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Jüdische Rundschau · 1937-09-03 · Heft 70-71 (3.9.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 70-71 (3.9.1937)
Date
1937-09-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seife 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr.?0/71, 3. IX. 1937 Uni das Erbe Franz Rosenzweigs Zu zwei Büchern von Ignaz Maybaum Ein Volk von der religiösen Traditionsgeladenheit, wie es das jüdische ist, kann sicli nicht ohne schwerste Gefahren der Aufgabe entschlafen, für das, was seine Stellungnahme und seine Aktionen als Volksganzes betrifft, theolo• gische Ueberlegungen anzustellen. Neben der das Leben des Individuums regulierenden Halacha ist auf Grund theologischer Reflexionen und aus jener religiösen Instinkt- Sicherheit, die die jüdische Daseinsatmosphäre zu erzeugen geeignet ist, die Halacha der kollektiven Ent- Schlüsse zu eruieren. Wie wir zu Erez Israel und zur Diaspora Stellung zu nehmen haben, wird nicht bloß aus politischen und wirtschaftlichen Erwägungen, sondern im wesentlichen aus jener tiefsten Schicht des Erkenntnisvermögens heraus, bewußt oder unbewußt, zu entscheiden sein, die um dis Oeheiinuis des jüdischen Wesens weiß. Es ist darum jeder Versuch zu begrüßen, der aus der Tiefenschau her Fragen unserer jüdischen Oesamtsituation zu deuten unternimmt, zumal, wenn ein solcher Versuch mit der Zucht des Gedankens und der emotionalen Bewegtheit geschieht, wie es in den Büchern von Ignaz Maybaum (״Parteibefreites Judentum“, 1935, ״Neue fugend und alter Glaube1936 ,‘׳, beide im Philo Verlag, Berlin) der Fall ist. Um so mehr erwächst die Pflicht der Prüfung jener Maßstäbe, die uns für die Haltung in grundsätzlichen Dingen der jüdischen Existenz an die Hand gegeben werden. Legitimes Judentum? — Was ist Judentum? Es ist Maybaum dämm zu tun, das Bild des Judentums in seiner (irm/heit zu rekonstruieren. Er löst diese Aufgabe durch rcliedoMsphänonioiHilogisclie Qcstaltzeichnung. Das Judentum wird in seiner von Heidentum und Christentum sich abhcliendi'ii mul /ugkäch strukturell auf sie bezogenen Wesenheit atialvsiert. Das geschieht nicht systematisch, soneiern in hin und wieder aufblitzenden Wesenseinsichten, die apiiorishseli anmuten würden, wußte man nicht, daß Mavbaum bei I ran/ R <> s e n z w e i g in die Schule gegangen ist und dessen entscheidende Lmsirhicn zum Teil auch für Maybaum leitend sind. Man kann Maybaum nur von Rosenzweig her, als dessen Jünger er sich bekennt, verstehen. Rosermveigs ״Stern“ ist ,!;!> Knordinatcrmvstem, das die da und dort auftaüclicnden Idii/clformuherungen Mavbaums erst zur sinnvollen Kurve bindet. Maybauin will die Linie Rosenzweigs fortsdz.cn. Es ist alter zu fragen, ob Jüngerschaft Rosenz.weigs gk'ie'ibc 11 utmul ist mit dem Mavbnumschen Standort. Es scheint, daß die tiefsten jüdischen Erkenntnisse Rosen/ivcigs hei Maybaum ungenützt und brach liegen. Hinter Etmcn/.wcigs iiiidiektiiellcr Schärfe, seinem oft beißenden Sarkasmus verbirgt sich eine tief mystische I laltung. Rose1’/\Vv־:..;a, Deutung der jüdischen Lcbensordnuiig als einer das Siegel der Erlö-img und des Atu-Ziele-Seins an sich tragenden Eudcn/. — die hei Maybaum wohl am stärksten uachwirkende Konzeption — ist alles andere als Theologie der Idylle. Sie mag in ihrer Zeichnung der die Geschichte üherh'dH-nden, in sieh seihst kreisenden Ewigkeit kirchlich anmuten, ist aber doch geladen mit allen Kräften der sie tragenden ״mystischen Theologtunena‘‘ (Scholem), Die Verwandtschaft Roscn/wcigs mit Schölling, die Rolle, die die Sprachphilosophie in dem Kreise, zu dem Rosenzweig zählte, spielt, die frappante Nähe seiner Schöpfungstheologic zu der Gabirols, die einmal im einzelnen untersucht werden müßte, all das — tun