Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 21 (15.3.1938)
- Date
- 1938-03-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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üeife 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 21, 1J, III. 1938 Jüdischer XVI. Der Gaon Saadia Abschluß des babylonischenTalmuds. Nach dem Tode Mar Samuels und Rahs unternahm ihr Schüler Jehu da ben Jecheskel, der eine neue Hochschule in Pumbeclita begründete, die Sammlung des die jüdische Rechtslehre umfassenden Tahmidteds (()rdnuiii! ״Nesikin"). Die Sammlung der anderen Teile war die Aufgabe der folgenden A niorüei generationen, insbesondere der (ieneration des berühmten Oeleiirtenpaares Raba und Ab ha je (um Anfang des 4. Jahrhunderts). Ende des 5. Jahrhunderts erfolgte die endgültige (jesamtredaktion des babylonischen Talmuds durch den Leiter der Akademie in Sura, 'Rabbi Asch» und seinen Schüler R a b i 11 a (״Talmud des Rabbi Aschi und des Rabina"). Damit schloß das Zeitalter der Amoräer ah: die Gelehrten der nächsten anderthalb Jahrhunderte — die S a b o r ü er ( Erwägende, Meinende) — machten nur sachliche Zusammenfassungen, Randbemerkungen und vereinzelte Zusätze zum festgelegten Talmudtext. Gaonat. Um die Mitte des 7. Jahrhunderts leitete der Siegeszug des Islam einen neuen Abschnitt der jüdischen Geschichte ein: den der Auseinandersetzung zwischen dei 'Üdisehen und der islamischen religiösen Kultur. Die weitiche Gewalt der autonomen Jmlcnhed liabvloniens gehmU auch weiterhin den Exilarchen’. Aber mit ihr riva'isierte die wachsende geistige Macht der Häupter ihr Akiulcnren, als SdiM iorijf, stiiH irrig . . . Ein wahres Cexdmhtdien aus I re/ Israel Die Geschichte spielt au! der 1'olizeist.itio״ m Sated. Fs wird ein Jude vorgeiäilirt, der :m W-rclaeiit steht, ein Pferd gestohlen zu haben, I )er amtierende Richter ist Engländer, der^ 11h LN ״ihn 11 ’ ״ uni \ י V 1 י I 1׳ Iw 11, ihr ein Dolmetscher anwesend", der Erageu 1111 d Antworten wortlieh übersetzen muß. Nun beginnt die Verhandlung. Richter: A horse 11.1s beeil stolcii. Del von slci'i Ihe horse? Dolnietsclier (übersetzt): Me hot gegamvet a ferd. Hot ihr gegamvet dos ferd? An geschuldigter (sehr ve! wundert): Ich hob gegamvet a ferd?? Dolmetscher (übersetzt): I have stolen a ltorse. Richter: Why did you steal the horse? Dolmetscher (übersetzt); Farwos hot ihr gegamvet dos ferd? Angesehiildigter (entrüstet): Ich hob gegamvet a ferd?? Ich darf a ferd??! Dolmetscher (übersetzt): I have stolen a horse. I need a horse. Richter: Why do you need the horse? Dolmetscher (übersetzt): Zuwos bedarft ihr dos ferd? Angeschuldigter (wütend): Ich darf dos ferd at kapores!!! Dolmetscher (übersetzt): I need the horse for religious use. Richter:??? Dr. R. religiösen Führer des Volkes. Sie trugen den Ehrentitel Gaon ( Erhabenheit, ״Exzellenz“) una ihre Autorität auf dem Gebiete der Gesetzesentscheidung galt nicht nur für die babylonisch-persische, sondern für die gesamte Judenheit der damaligen Welt. Durch ihre Tätigkeit erhielt der Talmud die Bedeutung eines allgemein anerkannten Gesetzbuches und Wegweisers in allen Fragen des religiösen und bürger- Lichen Lebens. Karäertum. Zum Teil als Reaktion gegen den Aufschwung des Rabbinismus, zum Teil als Folge des Einflusses islamischer Lehren entstand um