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Jüdische Rundschau · 1931-03-24 · Heft 23 (24.3.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 23 (24.3.1931)
Date
1931-03-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 146 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 23, 24. IU 1931 der Volkspartei als Vorwurf mangelnder staatsbürgerlicher Oesinnung aufgefaßt wurde. Der Redner wurde durch zahlreiche Zwischenrufe unterbrochen, in denen auf verschiedene Vorkommnisse während des letzten Wahlkampfes in der Jüdischen Oemeinde angespielt wurde. Dr, Bruno Weil (lib.) führte aus, die Verschlechterung der öffentlichen Meinung gegenüber dem Judentum habe nicht mir in dem Ausgang der Reichstagswahlen, sondern auch in der Rechtsprechung ihren Ausdruck gefunden. Wirtschaftlich sei das deutsche Judentum um 60 bis 80 Jahre zurückgeworfen worden. Angesichts dieser Notlage erscheine ein Abbau des Verwaltungs- Apparates des Landesverbandes dringend erforderlichln den letzten politischen Erklärungen der maßgebenden Reichsinsianzen vermisse man eine klare Stellungnahme gegen die religiöse und rassenmäßige Bekämpfung des Judentums. Das deutsche Judentum dürfte keine seiner Positionen räumen und müsse gcmcinsatn mit großen nicht jüdischen Kreisen, wie die katholische Kirche, die Arbeiterparteien und auch gewisse evangelische Kreise, die gegen den Nationalsozialismus scharf Stellung genornmen haben, den Kampf um die Wahrung der Rechte des Judentums führen. IN dürfe sieh aber gegenüber dem Christliehen Volksteil nicht abschließen und müsse jedem Lntfremdungsprozeß entgegentreten. Dr. Nah um 0 old mann (Volksp.) erklärte im Gegensatz, zu Dr. Perser, eine Auffassung von deutschem Volksbewußtscin, die es einem deutschen Juden unmöglich mache, sich frei zu seinem jüdischen Wesen zu bekennen, verstoße nicht nur gegen die jüdischen, sondern auch gegen die besten deutschen Traditionen. Wenn der Verband auf die Abwehrarbeit verzichte, schließe er sich selbst von seiner natürlichen Zentralaufgabe aus. Eine solche Erscheinung wäre in einem anderen Lande, etwa in England, Frankreich oder Amerika, undenkbar. Dort sehen die Repräsentanten der jüdischen Gemeindeverbände ihre Aufgabe sogar auch darin, die Interessen der ausländischen Juden wahrzunehinen. Wenn der C.-V. nicht existierte, würden wahrscheinlich auch die Liberalen nicht zögern, dem Verband die jüdische Interessenvertretung auch nach außen anzuvertrauen. Der C.-V. repräsentiere nicht das gesamte Judentum Deutschlands und gefährde die Gleichberechtigung, weil er nicht für die unbedingte Gleichberechtigung, sondern für eine Gleichberechtigung ä condition eintrete. Rabbiner Dr. Hoffmann, Frankfurt a. M., forderte, der Rat solle seine Tätigkeit darauf konzentrieren, eine Beschleunigung der Erledigung des Judengesetzes zu erreichen. In der Frage der Vertretung nach außen stehe er durchaus auf dem Standpunkt der Volkspartei. Dr. Foerder, Breslau (Religiöse Mittelpartei), erklärt, eine Resolution gegen den Antisemitismus, die vom Verbandstag nicht einstimmig angenommen würde, würde dem Judentum mehr schaden als gar keine Resolution. Redner übt entschiedene Kritik an den Methoden des C.-V. und an der Haltung der Jüdisch-liberalen Zeitung, ist aber der Ansicht, daß der C.