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Jüdische Rundschau · 1938-03-25 · Heft 24 (25.3.1938) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 24 (25.3.1938)
Date
1938-03-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU LITEMATUl-B IATT Nr. 24, 25. MÄRZ 1938 Erkenntnis der Geschichte ln einer bewegten Zeit wie der unserigen lernt der Mensch aus eigenem Erleben den Wellengang der Ge■ schichte kennen. Was früher Buchwissen zu sein schien, wird heute zu einer lebendigen, das Leben des Einzelnen mitgestaUcnden Kraft. Die Erkenntnis historischer Zusammenhänge stößt daher bei uns auf besonders starkes Interesse, sind, als auch das Wisse wohl die Kenntnis 1 : die Kräfte der Welt, eigenen jüdischen Vergangenhei! deren Mitte wir leben. (Red.) Die Geschichte der Araber Philipp K. Hitti: History of the Arabs (Geschichte der Araber). — Verlag Macmillan and Co. Ltd., London 1037 (sh. 31/6). Es kann kein Zweifel bestehen, daß das arabische Volk nach einer längeren ״geschichtslosen“ Pause heute wieder in die Weltgeschichte als aktiver Faktor eingetreten ist. Die Kennzeichen einer sich vorbereitenden Renaissance, teilweise erzeugt durch die Berührung mit dem Westen, sind unverkennbar. Ist diese Tatsache schon für das Abendland als solches von großer Tragweite, denn hier ist ein in frühere Jahrhunderte zurückreichender geschichtlicher Prozeß wieder aufgenommen, so ist sie insbesondere für das jüdische Volk, das, heute gleichfalls in einer großen Umgestaltung stehend und viele geschichtliche Zeiträume iiberbrückend, in die Heimat seiner kulturellen Formung zurückkehrt und in diesem Raum nun mit den Arabern zusammentrifft, geradezu eine Schicksalsfrage. Es ist daher unerläßlich, daß die arabische Existenz mit allen ihren kulturellen und historischen Verzweigungen auch wissensmäßig starker in den Gesichtskreis der Juden tritt, als dies in den letzten Jahrhunderten der Fall war, in denen auch die Juden sich in ihrem Ge- Schichtsbewußtsein vorzugsweise nach dem Westen orientiert haben. Darum kann ein Buch wie das vorliegende, das in einem großen Wurf, mit weiten Ausblicken, und dabei doch in allgemein verständlicher Form geschrieben, die Geschichte der Araber darstellt, bei uns auf besonderes Interesse rechneu. Der Verfasser, Professor der semitischen Literatur in Princeton (USA.), früher auch Professor an der New-Yorker Columbia-Universität und an der amerikanischen Universität in Beirut (Libanon), spricht seine Verwunderung darüber aus, daß Arabien und die Araber in neuerer Zeit so wenig Beachtung in der wissenschaftlichen Welt gefunden haben, obwohl das arabische Gebiet ein Viertel der Oberfläche Europas beträgt und die Wiege großer Kulturen war. Wir werden, so meint Prof. Hitti, bald mehr vom Nordpol wissen als von dem größten Teil Arabiens! Aus der arabischen Halbinsel sind nach dem einen die arabische Wüste nördlich umschlieflenden Halbkreis bildenden Fruchtland die semitischen Stämme ausgewandert, die später in der Geschichte als Baby- Ionier, Assyrer, Phönizier und Hebräer bekanntgeworden sind. In dem Sandboden der Halbinsel, dem Ursprungslande des reinen Semitismus, müssen also — so meint Hitti — rudimentär bereits die Elemente des Judentums (und demgemäß auch des Christentums) enthalten gewesen sein. Im Mittelalter brach dann aus Arabien das Volk hervor, das unter der Fahne des Propheten Mohammed den größten Teil der damaligen zivilisierten Welt eroberte und eine Religion schuf, der noch heute 246 Millionen Menschen angehören. Das arabische Reich, das etwa hundert Jahre nach dem Aufstieg dieses Volkes entstanden war und sich vom Atlantischen Ozean bis an die Grenzen Chinas erstreckte, war größer als das Römische Reich auf dem Gipfel seiner Macht. ״In dieser Periode einer noch nie dagewesenen Ausbreitung assimilierten die Araber an ihre Religion, ihre Sprache und sogar an ihren physischen Typus mehr