nur einiges herauszugreifen — lehrt, daß eine denkerische Fortsetzung Rosenzweigs von einer Konfrontation mit den Urphiüiomcncn der Wirklichkeit selbst gespeist sein muß, tim sich nicht in formaler Analyse und phänomenologischer Religiottsvergfeiefutng zu erschöpfen. Es ist das große Verdienst Mavbaums als eines ״liberal-religiösen“ Rabbiners, eine deutlich markierte n a c 11 rosenzweigsehe Position einztmehmen, d. 11. viele Irrtümer und Flach- Itciten des alten Liberalismus überwunden zu haben und dieses IJebenvtnuleiihaben in gedanklich und sprachlich her* vorragender Präzision kundzntun. Hier ist Maybaum einer der Wegweiser der jungen liberal-religiösen Rabbinergenera■ tian. Aber eine Führung in den Herzpunkt jüd i s c 11 111 ־ e o 1 o g i s c 11 e r Er k e 11 n t n i s hat Maybaum von Rosenzweig noch nicht angenommen. Symptomatisch für dieser, Sachverhalt ist ,VLnbaiims immer noch liberale Beziehung zur Halaelia. Bei aller geistigen Freiheit, in der Rosenzweig zur 1 iahe, ha stand, ist es doch ein nicht zu über* seilendes Faktum, daß die religiöse Lebensform Rosenzwcigs ganz lind gar halacbagemäli war. Rosenzweig st,1ml also wohl auch in der Theorie anders als Maybaum zum Scluilchan Arucli. Die Halacha als das ordnende Prinzip des jüdischen Daseins ist nicht bloß Ausdruck des ,.priesterlichcn Wandels“, sondern Gestaltcrin und notwendige Bedingung des priesterlichett Seins. Noch mehr. Sie hat für das jüdische Weltverständnis eine nur in der Mystik voll zur Darstellung gelangende Funktion, Die z. T. großartigen Deskriptionen jüdischer Phänomene hei Mavhamn (des ״Chawer", des Rabbiners, des Gottesdienstes, des ״Baal habajit") sind zweifellos an sich gültig, aber theologisch nicht unterbaut und schweben daher gewissermaßen im freien Raum des bloß Phänomcnalen. Mavbaums Wort vom ,,legitimen“ Judentum, um dessen Herausstellung es in diesen Büchern geht, muß daher ins Leere verklingen, sofern theologische Ansprüche angemcklet werden. Es werden ausgezeichnete religions- und geistesgeschichtliche Aspekte aufgewiesen, aber die Summe der Maybaumschen Thesen ist noch nicht Quintessenz jüdischer ״Lehre“. Phänomenologie kann Theologie nicht ersetzen, Ueber den Parteien? — Das Hauptverdienst May* baums ist die Kritik, die er an den jüdischen Parteien der Gegenwart übt, eine Kritik, die ihren archimedischen Punkt in der Orientierung eben an der ״Lehre“ besitzt, An die Stelle des Parteiengeplänkcls will Maybaum das Lehrhausgespräch setzen. In den Parteien, die er In immer wieder neu ausholenden scharfblickenden Analysen mit sei* tenem Freimut aut ihre geistesgcschichtlichen Ursprünge zuriickfülirt und als in jüdischem Sinne illegitim entlarvt, hat sich das Judentum, wie Maybaum sagt, aus einem Spirituelles und Realpolitisches zugleich umfassenden Sein (mehr als biologisches Volk, mehr als kirchlicher Bekenntnisverband) in Bruchstücke zerspaltet (nur spiritueller Liberalismus, nur auf ״Leben“ gerich* teter Nationalismus). Mavbaums Denken schwingt zwischen die« sen beiden Polen, zwischen denen er eine Synthese herstellen will. Er scheint der Meinung zu sein, als ob eine Arbeit!* Gemeinschaft oder Verschmelzung der Elemente religiöser Liberalismus — Zionismus wieder die ״Lehre" in ihrer Ganzheit rekonstruierte. Die Orthodoxie wird hierbei als eine quantitä mfgligeable außer acht gelassen. (Wo sie gestreift wird, unterlaufen arge Mißverständnisse, so die Meinung, für die Orthodoxie sei die Halacha bloB ״Zeremonialgesetz“.) Man muß nicht selbst der Orthodoxie an* gehören, um den verhängnisvollen Trugschluß Maybaum« zu durchschauen. Sind sowohl Zionismus wie Liberalismus JERUSALEM / VON MANFRED STURMANN Es ist, als schlüge der Atem Der Jahrtausende weckend Die Glocke deines Herzens, Als