Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 52 (2.7.1937)
- Date
- 1937-07-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52, 2. VII. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Kulturarbeit in Ungarn Eine ungarische Bibelübersetzung Von unserem Berichterstatter A. F, Budapest, Ende Juni Die letzte Juniwoche bedeutet für Ungarn Schulschluß, zugleich Jahresschluß für die meisten jüdischen Institutionen, deren Reihe vorige Woche die Rechenschaftsablegung der Pestcr Israelitische Gemeinde eiuleitete. Die Jahresversamm׳• lung der Isr. Ungarischen Literatur g.esell* schaft erhielt durch zwei Mitteilungen des Vorsitzenden, Direktor Adolf W crthcimer, eine weitreichende Bedeutung. Vorerst meldete der Jahres bericht, daß das große Werk der Monumenta H i s t o r i a e J u d a i c a, das im Jahre 1Q03 mit einem die jüdischen Denkmäler der ungarisehen Geschichte von 10U0 bis 1526 umfassenden Bande begönnen wurde, nunmehr mit einer Serie von drei Bänden (ca. 2100 Seiten), die die meist lateinischen und deutschen Dokumente aus den zwei Jahrhunderten 1540 bis 1740 enthält, zum vorläufigen Abschluß gelangt sei. Die Zusammen- Stellung der Quellenschriften aus dem Ungarischen Landesarchiv ist das Verdienst des hoch betagten Forschers Bürger- Schuldirektor Bernhard M a n d 1, der fetzte Band mit reichhaltigem Material aus den Preliburger Archiven wurde von Universitätsprofessor Dr. Franz Kavtits gesammelt und bearbeitet. Infolge der wissenschaftlichen Wichtigkeit dieser Edition wurde deren Herausgabe auch durch das Ungarische Kultusministerium sowie durch die Ungarische Akademie der Wissenschaft durch eine Subvention gefördert. Obwohl diese Unternehmung die materiellen Reserven der Gesellschaft vollständig erschöpft hat, meldete Direktor Werth ei m er als nächste Aufgabe die Herausgabe einer wissenschaftlichen ungarischen Bibelübersetzung samt hebräischem Text und Kommentar an, zu der die jüngste einbändige Bibclausgabe des englischen Chiefrabbis I. FI. Hertz die Grundlage bilden soll. Dieser, ein geborener Ungar, fördert die Pubiikation durch Uebcrlassting des Autorenrechtes, des hebräischen Satzes, sowie durch eine persönliche Spende; die ungarische Ausgabe wird unter Vorsitz des Seminarrektors Prof. Michael Guttniann von ersten Fachleuten redigiert werden. Ebenfalls unter Vorsitz Adolf Wertheimers tagte auch die Wissenschaftliche und künstlerische Vereinigung des Ungarischen Jüdischen Landesmiiscmn s. Im Laufe der Tagesordnung wurden die von Wilhelm Perlrot-Csaba geschaffenen Porträts Dr. Franz M e z e y s, des Begründers des Museums, sowie des gewesenen General- Sekretärs der Gemeinde, Dr. Julius Gabor, dessen grundlegendes Werk über die Institution des Reichsverweseis eben jetzt in politischen Kreisen viel erwähnt wird, unter feierlichen Aeußerlichkeiten enthüllt, Die Festrede hielt Hofrat S. Stern. Den Jahresbericht legte Direktor Dr. Emst Mank ä c s i vor. Religiös-liberale Konferenz Am 2. Juli wird iri Amsterdam eine Konferenz des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum eröffnet. Delegierte aus den Vereinigten Staaten, England, Deutschland, Schweden, Oesterreich, Frankreich und Holland werden an den Beratungen teiinehmen. Aus England kommen u. a. die ehrenamtliche Schriftführerin des Weltverbandes, Lily H. Montague, Rabbiner Dr. J. J. Mattuck und Rabbiner Leslie Edgar, aus Deutschland R.