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Jüdische Rundschau · 1934-02-09 · Heft 12 (9.2.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 12 (9.2.1934)
Date
1934-02-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nf. 12 9 n.934ו jüdische Rundschau Seite 3 1 1 Au ,,17*'Ilicite * rfn'irtT,!'-ennttii■. H!׳r!init(. n׳l Weh״ Cnyirru11(r wird, dic M oral, ti sehr״ I de. | in wt nicht '1י<‘ N,)t! Wird und fehe 11!,״ i!.t. 11״ ob sie h, ׳״'illlliil,(, Wteht die ״!echterer ieri nach eburt im. 't> fühlen ne Atmo י Wt. 1)3!; ber sind, ite wejT0n Aber die vo/rceua■ it kl Ich י ist nt.-n ein und f» /**™,X f יי,״״״/ 1 ’ ״/ 'י ף! ץ~־, f ״*־׳/ ך י,s. ץ**״־ י-־׳ו; j 1;־ i ־ . ג ׳' י. i > . ן * \i& 11, w׳׳ w v., j Ci vj tü U eitet die Verband• bei der Acdscliid. Auscapcn IciUchids (deiche, .rlosorolf enge helevolvm chs, de? labe den lul Meddizei hot enstänile Gestand- 1 wurden und da? •1,1, Art« inne der iß dieser Kar Ssba f »Ihtamlie muel im Acdscilid imtnhsM l'i. Jan. Wider• losoroffs lochmals lUSS.ydl woruq,!relpcen. ird<chm n. Dies- . o s c ח is mit Pfund < e n n e. el-Awiw irt. 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Todrstag des großen Kirclieninannes und Philosophen soll mir jer äußere Anlaß sein, in diesen Blattern ein die absolut zentrale ijidisclie Existenz hart bedrängendes Problem in der hier gebo• tenen gedrungensten Form neu aufziirollcn und cs ohne fremde Rücksichten dem Zwielicht zu entreißen, dem es schon viel zu lang (nicht unabsichtlich) bis jetzt überantwortet war. ' Sclilcicrmachcr war nicht mehr noch weniger als der Bc- «runder der modernen Rcligionsaiiffassniig, der Stifter der noch heute in Westeuropa herrschenden ״Religion der Gebildeten“, für die die Schranken der Konfession und des Dogmas nicht mehr existieren, zum mindesten nicht mehr dic Lebens- und [)enkfernien bestimmen. Die Religion des Herzens und des (Jefiihls unter ״Nutriern und Vernünftlern“ wicticrniwcckcn, Religiosität und ״höheren Sinn“ unter Religionslosen zu verbreiten, das setzte sich dieser weithin wirkende Theologe und Philosoph zur Aufgabe, und diese Funktion erfüllten um dic Wende des 18. und 10. Jahrhunderts seine berühmten ״Re* den über die Religion an dic Gebildeten unter ihren Verächtern“ Die Frontstellung der ״Reden“ ist beschlossen in der Formel: ״Religion ist weder Denken noch Handeln, sondern Anschauung und Ocfiihl." Moralismus und Intellektualismus sollten damit gleichmäßig abgcwchrt werden. Der Religion soll ״eine eigne Provinz im Gemüt“ gehören; e* ist für sie angeblich charakteristisch, daß sie ״auf eine eigentümliche Art das Gemüt bewegt“, daß sie ״alle Tätigkeit in ein *nsfaiinendcs Anschauen des Unendlichen aullftst“. Dic so entstandcuc Oemütssfimmung wird des näheren von Schleiermachrr als ״fromme Empfindung“ und später bekanntlich als ״jchlcchthiniges Abhängigkeitsgefühl“ definiert. Zunächst also Ist, was Religion danach auszeichnet, ein passives Verhalten. Es ist nicht zu verwundern, daß dic deutschen Juden, als die Ghcttomaucrn etwa gleichzeitig mit dem Auftreten Schleiermachcrs fielen und die eisernen Bänder des ,,Gesetzes“ allzu plötzlich barsten, begierig sich der neuen ״Religion des Herrens“ anschlossen, ihre alten Gesetze und Gebräuche ״verinnerlichten“. Bis das, was früher geschlossene