Fremdstämmige, als dies jemals früher bei einem Volke der Fall gewesen ist, einschließlich der Hellenen, Römer, Angelsachsen oder Russen“ (Hogarth). Zugleich mit diesem Reich schufen die Araber auch eine gewaltige Kultur. Sie wurden die Erben der alten Kulturen am Euphrat und Tigris, am Nil und im östlichen Mittelmecr, und verbanden damit die Errungenschafteil der griechisch-römischen Kultur, sie brachten dem mittelalterlichen Europa die geistigen Einflüsse, die schließlich zu dem Erwachen der westlichen Welt in der Renaissance führte. Kein Volk im Mittelalter — so schreibt Prof. Hitti — trug zum menschlichen Fortschritt soviel bei wie die Araber und die arabisch sprechenden Völker. Diese allgemeine Ab- Schätzung, die an sich nichts Neues besagt, muß vorausgeschickt werden, um dem durchschnittlichen Leser einen Begriff von der Wichtigkeit der Materie zu geben. Denn, wie schon bemerkt, Arabien war jahrhundertelang vergessen und wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, meist von christlichen Missionaren, Kaufleuten, französischen und englischen Offizieren wieder entdeckt und erforscht. Der erste moderne Wissenschaftler,* der Arabien beschrieben hat, war der Däne Carsten Niebuhr (1761), es folgt der Schweizer Ludwig Burckhardt (1812), der auch Mekka besuchte. Unter den Forschern, die dann folgen — bis zu den Zeitgenossen Lawrence, Philby, Prof. Musil (Prag) und Emin Rihani (dem syrisch-amerikanischen Forscher) — werden auch rnchrere Juden erwähnt. Napoleon III. sandte 1862 nach Arabien den getauften Juden und Jesuiten Palgrave. Die wichtigsten südarabischen Inschriften wurden von dem französischen Juden Joseph Halevy (1869—1870) entdeckt und von dem österreichischen Archäologen Eduard Glaser (1882—1894), bei dem Prof. Hitti nicht erwähnt (vielleicht nicht weiß), daß auch er ein Jude ist, und sogar ein stark jüdisch intcressierter Jude. Von den zwei überlebenden semitischen Völkern, den Arabern und Juden, haben, so meint der Verfasser, die Araber den charakteristischen semitischen Typus, sowohl im Aeußern als auch in ihrer geistigen Eigenart, in höherem Maße bewahrt als die Juden, Im Sprachgebrauch Europas und Amerikas sei heute das Wort ״semitisch“ meist auf Juden gemünzt, aber das sogenannte ״semitische“ Aussehen, einschließlich der großen Nase, sei in Wirklichkeit gar nicht semitisch, sondern dieser ״jüdische“ Typ sei wahrschein lieh durch frühzeitige Vermischung mit den Hettitern entstanden. Die semitischen Araber haben gerade diese Merkmale nicht, sie seien schon infolge ihrer geographischen Isolierung ein reiner Typ geblieben. Heute freilich hat sich die arabische Sprache über ein viel größeres Gebiet verbreitet und die verschiedensten Stämme mit einbezogen, und hei der Besprechung dieser Völkerkarte stellt der Verfasser auch fest, daß die Beziehung ״semitisch“ heute mehr einen sprachlichen als einen rassischen Begriff darstellt. Es ist natürlich unmöglich, an dieser Stelle auch nur andeutungsweise die geschichtliche Linie der arabischen Ent- Wicklung nachzuzeichnen. Prof. Hitti beginnt bei der frühesten Zeit, beschreibt die geographischen und klimatischen Verhältnissc der Halbinsel, die Eigentümlichkeiten des beduinisehen Lebens, die frühesten internationalen Beziehungen der Araber, wobei auch die Bibel als Quelle ausführlich herangezogen wird. Es folgt die Geschichte der einzelnen Staats- Erfindungen in Süd- und Nordarabien und schließlich eine Schilderung der Lage iin Hodschas vor der Entstehung des Islam, wobei auch die blühende jüdische Kolonie erwähnt wird. In Medina hat es im sechsten Jahrhundert jüdische Dichter gegeben, deren Werke freilich zum größten Teil verloren gingen. Die große Zeit des Arabertums beginnt mit Mohammed. Es folgt die Zeit der Eroberung, der Ausdehnung und Kolonisation, dieser einzigartige Aufstieg, dann die Reiche der Omajaden und Abassidcn, das Uchergrcifcn der Araber