Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 12 (9.2.1934)
- Date
- 1934-02-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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RCinarlit ist, sondern dann, wenn die Verlockung /tun Austritt bestellt und Vorteile aller Art verspricht. Wir sind verpflichtet, uns in aller Aufrichtigkeit zu fragen: Was wäre geschehen, wenn der neue Staat nicht nur Frontkämpfern, sondern z. B. auch getauften oder taufbereiten Juden eine Vorzugsstellung cingeriiumt hätte? Wir hoffen zwar, wagen es aber doch nicht mit Bcstimmtheit zu behaupten, daß das ganze deutsche Juden* tum bereits innerlich so erstarkt und selbstbewußt ge* worden ist, daß eine andere geschichtliche Konstellation Dr. Graus Ve rmutung Lügen strafen würde. Dieser Zweifel bedeutet von unserer Seite gewiß keine Gering* Schätzung der Juden; für jedes andere Volk bestünde die gleiche Frage; denn wir stehen ja vor einer historisch gewordenen, aus bestimmten Voraussetzungen zu begreifenden jüdischen Haltung, die hundert Jahre für das deutsche Judentum maßgebend war. Wir sind alle einig darüber, daß diese Epoche abgeschlossen und heute ein neues Judentum im Werden ist. Dieses Wer* den bewußt zu gestalten, ist unsere Aufgabe. Dazu aber ist erforderlich, daß nicht nur unsere äußere Stellung in der Gesellschaft der Völker, sondern auch unsere geschichtliche und geistige Herkunft in viel höherem Maße in unser Bewußtsein tritt, als cs bisher meist der Fall war. Auch unser seelisches Erdreich ist aufgclockert. Wir bemerken heute auch im jüdischen Bezirk eine ernstere Beziehung zu Fragen der Religion. Die Erschütterung, die die deutschen Juden im Jahre 1933 durchmachten, mußte religiöse Impulse erzcti* gen, wie jedes Erlebnis, das die tiefsten Schichten der Seele aufwühlt. Dieser Ansatz — es ist, ehrlich ge* sprechen, nur ein Ansatz — darf nicht abgebrochen werden; nicht darf, wenn die Geschäfte wieder etwas besser gehen oder wenn auf diesem oder jenem Gebiet des privaten Lebens die anfangs gehegten Befürchtungen sich nicht verwirklicht haben, die alte Gleichgültigkeit, der alte Zynismus wieder entreißen. Vor solcher Gc* fahr sind wulil die Zionisten geschlitzt, die in stärkster seelischer Spannung für ein die Zukunft entscheidendes Geincinschaflswerk leben. Aber auch für uns Zionisten gilt es heute in weit höherem Maß, eine geistige Orion• ticrung für unser Sein mul Tun zu haben als früher. Der Zionismus hat uns tiefe Einsichten in die Bedingtingen des I.ehens der Juden gebracht und uns gelehrt, daß es not tut, andere I.chciisbedingungcit zu schaffen. Aber häufig werden Aeußeilichkcitcn der praktischen Arbeit schon für geistige Werte gehalten; nicht alle Zionisten waren sich der geistigen Zusammenhänge bc* wußt, in denen unser Werk der Erneuerung stehen muß. Die historischen Grundlagen unseres Volkstums, unscres geistigen Ursprungs und unserer religiösen Bindung bieten sielt uns heute wieder viel greifbarer dar, Wir müssen angesichts eines weile Kreise erfassenden Kamp* fcs der Geister, in einer Auseinandersetzung, die zum Teil auch unser historisches Gedankengut zum Gegen* stand hat, unseren Platz, kennen. Religion und Volkstum gehören im Judentum zusnin* men; die Taufe ist ein Lossagen von beiden. Beide