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Jüdische Rundschau · 1931-12-04 · Heft 94 (4.12.1931) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 94 (4.12.1931)
Date
1931-12-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 550 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 94, 4. XII. 1931 Ortsgruppen Zionistische Gruppenverbandstagung für Nordwestdeutsch־ land. Am 18. November fand in Gegenwart von Dr. Landsbe rg (Wiesbaden) und Fräulein Frankenstein (Berlin) der diesjährige Gruppen verbandstag in Lübeck statt. Es waren außer den Lübeckern Gesinnungsgenossen aus Hamburg, Kiel und Rostock erschienen. Die Tagung war von unseren Lübecker Freunden, insbesondere Herrn Dr. Rothschild, dem auch hier nochmals gedankt sei, mit besonderer Liebe und Gastfreund־ Schaft vorbereitet. Am Vormittag sprach Dr. Landsberg über ״Die gegenwärtige Lage im Zionismus“. Er besprach die politischen und wirtschaftlichen Fragen und wies auf die schwere finanzielle Lage der Exekutive hin, die von den Zionisten die höchsten Anstrengungen verlange, im übrigen ständen wir in einer erzwungenen Pause im Aufbau, und es komme darauf an, diese Pause schöpferisch auszunutzen zu einer Nach- Prüfung und Klärung unserer Ideologie gegenüber den die heutige Zeit bewegenden Fragen. Das Referat von Dr. Landsberg, das insbesondere auch auf die Frage unserer Auseinander- Setzung mit dem Kommunismus eiuging, gab Veranlassung zu einer recht lebendigen und interessanten Diskussion, bei der die Grundfragen unserer Ideologie, wie die Möglichkeit einer Begründung des Zionismus auf der materialistischen Gesehichtsauffassung berührt wurde. Am Nachmittag leitete Dr. Landsberg mit seinem Schlußwort nach der Debatte des Vormittags gleichzeitig zu den Fragen der praktischen Ortsgruppenarbeit über. Es sprachen die Vertreter der verschiedenen Ortsgruppen, und es wurden dabei eine Reihe wichtiger Anregungen gegeben. — Am Abend sprach Dr. Landsberg in Hamburg über ״Zionismus und Probleme der Zeit“. Es zeigte sich, daß seine Art, vom Standpunkte des Zionisten aus die Fragen, die sieh an den heutigen deutschen Juden herandrängen, zu betrachten, durch die Geschlossenheit und Unabhängigkeit der gewonnenen Ansicht die stärkste zionistische Wirkung auf die Hörer ausübte. Im ganzen war es eine fruchtbare und interessante Tagung, für deren Gelingen wir Herrn Dr. Landsherg besonders danken. H. St. Magdeburg. Am 14. November 1931 sprach in einer gcmeindeöffentlicnen Versammlung in Vertretung des erkrankten Herrn Kurt Blumenfeld Herr Dr. Elias Auerbach (Haifa) über das Thema: ״Das Judentum in der Weltkrise“. In hesonders anschaulicher Weise wies der Redner den zahlreich Ei schienenen den Verfall des Judentums in der Diaspora hach und legte überzeugend dar, daß der Weiterbestand des Judentums nur durch den Aufbau Palästinas, der von allen Juden mit allen Mitteln gefördert werden müsse, gewährleistet sei. Der reiche Beifall war ein Beweis dafür, daß die Worte des Herrn Auerbach auf fruchtbaren Boden gefallen waren. — Am 15. November 1931 fand hier eine Tagung des Gruppenverbandes Sachsen-Anhalt statt, zu der Mitglieder aus Halle, Dessau, Göthen, Zerbst, Bernburg, Wittenberg und Halberstadt erschienen waren. Besonders stark war die Ortsgruppe Dessau vertreten. Das Hauptreferat über ״Zionistische Haltung in unserer Zeit“ hielt gleichfalls in Vertretung des erkrankten Herrn Blumenfeld Herr Dr. Wolfsberg (Berlin). Nach genauer Darstellung der innerjüdischen Verhältnisse in aller Welt unter besonderer Berücksichtigung der außerordentlich schwierigen Lage der Judenheit in Polen und Rußland kam der Referent zu dem Ergebnis, daß die zionistische Arbeit in