Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 26 (1.4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653650--30532-2685086- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Menahem E. Yaari 8× ep/1010738
- Kurt Wiese 4× ep/1042887
- Leo Hirsch 4× ep/1706939
- Aleppo 2× ep/1047811
- Carl Gebhardt 2× ep/1023445
- Gerhart Hauptmann 2× ep/1025102
- Jakob Guttmann 2× ep/1002562
- Maimonides 2× ep/1002614
- Meier Spanier 2× ep/1024317
- Riga 2× ep/1000826
- Rudolf Frank 2× ep/1026059
- Safed 2× ep/1046078
- Selm 2× ep/1045700
OCR text
tili:*« r f ** Ii* 1 * * i. i *; et: ■1; «:1 i ' : 1*1^' 1 i *. ■ i 111*« f i >. i!' i ,.i t " M*> i' t II'' i < r!,{• \> vf'n; •V » ' ' Seite 16 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 26, 1. IV. 1937 Natur und Heimat Neue Cctliditc von A. N. Stemel Der jiddische Lyriker A. N. Stengel hat zwei neue Bündchen seiner Gedichte herausgegeben, in denen die beiden Sphären seines Dichtens und Trachtens jn teilweise sehr feinen Bildern cingefangen sind. „Zwischen Himmel und Erd" (bei Rubin Mai), Charlotteuburg 1) ist dem Berliner Tiergarten gewidmet und enthält eine Lulle schwermütiger und ncitcr-zärtlicher, idyllischer und romantischer Impressionen, „Vun der Heim" ist fast ein llpos der von volkstümlichem Gefühl und aufsprudelndem Mutterwitz erfüllten chassidischen Vorstellungswelt, dem ein Muttergedicht voller Heimweh voranstellt: Schick mir, Mutter, dein T'chinuc-Büchlcin .... Man kann das leider im Deutschen nicht recht wiedergehen, wie dies T'chiuncbüchlein und dahinter die Mutter und dahinter die ganze Mütterlichkeit dieses Büchleins mit seiner Abgegriffenheit und seinen bezeichneten Seiten, diese ganze Mütterlichkeit voller Tränen, mit dein ausgeweinten Gesicht und den eingefallenen Wangen lebendig wird, denn im Deutschen gibt's nur Lippen und kein Diminutiv davon, nur Eselsohren und keine „Kueitscheu" und nur eben Väter und keinen „Taten", und nur Mütter und keine „Mamme". Und darum mag man Sten/els Stimmungsfähigkeit und Tonfall und ursprüngliches Gefühl hier aus der Transkription des Originals ablesen: Si In ,. n r, M , m . Villi ii i .1.!' t M ui Pi tiiiuiele, Inn n ie rviiinnele >nim, ncr früheren Periode Stenzels, 'rilielS. u des < iefiilils und des :>ru) geiuuden. Seine Art zu geworden, im Tiergarten hört ,oi!i»pen", die Bäume „reißen I Ingeln aus dem Asphalt",;cKung und viel Himmel unc r das Ganze hin. Der Reiz rer, mau muH wohl sagen: Dies Gedii ht eut-.t,iiitmt ei mittlerweile hat er aus dem '/.< Ausdrucks mehr zur ic-.ten I sehen ist agencr und iira/i^cr und sieht er Kindel laciu-n „au! sieh wie Vi .gel mit gvoSfitrtci und ein VolUlirdbaiu h im! Vo Kinderwiegeniefraiiis weilt übe dieser Naturbrik steckt in i! jüdischen Subjektiv it.it. 1 IcnientarcrM lieinungeu, Pflanzen und Tiere werden nicht „an sich" (wie etwa am objektivsten von Goethe und Stifter), sondern, wie von Heine, subjektiv in ihrer augenblicklichen Beziehung /um Dichter erfaßt: der Rosen/aun im Rosengarten erscheint als „Stacheldraht, ge- , die Sonne geht so rot auf, wie wenn zerrissen id werdeil 'eil / Lud I Dichteis fa: liegen auf auch in d Tauben t1 floebtrner, verblutigti eine Mutter von So könr en wegfliegen ich iann ni.Tit wegfüej sie". Das Gefühl de, verscnniiupelieii Blatter mel", und doch treten schiedeiiartigen Wc-vn, Birken, Erlen, Liehen mit