Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 56 (16.7.1937)
- Date
- 1937-07-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 56 16. VII. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Vor dem Zionisten-Kongreß (Freie Tribüne) Die Kongreßwahlen in der Tschechoslowakei Von unserem Korrespondenten Prag, 13. Juli Am 11. Juli fand in M.-Ostrau die Sitzung der Haupt- Wahlkommission statt, in der über die endgültige Verteilung der 12 auf die Tschechoslowakei enttallenden Mandate zum XX. Zionistenkongreß beschlossen wurde (zum letzten Kongrell 11;. Insgesamt haben bei diesen Wahlen 12 148 Schekel- Zahler ihr Wahlrecht ausgeübt gegenüber 17 620 zum letzten Kongreß (zirka 30 °ö weniger). Es erhielten Allg. Zionisten A 4202 (4470 zum letzten Kongreß), arb. Palästina 4331 (7108), Misrachi 2640 (4735), Judenstaatspartei 253 und Dr. E. Margulies 632 Stimmen. Zum letzten Kongreß kandidierten Juden- Staatspartei und Dr. Margtilics auf einer gemeinsamen Liste und erhielten 1208 Stimmen, diesmal 885. Bei der Mandatsverteilung erhielten: Liste f. d. arb. Erez Israel 5 Mandate (zum letzten Kongreß 5), Allg. Zionisten 4 (3) und Misrachi 3 (3); Judenstaatspartei und Dr. Margulies gingen leer aus. Es haben also die Allgemeinen Zionisten das zwölfte Mandat errungen. Der Erfolg der Allgemeinen Zionisten ist noch augenfälliger, wenn man die Wahlergebnisse miteinander vergleicht. Dem allgemeinen Wählcrruckgang müßte ein Stimmenrückgang von 30 0״ entsprechen. Die Allgemeinen Zionisten haben einen Stimmenrückgang von bloß 4,1 0׳״ zu verzeichnen, die Liste I. d. arb. Palästina 30,8 0 ״, Misrachi 44,5 0׳״, Judenstaatspariei und Dr. Margulies 26,0 »0. Der große Stimmenruckgang ist vor allem aut eine gewisse Depression des Zionismus im östlichen Teile der Tschecho- Slowakei, in Karpalhorußland und Ostslowakei zurückzuführen, wo es diesmal um 5000 ScheLelzahler weniger als zum letzten Kongreß gab. Rabbiner Freudenthal gestorben. In Nürnberg starb der langjährige Rabbiner der Israelitischen Kultusgemcinde, Dr. Max Freudenthal. Der Verstorbene, der lange Jahre stellvertretender Präsident des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und Vorsitzender der Bayerischen Rabbinerkonferenz gewesen ist, ist jüngst zum Ehrenmitglied im Rat des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden gewählt worden. Der Verband widmet dem Heimgegangenen einen von seinem Präsidenten, Obcrstlandesgerichtsrat i. R, Dr. Neumeyer Unterzeichneten Nachruf. Freudenthal hat sich besonders historischen Studien über die Geschichte der Juden in Bayern gewidmet. Der stellvertretende Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemdnde München, Justizrat Dr. Max Feuclitwanger, ist im Alter von 63 Jahren gestorben. Jusfizrat Feuclitwanger, der zu den tätigsten und beliebtesten Persönlichkeiten der Münchener Gemeinde gehörte, war Vorsitzender ihrer orthodoxen Fraktion. Vom Bayerischen Landesverband. Am 4. Juli fand die konstituierende Sitzung der auf Grund der Verfassung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemein den vom 21. März 1037 gewählten Körperschaften statt. Zum Präsidenten des aus 25 Mitgliedern bestehenden Rats wurde Oberstlandosgerichtsrat i. R. Dr. Alfred Neumeyer, zu stellvertretenden Präsidenten wurden Bezirksrabbiner L)r, Manöver (Wiirzburg) und Kommerzienrat Rosenzweig (Nürnberg) gewählt. Stellvertretender Schatzmaster ist Kommerzienrat