegen des Ansehens und Nutzens meiner Familie soll ich es tun. Man soll sagen: Dein Posener Raw seine Kinder" — fährt er im Jargon fort, verwirft aber sofort auch dieses Argument. (R. Akiba Eger hinterließ 15 lebende Kinder.) Die tiefreligiöse Demut, zugleich die schlichte Einfalt R. Akibas spiegelt sich vielleicht am deutlichsten in der von ihm gewählten Inschrift seines bescheidenen, kleinen Grabsteines, dessen ganzer Nachruf aus drei Worten besteht: ״Diener der Diener Gottes.“ Noch eine andere, ausgesprodien jüdische Tugend R. Akibas äußert sich in obigen Zitaten: die wahre, warme Anteilnähme des fühlenden Herzens am Los und Leide seiner Mitmenschen, die er vielleicht zuerst im ״Hekdesch“ seines Großoheims ״mit Gut und Leib“ geübt hat. So wird ihm denn auch an beiden Wirkungsstätten besonders seine große Mildt ii t i g k e i t und Menschenfreundlichkeit nachgerühmt. Persönlich wollte er täglich die Notleidenden und Siechen aufsuchen, er pflegte sie, übte Wachdienst bei ihnen, stand ihnen mit Rat und Tat zur Seite, erst m seinem hohen Alter ließ er dies durch zwei von ihm besoldete Personen besorgen, die ihm darüber Bericht zu erstatten hatten. Diese innere Verbundenheit und Bekanntschaft mit den Kranken kam dem greisen Patriarchen ebenso zugute, wie seiner Gemeinde, als im Jahre 1831 die Cholera auch in Posen Einzug hielt. R. Akiba Eger war ihr eifrigster Bekämpfer. Mustergültig waren die Einrichtungen, die er in seinem Latzschen Krankenhause traf, musterhaft die Vorschriften, die er dem armen Volk bezüglich seiner täglichen Lebens- und Nahrungsweise, den Wohlhabenden behufs Erhöhung ihrer Opferfreudigkeit gab, aufsehenerregend die strengen Maßregeln, mit denen er auch den öffentlichen Gottesdienst regelte und einschränkte. Die Judengemcinden Deutschlands wandten sich an ihn um Rat, und er schrieb Rundschreiben um Rundschreiben, ״trotz seiner überaus großen Schwäche“. Auch die Regierung konnte nicht umhin, ״dem Oberrabbiner das Wohlgefallen und die Zufriedenheit seines Königs mit dem von ihm beobachteten, nachahmungswertcn Verfahren“ auszudrücken, So war R, Akiba Egers ganze Wirksamkeit ein ״Kiddusch haschem“, ein Dienst an den höchsten Idealen des Judentums. Nur ein hochentwickeltes Pflichtgefühl gab dem gebrechlichen Körper Schwungkraft und zähe Ausdauer, und noch zwei Jahre vor seinem Tode klagte er, warum der Targ nicht KW Stunden habe, um allen seinen seelsorgerischen Pflichten nachzukommen. Laut seinem Jahrzehnte hindurch eingehaltenen Arbeitsprogramm verbringt er täglich an fünf Stunden mit der Behandlung und Niederschrift richterlicher Bescheide, um die er auch von Nichtjuden angegangen wird. Sein Gerechtigkeitssinn, dessen biblische Losung: Zedek, zedek tirdauf“ er in sein Amtssiegel gravieren läßt, ist ebenso unbestechlich, wie sein Charakter unbeugsam und seine Ueherzeugungstreue unwandelbar, wenn es sich auch um die Interessen nächststehender Freunde und Verehrer handelt. Den öffentliehen Behörden gegenüber benimmt er sich stets mit voller Loyalität, seiner eigenen Gemeinde gegenüber voller Untertänigkeit, aber das kleine Männchen kann auch den Rücken steifen, wenn es um Prinzipien, Wahrung von Traditionen und Institutionen (das Latzsclie Legat) geht. Bloß in der rauhen, realen Wirklichkeit, gegenüber den Anforderungen einer neuen Zeit konnte sich der ״innerhalb R. Akibas Geburtshaus in der Eisenstadler Judengasse, rechts anschließend das Wohn- und Stiftungshaus R. Samson Wertheimers. Im Hintergrund: Das Wolf-Museum Foto■: r>r. *. Fa״» 