trüge dich der Morgensturm Auf Adlerflügcln Hin zu den Stirnen der Berge. Ist es nicht, als wachtest da Auf zu neuem Gesicht? Daß dir der Herr gab, Zu sehen das Wunder Seiner Hände Werk — So spät, und du glaubtest schon, Daß alles in Nacht — Des preise Ihn, Seele! Aus dem Tor der Morgenröte Schäumt das Licht auf das Lund Wie eine Segnung. Rot glüht die Wüste auf, Als brenne der Karst. In Fernen stehen, Wächter von Urbeginn, Die Berge. Unten aber, angeschmiegt Den Hügeln und dem Himmel, Ein Bild, aus Traum gesponnen — Nein, wahrhaftig vor dir, Vom Licht übersonnt, Liegst du, Jerusalem, Heilige Stadt. Wieviel Tränen sind geweint Um dich, du Hort des Volkes? Ströme von Blut nährten Die Sehnsucht nach dir, Du Mutter Israels. Hier schlägt das Herz der Erde, Hier zerbricht das Maß der Zeit. Aus heiligen Trümmern Entsteigt, ewig verklärt, Das Sein von Vätern und Söhnen, Stürme wehten uns fort ־— Wir kehren zurück, In die Hölle der Zerstreuung Trieb man uns — Wir kehren zurück! Noch der Atem der Sterbenden Formt deinen Namen. Aus den Scherben der Vofieit Wurdest du neu — Wurden wir neu mit dirl Jerusalem, Kleinod des Volkes, ln unsern Träumen, In der Not unsrer Tage Gedenken wir deiner. Du gibst uns Hoffen und Leben, In deinen Schoß rinnt Das Harz unsrer Stammes *— Ohne dich sind wir Ein Antlitz ohne Auge, Ein Baum ohne Licht. All unsre Tränen fließen um dich, All unsre Hände bauen für dich. Mögen sie kraftlos sein Und verdorren wie Wurzeln ln den Tälern des Todes, Wenn wir dein vergessen, Jerusalem, Wenn ausgelöscht dein Name Aus dem Herzen des Volkes. MllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltlMIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII1n1IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIln1IIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIII1nllllllllHIIINII1nn1IIIIIIMII1n1IIIMIIIIIIIIIIIIII1n1IIIIKIln1l1n1IIHn1IIMIIIIIIIIIII1m1Umlll1ngHW«am1lltlMII ״Ideologien", d. h. idealistische, um das schöpferische und autonome Ich oder Wir zentrierte Gebilde, Kinder des 19./20. Jahrhunderts, so kann ihre komplementäre Zusammenfügung zwar wesentliche Mängel beseitigen, nicht aber das ״Judentum“ in seiner ״Legitimität“ wiederherstellen. Wieder zeigt sich, daß Maybaum mehr forinal-bcgriff* lieh als ansehauuiigsgeladen von der ״Lehre“ spricht. Das ״narteibefreile Judentum“, das Maybaum als Losung proklaniiert, ist als parteibefreites noch kein Judentum, wenn «s nicht von den echten religiösen Antrieben und der Fülle jüdischen Seins seine Substanz empfängt. Daß diese Substanz heute noch in der Orthodoxie gehütet wird, dürfte allgemein zugestanden werden. Das Problem, um das es in allen führenden Schichten heute gehen müßte, ist das der Transformation dieser Substanz in die neuzeitliche Welt. Diese Transformation, die den Gestalt- Wandel des Judentums verhüten soll, kann nur im geschichtlichcn Prozeß organisch erwachsen. Hier liegt die Funktion des von Maybaum zu starr und schematisch geseltenen Zionismus und der strukturell mit ihm verknüpften Bewegung der Bünde. Ein sich messianisch gebärdender naiver Zionismus ist von der theologischen Ebene her gewiß abzulehneu. Aber der Zionismus ist schließlich ein sehr komplexes Gebilde. Er umfaßt die Skala vom radikalen Ideologen, der die irdisch-nationalen Elemente verabsolutiert, bis zum mystischen Theoretiker von Land und Volk ״Israel“ (Raw Kuk). Wem es ernst ist um die Erneuerung des jüdischen Menschentums, das in der Zerstreuung nicht bloß Botschafter Gottes geworden ist, sonder1׳ auch oft, wo es erschlaffte, entartete, wird in Palästina eine religiöse Chance erblicken. Es genügt nicht, den Zionismus als säkularen Idealismus zu kritisieren und die ״Zionsliebe“ allein jüdisch zu legitimieren. Man wird