Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 58 (25.7.1930)
- Date
- 1930-07-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 58, 25. VII. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 387 Carl Lewin Am 21. Juli verstarb nach längerer Krankheit unser Oeslnnungsgenosse, Prof. Dr. Carl L e w i n , in einem Berliner Sanatorium im Alter von 54 Jahren. Mit Prof. Lewin sinkt eine der liebenswürdigsten und verdienstvollsten zionistischen Persönlichkeiten ins Grab. Seit seiner Studentenzeit gehörte er zu den nie ermüdenden, eifrigsten Vorkämpfern für den Gedanken der jüdischen Wiedergeburt. Alle Gebiete der jüdischen Arbeit waren ihm in gleicher Weise lieb. Als Student, junger Arzt, anerkannter Gelehrter, bedeutender Krcbsforforscher, der zu wichtigen Konsultationen oft ins Ausland berufen wurde, immer verband er auch sein privates Leben mit der Arbeit für die jüdische Gemeinschaft und für den zionistischen Gedanken. Gerade in den letzten Jahren ging ein Lieblingsträum von ihm in Erfüllung: die Jüdische Gemeinde in Berlin begründete eine Poliklinik, deren Vorkämpfer er stets gewesen war und zu deren erstem Leiter er bestellt war. Was er in dieser Institution an liebevoller, hilfreicher Arbeit geleistet hat, wird in der jüdi* sehen Bevölkerung Berlins unvergessen bleiben. Trotz seiner beruflichen Ueberbürdung fehlte Prof. Car! Lewin bei keiner wichtigen Sitzung und bei keiner vertraulichen Besprechung, in der Angelegenheiten des Zionismus oder der Gemeinde behandelt wurden. Er war Gründer des Jüdischen Klubs, in dem sich die besonders an der Gemeindearbeit interessierten Zionisten zu angeregten Unterhaltungen über Fragen des jüdischen Lebens zusammenfinden. Carl Lewin bildete dank dem Charme seiner Persönlichkeit den Mittelpunkt dieses durch Freundschaftsbande verbundenen Kreises. Prof. Lewin war ferner Direktoriums-Mitglied des Deutschen Keren Hajessod. Carl Lewins Tod ist tragisch. Vor wenigen Monaten verlor er_ seinen Schwager, Dr. Schweriner, und kurze Zeit darauf seine Gattin, die im Kulturverbande der jüdischen Frauen ein Feld für eifrige Betätigung gefunden hatte. Durch den Tod seiner Frau war Prof. Lewin derart gebrochen, daß er sich kaum noch in der Oeffentlichkeit zeigte. Wenige Monate später ist er seiner Lebensgefährtin in den Tod gefolgt. Die von ihm mit allen Mitteln der Wissenschaft bekämpfte Krebskrankheit raffte ihn hinweg. An seinem Grabe trauern nicht nur seine nächsten Anverwandten, die in zionistischem Geist erzogenen Kinder Wera und Ernst und der greise, 80jährige Schwiegervater, Schweriner, sondern auch der große Kreis seiner Freunde und Kampfgefährten in jahrzehntelanger, zionistischer und jüdischer Arbeit. Das Leichenbegängnis Prof. Carl Lewins am 24. Juli gestaltete sich zu einer Kundgebung der Freundschaft und Liebe für diesen ausgezeichneten, gütigen und verdienstvollen Mann. Vor der unübersehbaren Trauerversammlung sprach, nach Rabb. Arthur L e v y, Dr. Alfred Klee im Namen der engeren Freunde und der deutschen Zionisten, Herr K a r e s k i namens der Jüdischen Gemeinde, San.-Rat Goldschmied namens der Logen sowie Prof. B1 u m e n t a I als Vertreter des Krebs- ,fprschungsrtitstftutes und Doz. Picard für die Poliklinik. ״Soll das so weltergehen?“ In derselben Nummer der C.-V.-Zeitung, in welcher Rechtsanwalt Karl Löwenstein in seinem Aufsatz ״Nationaljuden und Abwehrkampf״ in sachlicher Weise einen Fühler zur Herbeiführung einer Kooperation zwischen Zionisten und C.