nach Europa (Spanien und Sizilien), das Fatimidcn-Reich in Aegypten und schließlich die Mameluken-Dynastien, die das arabische Mittelalter abschließen und vom ottomanischen Reich abgelöst werden. Damals haben die Araber als ge- Schichthöhe Erscheinung zunächst ihr Ende gefunden und sinken in jene seltsame Lethargie zurück, aus der sie erst in unserer Zeit wieder erwacht sind. In allen Perioden der Gcschichte widmet der Verfasser eigene Abschnitte den kulturcllen Leistungen und kulturgeschichtlichen Zusammenhängen. Bei der Schilderung der Lebensverhältnisse (z. B. im Omajadenreich, im Abbassidenrcich usw.) wird stets auch die Stellung der Juden erörtert. Besonders eng war die Symbiose in Spanien, und es ist reizvoll, die (arabisch schreibenden) jüdischen Denker und Gelehrten (wie Gabirol, Maimuni u. a.) hier nicht isoliert, sondern ganz in die arabische Geistesgeschichte cingegliedcrt zu sehen. Audi viele arabische Werke dieser Zeit sind nur in hebräischen Uebersctzungen enthalten. Uebrigens bleiben viele bedeutende Juden jener Zeit (so z. B. auch Jehitda Halcvi) unerwähnt. Palästina spielt in der arabischen Gesamtscliau nur eine Nebenrolle. Das einzige Kapitel, in dem Palästina in den Mittelpunkt rückt-, ist das Kapitel über die Kren zzüge. Das Zeitalter der Kreuzzüge ist vor allem auch dadurch bemerkenswert, daß hier ein Kontakt zwischen West und Ost hergestellt wird, ähnlich wie es viele Jahrhunderte früher in den Perserkriegen (in umgekehrter Richtung) geschah, ähnlich auch wie im Mittelalter auf dem Boden Spaniens und schließlieh in unserer Zeit, Abendländer und Morgenländer, beide in der Blütezeit ihrer mittelalterlichen Kultur, treten einander zunächst mit Verachtung entgegen, aber später wurde dieses Urteil durch das gemeinsame Leber, stark verändert, und es entstanden in langen Friedensjahren sogar enge Freundschaftsbezieh 11 ngen (Lessings ״Nathan der Weise“ spielt in dieser Welt). Der Verfasser beschreibt, wie die Franken im Kreuzfahrer-Reich Palästina sich allmählich der orientalischen Lebensweise in Kleidung, Nahrung, Wohnung usw. anpaßten. Bei geschichtlichen Rückblicken, die meist nur die Jahreszahlen von kriegerischen Zusammenstößen und gewaltsamen Veränderungen hervorheben, vergißt man oft, daß die dazwischenliegenden Jahre des Friedens einen viel längeren Zeitraum ausmachen als die Kämpfe selbst und daß sich in dieser Friedenszeit das Zusammenleben ganz anders orientiert. Dies alles ist — wenn auch die Analogie natürlich nicht übertrieben werden darf — von großem Interesse auch für unsere Zeit, wo wieder vom Westen her eine Bevölkerung nach Palästina kommt. Im übrigen werden wir uns bei dieser Dar- Stellung auch bewuBt, wie eng zu jener Zeit Palästina, obwohl sein Charakter, wie die Kreuzznge beweisen, niemals unbestritten moslemisch war, doch mit der arabisch-moslemischen Kultur jener Zeit verbunden war, was ja auch architektonisch und traditionsmäßig im heutigen Bild des Landes noch hervortritt. Ist doch der (fälschlich ״Omar- Moschee“ genannte) ״Felsendom“, 691 von Abd el Malik erbaut und seitdem mehrmals renoviert, aber im Wesentliehen noch der Originalform entsprechend, das älteste und vielleicht schönste moslemische Bauwerk. Am Ende dieser Periode freilich trat schon durch den Umstand, daß (nach der Entdeckung Amerikas und des neuen Weges nach fndi das Kap de: Bedeutung fi infolge der ^rajerum guten H< r den Welthand( Erschöpfung der kl den Schatten. Ob di i oder lor, östliche Mittehne waln kunft lehren. Jedenfalls erhält 1 tiger die Absicht hat, lege״, als vielmehr ein Ges gen Eindruck von der gese! tums. Es drängt sich der Perspektiven sich ergeben bisches Erwachen sich in H aufbau vollziehen und eiiu tion zwischen Juden und Geschichte schon gegeben hat nitbil ״lieh auch den Kräfte, das var, wird die Zuesem Buche, das ergebuis: gewalti- . ■htlichen Erscheinung des Araber- Gedanke auf, welche