Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 94 (4.12.1931)
- Date
- 1931-12-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 94. 4. XE!991 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite BBS Chanukkah - Beilage Die Nachfolge der Makkabäer Dm Wesen der unpolitischen Aktivlflf Von Rabbiner Dr. Ignaz Maybaum, Frankfurt a. d. Oder Um die richtige Deutung des makkabäischen Vorbildes stritten zwei jüdische Figuren: der Pharisäer und der Zelot Die Pharisäer besaßen das Rabblnat, die Zeloten die Masse. An diesem Streit zerbrach die Schöpfung der Makkabäer. Die ungeheuren Opfer derer, die diese Schöpfung bewahren wollten, waren vergeblich. Sein letztes Wort, das Urteil der Geschichte, formuliert der Historiker folgendermaßen: ״Und die unschuldig schuldigen Söhne des Volkes blickten, der Scholle beraubt, aut der sie stehen konnten, nach wie vor in die ewigen Sterne und verstanden nicht, was ihnen geschehen, noch, was sie getan‘)•“ Die echte, ungebrochene politische Aktion ist Gestaltung eines Raumes und Führung eines Volkes gemäß den eigenen Bedingungen dieses Raumes und dieses Volkes. Eine solche echte, ungebrochene politische Aktion ist in dem Raume Palästina niemals möglich gewesen. In diesem Raume waren alle großen, nach außen als ״Aktionen“ in Erscheinung tretenden politischen Geschehnisse in Wahrheit schon — ״Reaktionen“. Die Eroberung Palästinas durch die israelitischen Stamme ist nur durch die damals eingetretene Schwächung der ägyptischen Souveränität möglich gewesen. Der Raum Palästina ist nicht Eigenraum: Raum, der von sich aus eine Staatsbjidung möglich macht, Palästina ist Zwischenraum oder, wie der auch gebräuchliche geopolitische Ausdruck lautet: Mittel macht. Zwischen den beiden Welt machten,die einerseit? am Nil, andererseits im Euphrat-Tigrisgebiet zur Staatsbildung gelangen konnten, lag Palästina, abhängig von diesen beiden Machtkreisen, In einer Zeit, da diese beiden Machtkreise mit sich selbst beschädigt waren, konnte in Palästina eine Eigenentwicklung einsetzen. Diese Abhängigkeit aller israelitisch-jüdischen Politik haben die Propheten gekannt Ihre Forderung war: heraus aus der Weltpolitik. Die Nachfolger Davids gingen daran zugrunde, daß sie entweder im Vertrauen aut die eigene Kraft, die durch Gottes Beistand für ins Uebernatiirliche steigerungsfähig gehalten wurde, oder durch geeignete Koalition die Ungunst des Raumes wett zu machen hofften. Der Aufstieg der Makkabäer, der aus ״frommen Brjganteri1 (’-־n kurzer Zeit siegreiche Feldherren, bündnisfähige, von Macht zu Macht verhandelnde Politiker, aus einer dumpt vegetierenden Provinz einen nach griechischem Organisations- Prinzip funktionierenden Staat machte, ist wiederum trotz allen heldischen Tuns und wirklicher Machtentfaltung — Reaktion auf ein außerhalb des Eigenramns stattfindendes Gesebehen. Es ist der Zerfall der seleukidischen Macht, durch deren Sphäre Palästina bisher gebunden war, der hier als primäres Faktum festzustellen ist Grausam zerstört der Hiitoriker das Wunschbild des Enkels, der, in der Geschichte die Taten der Väter nachlesend, von der Kraft zu hören begehrt, die einmal einen jüdischen Staat aus sich heraus schuf. ״Der Prozeß der neuen jüdischen Staatsbildung ist eine Teileradieinung in dem Zerfallsprojesse des seleukidischen Reiches»).‘” Das Bild der Makkabäer blieb starke» Vorbild, als ihre Nachkommen schon hellenjsierte Fürsten waren, als Herades ihnen ihren Thron entriß, als mit dem römischen Landpfleger der letzte Rest der Autonomie schwand, als die Unausbleiblichkeit des römischen Sieges im eroberten Jerusalem allen offenbar war. Aber einmal war das Wunder geschehen. Einmal hatte Gott einem kleinen Häuflein Sieg gegeben und die Schwachen triumphieren lassen über die Starken. ״Aber Du in Deinem großen Erbarmen standest ihnen bei zur Zeit ihrer Not, strittest ihren Streit, rechtetest ihr Recht, vergaltest für sie Vergeltung, gabst Starke in die Hand von Schwachen, viele in die Hand von wenigen.... Und Dir schufst Du einen großen, heiligen Namen....