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Jüdische Rundschau · 1937-04-01 · Heft 26 (1.4.1937) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 26 (1.4.1937)
Date
1937-04-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 26, 1. APRIL 1937 Religionsgespräche Hans Joachim Schoeps: Jüdisch-christliches ReligionsgesprSch in 19 Jahrhunderten. Geschichte einer theologischen Auseinandersetzung. — Vortrupp-Verlag, Berlin. Schoeps bemüht sieh, den Gang der Glaubcnsauscinanclersetzungen zwischen Judentum und Christentum in großen Linien aufzuzeigen. Um einen gültigen Eingang zu gewinnen, konstatiert Schoeps als das Absolute in der Religionsgeschichtcden unveränderbaren gleichen Gott, der seine Wahrheit unterschiedlich offenbart habe. Wahrend die Wahrheit Gottes nur eine sein könne, dürfen weder Juden noch Christen von der Absolutheit ihrer unterschiedenen Wahrlicitszeugnisse und Wahrheitsteilhaben lassen. Wie steht nun Israel zur übrigen Menschheit? Es ist bemerkenswert, daß die meisten Anschuldigungen gegen die Juden aus den ersten Jahrhunderten, aus der Kampfzeit des Christentums stammen; ihnen stehen die jüdischen Zeugnisse aus der gleichen Zeit gegenüber, deren ausschlaggebende nun Schoeps aus der Thora und dem Talmud zusammenstellt: das Recht des Fremden, das nicht gebeugt werden darf, das Verhältnis zur Prose- Ivtenmaeherei, die mit der Verschlechterung der jüdischen Situation erschwert wird, die Schätzung der gottesfürchtigen Nichtjuden, die Abgrenzung des Christentums von allem Götzendienst (besonders auch im nachtalmudischen Schrifttum), in allen welchen Fällen die Gemeinsamkeit des Gottes das entscheidende und alle jüdische Praxis bestimmende Motiv sei. Aus dem dogmatischen Bestand aller christlichen Kirchen fast von Anfang an stammen die christlichen Haupteinwänile gegen Israel: Jesus sei der im Alten Testament geweissagte Messias; seit dessen Ablehnung sei die Auscrwählung Israels auf die christliche Kirche übergegangen; Israel sei um der Kreuzigung willen verworfen und der Tempel zerstört worden; das jüdische Gesetz sei nach Paulus durch den Glauben an die neue Offenbarung aufgehoben. Auf diese Behauptungen haben die Juden zunächst kaum oder lässig, später erbittert bestreitend geantwortet. — Zunächst ist die christliche Beweisnielhode der Behauptungen aus Bibcistcllen zu kennzeichnen, die bereits von den Rabbineu nicht als gültig akzeptiert werden konnte. Dann aber ist schon die Vorstellung einer Menschwerdung Gottes jüdisch nicht annehmbar. In bezug auf die Auscrwählung Israels lassen die Rabbiren das argumentum ad hominem nicht gelten, die Kreuzigung habe keinen ursächlichen Zusammenhang mit der jüdischen Situation, überhaupt sei die christliche Beweisführung willkürlich, keineswegs sei Israel verworfen, wenngleich „um unserer Sünden willen" bestraft, der Bund Gottes mit Israel unanfechtbar, was ebenfalls mit Bibelzitateil zu erweisen ist. Kein Mensch kenne Gottes Ratschiuli, Tempelzerstörung, Golus und Leiden, alles Unrecht noch ist Rechtsspruch Gottes und ist „als den Israeliten gewährtes Sühneiuittel freilich noch nicht (iottes letztes Wort", die Erlösung ist noch nicht gekommen, sie wird kommen. Der schwerste Einwand betrifft die durch Paulus aufgehobene Verbindlichkeit des jüdischen Gesetzes, die auch m der modernen protestantischen Theologie noch mit der „Entgegensetzung von Verdienst aus Werken und Glaube, Gesetzesgcrechtigkcit und Evangelium, Weissagung und