unverbrüchliche Seinsform war, sich in frommes pietätvolles Gefühl verfliichtctc und von dem Filigranwerk der jüdischen Pflichtenlchre, die täglich, »tündlich vom Aufstehen bis zum Niedcrlcgen geübt und gelebt wurde, nur mehr die spärlichen Reste einer immer unverbindlieber werdenden Konvention, ein paar Anstandsvisiten und einige verlegen eben noch gehaltene Bräuche übrig blieben. Kants Wort vom gestirnten Himmel, Goethes Verehrung der 50nne als einer Offenbarung des Höchsten, kurz, die bekannte Idealistische Erweiterung des Offcnharungsbcgriffcs, das war der Olatihc dm Bürgertums im 10. Jahrhundert geworden, und In dieser Richtung lag auch die Religion der gebildeten Juden Westeuropas in dieser Zeit. Dic alte vorcmanzipatorischc religiös-^esctzliche Ordnung, die den ganzen Menschen ergriff und alle Ltbcnsgcbiete durclidrang, war einfür allemal gesprengt; eine totale jüdische Ordnung war von nun an für alle jiidisehen Richtungen in Deutschland ein nicht wieder herznstclicnder Zustand, der der Vergangenheit angchörte. Darum sind Schleiern!achcrs Spuren auch sehr deutlich in der westlichen Orthodoxie zu spüren. ״Für einen Ostjuden, der aus der Distanz,!einer eigenen jüdischen Totalität nach dem Westen schaute, war darum der Abstand zwischen rechts und links von weit geringerem Belang, als sich deutsche Orthodoxe oder Reformiede diesen Unterschied einredeten“ (Max Wiener, Jüdische Religion 1m Zeitalter der Emanzipation, S. 8), Der Prediger des evangelischen Deutschlands wurde der «!gesalbte Lehrmeister des deutschen Rabbinats. Wie Kant, der Zerstörer der philosophischen Metaphysik, unter den dcutsehen Juden die begeistertsten Verehrer und scharfsinnigsten Interpreten fand, so stand von nun an Sehlciermachcr in den deutschen Synagogen (nicht nur In den Orgelsynngogen) als unsichtbarer Geist neben der Kanzel. Er war, wie ihn sein Biograph Dilthey nannte, In der Tat ״der Kant der Theologie“, drr ״vom Dogma auf die Religion zurückging“, der vor allem die theologische Metaphysik mit ihren Gegensätze» von Rationlismus und Supranaturalismus auflöste. Von David Fricdländen ״Reden, der Erbauung gebildeter Israeliten gewidmet“ (Berlin 1815) bis Caesar Seligmann (״Wo ist dic Wahrhcit? ״rei Reden über Religion und Judentum“; Hamburg 1897) wird d!'f Frage ״Was ist wahr?“ nur von der anderen aus ״Was 1י< erlebt?“ gestellt und die ״Religion des Herzens“, die •ubjektive Frömmigkeit vor dem objektiven Glaubens Inhalt, der cognitio Dci, gepredigt. Das ist alles nicht verwunderlich. Denn das deutsche Judentiim des 19. Jahrhunderts hat schlechthin alle Moden des Oeistes mitgemacht und ist unbefangen, völlig naiv in die *xtrivaß.intcstcli Vcrklcidunßslüeke geschlüpft. Aber daß gerade des weit berühmten romantischen Theologen verführe* . *che Lehre der ureigcntliche Gärungsstoff in dem geistigen *erwaiidlungsprozeß des nachcmanzipatorischcn Judentums "™de, ist bis jetzt noch nicht deutlich erkannt worden. Nicht "Uf seine Auflösung des Glaubens und der geschlossenen nicht *ragenden, einfach gläubigen Lebensform in subjektive Gefühls* ״hgion, sondern die bei uns lange so beliebte romantische Ab* ״t echter Mystik alten großen Stils, als Kulturmystik und Aesthetizismus unter uns bis heute grassierend, ist auf Schleier* m>d1er in gerader Linie