Joseph (Landau Pfalz). Die Ehrennutgliedschaft des Rats mit Sitz und Stimme wurde den Herren Geh. Rat Professor Dr. Silberschmidt (München) und den! vor kurzem verstorbenen Rabb, Dr. F r e 11denthal (München) verlieben. Zum Vorsitzenden des aus 21 Mitgliedern bestehenden Landesansscliusses wurde Bankier Julius Wassermann (Bamberg), zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden Justizrat Dr. B I i 't 111 e (Kaiserslautern) und Kommerzienrat □reich linger (Neumarkt Oberpfalz) bestimmt. Im Mittelpunkt der Arbeit stand die Beratung über das Versorgttngswescn. Die Berichterstattung hatte Justizrat Dr. Ocst reich (München), Mit Wirkung vom 1. April 1937 sind Verband und Gemeinden aus dem Bayerisehen Versorgungsverband ausgeschieden. Die Durchführung der Versorgung obliegt nunmehr dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Neuer Vorsitzender des Oberrats der Israeliten Badens. In der Vollsitzung des Oberrats der Israeliten Badens vom 23. Juni teilte Professor Dr. Nathan Stein (Karlsruhe) seinen Entschluß mit, aus Gesundheitsrücksichten sein Amt als Mitglied und Vorsitzender des Oberrates niederzulegen. Er verband mit dieser Mitteilung die dringende Bitte, von jedem Versuch, ihn zu einer Acndcrttng dieses Entschlusses zu bewegen, abzusehen und ihm auch ״Nachrufe“ zu ersparen. Der Oberrat hielt sich für verpflichtet, den I a 1k, den er seinem langjährigen Vorsitzenden schuldet, zu einem kleinen Teil dadurch abzutragen, daß er seinen Wunsch und Willen achtet und ehrt. Auf einmütigen Vorschlag des Oberrates hat der Synodalausschuß den Präsidenten der letzten Synode, Friedrich A. Straus (Karlsruhe), zum Mitglied des Oberrales gewählt. Der Oberrat hat Herrn Friedrieh A. Straus zu seinem Vorsitzenden ernannt und ihn leichzeitig zum Mitglied des Rates bei der Reichsvertretung estellf. Ein Bildbericht über den XX. Zionistenkongreß. Wir erhalten folgende Mitteilung: Bereits wenige Tage nach Kongreßschluß erscheint eine Serie von 50—60 Diapositiven über Persönlichkeiten und Verlauf des Kongresses, umrahmt von neuesten Bildern aus der Tätigkeit des Keren Hajessod und Keren Kajemeth in Palästina und Diagrammen über den Stand der zionistischen Arbeit. Die Delegierten und Kongreßgäste erhalten damit ein hochaktuelles 11111strationsmaterla! für die Vorträge, die sie unmittelbar nach ihrer Rückkehr halten wollen. Da ein ausgearbeiteter Begleitvortrag mitgeliefert wird, wird die Lichtbilderserie sicherlieh auch von allen zionistischen Ortsgruppen und Ver* einen lebhaft begrüßt werden. (Es handelt sich um Film-Dia, 36 min, Vorführungsapparate sind heute hei jedem Photohändler leihweise zu haben), Preis des Bildbandes mul Vortrag, inkl. Porto EP 1, für Bezieher der Monatsschatt ״Palästina im Lichtbild“ 91 Piaster. Das Entree einer einzigett Veranstaltung deckt diese Unkosten. Bestellungen (nur gegen Voreinsendung oder Nachnahme) bis 25. August an den Pressedienst des XX. Zionistenkongresses, Zürich, später an Dr. E. Meehner, Tel Aviv, Nachlath Benjamin 57. "המוערה ה3רי, Nr. 9 der hebräischen pädagogischen Zeitschrift ist soeben erschienen. Ans dem Inhalt: ״Zum bevorstehenden Zionistenkongreß“; ״Die Zionistische Organ!