Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 21 (15.3.1938)
- Date
- 1938-03-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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IODISCHE RUNDSCHAU PURIM-BEILAGE Nr. 21, 15. MÄRZ 1938 Die Megilla - neu aufgerollt! Esther Soweit war schon die Assimilation der Juden im Persisch-Medischen Reich gediehen, daß die schöne Judentochter Esther ihre jüdische Herkunft verschweigen konnte. Sie war unter den Schönen des Reiches die Schönste. Dies heißt: ihre Schönheit hatte das Besondere, das Gesonderte ihrer Abkunft schon abgestreift, sie war eine ״persische“ Schönheit! Nun, die Eitern waren ja längst tot. Aber immerhin hätte Esther von ihrem Vormund Mordechai, dem das Jüdische noch tief im Herzen und in den Knochen s'aß, genug an jüdischer Bewußtheit lernen und erben können. Aber damit war es nicht weit her. Vielmehr muß wohl Esther in den modischen und weiblichen Künsten mit den persischen eleganten Frauen gewetteifert haben. Das führte zu ihrem Erfolg beim König Achaschverosch und an seinem Hof. Es ist immer das Gleiche seit den Tausenden von Jahren: Das Leben im Exil ist mit allen Gefahren der Gleichmacherei und der Nachmacherei verbunden. Esther wird ״Königin“. Das konnte nichts anderes bedeuten, als daß sie sich vorläufig über ihr Judentum hinwegsetzte. Konnte sie, so fragen wir heute, in ihren Fraucngemäehern nach den jüdischen Gesetzen leben? Mußte sie nicht die persischen Riten und Feste beobachten wie eine echtblütige Perserin? War sie nicht dem Zoroastrischen verfallen? Und lebte nicht das Jüdische nur noch im hintersten, verstecktesten Winkel ihrer Herzens- Kammer? Kein Zweifel: die schöne mondäne Esther, war dem Judentum abhanden gekommen, richtiger: das Judentum ihr! Arme Esther, armes Judentum! Wieviele Esthers mag es aber damals, als die Megilla niedergeschrieben worden ist, zur Zeit des M a k k a b ä e r a u f s t a n d es, in Erez Israel selbst gegeben haben! Das Persisch-Zoroastrischc hieß nun das Hellenistisch-Syrische. Die Damen (und Herren), die diesem verfallen waren, sollten durch das Exempel der Esther aufgerufen und aufgcriittelt werden. Achaschverosch hieß nun Antiochus Epipnanes. Auch dieser war durchaus kein Feind der Juden, wenn sie so tanzten, wie er geigte (nämlicli nach heidnisch-hellenistischen Melodien), aber ein um so gefährlicherer Feind des Jüdischen, der jüdischen Tradition und Kultur. Eine Esther, die noch von Jugend auf fromm, also ihres Judentums bewußt — bewußt jüdisch — gewesen wäre, — die Figur eines solchen Mädchens wäre damals nicht zeitgemäß und zeitgerecht gewesen. Die Tendenz der Megilla richtet sich an die Abtrünnigen, an die Halben, an die Flauen. Also an die Schönen unter den Töchtern Israels, die mit den hellenistisch-heidnischen Damen in Konkurrenz zu treten pflegten und ihr Judentum vergessen hatten. Mordechai . Immer gibt es, unter allen jüdischen Irrungen und Wirrangen, einen... Onkel oder Vormund wie diesen Mordechai, der allsoglcich auch der Mund des Judentums wird. Geht man die jüdische oder so genannt jüdische Literatur durch, so findet mon Hunderte von Nachfahren des persischen iuden und Onkels Mordechai. Das läßt sich verfolgen is herunter oder hinauf zum ״Jettdien Gebert“. Der jiidische Onkel ist zu einem Begriff, zu einer stehenden, ja feradezu geflügelten Figur geworden. Ihr Ahnherr ist lordecliai. Er gehört, obwohl er sich ״in den