“ (Schemone essre, Einschub für Chanukkah). Konnte dieses Wunder nicht noch einmal geschehen? Die ganze jüdische Geschichte von den Anfängen, die der makkabäischen Staatsgründung folgten, his zur Zerstörung Jerusalems ist ein Appell an dieses Wunder. Die Herausforderung des Wunders, vor der die Pharisäer endgültig zurückschraken, die die Zeloten wagten, ist kennzeichnend für alles Heilige und Fürchterliche, Glorreiche und Wahnsinnige dieser Kämpfe. Der Messianismus wurde politisiert Auch die Pharisäer waren anfangs daran, in die Irre zu gehen. Auch sie mißverstanden einmal das Wort Gottes als politischen Einsatz und griffen zum Schwert Blickend auf jene Makkabäer, die vor heidnischem Frevel den Altar bewahrten, die in der Verteidigung der Thora Krieger wurden, zogen sie gegen Jannai zu Feld. Dieser, der selbst Makkabäer war, beugte sich, als König und Hollerpriester vor dem Altar stehend, nicht unter das vorgeschriebene Gesetz. Er verstand sein Königtum nicht als Auftrag von Gott her, sondern im Sinne des hellenistischen Heidentums direkt als göttliche Würde. So sehr ergriff das griechisch-römische Staatsideal diesen Makkabäersproß. Er und die anderen, die an seiner Statt nach ihm kamen, wollten Imperatoren sein, aus dem Volk herausgehoben als Heroen. Jener Vorgang am Altart), wonach Jannai sich weigerte, der Satzung gemäß das Wasser aut den Altar zu gießen, beleuchtet, auch wenn er nur Sage sein sollte, worum es sich handelt. Er zerriß das Gesetz, das ihn in der Gemeinde Gottes zu einem solchen machte, der jedem in dieser Gemeinde als Bruder gleich war. Diese Untertänigkeit unter das Gesetz war ihm unvereinbar mit seiner Imperatorenwürde. Er übertrat das Gesetz» das Gesetz, für das seine Ahnen in den Kampf gezogen waren. Gegen ihn kämpften nun die Pharisäer. Und sie, die für das Gesetz Gottes gegen seinen Verächter kämpften, unterlagen. ״Diese Katastrophe hat sichtlich tiefe Wirkungen gehabt. Die Frommen hatten es erlebt, daß Gott sie bei dem» was sie in ihrem Feuereifer für seinen Namen und zu seiner Ehre unternommen hatten, verließ und mit starker Hand zerschlug. Die Furcht war dadurch im Pharisäismus erweckt, nicht die Furcht vor Jannai, aber die Furcht vor Gott Von nun an griffen die Pharisäer nicht mehr zum Schwert‘).“ Niemals haben die Pharisäer später vergessen, daß «8 verboten ist, Gott zu einem Kalkül des politischen Geschehens zu machen, daß es verboten ist, an aas Wuncjer, das gewiß immer über der gesamten Menschheitsgeschichte schwebt, im konkreten Einzelfall zu appellieren. Solches aber taten die י) E. Täubler im 30. Bericht der Lehranstalt für die Wissen- Schaft des Judentums (1012), S. 02. 2) A. Schiatter, Geschichte Israels, S. 114. *) Täubler, s. o. S. 87. *) Vergleiche Dubnow II, S. 158. •') Schiatter, s. o. S. 141/46. Zeloten. Die Pharisäer und die Zeloten verstanden die jüdjsche Gemeinde in echtem Glauben als Gemeinde Gottes. Daß diese Gemeinde der römischen Obrigkeit untertan sei, sahen die Pharisäer als Schickung Gottes, die geduldig getragen werden sollte. Diese Geduld verwarfen die Zeloten• Nicht, daß sie die Wirklichkeit verkannten, sie wußten ebenso wie die Pharisäer und das warnende Rabblnat, daß die Macht Roms auch durch die höchsten Anstrengungen des jüdischen Volkes nicht besiegt wenden könnte. Aber sie kalkulierten in diese Wirklichkeit hinein den Gott, der den Makkabäern geholfen hatte» und der Starke in die Hand von Schwachen, viele in die Hand von wenigen gegeben hatte. An diesen Gott glaubten Pharisäer und Zeloten. Zu Recht. Aber da die Zeloten mit diesem Gott rechneten, war ihr Glaube ohne Demut. Ihr Glaube hörte auf, Glaube zu sein. Er wurde menschliche Berechnung, die an der Wirklichkeit zerschellen mußte. Und schließlich stiegen die Zeloten durch ihren Haß gegen Rom von dem wirklichen GUubensstdtd herab. ״Ein mit Haß vermengter Glaub« hat den Sclurfz verloren, der ihn gegen die eigenmächtige, selbstsüchtige Entstellung des Gottes- Bildes schützt; er imputiert Gott seine eigenen Interessen und macht ihn zum Diener der eigenen, falschen Begier«).“ IltllllllllinilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllltlllllllllllllllilllllllllllllllHIIIIIIIIIIII iü B Jerusalem Neumotidsabat* * Chanukkah Judäas Frühe rein uni klar und hurt — Jerusalem darinnen aufbewahri — liinqtum 4«r mekttm Hügel grauende Geilalt, und der Olivenbäum<r stmbiggelher Wald. — dwei Juden sehreiten lief für sieh in ihr Gebethaut, durch die frische Frühe, — Fies Einen Barl ist sübergrau. — Aus gelbem Prachtsamt, wie von hoher Frau, und köstlich faltenhafl ist er von seinem Mantel ganz behängen. — Der Andere ist jung und au$ Ergebung. —■ Bmmseidne Schläferstocken bespielen dgs beseelte «Angesicht. Hellblaue SckafwolltOiJten tauchen, am neuem Lederschuh. —י — Es ist in beider gleichmäßigen Schritten so ein Hineinsichfrcuen zu Dein hin, Dam cs jeden in das Be!haut treibt, — Der beiden Augen blieben tief gesenkt. Ich konnte nur die langen. Lider sehn, unter dem Prachtsamt ihrer hfülsen. Fuchsschwammühen tragen unsere Frommen in Jerusalem. —• T 0 n i X f <f«! e 1» i R a l ך H f? k « »• .... MlililltlllllllMlIllllim Der Gott, der die Makkabäer rettete, war in der Tat der Gott, der Starke in die Händ von Schwachen gibt. Der Starke erobert die Welt, der Schwache schafft in sich eine neue Welt Die Aktivität des Starken schafft die Wege der Welt, die Aktivität des Schwachen treibt Schächte in die Tiefe der Seele, sie führt fort von der Welt. Der nur Starke bleibt weltbeschränkt. Da ist keine Hoffnung, denn die Welt ist des Todes. Da ist höchstens Resignation, wo aber der Schwache in seiner Schwachheit stark bleibt, ist Hoffnung: neues Leben sprießt Gott, von dem es heißt, er belebt die Toten, von dem es heißt, er gibt Starke in die Hand von Schwachen, ist dem Glauben offenbar geworden. Das jüdische Volk ist durch den Raum, den ihm das Schicksal einst zugewiesen hat, zur Schwachheit verurteilt worden. Die ungeheuersten Anstrengungen haben die einmal feschaffene Auagangssituation nicht verändern können. Hier at das Schicksal ein Nein gesprochen. Auch der, so Gott will, erfolgreiche Palästinaaufbau, wird an diesem Judenschicksal nichts ändern, worauf Ernst Simon, an dessen Palästinaliebe und Palästinaverbundenheit doch nicht zu zweifeln ist, in der ״Jüd. Rundschau“ vom 7. August 1931 eindringlich hingewiesen hat. Die größten politischen Aktionen der jüdisehen Geschichte sind m Wahrheit Reaktionen auf Momente gewesen, die von außerhalb kamen. Auch die Makkabäer, so sehr es auf den ersten Blick anders scheint, standen unter diesem jüdischen Schicksal. Ihr Kampf ist nicht Selbstbefreiung des autonom gewordenen Individuums. Gott dienen können, heißt ihr Anliegen, In Gehorsam gegen Gott lehnen sie sich gegen die Syrer auf, die sie diesem Gehorsamsverhältnis entfremden wollen. Ihr Kampf, wie eminent politisch seine Folgen auch waren, ist ursprünglich nicht politische Aktion. Wer sie als moderne Freiheitshehlen schildert, wie Graetz und DubnoWj hat sie nicht begriffen5). Richtiger sieht hier der christliche Theologe, der von ihnen als den ״frommen Briganten“ spricht, der Frömmigkeit der Väter treu, dem Staate, der dieser Frömmigkeit nahe tritt, widerstehend und durch den Zerfall dieses Staates selbst zu Staatengumdern werdend. Es ist Gott, der hier wirksam ist, mit dem wir nicht rechnen können, der selbstherrlich