-V. ausstreckt (siehe den Leitartikel in der vorliegenden Nummer), wird in einem langen Aufsatz der Nachweis versucht, daß die Zionisten im gegenwärtigen Augenblick der drohenden nationalsozialistischen Gefahr in breiter Front einen Angriff auf den C.-V. unternehmen. Der Artikelschreiber sieht Gespenster. Bei aller prinzipiellen Gegensätzlichkeit zwischen Zionistischer Organisation und C.-V. haben wir es (nicht nur in der letzten Zeit!) vermieden, Streitigkeiten mit dem C.-V. vom Zaune zu brechen. Wir haben niemals aus unserer strikten Ablehnung der C.-V.-Ideotogie ein Hehl gemacht, sind aber nur in solchen Fällen schärfer aufgetreten, in denen der C. V., entgegen seiner eigentlichen Aufgabe, in flagranter, parteiischer Weise in den innerjü dischen Kampf eingegriffen hat. Selbstverständlich haben wir niemals auf das Recht der Kritik verzichtet, wenn besondere Auswüchse der C.-V.-Propaganda dieses nötig erscheinen ließen. Insbesondere halten wir es i m Interesseeinererfolgreichen Abwehrarbeit für nicht nur erlaubt, sondern geradezu geboten, die Verwendung von sachlich unrichtigen, daher notwendig erfolglosen und gelegentlich sogar das Judentum bloßstellenden Argumenten seitens verschiedener Organe des C.-V. offen zu kritisieren. Es wäre bedauerlich, wenn eine Organisation, die im öffentlichen Leben agiert, solcher Kritik, deren ernste und tiefe Berechtigung auch bei temperamentvoller Pointierung nicht verkannt werden sollte, mit der Empfindlichkeit des sich für unantastbar Haltenden gegenüberstehen wollte. Wenn dann gar der offizielle Redner des C.-V. in der großen Protestver- Sammlung in Eisenach, ohne Einspruch der C.-V.-Führer, andeutet, er halte Sondermaßnahmen hinsichtlich der Ostjuden nicht für unberechtigt, dann darf man nicht behaupten, daß die Einheitsfront der deutschen Juden von unsZionisten durchbrachen worden ist. Wenn seitens prominenter C.-V.-Mitglieder im Abwehrkampfe Juden gegen Juden ausgespielt werden, so erlangt jeder bewußte Jade, Zionist oder Nichtzionist, das Recht, in heftigster Weise dagegen zu protestieren. Der Artikelschrei־ her in der C.-V.-Zeitung verweist auf die gemeinsame nationalsozialistische Gefahr und mahnt zur Einigkeit, die angeblich durch die zionistische Kritik bedroht ist. Warum sieht der Artikelschreiber den Splitter im Auge des anderen und nicht den Balken im eigenen? Wir stehen auf dem Standpunkte, daß innerjüdische Differenzen und Schattierungen für die Antisemiten letzten Endes gleichgültig sind, und daß es darum im höchsten Grade unklug ist, wenn von jüdischer Seite Zensuren wie ״im deutschen Sinne mehr oder weniger zuverlässig“ oder ״autochthon“ und ״zugewandert“ erteilt werden. Am 10. Juli fand in Afuleh eine Zusammenkunft der Siedlungen im Emek Jesreel (aus dem Afuleh-, Nuris- und Nahalalblock) statt. Es wurde ein fünfgliedriges Komitee aus den Vertretern der Emek-Siedlungen gewählt, dessen Hauptaufgaben es sind, gemeinsame Aktionen im allgemeinen Interesse der Emek-Siedlungen bei der Regierung und andern Institutionen durclizuführen, sowie gemeinsame Interessen der jüdischen und arabischen Bevölkerung im Emek zu wahren. Weltkonferenz des liberalen Judentums London, 21. Juli. (J.T. A.) Am Sonnabend, dem 19. Juli, wurde in London die dritte Weltkonferenz des liberalen Judentums mit einem feierlichen Sabbat-Morgengottesdienst eröffnet. Am Sonnabend Abend fand ein großer öffentlicher Begrüßungsabend statt, bei dem der Präsident der Welfunion für liberales Judentum, Dr. Claude O. Monte fio re, die Begrüßungsrede hielt. Es sprachen dann noch Dr. Ludwig Vogelstein (New York), Rabbi L. Oermain Levy (Union liberale Israelite), der Vorsitzende der Vereinigung für aas liberale Judentum, Rechtsanwalt Heinrich Stern (Berlin) und ein Vertreter Hollands, Levisohn. R.