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Jüdische Rundschau · 1938-03-25 · Heft 24 (25.3.1938) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 24 (25.3.1938)
Date
1938-03-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 1 0 JÜDISCHE RUNO'CHAH Nr. 24 25. III. 1938 Krise und Kaufkraft Im Rnhmrn der Krisenerscheinungen, unter denen die Wirtschaft Palästinas leidet, macht sich besonders auch die Tatsache unliebsam bemerkbar, daß die Kaufkraft der breiten Massen infolge Arbeitslosig• heit, Kurzarbeit, Lohndruck uni der damit zusammenhängenden Auswirkungen auch in den Kreisen des Mittel• Standes sehr stark gesunken ist. Andererseits ist der Lebensstandard in Palästina in der Zeit der Prosperity verhältnismäßig hoch gestiegen; es sind Luxus Bedürfnisse und Luxusgewohnheiten entstanden, die heute in einem krassen Widerspruch zu der tatsächlichen Wirtschaftskraft großer Teile der jüdischen Bevölkerung stehen. Wenn auch gewiß das Entscheidende zur Wiederbelebung und Wiederausweitung der jüdischen Wirtschuft Palästinas von der Seite der Produktionsbelcbung und der Investition neuer Kapitalien getan werden muß, so ist doch nicht zu verkennen, daß auch von der Kau fkraftseite her manches erfolgen kann, um die Depression abzuschwächen. Es gilt dabei za erreichen, daß der Konsument mit den ihm zur Ver• fügung stehenden verhältnismäßig geringen Mitteln möglichst viel und möglichst nichts Uüberflüssiges, sondern Lebensnotwendiges verbraucht. Mit diesem Problem beschäftigen sich die nachstehenden Aeußerungen in der palästinensischen Presse. (Red l Dreizehn neue Namen ... Die ״Waadat Haschernot" hat dreizehn jüdische Siedlungen Im Lande neubenannt Von Hermann Swet, Jerusalem Aut dem letzten Kongreß schilderte Abraham Harzfeld, der Fanatiker der Kolonisation in Palästina, in seiner einfachen Art, wie neue Punkte in Palästina entstehen. ״Wir haben“ — sagte er — ״einen jungen Mann namens Schlomo. Fr ist Mechaniker von Beruf 11ml weiß, wie man einen Turm hinnen zwölf oder dreizehn Stunden fertigstellen ■kann. Und wenn man im Begriff ist, einen neuen Kolonisa־ tionspunkt zu gründen, drahtet man an Schlomo und er kommt. Sollen zur gleichen Zeit einige Siedlungen ins Leben gerufen werden, so gibt es bereits einen zweiten Schlomo — Kadtiri heißt er. Hetzen wir sie von einem Punkt zum zweiten, und die Sache ist gemacht... So haben wir Beth Jossef begründet. Haben Sie einen Begriff, was das bedeutet? Der Boden liegt buchstäblich in der Wüste. Die nachstgelegene Siedlung ist neun Kilometer entfernt, und in der Mitte kahles Gebirge. Hier und da nur Beduinenzelte. Wir sind sogleich mitten hinein in die I>ornen, haben sic einen ganzen Tag lang ausgeräuchert, und nach zwölf Stunden war jede Spur davon verschwunden. Schon stehen Baracken und ein Turm, eine Dynamomaschine arbeitet, gibt bereits elektrisches Licht, und es ist eine neue jüdische Siedlung entstanden...'