die Geschichte lenkt, und Saul, als er auszog, die Eselinnen seines Vaters zu suchen, ein Königreich finden, den Knaben David König David werden ließ, <Jer den verachteten schwachen Knecht, von dem im Buch Jesaja die Rede ist, erhöht An diesen Gott glaubend und Wallfahrt zu den Hasmonftergr ftbern Von Simon Menczer, Tel-Avviw. An einem sonnigen, gottgesegneten Dezembertag verließen wir Tel-Awiw in der Richtung nach Modiin, der Gräberstatte des Hasmomäergcschlechts. Die Sonne wärmte, die spiegelglatte Chaussee Jaffa—Jerusalem erglänzte im Lichte der Morgenstrahlen, die aufgeschossenen Getreidesaaten dehnten sich gleich einem grünen Naturteppich zu beiden Seiten des Weges, und die fruchtbdatlenen Orangenäste wiegten sich in der Schwere ihres Goldes. Befriedigt schweift das Auge nach Mikweh-Israel, der großen Landwirtschaftsschule und Lehrfarm der Alliance Israölite, nach Ranilel! mit seinem viereckigriohän inschriftenreichen Turm aus dem siebenten Jahrhundert und nach den Bahnknotenpunkt Ludd, mit seinen weiten zahlreichen Olivenhainen. Unglaublich rasch, mehr im Gefühl einer Maienals einer Dezeinherfahrt, verstrich die Reisestunde, und ehe wir uns dessen versahen, standen unsere Kraftwagen mitten im riesigen Wirtschafts- und Wohnhof des Jugenddorfs ״ßen-Schemen“. Vor sechs Jahren wurde dieses Jugenddorf vom Verein ״Jüdische Waisenhilfe“ in Deutschland aut dem Boden des üdischeti Nationalfonds gegründet, und Dr. Lehmann aus erlit! ist auch heute noch dessen Leiter, lieber 200 Zöglinge aus Palästina und allen Diasporaländern werden hier bis zu ihrem 18. Lebensjahr nach einer bestimmten Methode in allen Zweigen der Landwirtschaft und ihrer Hilfsberufe ausgebildet, und im Geist der Selbstarbeit erzogen. In Feld und Wiese, Stall und Wirtschaftsgebäuden, Küche und Hof, Schule und Kindergarten, überall tummelt sich lebhaftes, arbeitendes und lernendes Jungvolk, mit dem man so gern plaudern und von dem man sich so vieles erzählen lassen möchte. Towah, das Weine Waisenmädchen aus Warschau, die die ״Camazo“ vor ungefähr drei Jahren ins Land brachte, erkannte mich sogleich und rühmte sich ihres fließenden Hebräisch, um das sie mich seinerzeit am Bord des Schiffes so sehr beneidet hatte. Aus ihren schwarzen Aetjglein und dem gebräunten Gesicht strahlten Freude und Zufriedenheit des elternlosen Kindes, dein ,Ben-Schemen“ Haus und Heim wurde, lieber Tel-Awiw sprach sic mit einer gewissen Geringschätzung denn dort jedoch ”mahnte uns an den schwieriger! Fußweg, der uns bevorstehe, und an den Sabbatahend (es war ein Freitag), den wir nicht durch eine allzu späte Rückkehr nach Tel-Awiw׳ entweihen sollten. An einem Eukalyptusliain und dem frisch aufgeforslet«! Herzl-Wald entlang steigt der Weg nach dem Hügelland von Modiin immer höher an, und wäre nicht der kühle Feldwind gewesen, der uns entgegenblies, so hätten wir uns der Winterkleider entledigen müssen. Das saftige Grün und die. vielen Bäume Ben-Schemens blieben allmählich hinter uns zurück, und vor uns erstreckten sich kahle felsige Hügel ohne PfUltzenwuchs und holprig-steinige enge Feldwege, die das Gehen erschwerten. Auf den einzelnen Hügeln zerstreut liegen kleine ärmliche Fellachen-Dörfer, deren zusammengepferente Häuiergruppen in der Ferne mit dem sie umgebenden felsigen Gilinde zu einer einzigen grauen Steinmasse verschwel*«*. In einem dieser Dörfer, das noch heute von den Arabern Ghadiddf (biblisch Chaaidd) genannt wird, wurde einst ein Syrerheer von den Bergscharep Juda Makkabis besiegt und in die Flucht geschlagen. Cßadklda gegenüber, auf dem Hügel von Modiin, erstreckt sich das Gräberfeld der Haemonier. 24 Einzel-, Doppel- und Familiengräber sind zwei bis drei Meter tief in da! Ftdsen eingehauen und von oben mit Quadern'bedeckt, welche die der Klagemauer Jerusalems an Größe noch übertreffen. 