-A. Heinrich Stern führte in seiner Rede u. a. aus: ״Auch wir deutschen Liberalen spüren die Problematik des heutigen liberalen Judentums sehr ernstlich. Die Zeit eines etwas zu engen Rationalismus ist bei uns durch das Suchen nach den seelischen Quellströmen religiösen Sehnens abgelöst, das zum Teil seine Befriedigung sucht in einem Neumystizismus, in einer Pflege der Form um der Form willen. Aber diesem nur allzu begreiflichen Irrationalismus wird immer das Hirn der Gemeinschaft, wird besonders die philosophische und historische Wissenschaft seine Grenzen setzen. Die wichtigste Aufgabe, deren Lösung wartet, die nur vom liberalen Judentum gefunden werden kann, ist der Ausgleich zwischen individueller Reiigiositat und dem Streben nach Erhaltung der re 1 igiösen Gemeinschaft. Die Reformbewegung des neunzehnten Jahrhunderts in Deutschland war die Reaktion des Individuums gegen Unterdrückung. Das Nationaljudentum in seinen geistigsten Trägern sollte eine Schutzbewegung sein gegen die Auflösung der Gemeinschaft in eine Vielheit von Induviduen. Wir deutschen liberalen Juden, denen das Ziel des Universalismus heilig bleibt, möchten den nationalen Weg nicht gehen, selbst nicht um den Preis schnellerer oder auch nur sichtbarerer Gestaltung der Gemeinschaft. Einen Weg des Ausgleichs zu finden zwischen der individuellen Frömmigkeit, zwischen dem religiösen Sehnen unserer Generation und dem Gedanken d es K’ IaI der Religion, wie sie geschichtlich geworden, Brücke ist zwischen den Generationen — dieser Ausgleich scheint Tausenden der Besten von uns, den Suchenden, die wichtigste, aber unendlich schwierige Aufgabe des liberalen Judentums.“ In der ersten Arbeitssitzung des Kongresses, Sonntag Vormittag, wurde das Referat von Professor Dr. David Koigen vorgelesen, da der Vortragende am persönlichen Erscheinen verhindert war. In dem Referat ״Die Idee Gottes im Lichte des modernen Denkens“ heißt es: ״Bei der Auffassung Gottes ist in Betracht zu ziehen, das Dasein, das Geschehen, in dem man steht, der Geist, mit dem dieses Geschehen gebildet und gemeistert wird, und schließlieh der einzelne Mensch, wie er sich in dieser also gestalteten, lebendigen Welt ganz ״zu Hause“ weiß. Der panische Schrecken der Antike, das Grauen vor dem Nichts und die Aussichtslosigkeit und schicksalhafte Verkrampfung in der toten Welt der mißverstandenen Wissenschaft wird hier vom Impuls und Gefühl der letzten Interessiertheit an dem lebendigen und sinnvollen Dasein abgelöst. Die Welt von heute, wie sie im Lichte des neuen Denkens sich bildet, eröffnet ganz neue Perspektiven. Die drückende Materie, das Schicksalhafte in ihr, erscheint jetzt als ein Niederschlag, ist keineswegs die Hypostase des Daseienden. Die Materie wird zum Niederschlag, Abfall und zur Episode Im großen Rahmen des Weltgeschehen« und der Weltentwicklung. Und der Mensch selbst? Soll er wirklich in dieser Welt von Erfolg gekrönt sein, soll er wahrhaft sich hier und heute ganz lebendig wissen, hat er In erster Linie mit