‘ Diese Schilderung, rührend in ihrer Einfachheit, die wie ein Echo aus den ersten heroischen Zeiten des Palästina- Aufbaus zu uns dringt, gibt ein unprätentiöses, aller getreues Bild davon, wie neue Siedlungen in Palästina entstehen. Wenn man daran gebt, den Boden zu besetzen und eine neue Siedlung zu schaffen, denkt man aber am allerwenigsten daran, w i e d er Pu n kt 11 c i ß e n w i r d. Ls ist auch nicht Sehr wicht׳;׳. .Manclm1.1l nennt man die Niederlassung 7.11• nächst einmal so, wie r, einem der Beteiligten gerade ein fiel. Aber wenn man schon alte Kinderkrankheiten überstanden hat, entsteht das Problem, wie das Kind endgültig gerufen werden soll. Nun, wer dekretiert das? Die breite jüdische Ücffentlichkeit weiß kaum, wieviel Mülic man darauf verwendet, einer neuen Siedlung einen passenden Namen zu verleihen. Beim Keren Kajemeth existiert seit Jahren eine spezielle Waadat H.ischemot, eine Kommission für N'amengrhuiig. Ihr Präsident heißt Mcnachem l'ssisclikirt, der viel Intuition dafür besitzt. Der Kommission sind ferner der Präsident des Waad I.otimi, Jizrhak Ben Zwi, ein ausgczeichncter Kenner der Geschichte Palästinas, der Literaturhistoriker der t ’mver.-ität am Skopus, Professor Josef Klausner, der Geograph der Universität, Professor Klein, die Verfasser des hebräischen ״Baedekers“ für Palästina, Jeschajahu Press, S, Wilnai und andere angegliedert. Bei der Benennung eines Punktes sprechen verschiedene Erwägungen mit. Man priift zunächst, oh die Siedlung sich nicht an einer historischen Stelle oder in der Nähe eines Platzes, der in der Bibel erwähnt ist, befindet. Wenn ja — so ist das Problem schnell gelöst. Der Name wird der Vergessenheit entrissen und nach zwei Jahrtausenden neu belebt. Ist das nicht der Fall, so gelten folgende zwei Gesichtspunkte: man wählt einen Namen, der mit einem bedeutender, nationalen, zionistischen oder palästinensischen Ereignis im Zusammenhang stellt, oder den einer jüdischen Persönlichkeit, die dieser Ehre nach ihren Leistungen für das jüdische Volk, für die zionistische Bewegung und für Palästina würdig Ist. Manchmal bedient man sich auch eines symbolischen Namens, z. B. einer Pflanze, die in der betreffenden Gegend weichst usw. Nach Personen werden Siedlungen nur dann benannt, wenn diese nicht mehr unter den Lebenden weilen. Will man einer Siedlung den Namen eines lebenden Juden gehen, so bedarf es der Genehmigung des Zionistenkongresses. (Heber das Verfahren bei der Namengebung und viele Beispiele der letzten 20 Jahre brachten wir in der ״Jikfisehen Rundschau“ Nr. 39T937 einen Artikel von J. Arikha,— A.d. R.) In der ersten Sitzung dieses Jahres hat die Waadat Haschcmot beim Keren Kajenu-th für dreizehn neue Punkte, die im adrigen Jahr auf Roden des Keren Kajemeth im Etnek I lajanlen, knick Jvsrecl, f.'mek Hascharon und Jehuda entstanden sind, neue Namen bestimmt. Vor allem sind drei. Siedlungspunkte nach den drei verstör bene t: Präsidenten der Zionistischen Wc'torganisation benannt worden: in Beth Schean, im Einek ftajarden — ״N i r David" nach David WolfUohn, dem Nachfolger und ersten Präsidenten der Zionistischer, Organisation nach Theodor Herzl, und ,Ns Mich N a c 1111 m", uaeh dem vor zirka Auto-Versicuerung Philipp UcKo zwei Jahren verstn! bctien NaOmm Sokolow. Der Name des. kürzlich verschiedenen ehemaligen Präsidenten der Z.ionistisehen Organisation, Professor 1 >tto Warburg, ist einer Siedlung von Juden aus Deutschland bei G;u1 Ohaiini in der Sarona-Lbtne verliehen