-A. Heinrich Stern, Prof. Dr. ismar E 1 b o g c n, der Vorsitzende des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Kammcrgerichisrat i. R. Leo W o 1 f f, die Rabbiner Dr. D i c 11 e 111 a 11 n, Dr. S e 1 i g in a n n, Dr. Salzberge r, Dr. Levy (Mainz), Dr. Hahn (Essen), Wolff (Dresden), Dr. S w arsensky und Dr. van der Z y 1 (Berlin), Konsul B e 11 d i x (Köln), der Vorsitzende der Religiös-Liberalen Vereinigung Breslau Dr. Staub und der Verbandssekretär der Vereinigung für das Religiös-Liberale Judentum Werner Simon, aus Frankreich Rabbiner Gcrmain Levy, aus Schweden Admiraliiätsrat Wolff und aus Amerika einö starke Ab- Ordnung unter der Führung von Dr. F. Levy. Die Tagung beginnt am Freitag mit einer Sitzung des Vorstandes. Im Anschluß daran tritt das Komitee über die Frage der Autorität im Religiösen unter dein Vorr—MAGISTER KIRSCH—, Der gute Likör Magister-Likörfabrik, München VII. In BsH’rn zu bezieh, durch die Weingroßhandlung Bernhard Brauer, BurgatraOe 3 / Ruf, 5143 40 sitz von Rabbiner Dr. Max Dienemann (Offenbach) zusammen. Der Gottesdienst findet in der Amsterdamer Liberalen Synagoge statt, die Predigt hält Rabbiner L>r. Mehler. Rabbiner Dr. Mattuck spricht bei einem Freitag-Abendgottesdienst im Haag. Die Predigt bei dem offiziellen Gottesdienst am Sonnabend hält Rabbiner Dr. Salzberger (Frankfurt a. M.). Am Nachmittag findet die offizielle Begrüßung der Delegierten und ein On cg Schabbat unter Leitung von Rabbiner Gcrmain Levy statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen am Sonntag steht eine Aussprache über tlas Thema ״O rganisierte Religion im h c u t i g en Le b c 11". Es sprechen Rabbiner Dr. Isserinan aus Amerika, Rabbiner Dr. Swarsenskv (Berlin) und Rabbiner Leslie Edgar (London). Den Vorsitz wird R.-A. Heinrich Stern (Berlin) führen. Einen Vortrag über das Thema ״Rembrandt, Amsterdam und die Juden“ hat R. J. Spitz-Amsterdam aiigekündigt. Stockholmer Notizen Von unserem Berichterstatter H. R. Stockholm, Ende Juni Wie seinerzeit in der ״Jüdischen Rundschau" berichtet, hat die Stockholmer Jüdische Cicmcinde eine Hilfsaktion für jüdische Auswanderer aus Deutschland durch (freiwillige) Selbstbesteuerung ihrer Mitglieder eingerichtet, welche ein befriedigendes finanzielles Resultat hatte. Jetzt, nach IV» Jahren, soll diese Aktion wiederholt werden. Die Sammhingen ergaben seit 1933 ca. 200 000 Kr. — Der seit 1033 in Stockholm amtierende amerikanische Gesandte Lawrence A. Steinhardt, ein Jude, verließ dieser Tage die schwedische Hauptstadt, um seinen neuen Ministerposteii in Lima (Peru) anzutreten. Minister Steinhardt und seine Gattin erfreuten sich in der Stockholmer Diplomatie größter Beliebtheit, und die gesamte Stockholmer Presse widmet ihm warme Abschiedsartikcl. — Prof. David K at z (früher Rostock), der vor ein paar Monaten an die Stockholmer Hochschule berufen wurde, erhielt die schwedische Staatsbürgerschaft, die Ausländer sonst erst nach 7—S Jahren Aufenthalt erlangen. — Im Alter von 72 Jahren verstarb Herr Simon Abers t e i 11, der langjährige erste Bibliothekar der Gotenburger Staatsbibliothek, der auch über ein reiches literarisch-jüdisclics Wissen verfügte. Jüdische Musiker in London