-V. die Abwehrarbeit besser leisten könne als der bürokratische Apparat des Landesverbandes. Justizrat Dr. Brodnitz (lib.) wehrte die Angriffe, die gegen den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erhoben wurden, ab und erklärte, der Landesverband könne sich auf Grund seines Statuts nur mit der Wahrung religiöser Interessen befassen. Wenn auch der Central-Verein nur Juden bestimmter Anschauung eitischließe, so vertrete er doch die Interessen der Gesamtjudenheit. Kurt Blumenfeld (Volksp.) stellte demgegenüber fest, daß der § 3 des Statuts die Zusammenfassung der Synagögengemeinden zur Wahrung aller ihrer Interessen vorsehe. Jene deutschen Juden, die sich nicht zur Anschauung des Central- Vereins bekennen, müssen es ablehnen, ihre Interesssen von ihm vertreten zu lassen. Redner weist darauf Mn, daß der C.-V. sich aus blinder Ablehnung des Nationaljudentums seitsame Inkonsequenzen zuschulden kommen lasse, z. B. in der Beurteilung der Minoritätenfrage in Polen. Es fehlt den Führern der Liberalen der Blick für die allgemeinen Zusammenhänge. Der Antisemitismus macht keine Unterschiede zwischen Juden dieser oder jener Gesinnung. Die Haltung des C.-V, ist anachronistisch. In einer so bedrohlichen Zeit sollten alle Juden zusammenstehen und nicht mit kleinlichsten Miß- Verständnissen gegeneinander kämpfen. Damit war die allgemeine Aussprache beendet. Zu den von der liberalen Fraktion eingebrachtcn Anträgen über die ElnbQrgerungs- und Staaienlosenfrage führte R.-A. Dr. Klee (Volksp.) aus, daß sich die Einbürgerungspraxfs gegenüber der des Anden Regime, unter dem die Einbürgerung auch bei Erfüllung der Voraus- Setzung 20jähriger ununterbrochener Ansässigkeit auf Schwierigkeiten stieß, wesentlich gebessert habe. Der Redner hob die dankenswerte Praxis des preußischen Innenministeriums unter Leitung des Ministers Severins? und Grzesinski hervor und gab der Hoffnung Ausdrude, daß die Widerstände gegen die Einbürgerungspraxis, wie sie insbesondere von Thüringen geleistet werden, überwunden werden würden. An der Ver- Zögerung der Erledigung der Einbürgerungsgesuche seien in der Regel nicht die preußischen Staatsbehörden, sondern die früheren Heimatsgemeinden der Einzubürgernd eh schuld. Ein von Alfred Berger begründeter Antrag der Volks- Partei, die Mitgliedszahl des Wohlfahrtsausschusses von 9 auf 12 zu erhöhen, wurde abgelelmt Die daraufhin vorgenommenen Wahlen in den Haushaltsausschuß und in den ständigen Ausschuß des Verbandstages ergaben folgendes Resultat: Haushaltsausschuß: Liberale: Franken, Ehrlich, Frau Ollendorff, Dach, Michael Abraham, Felsenthal, Galliner, Charig, Lazarus. Volkspartei: Alfred Berger, Dr. Emmerich, Kareski, Dr. Altschul, Isidor Bach. Konservativ: Fraenkel. Ständiger Ausschuß: Liberale: Dr. Breslauer, Dr. Holländer, Oßendorff, Jakobi-Köln, Dr. Bruno Weif, R.-A. Seligsohn, Rabbiner Weyl, Merzbach-Frankfurt, Cohn-Hildesheim. Volkspartei: Dr. Altschul, Berger, Benario, Hans Goslar. Mittelpartei: Prof, Dr. Sobernheim. Konservativ: Rabbiner Horovitz. Die Montags *Sitzung K a r e s k i gibt eine Erklärung der Fraktion der Jüdischen Volkspartei ab und fordert mit Rücksicht auf die durch die gestrigen Beratungen im Haushaltsausschuß geschaffene neue Situation die Wiedereröffnung der Generaldebatte. R.