seiner seelischen und geistigen Begabung anzufangen. Schon durch die gesamte technisch-wissenschaftliche Gestaltung und Bewältigung unseres Lebens tritt heute die unmittelbare leibliche Begabung in den Hintergrund. -Erat •reebt׳ im religiösen, wesenhaften Dasein, wo «s sich tun die Befestigung des Menschen in der Welt als solcher, um die schöpferische Erhaltung seines Selbst handelt, ist es der Fall. In einem Weltalter, wo im Vordergründe die seelische willensmäßige und geistige Tapferkeit und Begabung steht, sind begreiflicherweise alle Voraussetzungen für eine Belebung des wirksamen Gottesgedankens von selbst gegeben. Wir treten in sine Epoche, wo trotz_ der Wissenschaft, ja mit Hilfe der Wissenschaft die metaphysische und religiöse Macht des Menschen beträchtlich zunimmt, und aufs neue begründet wird. Eine Metaphysik, die sich nicht in gültige Münze, in reale Vorgänge der inneren Erneuerung und Bindung nmzusetzen vermag, ist leer. Ern Daseiendes, auch das religiöse Dasein, das nicht auf den metaphysischen Geist hinweist, hindeutet, ist blind. Und so weist jedes echte Leben, jede echte Religion zugleich auf eine Meta-Religion hin . Und das lebendige Prinzip der Meta-Religion heißt Gott■“ Ais nächster Referent sprach Rabbi Samuel Schulman vom Temple Emanuel, Newport, über Begriff und Wert des Gebetes. Die Diskussion eröffnete Frau Margarete von Bendemann-Susman mit einer kurzen Aeußerung zu dem Referat Prof. Koigens. Nach ihr sprach Sir Philip Hartog, der auf das Problem des Elends einging. Die zweite Sitzung beschäftigte sich mit einer Diskussion über die Frage der persönlichen Frömmigkeit. Den Vorsitz führte Heinrich Stern (Berlin). Das Hauptreferat ״Der jüdische Begriff der Frömmigkeit“ hatte Rabbi 1. Mattuck (London) inne. Das ursprünglich Rabbiner Dr. Max Dienemann zugedachte Referat ״Wie ist die persönliche Frömmigkeit zu fördern“, wurde von Rabbiner Dr. Cäsar Selig m a n n gehalten. Er bezeichnete es in seinem Referat als die größte Schwierigkeit des liberalen Judentums, daß es die faktisch fast unüberwindlichen Hindernisse bewältigen muß, die sich der Verbreitung und Beeinflussung persönlicher Frömmigkeit und Sittlichkeit entgegenstellen. Scheinen doch Individualismus und und verbindliche Lehre Gegensätze in sich selbst zu sein. Wir dürfen uns aber von diesen Schwierigkeiten nicht abschrecken lassen. Sonntag abend fand eine öffentliche Kundgebung statt, bei der unter dem Vorsitz von Rabbi Israel Mattuck der bekannte französisch-jüdische Schriftsteller Edmond F1 e g , Rabbi Felix A. Levy vom Temple Emanuel, Chikago, und der Nobel-Preisträger für Chemie, Professor Richard Wiilstätt e r, München, als Redner auftraten. Edmond Fleg sagte u. a.: Ueberall in der jüdischen Welt geht die Rede von der jüdischen Renaissance um. ln die gegensitzlichen Meinungsgruppen der Orthodoxen, Liberalen und Zionisten gespalten, scheinen jedoch die Juden erst noch nach der zentralen Idee zu suchen, um die sie sich von neuem zusammenschließen könnten. Diese Zentralidee, die imstande sein müßte, die verschiedenen Gruppen enger aneinander zu bringen und, zu gleicher Zeit, jeder ihr eigenes Feld zu überlassen, scheint sich in der alten Konzeption der ״jüdisc hen Sendüng“ zu finden, die aus der lebendigen Kraft der Vergangenheit und Gegenwart heraus zu neuer Jugend und neuem Leben erweckt werden muß. Israel ist heute eine große menschheitliehe Familie unter den anderen