ungeahnten irmonie mit dem jüdischen Wiederschöpferische kulturelle Kooperajeder entstehen könnte. R. Geschichte Englands Andrd Maurols: Geschichte Englands. — Bastei Verlag Wien. Man kann oft die Beobachtung machen, daß unter den Juden und besonders in der jüdischen Jugend viele Mensehen an die politischen Probleme der Nachkriegszeit, in die indirekt oder direkt auch die Juden einbezogen sind, mit vorgefaßten Meinungen über geschichtliche und politische Kräfte Herangehen, ohne genaue Kenntnis der wirklichen Dinge und Vorgeschichte. Dieser Mangel an Bildung hat sich in den letzten zwanzig Jahren häufig bei der Beurteilung der englischen Politik gezeigt, die für Palästina und das Jüdische Nationalheim ausschlaggebend ist. Sir Ronald Storr s hat kürzlich in einem Aufsatz, der als Vorrede zur hebräischen Ausgabe seines letzten Buches bestimmt ist, darauf hingewiesen, wie wichtig es wäre, Juden und Engländer einander zu erklären. Eines der wichtigsten Elemente dieses Kenncnlerncns ist zweifellos eine Kenntnis der englischen Geschichte, aus der sich so viel von dem Wesen dieses Volkes erklärt. Nun wird man nicht von jedem verlangen können, daß er umfassende wissenschaftliche Geschichtswerke studiert. Um so mehr ist es zu begrüßen, wenn in einem Buche in wirklich lebendiger Form das Wesentliehe der englischen Geschichte zusammenfassend dargestellt wird, und zwar in einer Art und Weise, die sich besonders die Deutung des Volkscbarakters und der Eigenart dieses Landes zur Aufgabe macht. Dies hat der bekannte französische jüdische Schriftsteller Andre Maurois in seinem Buche ״Die Geschichte Englands“ unternommen. Bei wenigen Ländern ist so wie bei England die geographische Lage ausschlaggebend für Geschichte und Wesen. England war stets ein enger Nachbar des Kontinents und zugleich doch von ihm getrennt. Bis zum 16. Jahrhundert am Rande der damals bekannten Welt, wird es durch die Entdeckung Amerikas und die Umleitung der Seewege plötzlieh zu einem Mittelpunkt und baut von hier aus sein Weltreich auf. Sehr fein bemerkt Maurois, daß diese Insel unter dem Schutze ihrer Flofte ihren eigenen Einwohnern manche Freiheit gewähren konnte, was die kontinentalen Nationen mit ihren bedrohten Grenzen nicht imstande waren. Er erke int aber auch, daß heute infolge der Erfindung der Luftwaffe eine ganz neue Epoche für England angebrochen ist. Die Darstellung Maurois’ beginnt mit den ersten Ansiedhingen europäischer Stämme in England, schildert die bis zum heutigen Tage nachhaltig wirkende Römerherrschaft, die Einwanderung von Angeln, Jtiten und Sachsen und die Annahme des Christentums. Maurois meint, daß die wüsten und bergigen Landstriche an der englischen Küste zwar verschieden sind von der Wüste, in der die Poesie des Alten Testaments erblühte, aber doch diese Menschen aufnahmcfähig mache für die Erzählungen des Alten Testaments. Nun folgt auf 600 Seiten die Geschichte Englands, und immer deutlicher sehen wir das klare Profil dieses Volkes sich herausbilden. Selbstverständlich wird nicht etwa mir politische Geschichte erzählt, sondern jeweils die Umwälzungen auf dem Gebiete des Verkehrs, der Wirtschaft, der Industrie, die geistesgeschichtlichen Auseinandersetzungen und der Durchbruch neuer Gefühlswellen. Auf dieser breiten Unterlage gelangen wir dann zur neuesten Zeit, die begreiflicherweise den modernen Leser am meisten fesselt. Im Hinblick aut die jetzige Orient- und Palästina-Politik Englands ist interessant zu beobachten, wie schon im 19. Jahrhundert in ähnlichen Fragen, die z. B. das Verhältnis zu kleineren Nationen betreffen, England häufig eine Schaukelpolitik machte und eine Linie, die manchem auf Grund von englischen Deklarationen als fest erschien, in entscheidenden Momenten wieder verließ. Seit hundert Jahren schon ist diese Mischung von Imperialismus und Pazifismus in der äußeren Politik Englands zu beobachten. Eines