- sation und die Kulturarbeit“ von B. Katznelson; ״Zu Bialiks Todestag“ von M. R.; ״Die Aussprache des Hebräischen und die Nikud-Frage“ (Erwiderung) von Sch. D. Jafffi; ״Zur Verbesserung der heb Gischen Aussprache“ von H. N. Toreziner; ״Das ,Was‘ und cLs ,Wozu‘ beim Unterricht der hebräischen Literatur“ (Programm-Vorschlag) von A. Urinowski; ״Unterricht der Gebete in der Schule“ von Dr. M. Salesky; ״Die Dichtung Schneurs“ (Zum 50. Geburtstag des Dichters) von Na'han Grünblatt. Das Heft ist vom Tarbuth-Dezernat der ZVfD., Berlin W15, Meinckestr. 10, zu beziehen. Sorgen der Nichtwähler Von Felix Isaak, Jerusalem Während man im allgemeinen, nicht mit Unrecht, annimmt, daß Nichtwähfen gleichbedeutend mit Uninteressiertheit sei, so ist es bei diesem Kongreß gerade umgekehrt. Die Nichtwähler sind ganz besonders an unseren wientigsten Fragen, an der zionistischen Bewegung interessiert. Es verlohnt, sich einmal in die Lage dieser Menschen zu versetzen. Der Kongreß: Seit zehn Jahren, ja noch länger, sieht man, mit geringen Ausnahmen, immer wieder dieselben Menschen auf unseren Kongressen. Es fehlt einmal der eine oder andere, aber neue Gesichter, mit neuen Ideen, Temperamenten finden sielt auf der Kotigreßtribiine nicht an. Ankauf Juwelen - Uhren vertu,״! SOM M ERFELD, Berlin W8, Leipziger Straße 113 Verfolgt man die Diskussionen der letzten Kongresse, so sind es dieselben Redner, die die Diskussionen — natürlieh auch die Referate — bestreiten, der Inhalt ihrer Reden ist fast derselbe, mit selbstverständlichen Varianten, bedingt durch die Veränderung der ״Ueberschriften“ der Hauptthemen. Auch die jüdische Welt verfolgt nicht etwa die Reden, Diskussionen und Beschlüsse mit gespanntem Interesse — das Interesse konzentriert sich um die Eröffnung und die Wahl der Exekutive. Die Exekutive: Ist es schließlich nach langen, oft tagelang dauernden Verhandlungen gelungen, eine mehr oder weniger ״breite“ Exekutive zu wählen — selbstverständlich nur für zwei Jahre, oder wie das letztemal für eine um noch einmal sechs Wochen geringere Zeit —, so stellt sich heraus, daß mit der Arbeit so schnell noch nicht angefangen werden kann. Erst Ende des bürgerlichen Jahres finden sich alle Exckutivinitglieder in Frcz Israel ein — sie waren noch auf Propagandareisen der Fonds, ihrer Parteien, zu Verhandlungen usw. Die neuen Ressortleiter bem>1infen dann eine Zeitspanne, um sich richtig in ihre Arbeitsgebiete hereinzufinden, und so finden wir uns schon wieder ein lalir vor dem nächsten Kongreß, das heißt die Schekelaktion beginnt bald, die Parteien benötigen die Exckutivinitglieder für ihre Arbeit. Wie wir wissen, beschäftigt sich die Exekutive im wesentlichen mit der politischen Arbeit, für alle anderen wichtigen Fragen wird nur selten und wenig Zeit gefunden. Wirtschaftsfragen, Schulfragen, Organisations- und Propagamlaprohlerne kommen nicht zu ihrem Recht. Wie oft ist schon der Vorschlag gemacht worden, die Exekutiven für einen größeren Zeitraum, drei, vier oder gar fünf fahre, zu wählen und demzufolge auch den Kongreß seltener zusammentreten zu lassen? Die Politik: Kurl Blumenfeld sagte kürzlich in einer kleinen Versammlung in lerttsalem: ״Bei uns ist man nicht mehr neugierig, man weiß doch alles schon vorher.