den Zionismus nur dann religiös verwandeln, wenn mail ihn religiös zu deuteil versteht. Nicht im Sinne einer naiven Rechtfertigung, sondern im Sinne eines positiven Reagierens der jüdischen Theologie selbst aut das Phänomen des Zionismus und eines jüdischen Staates, sofern er Wirklichkeit werden sollte. Maybaum hißt einen theologisch positiven Reflex des Geschehens unserer Zeit, soweit es Erez Israel betrifft, vermissen. Sollte der Zionismus der jüdischen Theologie als Faktum nichts zu sagen haben? Maybaum reagiert theologisch nur auf die G'a lut hs it u at io n » auf den Zionisnms nur kritisch. Allerdings wird man Maybaum riiekhaltlos zustimmen müssen, wenn er mit einer Klarheit und Tiefe wie wenige vor ihm (man darf an Nathan Birnbaum er- Innern) dem dionysischen Rausch von Horrah, Bund, Fahne und ihrem mythischer! Zauber die jüdische Wirklichkeit sowohl wie die jüdische Lehre entgcgenliiilt. In diesen Partien der Kritik liegt die Stärke der Maybaumschen Schriften. Auch dem von Maybaum verfochtenen Anliegen einer Planung und religiösen Betreuung der Diaspora-Wanderung wird der Zionismus beipflichten. Der Maybaumschen Theo- I o g i e der Diaspora hingegen wird man nicht ganz folgen können. Das In-der-Welt-Sein des Juden als die zentrale Maybaumsclie Formel gewinnt fiir ihn den dogmatischen Sinh: Jude-sein inmitten der Weltvölkcr, als ein Zei* eben Gottes, in die Welt gesetzt. Das In-der-Welt-Sein als jüdische Aufgabe heißt Im-Exil-Sei11. Für Maybauin ist die Judenfrage wesentlich die Frage an den Juden: Wie hat der Jude zur christlichen und heidnischen Weit zu stehen? Diese Frage könne nur in der Welt, d. h. in der Diaspora beantwortet werden. So lehnt Maybaum den Zionismus als den Versuch des Herausnehmens der jüdischen Glaubensfigur aus der Weltmitte ab. Man siebt, Maybaums religionsphänomenologische Methode: die Bestimmung des jüdischen Seinscharakters durch Strukturverglcichung mit Christentum und Heidentum, wirkt sich in dieser Zentralisierung des In-der-Welt-Seins aus. Weil für Maybaum der Jude vvesentlieh faßbar wird in seiner sich nach außen abzeichnenden Gestalt, muß er den Juden in der Welt belasten. Geht man jedoch vom Innerjiidisehen Seinsverständnis her an die Frage Palästina-Diaspora heran, so werden sich auch in dieser Frage die Perspektiven verschieben. Alter Glaube neuer Jugend? — Jude-In-der- Welt-sein interpretiert Maybaum schließlich auch als Existenz in je und je verschiedener Zeitepoche, Der Begriff des ״neu* zeitlichen Judentums“ spielt hier eine große Rolle und im Zusammenhang damit die Funktion, die das Judentum Deutschlands für das Judentum in der Welt geleistet hat. Es hat das ״stumme“ Judentum, wie es. ganz nach Innen gekehrt die alte Weisheit hütend, in der Tiefe der östlichen Massen lebt, ״sagbar“ gemacht. Es hat an die Stelle des natürliehen Traditionsprinzips das Moiiv des persönlichen lieberzeugen!, an die Stelle der alten Derascha die moderne Predigt, an die Stelle der mittelalterlichen Rcliglonsphilosophle und halachisclien Kodifizierung die wissenschaftlich unterbaute Interpretation gesetzt. Die zunehmende Verwestlichung auch des Ostens läßt diese Funktion als eine noch nicht zu Ende gelaufene, sondern noch vor großen weiteren Aufgaben stehende begreifen. Hier werden in der Tat die wichtigsten religions- und kulturßiidngogischcii Probleme unserer jüdischen Gegenwart berührt. Während etwa Nathan Birnbaum (dem Maybauin in manchem nahe steht) alles Heil vom Osten erwartete, wobei er allerdings eine methodische Schulung der östlichen Uenkriclitung empfahl, ist Maybaum ganz und gar im Banne der westlichen, speziell der im Judentum Deutschlands erzeugten, und zwar liberalen Interpretation des Judentums. Wenn er fordert, daß das neuzeitliche