London, Ende Juni Von den Klavierabenden der letzten Zeit nennen wir den der bekannten englisch-palästinensischen Pianistin •Sliula Don i ach. Am besten gelang ihr die Klaviersonate des Holländers Henk Bading, ein modernes, linear gearbeitetes Werk, die Frau Doniach mit intelligenter Phrasierung, Plastik im architektonischen Aufbau und scharfem Sinn für die großen psychischen Spannungsunterschiede dieser Musik hier erstmalig zu Gehör brachte. — Brillante Technik und ein feines Ohr für subtilste Klangschaftierungen, die leider nur zu oft Selbstzweck und daher äußerlich blieben, kcnnzcichneten das Spiel des stark begabten Sluira Cerkassky. — Die jüdisch-amerikanische Geigerin Lea Luboshutz debiitierte hier mit einem S matenabend (Vivaldi, Respighi, Bach, Brahms), der bemerk nswerte technische wie musikalische Qualitäten erkennen ließ, die allerdings sich noch im ״Wachstumstadium“ befinden. Der ausgezeichnete Pianist Josef Lhevine war ihr ein verständnisvoller, wenn auch manchmal zu selbständiger Begleiter. — Lotte Schöne als Liederm ALLIGATOR _ ' ׳׳ *.'■־ty£ •f.■ - ■•}׳<! V •' .־- ־ ,־ ־, ו AllhlAKW UNSERE VE R KAU F S G ES C H Ä FTE: Berlin, Tauentzienstraßc 16 Hamburg, Jungfornstiog 43 Köln 0, Rh., Hohe Straß«'115 Essen, LimheckorstrnBe 10 W u p p <• r i a 1 - E l b e r ( Essen, Am HauptbmmhoflO Hoch u m , Kortumstrnße 67 Frankfurt-M., RoUmarkt 15 Zentrale: Offenbach a. M, cl<|, Herro^slraße 36 interpretin zu hören, ist stets ein künstlerischer Genuß. Wenn sie diesmal stimmlich nicht so befriedigte, wie man es sonst bei ihr gewohnt ist, so entschädigte jedoch ihr imvergleichliebes Gestalten und Erfassen lyrischer Tonpoesie, wie sich dies am schönsten in der Sciuunanngruppe zeigen konnte. Mit großem Erfolg, sowohl als Sängerin wie* Darstellerin, ist Irene Eisinger wieder in der Mozartoper in Giyndcbonrne tätig, wo sic die Partie der ״Despina“ in ״Cosi faii tutte“ und das ״Blondchen“ in der ,.Entführung aus dem Serail" singt. Ein Kon/eit mit Kamnieiorehester, veranstaltet von der durch Sliula Doniach ins Leben gerufenen Friends ot Miisic brachte unter der umsichtigen, aber noch unfreien Stabführung von Henry Joachim eine Anzahl interessanter historischer und niodenier Werke. - Bruno Walter dirigierte mit dem Orchester der Wiener Philharmoniker zwei Konzerte, die einen Glanzpunkt in der an großen musikalischen Ereignissen wahrlich nicht armen ״Music season“ darstelllen. Solist am ersten Abend war Arthur Schnabel, der in großartiger Konzeption Beethovens Klavierkonzert in Es-Dur spielte. Dr. M, Carner Kurt Walter Goldscliinidt federt am '2. Juli seinen 60. Geburlstag. In seiner Jugend hat er wohl au damaligen Parteikämpfen teilgcnoiuiiicii und;null einmal die Barrikade bestiegen; er kämpfte für Ibsen und vertrat seinen Standpunkt in einer ״Kritik der Moderne‘. Dann ist immer weniger Kameradschaft und Naehbarsehaft um ihn gewesen und er hat eine gewisse Einsamkeit nicht als 1 rost im Verzicht, sondern als schicksalhaft( Bestimmung auf sich genommen. Die Vereinsamung war mehr Böige von Einseitigkeit, sondem vielmehr von einer Vielseitigkeit, die dieser reiche, weiche, aber ausdauernde Geist sich Vorbehalten hat. Eine ״unmüde Seele״ nannte ihn Max Brod an seinem 50. Geburtstag, und andere feierten den so selten gewordenen metaphysischen