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Jüdische Rundschau · 1938-03-15 · Heft 21 (15.3.1938) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 21 (15.3.1938)
Date
1938-03-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU AUS DEM DEICH Frankfurt a. M,: Händels ״Belsazar“ Mit der Aufführung von Handels wenig gehörtem, packendein und musikalisch wertvollem Oratorium ״Belsazar" in dem wirkungsvollen Ncu-Arrangement von Zander hatte der Kulturbund nach mancherlei weniger geglückten Experimenten wieder einmal seinen großen Abend. Ein Werk rein- 'üdisclien Stoffes mit zeitbewegenden Anklängen, als Schöpung unbestritten meisterhaft, in der Wiedergabe durchaus gelungen unter Heranziehung namhafter und weiter Kreise von Frankfurter Künstlern und Laien, die sich sonst oft vernaehiässigt fühlten, mußte — besonders unter der hingehenden und hinreißenden Leitung Nathan Ehrenreichs zu einem vollen Erfolge führen. An der Spitze der Solisten ist Hermann Schey zu nennen, der tief ergreifend den Cyrus verkörperte und besonders mit dem eingcschohcncn Arioso die Hörer zu nicht endendem Beifall begeisterte. Erna Oroß als Mutter Belsazars gewann die Herzen durch ihre warme und gepflegte Stimme. Weniger vollkommen, wenn auch durchaus nicht aus dem Rahmen fallend, waren die Leistungen des leider durch einen Unfall indisponierten Hans Assen heim und Richard Dresdners. Der mit wirklieber Lust und Liebe und großem Können beteiligte Chor leistete Hervorragendes, zumal wie bei den meisten Oratorien Händels bei ihm der Schwerpunkt des Werkes lag. Seine Schulung durch die mühevolle Arbeit Ehreiypichs ist über jedes Lob erhaben. Auch Paul Meyer am״Cembalo und Martei Sommer an der Orgel trugen Wesentliches zum Gelingen des Abends hei, dessen Wiederholung erfreulicherweise zu erwarten steht, Dr. E. S. Theater und Konzerte. Im Kulturbund konnte Werfels Schauspiel ״In einer Nacht“, das vom Kölner Ensemble in einer ansprechenden Aufführung geboten wurde, nicht die erhoffte Wirkung erzielen, da der Stoff unserer heutigen seelischen Situation zu entlegen erscheint. — Ein Orchesterkonzert brachte erstmalig Kompositionen zeitgenössischer jtidischer Musiker. Zwei ״Horras“ von Jakob Schönberg fesselten als ein tnit eigenartigen Mitteln unternommener, ernsthafter und geglückter Versuch, Melodien des palästinensischen Volkstanzes nach den Konstniktionsgesetzen europäischer Poiyphonie zu bearbeiten. Der Frankfurter Max wollt schenkte uns in seinen ״Mimosen“ — Vertonungen japanischer Gedichte — kleine Meisterstücke einer intimen, Imressionistisch gefärbten und doch nicht zerfließenden Lyrik, ieder von Richard Fuchs verrieten eine geläufigere, aber wirkungssichere Schreibweise. Susanne L a n d s b e r g ■ H 0 1 - länder mit Prof. Pr ü wer am Flügel erfreuten durch eine erschöpfende Wiedergabe der Gesänge. Prüwer konnte in Werken von Rossini und Schubert sein Orchester wiederum in erheblich fortgeschrittener Form präsentieren. — An einem ״Heine-Abend“ unternahm es Gerhard Walter Rosenbau in recht eindrucksvoll, aber mit zum Teil anfechtbaren Thesen, das Leben des Dichters als ״Märchen vom verlorenen Sohn“ darzustcllcn. Gute künstlerische Gaben vermittelten bei dieser Veranstaltung Otto Bernstein (Rezitation), Thea Stucke 11 Schmidt (Gesang) und Kurt Heinemann (Klavierbegleitung). Die Uraufführung feinsinniger Heine-Lieder von Max Kowalski sei besonders hervorgehoben. — Der Cellist Oodfried Zeelander stellte sich uns in einem sehr anregenden Programm (Breval, Respighi, Frcscobaldi, Bloch, Rachmaninoff) als Meister seines Instruincnts vor. Technisch und musikalisch blieb bei ihm kein Wunsch unerfüllt. Hans Neumark war ihm ein vorzüg- Heller Begleiter, — Alice Rosen bäum und Dr, Willy Salomo n gaben an einem eigenen Abend für zwei Klaviere mit Werken von James Rothstein, Moselieles, Chopin, und Arensky Proben einer gepflegten