Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 23 (24.3.1931)
- Date
- 1931-03-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23, 24. III. 1031 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 147 Literarische Notizen Von Sch. G orelik. Beim Lesen des Levisohnschen Buches ״Das Erbe im Blut“, gerade im ersten Teil, wo ostjüdisches Leben von vor last 100 Jahren geschildert wird, mußte ich über gar manche Schnitzer lachen, die dem verdienstvollen Autor unterlaufen .-,!nd. Sie beeinträchtigen keineswegs den sonstigen Wert des Buches, aber sie wirken peinlich. Da sitzt z. B. in ihrer Wilnaer Kellerwohnung (es ist die Zeit der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts) Breine, Mendel des Melameds Frau, und'erzählt ihren Kindern von ihrer glücklichen Jugend und dem Hause ihres Vaters, der ein Gwir und ein gelehrter, hochgeachteter Mann war. Keinesfalls aber konnte der Patriarch ein so bedeutender Mann gewesen sein — aus dem Buche ist rs nicht zu ersehen, daß ein Satz wie der folgende glaubhaft wäre oder der Wirklichkeit entsprochen hatte: ״Niemand wußte, wie alt sie war (die alte geschnitzte hölzerne Lade), nicht einmal der Großvater, der doch als so gelehrt und weise galt, daß die Leute aus den fernen ukrainischen Städten angereist kamen, ihn um seinen Rat zu fragen.“ Am Anfang des vorigen Jahrhunderts, wo eine Reise von Poltawa bis Wilna Wochen dauerte und mit den größten Strapazen verbunden war, konnte es nur in äußerst seltenen Fällen Vorkommen, daß ein ukrainischer Jude sich nach Litauen begab. Unmöglich also, daß aus den fernen ukrainischen Städten Juden sich zu einem Manne begaben, der kein Rabbi, kein Wunderrabbi, sondern nur ein stilvoller, reicher patriarcha-!!scher Jude war. Solche gab es ja auch in der Ukraine, und a lag mithin kein Grund zu einer so äußerst strapaziösen Reise vor. Bei der Vertiefung in eine vergangene ostjüdische Welt, die Levisohn nur vom Lesen und Horen kennt, ist es begreiflieh, wenn eine gewisse sentimentale Rührung sich unseres Autors bemächtigt, die sich unter anderem in der Häufung hebräischer Worte und Sätze ausdrückt. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir, daß der weise Großvater, von dem eben die Rede war, sich sehr unbeholfen zeigt, wenn es gilt, einen schönen Spruch, einen tiefen Satz anzuwenden, um eine gewisse Situation zu beleuchten. Oft, so berichtete Breine, bat die Mutter schüchtern ihren Gatten, als Gäste zum Seder- Abend nur Leute zu bringen, die sauber und nach ihrer Art geziemlich angezogen seien. Aber er runzelte mitten in seiner Freude dann immer ein wenig die Stirn und wiederholte den Satz, der so oft über seine Lippen kam: ,,Rachmonim bnei rachmonim.“ Ueber die Lippen dieses Großvaters kam sicherlich ein anderer, ein passenderer aus dem großen Arsenal jüdischer Sprüche aufgegriffener Satz, ein Satz über Mizwat orehim, ein Satz mit einem Wort, der Frömmigkeit, gleich• zeitig aber Wärme und Mitleid ausdrückte und nicht die verbrauchte Apologetik, nicht diese Allgemeinheit, die man manchmal von einem assimilierten Westjuden, wenn er aus einem besonderen Anlaß sich jüdisch gebärden will, zu hören bekommt. Noch eine beträchtliche Zahl hebräischer Ausdrücke hat Levisohn im ersten Teil seines Buches mobilisiert, ohne für ihre richtige Anwendung immer Sorge zu tragen. Mendel der