leben von einander, und die geistige Not, die Ludwig Feuchtwatiget* an anderer Stelle dieses Blattes als K msequenz unserer eigentümlichen Religions-Verwässerung aufzeigt, kann nur durch Ncu-Erwachen der religiös schöpfen* sehen Volkskräftc überwunden werden. Darum ist unser Volksgefühl, das durch die Beobachtung der reli* giösen Gärungen der christlichen Welt eigentümlich an* gesprochen wird, die Voraussetzung jeder geistigen Selbsterkenntnis. Die Welt ist in Bewegung; jeder muß wissen, wo er steht. pp) ippף pp .,עי t,L׳ciL,u! L Mii u yjüGÜ u uw-- Erregte Tage in Tel-Awiw Die letzten Vorgänge bei dem Untersuchungsverfahren in der M o r d a 11 ge 1 e g e 11 h c i t Arlosorofi haben in Palästina, wie ans den jetzt hier cingclangtcn palästinensi* sehen Zeitungen licrvorgeht, eine große Erregung her* vorgerufen. Die Zeitungen schildern die Szenen, die sich in Tel-Awhv und anderen jüdischen Zentren abgespielt haben, als die Nachricht verbreitet wurde, cs hätte sich herausgestellt, daß Arlosoroff von Arabern ermordet worden ist. Die Verwirrurig, so heißt es, wurde insbesondere dadurch hervorgerufen, daß sich die betreffenden Gerichts-Szenen am Frei* tag abspicltcn, so daß infolge des Ausfalls jüdischer Zeitungen am Sonnabend keine exakten Nachrichten dem Publikum zugänglich waren. Dadurch war der Phantasie freier Lauf gegeben. Allgemein sprach man von einer ״Wendüng“ dieser Sache, und das Wort ״Wendung“ bildet ־ ge* rade/u die Kapitelüberschrift dieser Episode. Die Tcl-Awiwer Zeitung ״Haaret/.“ gibt folgende Darstellung: Noch am Donnerstag gegen Abend-entstand in TcFAwiw das Gerücht, daß neue ״Enthüllungen“ bezüglich, des Arlosoroff-Mordcs hevorstehen. Ans Kreisen der Revisionisten wurde die Nachricht verbreitet, daß des Mordes verdächtige Araber verhaftet worden sind usw. und daß die Freilassung von Stavvsky, Rosenblatt und Genossen mir noch eine Frage weniger Tage sein könne. Freitag morgens. verstärkten sich diese Geriiciite. Plötzlich verbreitete sielt wie ein. Lauffeuer die Nachricht, daß ״zwei Araber, von denen der eine bereits zweimal die Tat gestanden bat, verhaftet worden sind“. Obwohl die Nachricht sehr unklar war, hat sie doch die ganze Bevölkerung in eine beispiellose Erregung versetzt. Sie wurde von Mund zu Mund weitergegeben, die Stra* ßen wurden von einer Menschenmenge überflirtet, viele Men* sehen (Chefs timt Angestellte) verließen ihre Geschäfte und Büros und versuchten, Genaueres zu erfahren. Atles stand int Zeichen großer Aufregung und Nervosität und es ent* spannen sich auf der Straße lebhafte Debatten, wobei allerhand unrichtige Vermutungen nuftauchien. Etwa um zehn Uhr wurde auf dem revisionistischen Klub die blau-weiße Fahne gehißt; die Revisionisten sangen Lieder, tanzten und riefen ״Es lebe Jabotinsky“. Um dieselbe Zeit etwa erschien das erste Extrablatt der revisionistischen Zci* tung ״Chasit Haam“ mit der Ufberschrift ״Die Mörder Arlosoroff8 gefangen“. Die Ausgabe erzählte: ״Vor einigen Tagen wurden in Jerusalem zwei Araber, Abdul Medschid und Issa Darwiscli, verhaftet, die sieh an dem Mord Dr. Ar- Josoroffs beteiligt haben. Abdul Medschid hat bereits gestanden, bei Issa Danvisch wurden Revolverkugcln vorgefnnden, die dem Geschoß gleichen, mit dem Arlosoroff ermordet wurde. Darüber gab in der heutigen Verhandlung der Ver* teidiger Horacc Samuel Erklärungen ab und Captain Rciss stimmte zu.