zurückzuführen. Dieser Verwandlungs* Prozeß ״nd die Einschmclz.uiig romantischen Geistesguts ging deshalb so verdeckt vor sich, weil das religiöse Selbstbewußt*! *°חי um! die theologischen Auseinandersetzungen im Judentum i Zeitalter der Emanzipation scheinbar eindeutig Front R*?en die romantische Religiosität des Gefühls und des Her* 8ו»ן nahmen. Es war in der Tat ein unablässiges Sicherwehren und - Erliegen an ״das gefühlhafte unmittelßare Bewußtsein , *n die Religion des Herzens statt des rationalen Denke״* über «ott oder der wortlosen Befolgung der Gebote. Daß die j ü- ®',ehe Religion im betontesten Sinn dem ״Typ Schleierseinem psychologischen Frftmmlgkeitsbcgrifi wider- *Prieht, hat man wohl immer genau gewußt. Diehervor- Wenden geistigen Repräsentanten des Judentums haben siert '*nahrtislos'in^derIragFichen'Zcit the'oretiieh, in Ihren ״Äußerungen und Systemen gegen den SchWermachcrschen Religionsbegriff ausgesprochen. Ahraham Geiger will das Ju* dentum allein auf die folgerichtige Wahrheit der Idee, nicht auf das Gefühl stellen, aber mich nicht auf eine historische Autori* tät. Stein hei in hat das umfangreichste mul eigentümlichste jüdische Religioiissystein im 19. Jahrhundert verfaßt. Sein Werk ״Offenbarung nach dein Lchrhcgrlff der Synagoge“ (I. Teil 1815) hat die Aufmerksamkeit In neuester Zeit in erhöhtem Maße auf sich gezogen; Andorn, Schoeps und Max Wiener haben der imponierenden Spekulation Steinheims ausführliche Darstclhingen gewidmet. Sein orthodoxer Sapranaturalismus, sein Kampf gegen die Psychologisierung der Religion und gegen ihre Umwandlung in panthristischc oder idealistische Mctaphy* sik, sein Verständnis für Hamann und Jacob! richten sich ein- (leidig g c g e 11 S c 111 c i c r m a c h e r. Man wicli jedenfalls eher den praktischen Fragen der Lösung der dogmatischen Hindungen im 19. Jahrhundert aus, geschweige denn daß man eindentig die gesctzcstmie Lebensform ahtragen wollte. Aber die Predigt seihst, das Wort an die Gemeinde, dic größtenteils sonst nichts mehr ״Jüdisches“ hörte, vor allem aber das prakfische Endergebnis in dem Kampf der religiösen jüdischen Führer lief am Schluß des 19. Jahrhunderts eindeutig auf Schleierniachcr hinaus. Die Olaiihenssätzc verlieren in den jüdischen ״Glaubenslehren" je׳״-r Enoche jeglichen Erkenntniswert, sie sind auf eine einzige Ebene aufgetragene Erbauung. Diese Glau* benssät/e des modernen Judentums, ״das nichts mehr hält", vermitteln nicht Erkenntnis oder verbindliche Befehle, sondern ״repräsentieren das religiöse Gefühl“. Während man theoretisch und in ausführlichen Rcligionssvsfeincn sich noch gegen dic ״romantische Religion“ wehrte, stand man praktisch mitten in ihrer Propagierung, vor allem in der Predigt. Den Stil der Schlcicrinachcrschcn ״Reden über die Reil* gion“ hat zuletzt G11 ndolf in einer seiner besten und letzten Schriften cinfiihlcnd beschrieben, ihren Inhalt und die ganze unheilvolle Wirkung des ״Kirchenvaters des 19. Jahrhunderts“ (wie ihn Harnack nannte) hat der bedeutende Züricher Theologe Emil Brunner in seinem großartigen Werk ״Die Mvstik und das Wort“ (mit dem Untertitel: ״Der Gegensatz zwischen moderncr Rchgionsatiffassung und christlichem Glauben dargcstellt an der Theologie Schlciermachers“) in unübertrefflicher Weise nachgezcichnct. ״Eine