Pianistik und eines gefestigten Zusanirnenspiels. Die effektvolle Bearbeitung des Mcyerbecrscheii Fackeltanzes durch Willy Salomen wurde besonders beifällig aufgenommen. In Stücken von Bernhard Sek I es zeigte die Pianistin ihr solistisches Können. Das reichhaltige Arbeitsprogramm der ״Gesellschaft für jüdische Volksbildung“ erstreckte sicli über viele Gebiete des jüdischen Lebens. Rabb. Dr. L e m 1 e hielt einen Vortrag über ״Lrcz Jisrael“, der von selbstkomponierten hebräischen Gesängen des Oberkantors N a 11 in o w - F 1 c i s c h in a n n umrahmt war. Es sprachen weiterhin Dr. D i e n e m a 11 n über den ״Midrasch“, Dr. Henry Philipp über ״Prophetie und Weltgeschichte“, J. B. Levy über die ״Megillah“. Ein Rezitationsabend von Frau Edith Herrnstad t-Oettingen hinterließ tiefgehenden Eindruck. Liesel Simon bereitete den Kindern eine fröhliche Chamischo osor bischwat- Feier. Dr. Guido Schönberger leitete eine Führung durch das Museum jüdischer Altertümer. Dr. N. E. Zionistisches Leben. Die letzten Wochen waren ausgefüllt mit der Aktion für den Keren Hajessod. In großerem Rahmen sprachen Dr. Michael Traub und Rabbiner Dr. Baeck über; ״In der Stunde der Entscheidung — die Zukunft Erez Israels“. Darüber wurde bereits in speziellen Berichten gesprochen. — Im Jüdischen Lehrhaus sprach Dr. Hans Pom e ranz über das Thema ״Neue Phase der zionistischen Politik“. Er stellte die Grundfaktoren der jüdischen Politik dar, erläuterte die durch den Peel-Bericht und seit dem Züricher Kongreß entstandene Lage und besprach die Frage der Beziehung des Judenstaates zu den Juden in den Ländern der Welt. — Der Gruppenverband traf sich zu einer Sitzung in Darmstadt, auf der R.-A. Benno Cohn (Berlin) zur ״Zionistischen Situation״ sprach. Von dieser Zusammenkunft, aut der auch Frau Lucie Levy-Zobel die Fragen der Hachscharah-Aktion erörterte, gingen lebendige Impulse für alle Zweige der zukünftigen Arbeit des Gruppenverbandes aus. — Im Intensivkreis der FZV. sprach Benno Cohn über die politischen und wirtschaftlichen Gegenwartsprobleme. — In einer Chamischah-Assar-Feier der Wizo erklärte Herr Gerson Stern die Bedeutung des Festes. Frau Edith Rosenthal brachte einige jüdische Lieder zum Vortrag. — Am 10. März zeigte Frau Liese A l e x a n - der eigene Lichtbild-Aufnahmen aus Palästina. Gemelndeleben. Der Haushaltsplan der Gemeinde für 1938 39 ist im Entwurf fertiggestellt. Die Verabschiedung des Etats wird im Hinblick auf die größeren Anforderungen voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Fräulein Aenne Pomeranz hat ihr Amt als Mitglied des Gemeinde- Vorstands niedergelegt. Die Neuwahl, ebenso diejenige für den infolge Auswanderung aus dem Vorstand ausgescliiedcneu Herrn Sali Kaufmann, wird demnächst vorgenommen werden. o. Brief aus Oberschlesien Beuthcn, Mitte Februar veranstaltete die Gemeinde zusammen mit dem Keren Hajessod-Komitee eine Palästinakundgebung, bei der nach einleitenden Worten des Gemeinde- Vorsitzenden, Apotheker Kunz, Dr. Hehr ent (Berlin) ein Referat über die Entwicklung des Zionismus und aktuelle Palästinaprobleme hielt; anschließend wurde ein interessanter Schmal-Tonlilm vorgeführt. — Die oberschlesischen Zweigstellen des Verbandes ״Jüd. Frauen für Palästina-Arbeit“ kamen am 20. Februar zu einer Arbeitsbesprechung zusammen, bei der Dr. B eh reut zur Lage in Erez Israel das Wort ergriff, während Frau Alexander-Freund (Breslau) ״Neue Wege der Wizo für die Erziehung■ der Jugend“ aufzeigte. — Ais Auftakt zur Zählung der hilfsbereiten Juden in Deutschland veranstaltete die Jüdische Winterhilfe ain 24. Februar einen Werbcabend. Aus den Darlegungen des Oemeindcvorsit/cnden ging hervor, daß die Hilfsbedürftigkeit der Juden in Betühen mit 700 Winterhilfe-Empfängern von 2300 Gemcindemitgliedern weit höher liegt als der Reichst!nrchschnitt. Gemeinderabbiner Prof. Dr. G o 1 i!1 s k i sprach über das Psalmenwort ״Glückselig, wer sich der Armen annimmt“; die Veranstaltung wurde von musikalischen Vorträgen der ״Jüdischen Mtisikvereinigung“ umrahmt. Gleiwitz: ln der Zionistischen Vereinigung sprach Fritz Tau (Beuthcn) über ״Die Zionistische Theorie und die jüdische Gegenwart“. — Dr. Walter Groß (Berlin) legte die vermutlichen Aussichten Palästinas in der nächsten Zukunft dar. — Gleichfalls in der Zionistischen Vereinigung sprach R.