Trieb eines kosmischen Sehers. Sein innerstes Positivum ist die Unabkissigkeit der Frage, die trotz allem Pessimismus süße 1 rreguiu; am Wunder des Daseins, das die gottälinlieiiste und gebrechlichste Kreatur dauern läßt; Herr, was ist der Mensch, daß du sein gedenkest? — Dieses Psalmcinvort hat er mit vielen Umschreibungen nachgesprochen. Goldschmidt ist Philosoph, Essayist, Kritiker und Dichter, und wenn man ihm durchaus einen Titel geben will, so hat er den vielverrufenen eines Literaten nicht ohne Stolz aut sich genommen. Seitdem es die Existenzialphilo- Sophie gibt, ist der Bruderstreit von Geist und Leben schon zu einem fast verbrauchten Schlagwort geworden. Wer wie GoMsplnuidt die unzerlegbare Fülle des Menschlichen erfühlt, wird schwer zu etikettieren sein, und er wird sich nicht kränken, wenn man ihn unter die Gedankcndiciiter odet־ Dichterphiiosophen versetzt. Das waren im höheren Sinne Schopenhauer und Nietzsche auch, die Goldschmidt leidenschaftlich durchlebt hat, und die der Vielbelesene und Vielbelehrte in ihrer alten Verwandtschaft mit Plato und Buddha erkennt. Litt das Europa des 10. Jahrhunderts an Intellektualisnius und Kausalitätskult, so dämmerte auch wieder das Licht aus dem Orient, das einer noch nicht verspäteten Weisheit, die Wrltbejalmng und Weltverneinung umfaßt. Beides hat Raum in der menschlichen Seele, und wenn man aus dem so stillen wie selbstsicheren Schaffen von Gold- Schmidt eine ״Quinte-■-:(•uz״ ziehen will, wie er selbst ein Werk genannt hat, so ist es der Besitz am ״süßesten Seelensaft des Alls״. Wer davon geschmeckt hat, bleibt sei« Kind. Arthur Eloessef sie als unbarmherzig feindliche Masse um ihn herum. ״Dieb, Dieb, Dieb!“ — sie hörten nicht auf, sie wußten kein anderes Wort als dieses. Auch sein Name verschwand aus dem Geschrei. Nur dieses eine Wort Dieb verdutzendfaclite, verhundertfachte sich. Da drehte er sich jäh um, fing nn zu laufen, die Kinder und ihr Dieb-Geschrei hinter ihm 11er, und stürmte schließlich, die Kleinen rasch hinter sich lassend, aus (lein Bereich der Siedlung davon. Triumphierend kehrten die Kinder, wie nach einem Sieg, zu ihren Spielen zurück. Aber diesen ganzen Tag kehrten sie auch von Zeit zu Zeit aus ihren Spielen zu ihrer ״Tat“ zurück und schrien plötzlich wieder: ״Dieb, Dieb, Dieb!“ Die Kinder hatten damit in der Affäre Mahomed die l'iilirimg an sich gerissen. Die Erwachsenen schämten sich ein bißchen vor ihnen und gingen gedrückt oder auch erleichtert über die Lösung des scheinbar unlösbaren Falles herum. Teils ärgerten sie sich über die Kleinen, teils waren sie stolz auf sie. Teils erschraken sie vor der Unbarmherzigkeit, teils bewunderten sie das eindeutige moralische Verdikt der Kinder. Nun war Mahomed wirklich ein erledigter Fall. Etwa eine Woche nach Mahomeds Austreibung wurde ein furchtbarer Einbruch in die Siedlung verübt. Den Dieben fielen Nahrungsmittel in bedeutender Menge, Ilandwerkszeuge und Geräte, darunter ein halbes Dutzend Pflugscharen, in die Hände. Entsetzen legte sich über die Siedlung — Entsetzen, das sich aus Schmerz, Wut, Haß, Beschämung und maßloser Enttäuschung mischte. Einige waren dafür, auf der stelle zn Mahomed zu eilen, um ihm die Beute oder wenigstens einen Teil davon wieder abzujagen. Gegen diesen Plan aber sprach der Umstand, daß es als ausgeschlossen 3!