Völkern, ihnen allen zugehörig und doch von ihnen unterschieden. Israel bildet mitten unter den Nationen einen Bund der Nationen, nicht kraft eines Verträges, sondern durch Verwandtschaft. Damit Israel seinen Einfluii in der Welt fortsetzen kann, muß es bestehen bleib e n. Prof. Willstfitter führte ungefähr aus: Erst in der modernen Welt ist den Juden die Möglichkeit geworden, am geistigen Fortschritt der Menschheit voll mitzuuirken, in manchen Staaten gleichberechtigt mit Nichtjuden, in anderen noch gehemmt durch Gegenströmungen. Die Entwicklung der Juden in der modernen Welt soll zur völligen Ueberwindung derjenigen Charaktereigenschaften führen, welche durch Abschücßung und Ausschließung, Unterdrückung und Verfolgung, Unsicherheit und Zurücksetzung ausgeprägt werden mußten. Seit der IVfreiung aus dem Ghetto ist der Anteil gewaltig 1;vv a1;, den das Judentum zur Rechtspflege, zur Volkswohlfahrt, zur Kunst, zur Ethik beiträgt. Für die Wissenschaft bringen die Juden eine starke Eigentümlichkeit der jüdischen Art als besondere Begabung mit. In der Staatskunst fällt ihnen die Aufgabe zu, Apostel des Friedens und der Verständigung zu sein. Das Gebiet des geistigen Lebens stellt dem fortschrittlichen Juden die ״roßten Aufgaben. Den Völkern sind Religionen vor Jahrtausenden gegeben worden, in Zeiten primitiver Kulturen. Der Zwiespalt zwischen religiöser Geschichtstreue und der freien Entwicklung des Judentums unter den Bedingungen der Gegenwart bedarf der Ueberbrückung, Die Menschheit ist tief erfüllt von Sehnsucht nach Ewigkeitswerten. Möge es eine Mission der Juden sein, entgegenzuwirken der Ueberschätzung materieller Interessen und zu arbeiten an sittlichen Werten und Werken. (Wir werden, bis der vollständige Bericht vorliegt, zusammenfassend auf die Konferenz zu sprechen kommen. Red.) ״Ein Skandal“ Mit diesem Worte charakterisiert die ״Kölnische Volkszeitun g", eines der einflußreichsten Zentrums- Organe, die Berufung des jüdischen Professors der Wiener Universität, Hans Kelsen, als Ordinarius an die Universität in Köln. Kelsen hat Wien wegen der Judenfeindschaft an der dortigen Universität verlassen, und nun wird ihm in Köln nicht etwa von Nationalsozialisten, sondern von einer republikanischen Partei ein derartiger Empfang bereitet. Die ״Kölnische Volkszeitung“ beklagt sich, daß die Kölner Universität zu viel jüdische Professoren habe. Diese Behauptung ist zwar, ■wie aus Professorenkreisen der Kölner Universität mitgeteilt wird, nicht richtig, insgesamt zählt die Universität in Köln zwei jüdische ordentliche Professoren, von denen einer nur noch nominell dem Judentum zugehört, sich aber von allen jüdischen Dingen bewußt fern hält. Allerdings gibt es noch einige längst getaufte Dozenten jüdischer Abstammung. Die ״Kölnische Volkszeitung“ führt aber auch die Namen dieser Dozenten an, obwohl sie als katholisches Organ bisher immer den sogenannten Rassestandpunkt abgelehnt hat. Es ist interessant, daß auch das Zentrum sich ganz ungeniert in einem seiner Hauptorgane ins antisemitische Fahrwasser begibt. Dieses Vorgehen bekräftigt nur die von uns oft ausgesprochene Ansicht, daß in Deutschland auch die republi- Iranischen Parteien dem Antisemitismus Konzessionen machen. Wir haben vor einigen Tagen in einer Antwort auf den ״Offenen Brief“ der von Dr. W i rth herausgegebenen Zeit- Schrift ״Deutsche Republik“ darauf hingewiesen, daß an dem Ueberhandnehmen der