jeder Beziehung intensiviert, und daß besonderer Wert auf die Heran- Ziehung der durch den Kommunismus in erschreckender Weise uns verloren gehenden Jugend gelegt werden müsse. An das ausführliche, außerordentlich flüssig gehaltene Referat schloß sich eine lebhafte Diskussion, in der besonders auch die in großer Zahl vertretene Jugend zu den aufgeworfenen Fragen Stellung nahm. Nach der Mittagspause sprach dann Herr Dr. Felixbrodt (Halle) über ״Gemeindearbeit“. Der Redner zeigte die Schwierigkeiten auf, die für die zionistischen Gemeindevertrefer in Gemeinden mit liberaler Mehrheit entstehen. Er kam aber zu dem Ergebnis, daß nichtsdestotrotz eine Mitarbeit unserer Gesinnungsgenossen in den Gemeinden geboten wäre. Auch an diesen Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion, die dann von einer nochmaligen Diskussion über Ortsgruppenarbeit abgelöst wurde. Breslau. Am 30. September fand die Oeiieralver- Sammlung der Breslauer Zionistischen Vereinigung statt. Nachdem die Versammlung die Verlängerung des Wahlkomprotnisses in der Gemeindevertretung beschlossen hatte, erstattete der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Dr. Prager, den Bericht des verflossenen Arbeitsjahres. Hierauf wurde der Vorstand gewählt, der außer dem 1. Vorsitzenden, Herrn Dr. Prager, und dem 2. Vorsitzenden, Herrn Oerichtsassessor Dr. Freund, aus neun Mitgliedern besteht. —- Zur Einleitung der Winterarbeit fand am 21. Oktober ein Vortragsabend statt, an dem Herr Dr. Prager über das Thema ״Zionismus? Jetzt?“ sprach. Herr Dr. Prager ging bei seinen Ausführungen von der jetzigen allgemeinen kulturellen und wirtschaftlichen Lage aus und stellte dar, in welcher Weise der Zionismus zu deii jetzt alle bewegenden Zeitfragen von sich aus Stellung nehmen muß. Er zeigte, daß der Zionismus bei der Auseinandersetzung zwisehen Kapitalismus und Kommunismus sich nicht auf die Seite einer dieser beiden wirtschaftlichen Anschauungen stellen kann, sondern von sich aus selbständig zu den Dingen des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens Stellung nehmen muß. Im An- Schluß hieran zeigte Herr Dr. Prager die Hauptaufgabe des Zionismus in der heutigen Zeit auf. ln der Diskussion ergänzte Herr Talaloy die Ausführungen Dr. Pragers vom Standpunkt der zionistischen Jugendbewegung aus. Herr Dr. Lux legte dar, daß es eine der Hauptaufgaben der zionistischen Tätigkeit sein muß, privatwirtschaftliche Möglichkeiten in Palästina Zionisten und Femerstehendeii zu eröffnen. — Am 11. November sprach in einer sehr gut besuchten Versammlung Herr Enzo Screni aus Givvath Brenner über ״Die deutschen Juden und der Chaluz in Palästina“ und rief zu einem engeren Zusammengehen der deutschen Zionisten mit dem Chaluz in Palästina auf. Er legte dar, daß wieder ein Augenblick gekommen ist, in dem der Zionismus für die Sehnsucht der ״jüdischen Gasse“ einen Weg und eine Lösung aufzeigen muß. Der Vortrag war besonders zahlreich von der Jugend besucht, die ihn mit warmem Interesse und lebhaftem Beifall aufnalim. Chemnitz. Die nächsten Veranstaltungen der Z. O. G. Chemnitz finden gemeinsam mit dem Bar Kochba statt und sind unter ״Bar Kochba“ zu finden. Cottbus. Am 1. November sprach Herr Hans Rosenk ranz (Berlin): ״Von der jüdischen Hoffnung der Gegenwart“. Er behandelte die augenblicklichen geistigen und wirtschaftlichen Strömungen, die von außen auf uns Juden einwirken und innerhalb deren der Zionismus sich in unverminderter Stärke durchzusetzen vermag. Der gut besuchten Ver- Sammlung ging eine Besprechung mit Gesinnungsgenossen aus Forst und Guben voraus, in der die Winterarbeit und die Abhaltung von Zirkelabenden an diesen Orten verabredet