wallende und wehende Anmut des Oe* samtflusses“, spürt Gundolf in diesen ״Reden“. ״Sichrer Griff oder scharfe Zeichnung der Umrisse Ist nur In der Polemik gegen dic Aufklärer“. ״In den positiven Stellen ist Schleiermachcr der salbungsvolle Rhetor der Deutschen“. Gundolf geht dem Begriff der ״S a 1 b 11 n g“ auf den Grund, ja er gerät offensichtlich im Laufe der Erklärung dieses Begriffes stark in Walluiig. W i r aber 11,ihm triftige Veranlassung, hier Gundolf aufmerksam zu folgen, da seine Charakteristik unsere These der Schlcicrtnachcr'schcii Infizierung der svnagogalen und — außersviiapopalcn Predigt bis auf unsere Tage erhärtet. ״Rednerischc Salbung entsteht dort“, erklärt Gundolf, ״wo der Redncr ein Gedachtes als gefühlt vortragen will . . . Die Region, wo Schlciermachers Erhebungen gedeihen, ist nicht das Herz, sondern das Hirn, aber er will Gefühl und Anschauung zeigen, wo er nur Nachdenken und Vorstellung hat . . . Sehlciermachcr ist wesentlich Intellektualist und Empfindnngsmensch, doch will er Religion und Pathos daraus machen: daher seine fatale Sal* hting. Da er unter den derart Bcanlagten in Deutschland der weitaus gebildetste und überlegenste Geist war, hat er der Salbung einen Schwung und eine künstlerische Vollendung zu gehen gewußt, die vorbildlich wirkte: unter den geistlichen Schönrednern bleibt er der Meister und Verführer. Aber trotzdem hat er eine der widerlichsten Stilcrschcinungcn in der deutschen Redekunst erst legitimiert: das ölig leere Predigergeschwätz, das mit Schöngeisterei und Herzensfülle kokettiert, und dem wir die umständlich dünne oder massige Schulmeisterri der alten Orthodoxen und Aufklärer noch vorziehen, well sie ehrlicher ist. Auch hier ist dic Vcrmanschung zwei streng getrennter, wennschon nicht notwendig sich ausschließender Kräfte, der Religion und der Bildung, das Unreine. Wer vom Heiligen erfüllt Ist, der bedarf nicht des Geschmacks, um tn heilig vorzutragen, und wer seinen Geschmack bewußt pflcgen will, darf sieh nicht als Gottbegeisterten aufsplclen “ Das ist rin strenges Gericht. Und noch strenger lautet das Urteil des Theologen Emil Brunner über den Inhalt der Lehre, der er eine unter der Oberfläche christlich ausschcndcr Formulierungen begangene Verfälschung des ChrIstent ums und grundsätzliche Andersartigkeit nachweist. Wenn wir heute in Oestalt einer Zcntcnnar-Erinnerung an Sehlciermachcr die jüdischen Illusionen einer vergangenen Epoche verurteilen, so brechen wir damit den Stab über unsere eigenen Illusionen, Nostra culpa, nostra mnxima culpa! Einen nicht mehr rückwärts zu bewegenden ge- Schichthöhen Vorgang, den Prozeß der Entjudung, hatten wir ohne Sentimentalität 7u beobachten; unser Ich, den Widerstreit unserer Gefühle mußten wir bei dieser Beobachtung aus* löschen. Aber dieses methodisch unerläßliche kühle Unbctclligtscin gehen wir im Augenblick der Beendigung unserer Analyse wieder auf und ziehen daraus die Lehre für unsere tun• bulentc Gegenwart: ״Die Religion der Gebildeten״, das ist unsere eigene Religion. Das ist nicht nur di e Religion der weitaus überwiegenden Zahl der deutschen Juden, sondern auch das Glaubensbekenntnis der meisten jüdischen Bewohner des Heiligen Landes und der, die sich anschicken hinaufzuziehen. Von zwei ״Lebcnsstilen“ wissen wir in