Melamed, der Ahne der Levis, von welchem die Chronik ״Das Erbe im Blut“ erzählt, sitzt in einer Winternacht über einem Haskalabuch im Beth-hamidrasch. Der bucklige Maskil nähert sich leise, unbemerkt, wodurch Mendel erschrickt. Aber als Mendel erschrak, stieß er nicht jenes natürliche ״Ui“ oder ״Oi“ aus, was dem ״ach Goti, wie habe ich mich erschrocken“ gleichkommt, sondern schrie die Worte ״Owine inalkenu“. Dieses ״Owine malkenu“ in der Situation, in welcher Mendel sich befand, ist eine Sinnlosigkeit. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß Mendel in seinem Schreck ״oi“ schrie, aber wenn schon hebräisch, dann nur das höchste Alarmsignal, unser “S. O.S.-Rüf, ״schnta }isrqeP, aMr;,tfwine malkenu“ ist unmöglich. ' " . ' ' An einer anderen Stelle lesen wir: ״Breine und ihre Kinder zerrissen ihre Kleider — nach dem Tode Mendel des Melameds — und saßen, wie das Gesetz es vorschreibt, zehn Tage lang־ trauernd auf dem Boden usw.“ Seit wann sitzt man Schswo zehn Tage? All diese Ungereimtheiten sind, wie schon gesagt, nicht imstande, das Wertvolle des Buches zu mindern. Andererseits aber denkt man: ein Flaubert wäre auf den Gedanken gekommen, eine Novelle zu schreiben über das jüdische Wilna am Anfang des vorigen Jahrhunderts, er hätte — seinen Gepflogenbeiten gemäß —, wenn auch nur weniger Ausdrücke wegen, «in ernstes Studium der hebräischen Sprache aufgenommen, alsdann wäre er mit dem Grand-Rabin von Frankreich in einen regen Briefwechsel getreten und hätte letzten Endes auch eine Reise nach Wilna nicht gescheut Dies alles mit dem Erfolg, daß ein jüdischer Melamed in seiner Novelle niemals beim Erschrecktsein ״owine malkenu“ ausgerufen hätte, und nach dem Tode dieses Melameds hätten seine Angehörigen niemals zehn Tage ״schiwo“ gesessen. Freilich, Flaubert war nach dem Begriff unserer modernen Betriebsamkeit ein wenig produktiver Schriftsteller. Er schrieb n u r vier große Romane. * Das, was Ludwig Levisohn zustieß, als er daran ging, ein ihm unbekanntes jüdisches Milieu zu schildern, widerfährt Schalom Asch auf einem anderen Gebiet, nämlich bei 'einem Versuch, die jüdische Gesellschaft Petersburgs vor dem Kriege zu gestalten. Kokettiert Levisohn mit hebräischen Sätzen, so kann andererseits Schalom Asch in dem ersten Band seiner Trilogie ״Petersburg“ es nicht lassen, sich weltlich gebildet zu gebärden. Dabei sollte er doch wissen, daß er die größten künstlerischen Erfolge erzielte, als er die alte, stille, fromme jüdische Welt schilderte, jene Welt, die weniger durch äußere Ausstattung als durch innere Schönheit glänzte. In der letzten Zeit aber liebt er es, durch Schilderung prunkvoller Räume, kostbarer Stoffe und Steine eine Konkurrenz mit Oskar Wilde und Gabriele d’Anunzio aufzunehmen. Wenn Asch das Arbeitszimmer des jüdischen Advokaten Solomon Ossipowitsch Halpem erwähnt, so merkte man, daß er nicht schnell genug von dem Fauteuil aus der spanischen Renaissance erzählen kann. Und es ist sicher, daß dies das einzige Exemplar in der ganzen jiddischen Literatur ist... Was bei dieser übertriebenen Betonung herauskoramt, lehrt uns die folgende Stelle aus einem Buche, wo von dem jungen Rechtsanwalt Naurn Grigorowitsch Rosmarin die Rede ist: ״Jeden Tag fast;■־־ lesen wir dort —׳ entdeckte er ein anderes Meisterwerk in den Antiquitätengeschäften Petersburgs. Und so oft