-A. Breslauer (lib.) spricht gegen den Antrag Kareski, Der Antrag wird mit den Stimmen der Liberalen gegen Volkspartei, Konservative, Mittelpartei und Ueberpartei angenommen. Die Wirtschaft» Debatte wird sodann im Namen des Rats von Alfred Klee eingeleitet, er schlägt u. a. die Einberufung einer Wirtschaftskonferenz vor. Justizrat Peis er, Breslau (Tib.) erkennt die Notwendigkeit einer ernsthaften Mitarbeit des Landesverbandes an einer Aktion zur Stützung der unterhöhlten jüdischen Wirtschaftskraft an. Die Gfcnossenschaftsbewegung sei ein geeigneter Weg. Der Landesverband müßte seine Mittel in höherem Maße für diese Zwecke zur Verfügung stellen. Der Redner erörtert verschiedene Einzelmaßnahtnen und beantragt die Einsetzung eines Sonderausschusses. Alfred Berger (Volkspartei) stellt fest, daß sich Gedankengänge über das besondere Wirtschaftsproblem des deutschen Judentums, die noch vor kurzem als ״zionistische Illusionen“ abgelelmt wurden, bei allen Gruppen durchgesetzt haben. Unter allgemeiner Aufmerksamkeit des Hauses behandelt Berger die einzelnen Momente, die die gegenwärtige Wirtschaftskrise der Juden charakterisieren. I:'$ handelt sich nicht um eine kurze ungünstige Konjunktur, son* um tiefgreifende Veränderungen im Wirtschaftsleben, die die Juden in Deutschland wie anderswo treffen und uns das gemeinsa mc jüdische Schicksal auch im Wirtschaftliehen zeigen. Wir können wesentliche Hilfe leisten. Besser als Wohlfahrt ist Arbeitsvermittlung. (Beifall.) Vom Landesverband erwarten wir die Errichtung von Darlehnskassen, insbesondere Provinzialkassen, organisatorische Beihilfe zur Gründung von Kreditgenossenschaften, Gründung von Arbeitsnachweisen, Berufsberatung, politischen Schutz bedrohter Positionen, Stärkung des jüdischen Solidaritätsbcwußfseins durch Erziehung i!1 jüdischen Schulen. Oberrabbiner A 11 m a 11 ti, Trier, (kons.) spricht von der Bedeutung der Stärkung de-, jüdischen Bewußtseins und der gegenseitigen Hilfe. Prof. Julius Hirsch (als Sachverständiger): Starker als andere Gruppen sind die Juden in die Wirtschaft«Schwankungen eingestellt. Fs gibt eine allgemeine Wirtschaftskrise, die in diesem Ausmaße noch nie erlebt wurde, die bei der internationalen Marktverfledrtung die Aufmerksamkeit der Juden verlangt, eine besondere deutsche, die eine Kapitalkrise ist and in der durch die Stärkung des deutschen Kapitalmarkt«, z. B. durch den Rückfluß von Auslandskapitalien, und eine spezielle jüdische Wirtschaftsnot in Deutschland. Hirsch weist darauf hin, daß es andererseits auch neue Chancen innerhalb der Wirtschaff gibt, auf die man das jüdische Element hinweisen muß. Man solle die Bedeutung der Darlehnskassen nicht überschätzen, und die Umschichtung in die Landwirtschaft sei nicht von wesentlicher Bedeutung. Er begrüßt die Anregung einer jüdisehen Wirtschaftstagung, an der sich allerdings die hervorragenden jüdischen Wirtschaftsführer beteiligen müßten. Rudel bedauert, daß bis heute keine Forschungsstelle für Wirtschaftsfragen vorhanden ist, bezweifelt aber, ob die von Prot. Hirsch vorgeschlagene Aussprache sinnvoll sein wird, da die Kenner der Wirtschaft von jüdischen Dingen sehr wenig wissen. Im Kampf gegen die Erwerbslosigkeit ist der jüdische Arbeitsnachweis die wirkungsvollste Waffe, er erschließt zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten. Man sollte dies von jüdischer Seite nicht erschweren. In der jüdischen Berufsberatung soll man sich vor Dilettantismus hüten, wie er sich in der Propaganda für handwerkliche, insbesondere landwirtschaftliche Berufe äußert. Dann sprachen noch die Herren Benario (Volkspartei), Dr. Ludwig Holländer (lib.), Blumenfeld (Volksp.), Frau Ollendorf (lib.) und Levi W0 If f (Volksp.). Die Sitzung wird dann zur Mittagspause unterbrochen und um 4 Uhr nachmittags wieder eröffnet. In der Nachmittagssitzung finden die Abstimmungen statt. Zur Lage der Juden in