wurde. Duisburg, ln einer von der Zionistischen Vereinigung veranstalteten Versammlung sprach vor über 250 Personen Dr. Nachum Gold mann (Berlin) über ״Weltkrise und Judenfrage“. Die zionistischen Theorien vom Galuthjudentum haben sich gegenwärtig in einem Maße bewahrheitet, daß selbst den besten Zionisten Angst und Entsetzen erfassen muß. Bei einem historischen Rückblick wird man das ,19! Jahrhundert im Vergleich zum 20. Jahrhundert für das jüdische Leben als ein paradiesisches bezeichnen müssen. Es ist zu fürchten, daß die ungeheuerliche antisemitische Welle auf das Judentum eine demoralisierende Wirkung ausüben wird. Die Reaktion der Juden zeigt keine heroische Haltung, man beschränkt sich auf eine Verteidigungsstellung fast ohne Kampf. Ausgenommen hiervon sind die Zionisten, die nicht von dem Antisemitismus in der Weise überrascht werden konnten wie ein assimilantisches Judentum, da sie ihn von vornherein in ihr Kalkül miteingestellt hatten. Die entscheidenden großen Tendenzen der heutigen Politik müssen sich ihrem Wesen nach antijüdisch auswirken, ln einem uniformierten Staatswesen ist für uns kein Platz vorhanden, wir werden immer eine kleine verschwindende Minoritat sein. Heute wächst ein jüdischer Typus heran, für den die jüdische Vergangenheit nichts mehr besagt. Eine Möglichkeit zur Aenderung dieser Entwicklung bietet nur Palästina. Der Aufbau einer eigenen jüdischen Welt ist in einer so gelagerten Situation des Judentums von hundertfach gesteigerter Bedeutung. Eschwege. Am 18. November 1931 sprach Herr Redakteur W a 1 d m a n 11 vor einer großen Zuhörerschaft über das Thema: ,,Krawalle am Kurfürstendamm“. Das aktuelle Thema wurde von dem Vorfragenden in überaus fesselnder und ernster Weise behandelt. Er stieß zwar, wie die sehr lebhafte Diskussion zeigte, zum Teil auf starken Widerspruch bei Orthodoxen und Assimilanten, aber der Vortrag hat allen die Anregung zu einer ernsthaften Erörterung des Judenproblems gegeben. Hameln. Herr Dipl.-fng. Heine mann (Hamburg) hat in Hameln über das Thema ״Der Weg aus der jüdischen Not“ gesprochen. Der Vortrag war sehr interessant und hat dem Gedanken des Zionismus in einem Teil der zuhörenden Jugend eine starke Resonanz verschafft. Hannover. Am T. November sprach Dr. Werner Bloch (Berlin) in einem öffentlichen Vortragsabend der hiesigen Ortsgruppe über das Thema ״Der Weg der Jüdischen Jugend aus dein Chaos der Zeit.“ Die Lage der Juden wird, wie das schon 1 lei zi richtig vorausgesehen hat, stets!grausamer; die Juden, so scheint es, befinden sich geradezu in einem Zustand der Auswegslosigkeit. Da ist es selbstverständlich, daß sich in einer Zeit, wo sich der Kapitalismus in einer schwierigen Krise befinde(, die Blicke der Juden nach dem jetzigen Rußland lenken. Dort, so glauben viele, wird die jüdische Frage gelöst werden, ln der Tat hat in Rußland die jüdische Nation nicht nur theoretisch ihre Anerkennung gefunden, sondern man hat praktisch versucht, ihr Lebensmöglichkeiten zu geben (Kolonisatiori in der Krim und in Biro Bidschan). Abgesehen davon, daß angesichts der ungeheuren Massen von deklassierten Juden vorläufig die Ansiedlung zahlenmäßig nur sehr gering ist, wobei man allerdings die Schwierigkeiten jeder Kolonisation nicht unterschätzen darf, kann doch, wenn überhaupt, in Rußland nur eine Teillösung der Judenfrage erfolgen, während — und das ist das Schlimmste — im übrigen die Gefahr einer neuen, roten Assimilation besteht. Dabei haben die Juden auf die große französische Revolution und die von 18-18 nicht minder große Hoffnungen gesetzt, wie jetzt viele Juden auf die russische. Die Judenfrage kann, wenn überhaupt, auf diese Weise nur für den Einzelnen