“ Unsere Beschlüsse sind fast immer auch schon vor dem Kongreß bekannt; sie werden nicht nach der freien Meinung des Einzelnen, sondern nach dem Schema des Parteisystems gefaßt. Hier haben wir wieder einmal einen Beweis für die Notwendigkeit der Reform unseres Parlamentarismus. Beiläufig sei hier nur das englische Wahlsystem für unsere Körperschaften zur Diskussion gestellt. Gerade im Augenblick, wo man vermuten könnte, daß unsere wichtigsten Ent- Scheidungen nach der persönlichen Meinung des Einzelnen gefällt werden, wäre hier ein großer Versuch einer ״Reform unserer bürokratischen Maschine“ am Platze! Der Jischuw: Noch aut keinem der letzten Kongresse wurde genügend Zeit gefunden, um neben den politischen Komödie ״Monsieur Colin“ ״Monsieur Colm“ ist der Titel einer französischen Komödie von Marcel Blum. Es ist, genau besehen, ein historisches Schauspiel: die Dramatisierung einer Episode aus der Frühzeit der zionistischen Bewegung. Ein ähnlicher Vorfall hat sich vor etwa dreißig Jahren in Berlin ereignet; von Marcel Blum wurde er in ״eine französische Großstadt“, in die Gegenwart transponiert. Monsieur Cohn ist ein junger Rabbiner: ein Zionist. In Vertretung eines beurlaubten Kollegen erteilt er zehn- bis zwölfjährigen Jungen und Mädchen Religionsunterricht. Da gehört freilich die Geschichte des Zionismus, die Biographie Herzls nicht zum obligatorischen Pensum. Gleichwohl erzählt der Rabbiner den gespannt auf horchenden Kindern einiges davon. So beginnt der Konflikt. Indes illustrieren zwei andere Gcschehtrsse die Persönlichkeit Cohns: Jüdische Eltern wollen die antisemitischen Aeußcrungen eines Turnlehrers nicht widersnruchslos liinnelimen. Colin ersucht den Turn- Iehrer um eine Aussprache und erhält die Zusage, daß die Kinder in Zukunft nicht wieder gekränkt werden. Zweilens: Eine neue Rabbinats-Vakanz ist eingetreten. Colin bewirbt sich, der Gemeindevorstand stellt jedoch die Bedingung, Cohn möge jede zionistische Agitation unterlassen. In dieser allgemeinen Form weist der Zionist das Ansinnen zurück. Er könne nur versorechen, mit gebotenem Takt aufzutreten. Nach einigem Zögern beschließt der Vorstand mit großer Mehrheit, dem Kandidaten das Amt zu übertragen. Bald daran! soll eine Trauerfeier für einen verstorbenen Zionistenführer stattfinden. Als Redner wird Rabbiner Cohn angekiindigt. Der Gemei1ulevorsla>ul erhebt Einspruch, warnt den Rabbiner. Cohn entgegnet, daß es sielt nicht um Pronaganda handle, sondern um eine Gedenkrede aut einen Kameraden, dem er persönlich befreundet gewesen sei. Cohn spricht. Quittung des Gemeindevorstands: eine gepfefferte Rüge. Inzwischen hat sich ergeben, daß jener beurlaubte Religionslehrer nicht zuriiekkommt. Die Schulbehörde will die Stelle nunmehr fest mit Cohn besetzen. Fine Aussprache zwischen dem Schuldirektor und dem Rabbiner findet statt — sie wird zu einer langen Unterhaltung über die Jtidenfrnge. Der Direktor sagt, er wünsche, daß durch eine völlige Assimilation dem zunehmenden Antisemitismus die Grundlage entzogen werde. Der Zionist widerspricht: nicht die Assimilation, im Gegenteil, nur die Züchtung eines jüdischen Volkshcwußtscins, die zionistische Idee eben, könne die Judenfrage lösen. Die Unterhaltung wird zur Debatte. Der wohlmeinende Christ versteht den zionistischen Juden nicht; hört dessen Argumente mit solcher Leidenschaft vorgetragen zum erstenmal. In der Nacht grübelt der Direktor über den so begabten, sympathischen, aber auch so verbohrten Ideoiogen. Am nächsten Tag knüpft er über das nämliche Thema ein Gespräch mit einem anderen jüdischen Lehrer der Anstalt an. Dieser, ein überzeugter Assimilant, wittert Gefahren. Er bespricht die Angelegenheit mit zwei anderen, gleichgesinnten Juden. Eine Beschwerdeschrift wird verfaßt, dem Gemeinde- Vorstand