worden. Sie heißt ״S s'd e h Warb u r g“. Vor kurzem wurde hier von einem l 'eberfall aut die Kolonie ., I i r a t 7. w i״ int!I von dem heroischen Widerstand, den die fünfzig Kolonisten einige Stunden lang den Angreifern gegenüber geleistet haben, berichtet. Es ist eine Siedlung des ehemaligen Kibbuz Rodges (aus Deutschland), die vom Hapoel Hamisrachi gegründet worden ist, und die sielt in dem südliebsten Gebiet von Beth Schean befindet. (Den Aufbau dieser Siedlung schildert der neueste, in Deutschland gezeigte Kurzfilm des Keren Hajessod — A. d. R.) ״Tirah“ bedeutet Villa, Palast, und dies ״Palast“ bezieht sich aut ein zweistöckiges arabisches Haus, das die Siedler, die an Baracken und Zelte gewohnt sind, dort vorgefunden haben. Und ״Zwi“ ist kein anderer als Rabbi Zwi Hirsch Kalischer, der berühmte Thorner Rabbiner, einer der ersten Prediger der Palästina-Idee. Zwi Kalischer hat 1870 zur Gründung von Mikweh Jisrael durch die ״Alliance Israelite“ beigetragen. Im Eniek Chefer, dem ehemaligen Wadi Chawarit, ist eine Siedlung vom Hapoel Hamisrachi ״Klar Har och“ benannt worden. Dieses ist eine Abbreviatur dreier Worte ״Rabbi Avraham Hakohen“, ein Name, den der verstorbene unvergeßliche Obcrrabhincr von Pa’ästina, K u k, getragen hat. Der Siedlung der galizischcn Juden des Kibbuz ״Akiba“ im Emek Hascharon ist der Name ״Eeth Jehoschua“ verliehen worden, zum Andenken an den hervorragenden zionistischen Politiker und Publizisten, Dr. Jehoschua (Osias) Thon, Oberrabbiner von Krakau, der vor zirka einem Jahr verstorben ist. Die palästinensische Arbeiterbewegung hat vor einem Jahr nacheinander zwei schwere Verluste erlitten: Jossef Arono witsch und Mosche Beilinson. Der erstere, einer von den ״Alten“ des Hapoel Hazair, später Direktor der Arbeiterhank in Tel Aviv, der zweite einer der hervorragendsten Publizisten der hebräischen Presse der letzten Jahrzehnte. Nach Aronowitsch ist eine Siedlung in der Ebene Beth Schean ״Beth Jossef“ genannt worden. Nach Beilinson eine Arbeitersiedlung bei Pctach Tikwah, die sich von nun ab ״S c h ’ c hu n a t Mosche“ nennen wird. In der Ebene Scharon nennt sich von nun ab eine Siedlung ״Ganjam״, eine Verbilligung der Lebenskosten Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: Der ״Dawar“ bringt im Zuge einer Diskussion über die Bekämpfung der Krise u. a. folgende Ausführungen eines Mitarbeiters: Ich will mich klar ausdrücken. Jede Arbeiterkonferenz faßt Beschlüsse gegen den Lohnabbau, und sicher ist ein unorganisierter und partieller Lohnabbau zu verurtei en. Es handelt sich eben darum, alle Löhne zu senken, den des Schwarzarbeiten, des Facharbeiters, des Beamten, des Lehrers, des Direktors. Wenn sich hier dir: Monatscinkünfte allgemein zwischen £ 6 und 12 bewegen winden, würde das besser oder schlechter sein? Ich meine besser, und meine Gründe sind folgende: 1. Der Realwert des Ueides im jüdischen Jischuw würde steigen. Die Preise für den Lebensbedarf würden sinken. Die Vereinfachung der Ausstattung von Läden und Lokalen würde auch dazu beitragen, daß die Lebenskosten niedriger wiirden. 2. Die Landwirtschaft, die für den Export arbeitet, könnte mehr jüdische Arbeiter einstellen, und dabei besser auf dem Weltmarkt konkurrieren. 