700 Meter über dem Meeres- Spiegel erhebt sich Modiin, und von der Stätte des Gräber« fekles übersieht man nach der einen Seite hin die Berge von Jerusalem mit dem historischen Betli-Choron (wo Apollonia« Schlacht und Leben verlor), nach der anderen Seite hin, über Ramleh und Ludd hinweg, die Scharon- und Sehefelaheben* und die ganze Meeresküste von Jaffa bis Gasa, wohin stets die Augen der Hasmonäer während ihrer Kämpfe gerichtet waren. Zur Erinnerung an Sieg und Streben errichtete auch der Hasmonäerfürst Simon eine hohe, aufs Meer hin ausschauende Steinturmwarte, die, außer Schwert und Landesabzeichen, auch ein großes Schiff aufwies, um die Bedeutung der Küste für das Tand zu versinnbildlichen. Auf einer geographischen Mosaikkarte Palästinas aus dein 5. Jahrhundert, die im transjordanischen Madeba entdeckt wurde, sind der Ort Modiin und die Turmwarte in griechischer Sprache angeführt. Damals also bestand noch dieses Hasmonäerdenkmal, von dem heut« jede Spur fehlt. Vor mehreren Jahrzehnten haben verschiedene Gelehrt« Ausgrabungsversuche an dieser Stätte vorgenommen, die aber jedesmal unterbrochen wurden. In der Nähe des Gräberfeldes' finden sich auch unterirdische Höhlen, die den Hasmonäer« Schutz und Zuflucht bei ihren Kämpfen gewahrten, Reste von Wänden, tiefgebohrte Felslöcher zur Aufnahme des Regenvvassers, Wein- und Oelpressen, Mühlsteine und vieles andere. Dieser historische Hügel birgt sicher In seinem Innern viel Bedeutendes aus der damaligen Zeit und sollte der Wissenschaft und der Mitwelt erschlossen werden; die Altertumsabteilung der Regierung oder die Hebräische Universität sollte sich dieser jetzt verwahrlost daliegenden. Stätte annehmen. Vor 2100 Jahren (170 v, Chr.) entzündete das kleine Häuflein der priesterlicben Hasmonäerfamilie von Modiin aus die siegreiche Fackel der Empörung und des Kampfes gegen Götzendienst, gegen heidnisches Griechentum und fremde unterjochung und leitete so einen der glänzendsten und bedeutungsvollsten Abschnitte j Mischer Geschichte ein, der in seinen Auswirkungen auch für die übrige Menschheit von Bedeutung wurde. » unter seine Führung sich stellend hat das jüdische Volk seine Schwachheit besiegt. Das jüdische Volk kann sein ganzes Wese« in der politischen Aktion nicht darstellen• Das Wesen der unoolitischen Aktivität ist: warten, hoffen» überwinden, glauben. ») Schiatter, s. o. S. 380. f) Die Tradition läßt jedenfalls eine Auffassung der makkabSIscnen Tempelneuweilie als eines nur historischen Erinnerungstages nicht aufkomm«n- Die Synagoge feiert zuerst nicht Heldentat, sondern Martyrium, zuerst nicht den Sieg des Volkes, sondern das Wunder des Oellämpchens, ״das Chanukkahwunder“. Al hannissim, für die Wunder, danken wir im Festgebete. Hierzu ist noch heranzuziehen Franz Rosenzweigs Feststellung der Zweitrangigkeit der drei historischen Feste Purim, Chanukkah und selbst des Trauertages um Jerusalem im jüdische״ ‘•'•**tkaiender. (Stern der Erlösung, dritter Teil 8. 140.) Jüdische Musik. Zwei Konzerte, die in Tel-Awiw im Oktober stattfanden, waren ausschließlich dem Schaffen von Erich-Walter Sternberg gewidmet. Das eine, ein Kammerkonzert, fand im Opernsaal Mugrabi statt. Das Programm enthielt die Klaviersonate, durch Frau Burstein- Arber virtuos interpretiert, Lieder, die von Frau Sega! mit Begleitung des Komponisten gesungen wurden, ferner das erste Streichquartett, das durch das Tel-Awiwer Streichquartett (Glitckson-Herz, Dreier, Edel, Saphir) eindrucksvoll aufgeführt wurde. Der zweite Abend, ein Orchesterkonzert im BetI1־Am, brachte unter sicherer Leitung׳ des Dirigenten G. K 0 m ק a n e e t z das ״Kol Nidre“ für Bariton und Orchesterbegleitung, ״die Geschichte von Goliath und David“, ein ״Festlted“ und einen ,,kleinen Marsch für Orehester“ zur Aufführung-