Deutschland Die Landesversammlung nahm nachstehenden von den Führern aller Fraktionen angebrachten Antrag eins timmig an: Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden erklärt: Die maßlose Hetze gegen Juden und Judentum, die in steigendem Maße das öffentliche Leben vergiftet, das Leben der Juden und die Ehre des Judentums in unerträglicher Weise bedroht, bereits vielfach Menschenleben vernichtet hat, und nicht einmal vor den Grabmälern aui jüdischen Friedhöfen Halt macht, erweckt in weiten Kreisen des deutschen Volkes den Eindruck, daß der Jude recht- und schutzlos und kein Vollbürger sei. Es handelt sich nicht mehr um politische, mit geistigen Waffen ausgefochtene Kämpfe, sondern um eine von Tag zu Tag zunehmende Verwilderung der politischen S i 11 e n in Deutschland, die in allen Ländern der Welt aufmerksam beobachtet wird und das Ansehen Deutschlands sichtlich schädigt. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden glaubt, auf die Zustimmung weiter Kreise des deutschen Volkes rechnen zu können, wenn er zum Kampf gegen diese Barbarei aufruft. Er macht die Reichs- und Staatsbehörden auf diese wachsende Gefahr aufmerksam und fordert sie auf, wirksame Maßnahmen zum Schutze der Jüdischen Bevölkerung zu ergreifen. Der Landesverband erwartet von allen Juden eine stolze und aufrechte Verteidigung Ihrer Ehre und ihrer Rechte. Nach Schluß der Redaktion Kampfabstfmmungen im Landesverband Die Abstimmung über die einzelnen Posten des vom Haushaltsausschuß vorgeschlagenen Etats wird unterbrochen, um die Wahlen zum Rat vorzunehmen. Zuerst «׳erden vier Mitglieder des Rates nach Proportionalwahlrecht gewählt. Die Volkspartei hat als Listenführer Dr. Ismar Freund aufgestellt. Demgemäß werden drei Liberale und Dr. Freund gewählt Ein Kampf entstand um die den Rabbinern und Lehrern zustehenden Ratssitze. Die Volkspartei beanspruchte zwei von sechs Rabbinersitzen und einen von den zwei Lehrersitzen. Im Kontpromißwege wurden von volksparteilicher Seite Dr. Emil Levy und Dr. Hofmann (Frankfurt) nominiert, von denen der letztere der konservativen Fraktion angehört. Der Antrag auf Schaffung eines driften (volksparteilichen) Unterrichtsausschusses wurde in namentlicher Abstimmung abgelehnt. Sehr lebhaft gestaltete sich die Debatte um die Bewilligung von 3000 Mark für das Gefallenen-Buch des Frontbundes. Diese 3000 Mark wurden auf Kosten des Zuschusses für die S p 0 r t b e w e g u n g abgezweigt. Hiergegen protestierte Kareski namens der Volkspartei, der darauf hinwies, daß das System, durch solche Mittel die lovale Haltung der Juden nachvveisen und den Antisemitismus bekämpfen zu wollen, prinzipiell falsch sei. Kareski wandte sich vor allem gegen die Publikation des Frontbundes, daß 12000״ Tote bereits gesichert“ seien. Nach einer geschmacklosen Erwiderung des liberalen Frontbündlers EIkeies entstand ein Tumult, so daß die Sitzung auf Verlangen der Volkspartei unterbrochen werden mußte. Nach Wiederaufnahme wurde der Zwischenfall durch Reden der Herren Goslar, Dr. Seligsohn (lib.) und Dr. Hor 0vit z (kons.) beigelegt und der Posten ohne Widerspruch angenommen. Dagegen brachten die Liberalen mit einer Stimme Mehrheit (41:40) den Antrag der Volkspartei, der Sportbewegung 6000 statt 3000 Mark zu bewilligen, zu Fall. Nach Annahme des Etats wurden eine Reihe von Resolutionen angenommen. Gegen einen Antrag der Liberalen, der ״den zur Bekämpfung des Antisemitismus berufenen Organisationen für ihre tatkräftige Arbeit“ dankt, spricht Herr Blumenfeld, der betont, daß es doch auch für den C.