er Olga Michalowna besuchte (das geschah täglich) brachte er rtets Nachricht von einem neu entdeckten Reinbrandt, van Dyck oder Rubens“. Wie kommt es nur, daß gewöhnlich nur ganz selten ein Rembrandt entdeckt wird, etwa einmal in?ehn Jahren, und daß er sich dann gewöhnlich als ein gefälschter Rembrandt herausstellt Unser Schalom Asch ist aber von der Natürlichkeit der täglichen Rembrandt-Funde dermaßen überzeugt, daß er auch den Rechtsanwalt Solomon Ossipowitsch fragen läßt: ״Nun, was haben Sie heute entdeckt, Naum Grigorowitsch, einen Rembrandt oder einen van Dyck?“ * Im Verlag Paul Zsolnay ist der Roman ״... & Co.“ von Jean Richard Bloch erschienen. Während ich vor dem Schaulenster einer Buchhandlung stehe und die begeisterten Worte Romain Rollands lese, die auf der Buchhülle zitiert werden, überkommt mich der Gedanke, daß es sich hier doch um den ]udischat Roman handelt, der vor da paar Jahren auch in der ״Jüdischen Rundschau“ besprochen wurde. Tatsächlich, es handelt sich um die Simlers, um jene energiestrotzende jüdische Familie aus dem Elsaß, die nach dem Kriege 1S7Ö ihre Tätigkeit in das Innere Frankreichs verlegte, zuerst auf Mißtrauen und Feindseligkeit stößt, bis sie sich schließlich durchselzt und allgemeine Achtung gewinnt, . & Co.“ ist keineswegs ein ״Indusfrieroman“, sondern ein jüdischer Roman, zum Donnerwetter! Ein l.obgesang aut jüdische Energie und jüdischen Optimismus. Jean Richard Bloch legt Wert darauf, diesen Optimismus besonders zu betonen. Wie die Simlers, so ist auch jene Familie aus seiner Erzählung ״Levi“, die während der Drevfus-Tagc in ihrem französischen Sfidtchen stark zu leiden hatte und später in demselben Städtchen die Parlamentswahlen leitet, von diesem Optimismus durchdrungen. ״Wir haben uns begnügt, auszuharren,“ philosophiert einer der Levis, ״ihr, ihr seid sehr stark und sehr energisch, wir aber, wir verstehen zu dulden und durchzuhalten.“ * Unter den vielen zeitgenössischen Briefen und Dokumenten, die Josef K a st e i n in seiner Sabbatei Zevi- Monographie bringt, ist von besonderem^ Interesse jener Brief an seine Anhänger in Smyrna und Saloniki, den Sabbatei Zwi aus dem Gefängnis schrieb und in welchem er sie aufforderte, die Schulden an die englischen Kaufleuto unverzüglich zurück- ZIONISTISCHE WERBEAKTION IM SOKOLOW MONAT 19. MÄRZ BIS 30, APRIL 1931 ERWEITERUNG DER ZIONISTISCHEN PERIPHERIE DURCH: Grosse Versammlungen Zionistische Werbe-Zirkel Schekelverkauf Abonnentenwerbung fOr die Jüdische Rundschau Neue Zeichner und erhöhte Zeichnungen für den KH Aufstellung von 10.000 neuen KKL-BOchsen Orangenpflanzungen, private BodenkSufe und Investments Jeder Art In Erez Israel zttzähWn.־ Die Sabbatiäner, die an die Messiaszeit glühend glaubten, haben nicht Bankrott gemacht, sie haben allem, was mit Handel und Geschäft zu tun hatte, den Rücken gekehrt. Für Spottgeld haben sie ihre Häuser verkauft. Der Handel stockte, und cs konnte nicht ausbleiben, daß die Handelshäuser Europas, welche ihre Niederlassungen im Orient hatten, gewissen Schaden erlitten. Schadlos aus dieser tragischen Affäre gingen nur die englischen Kaufleute hervor. »abei wurde der sabbatianischen Bewegung in keinem anderen Lande so viel Verständnis und Sympathie entgegengebracht wie gerade im puritanischen England jener Zeiten. Aber auch damals schon scheint jenes Dogma