Erfüllung ebenso populär wie falsch ist." Die Differenzen liegen nicht hier.... Trotzdem wurden die Auseinandersetzungen im Mittelalter entsprechend fortgesetzt, und die Basis der philosophischen wie der populären erzwungenen Religionsdisnutationen blieb eigentlich die gleiche. Um eine wirkliche Basis für dogmatische Gespräche zu schaffen, reduzierte Albo die Glaubenslehren des Maimonides auf drei: Gott, Offenbarung und Vergeltung, nahm einen gemeinsamen Grundbegriff der Offenbarung an, um „neben der Festlegung des übernatürlichen Charakters der jüdischen Religion nachzuweisen, daß das Christentum den logischen Begriffen des „objektiven" (nota bene jüdischen) Offcnbarungsbegriffcs nicht entspreche". Besondere Aufmerksamkeit erfordern dann die Abgrenzungen des Judentums durch Saadia, Jehuda Halewi und durch die karaitische Methode Isaak Trokis, „Schriftstellen, die im jüdischen Verstände falsch verstanden werden, durch die Hinzuziehung anderer Bibelstellen — also schriftgemäß aufzuhellen"; hier ist eine Art Schlußwort der mittelalterlichen Auseinandersetzungen zu finden, zugleich eine Wendung zu neuzeitlicher Betrachtungsweise, indem der Karäer von seiner „schriftgemäßeii Leugniirig einer Möglichkeit der Messianität Jesu... zum Angriff auf die Glaubwürdigkeit der Evangelien" schon fast bibelkritisch übergeht. Während die mittelalterlichen Debatten einen mehr feindseligen Charakter hatten, erscheint der Religions.streit Mendelssohn — Lavater trotz seiner Kompliziertheit schon eher als „Gespräch", wenn es auch durch die Kapitulation von Mendelssohns Schülern nicht weitergeführt und wenn auch der jüdische Standpunkt dann von Steinheini nur „den liberalen Grenz.vcrwischungcn und der Verpliilosophierimg der Religion" gegenüber wieder einigermaßen geklärt wird. Zu den ersten wirklichen Gesprächen, Begegnungen und Dialogen kommt es erst zwischen Franz Rosenzweig und Fugen Rosenstock, zwischen Martin Buber und Karl Ludwig Schmidt. Schoeps nennt diese Dialoge „Religionsgespräche aus der Existenz", das Resultat (bei ßuber): „Der Christ braucht nicht durchs Judentum, der Jude nicht durchs Christentum zu gehen, um zu Gott zu kommen." Insgesamt zeigt Schoeps also die Probleme auf, die von den Anfängen des Christentums bis zur vergleichenden Rcligionsphänomenologie von Bedeutung waren, die Debatten und besonders die jüdischen Stellungnahmen. Er tut es mit Fleiß und Eifer, mit beträchtlichem Aufwand an Material und rühmenswerter Begeisterung für die Wahrung des Jüdischen. Dem natürlich nur eben die Umrisse seiner Arbeit andeutenden Referat dürfte ein Spezialist vielleicht eine Kritik folgen lassen, während uns lediglich folgendes Grundsatzliche zu bemerken erlaubt sei, Fiir Schoeps, der in früheren Arbeiten mangels einer jüdischen „Theologie" den Formulierungen der protestantischen gelegentlich mehr als ttinhch gefolgt ist, scheint nun durch Rosenzweig und Buber ein jüdisches Gegengewicht gegeben, was für ihn und nicht mir für ihn ein' entschiedener Vorteil bleibt. Seine Geschichte der Auseinandersetzungen beschließt demnach seine eigene „Auseinandersetzung", er „kommt klar". Anderseits bleibt auch dies Buch „Theologie", das heißt es wäre vielleicht vollkommen, wenn es, von einem Kulturhistoriker mit souveränem Freimut geschrieben, die Geschichte dieser Auseinandersetzungen mit all ihrem Drum und Dran, ihren nicht bloß theologischen Interessen, ihrem Zwang, ihrer historischen Physiognomie und ihrer so heroischen