-V. wertlos sein müsse, daß er sich selbst seine Tüchtigkeit und sogar (nach dem 14. September!) seine Erfolge attestiert, während eine Minorität dagegen ist Trotzdem wird der־ Antrag von der Mehrheit angenommen, ln der Frage des Reichsverbandes wird das gesamte Material an eine Kommission verwiesen. Nach Erledigung einiger kleinerer Fragen wird die Tagung um 10 Uhr abends geschlossen, ln aller Kürze Für den 11. April d. J. wird in London ein Festbankett zu Ehren L1 0 vd Georges vom englischen Zweig der Jewish Agency und der English Zionist Federation vorbereitet, wobei die Gründung einer Kolonie in Palästina auf den Namen Lloyd Georges verkündet werden soll. Lloyd George hat die Einladung zu dem Banket angenommen und seiner Freude Ausdruck gegeben, daß seine Bemühungen im Interesse des jüdischen Volkes in so sinniger Weise anerkannt werden sollen. Harry Sacher ist in Jerusalem eingetroffen, Ussischhin ist ins Land zuruckgekehrt, Lazarus Barth befindet sich gleichfalls in Palästina. Der Präsident der Palcstine Pofash Company Lord Lytton ist in Palästina eingetroffen und ist in Jerusalem, wo er sich zehn Tage aufzuhalten beabsichtigt, Gast des High Commissioners. Unter dem Vorsitz des Engländers Shelley wurde in der Jerusalemer Handels k ammer, der einzigen Körperscliaft, in der Kaufleute aller drei Bekenntnisse Palästinas vereinigt sind, eine Beratung von Vorschlägen, die der O’Donnell- Kommission unterbreitet werden sollen, abgehalten. Der hebräische Dichter Dr. Saul T schernichowski, der seit einer längeren Reihe von Jahren in Berlin wohnt, verläßt demnächst Berlin. Er begibt sich zunächst nach Paris und wird von dort eine Reise nach Palästina unternehmen. In einem Wiener Sanatorium starb im Alter von 64 Jahren Dr. Salo von Weißei berger, der frühere jüdischnationale Bürgermeister von Czernowitz. Der Vizepräsident des deutschen Keren Hajessod, Generalkonsul Eugen Landau, feierte dieser Tage seinen 79. Geburtstag und tritt also in das 80. Jahr seines Lebens. Wie das übrige deutsche Judentum wünschen auch wir, daß er noch lange rüstig an der hervorragenden Stelle, die er einnimmt, stehen möge. Wie die Exekutive der Zionistischen Organisation mitteilt ist sie von Herrn Robert Stricker in Wien verständigt worden, daß er infolge Austritts aus dem Verband Radikaler Zionisten sein Mandat im Aktions-Comite niederlegt. An die durch das Ausscheiden Strickers freigewordene Stelle eines Mitgliedes des Aktions-Comites ist laut Beschluß des Verbandes Radikaler Zionisten das bisherige Ersatzmit• glied, Dr. Nahum Gold mann, getreten. Das Plenum des polnischen Sejm hat die Gesetzesvorlage, betreffend Abschaffung der noch aus der Zarenzeit und aus aer Zeit der auswärtigen militärischen Okkupationen in Polen stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegen die jüdische Bevölkerung Polens, mit den vom Senat beschlossenen Abänderungen angenomme n. Martin Buber, der als Honorarprofessor an der Universität Frankfurt a. M. lehrt, hat einen Lehrauftrag für Religionswissenschaft erhalten. Sein bisheriger Lehrauftrag für jüdische Religionswissenschaft und jüdische Ethik ist zurückgezogen worden. Der Präsident der Jüdischen Gemeinde Ferrara, Dr. Felice R a v e n n a, der bekannteste und älteste Zionist Italiens, wurde zum königlichen Kommissar für den Verband der Jüdischen Gemeinden Italiens, der auf Grund des neuen jüdischen Gemeindegesetzes geschaffen werden soll, ernannt. Weizmann im Waad Lcumi Jerusalem, 23. März. (J.