als unantastbar betrachtet worden zu sein, wonach die glühendste Sympathie nicht den kleinsten materiellen Verlust zur Folge haben durfte. * T r o t z k i hat seinen Kindheitsjahren in dem Buche ״Mein Leben“ einen sehr breiten Platz gewidmet. Einzelheiten, Nebensächlichkeiten werden oft mit unnötiger Ausführlichkeit erzählt. Dagegen ist aber das Jüdische mit unglaublicher Knappheit abgefertigt worden. Zuerst ist man geneigt, die Knappheit auf die Am-Haarazuth seines Vaters zurück zuführen, der, auf dem Lande lebend, dem jüdischen Milieu und der jüdischen Art entfremdet wurde. Aber eine Tatsache, die Trötzki unvorsichtigerweise erwähnt, läßt darauf schließen, daß es auf dem Gute seiner Eltern in Kleinrußland, in bestimmten Momenten wenigstens, nicht anders aussah, wie bei allen Juden der damaligen Zeit. Er erzählt nämlich, wie er einmal krank wurde und seine Mutter nicht mit ihm in die Stadt zum Arzt fahren konnte, weil es Schabbes war. Aber eine Mutter, die des Sabbats wegen ihren kranken Sohn nicht zum Arzt bringen will, muß doch an den Tagen vor Peßach eine gewaltige Tätigkeit entfalten; sie wird zu den Feiertagen mit derselben Inbrunst gerüstet haben, wie alle jüdischen Mütter in der ganzen Welt. Trotzki wird uns doch nicht etwa einreden wollen, daß man bei seinen Eltern nicht am Sedertisch saß, und daß man in den letzten Tagen des Monats Ellul nicht schon etwas von dem Nahen der ״furchtbaren Tage“ fühlte. Nein, auf jenem Landgute seiner Eltern sah es gar nicht so unjüdisch aus, und Trotzki. der sonst in seinem Buche und besonders in jenem Teil, wo von seiner Kindheit und den ersten Schuljahren die Rede ist, ein detaillierter Schilderer ist, hätte uns auch darüber erzählen können. Aber er hat es vermieden. Und der Rote General, der keine Furcht kennt, bekundet hier jene bekannte Angst assimilierter Juden, die ihre jüdische Abstammung zwar nicht verleugnen (sie können es auch nicht), aber nicht gern bei dieser Tatsache verweilen... Fremde Sprachen. Der bekannte Verlag Langenscheidt (Bcrlin-Schöneberg) hat seinen zahlreichen verdienstvollen Sprach-Lehrbüchera in der Form der Bücherei ״Fremdsprachige Lektüre“ ein äußerst brauchbares und ge- Iungenes Lehrmittel hinzugefügt. An der Hand interessanter kurzer Lesestücke, die durch ihre Verbundenheit mit dem heutigen Leben den Leser sachlich fesseln, wird der Wortschatz durch das neben den Text gestellte Vokabularium ständig mühelos bereichert, das Gedächtnis aufgefrischt. Von den uns vorliegenden Bändchen nennen wir z. B. ״M od e rn Ind i a“ (englisch), in Politik, Kultur und Verwaltung Indiens einführend und gerade jetzt aktuell; oder z. B. ״La framjaise d’aujöurd’hui“ (französisch), ״ITtalta d’oggi", alle sehr lebendig und geschickt zusammengestellt. Die Büchlein, die nur M. 1,50 kosten, werden sicher auch in unserem Leserkreis Interessenten finden. Das KJV. In Hamborg Wir erhalten nachstehenden Bericht: Eine große Zahl von Bundesbrüder 11 vereinigte der 11. Kartelllag sowie die ihm vorhergehende Aktiven-Tagung in Hamburg. Die aus allen Teilen des Reiches kommenden Teilnehmer versammelten sich bereits am Sonnabend nachmittag im Restaurant ״An den Landungsbrücken“ als Gäste des Hamburger zionistisch-akademischen Klubs. # Am Sonnabend abend hatte das K. J. V. die jüdische ()Öffentlichkeit zu einem Vortrag von Bor. Dr. Gustav