scliarfge/cichneten, eigenen Umrissen vor unser Auge. Und was könnte natürlicher sein, \\s daß eine herbstliche Stimmung vorherrscht: wirü; uie Schwalben, „die heimkehren im Mai; Ich — kann nicht henikehren wie rbt jedes Bild: die gelben dem Wasser „wie Sehimeser Beleuchtung die ver- Möwen, Schwalben, Buchen, H. Die Um die :,ebw, ÜiUnie, di!'1 ne KirN-h lieonii, Seictie Beider, Mit A'.c Selm Km T, rkl« Iii. I,. Keil' lh,d Mit Wo' Sl.! Ii iigeiidwt) vcikojchen,;e ah/.uvi'arWn. V'cjji: iniil, neue ('enlaltv a. iligen kiekeii. '/.eiüeit! binden, ie an den Wunden, iiu kr zu .sagen. ■'14 e Weg!"«« zwei da-. leU.te Ach. lurau, au,ä dem .-.chwrirn Cirau fre< oeii, i'.eru iitkien Augen. Fast erscheint die chassidische Welt in „Vun der Heim" uns natürlicher als diese so vielfarbige Natur. Wenn das Pferdchen auf dem Lebmweg bergauf, mit allen Kräften ziehend doch atemais stehen bleibt, der Baalschem sich mit schwerer, breiter Schuller unter den Wagen klemmt und endlich oben abgerackert ankommt, lieg! das Städte! elngebuckelt unten vor seinen Augen, als läge es auf seiner breiten, bewachsenen Hand, um! wenn er betet, so ists ein Mann mit einem Hcrdtin-n am Lehmweg begauf, der betet, und: „Gott, t doch über un-cren Köpfen!" Solche ''eich ins Gemüt. Und wenn der Dublier he-tes Stück -- eines winterlichen Freli Städte! kommt, hereingeschneit mitten!. „mit feierdige Rabbcinti Bechajes, mit mit feurigen Talmudversen, mit g, diese heiligen Sätze also vordie Karo-.se, ins Städtchen hereinn deine l'eifst'lic ) Bilder gehen eint Maggid — Sten/els tagnaehmittags in « auf den kaben Mar zwei i'sttkim nasel zwei Abschnitten v gespannt wie l'fertl fährt nnil sfrsg/i-id Zaum/eil'» von Si'bi Auren. So ein und du wirst, \v bil'iciicn Ibilimi quetschen, aber dann fangt alles sprudelnde .Marc den eilenden 1 Maggid I Pitz! Zitaten. Versen, Worten«!, wie sonst .Tin funkelts ring-um von glänzenden ilt" ist Inrter als ein Kupferpfennig, ii auch hin und her knetest, nicht ein für einen Schabheskuggel hcrausder Duhncr Maggill so hereinfährt, leben und ist verzaubert, eine glanzlenwelt, und selbst der Schnee knirscht unter üben: Der Dublier Maggid! Der Hubner Leo Hirsch Absein du i' i hinab wenn an /u Gerhart Hauptmann-Jahrbuch. Herausgeg. von Felix Voigt, Breslau. I. Bd. — Maruschke Berendt Verlag, Breslau. Dieses Jahrbuch, das zum bevorstehenden 75. Geburtstag von Gerhart Hauptmann zum erstenmal erscheint, hätte unter anderen Umständen sicherlich auch jüdische Mitarbeiter Rehabt. Ein Blick in die 15 Seiten umfassende Bibliographie, die außer Hauptmanns Schriften auch Veröffentlichungen über Hauptmann seit 1<)32 registriert, zeigt das; obwohl die Periode von der Entdeckung Hauptmanns zur Zeit der „Freien Bühne" (in der Otto Brajtm, S. Fischer u. a. eine entscheidende Rolle spielten) bis 1032 nicht behandelt wird, finden wir noch so manchen jüdischen Namen. Das Jahrbuch selbst enthält Bruchstücke von Hauptmann selbst und eine Reihe interessanter Arbeiten zu einzelnen seiner Werke. Unter den Mitherausgebern sind auch ausländische Gelehrte, Mirko Breyer: „Südslawische Rara und Rarlssima". — Herbert Rcichner Verlag, Wien 1037. Für den Liebhaber alter und seltener Drucke wird diese kleine Schrift eine Quelle reiner Freude sein. Mit 37 schönen Abbildungen .luspcstattet, gibt sie einen Ueberhlick über den Weg des südslawischen Buchdrucks, der