“ Trotzdem gab cs viele Leute, die an der Nachricht zweifelten. Die Redaktionen der Zeitungen wurden mit Anfragen bestürmt. Nach einiger Zeit gaben die anderen Zeitungen gleichfalls Extrablätter heraus, worin die Debatten Vor dem Gerichtshof wiedergegeben waren. Eine große Men* sehen inen gc zog vor das Gericlvtsgebiiude, jedoch die Polizei verwehrte den Eintritt, da der Saal bereits überfüllt war. Gegen Mittag kam es in einzelnen Kreisen des Publikums auf der Straße zu Kundgebungen der Freude und Befriedigung, junge Leute tanzten und sangen auf den Straßen. Die Auf* regung und Nervosität stieg auf das höchste. Es verlautete, daß Stnwsky, Rosenblatt und Achinieir bereits in Freiheit gesetzt worden sind. Am Nachmittag erschien ein zweites Extrablatt von ״Chasit Haam“, bei welchem die Ucberscbrift ״Die Mörder Arlosoroffs gefangen?“ bereits mit einem Fra* cZeichen versehen war. In dieser Ausgabe wurden die evisionisten und insbesondere die Brith Trumpeldor-Jugend zurRuhcund Disziplin gemahnt. Die Arbeiterzeitung ״Dawar“ gab drei Extraausgaben heraus. In der ersten wurde mitgeteilt, daß die Regierung die Nachricht von ״Chasit Haam“ als falsch bezeichnet, in den beiden anderen wurden die wirklichen Vorgänge wor Gericht dargestellt. Die ersten Nachrichten, die telegraphisch Ins Ausland übermittelt wurden, stützten sich offenbar auf die gerüehtweise verbreiteten falschen Angaben. So haben denn auch eine ganze Anzahl von jüdischen Zeitungen verschiedener euro* paischer Länder in großer Aufmachung die Nachricht ver* iöffcntlicht, daß ״die wahren Mörder Arlosoroffs gefunden seien“. Die ersten Telegramme geben kein präzises Bild von den wirklichen Ereignissen vor Oerächt. Nunmehr ist es möglich, einiges nachzutragen. Der Vorgang hat sich so abgespielt, daß der Verteidiger der beschul* digten Revisionisten, Horacc Samuel, den Antrag stellte, die Protokolle vorgelegt zu bekommen, in denen die Erklärun* gen des wegen der Ermordung des Arabers Lufti II Imam im Gefängnis sitzenden Arabers Abdul Medschid enthalten seien. Ebenso verlangte Samuel Vorweisung der י Akten he* züglich des Arabers Issa Darwiscli, bei dem Munition gefunden Worden sein soll, die der bei der Ermordung Arlosoroffs benutzteil ä h n 1 i c 11 sei. Polizciiuspektor Captain Rice antwortete darauf, er sei nicht berechtigt, Akten herauszugeben, aber die Staatsanwaltschaft sei einverstanden, diese Akten vor/.ulogen, falls Abdul Medschid als Zeuge vorgcladen wird. Captain Rice gab dann eine eingehende Schilderung des Geständnisscs und erklärte, er habe die Sache gründlich unter* sucht und sei zu der Einsicht gekommen, daß an der gan* zcri Erzählung kein wahre* Wort ist. Die Staats* anwaltschaft habe die Absicht gehabt, , Abdul Medschid als Zeugen zu führen, weil seine Mitteilungen von Wichtigkeit für die Aufklärung des Arlosoroff-Falles sein könnten, und dann werde der Verteidiger auch Gelegenheit haben, ein Krcuzyerhör «lurelizufülireii. Horacc Samuel gab darauf seine Version der Rolle der Araber und behauptete, sie seien des Mordes an Arlosoroff verdächtig. Als aber der Vertreter der Staatsanwaltschaft und der Polizei nochmals