und nur durch völlige Assimilation gelöst werden. Zur Befreiung der jüdischen G e s a m t h e i t ist cs erforderlich, daß die Juden kollektiv handelnd auftreten und eine konstruktive Leistung vollbringen. Hierzu ist in Erez Israel der Anfang gemacht, und schon dieser Anfang, immerhin während der wenigen Nachkriegsjahrc 100 000 Juden ansässig zu machen, übt eine ungeheure Wirkung auf die jüdische und nichtjüdische Welt aus. Dem Vortrage folgte eine angeregte Diskussion. Wabs. Kiel. Die hiesige Misrachi-Ortsgruppe hatte füj Dienstag,, den -17־,;, November, eine;!Einladung an, alle an dej Misrachiarbeit interessierten Kreise.' .gerichtet, - um' eine Re- Organisation der Gruppe unter Leitung des Herrn Prof. A. Frankel durchzuführen. Es hatte sich ein ansehnlicher Kreis eingefunden. — Nach erfolgter Neuwahl des Vorstandes, der von den Herren Prof. A. Frankel, J. Herzberg, B. Thurm und M. Landesmann gebildet wird, ergriff Herr Prof. F r ä n - k e 1 zu einigen kurzen, sehr eindrucksvollen Ausführungen das Wort, in denen er das Ausscheiden des deutschen Kreises aus dem Gesamtmerkas rechtfertigte. Als vorzüglicher Kenner Palästinas legte er dar, wie gerade im Heiligen Lande die Politik der Weltleitung versagt hat. Anschließend wurde Herr Prof. Frankel als Vertreter der Gruppe zur Tagung nach Berlin delegiert. Leipzig. Der Winter hat in Leipzig bereits recht zeitig mit einer Reihe interessanter jüdischer Vorträge eingesetzt. Kurz nach den Feiertagen veranstaltete die hiesige nationaljüdische Arbeitsgemeinschaft, deren diesjähriges Programm sich besonders den zeitgemäßen Problemen von Wirtschaft und Politik zuwenden soll, einen gut besuchten Vortragsabend, bei dem Dr. Max Kreutzberger aus Berlin über die Wirtschaftslage der deutschen Juden und die Aussichten der jüdischen Jugend sprach. Er warnte vordem Weiterbeschreiten der gewohnten Bahnen, speziell auch hinsichtlich der akademischen Berufe und forderte eine systemalische Berufserforschung, Berufsberatung und Berufsvermittlung, die, zentral geleitet, sich über ganz Deutschland erstrecken sollte. In der angeregten Diskussion wurde vor allem auf die Gefahr aufmerksam gemacht, die in der durch die Isolierung in neuen Berufen oft hervorgcrufeneti Entjudung besteht. Immerhin müsse versucht werden, auf einem Wege, der für Jugendliche heute schon in den Bünden oder in den Chaluzheimen begangen •wird, weiterzugehen. Dem Vorwurf, daß die zionistische Lösung der wirtschaftlichen Frage zu wenig berücksichtigt worden sei, begegnete der Redner mit dem Argument, daß der Zionismus als Regenerationsbewegung des jüdischen Volkes auch verpflichtet sei, an den aktuellen Sorgen der jeweilig Heranwachsenden Generation teilzunehmen und nicht über der kommenden Generation, die nach Palästina gehen könne, die existierende vergessen dürfe. Ueberdies sei die Erziehung zu bewußter und vielseitiger Handarbeit und die Einstellung der Jugend auf das Lebensniveau des Arbeiters die beste Erziehung der Juden für die Schwierigkeiten des Daseins hier und in Palästina. Lübeck. Am Vorabend des Gruppenverbandstages sprach in öffentlicher Versammlung Herr Dr. Alfred Landsberg über das Thema: ״Zionismus und die Probleme der Zeit“. Ausgehend von der Entstehung des Liberalismus und der versinkenden Welt des Individualismus entwickelte der Redner ein plastisches Bild der aufsteigenden Macht des Kollektivums, das in den kompakten Gruppen des Nationalsozialismus einerseits und der sozialistischen Massen andererseits seine Menschen mit ungeheuerer Kraft und Begeisterung an sich reißt und alle anderen Gruppen aufreibt. Zu diesen Kräften hat der Jude Stellung zu nehmen. Aber nicht der Jude als