wie lacherlichen Psychologie enthielte. Aber das war Schoeps weder aufgegeben noch möglich, und er hat immerhin die erste Geschichte „des Ringens um die Wahrheit zwischen Israel und der Kirche" geschrieben. ^- Sinn, Wille und Religion des Judentums Paul Hofmann: Sinn und Geschichte. — Ernst Reinhardt, München 1037. Der Berliner Professor der Philosophie, Paul Hof manu, hat diesem umfangreichen Werk den Untertitel: „Line historisch-systematische Einleitung in die sinn-crforscheiule Philosophie" gegeben. Es wird darin der Versuch gemacht, eine bestimmte Art philosophischen Schauens in ihrer Anwendung auf die Geschichte darzustellen. Hofmann ist der Ansicht, daß eine Neufassung des Begriffs und der Methode der Philosophie erforderlich sei, und er glaubt, daß dabei Wege beschritten werden müssen, die Kant gesucht, aber nicht weit genug durchgeführt hat. Die Philosophie Hufin,»ms ist Sinn-Erforschung, sie geht von der Tatsache des Lehensbewußtscins aus, d. h. von dem „Ich-Sagen" des Menschen. Die Korrelation von Subjekt und Objekt ist für sie das Urphänomen, d. h. beide sind untrennbar. Zum Leben, das man spürt, gehört unabtrennbar, daß man etwas, nämlich ein Objekt erlebt, und zu dem Sein des Objektes gehört unabtrennbar das Sein des Ich; zugleich gehört dazu ein dem Ich seihst bewußtes Spüren, welches um das Dasein von Subjekt und Objekt und ihr verschiedenes Sein weilt. Das Urphänomen bedeutet weiter, daß im Sinne der Subjektivität auch der Sinn der Objektivität bereits enthalten ist und umgekehrt. — Die an diese Verhältnisse sich anknüpfenden Probleme werden in der Untersuchung eingehend dargestellt, wobei die systematische Darstellung gleichzeitig auf die historischen Probleme angewandt wird, weil ein neuer philosophischer Standpunkt, wie der Verfasser sagt, vor allem dazu fähig machen muß, den Geist der Geschichte neu und vertieft zu verstehen. Im Rahmen dieser Untersuchung, die zuletzt auf tlie Fragen der Gemeinschaft und des Gemciirschaffsellios hinausläuft, werden auch mehrfach Probleme des Judentums gestreift. So behandelt der Autor die Bedeutung des Erkenntnis-Problems und seine Entwicklung im Altertum. Er weist darauf hin, daß durch das Christentum der ursprüngliche Objektivismus des Altertums unter den Einfluß von Motiven trat, die das Wollen vom Wissen schärfer unterschieden. Diese entstammten „der (.magischen') Bew uHtst iusstellung, die in der religiösen Kultur des Juden tu ms eine tiefgegründete Entwicklung zu bestimmten Formen erlebt halte. Auch in dieser war die objektivistische Grundhaltung grundlegend gewesen, infolge ursprünglich stärkereu Mitsprecltcns subiektivistischer Motive war aber der Sinn und das Bedürfnis der heilbringenden Erfüllung des Lebens mit Sinn als das eigentlich Wichtige erlebt worden." Der Sinn werde als seiend verstanden, als Gott, ja als tlas eigentlich Seiende. Dieses höchste Sein bedeutet zugleich den im Menschen seihst gespürten Sinn und erscheint daher als das „Ganz Andere" alles äußeren Seienden einschließlich des Ich. Es komme dadurch zu einer unbewußten Schwerpunktverlegung des Lebens in das leh-bezeichuete Objekt, so daß tlas Leben vorzüglich als Wille erlebt wird, der sich in der Welt verwirklichen will. Dieser Wille werde zum gesetzgebenden Gott. Das Gute ist gut, weil Gott es zum Ziel gesetzt hat. Im Kapitel über Voluntarismus und Irrationalismus als Versuche der Sinuerfassung weist Hofmann darauf hin, daß ihm die religiösen Kulturhcwegungcn