vorschlug, daß Abdul Medschid a I s Zeuge geladen werde, lehnte Samuel dies ab und erklärte, er werde selbst entscheiden, wie er die Verteidigung zu führen habe. Er verlangte Vorlage der Protokolle und Zugang zu den Gefangenen. Darauf gab der Vertreter der Behörde die Erklärung ab, daß Abdul Medschid wahrscheinlich doch als Zeuge vorgcladen werden wird, aber nicht als Entlastungszeuge, sondern als Belastungszeuge; ebenso würden die an der Untersuchung gegen Abdul Medschid beteiligten Polizeibcamten vorgcladen, werden. ״Dawar“ nimmt zu dem Ereignissen in einem bemerkens* werten Leitartikel Stellung, worin cs 11. a. heißt: ״Wie begreiflich ist das Gefühl der Erleichterung und Freude, das die Gemüter bei diesem Gerücht ergriffen hnt 1 Wäre es wahr, dann wären wir von einer schweren, unser Leben mehr als sieben Monate bedrückenden Last befreit, wir wüßten dann, daß Arlosoroff nicht von einem jüdischen Parteigegner getötet worden ist, sondern durch einen gewöhnlichen Mörder, der einem anderen Volk an gehört.... Alle hätten wir diese ,Wendung‘ freudig begrüßt; sie hätte uns den großen Verlust jener Blufnacht nicht ersetzen können, aber sie hätte 1ms den Glauben wiedergegeben, daß das ganze zionistische Lager rein ist vom Kains-Zeichen. Wenn nicht die neue ,Wen- <lung‘ ein neuer Versuch der Vertuschung der Wahrheit ist'... An solchen Versuchen hat es seit dem Tage des Mordes nicht gefohlt. Mit völliger Bestimmtheit sagte man 1111s: die Kommt!• nisten haben Arlosoroff ermordet. Mit nicht weniger Bestimmtheit sagte man späten wegen einer Liebes- und Eifersuchtsaffäre entstand dieser Mord, und nach einer oder zwei Wochen tauchten neue Winke auf: Genossen Arlosoroffs haben ihn ermordet. In der letzten Zeit waren wir Zeugen des niedrigen Schauspiels, wie die Freunde der Beschuldigten mit samt ihren Führern nicht davor zunirkschreckten, den Ermordeten und seine Witwe zu lästern durch versteckte und offene Hinweise, daß Arlosoroff mit seinem eigenen Revolver von seiner Frau erschossen worden sei, Jetzt haben zwei Araber die Stelle all jener mutmaßlichen Täter eingenommen, und mit derselben Bestimmtheit erklärt man beute, daß die Mörder Arlosoroffs gefunden sind und wartet schon darauf, wie man die befreiten Revisionisten Im Siegeszug aus dem Gefängnis führen kann. Ein elementares Gefühl erfüllt jeden Juden, daß er wünscht und betet, es möge sich hcraussteilen, daß dieses Blut nicht von jüdischer Hand vergossen wurde, aber dieses Gefühl darf nicht Macht über uns gewinnen. Eine Beruhigung der Gemüter könnte im zionistischen Lager Platz greifen, wenn sich hcrnusstclltc, daß die revisionistische Partei von der Blutschuld frei ist, aber wir wollen nicht eine Beruhigung, die durch Lügen und Fälschungen erreicht wird. Seit der Mord* tat haben wir den bitteren Geschmack durchgekostet, den cs bedeutet, die Wahrheit zu suchen inmitten einer Ge* scllschaft, die die Wahrheit vertuschen will, und wir haben erschreckende Erscheinungen bemerkt, wie das Böse an Macht gewinnt, wie man sich mit dem Bösen sbflmlet; aber auch nach diesen sieben Monaten einer bitteren Erfah* ning wollen wir nicht die gute Gelegenheit ergreifen, um aus dhsa• Schande herausrukomtnen. Wir werden fortfabren zu fordern, (lall die ganze Wahrheit aufgedeekt werde ■ dieser neuen ,Wendung‘ muß man in allen ihre״!