zugeleitet. Disziplinarverfahren. Leidenschaftliche Fragen auch die wichtigsten Dinge des Jischuw und der Zionistischen Organisation zu behandeln. In Erez Israel spielen die Wirtschaftsfragen eine ernste Rolle. Jeder weiß, daß die Orangenwirtschaft eingehender Beratung bedarf, nicht anders steht es mit der einheimischen Industrie; die Arbeits- Beziehungen bedürfen einer endgültigen Regelung, das Schulwesen verlangt seit Jahren nach einer Klärung; unsere Beamtenpolitik, unsere Propaganda ttsw. usw. nicht weniger. Dasselbe Schauspiel, das wir während der zwei Jahre zwiselten Kongreß und Kongreß selten, wiederholt sich auf dem Kongreß selbst: Alles beschäftigt sich mit Politik, mit Politik und mit der Partei — die anderen Ressorts kommen daher nicht zur ArbeitsentfaiUmg. Werden die Dinge aber wirklich behandelt, so ist das Endergebnis: im besten Falle eine Unterkommission, meistens aber Vertagung. Die Finanzfragen, das A und Z unserer Kolonisationspolitik, finden nur insoweit Interesse, als es sich darum handelt, für die eigene Partei oder für angeschlossene Organisationen Budgets zu erhalten oder einige Menschen in die leitenden Stellen. Die Frage der zionistischen Fonds, unsere Beziehung zum privaten Kapital wird nicht mit dem notigen Ernst behandelt — und gerade hier liegen unsere lebenswichtigsten Interessen. Schekel und Organisation: Es fehlt die zionistische Bewegung und daher auch die zionistische Organlsatien. Ein Jahr — besser gesagt zwei Jahre — hört und sieht man in vielen Ländern nichts von zionistischer Organisation. (Nicht viel mehr etwa von der Jewislt Agency.) Plötzlich kommt dann die sogenannte Schekelaktion. Alts dem Schekel, der ein Bekenntnis zur Organisation bedeutete und erst in zweiter Linie das Recht zur Wahl elatstellte, ist heute ein Schekel des Stimmrechts für eine Partei geworden. Wie wäre es .sonst möglich, daß nur jedes zweite Jahr und dann nur mit Hilfe eines aufs äußerste angespannten Parteiapparates die Scltekelzalil beachtlich hoch ist, während sie in detl kongreüloseii Jahren verschwindend klein ist. Haben die Parteien ihren Sieg und ihre Mandate errungen, so ist der Schekel wieder in Vergessenheit geraten. Die Bewegung: Dem Zionismus und der Gruppe, die eigentlich immer einen wirklichen Zionismus, eine große einheitliche Organisation, nationale Disziplin auf ihre Fahne geschrieben hat, fehlt jetzt jede Aktivität. Man ist im Laufe der Zeit zu enter imlebendigen, mehr oder weniger großen Partei geworden. Man fällt ans verschiedenen Gründen, nicht zuletzt aus einem Gefühl der Abhängigkeit und Unfreiwilligkeit heraus keine klaren Fnts-'heidiingen (auch in anderen Gremien!). Und so sehen sielt viele der Menschen, die sich früher zt! eiten diesem Zionismus, zu eben dieser Gruppe bekannten, sic selten sieh verlassen und einsam und können sielt nicht entschließen, sich auf diesem Kongreß vertreten zu lassen, obwohl sie selbstverständlich den Schekel zahlten, den sie weiterhin als Bekenntnis zur Zionistischen Or* ganisation betrachten. Vielleicht ist gerade der obengenannte Kreis von Menschen der berufene, tun alle diese Fragen zur Diskussion zu stellen und ihre Lösung in Angriff zu nehmen. Eine lebendige Organisation, Zionismus mit ehrlichem Kampfe, sachlichem Kampfe zu schaffen -- besonders aber in Erez Israel, wo weniger als anderswo die zionistische Qrganisation und die zionistische Bewegung zn spüren sind. Für