41t 'י ■Äfe•־ der vier Ellern der Halachah* Herangewachsene nicht zurechtfinden. Den ״modernen Kulturbestrebungen in Posen“, dem Siegeszuge der Reformer, den Ph. Bloch in der Grätzsehen Jubelschrift (1887) schildert, war der ״Fanatiker“, wie seine Gegner ihn nannten, nicht gewachsen. Vergebens furchteten sie seine persönlichen Angriffe und Bannflüche von der Kanzel, der sanfte Seelenhirte kämpfte ausschließlich mit geistigen Waffen. Doch diese wirken stumpf und unbe* holfen, wenn er — z. B. in einem Briefe an die Eisenacher — mit talmudischen Zitaten, Prinzipien und Verboten gegen die leidenschaftlichen Vorkämpfer des deutschen Gottesdienstes polemisiert. Das ganze Gebäude des Ritus stürze ein, wenn ein Steinchen daran gerüttelt werde. Deshalb gibt er seinen Getreuen den Rat, sich eher jedes Gottesdienstes zu enthalten, als an einem reformierten teilzunehmen. Streitschriften läßt er durch seinen Vertrauten, R, Salomon Pless- 11er, verfassen; sein Gutachten im ״Hamburger Tempelstreit“ wirkt weniger durch Pathos, als durch die immanente positive Kraft, indem er auf ״die Heiligkeit der hebräischen Sprache und den idealen, das Wohl derüesamtmenschheit ersehnenden Zionismus der Er״ lösungsgebete“ hinweist. Auch R. Akiba Eger konnte seine Zeit, sein Milieu, seine Mentalität nicht verleugnen; ebensow׳enig die Zeit, trotz aller tiefgehenden politischen, sozialen, kulturellen Veränderungen, ihm etwas anhaben. Bis an sein Lebensende bewahrte er sich die naive Natürlichkeit, die sündlose Reinheit des Kindes. Er war und blieb ein Kind des Ghettos. Vielleicht sein letzter, konsequenter Vertreter. Modernes Wissen hat er nicht verbreitet, cs auch nicht verhindert, urteilt Ph. Bloch; aus manchen seiner Jünger; S. I. Kämpf, I. Zedner, Julius Fürst, D. Joel u. a. wurden Zierden der Wissenschaft des Judentums. Die Gestalt des Meisters wurde bald durch Sagen und Legenden verklärt (Leo 11 i 1׳ s c h hat in der ״J ii a i sehen Rundschau“, s. Nr, 39/41; 1936, versucht, sie in dem Mittelpunkt einer halb mystischen Erzählung zu stellen), und ״dieser magische Glanz vergoldet wie ein milder Abendschein den Untergang des mittelalterlichen Rabbinertums“. Dr. A. Fürst (Budapest). Eger-Ausstellung in Eisenstadt Die Heimatsgemeinde Rabbi Akiba Egers, auf deren Rabbinatssitz heute zufälligerweise ein direkter Nachkomme dieser Familie sitzt, beging den 100. Todestag ihres größten Sohnes. Eine Festpredigt im Schulgebäude, an der Stelle seiner Gehurt, erinnerte an dieses Datum. Dagegen hat das in der Judengasse befindliche S & n do r-W o 1 f - Mu s eu m in seinen, der jüdischen Kunst gewidmeten Räumen, im Palästina-Zimmer, eine Eger-Gedächtnis-Ausstellung veranstaltet, die trotz ihrer bescheidenen Ausmaße ein anschauliches! Bild von dem Wirken und Wesen Akiba Egers vermittelt. Vor allem sehen wir die Ausgaben seiner werke, Talmud- und Schulchan Aruch-Bände mit seinen Bemerkungen und Erläuterungen, hier und da auch Einzeichnungen von seiner eigenen Hand. Daneben die vollständige Eger-Literatur, vom' Kustos des Museums, Dr. Andres Csatkai, geschmackvoll angeordnet. Eine Abschrift aus dem Iggroth Sofrim zeigt den Rabbonusbrief, mit dem die Eisenstädter Gemeinde den nach Posen, Wilna, Nikolsbnrg berufenen Gelehrten an sich knüpfen w011׳te. An den Wänden ringsum Andenken an seine lebendige Persönlichkeit. Vor allem die mit bunten Seidenlettern und symbolischen Figuren bestickten Thorawimpel, die an das ״Schulträger!