Judentum, wie schon einmal das pharisäische, sich der Weltkultur öffnen, aber ihr nicht erliegen dürfe, so ist dies gewiß eine ausgezeichnete Formel für die zu leistende Aufgabe. Aber Maybäum zeigt keine Wege zu diesem Ziel. Die brennenden Sachprobleme des Zusammenpralis von Tradition und neuzeitlichem Weltbild werden nicht einmal angedeutet. Der Verdacht besteht, daß für Maybaum der Sieg der Aufklärung im großen ganzen schon entschieden ist. Sagbarmachttng des Judentums bedeutet dann aber, um mit Leo St rau ß zu spredien, eine ״Verinnerlichung“ der Theologtunena, die gleichbedeutend ist mit ihrer Abstumpfung oder Aushöhlung. Die Aufgabe der Transformation der jüdischen Theologiesubstanz in neuzeitliches Bewußtsein, um deren Bewältigung Franz Rosenzweig unermüdlich rang, wird uns noch lange zu beschäftigen haben. Ihre Lösung hängt von der Kraft des Durchhaltenkönnens, des nicht zu frühen Abbrechens, hängt von dem Grad der Verantwortung und Bindung ab, die man dem alten Erbe gegenüber spürt. Hier wünschen wir Maybäum eine größere Freiheit von der allzu beruhigten religiös* liberalen Atmosphäre und eine stärkere Nähe zum Osten. Dr. Alexander A11 m a n n Die Torcyner-Bibel in einem Bande Nachdem vor kurzem die vierbändige Bibelübersetzung, die auf Veranlassung der Berliner Jüdischen Ge• me in de im Verlag J. Ka uff mann, Frankfurt s. M., herausgegeben worden ist und fiir die der Herausgeber, Prof, H, Torczyner, verantwortlich zeichnet, abgeschlossen werden konnte, hat sich nunmehr der Verlag dazu entschlossen, das Oesamtwerk in einer einbändigen Diinndruckausgabe herausztibringen, die sich zweifelte einen großen Freundeskreis erobern wird. Aut 1865 Seilen ist hier eine Uebersetzung des gesamten Alten Testaments geschaffen, die sich durch ihre Worttreue, durch ihre Lesbarkeit und durch den gelungenen Versuch der Erfassung auch des poetischen Gehalts der Bibel auszeichnet. Der Herausgeber bekennt in seinem Geleitwort, daß es nicht möglich sei, durch eine Uebersetzung an Inhalt, Sinn und Schönheit der Schrift vollkommen heran- Zufuhren. Aber jeder, der sich mit dieser Uebersetzung beschäftigt hat, wird doch zugestelien, daß hier eine gründliche und großartige Arbeit geleistet worden ist, die sich würdig den besten Arbeiten anreilit, die die Wissenschaft des Judentums in den hundert Jahren ihres Bestehens hervorgebracht hat. N. Bibelsdiätzung in Amerika Edgar J. Goodspeed, ״The Story 0! the BIble״. — Verlags The Unlversity Press ot Chicago 1937, Dieses Buch verfolgt die Absicht, Kenntnis und Verstlndnis des Alten und Neuen Testaments von der Textkritik her zu wecken. Der Verfasser geht die üblichen Wege der Bibel״ kritik — mit all ihren interessanten und wertvollen Auf- Schlüssen, aber auch mit all ihren Schwierigkeiten und Frag- Würdigkeiten. Das Alte Testament beginnt nach Ooodspeeds Ansicht der chronologischen Reihenfolge nach mit Amt», den er um 750 v. ansetzt. Das Deuteronomium verlegt er im wesentlichen In die Zelt Josias, während der Hexateuch etwa um 400 v. abgeschlossen sein 8011. Die einzelnen Kapitel sind 8ehr kurz und haben wohl weniger den Zweck einer wissenschaftlichen Darstellung als eines Leitfadens für den unkundigen Leser. So wird auf geisfesgeschichtliche Erörterungen verzichtet, die oft sehr nötig Für das Verständnis wären. Der Verfasser beschränkt «ich Im wesentlichen darauf, die mutmaßliche Entstehung(- zeit eines biblischen Buches sowie die Persönlichkeit seines Verfassers zu schildern. In jedem Falle aber ist dieses Buch ein Zeugnis für die Schätzung, die die Bibel in Amerika erfährt, N. U dIEVÖLLAßOMATISCHE ZlöARt f/E NATÜRLICH NIKOTINARM Tyui uM'AhvfCi'n p /3hic£u1Mhli£i± jMwßi m■ : , ,׳,

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