Krojanker geladen ״Das dritte Reich unter jüdischen Gesichtspunkten“. Auf das herzlichste wurde bei der außerordentlich zahlreich besuchten Versammlung der Kartelltag von dem Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Bhr. Blumenfeld, vom Vertreter der Jüdischen Gemeinde in Hamburg, Rechtsanwalt David, der Bne-Brith- Loge, Dr. Minden, sowie der Hamburger Zionistischen Ortsgruppe, Dr. Heppner, sowie den Hamburger jüdischen Organisationen begrüßt. Mit sorgfältiger Begründung versuchte Bbr. Krojanker in seinem Vortrag, die Eigenart der nationalsozialistisch«! Bewegung und ihre Bedeutung für das gesamte Judentum darzutun/ Der Vortrag, dem das Auditorium gespannt folgte, fand nachhaltigen Beifall. Der Kartelltag selbst hatte für ein reiches Arbeits- Programm nur U/s Tage zur Verfügung. — Im Mittelpunkt der Debatten standen die Fragen nach den Erziehungszielen und den Erziehungsmethoden der Jugend, insbesondere eine allgemeine Erlernung der hebräischen Sprache, die Fragen nach dem Weiterausbau der Altherren-Organisationen und die der Entwicklung der internen Zeitschrift ״Der jüdische Student“. Die Sachlichkeit, mit der die Probleme behandelt wurden, zeigte trotz aller Gegensätzlichkeit der verschiedensten politischen Parteien einen starken bundeshrüderlichen Zusammenhang und ermöglichte statt unfruchtbarer Kritik eine positive Arbeit. Ein interessanter Versuch auf dem Gebiete praktischer Erziehungsarbeit wurde den Teilnehmern des Kartelltages und den Gästen am Sonntagabend gezeigt. Ein Debating-Klub mit der Aufgabe, die verschiedenen Ansichten aller jüdischen Richtungen über die Lösung der Judenfrage vor dem Völkerbund zu vertreten, zeigte, wie sorgfältig sich die Jugend in diese Ansichten hineinzudenken versucht und wie ehrlich sie um eine sachliche Wiedergabe bemüht ist. — Ein ausfiihrliches Referat über ״Die derzeitige politische Lage“ von Bbr. Elias Auerbach stand am Schluß der Verhandlung. Zum Präsiden des Kartells wurde einstimmig Bbr. Egon Rosenberg wiedergewälilt, zum Vizepräsidenten wurde Heinz Gerling in das Präsidium die Bundesbrüder. Franz Brüll, Chitzes, Theo Epstein, Paul Hirsch, Walter Katschke, Klee, Obstfeld, Spiewkowski, Herman Tumpowsky׳ und Hans Anton Wolff gewählt. Neue Bflcäer Das Hohelied. Uebertragen und gedeutet von JosephCarlebach. Frankfurt a. M., Hermon-Verlag. 12 M. Das Hohelied hat bekanntlich jahrhundertelang als Allegorie, darstellend die Liebe Gottes zu Israel, gegolten, und hat dieser Deutung (oder der Vorspiegelung dieser Deutung) die Aufnahme in den Kanon zu danken. Erst in den letzten zwei Jahrhunderten brachen sich andere Auffassungen Bahn, die wieder auf den Wortsinn zurückgriffen, und man entdeckte eine der köstlichsten Liebes-Dichtungen aller Zeiten. Für den modernen Leser, der nicht mit einem dogmatischen oder moraltheologischen Apriori an den Text herangeht, ist es be* z reits sehr schwer geworden, IW den glühenden und Wider״ rejehen Versen einen anderen als den buchstäblichen Sinn zu suchen, wenn auch die literarische Komposition noch viele Probleme aufgibt, über deren Lösung eine Reihe von Hypothesen auf gestellt wurden. In seinem Buch ״Heidentum, Judentum, Christentum“ hat Max Brod, ein begeisterter Bewun* derer des Hohenliedes, das Problem neu aufgerollt, und an seine Umdichtung knüpft Joseph Carlebach in dem