Toren“ des konigliehen Palastes aufhält und hier doch wohl ein Amt oder mindestens eine ״Position“ ausfüllt, zu den Stillen im Land. Er ist ein Heimlicher oder sogar ein Sonderling. Er schweigt sich aus, aber er hält auch aus. Er hat keine Eile, er führt nicht das große Wort. Er lebt und denkt so vor sich hin. Ein wahrhaft liebenswerter Mann! ln ihm lebt Judentum, ohne daß es aus ihm herausschreit. Er ist kein Propagandist und noch weniger ein Proselytenmacher. Er hindert die Nichte Esther, obwohl er sie an Kindes Statt angenommen hat, keineswegs daran, mit den persisch-heidnischen Mädchen zu konkurrieren und sich zur Schönsten im Rcicli und also zur Königin׳ ausrufen zu lassen. Er schweigt dazu und denkt sich, es wird schon ׳für etwas gut sein — die Zeit wird es erweisen. Das sagt ihm sein guter Instinkt und auch sein ebenso gutes Ohr, mit dem er Dinge hört, die andere, deren Mund nie stillstcht, nicht hören. So entdeckt er, ohne davon viel Wesens zu Purimdige diodimes Zunojfgeschtellt un ibergesthriben tun Dr. Rabinowitz*) 1. Ojsgehert dem anderen zad1) Ejumol on Tajnis-Ester hot men gechapt a iden, wos hot gehejssen Schmaje, wi er sizt un esst. Fregt men ehm, wi asoj kumt cs, er soll asa2) sach ton3) un nit fasten? ,,Ich fast nit Tajnis-Ester“, hot er geentfert, ״wajl baj mir kumt aus punkt4) tarkert: umgerecht in der ganzer tnajssc is gewesen Mordechaj, un Homon is gor5) der gerechter.“ At morgen seht men, wi er is sich schtark messamejach6), takke gor nfn purimdigen schtejger7), fregt men ehm: ״Reb Schmaje, wibaid noch5) ajeh kumt aus, as Homon is gor gerecht, dart doch baj ajeh nit sajn Purim kejn jontew?“ ״Farschtejt ihr mich“, entfert er, ״kejn ein zad tor9) men kejnmoi nit ausheren. Nächten1״) hot sich mir gehat ausgewisen, as Homon is gerecht; nochdem ober, wos men hot gelcjnt di megile ejnmol un dos zwejte mol, un ich hob put ausgehert dem anderen zad, seh ich, as der gerechter 1s takke fort11) Mordechaj.“ 2. Der purimdige rostit-jesdiiwe12) Fn Woloshener jeschiwe is gewen & minhig19), auszuklauben1*) alle Purim fun di jeschiwe-bocherim16) a gemachten roseh-jeschiwe, wos is gesessen dem purimdigen tog atn schtul fun roseh-jeschiwe un sich gefihrt wi' an emesser1״) rosch. Ejnmol in a Purim-tog hot der purimdiger rosch-jcschiwc gechapt a ihrigen koss11) un balcjdigt dem emessen rosch-jcschiwe gor at a groben ojfen1*!. Af morgen is der dösiger10) jeschiwe-bocher gekummen inerbeten dem roseh-jeschiwe un sich iarentfert20), as er is gewen nächten a bissel mewussem21) un hot nit gewusst, wos er redt, ״Ot derfar22) takke“, sogt ehm der roseh-jeschiwe. ״bin ich dir inojchel29). Emess24), bedarft wollt ich eigentlich sich balejdigcn, waji di weit sogt: ,wos baj a nichternen af der *) Wie schon öfter, bringen wir liier einige osljiidiwhc Anekdoten im Original in der jiddischen Sprache, mit lateinischen Buchstaben transkribiert. Die schwieligeren Ausdrücke sind unten erklärt — Red. ״Purim-Traktat“ / Purim ist kein Feiertag, den man wie die sonstigen jüdischen Feiertage ernst und andächtig beging, sondern es ist oft ein wirkliches Volksfest gewesen. Mit Unterhaltungen im Freien, Tänzen auf offenen Plätzen, Musikern, die auf Gerüsten spielten, und den übrigen Tollheiten einer Maskerade. Der jüdische Karneval, wie das Purimfest oft genannt wurde, hatte ebenso seine theatralischen Auiführitngen vor den Toren der Synagoge wie die kirchlichen Festtage die