3. Die Landwirsrhafi, die für den Binnenmarkt produziert, kann ihre Produktion erweitern und verbilligen. 4. Die Industrieprodukte könnten verbilligt und ihre Absatzmöglichkeiten im Iti- und Aus-!and gesteigert werden. 5. Für die Einwanderer würde eine geringere Summe als bisher zur Existenzgründung genügen. Auch die Rentabilität des investierten Geldes wäre gcsicherter. 6. Das Land wird mehr als bisher Anlagekapital nnzichen. 7. Die Zahl der festangestellten Arbeiter sowohl in der Industrie wie in der Landwirtschaft wird größer werden. Auch die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe wird ansteigen, wenn auch der Bauluxus fortfallen wird, der ja in erster Linie nur dem Import zugute kam. 8. Die finanzielle Lage der Bevölkerung wird homogener werden, und das wird zum Zusammenschluß verschiedener Schichten und Gruppen führen, wie der Land- und Stadtbevölkerung, des aßen und des neuen Jischuw, der Aschkenasim und Sefardirn. 9. Die Beschäftigung der Juden als Arbeiter und An* gestellte bei der Regierung wie die Erlangung von Arbeitsaufträgen durch die Regierung würden erleichtert werden. — Teil sehe ein anderes Leben vor mir, das zwar Verzicht erfordo'-t ׳>!״ןan/cn aber sicherer und beständiger ist. Wir haben ja auch, a's wir ciiuvandcrtcn, nur daran gcdacht, uns entsprechend den Möglichkeiten des Landes einzurichten. Unser Land gestattet kein reicheres Leben, und Verschmelzung der beiden Worte ״Gan“ (Garten) und ״Am“ (Volk). Der Kibbuz des ״Haschotner Hazair“ in der Ebene Beth Schean, der strategisch recht gefährdet liegt, hat den Namen ״Maos“ (Hort) bekommen. Die Siedlung des ״Haschomer Hazair“, die bis jetzt ״Ejn Hnkore“ geheißen hat, und die sich an einem Knotenpunkt dreier Gebiete — Palästinas, Syriens und Transjordanien — befindet, ist nach dem gegcnüberliegenden Gebirge ״S c 11 a ’ a r Hagolan“ (Tor zum Dscholan, der syrischen Hochebene) um benannt worden. Zu Ehren des großen amerikanischen Zionistenführers, Oberrichters Louis Brandeis, der 1916 das Alter von achtzig Jahren erreicht hat, ist ein Kibbuz des ״Hasehomer Hazair“, der aus amerikanischen Juden besteht, und der in der Nähe von Mischmar Haemek angesicdelt wurde, ״E j n H a s c 11 o - fet“ (Auge des Richters) genannt worden. Allerdings bedarf es in diesem Falle noch, gemäß obigen Ausführungen, der Genchmigung des nächsten Zionistenkongresscs. Eine Siedlung in Palästina nach der verehrten Gründerin der Frauenorganisation ״Hadassah“, Henrictta Szold, zu benennen, ist anläßlich ihres 75. Geburtstages vom XIX. Zionistenkongreß in Luzern beschlossen worden. Jetzt ist dieser Beschluß verwirklicht worden, und ein Siedlungspunkt von Chalu/im aus Deutschlana in der Nahe von Gcdera in Judäa heißt bereits ״K f a r S /. o! d“. Dreizehn neue Siedlungen, auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds entstanden, haben dreizehn neue Namen bekommen. Neue Siedlung überfallen Ein Jude getötet Jerusalem, 22. .März. fPalcor.) Die neue jüdische Siedlung ״Hann uta“, die erst gestern von einer Gruppe jüdischer Siedler gegründet wurde, ist nachts von bewaffneten Arabern überfallen worden, jehuda Brener (22 Jahre alt), wurde getötet und der 26jährige Jakob