vorliegenden Buche an, um die Unmöglichkeit und Gekünsteltheit aller ״naturalistischen“ Deutungen, aller Umstellungen und Konjekturen nachzuweisen. Carlebach führt In einer neuen und fesselnden Version zu der alten (seinem orthodoxen Standpunkt entsprechenden) Auffassung des Liedes als Allegorie zurück. In seiner Bearbeitung verschwinden alle erotischen Anspielungen, manche Anzüglichkeit wird durch interessante Neu-Uebersetzung ausgemerzt, die Liebeslieder sind verschwunden und an ihrer Stelle steht ein erhabenes geschichtlich-theologisches Lehrgedicht, entstanden in der Zeit Salomons und darstellend das Schicksal Israels von der ägyptischen Knechtschaft bis zur Heimkehr ins ״eheliche Heim“ des eigenen Landes. Der Kritik wird auf der ganzen Linie der Kampf angesagt. Auch wer sich nicht entschließen kann, des Verfassers Standpunkt zu akzeptieren, muß zugeben, daß viele seiner Argumente sehr gewichtig sind. Aus einem reichen Wissen und mit großer philologischer Gelehrsamkeit hat Carlebach seine Auffassung unterbaut, wobei freilich von ihm die Möglichkeit, es könnten gleichgesinnte Vorläufer im Interesse einer solchen Deutung den Text glossiert haben, von vornherein ausgeschaltet wird. Sogar wer alle seine Schlüsse gelten läßt, wird darin höchstens eine Interpretation des masoretischen Textes, der mit allegorischer Intention in den Kanon eingeschlossen wurde, erblicken können, aber kein definitives Urteil über das ursprüngliche Material der Dichtung. Aber wie immer der Standpunkt des Lesers sei, er wird nicht bedauern, dieses geistvoll und mit tiefer Wirme geschriebene Buch kennengelemt zu haben, und wird nur bestärkt werden in der Ueberzeugung, daß das Hohelied in jedem Fall ein unvergleichliches Erzeugnis der hebräischen Poesie ist. sch. Saba besucht Salomo. Roman von Hefen c Elfat. Ulistcin-Verlag, Berlin. Daß die Königin von Saba Salomonis Busenfreundin und ein Blaustrumpf Aethiopiens war, wußte schon Heinrich Heine. Und mir scheint, der Ronianzero-Dichter wäre mit dem graziösen Büchlein der Helene Eliat ״Saba besucht Salomo“ nicht übel zufrieden gewesen. Denn statt, daß der aethiopische Blaustrumpf zu seiner Zeit noch durch Esprit brillieren wollte und mit seinen klugen Rätseln auf die Dauer fatigant ward, ist die sabäische Königin unter den geschickten Händen einer späten Schwester all ihrer berüchtigten Weisheit untreu gewörden und nichts als ein höchst neugieriges und Iebensgieriges Weiblein, das zum Hofe des Königs Salomo kommt — scheinbar um die Erfüllung eines Orakels zu erharren, in Wirk- Iichkeit, um von seiner weisen Lebensmüdigkeit und von seiner klugen ägyptischen Frau Leben und Männer verstehen zu lernen. Sie findet alles, was sie sucht — und mehr als das, Liebeserfahren läßt sie den alten König als einen Enttäuschten zurück — reif, um den Prediger Salomonis zu schreiben. Das ist ein allerliebstes Buch voll farbiger Bilder, von den Kamelen in der Wüste bis zu deu ZiegCnhirten im Tale Josaphat; und manchmal überraschen uns unter so viel heiterer Leichtflüssigkeit Stellen von einer verblüffenden Größe: etwa, da die echte Bundeslade, von den Wächtern verworfen, inmitten des Tales liegt und plötzlich dem hölzernen Körper zitternde Streifen farbigen Lichtes entsteigen und eine goldene Brücke zur Sonne schlagen. d . . Es war der Regenbogen. . . . Bertha Badi-Siraaß..