Mysterien vor den Kirchen und Domen. Wir wissen, daß am Purim während des Gottesdienstes das Vorlesen der Megilla mit Leidenschaft verfolgt wurde und daß das Lärmen und die freudigen Aeußerungen dabei geradezu zum Ritus gehörten. Diese Freude und dieses frohe Lärmen, urspriinglieh mir auf die Liturgie beschränkt, fanden bald den Weg aus dem Tempel in den Vorhof und in die Straßen und Stuben der Juden und machten an diesem Tage auch an dem ernsten, stillen Lernzimmer nicht halt. Einmal im Jahre verbanden sich Heiterkeit und Ernst, ungebundene Lebensfreude und strenge Wissenschaft. So ist es nicht erstaunlich, daß sich in einigen Gemeinden des Mittelalters eine ganze Literatur entwickelte, die von dem fröhlichen Treiben um die Esther-Geschichte inspiriert ist. So schrieb Abraham de Beziers eine besondere Liturgie für das Purimfest, Crescas de Caylar eine Esther-Erzählung und Caionymos ben Calonymos, der berühmte Verfasser des ״Eben Bochan“ (Prüfstein), einen Traktat über Purim, in welchem er in Form und Inhalt meisterhaft den Talmud parodiert. In diesem Schriftchen — ״Mas ec 11 et Pur i in“ genannt — wird die ernste Lehriiallc zur fröhlichen Sitzung beim Purimmabie umgewandelt. Die Forscher und Gelehrteil ruhen von ihrer Arbeit, die gefurchten Stirnen glätten sich, frohes Lachen überzieht die Gesichter und aus den verträumten, müden Augen blitzt zuweilen der Schalk auf. Dem gedrückten und verhärmten Volk war einmal im Jahre ein wenig Freude gegönnt an einem Fest, das sich schon ans diesem Grunde von allen anderen abhob. Es sollte diese Freude auch aus seinem ureigensten Lebcnsclement schöpfen — aus dem Buch — und aus einer Form, die ihm gewohnt war: der talmudisehen. Daher ist es nicht gar so überraschend, daß der Verfasser dieser witzigen Phantasien, die wir in unserem Zeitalter vielleicht gar ״Revuen“ nennen würden, ein Talmudist ist. Es besagt nur, daß die Taimudisten im Volke wurzelten, um das Wesen des Volkes wußten und nicht nur den strengen Ernst kannten, sondern daß sie das Volk auch lachen lehren konnten. Um dem Leser eine Probe dieses Lachens des Mittelalters zu geben, lassen wir einen kleinen Ausschnitt aus dem Von Rabbiner Dr. J. Klicrsfeld, Bochum zweiten Abschnitt des Purim-Traktates ״Masechet Purim“ in der Ausgabe Sulzbach folgen: Mi sch na: Alle sind verpflichtet zu trinken, sowohl Männer als Frauen und Knechte und Miijjde, Rabbi Trinker lehrt: Auch Haustierc, wilde Tiere und Geflügel. Gcmara: ״Alle sind verpflichtet zu trinken.“ Woher ist dies hernu'ge'ernt? R. Faß lehrte: F.s heißt im Bibelverse (Esther 9,23) ,,Und diese Tage sollen in Erinnerung gehalten und gefeiert werden“, muß auch das .,in Erinnerung halten“, das fürdas Purimfest verlangt wird, durch Wein geschehen. Rabbi Krug sagte a!>er: Um dies zu einen logischen Schluß hinsiöhtl'ich des *Peßaehfcvtcs. Penn: wenn schon I’cßacli. das doch nur eine ׳Errettung von der Knechtschaft Dieser literarische Scherz macht durchaus nicht den Eindruck eines bitteren Lachens oder eines, das von der ewigen Angst verunstaltet ist. Es ist für uns besonders nützlich, zu selten, wie diese Menschen, die sich im unaufhörliehen, mir-taimudischcn Lernen von der Welt ausschlossen, heiter und übermütiger Freude voll sein konnten, bar jeder Melancholie. Nur so war es möglich, daß die Tage eines Purimfestes Tage ausgelassener Volksfrcude bei den Juden waren. machen, die Verschwörung zweier Palastbeamten