bis in seine venezianischen Anfänge vor rund 430 Jahren zurückverfolgt wird. Eines der ersten Volksbücher (1521) behandelte die Geschichte der Judith und des Holoferncs, ein Versepos des Dichters Marulic aus Spalato. Manche kulturellen Streiflichter ergeben sich aus der Arbeit; so etwa erfahren wir aus einer Anmerkung etwas übe, den sehr unbekannten Jüdische« Humanisten Didacus Pyrrhus aus Evora (Portugal), der tt. a. der Lehrer Tassos war. —nn. Erzählende Literatur Lotte Lehmann: Orplid, mein Land. — Eierbert Reichner Verlag, Wien. Dieser über zwei Kontinente reichende Künstlerroman, in deren Mittelpunkt zwei Tänzerinnen stehen (und In dem auch Juden im Kunstbetrieb gelegentlich auftreten), wird hauptsächlich wegen seiner Verfasserin, der berühmten Sängerin, interessieren. Die Lehmann singt herrlich, sie schreibt spannend. Erich Pfeifer-Beils Sylvia. — Ernst Rowohlt, Berlin. Die Liebe eines Vierzehnjährigen aus reichem Haus zu einem 12jährigen Proletariermädchen wird hier geschildert — für eine Weile überbrückt Kinderfreundscliatt die Kluft der Herkunft. Ein fein empfundenes Büchlein, das auch unserelnen nachdenklich machen kann. Katherinc Mansflcld: Für sechs Pence Erziehung und andere Geschichten. — Herbert Rcichner Verlag, Wien. Katherinc Mausfield ist eine jener seelenvollen Frauen, die nicht nur die Welt lieben, sondern auch an ihr leiden. „Wessen Schuld ist es" — so schreibt sie in ihren bezaubernden Briefen (englisch im Albatros-Verlag) — „daß wir so isoliert sind, daß wir kein reales Leben haben, daß alles außer Schreiben und Lesen als Zeitvergeudung empfunden wird?" Dieses Gefühl der Sehnsucht und Enttäuschung spricht auch aus ihren Erzählungen, die oft ins Traumhafte hinüberspielen und sonderbar ans Herz greifen. Eine wahre Dichterin und ein echter Mensch hat sie geschrieben. Joe Lederer: Blumen für Cornelia. — Zeitbild-Verlag.Wien 1930. Trotz der Alltäglichkeit des Rontanthemas — eine alternde Frau erlebt ihre letzte grolle Liebe auf einer Schiffsreise von Marseille nach Stockholm, alle Freuden und Leiden der Liebe werden von ihr und ihrem Geliebten, einem viel jüngeren Musiker, durchkostet, bis das Schicksal sie trennt, so daß sie verzichtet und ihn allein läßt — ist die scheinbare Alltäglichkeit so gestaltet, daß man dieses Thema ganz, neu sieht. Eine eigenartige Atmosphäre schwebt über diesem Buch; ausgezeichnet die Naturscnilderungen und die Erfassung von Menschen und Dingen. —chs. Ein Buch für fange Menschen Elisabeth Foreroan Lewis: Ho Ming — Eine kleine Chinesin studiert. Aus dem Englischen übersetzt von Karl H. Coudenhovc. Mit Zeichnungen von Kurt Wiese. Verlag Anton Pustet, Leipzig. Elisabeth Forcman Lewds, Amerikanerin, Verfasserin des Buches „Jung Fee wird Kupferschmied", das mit der John Newbcry-Mcdaille ausgezeichnet worden ist, hat wieder ein besonders schönes Jugendbuch geschrieben, die Erlebnisse der kleinen Chinesin Ho Ming. Man liest in , diesem Buch mit Immer wachsender Spannung, so weiß die Dichterin die chinesische Welt zu gestalten und den Leser in Atem zu halten. Man erlebt dieses weite, fremde Land, seine Landschaft, seine Menschen, und ist der Sprache des Buches ganz hingegeben. Das Schicksal des Chincsenmädchena Ho Ming unterscheidet sich insofern von dem anderer Chinesinnen aus ihrem Stand, als sie, obwohl eine Bauerntochter, in die Schule geht, um