die Mitte des 8. Jahrhunderts unter Führung des Bruders des Exilarchen, An an ben David, die Bewegung der Karäer (Karairn, Baale Mikra Leute der Schrift), die — ähnlich der mohammedanischcn Sekte der Schiiten — die an die Offenbarungslehre geknüpfte mündliche Ucbcrlieferung ablehnten und die Heilige Schrift als einzige und unmittelbare Quelle des Gesetzes anerkannten. Das traditionsfeindliche Karäcrtum kam im (). Jahrhundert zu hoher Blüte und war im Begriff, die Grundlagen des Rabbinismus zu unterwiihlen. Innere Kämpfe. Eine andere Gefahr erwuchs dem talmudischen Judentum aus der Anfang des 9. Jahrhunderts neu erwachten Rivalität zwischen Palästina und dem Diaspora-Zentrum in Babylonien. Der palästinensische Gaon Ben M e i r, Leiter der jungen Akademie in Jerusalem, wollte von den babylonischen Hochschulen die Anerkennung des Primats Palästinas aut religiös-geistigem Gebiet erzwingen: die von ihm angeordnete K a I e n d c r r e f o r in drohte eine Spaltung der Diaspora-Judenheit in zwei gegnerische Lager hcrvorzuritfen. Saadias Persönlichkeit. In diesem kritischen Moment tritt aut die Bühne der Geschichte der Gaon von Sura, Saadia ben Joseph aus Fajmn (Oberägypten; 852 bis 9!2) — eine der universalsten Gestalten der naclitalmudischen Epoche. Saadia war sowohl in der jüdischen als auch in der islamischen Kultur verwurzelt, besaß eine umfassende biblischtalnmdisdie und allgemeine Bildung und beherrschte die Plrlosophie seiner Zeit. Mit allen Waffen des Geistes ausgerüstet war er vom Ehrgeiz beseelt, den überlieferten Glauben gegen den Ansturm feindlicher Mächte zu schlitzen. Er war ein Mann von unbeugsamem Kämpfertnut und unbestechlichem Gerechtigkeitssinn. Ein Fremder in Babylonien 11ml der (idehrtenhlerarchie noch nicht angehörend, wagte er als junger Mensch, den Kampf gegen den Hegcmonicanspruch der palästinensischen Gelehrten aufzunehmen, um die Selbständipkeit der Entwicklung des Diaspora-Judentums für die Zukunft 711 sichern. Zum Gaon von Sura ernannt, bchaupteto er die Würde seines Amtes gegen den ihm übergeordliefen Exilarchen und zog es vor, lange Jahre in der Verbannung zu leben, als eine ihm willkürlich erscheinende Rechtscntscheidung anzuerkennen. Wirksamkeit. Als Vorkämpfer des Rabbinismus wirkte Saadia bahnbrechend aut allen Gebieten des jüdischen Geisteslebens. Aus dem selben Zielbewußtsein, das ihn in seiner erfolgreichen Polemik gegen die Karäer und andere Feinde der Tradition leitete, entstanden seine Bibelübersetzung und Bibelkommentar in arabischer Sprache: durch sie wurde er der Vater der jüdischen Bibelexegese im Mittelalter, ebenso wie er durch andere Werke der Urheber der hebräischen Sprachwissenschaft wurde. Die nachhaltigste und stärkste Wirkung erzielte er durch sein im Exil verfaßtes religionsphilosophisches Werk, das den ersten und methodisch r i c h t u n g g ebenden Versuch darstellt, die jüdische Offenbarungslehre mit der philosophischen Vernunft in Einklang zu bringen Post nach Uehersee Vom 15. bis 23. März (ohne Gewähr) Die angegebenen Zeiten sind die Abgangs Zeiten der Züge bzw. Flugzeuge aas Berlin. Die Sendungen müssen 1—1'/2 Stunden vor Abgang bei der zuständigen Bahnhofspostanstalt (Flugpost beim Postamt SW 11) vorlicgen oder unmittelbar zu den angegebenen Zügen oder Flupzcugcn gebracht werden. Anschluß