“ des kleinne Akiba erinnert. Den Saal beherrscht die große Radierung Hermann Strucks, die derselbe anläßlich des ersten Berliner ״Familientages“ 1013 für die Mitglieder der ״Vereinigung der Familie Eger“ angefertigt hatte. Wir sehen und lesen die Drucksachen, Einladungen und Berichte, die damals an 259 Abkömmlinge des Gaons aus Ost und West vereinten. Ein anderes Konterfei R. Akiba Egers erblicken wir in Form eines feingestickten, farbigen Gobelins, dessen Originalzeichnung, von Dümer in den 20er Jahren auf Stein gedruckt, ebenfalls zu sehen ist. Endlich ein Abdruck des bekannten Wandgemäldes aus Posen, das von Julius Knorr angeblich nach dem Leben entworfen, den greisen Rabbi in Begleitung seiner beiden Dajjonim auf der Gasse in Posen zeigt. Das Photo des Grabsteines aus dem Posener Friedhof zeigt in einem Bilde die ganze Schlichtheit und Bescheidenheit dieses großen Mannes. _ R. Akiba Egers Grabstein in Posen frח- ׳ ®ד.,מבר*' ד סזו$«־׳י־כ8י* «PW sa 3 הי: Rabbi Akiba Eger und Erez Israel R. Zwi Hirsch K a I i s c h er, dessen Persönlichkeit jedem Freunde Erez Israels wohl vertraut ist, lernte in seinen Jugendjahren in der Jeschiwah des R. Akiba Eger in Posen und zeichnete seine Briefe — von denen demnächst eine Auswähl von Jizchak Werfel in dein. Gedenkbuch Askara zum Andenken an den Oberrabbiner Kuk wieder herausgegeben werden wird — mit Vorliebe mit den Worten ״Schüler des großen Gaon und Gelehrten R. Akiba Eger“. Kalischer hat seine Gedanken über Pflicht una Aufgabe des Jischuw von Erez Israel und die Erneuerung eines jüdischen Volkslebens aut dem Boden der Väter in seiner Schrift ״Derischath Zion“ niedergelegt, die erstmalig fr! Lyck 1862 herauskam. Er hatte sehr ausführlich auch über die Einrichtung des alten Opferdienstes gesprochen und die Berechtigung, die Opfer auch zu unserer Zeit, wiewohl ein Tempel nicht besteht und die Reinheit und Zugehörigkeit der Priester nicht erwiesen ist, darzubringen, ausführlich begründet, ln dieser Frage hatte er vor Jahrzehnten bereits einen Briefwechsel mit seinem Lehrer R. Akiba Eger. Dieser widersprach den Beweisen seines Schülers, der aber das Material so sehr durchstudiert und durchdacht hatte, daß er sich von seiner Erkenntnis nicht abbringen lassen wollte. Schließlich korrespondierte Kalischer mit dem Schwiegersohn des R. Abika Eger, dem ebenso berühmten R. Moscheh Sofer in Preßbürg, der nach seinem Hauptwerke gewöhnlich Chatham Sofer genannt wird. Dieser erkannte die halachische Begründung R. Hirsch Kalischers an, hielt aber eine Verwirklichung dieser Idee aus politischen Gründen für unmöglich. R. Akiba Eger äußert sich zu dieser Stellungnahme seines Schwiegersohnes auch in einem Schreiben an Kalischer. Auch mit rabbinischen und öffentlichen Größen seiner Zeit diskutierte Kalischer über diesen Punkt. Eine unmittelbare Auskunft darüber, daß R. Akiba Eger seine Ansicht geändert hat, besitzen wir nicht. Aber die mittelbare Auskunft genügt vollkommen. Im Jahre 1860 übersendet R. Hirsch Kahscher sein Buch ״Emunah jescharah“ über die religiösen Dogmen des Judentums dem Gelehrten und Philanthropen Albert Cohn, dessen 60. Todestag sich vor einigen Monaten geiährt hat; hierin schreibt er ihm: ״Bereits 25 Jahre beschäftigt mich der Gedanke des Jischuw des Landes unserer Väter, der Stätte unseres Heiligtums. Mit gültigen Beweisen habe ich die gewaltige Verpflichtung und das große Gebot und unendlich reichen Segen derer erwiesen, die sich mit der Ausführung der Neubesiedlung befassen. Darüber habe ich — ah er noch unter den Lebenden

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