später zum Studium der Medizin zu kommen. Ausgezeichnet, wie Elisabeth Foremant Lewis es verstellt, in den Geist, und man könnte auch sagen, in die feinsten Verzweigungen der chinesischen Gedankenwelt einzudringen und eine Resonanz vollsten Begreifens bei dem Leser auszulösen. Dazu kommen noch die bezaubernden Zeichnungen von Kurt Wiese, so daß dieses Buch eh vollendetes Kunstwerk ist und sicherlich von der Jugend wie auch von Erwachsenen sehr geliebt und gern gelesen werden wird. Ch. F, Bibliographie der hebräischen Drucke im Orient Es ist eine nicht beabsichtigte und doch sehr wichtige Folge der Neubesiedlung Palästinas, daß die Geschichte der orientalischen Juden aus dem Dunkel ans Licht gebracht wurde. Dank der Verschiebung des Schwergewichts unserer nationalen Existenz nach Asien, dank der lÜbersiedlung zahlreicher jüdischer Gelehrter nach Palästina, und nicht zum mindesten dank dem Anwachsen der Zahl orientalischer luden, die sich jetzt in Palästina befinden, hat sich das Interesse der Forschung in den letzten Jahren diesen Judengemeinden und ihrer Geschichte zugewendet. Nunmehr ist von der jüdischen National - und Universitäts-Bibliothek ein wichtiges bibliographisches Werk herausgegeben worden, das die Geschichte des hebräischen Druckes in den orientalischen Ländern verfolgt: „Ha- Defus Ha-iwri be-Arzoth ha-Misrach". Verfasser des Buches ist Abraham Y a a r i, bekannt durch zahlreiche bibliographische Arbeiten, dessen erstes, vor etwa einem Jahrzehnt mit Dozenten Üinaburg zusammen herausgegebenes bibliographisches Werk (eine Zusammenstellung der Bücher der hebräischen schönen Literatur seit Mose Chaiin Luzzatto) heute in vieler Hände ist. Yaari sieht in dem jetzt veröffentlichten Bande den ersten Teil eines auf vier Bände berechneten Werkes. Dieser erste Band umfaßt die Geschichte und Bibliographie des hebräischen Druckes in Saled, Damaskus, Aleppo, Kairo, Alexandrien und Aden. Yaari bereitet ferner einen Band über Bagdad und Indien vor, des weiteren einen den hebräischen Drucken von Jerusalem gewidmeten Band (der hebräische Druck in Jerusalem wird in kurzer Zeit sein hundertjähriges Jubiläum feiern). Das Werk soll mi> einem vierten, den hebräischen Drucken in Konstantinopel uml Smyrna gewidmeten Teil abgeschlossen werden. Die Bedeutung dieser Veröffentlichung für die Geschichte des hebräischen Buches und damit der hebräischen Kultur ist deswegen so groß, weil die Druckpressen in den orientalischen Ländern nieist klein und für den lokalen Gebrauch bestimmt waren und die meisten dort gedruckten Bücher daher ihren Weg in die großen europäischen und amerikanischen Bibliotheken gefunden haben und daher der Aufmerksamkeit der Bibliographen entgangen sind. Für die Geschichte Palästinas sind besonders die ausführlichen Angaben interessant, welche Yaari zur Geschichte der Druckerpresse in Safed macht. Es Ist ein für den Zusammenhang der europäischen Judenheit mit Palästina interessantes Detail, daß die Druckerpresse in Safed im 16. Jahrhundert von einem Präger Juden, Elieser Ben Jizchak Aschkenasi, begründet wurde, der den Weg von Prag nach Saloniki über Lublin machte, wo er eine Zeitlang Bücher druckte. Yaari benutzt auch die persönlichen Angaben t'iber ihre Lebensumstände, welche die verschiedenen Drucker in den sogenannten Kolophoncn (den Schlußformeln am Ende des Buches) gemacht haben, unter