-T.-A.) ״Dr. Welz na n n nahm am 22. März an einer Sitzung des Waad Le u mi teil. Dr. Weizmann führte in seiner Rede aus, die Frage des GesetzgebendenRatesfür Palästina sei in den Besprechungen zwischen Jewish Agency und britischer Regierung bis heute noch nicht erörtert worden. Es sei unwahr, wenn man erklärt, daß die zionistische Leitung sich mit der Einrichtung eines Legislative Council einverstanden erklärt habe. Aber man müsse den Tatsachen ins Gesicht sehen: Der Plan wird in der einen oder der anderen Form aufgestellt werden. Die neue Boden-Verordnung, die in kurzer Zeit veröffentlicht werden wird, erklärte Dr. Weizmann weiter, werde für uns zufriedenstellend sein. Ussischkin, dem der Vorsitz im Waad Leumi angetragen wurde, lehnte diese Würde ab. Friedens •Anira! Rabbi Sonnenlelds Jerusalem, 20. März. (J.T.A.) Der Agudah-Führer Rabbi Sonnenfeld hat unter dem Titel ״Wahrheit und Friede“ einen Aufruf erlassen, in dem er in erschütternden Worten die aus nationalem Haß entstandenen Nachbarkämpfe der letzten zwei Jahre verurteilt, durch die die Atmosphäre mit Giftgas erfüllt und die brüderliche Liebe zwischen den Stämmen Palästinas vernichtet wurde. Ich wende mich, schreibt Rabbi Sonnenfeid, als ein Manu, der 60 Jahre lang im Hei- Iigen Land gelebt hat, an alle Einwohner ohne Unterschied von Volkszugehörigkeit und Glauben, denen es die göttliche Vorsehung vergönnt hat, im heiligsten der Länder zu leben, mit der Bitte, auf meinen aus Schmerz zerrissenem Herzen kommenden Ruf zu achten, Erbarmen zu haben mit dem gelobten Lande und den Angehörigen aller Völker, die in ihm feben, und Haß, Rivalität und unbegründeten Verdacht aus ihren Herzen zu verbannen. Die Führer des jüdischen Volkes in Palästina mögen die ersten sein, die den Ruf zum Frieden ergehen lassen, einen Ruf, auf den die Herzen der Führer des arabischen Volkes antworten werden. Der zionistische Werbemonat. Wie die Exekutive der Zionistischen Organisation mitteilt, ist die unter der Parole ״Sok 010 w-Monat“ eingeleitete Propaganda-Aktion in vielen Ländern Im Gange. Herr Felix Rosenblüth, Mitglied der Exekutive, der auf einer Inspektionsreise in Ost- und Zentraleuropa begriffen ist, und Warschau, Lwow und Krakau besucht hat, berichtet, daß überall unter Beteiligung aller zionistischen Verbände Vorbereitungen zu einer großen Werbeaktion eingeleitet wurden. Im Zentrum dieser Aktion steht die Schekelsammlung. In Kongreßpolen wird bestimmt mit dem Eingang von 120000 Schekolini gerechnet, während die beiden galizischen Länder es übernommen haben, ihre bisherigen Rekordziffern noch bedeutend zu steigern. Der Vorschlag zur Gründung von Territorialverbänden, in denen Zionisten aller Richtungen unter Sicherung ihrer Autonomie vereinigt werden sollen, hat sowohl in Ostwie in Westgalizien Anklang gefunden. Es besteht die Absicht, in der nächsten Zukunft eine Reihe von infernen Konferenzen zur Behandlung der aktuellen Organ!־ sationsprobleme abzuhalten. Herr Rosenblüth hat überall mit Führern sämtlicher zionistischen Gruppen konferiert und konnte eine erfreuliche Entwicklung der Zionistischen Jugend- Organisation feststellen. Bemerkenswert ist das Wachstum der Chaluzbew egung, darunter auch der allgemeinen zionistischen Jugend. Herr Rosenblüth setzt seine Tournee fort, in deren Verlaut er Czernowitz, Jassy, Bukarest, Wien, Mähr.-Ostrau und ,Berlin besuchen wird.

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