-A. Ehrlich über ״Weg und Ziel der Zionistischen Bewegung“. — Unter dem Titel ״Das Jüdische Gcmcindeblatt, eine aktuelle Revue“ fanden zugunsten der Jüdischen Winter- Hilfe drei von Gerts L e w i n verfaßte Tlieatcranfführurigcn statt, hei denen etwa 50 Gemeindemitglieder mitwirkten. Hindenburg: Rabbiner Dr. Geld (Breslau) hielt einen Vortrag in der Zionistischen Vereinigung über ״Das hohe Lied palästinensischer Arbeit“. — Die Gemeinde wies am 1. Januar 1933 020 Mitglieder gegenüber 1030 Mitgliedern am 1. Januar 1037 auf. Im vergangenen Jahr wurden nur drei Ehen geschlossen und waren mir 2 Geburten zu verzeichnen. 58 Auswanderungen und 43 Binnenwanderungen standen 15Zu- Züge gegenüber. Es wurden im Jahre 1037 von den Gemeindemitglieriern 23 üeschäftsliquidationen und 13 Gcschäftsverkäufe an arische Firmen durchgeführt. Oppeln: Ein ״Wiener Abend“ mit der Sängerin Rose Gerstel (am Fiiige! Frau Lotte Scliocps-Rogo■ sinski) fand ungeteilten Beifall. — In der Zionistischen Ortsgruppe hielt Dr. Groß (Berlin) einen Vortrag über das Thema: ״Mandat — Judenstaat — Dominium? Was wird aus Palästina?“ Rosenberg: Vor den Gemeindemitgliedern sprach Dr, Willy Cohn (Breslau) über ״Die mittelalterliche Judcngasse“, — In der Zionistischen Vereinigung hielt Fritz Ta 11 (Beuthcn) über die ״Zionistische Zuversicht“ einen eindrucksvollen Vortrag. h. B. Neuß. In der Synagoge fand eine musikalische Veranstaltung statt. Die Mitwirkenden waren Adelheid H e ß, Köln, und Julius Goldberg, Köln. Herr Goldberg referierte über das jüdische Volkslied. Frl. Heß sang jüdische Volkslieder und Lieder weltlichen Inhalts. Barmizwah-Terntim Am 19. März (16. Adar II): Oskar Windin ü 11er, Sohn von Albert Windmiillcr, Rathenow, Elhcriingstr. 2. Zionistisches und Gemeindeleben Hamburg. Am 8. März fand die Gciicinkci -׳unumung des \ er- 1 :;indes l’olnbehcr ]״den statt. Als Vordtzrtider wurde Herr Isst berg, Co! drei, Oroß.^ II,immer, Ledcrbeigee Ko.eiihaum, Sdnutc'd, Kaiserslautern. Lucie k c v y ■ Z 0 b e 1 hielt einen Oneg Schabilalcvi als Träger der — Ali Anlaß des 60. Gdma Mannheim. In einem U'iz! in Jlildern das Wesen Taliistin; letztmals als Vorsitzende die Trau Retwitzer Pauke-wo. Plauen. Am 27. Februar aiistultcl gemeinsam von Gcnia n u l) erg begnibie u m" und Dr. F. .״de der Zeiten". Stuttgart. In der K11. . a inde, Hernbard l Wurzburg, Ankündigungen 20.30 Magdeburg 1 20.30 V Remscheid: XV. 15. J'hili|.l> (W David. Familien-Nachrichten Herr und Frau Josef Hoch barg. S..m־b m ken 5, Femie; »tr. 100, 13. Marz den 90. Geburtstag. Juden und Jüdisches int Rundfunk. * Donnerstag, 17. März: I 11'xmin da Well Die Jüdische Rundschau hilft Adressen suchen Nr. 201. Una Caro, geh. Macho!, Nm-Scclaml, luchter von HeytnantJ Machol, der in den 30er Jahn׳;! von 1 ״bnens (Prov. Posen) nach Sydney oder Melbourne auswaiiderte, oder deren Nachkommen werden gesucht von Frau llertha Eick, geb. Ostrowski, Berlin-Charlottenburg 4, Waitzstr. 26. Nr. 202. Salotrton Jakubson, geb, in Siarodub, ab 1006 in Petersburg, ab 1920 in Berlin, bittet seine Verwandten und Freunde, ihre Adressen mitzuteilen. (Berlin W62, Kleist- Straße 8.) Nr. 203, Rosa und Benno Nachmann, Kinder_v11״ Leonhard Nachmann und Frau Klara, geb. Krontlial, 18/lt von M1Ikowo (Prov. Posen) nach New York ausgewandert, werden gesucht von Dr. rned. Norbert Cassel, Berlin SO 36, Köpenicker Str. 195. 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