Palästina, von zwei ungleichen Gruppen — beide echte ganz erfüllte Juden — die einander nicht verstehen können. Und immer drängender und drohender wird die Frage, ״ob eine tiefgründige Renaissance, eine Neubefruchtung der jüdischen Schaffenskraft bei einer durchgehenden Säkularisierung des Lebens in Palästina mög* lieh ist?, ob die hebräische Sprache und die jüdische Siedlung genügen, die Erhaltung des Judentums zu sichern, ob nicht etwa die weiter und weiter um sich greifende europäisch-amerlkanisehe Egalisierung die ureignen jüdischen Formen und Be• griffe überwuchert und zum Erliegen bringt“ (vgl. ״Zwei Le• bensstile“, Jtid. Rundschau v. 14. 10, 1932). Diese Sorge Ist heute begründeter als je; sie wird in der Diaspora regeJ• mäßig, wenn der Druck von außen weicht oder nachläßt, nun schleichenden Ocspenst de» Untergang» des Judentum!. Einen Gnstsassen bedränge nicht, quSle Ihn nicht, denn Gnstsassen wart Ihr Im Land Aegypten 1 Keine Witwe und Waise sollt Ihr drücken. Weh, drückst du, drückst du siel Denn schreit sie, schreit aut zu mir, höre, hör Ich Ihren Schrei, Leihst du Geld meinem Volk, dem Armen neben dir, sei Ihm nicht wie ein Schuldherr, ZlnshSrle legt Ihm nicht auf, Pfändest zupfend du das Oberkleid deines Genossen, ehe die Sonne etnglng, gib’s Ihm zurück, denn es allein Ist seine Hülle, es sein Kleid für seine Haut, worin soll er sich schlafen legen? So wlrd’s sein, wenn er zu mir schreit, will Ich's erhören, denn ein Gönnender bin ich. Den Gastsasten quäle nicht: Ihr kennt ja die Seele des Gasts, denn Gattsassen wart Ihr Im Land Aegypten. II. 5. M. XXII, 20-22, 24-26, XXIII, 9. (Ucbctsetzung von Buber/Rosenzweig) Aus dem Wodienabsrftnfit für Sonnabend, 10. Febr, Der Zwiespalt des religiösen und areligiösen Judentums in Palästina und bei uns, die Frage nach der ״richtigen“ jiidisehen Religion ist hier nicht zu lösen. Aber ein gegenseitiges Verständnis wird noch am ehesten erreicht, wenn wir die geistige Herkunft beider Gruppen mit historischer Akribie nachzeichnen. Wir konnten nur eine sehr knappe Skizze einer nicht unwichtigen Seite des historischen Problems geben. Wir können keine intellektuelle Unredlichkeit an die Stelle der ״Religion der Gebildeten“, die auch die Religion der meisten westeuropäischen Juden geworden ist, setzen. Dali ihr Begründer der große preußische Patriot und Berliner evangelische Prediger Sehlciermachcr war, wollten wir anläßlich seines 100. Todestages zeigen. Das neue Sludentenrecht Die drei Studentenverfassungen — Verfassung der Dcut* sehen Studentenschaft, Verfassung der Deutschen Fachschul* Schaft und die Verfassung der Rcichsschaft der Studierenden —, die soeben verkündet wurden, beruhen auf der Grundlage des sogenannten ״v 0 I k s b ü r g e r I i c h e n“ Prinzips. Dieses Prinzip steht (in Gegensatz zum ״staatsbürgerlichen“ Prinzip, wonach die Gesamtheit sämtlicher voll immatrikuliertcr Studenten einer Hochschule, die deutscher Staatsangehörig* kclt sind, dic Studentenschaft bilden. Das volksbürgerliche Prinzip der Deutschen Studentenschaft ergibt sich aus ihrer Zusammensetzung. Die Deutsche Studentenschaft ist nämlich der Zusammenschluß der Deutschen Studentenschaften an den Hochschulen des ge* schlosscncn deutschen Sprachgebiets und weiterer Zusammen- Schlüsse deutscher Studenten außerhalb dieses Gebiets auf Grund besonderer Abkommen. Die einzelnen deutschen Stu* dentcnschaftcn werden nach dem Reichsgesetz vom 22. April 1933 gebildet. Nach diesem Gesetz gehören zu ihr die bei einer wissenschaftlichen Hochschule voll eingeschriebenen Studenten deutscher Abstammung und Mutter* spräche. Der Begriff der ״deutschen Abstammung“ ergibt sich aus § 4 des Rcichsgcsctzes gegen die Ucherfüllung deut* scher Schulen und Hochschulen vom 25. 