Einzelindividuum ist dazu imstande, sondern gur ״die Juden“ ebenfalls als Kollektivum, als nationales Ganzes, das seine Grenzen abzustecken imstande ist, nur dieses Judentum kann die Auseinandersetzung aufnehmen und unter Hinweis auf das werdende Palästina mit seinen Arbeitern, seinen Landwirten, seinen Lehrern für sich die notwendige Lebensweite im Gal.uth verlangen. Die Ausführungen des Redners waren von einer so eindringlichen Wirkung, daß die Ver- Sammlung noch lange unter dem Eindruck der Ausführungen stand. Vermischtes Mit Rücksicht auf die große Raumknappheit der ״Jüdischen Rundschau“ bitten wir alle Vereine, Ortsgruppen und sonstige Einsender dringend. Berschte, Ankündigungen und ähnliche Einsendungen auf die sachlichen Angaben zu beschränken und in der kürzesten Form abzufassen. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden veröffentlicht zum Chamikkah-Fest einen Aufruf, worin sie allen Milwirkenden an der Wohltahrtsarbcit und Wohlfahrtspflege den Dank ausspricht und dazu auffordert, auch in Zukunft die berufliche Wohlfahrtsarbeit durch freiwillige Hilfe und persönliche Wohltätigkeit zu unterstützen. Neuartiger Jugendgotfesdienst. Am vorigen Sabbat fand in der Synagoge Levetzowstraße ein Jugendgotfesdienst statt, der einen überaus interessanten neuen Versuch darstellt, das Interesse der Kinder für jüdische Dinge zu entfachen. Unter Leitung des Lehrers Wachsmann, dem an der Vorbereitung ein großes Verdienst zuzuschreiben ist, haben etwa 250 Kinder d!-. Schulkreises Tiergarten die (freilich gekürzte) Liturgie des Gottesdienstes 1 m Sprech-Chor und Sing-Chor vorgetragen. Nachdem ein Schüler ein Stückchen aus der Thora vorgelcsen hatte, hielt Rabbiner Dr. Prinz eine Anspräche, in der er den Woehenabsehnitt (Jakobs Traum) eindrucksvoll erläuterte. Es folgte wieder ein Sprech-Chor, und zum Schluß baten die Schüler Dr. Prinz, noch eine jüdische Legende zu erzählen, was dieser in sehr gelungener Weise tat. Die innere Anteilnahme der Kinder war sehr lebendig, so daß man den Eindruck hatte, daß hier wirklich ein Weg gefunden ist, um den Kindern Freude an jüdischen Dingen beizubringen. Der . Jugendgottesdienst, der von der Jüdischen Gemeinde und einigen Schulleuten gefördert wird, ist dadurch möglich, daß sämtliche Volksschulen des Schulkreises Tiergarten sich bereitgefunden haben, den Religionsunterricht auf Sonnabend, 12—1 Uhr, zu verlegen, so daß, schulmäßig gcsehen, dieser Gottesdienst den Charakter einer Unterrichtsstunde hat. Es wäre zu wünschen, daß auch andere Berliner Bezirke diesem Beispiel folgten, wobei freilich berücksichtigt werden muß, daß vom konservativen Standpunkt manche Bedenken gegen die Veranstaltung zu erheben sein dürften, so daß man vielleicht den Ausweg finden kann, sie für Orthodoxe nicht obligatorisch zu machen. Konzert zugunsten der Wohlfahrtseinrichtungen der Jüdischen Gemeinde: Sonntag, den 6. Dezember, 20 Uhr, in der Synagoge Prinzregentcnstr. 69,70. Ihre gütige Mitwirkung haben zugesagt: Frau Tilli de Garmo, die Herren Stefan Frenkel (Violine); Kammersänger List (Staatsoper); Professor Maver-Mahr (Klavier); Felix Robert Mendelssohn (Cello); Joseph Schmidt und Alexander Weinbäum mit einem gemischten Chor; an der Orgel Erwin Jospe. Jüdische Altershilfe Groß-Berlin E. V. Zur Feier des Gründungstages laden im Namen des Vorstandes Professor Einstein, Generalkonsul Landau und Generaldirektor Macher für Sonnabend, den 12. Dezember, in den Marmorsaal des Zoo zu einem Gesellschaftsabend ein. Im künstlerischen Teil wirken u. a. Camilla Spira, Paul Graetz, Jascha und Tossi Spiwakowsky mit Ferner bringt das Jüdische Instrumental-Vokalquartett mit Maria R a p p - J a n o w s k