gegen den Großkönig. Aber so still und unauffällig er ״in den Toren“ sitzt, ein starker Anruf dessen, was er seinen Glauben, seine religiöse und menschliche Ueberzeugung nennt, weckt ihn auf und enthüllt seine Charakterstärke. Er lehnt es ab, vor dem Großwürdenträger Haman das Knie zu beugen. Diesem verweigert er eine Ehre, die keinem menschlichen Wesen zukommt. In solcher Weigerung drückt sich Onkel Mordechais Judentum aus, sein jüdischer Stolz vor Menschen, der die andere Seite seiner jüdischen Demut vor Gott ist. Und wenn daraus nun Weiterungen höchst unliebsamer und gefährlicher Art entstehen, so weiß der Onkel Rat. Das Leben und Vermögen der Juden im ganzen Reich ist bedroht — wer kann und muß da helfen, wenn nicht die schöne Nichte Esther, die in einem der Frauenliäuser des königlichen Palastes wohnt. Seine Botschaft erreicht sie und mit dieser Botschaft Geist von ihres Onkels Geist. Sein Judentum springt auf sie über. Er hat durch eine einfache Unterlassung seine Mitjuden in Gefahr ihres Leibes und Lebens gebracht, und nun verlangt er von Esther, daß sie durch eine repräsentative Tat, geradezu durch eine Haupt- und Staatsaktion, jene Gefahr abwendet. Obwohl oder gerade weil sie seihst unbedroht ist, muß sie ihre jüdische Solidarität entdecken und bewähren. Auf diesem Umweg wird sic, die persisch-medisehe Assimilantin an der Hand des Onkels wieder zur Jüdin. Sie wagt ihr lung, is baj a schikkeren af der zung‘. Di majsse is ober nit tomid25) asoj, un dermit is mir farentfert9׳*) woren a sach, wos is mir schiendig gewen kosche21): zuwos darf men baj a behejme bojclik sajn25) die reje23) noch30) der schchite, un as es macht sich, si werd trejf, brengt es a grojssen hesik91); — besser wollt men doch gekeimt di behejme far92) der schchite onschikkern un demolt39) schojn betrachten di zung, wollt men doch dort aratisgesehn, wos es tut sich at der lung? Is der terez54), as baj a behejme is es gornit kejn ssimen35).“ 3. 1)1 rechte znjf Ejnmol in Purim, tar’n lejnen di megile, is der Shagerer schtodt-meschugener arut af der bime3c) un hot ausgerufen far’n ojlom31): ״In nomen fun pamalfe-schel-mailo'״) bin ich mojdijc"), as der, wos will hoben di s’chije10) zu schtarben in chojdesch41) nissan!s), is schojn43) izt41) di rechte zajt, er soll krank wern un sich lejgen zu bett.“ 4. Wos tojg,s) dl pej46) in homon? ״Wos tojg di pej in homon?“ ״ln homon gefindt sich doch gor kejn pej nit!“ ״Farwos soll sich in homon nit gefinen kejn pej?“ ״Zuwos tojg di pej in homon?“ ״Ot dos heg ich doch!“ 5, Krepplech ״Farwos Serien krcpplech drajkantig17) un nit fierkantig?“ ״Wajl wenn scj solen sajn fierkantig, wollt men in sej badarft15) ajnmachen z.izis.“ s) gerade; *) wie er bvmltg; mit feie 2») Lunge: M) -h; 81) Schade?01 ch eine; s) tun: *) genau; 1; ז) Usus: *) nach: 9) darf;!mncl-Hochsrluik; 1S) Gebtauch;!f>) echter; ein Glas zuviel °) verantwortet; s1)!«trunken; rständlirh: ”') prüfen. hlJhauen; 2) vor; M) dann; »•) Antwort: ler Gemeinde; 3®) himmlische .Monat N'Lsau zu sterben, gilt als Begnadung: **) schon; <*) jetzt; *ä) nützt; der Buchstabe Pj 4י) dreieckig: *י) müßte man. Judentum aufs Spiel zu setzen, richtiger: es ins Spiel der Palastintrigen zu mischen, und sie gewinnt das Spiel.