Berger am Bein verwundet. Der neue Siedlungspunkt liegt in der Nähe der palästinensischen Nordgrenze bei Ras el Nakura. Die Siedler begaben sich gestern in Begleitung von Siedlern aus der Nachbarschaft nach ״Hannuta“, wo sie begannen, ein Feldlager zu errichten und eine Straße anzulegen. Als sie gerade damit beschäftigt waren, Steine wegzuräumen und Zelte aufzurichten, wurden sie von einer Araberbande überfallen, die ungefähr hundert Mann stark gewesen sein soll. Die Siedler bemühten sich, die Angreifer zu vertreiben, was ihnen auch nach eineinhalbstündigem Kampf gelang. Trotz des Uebcrfalles fuhren die jüdischen Siedler mit ihrer Arbeit fort. Militär erschien an der Uebcrfallstelle. Ein Araber wurde in einiger Entfernung von der Siedlung tot aufgefunden. ________ Mosche David Schub, einer der Oründer von Rosch Pinah sowie anderer jüdischer landwirtschaftlicher Sicdlungen in Obergaliläa, starb in Jerusalem im Alter von 85 Jahren. Familien-Nachrichten Herr Eisig (Eduard) Häusler und I’rau Fiicda. gcb. Lewandmvski, Ileizlia, Rechow Raw Kak (früher Oslerfeld bei Oberhausen, Rhkl.), begehen am 30. März die silberne Hochzeit. Frau Johanna Landshut (früher Berlin), Nahalal, begeht am 30. Marz, den SO. Geburtstag. alles, was die wahren Zustände nicht in Rechnung stellte, war ein Irrtum. Wenn wir für Verbilligung sorgen, so können wir innerhalb eines Jahres unsere Wirtschaft wieder in Fluß bringen. Der Brotpreis In der Wirtschaftsbcilage des ״Haarez“ schreibt, wie uns aus Tel Aviv berichtet wird, Dr. Ben-Natan: Man sollte annehmen, daß der junge Jischuw, der zum Teil von dem einströmenden nationalen und privaten Kapital lebt, billig e s Brot brauche. Da palästinensisches Mehl billiger ist als das amerikanische, so sollte man denken, daß es bei unseren Bäckereien guten Absatz findet. Auch wäre anzunehmen, daß die palästinensischen Mühlen ausreichend beschäftigt wären, und daß die Regierung die Einfuhr ausländischen Mehls erschweren würde. Aber in den letzten Jahren sind etwa 30 000 Tonnen ausländischen Mehls pro Jahr eingeführt worden. Die Mühlen haben keine Arbeit, denn bei ihnen sind schon große Vorräte aufgehäuft, und die Regierung gibt trotzdem Erlaubnis zu weiterer Einfuhr. Eine Gesundung der Verhältnisse kann nur dadurch herbeigeführt werden, daß ein schmackhaftes billiges Brot hergestellt wird, daß zum größten Teile palästinensisches Mehl enthält. Die Erfindung eines solchen Brotes und die Durch- Setzung des Absatzes im Jischuw könnte für unser ganzes Wirtschaftsleben einen neuen Antrieb bedeuten. Die Sache wird freilich nicht leicht sein, da viele Faktoren am Fortbestehen des jetzigen Zustandes interessiert sind. Es wäre zu hoffen, daß die Regierung das Problem erkennt und ein* reift. Die Stadtverwaltung von Tel Aviv hat jetzt den ersten chritt getan. Sie hat erklärt, daß sie jeder Erhöhung des Brotpreises entgegentreten wird, solange kein billiges Volksbrot passender Mischung vertrieben würde. Solange dies nicht der Fall wäre, würde sie auf Erhaltung des Preisniveaus von Brotsorten bestehen, die sie selbst als Luxusbrot atisälie. Sobald das Volksbrot da sei, werde sich die Stadtverwaltung für seine Verbreitung im Publikum einsetzen. Dann