4. 1933 in Verbindung mit dem Arierparngraphcn (§ 3 des Gesetzes zur Wicderher* Stellung des Berufsbeamtentums.) Danach ist also die Aufnähme solcher Studenten In die Studentenschaft unmöglich, bei denen ein Teil der Großeltern nicht-deutscher Abstam* mung ist. Nach § I der Preußischen Studcntcn-Verordmmg vom 12. 4. 1933, die das Nähere über Aufhau und Arbeit regelt, hat jeder Student bei der Immatrikulation eine nach bestem Wissen und Gewissen verfaßte chrenwörtlichc Erklärung darüber ahzugeben, ob seine Eltern und Großeltern deutscher Abstammung sind. Auf Grund dieser Er* klärung entscheidet der Führer der Studentenschaft oder ein von ihm mit dieser Aufgabe betrauter Mitarbeiter über dic Zu* gchörlgkeit zur Studentenschaft. Gegen diese Entscheidung ist Berufung an einen Ausschuß möglich, der aus dem Rektor, zwei vom Senat zu bestellenden Hochschullehrern und den beiden Acltesten der Studentenschaft besteht. Auch die Verfassung der Deutschen Fachscfuil* schaft, die gemeinsam mit der Studentenschaft die Reichsschaft der Studierenden an den deutschen Hoch- und Fachschulen bildet, hat das Arierprinzip, denn zur Fachschulschaft gehören dic Studierenden, die Besucher und Schüler deutscher Abstam mung und Muttersprache der eingetragenen Fachschulen. Auch hier dürften für die Fest- Stellung der Abstammung die gleichen Bestimmungen gelten wie bei der Studentenschaft. * Die Ausstellung der Hochichulrelfezeugniss* für Abiturienten, die zu Ostern erstmalig geschieht, erfolgt im Rahmen dep den einzelnen Provinzen zu gewiesenen Zahl, in Preußen durch die zuständigen Oberpräsidenten. Im ganzen ist die Zahl der Abiturienten und Abiturientinnen, denen in Preußen im Jahre 1934 dic Hochschulreife ztier* kannt werden darf, auf 10734 fcstgesefzt, darunter 1048 Abi* turientinnen. Nur auf Antrag des Abiturienten hin wird, wie sich aus einem Erlaß des Preußischen Kultusministers ergibt, das Hochschulreifezeugnis erteilt. Unter Bezeichnung des erwähl* ten Studiums ist dem Antrag gleichzeitig die Erklärung der Absicht beizufiigen, eine Hochschule besuchen zu wollen. Es bleibt dem Antragsteller überlassen, seinem Anträge Zeugnisse über die Betätigung in der HJ oder SA beizufügen. Die Anträge werden nach bestandener Reifeprüfung vom Anstaltsleiter mit ausführlichen Out ach ten dem Ober* Präsidenten wcitergerdcht. Der Oberpräsident seinerseits wird, unbeschadet der vollen Verantwortlichkeit für jede Entscheidüng, von den bei ihm eingegangenen Anträgen dem zustän* digen Oauleiter der NSDAP Kenntnis geben mit der Bitte, etwa bestehende Bedenken gegen dic politische Zuverlässigkelt des Antragstellers mitzuteilen. Es findet keine Schema* tische Zahlenverteilung auf die Schulen statt, sondern die L«i»tuagahdhe wird bd der Verteilung berücksichtigt.

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