־scheinen mußte, daß er die Tat allein ausgeführt habe. Trotz seiner Bärenstärke konnte er eine solche Beute nur mit Hilfe von Spießgesellen davongetragen haben. Diese Meinung und alle anderen Begleit :umstünde der Tat sowie die Zahl und Art des gestohlenen Gutes teilte man telephonisch der Polizei mit. Der nunmehr schon angestammte Polizist Hugo zeigte sich am Telephon selbst erschüttert; er versprach, sofort in Aktion zu treten, um die Siedlung, wenn möglich, vor allzu großem Verlust zu bewahren. Schon am nächsten Tag erschien ein ander«• Polizeibcamter mit zwei Arabern lind brachte die ganze Beute, ohne daß auch nur ein StückeFicn fehlte, wieder zurück. Er berichtete auch, daß Mahomed und ein Freund von ihm, namens Ali, verhaftet: seien. Nach wieder zwei Tagen erschienen Mahomed und Ali, beide schwer gefesselt, in Begleitung der beiden Poüzeibcamten in der Siedlung. Es war eine traurige Eskorte. Mahomed sah nicht links und nicht rechts, trug den Kopf gesenkt und tat so, als ob er diese Siedlung und ihre Leute nie in seinem Leben gesehen hätte. Aber auch der ״Analytiker“ Hugo benahm sich nicht viel anders. Ali war ein kleiner zäher Bursche, an dem man schon von weitem die echte Dicbsphvsiognomie erkannte. Der zweite Polizeimann war ein Kriminalfnchmnnn, einer von denen, die da glauben, sie könnten in dem einen Delikt, das vorlag, zugleich alle Delikte der Welt und die ganze Unzulünglichkeit der Menschheit ausforschen und entlarven. Er paßte mehr zu dem hartgesottenen Ali als zu dem verschleierten Bild Mahomeds. Es fand also das statt, was man einen Lokaltermin nennt. Die beiden Verbrecher sollten ihre Tat nochmals ausführen, um der Polizei und den Geriehtsaklen ein lcbcnsgetreues Bild davon zu liefern. Die Siedler hielten sich zwar in gemessener Entfernung, waren aber doch neugierig und schließlich ja auch interessiert genug an der Sache, um wenigstens vom ״Stehparterre“ aus dem Schauspiel zu folgen. Bei diesem rissen Ä1 i und der neue Polizist die tragenden Rollen an sich. Jener dnnmftc vor Eifer, und dieser konnte gar nicht genug Einzelheiten und Situationspläne zu Papier bringen. Ali spielte (len Verführten und Gehilfen Mahomeds. Er wollte nichts als der Handlanger gewesen sein, nichts als der kleine, schwache Mann, der von dem Riesen Mahomed gezwungen worden ist, dabei zu sein und mitzumachen. Daß man in seiner Hiitfe das ganze Diebsgut gefunden hatte, führte er auf einen Macbtspnieh Mobnmeds zurück, der ihn gezwungen habe, die Beute hei sieh in Sicherheit zu bringen. Mahomed sagte zu allem Ja und Amen. Jeder Versuch Hugos, ihn zum Sprechen zu bringen, das heißt: dazu, sich zu vcrtcidi״cn, scheiterte. Mahomed sprach nur das Nötigste, er gab nichts zu und leugnete nichts ah. Er war eben doch Mahomed, das ״Phänomen“, und wurde jetzt zur Sensation. Langsam rückten die Chawerim näher an das Lokaltermins-Schauspiel heran. Allmählich begannen sie sogar Mohamed anzusprechen und ihn mit Fragen zu bedrängen. Sie batten damit keinen anderen Erfolg, als daß hie und da das alte Lächeln über sein Gesiebt huschle. Der Termin dauerte, dank dem Eifer der zwei ״Neuen“, stundenlang. Schließlich waren alle matt und verbraucht von der kriminalistischen Strapaze. So konnte man die Eskorte nicht fortlassen. Der