den Büchern, die mit dem Druckort „Kairo" versehen sind, ist eine interessante Abteilung zu finden: „Pseudodrucke aus Kairo". Das sind Bücher, welche in Wahrheit in Jerusalem gedruckt wurden, als deren Druckort aber Kairo angegeben wurde, weil sich die Inhaber der Druckerpressen auf diese Weise den Schikanen der Zensur zu entziehen bestrebt waren. Das interessante Buch erschien als Beilage z.u Band XIII der von der jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem herausgegebenen bibliographischen Zeitschrift „Kirjath Sepher". _ B, Aforavanel-Literatur Jakob Guttmann: Die religionsphilosophlschen Lehren des Isaak Abravanel. — Verlag M. u. H. Marcus, Breslau 1916. Diese unter den Auspizien der „Geseüsehait zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" erschienene Schrift bildet den Abschluß einer Reihe ähnlicher Monographien, die der Verfasser zahlreichen Religionsphilosophen' des Mittelalters, beginnend mit R. Saadia Oaon, gewidmet und die ihn bis auf den letzten Vertreter jüdischer Geisteswissenschaften in Spanien, R. Izchak Abravanel, geführt hat. Dieser, bis dahin fast nur als Kommentator biblischer Bücher bekannt, findet hier eine erstmalige Würdigung. Gestützt auf die Kenntnis griechisch-hellenischer Philosophie und der Scholastik in ihren jüdischen und arabischen Vertretern, wird Abravanel zuerst Kommentator des von ihm als Meister verehrten Maimonides, wächst allmählich über den Rang des Jüngers hinaus, gewährt aber auch in den selbständigen Schriften (Ateres sekenitrt; Mifalot Elohiin; Rosch amana) der Auseinandersetzung mit Vorgängern und der Polemik großen Raum. Systematiker von Format wird er nicht. Suchen wir aus den von Jak. Guttmann sorgfältig nachgezogenen Einzellinien ein zusammenhängendes Bild zu gewinnen, so empfangen wir die* Züge eines positiv eingestellten Forschers, stark gebunden an die Autorität jedes einzelnen Schriftverses, eifrig bedacht, die durch Ursprung" und Alter geheiligte Tradition zu verteidigen. Auch ihm steht der Primat der Tat im Judentum fest; doch zeigen seine Forderungen in Glaubenssachen eine gewisse Strenge und Starrheit. Wir dürfen sagen, daß die kongeniale Forschung Jak. Guttnianns uns den Denker Abravanel zurückgegeben hat, dem gegenwärtig die Aufmerksamkeit der Judenheit besonders zugewandt ist. Im Anschluß hieran sei auf zwei Regestenwerke hingewiesen, die neue Daten für Leben und Umwelt von Abravanel erschlossen haben: Carl Gebhardt Bibliothcca Spinozana Bd. III: Leono Ebreo (jucla Abravanel): Dialoglü d'amore; Heidelberg, bei C. Winter Die Anlagen enthalten u. a. sämtliche hebräischen Widmungsgedichte zu den Werken Abravanels und die Elegie Teluna al ha-seman. - - Fritz Pinchas Baer: Die Juden im christlichen Spanien Bd. I, Teil 2; Berlin, Verlag Schocken 1936. Diese Regesteu weisen an mehreren Stellen auf Abravanel und seine Familie hin, lassen aber den überragenden Rang Abravatiels wenig erkennen. Teilweise benutzt in Baers kleiner Schrift „Gaitith" (Schocken-BüchereS Nr. 61). Dr. S. Samuel, Berlin „Jahrbuch" redivivus .Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur", 30. Band. — Verlag M. Poppelauer, Berlin 1937. Das war eine seltene Ueberrasclmng, als kürzlich ftn altvertrauten Gewände das seit so vielen jähren nicht mehr gesehene „Jahrbuch" auf dem Tisch lag, das die alte Tradition fortsetzt, die nun schon seit mehr als drei Jahrzehnten vom „Verein für jüdische Geschichte und Literatur", dem Herausgeher, gepflegt wird. Der letzte Band (Nr. 29) war 1031 erschienen, und Prof.!. El bogen führt in seinem Vorwort aus, warum aus wirtschaftlichen und anderen Gründen diese Pause bis jetzt nötig war. Der neue Band ist sehr reichhaltig und bringt aus vielen Gebieten des jüdischen Wissens etwas, so daß kein Leser zu kurz kommen wird. Denn für eine breitere Öffentlichkeit ist ja diese Bibliothek der Gesellschaft bestimmt; es handelt sich nicht um wissenschaftliche Fachnublikationen, sondern um den Versuch, aus dem Schatz jüdischer Weisheit das herauszuholen, was für den gebildeten Laien anregend und wichtig sein kann, An den Anfang möchten wir den Aufsatz von Dr. Ludwig Feucht wanger über „Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter" stellen, in dem in sehr neuartiger Form der Geschichtsforschung Wege und Ziele gezeigt werden, von denen zu hoffen ist, daß man sich ihnen zuwenden wird. Zu den wissenschaftlich wichtigen Arbeiten gehören auch zwei Veröffentlichungen zum Thema „Ztuu", von dem einmal ein unbekanntes Manuskript „Mein erster Unterricht in Wolfenbüttel" abgedruckt wird und dessen sämtliche Schriften sodann Prof. Elbogen in einer Bibliographie von 31 Seiten zusammenstellt. Aus den übrigen Beiträgen heben wir ferner hervor einen schönen Essay von Leo Hirsch „Zu Richard Beer-Hofmanns 70. Geburtstag"; ferner die Ucbersetzung des umfangreichen Bialikschen Gedichtes „Ha-Matmld" durch Dr. Ludwig Rosenthal. Es würde zu wert führen, jeden Beitrag einretn zu besprechen; wir müssen uns darum mit einer summarischen Aufzählung begnügen: „Glückswürdigkeit und Glück" von Dr. Hans Margo litis; „Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts" von Dr. Rahel Wisch nitzer-Kernst ein; „Jüdische Briefe aus dem Jahre 1588" von Dr. Louis L e w i n; „Die Wunstorfcr Spanier" von Dr. Meier Spanier; „Jüdische Bildnismaler der Posener Biedermeierzeit" von Arthur Kronthal; „Geschichte und Gegenwart in der Rechtsordnung Palästinas" von Dr. Hans Kaiisch. Gedichte von Ilse B I u m e n t h a I - W e i ß und ein Kurzroman Von Rudolf Frank beschließen den Band, dessen Nachfolger hoffentlich nicht wieder sechs Jahre auf sich warten lassen wird. ______ N. Aus der jWusikahteilung der „Hebräischen Nationalim* Universitätsbibliothek". Emantiel Aguilar und D. A. De Sola: „The ancient Melodies of the Spanish and Portuguese Jews." — London, Wessel, 1857. Die grundlegende Sammlung des spaniolischen Synagogengesanges. Enthalt ferner einen wichtigen Aufsatz zur Geschichte des Pijut im sephardischen Gottesdienst sowie zur Geschichte der jüdischen Musik überhaupt, unter besonderer Berücksichtigung des sephardischen Minhag. Beigegeben sind zahlreiche Quelktih in weise sowie Texlübcrsetzungen und Analysen. Eine Erforschung der spaniolischen Minhagim ist ohne dieses Werk nicht möglich; obwohl es bereits vor 80 Jahren erschienen ist, kann man es nicht als wissenschaftlich veraltet bezeichnen. A, J.-L. Unter dem Titel in1? n"-^3rt mW» erscheint demnächst ein größeres hebräisches Werk von Ari Wohlemuth, Riga. Das Werk, das ein Handbuch für ehrer, Jugenilführer und pädagogisch interessierte Eltern sein will, behandelt die Problematik der jüdisch-religiösen Erziehung im Rahmen der derzeitigen Krisis des Judentums. I ■■ — ,.„ .»a