der spannendsten Kapitel der englischen Geschichte ist mit dem Namen eines Juden verbunden. Disraeli und G ladstone waren die großen Antipoden und Führer des viktorianischen Englands. Maurois, der früher schon eine Biographie Disraelis veröffentlichte, hat in diesem Kapitel Gelegenheit, die besondere Eigenart des englischen parlamentarischen Regimes auf seinem Höhepunkt zu schildern, wobei er, mit Seitenblick auf Disraeli, feststellt, daß es in dieser Regicrungsform ,,ohne ein gewisses komödiantisches Talent“ nicht geht. Zwischendurch gab cs Zeiten, in denen England ״zu schlafen schien“ und alles geschehen ließ; aber selbst GladstonC, der theoretische Anti-Imnerialist, konnte z. B. Aegypten gegenüber nicht gleichgültig bleiben. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entsteht in England eine neue Anschauung, die, nach dem Verlust der amerikanischen Kolonien, den Wert von Kolonien überhatipt leugnete. England gab 1S02 und 1815 an Frankreich' und Holland Kolonien zurück. Das 19. Jahrhundert ist charakterisiert dadurch, daß in den von Engländern besiedelten Kolonien sich jenes Freiheitsgefühl des Engländers entwickelt, das schon Englands innere Geschichte charakterisiert, und daher kommt es zu immer umfassenderer Seihstregicrung der englischen überseeischen Besitzungen. Das englische Reich hatte, wie Maurois es ausdrückt, in der viktorlanischen Zeit eine tiefergreifendere Revolution als die von 1688 durchgemacht. In naehviktorianiseher Zeit wurde die Sitte etwas freier, und gewisse Grundauffassungen, die viele noch mit der Vorstellung eines Engh grundlegend. 111 der Nachlende innerpolitische Ereignis en Partei, das Maurois auf meh- )bei er aber u. E. einen Hauptich die Tatsache, daß die Kon- : wichtigsten Teile des liberalen haben und dadurch den Liberalismus ״überflüssig machten“. In dem Schlußkapitel verhehlt Maurois die Einsicht nicht, daß die Struktur des englischen Reiches und seine Regicrungsform sich heute vor entschei« denden Fragen befinden. Er ist aber der Meinung, daß itl England Gegensätze, die andere Völker erschüttern, weniger Gefahren in sich bergen, weil der Brauch, sich ohne Auflehnung den Entscheidungen der Majorität zu fügen, so alt ist wie die politischen Einrichtungen der Normannen-Könige und auch ״weil die Meinungsverschiedenheiten sich nur an der Oberfläche abspiclen, die innere Einheit des Landes aber unzerstörbar erscheint“. Es wäre zu wünschen, daß eine solche populäre und doch einsichtsvolle, außerdem glänzend geschriebene Darstellung der englischen Geschichte von Juden viel gelesen wird, besonders auch in Palästina, wo viele Einwanderer, die aus ganz anders gearteten Ländern kommen, die Eigenart der das Land beherrschenden Engländer häufig nicht begreifen. Kontinentalen he Landers verbinde״ kriegszcit wurde das Ve! grund uncrwäl änderten : ׳urückfiilirt, \ r Baldw . B. Bardi: ״Der Kaiser, die Welsen und der Tod“. Saturn-Verlag, Wien 1938. In diesem höchst merkwürdigen Buche enthüllt der Verfasser eine Welt verschlungener Mystik und zugleich des aufgeklärten Rationalismus. Am Hofe des mittelalterlichen Kaisers Friedrich 11. treffen sich christliche Bischöfe, mohammedanische Aerzte und jüdische Gelehrte, und es funkelt von geistreichen Gesprächen über die tiefsten wie über die menschlichsten Dinge. Der weise Rabbi Jakob Charif Benaron steht im Mittelpunkt dieses Geschehens, und so manche schöne jüdische Ueberlieferung wird bei seinen Reden zutage gefördert. Das Buch ist in sehr gewählter Sprache geschrieben, ganze Teile sind sogar in jambisch gebundener Form gehalten, und man liest das Werk mit jener inneren Anteilnahme, die sich aus der Ergriffenheit des Autors auf den Leser überträgt. —nn. KEDEM jüdischer Bifchuenrieb mariinSaiainon Berlin-Charlottenburg, DahlmannstraBe 8 / Ruf; 961141 BÜCHER - RITUALIEN - SC BAUPLATTEN

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