antisemitischen Strömung nicht nur die ״unzulängliche“ jüdische Abwehr, sondern auch das Verhalten der republikanischen Parteien die Schuld trägt. Innenminister Dr. WJrth, der Herausgeber der ״Deutschen Republik“ ist führender Zeirtrumsmann und steht der ״Kölnischen Volkszeitung“ nahe. Bedarf es noch für ihn eines deutlicheren Beweises, daß sein eigenster Kreis durch Taten die schönen Zusicherungen von der Mitwirkung demokratisch-republika- *iÄher Partelttrinf der 'Bekämpfung1 *dey^uÄh»es'־Wld€l׳» legt? Durch eine derartige Praxis wird es dem Zentrum nicht gelingen, die nationalsozialistische Gefahr, die nicht nur den Juden, sondern auch u. a. dem Zentrum droht, zu bannen. Der Verein der Deutschen Im Anslande Wir haben vor einiger Zeit anläßlich eines Vorfalles in München darauf hingewiesen, daß Juden besser daran täten, sich im Vereine für das Deutschtum im Auslande im Hintergründe zu halten, anstatt in vorderster Reihe zu wirken. Wir haben‘hierbei betont, daß die Ziele des Vereins vielleicht notwendig und nützlich sind, haben jedoch zunächst unsere Meinung unterdrückt, daß die Methoden und der Geist dieser Vereinigung reaktionär antisemitisch sind. Bei der letzten Tagung dieser Organisation in Wien kam es nun zu einem bezeichnenden Zwischenfall. Der ehemalige demokratische Reichsinnenminister Dr. Külz warnte in einer Ansprache vor ״Rasse- Schnüffelei“ im Vereine. Die Antwort auf diese Bernerkung war, daß der Rektor der Wiener Universität, gleichfalls Mitglied des Vereines, zum Zeichen des Protestes auf das Wort verzichtete und daß eine hochnotpeinliche Prozedur seitens der Vereinsmitglieder eingeleitct wurde, um den ״Zwischenfall“ aus der Welt zu schaffen. Dieser Zwischenfall bestand in der zaghaften, leisetreterischen Verurteilung des im Verein für das Deutschtum im Auslande herrschenden antisemitischen Geistes durch den Demokraten Külz. Trotzdem werden auch weiterhin Juden eine Ehre darin erblicken, diesen Verein moralisch und materiell kräftig zu unterstützen. Tel-Awiw-Budget bestätigt Jerusalem, 21. Juli. (J. T. A.) Der Schatzmeister der Palästina-Regierung, Sir Stuart Davis, hat das Budget der Stadt Tel-Awiw im Betrage von £ 05 100 bestätigt. Das Budget befähigt den Stadtrat von Tel-Awiw, die vorgesehene Subvention von £ 2500 an die Hadassah auszuzahlen, wodurch die Wiedereröffnung der vor kurzem ge - schlossenen chirurgischen Abteilung des Hadassab-Hospitals in Tel-Awiw gewährleistet wird. Das Budget sieht auch Mittel für die Errichtung des S c h I a c h t h o f e s in Tel-Awiw vor, für welchen Zweck der Stadtrat mit Garantie der Regierung eine Anleihe von der Ottomanischen Bank erhielt. Am 7. Juli fand in T e 1 - A w i w auf Einladung des Hauptbüros des Keren Hajessod eine Aussprache über die Lage im Lande und die Stellungnahme des Judentums in der Diaspora statt. Es waren etwa 200 Personen aus verschiedenen Kreisen der Bevölkerung erschienen. Rabbiner Usiel eröffnete die Versammlung, Herr L. Jaffe führte den Vorsitz. Es sprachen Rabbi Meir Berlin und die Herren L. Jaffe und Sehmarjahu Levin über die Pflichten des Jischmv im Lande und des Judentums in der Diaspora in dieser schweren Stunde. An Bord des sowjetrussischen Dampfers ״Tschitscherin“ kamen in Palästina 20 Fischer aus Saloniki und 11 ausgewiesene Zionisten aus Rußland an. In Tel-Awiw wurde der Grundstein zu einem neuen Postp e b ä u d e gelegt, das auf Kosten der Regierung errichtet wird.