würde cs ihr auch möglich sein, einer Erhöhung des Preises iiir Luxusbrotsorten zuzustimmen. Eine der großen Bäckereien (Ssowa) bemüht sich jetzt um die Herstellung des billigen Volksbrotes auf Grund genauer Berechnungen. Diesem Versuch ist großer Wert beizumessen. Scharfe Maßnahmen der Regierung Eine Extra-Ausgabe des Amtsblattes teilt mit, daß der High Commissioncr auf Grund der ihm gesetzlich erteilten Vollmachten Emin Bei Tamimi aus dem Obersten Moslcmischcn Rat abberufen und ihn als nicht wieder wählbar erklärt hat. Tamimi, der augenblicklich in Aegypten weilt, ist das älteste Mitglied des Rates seit der Absetzung des Mufti. Der Rat umfaßt jetzt nur nocli drei arabische Mitglieder unter einem britischen Kontrolleur. Die Entlassung von Emin Bei Tamimi soll auf die Entdeckung zurückzuführen sein, daß er ein geheimes Zirkular an die mohammedanischen religiösen Richter sandte, in dem er sie drängte, dem ehemaligen Mufti von Jerusalem Gelder zu schicken, da er sich in finanziellen Schwierigkeiten befinde. Die Kadis von Jaffa, Haifa, Safed und Gaza wurden verhaftet. Der Kadi von Jaffa wurde auf drei Monate und der Kadi von Safed auf ein Jahr ins Konzentrationslager von Akko gesandt. Die Verhaftungen erfolgten wegen des Verdachtes der Unterstützung von Terroristen banden. In arabischen Kreisen verlautet, daß kürzlich 37 arabische Terroristen, die am Waffcnschmuggel beteiligt sein sollen, an der libanesischen Grenze verhaftet wurden. Ferner wurden im ganzen Lande zahlreiche Araber verhaftet, die unter der Anklage von Terror und Sabotage stehen. Von der Woche In Jerusalem wurde ein Manifest des aufgelösten Obersten Arabischen Komitees, das aus Kairo stammt, verteilt; es drückt erneut die Opposition des Komitees gegen die Teilung aus und fordert zum Boykott der neuen technischen Kommission auf. Generalmajor Wavell bestätigte die Todesurteile gegen zwei bei Dschenin gefangen genommene Araber. Das Urteil an einem der beiden verurteilten Araber ist bereits in Akko vollzogen worden. In Jerusalem wurde ein junger Jude wegen Besitzes eines Revolvers vom Militärgericht zu einem Jahr Gefäng- מ i s verurteilt. In Risclion-le-Zion wurden 11 Mitglieder des Brith Trumeldor unter Arrest gesetzt; sie müssen von 6 Uhr abends is 6 Uhr früh in ihrer Wohnung bleiben. Wegen zahlreicher Sabotageakte wurden die Nachtzüge auf den palästinensischen Eisenbahnen eingestellt. Sonntagmorgen wurde ein Milchwagen der Tnuvah-Ge- Seilschaft auf der Landstraße Afuleh—Jerusalem aus dem Hinterhalt beschossen und der Chauffeur, Schlomo Eisenberg, leicht verwundet. Leon Z ei den er, ein 39jähriger Werkmeister der Regierungs-Abteilung für Oeffentliche Arbeiten, wurde am Sonntagnaenmittag aut der Landstraße Akko—Safed aut seinem weg zur Arbeit von zwei Arabern angeschossen und verwundet. Ein Araber aus einem Dorf bei Akko wurde von Tenoristen schwer verwundet, und zwei Araber, die in einem Lastwagen bei Nablus fuhren, wurden von Schüssen aus dem Hinterhalt g etötet. Die Hitachduth Olej Austria hat die Jewish Agency auf die Notwendigkeit hingewiesen, Zertifikate für Juden aus Oesterreich anzufordern. (Schluß des Pallstfnafefls)

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