a j a jüdische Musik in neuer Bearbeitung zum Vortrag. Karten ä RM. 6,—, Studentenkarten RM. 3,— im Büro der Jüdischen Altershilfe, Augsburger Straße 39, Telephon Bismarck 1221. Frauen-Arbeitsgemefnschaft für Palästina. Am 24. November fand im Hause von Frau Margarete Moses die erste ^usaromenkppft.det ,neugegrüddeten .Gruppe. Westend statt,, die vonetwa 25 Frauen besucht war. Ör. Werner Bloch sprach über ״Jüdische Würde in antisemitischer Gefahr“. Allein die stolze Selbstbesinnung aut das eigene Wesen könne heute innere Würde und äußere Verteidigung bedeuten. Nur in diesem Sinne dürfe die jüdische Jugend erzogen werden. In der darauffolgenden Diskussion wurde der Vorschlag von Frau Dr. Moses begrüßt, regelmäßig zusammenzukommen, um sich weiter über jüdische Fragen auszusprechen und jüdisches Wissen zu erreichen. Die nächste Zusammenkunft wurde auf den 14. Dezember festgesetzt; der Ort wird noch beknntgegeben. Wir bitten Interessentinnen, sich im Büro der Frauen- Arbeitsgemeinschaft für Palästina, Meinekestraße 10, (Tel.: Bismarck 71 65), melden zu wollen. Zeire Misrach! Deutschland. Der Bundestag׳ findet am 2526 ״. und 27. Dezember d. J. in Frankfurt a. M. statt. Anschließend wird am 28. und 29. Dezember der Führerkursus des Brith Hanoar abgehalten. Zwei jüdische Gastspiele im Wallner-Theater in Berlin. Nachdem in der letzten Woche mehrere Vorstellungen mit großem Erfolg im Theater in der Klosterstraße stattgefunden haben, wobei ein Teil der Besucher keine Karten mehr erhalten konnte, isf es dem jetzt in Berlin gastierenden jüdischen Ensemble gelungen, ein größeres Theater, das Wallner-Theater, zu bekommen. Am 5. und 6. Dezember gelangt der große amerikanische Schlager ״Wi is mein Kind?“ zur Aufführung. Wiederauftreten der berühmten amerikanischen Künstler Anna und Heimann Jacobowitz; ferner wirken Ester und Jakob Moschkowitz sowie andere namhafte Kräfte mit. Arbeitsnachweis. Am 6. Dezember, vorm. 11 Uhr, findet in den Bio-Lichtspielen, Hackescher Markt 1/2, eine Aufführung des Films ״Von der Schulbank zur Werkstatt“ im Rahmen einer Veranstaltung der jüdischen Berufsberatung statt. Alle Interessenten sind eingeladen. Eintritt frei. Das Israelitische Erholungsheim Wclfratshausen im Isartal bei München bietet zu kurzem oder ganzjährigem Aufenthalt seine luftigen Schlafzimmer, Zentralheizung, Warimvasser, Bad, reichliche Nebenräume mit Radio, Telephon, Nr. 18, Terrassen, Liegehalle, parkartigen Garten, schöne freie gesunde Lage, Bergnähe, gute, rituelle Verpflegung, Skisport, Schwimmbad an. Preise von 4—6 M. Prospekt durch Frau Carola Neu, München, Hohenzollemplatz 1, I. Die K-J. V.er aus Hessen-Nassau und Thüringen treffen sich am Sonntag, dem 6. Dezember, 10(2 Uhr, in Eschwege, Hotel Löwenstein. Zionistischer Jugendkreis Nürnberg-Fürth. Am 19. N'ovember sprach im Jung-Zionistischen Kreis Herr Stefan Aufh aus er vom Jüdischen Jugendbund über das Thema: ״Ist der Zionismus die Lösung der persönlichen Judenfrage“, eine Frage, die bereits 14 Tage vorher von Herrn Dr. M. Nußbäum vom zionistischen Standpunkt aus behandelt worden war. Herr Aufhäuser, der sich wesentlich von der herrschenden liberalen Anschauung abgrenzte und dem Zionismus Zugeständnisse machte, vertrat aber doch die Ansicht, daß die Lösung der persönlichen Judenfrage durch den Zionismus nur für einen kleinen Teil jüdischer Menschen möglich sei. An der sehr anregenden und lebhaften Diskussion beteiligten sich die Damen Steffi Braun und Senta Punfud und die Herren Dr. Liebstaedter, Josef Schukstelliski, Jak Zurawel, Reiner Hirsch, Albert Salzer, Zwi Landau, Josef Wechsler und Josef Garai.

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