■1 ״ l!! ׳ nachgehen." ' ״lll1e'lt1! '4c E» ist nicht unsere Sache, ln ein schwebendes Verfsh > eiiiziigreifeii und Urteile ab/ugeheii, die ohne volle Ket!! der Akten nicht fundiert wären. Worüber man sich aber l!' ׳, schon äußern kann und ä 11II 0 r n m 11 ß, ist die Art und w‘"' ׳> wie in diesem Pro/cß eine Stimmungsmache 11ml Vcrwj ' ’ i der Gemüter in der jüdischen Oeffentlichkeit erzeugt f hart daran Ist, auch zu einer Verwirrung der Mo!! b e g r i f f e zu werden. Diese s 0 7 i a i p s y c U o I 0 ״ j * .1י ' Wirkungen des Prozesses sind für jeden national cm!1M dcmlcn Jude״ das eigentlich Beängstigende r furchtbares Verbrechen ward begangen, und es!<■{ ־ 5^י nur eine politische, sondern auch eine moralische v 1 Wendigkeit, daß die Wahrheit darüber gefunden wirrf 1 cs nicht, wie das vcrahschniiingswiirdigc Verbrechen׳״;‘! de Haan vor zehn Jahren, unaufgeklärt bleibt 1 jede Nation ist cs 11. E. eine historische Prüfung, oh"s;, u;| moralischen Dingen die Wahrheit über v'cnnc-inüPh^ I ״Sfnalsraison“ stellt, denn wenn sie cs nicht tut, bestellt ל;! f Gefahr Innerer Versumpfung — und nichts ist ein schleihtere* I Boden für nationale W i e d c r g c b 11 r t, die, besonders 1 jüdischer Auffassung, ohne m e n s e 111 i c 11 e Wiedergeburt־׳ I denkbar ist, Schon jetzt, bevor die Frage geklärt ist, I wir, daß dieser Prozeß für uns Furchtbares bringt; eine Mm* I Sphäre der Volksumiieblung, die für viele unerträglich ist, ־ ' * müssen wir aiissprcchcn, obwohl wir uns klar darüber 1i«z I wie entsetzlich cs wäre, wenn jüdische junge Leute we״>״ I dieses Verbrechens verurteilt und bestraft würden. Ab« ö;< I Frage, die uns Juden als solche unter mehr als Strafprozeß I len Gesichtspunkten angeht, ist die, ob sie es wi rkliöl taten, nicht die, ob sic überführt werden. Und es Ut eb schrecklicher Gedanke, daß sie es gewesen sein könnten ns; daß es schweigende Mitwisser geben könnte. Die weitere Verhandlung Uebcr den Fortgang der Verhandlung verbreitet dt JTA. nachstehenden Bericht: Die nin 5. und 6. Februar durchgeführten Verlud. 1 hingen galten vor allem der Ucbcrpriifung der bei <t׳i Foljzci gemachten Aussage des Arabers Abdul Molk Polizciiuspektor Moses Sch a r m c i s t c r machte Aiwa״!• über die Beschlagnahme der Kleidung Abdul Meder zm11 Zweck der Feststellung, ob diese den Kleidern glei die von den Männern, die den Ueberfall auf Dr. Arlosottf verübten, am Mordabeiul getragen wurden. Der Zeuge b! richtete ferner über die Beschlagnahme eines Revolver samt zugehöriger Munition im Hause Issa Derwischs, b׳ Mannes, von dem Abdul Medschid behauptet, er habe d׳• tödlichen Schuß abgegeben, während er selbst, Abdul sebid. Dr. Arlosoroff ins Gesicht leuchtete. Die l’oli/ei P sich bereit erklärt, die beschlagnahmten Gegraste dem Gericht im Zusammenhang mit dem angeblichen (lestv״ liis Abdul Mcdscliids zur Besichtigung vorzulegen. Es wur'• noch zwei weitere Zeugen, der Polizist Freimann und fcl Mitglied der Brith Trumpcldor-Gruppe von Kfar Sab», Ar־;| Heichmann, vernommen. Letzterer bekundete im Sinne drl von Zwi Rosenblatt angebotenen Alibinachweises, daß zur Zeit der Ermordung Dr. Arlosoroffs sich in Kfar 51 aufgchaltcn hat. , 2 Der Vormittag des