im Reich entweder bei Durchgang der Züge bzw. Flugzeuge oder durch Sendung nach Berlin oder direkt an die ZwischenOationcn. Bei der Aufschrift empfiehlt sich die Anbringung von Leitvermerken. Palästina (ab Anh. Bhf. 22,55. Sonntags 22.45; Abgang München ca. 12 Stunden später): 15. via Brindisi mit ״Palesttna“; 21. Haifa. — 17. via Neapel mit ״Victoria‘'; 22. Haifa. — 18. via Belgrad; 23. Haifa. — 19. via Piräus; 25. Haifa, — 20. via Belgrad; 25. Haifa. — 22. via Brindisi mit ״Gerusalemme“; 28. Haifa. — 23. via Belgrad; 29. Haifa. Luftpost (alle Flüge außer Linie Berlin—Athen: ab Berlin 8.30; München 11.25). Di. (Linie Amsterdam—Bandocng Uber Neapel); 1)0. LvdtJa. — Mi. (Linie London—Kalkutta über Brindisi); Fr. Tiberias. — Fr. 0.30 (Linie Berlin—Athen—Bagdad); Sbd Lvdda. — Fr. (Linie Londnn—Kalkutta über Brindisi); Stg. Tiberias. — Sbd. (Linie Amsterdam—Bandocng über Neapel); Mo. Lvdda. — Stg. (Linie Brindisi—Haifa); Di. Haifa. U. S. A. (ab Bhf. Charlottcnburg 11.20): 15. via Cherbourg mit ״Queen Man•“; 22. New׳ York. — 16. via Le Havre mit ״Pres. Koosevelt“: 20. New York. — 22. via Le Havre mit ״Norniandie“; 28. New York. Südamerika (ab Bhf. Charlottenburg 11.20): 16. via Lissabon mit ״M.issiüa“; 29. Rio; 1. 4. Buenos Aires. — 19. via Lissabon mit ״Asturias“; 1. 4. Rio; 5. 4. Buenos Aires. Luftpost (auch nach Mittelamerika und Westindien): Mi. (Deutsche Luftp.) Postschi. 21.00: Do. 5.00 Frankf./M.; Sbd. Rio; Stg. Buenos Aires. — Jeden Sbd. (Frz. Luftp.) Postschi. 9.30; 14.55 Kofi»; Di. Rio; Mi. Buenos Aires (nicht nach Bolivien). Südafrika: 17. (13.58 Bhf. Friedrichstraße) via Southampton mit ״Stiriing C“; 1. 4. Kapstadt. Luftpost: Mi. und Sbd. (8.30); 11.25 München: an Kapstadt nach 7 Tagen (Linie London—Kapstadt über Brindisi). Australien: 18. (Anh. Bhf. 22.12) via Neapel mit ״Otranto“; 18. 5. Melbourne; 17. 5. Sydney. Luftpost: Di. und Sbd. (8.30); 11.25 München; an Sydney und Melbourne nach ca. 1»׳ö Wochen (Linie Amsterdam—Bandocng über Neapel). (Titel der hebräischen Uebersetzung: Ha-Emunot vveha-Deot Die Glaubenslehren und Meinungen). Wertung. Saadia, einer der letzten Vertreter des gaonäischen Zeitalters, steht bereit an der Pforte der ara• biscli-jüdischen Renaissance. Sein Werk bildet den Uebergang zwischen diesen zwei Kulturperioden. Literatur. Ueberdie gaonäische Epoche und das Karäcrtum: S. Funk, Die Juden in Babylonien (1902—1908); S. Poznanski, Studien zur gaonäischcn Epoche (1909); idem, Babylonische Geonim im nachgaonäischen Zeit* alter (1914); Ch. Tykocinski, Die gaonäischcn Verordnungen (1929); 1. M. Jost, Geschichte des Judentums und seiner Sekten, V; J. Fürst, Karäer (1869); A. Geiger, Das Judentum und seine Geschichte (19102). — Ueber Saadia: Jakob Guttmann, Die Reügionsphilosonhie des Saadia (1882); Julius Guttmann, Die Philosophie des Judentums (1933), 69 f.; J. Unna, Der Gaon Saadia (1926). Dr. J. H. Der ״Mussaf Iwrl“ fällt heute wegen großen Raummangels aus. (Red.) Ausräumung — Abholung HALT Metalle I Papier I Lumpen | Adolf NaffanieB N 65, Am Nordhafen 5 / 46 26 05 kauf* mH Einstampf - Garantie Hilf][[ Asphaltierungen pH!pj vjw Pflasterungen 4 ' Robert Wolter», Berlin W 15׳ Kufttlrsiendamm 48-49, Ruf 92 47 56 II) Aulo-Oaraqen - Tankst, j ז-Garagenpalast -Str. »27. 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