Kwuznh-Eeiter lud zu einem Gins Tee ein. Darüber freuten sich alle. Wer konnte, nämlich wen die Arbeit: nicht fernhielt, folgte der Einladung. Alle hofften insgeheim, daß Mahomed noch auftauen würde. So stumm und sö offenbar über alte tatsächliche Schuld hinaus von Ali belastet, konnte er doch nicht in der Versenkung, nämlich ins Haus von Akko, verschwinden. Denn natürlich erstreckte sieh die F.in- Indung zum Tee auch auf die beiden Delinquenten. Sie waren ja auch Menschen und also durstig und hungrig. Man nahm ihnen sogar die Fesseln ab. Es schmeckte allen ausgezeichnet. Die Stimmung freilich' ließ etwas zu wünschen übrig. Das Rätsel Mahomed lastete auf den meist en. Br selbst grill' tüchtig zu und fühlte sich anscheinend in alle /.eiten zurückversetzt. Dies und die andere Tatsache, daß sieh der Tischgesellschaft eine gewisse Feierlichkeit bemächtigt haue, wie sie eben bei einem Ab* sebiedsmahl sieh emz.nstellen pflegt, ermutigte den Leiter der Kwuzah, ein paar von Herzen kommende Worte an Ma* homed zu richten: wie er es fertig bringe, seine Freunde immer wieder zu bestehlen, ob er sieh, denn der darin liegen* den Sünde nicht hewußi sei und (lergleiehen mehl*. Da f'uln• .Malio.ued, wie jäh ans einem Schlaf gerissen! auf, schlug gleich einem ungezogenen Kind mit beiden Hän* den auf den Tisch und holte — o Wunder, o Sensation! — zu einer Rede aus: Jawohl, er habe gestohlen und werdgf immer wieder stehlen, trotz Wachen und dem Haus zu Akko! wenn man ihm nicht, wie cs recht und billig sei, in der Kwuzah eine Anstellung gehe. Er sei doch der geborene Wächter, der alle Schliche und Kunststücke der Diebe kenne! das habe er doch bewiesen, und was anderes, als daß man ihn zum Wächter machen müsse, habe er durch seine Dieb* stähle auch gar nicht bezweckt und beweisen wollen. Alsö solle man doch endlich ein Einsehen hüben und ihn dorthin( stellen, wohin er gehöre! Mahomed hatte ja nur eia kleines Publikum, zu dem er sprach. Und was er sagte, war vielleicht sogar mehr ge* stammelt als gesprochen. Trotzdem darf die Behauptung gewagt werden, daß selten ein Redner einen derart durch* schlagenden Erfolg gehabt hat wie Mahomed. Nun schlugen alle auf den 'Fisch, alle trampelten, olle waren wahrhaft glücklich — geradezu wie nach einer Offenbarung. Der ״Analytiker“ vollends strahlte. Aber Mahomed war noch nicht zu Ende. Nun end* lieh machte er seine Aussagen über den letzten Diebstahl. Der Lokaltermin mußte von neuem aufgenommen werden. Iß der Rekonstruktion der nächtlichen Vorgänge des Einbruchs übertraf er sieh seihst. Die Lügen des Ali stellte er richtig. Ja, er halte den kleinen Spitzbuben veranlaßt, mit ihm das Ding zu drehen, aber ob man denn glaube, daß er jetzt und nticb früher die Beute nicht besser habe verstecken und rascher verschwinden lassen können, wenn er gewollt hätte, wenn er nicht Wächter hätte werden wollen. Aber man hohe ihn ja nicht verstanden! Ach, nun lachte er wieder, und alle lachten mit ihm. Diesmal war es nur ein Schau- und Deuionstrationsdiebstahl. Lieber die beiden anderen breitete man den Mantel der Nächstenliebe, das Licht des Verstehens und den Schleier des Vergessen*. Und Mahomed, der Dieb, wurde Wächter in der Kwuzah. Ein großartiger Wächter — denn er war ja ein gelernter Dieb ... arm, aber ehrlich! ENDE