Indiens und Vorderasiens vorwiegend voluntaristisch unterbaut zu sein scheinen. Bei den Juden habe sich in der Religion der Propheten die Vorstellung von Gott als personhafter Macht entwickelt, der spezifisch Sittliches fordert. Ferner das Bilderverbot als Ausdruck der sittlichen „Vorzüglichkeit" des Sinnliaftcn. Der jüdische Gott werde nicht gesellen, sondern nur gehört. „Die unerbittliche Gehorsarnsforderung dieses strengen Gottes ist das nicht verstandene Gleichnis tier zu suchenden echtesten Tätigkeit meines Willens". So wurde die Verehrung des unsichtbaren Gottes das beherrschende Zentrum des Lebens und des Strebens nach seiner Sinnerfüllung. Die Herkunft aus einer voluntaristischen Seelcnhaltung erklärt auch die Betonung des monotheistischen Prinzips; im Verhältnis des Willens zu seinen Objekten komme es ja nicht auf die Objekte, sondern auf den Willen an; dieser aber ist im Gegensatz zu der Vielzahl der Objekte „e i n / i g". Weiterhin behandelt Hoimann das Problem des rcligiösvoluntaristisch begründeten Rationalismus ritueller teil t n s r e g e I u n g b c i tl e n | u d e n und widmet dieser Frage einen besonderen Abschnitt. Die judische Lehensrntionalisierung entspreche der Einstellung, tlie das Ich ohne Rest zum gehorsamen Werk/eng tles transzendenten Gebotes macht. Das Ich mißtraue der aus dem Augenblick kommenden Regung und erdrücke sie durch tlas rationale Schema. „Ks ist also nicht die Geringschätzung des lebendigen Dranges des Willens zugunsten des intellektuell Erkennbaren, es ist nichts weniger als Unempfänglichkeit für tlas irrational Geheimnisvolle, Untorniulierfe und nie ganz Formulicrbarc zugunsten einer flach äußerlichen Verständigkeit, sondern es ist die 1 lintansctzung tles im Räume und in einem Moment der Zeit jeweilig lebenden Ich... gegenüber tiein gebietenden 1 Transzendenten, die zu dieser Rationa Diese Rationalisierung könne, ist, in Zeiten und Umstanden rein ä u Ii c r e r Z w e c k e tr tler Verfasser darauf hin, da eigentümlichen (Iharakteristik; Hocliseh.it/ung der i igen--'uia sieh aus dem kein u .es t i e; besonders den Figum-hatten volkartigen Religion».;emeir-, 'nschaft crmögüilieii. ,,1 iiei 11! um tlie I'aIn sichtbaren, di bindet und > liehe Gesehlo: Die Fähigkeit und um sein ahigkeit des 1 IUI all von am cnheit. m sich an .wegi u 1 . die g. r urngi u gun it Ii •esth. was gnimietc, um: wichtigste Be straktionsiahi: Mit der durch hänge auch die ISede'tt't im Judentum zu-anmue w inmnig tler ( liaubeiisu dividtimn selbst cnahi Bei dem (Vbeig 1 loftnaun tlie 1 cinstcihing. AK Sinn ( in gestellt ist. Eine Abwandlung eine absondernde I ial en h a n d e I n d e n ( dcigrund stellt. Diese Bezogeuheit tles das Sinnes auf tlie Welt. ra,i hrt \pen o ersten eil, V. i d'-s < > t f ( g leeb u rze'.igun g sai'cn (Quelle ng zu etile. r!') h C. < .s * i n h i k b tl III en knien, Ewigen, cnuig tlie Kraft gibt." wenn sie eist einmal entwickelt des Simiycrlustes in den Dienst eten. In einer Anmerkung weist > viele der den heutigen Juden! seiner Meinung nach aus der ften ta klärt werden können, tlie ale ustnr Wii tsv, dkeru ergeben, , die < hier vereinzelt lebenden halt .1 .s Festhalten an ihrer Geli oal'ste es ^aeh nun vor allem eir- ,K! einem rem < leistigen, Unaist eaie Volksgemeinschaft ver- -C'i-'idet: I in. Iscliaft und räumhe lie.omlere Sprache, liehfort, soielnai UuMimliclieii zu halten und I ntbehrmeg n zu tragen, i der I igeiiai' di r Religion sich -e m Ibst we.aliastärkte, ist die r cut-nran:' unter .anderem Ab- eit ,!