folgenden Tages war vollsM'l ausgcfüllt durch Fragen der Verteidiger Horacc Samuel i*| Zusammenhang mit dein am 1t. Januar von Abdul Medschil gemachten Geständnis. Der Anklagevertreter, KommivI Shitreet, legte die zweite von Abdul Medschid am 16.JeI gemachte Aussage vor und erklärte, in dieser seien Whle 1 Sprüche fm Vergleich mit den Aussagen Frau Arlranrd'sj festgcstcllt worden. Deshalb sei Abdul Medschid nochnm einem genauen Verhör unter Berücksichtigung von Ausss;e seines Mitgefangenen Zubli Zablawi unterzogen wonlr, wobei Abdul Medschid erklärte, Zablawi habe gelogr Nach dem Widerruf ries Geständnisses sei Abdul MedxF am 1. Februar nochmals von Shitroet verhört worden. Re mal habe Abdul Medschid erklärt, Stavsky und R01(« blntt seien an ihn im Jaffaer Gefängnis 1־! dem Angebot herangetreten, 111m 10U0 Pliirt zu bezahlen, wenn er sich schuldig bekenn׳ Sie hätten ihm mich einen Plan des Strandes von Tel׳A*׳‘ gezeigt und ihm Einzelheiten der Oertlichkeit erklärt. I־ beiden Angeklagten hätten ihm versichert, er werde einer leichten Bestrafung davonkommen. Auch Zablawi w״ 500 Pfund versprochen wortlcn. Weitere Aussagen mache Kriminalkommissar Alfred Riggs und der Biirogebilie b Rosen der die Uebcrset/ung des ersten Geständnisses AM Mcdscliids nugefertigt hatte, In der für den 7. Februar aft* setzten Verhandlung soll Abdul Medschid selbst ver!»5 men werden. Am 7. Februar wurde mm Abdul Medschid *eW vernommen. Seine Aussage wurde vom Gericht und" den Saal bis auf den letzten Platz füllenden Zuhörers«! mit gespanntem Interesse angehört. Abdul Medschid erzählte, er sei Stavsky und R«»״^ im Gefängnis begegnet und habe erfahren, aus «w■? Grund sie gefangen gehalten wurden. Stavsky habe » eine tl c s t c c 11 u n g s s 11 m m c dafür nngehoten, das r Abdul Medschid, die Schuld an der Ermordung Dr. Ar!«* roffs auf sich nehme. Hierbei habe Stavsky beton(, Abdul Medschid, der ja bereits einen Mord an einem Au. gestanden habe, auch für zwei Verbrechen nur einmal׳ straft werden würde. Hierauf habe ihm Stavsky stunde!®; Einzelheiten auseinandergesetzt und darauf hingewiesen. « ׳ er als Minderjähriger nicht zum Tode durch den Sui * sondern zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden »'״F Auch R o 5 c n I) 1 a 11 habe ihm 1000 Pfund f Qf * Geständnis sowie die Beistellung eine* ׳ , ,״ vorragenden Verteidigers versprochen, habe ihm Rosenblaft eine Skizze des Strandes von Tcl-A ö gegeben und auf dieser die Mordstellc bezeichne.׳ j seine Frage hätten Stavsky und Rosenblatt zugcfU°'j daß Rosenblaft aus einer Repeticrpistolc einen Senuö Dr. Arlosoroff abgegeben habe. Als He gesehen na;, daß Arlosoroff getroffen zu Boden sank seien sie ״> Richtung zum arabischen Friedhof geflüchtet. Am Nachmittag begann der Verte! <iger Rechtsa״*^ Horace Samuel ein Kreuzverhör mit de.n Zeugen 1® ,» suchte vor allem die Wahrheit betreffend die freu״״,c liehen Beziehungen Abdul Medschids zu Issa Dcrwiscn, sich am Mordabend auf dem Strand von Tcl-Awiw auig haben soll, an den Tag zu bringen. Abdul Medschid - es entschieden in Abrede, an jenem Abend am TfkW Tel-Awiw gewesen zu sein und erklärte, er habe 1 ־ schon jahrelang nicht mehr besucht. Die Verncnmu Zeugen wurde sodann unterbrochen und soll »acn Pause fortgesetzt werden.