den XX. Kongreß sind die Hoffnungen nicht mehr groß. Jdzt aber können wir schon beginnen zu hotten, daß der XXI. Kongreß — und sei er erst in vier Jahren — eine neue Epoche eiuleiteu kann, daß er wieder ein Kongreß werde, wie der erste es war — daß hinter ihm eine große kraftvolle Bewegung stellt; daß er das Ohr der Welt, der jü* dischcn und nichtjiidischen, findet, einen jüdischen, zionistisehen Jischuw hinter sich hat — ein wirklicher Zionistenkongreß. Auseinandersetzung. Man legt Cohn nahe, zu kündigen, zu verreisen, vielleicht einige Monate in einem Sanatorium zimibnngeii — er sei doch sichtlich überarbeitet.^ Cohn lehnt den Opportunitätsweg ab. Er verlangt einen Spruch. Das Urteil wird gefallt: Cohn wird entlassen. Dies ist das Gerippe von Marcel Blums Schauspiel. Es endet nicht gerade tragisch; denn am Schluß wissen wir, daß Monsieur Cohn ebenso seinen Weg machen wird, wie noch immer, wenn es tun eine aufwärtsweisende Idee ging, die Charakterstärken Persönlichkeiten zuletzt gesiegt haben. Der Stoff und der Konflikt mögen für Paris von hoher Aktualität sein. Für uns steckt das Drama voller Reminiszenzen. Das Stück wurde in Lyon mit beachtlichem Erfolg uraufgefuhrt. Die avantgardistische Truppe Maurice Lefevre will das Stück, bevor es in der nämlichen Inszenierung und Besetzung, mit Rene Leroi in der Titelrolle, in Paris herauskonnttl. in der Provinz, aut einer Tournee .tusprobieren. -ro. Todesfall. Am 25. Juni verstarb im 62. Lebensjahr in Haifa, unmittelbar vor seiner Rückreise nach Deutschland, der Tierarzt Dr. Max Becher, Hannover, der zu der ältesten zionistischen Generation in Deutschland gehörte. Der Tod Dr. Bechers hinter!:! ßt eine empfindliche Lücke innerhalb des Hannoveraner Zionismus, wo er lange Jahre sowohl in der Ortsgruppe als auch im KJV. aktiv mitgearbeitet hat. Dr. Berber war ein herber Mensch, der sich anderen Menschen schwer erschloß. Aber jeder, der mit ihm zu tun hatte, empfand bald, daß hinter dieser Herbheit sich Güte, Hilfsbereitschaft und eine beispiellose Gradlinigkeit des Charakters verbargen. Er erzog seine Kinder von frühestcr Jugend an im zionistischen Geiste und war glücklich, sie in Erez Israel zu wissen, wohin er!luten mit seiner Gattin bald folgen wollte. Ein grausames Geschick hat es vorhindort, daß diese Absicht in Erfüllung gehen konnte. Alle, die ihn kannten, werden mit seiner Gattin und seinen Kindern sein Hinscheiden aufs tiefste betrauern. Offene Auslandss'ellen (zur Besetzung genehmigt durch das Landesarbeitsamt Brandenburg). Gesucht wird für Wirk- Warenfabrik (Rimdstiilile) ein jüdischer Rundstuhlme ist er, der in Kettensfüblen, wie auch Interlockmaschinen, gewandt ist. Ausführliche Bewerbungen auf Dünnpapier mit Zeugnisabschriften, Lebenslauf und Paßbild werden weitergeleitet durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW 19. Lindenstraßc 48—59. Juden und Jüdisches im Rundfunk Freitag, 16. Juli! B riissfl, 22,25: ״Pariser Leben‘‘ von OÜcnbarh.— Sonnabend. 17. Juli! Riga, 21.15: U. a. Mendelssohn und Korngold —י Wien, 16.35: Vera Schwarz singt. — Sonntag, 18. Juli! Prag, 16: L". a. aas ״Die Jüdin•‘ von Ilaldvy. — Suttens, 20.20: U. a. Mcntthin. — Montag, 19. Juli! Brüssel. 18.30: U. a. aus der ״Italienischen Symphonie“ von Mm lei01״m. — Dienstag, 20. Juli! Luxemburg, 13: Werke von Kreisler; 13.45: U. a. Kaddiseh von Ravel. — Beromünster, 21.15: ״Bacchustest.“ von Schnitzler.