■•; Wolh-is." n beilineteii IVwiißtsemssfellung h a r n n g s g i a tibcns bedeute, daß bei Gealle tlimii das lebende In- •n au ige-.ehaltet werden, sehen Problemen behandelt - h-welianschaulicheti irunduet er den einseitig auf den teslcbeii Indiens ausgeprägt 's sei diejenige, die anstatt u Seienden zu suchen, 1, e b e n s in den Vorteil Tvps bejaht die Willen beseelenden; Tvpes entwickelte im Die H'/e (i I vpes Sei eniiber di h ar a k te r des Abwandlung des er Leben und seinen Diese Wandlung' tk Religionen Vorderasiens, wo sie erhalten habe. für B< rage „Was Richtung begünstigte lestiv gerichteter Kulturin der Gcistcslialtung sich in den großen I u tl e u t u m ihre höchste Ausprägi Richtung auf tlas Praktische zwingt tlie ethische 1 soll ich tun-" in tlie erste Reihe. Diesi zugleich die Entwicklung gewisser obj leistungen in höherem Maße als m un uumimuiuh^ Indiens. Der Entwicklung der bildenden Künste stand allerdings tlas Bildcrverbot tler Religion im Wege, während die Dichtung eine Vertiefung erfuhr. Das Werk, tlas auch sonst vielfach Themen berührt, tlie uns von Interesse sind und gelegentlich die Lehren jüdiicher Philosophen behandelt, kann in seiner philosophischen Jeutung an dieser Stelle im einzelnen nicht gewürdigt werden. Es ist aber besondeis wegen der Abschnitte, die sich mit religiösen Problemen beschäftigen, auch vom judischen Standpunkt aus bemerkenswert. L-n. Vom Ursprung der Religion Thomas Hywel Hughes, „Psychology and Religious Origins". Verlag Duckworth, London 1936. Die Auseinandersetzung mit der großen Fülle von Theorien über die psychologischen Grundlagen des religiösen Empfindens wird in diesem bewundernswert klar, übersichtlich und lebendig geschriebenen Buche vom Theologischen aus vollzogen. Hughes hat seinen eindeutigen, christlich begründeten Standpunkt und lehnt die Erklärungsweisen der Fretidschen Schule sowie tler französischen soziologischen Sehlde Durckhcim und I.evy-Bruhl ab, jedoch nicht ohne die wichtigen neuen Erkenntnisse dieser beiden Schulen mit in che eigene Betrachtungsweise zu übernehmen. Unter Religion versteht Hughes „eine Erfahrung, deren Wesen aus einer Beziehung zwischen Glauben und Hingabe an das .Andere'' besteht"; aus dieser Definition wird dann gefolgert, daß das Rcligiöse im Menschen vor den „Ideen" ist, also eine Anlage. Die Frage, warum der Mensch dazu neigt, die Erfahrungen des Lebens in Vorstellungen von überpersönlichcn Kräften umzudeuten, beantwortet der Verfasser sehr unbefriedigend: weil der menschliche Geist eine „Tendenz" habe, den Tatsachen und Gegenständen der Welt eine animistischc oder spirituelle Deutung zu geben; aus dieser Anlage sei die Gott es Vorstellung erwachsen. Eingehend setzt sich Hughes mit den verschiedenen Ausdrucksformen des religiösen Lebens auseinander. Gebet und Opfer erscheinen ihm aus den „spontanen und instinktiven Impulsen der menschlichen Natur entsprungen, aber zugleich in diesen Impulsen modifiziert durch die höheren Eigenschaften, die im menschlichen Selbstbewußtsein enthalten sind". Der von der Ethnologie und Soziologie vielfach vertretenen Auffassung, daß die Magie der Religion vorangebe, pflichtet Hughes nicht bei und lehnt deshalb auch die Herkunft des Gebets aus dem Zauberspruch ab. Er vertritt auch ausdrücklich die Meinung, daß das Opfer den gleichen psychologischen Beweggründen entstamme wie das Gebet. Eine Harste.hing des Unstcrblichkeitsglaubens schließt das wertvolle und inhaltsreiche Buch ab. Dr. N. beigegeben sind, sondern auch eine allgemeine Einführung in die Lehren des Buddhismus und des Yoga in dem Buch enthalten ist, stellt es cuitn l.eitt.iden in dies fUr das westliche Denken so schwierige Gebiet dar. Sowohl tinter dem Gesichtspunkt tler K\ ligiosss-.visM n.