׳ Gut und ehrlich hat der Onkel Mordechai die Karten gemischt, und das Glück hat geholfen. Der Gewinn bestellt nicht nur in der Errettung der Juden, sondern auch in Esthers mutigem Bekenntnis zu ihnen und zum Judentum. Wiederum mußte das Judentum, in der Entstehungszeit der Megilla, gerettet werden — und nun erst recht durch den Mut zum Bekenntnis und durch den Mut der Bekenntnisse. Ein Stiller im Land und die Schönste im Land wurden als Vorbilder geprägt — zwei unheldische Existenzen, die angesichts der Gefahr zu Helden wurden. Denn beide haben ihr Leben eingesetzt. Die Juden Die Juden des Perserreichs sollen den Juden zur Mnkkabäerzeit einen Spiegel Vorhalten. Nur so ist es zu verstehen, daß man sie ein Blutbad unter ihren persischen Widersachern anrichten läßt. Die Megilla Esther ist ein Kriegsbuch, eine Schrift der Aufreizung '/um Widerstand. Durchaus nicht ist sie etwa ein Beleg für den Blutdurst der Juden, sondern sie ist ein Mittel zum Zweck, die Juden der Makkabäerzeit für den blutigen Kampf vorzubereiten, der ihnen bevorsteht. Das Blutbad im persischen Reich ist weder historisch belegt, noch hat es die historis: lu• Wahl '.•dieinliclikcit für sich. Nie hätte wohl ein persischer Großkönig ein solches Gemetzel unter seinen Untertanen geduldet, zumal von einem unterworfenen Stamm im Exil, Vielleicht ist soviel daran richtig, daß es einen Hinweis auf die Spannung darstellt, die im Exil zwischen den juden und den Heiden bestatiden hat. Mit solchem übertreibenden Vorbild glaubte der Ver* fasscr seine Zeitgenossen, die zögerten, Mitkämpfer zu werden, aus ihrer Passivität heraiiszureißen. Er wollte ihnen tl!mit die Waffen gegen die syrischen Eindringlinge in die Hand drücken. Er wollte aus Unentschlossenen Entschlossene machen. Also: es gibt gar keine Juden aus der Perserzeit in der Megilla. Sie will den Juden der .Makkabäerzeit deutlich machen, daß sic in ihrem eigenen 1 and im Exil leben, wenn sie die Fremdherrschaft dulden und mit dir einen fremden Glauben und fremde Sitten. So wird auch der Grund klar, warum die Megilla den Namen des Ewigen nicht erwähnt. Der Grund ist die zwischen den Zeilen zu lesende Maxime: Hilf dir selbst! Der Geist der Ennamuing sollte gelehrt und gepredigt werden, 80 wie in dem gleichzeitig entstandenen Buch Daniel das Vertrauen auf eien Ewigen und in die ewige Mission des Volkes Israel neu belebt werden sollte. Daniel spricht zu den Frommen und Gelehrten, Esther zu den Läßlichen und Weltlichen. Daß in beiden Büchern die Zeit des Exils hcraufbeschworen ״ wird, die damals immerhin seit vier Jahrhunderten vorüber war, also eine gerade unvordenkliche Oeschichtsepoche darstellte, beweist nicht nur den nationallüstorischen Sinn der Makkabäerzeit und der aktiven Makkabäcrkreise, sondern auch, daraus folgend, das Vorhandensein des Bewußtseins, daß das Volk wieder einmal an einem Wendepunkt, aut einer verantwortungsvollen Höhe seines Schick* sals angelangt sei. Zu dieser Höhe sollten die zeitgenössisehen Mordechais und die Esther emporgezogen, empor* erzogen werden — durch jene zwei Vorbilder aus der Perserzeit. Dies ist, wie wir wissen, gelungen. Dies ist der Erfolg und der Ruhm der Megilla und ihre b'eibendc historische Bedeutung. _ hf. Kapellmeister Hans Bernstein, New York, hat die ״Java-Suite“ von Leopold Godowsky für großes Orchester bearbeitet. Bernstein dirigierte diese Stücke mit dem Boston- Orchester. Fernerhin hat Bernstein das ״Triakontatncron“ von Godowsky instrumentiert. Außerdem erhielt Bernstein den Auftrag, mehrere Werke für die Sommerspielzeit des Boston- Orchesters zu instrumentieren.