--haft wie auch dein der Psychologie ist die Kenntnis ih r ieete und t »riginalkommentare von größter Bedeutung. Der Herausgeber selbst meint, daß der östliche Einfluii insbesondre in den letzten ab Jahren im Abendland sehr staik geworden ist, und er stellt ihn der Renaissance tles Li. bis Iii. jabi iiumien.-, au die S^ite, als tlas klassische Griechentum da-. Bild der europ ii»t hen Kultur wandelte. Für den I aien ist ein Regster \,.n Namen und Begriffen am Ende des Buches In-sondcis nützlich. —n. Mystik Asiens Evans-Wentz: „Yoga und Geheimlehren Tibets". Deutsehe Bearbeitung und Ucbersetzung von Alterego. — Otto Wilhelm Barth Verlag GmbH., München-Planegg 1037. In diesem Buch gibt der englische Herausgeber eine Reihe von Uebcrsetzungen nebst Kommentaren tibetischer Texte, die er von einem Tibetauer selbst erhalten hat. Die Texte der hauptsächlichsten Yogalehrcn, der mystischen Gehcimlchrcn einer uralten Kultur, auf denen wichtige tibetische und indische Philosophen fußen, werden hier erstmalig angeführt. Dadurch, daß nicht nur den Texten Kommentare Mag. Hellmuth Frey: Das Buch der Weifpolitik Gottes. — Calwer Vercinsbuchhandlung, Stuttgart 10 37. In der Ri ihe der vom Calw er Verlagsverein herausgegebenen Erläuter ungen alttestaineiiuu her N hriften ist von dein Dorpater Pfarrer eine Erläuterung des sogenannten Deutero-Jesai a erschienen „für freunde und Verächter der Bibel". Die Botschaft, die in den Kapiteln 10 bis ä::> tles Buches Jesaja niedergelegt ist, wird in diesem Buche vom protestantischen Standpunkt aus dargestellt mit ihrer Ausrichtung auf den Inhalt tles Neuen Testaments. Das umfangreiche Werk soll zugleich der Verteidigung tles Alten Testaments dienen (wie aus dem Titel hervorgeht), wobei der Verfasser davon ausgeht, daß der zweite Jesaja die Krone des Alten Testaments bildet. Dr. Karl Saß: „Der Tierschutzgedanke im jüdischen Schrifttum". — Kommissionsverlag Hermann Tuchuer, Wien 1037. Die kleine Broschüre ist die Wiedergabe eines Vortrages, der mit eindrucksvollen Beispielen aus Bibel und Talmud den Beweis erbringt, daß entgegen den Behauptungen der Judengegner das Judentum tierliebend ist und als erste Religion in tler Welt überhaupt den Gedanken des Tierschutzes verkündet hat. Im GcgensaU zum Judentum haben andere Völker gewisse Tiere nur aus kul. tischen Rücksichten beschützt. Auch auf die Frage des Schach tens wird eingegangen und darauf hingewiesen, daß nach dem Urteil angesehener Physiologen bei der Schächtmethode von „Grausamkeit" keine Retle sein könne, sondern daß sie nur eine rasche und damit möglichst qualiose Tötung des Tieres bezwecke. —nn. liiilJlllfllllMMI?ir?ril»;illliMli:M'llM|i;MI!IMitMi;iiltr)lTMilIllll11>llllMIl-Mi,l:;i!l::i<ll'.....1-......llM':MII!.'i:i?.i<lliIlillll^[HHICl Seit dem letzten Lileraturbhilt, das in Nr. 23 vom 23. März erschienen ist, wurden folgende Hücker außerhalb lies I.iteraturblatts besprochen: Ecotüe Israel, von Edmond F/eg,* Raphael Chamizer, von Arie Ihn Sahab; Sanimclbuch „Jüdische Welt"; Hugo Afnrx, Was wird werden; sämtlich Nr. 24-25.

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