Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 58 (25.7.1930)
- Date
- 1930-07-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 386 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 58, 25. VII. 1930 seine Bekämpfung durch die Gesamtheit aller jüdisch Interessierten notwendig erscheinen lassen, legen wir naturgemäß schon deshalb erhöhten Wert darauf, uns an der Bekämpfung des Antisemitismus zu beteiligen, weil wir uns davon eine erfolgreichere Gestaltung der Abwehrarbeit versprechen. IIL Dr. Löwenstein wirft auch die Frage auf, warum die Zionisten nicht einfach den C.-V. unterstützen. Diese Frage klingt etwas naiv angesichts der Tatsache, daß der C.-V. die Zionisten schon vor Jahren ausgeschlossen hat Für uns kommt ein solcher Weg nicht in Betracht, zumal da der C.-V., entgegen seiner eigentlichen Aufgabe, sich immer wieder als Partei im innerjüdischen Kampfe betätigte. Der C.-V. versucht seilte Eignung, als die Abwehr- Organisation der deutschen Juden angesehen zu werden, in zweifacher Weise darzutun, und dieser Dualismus spiegelt sich auch in dem Löwensteinschen Aufsatz wider:י der C.-V. hält sich sowohl weltanschaulich als auch praktisch für den gegebenen Träger der Abwehrarbeit. Diesen beiden Prätentionen stehen wir Zionisten verschieden gegenüber, wenngleich wir sie beide bekämpfen. An der praktischen Arbeit des C.-V. haben wir sehr viel auszusetzen. Wir leugnen seine jahrzehntelange Erfahrung nicht und wissen auch, daß die notwendige Frucht solcher Arbeit Behelfe sind, die für den Kampf gegen den Antisemitismus Nutzen bringen können. Wir haben jedoch geglaubt — und unsere Erfahrungen haben die Richtigkeit dieser Annahme bestätigt ־—, daß eine großzügigere Bekämpfung des Antisemitismus, eine freiere Methode der Auseinandersetzung mit ihm, weit bessere Ergebnisse gerade auch in der praktischen Arbeit zu liefern vermag. Dennoch hätten diese ernsten kritischen Bedenken keinen Grund abgegeben, den C.-V. strikt abzulehnen; im Gegenteil hätte man sehr wohl daran denken können, innerhalb des C.-V. für eine Gestaltung des Abwehrkampfes einzutreten, die u. E. erfolgversprechender ist Entscheidend für unsere negative Einstellung ist die weltanschauliche Prätention des C.-V., die ideologische Grondauffassung, auf die er sich immer beruft. Unsern Anforderungen konnte und kann niemals eine Organisation entsprechen, die statt unbedingt und rückhaltlos für die jüdische Gemeinschaft als solche einzutreten, den Anspruch auf jüdische Gleichberechtigung auf eine bestimmte Art der Gesinnung, die man immer wieder proklamieren zu müssen glaubt, stützt; eine Organisation, die zionistische Betätigung als unverträglich mit den Pflichten der deutschen Juden ablehnt. (Wir wollen in diesem Zusammenhänge gar nicht davon sprechen, daß der C.-V. die Ideologischen Grundlagen, die er zunächst nur darzulegen schien, weil er sie als Fundament für die Abwehrarbeit zu benötigen glaubte, eines Tages ganz außerhalb seines Arbeitsgebietes als Waffe im innerjüdischen Kampfe gegen das National- Judentum zu verwenden begann.) IV. Der Aufsatz von Karl Löwenstein kann nach meiner persönlichen Auffassung den Ausgangspunkt für fruchtbare weitere Erörterungen bilden, wenn Löwenstein, wie es״ scheinen will, die Konsequenzen erkennt, die sich organisatorisch für die deutschen Zionisten aus dem Nebeneinander der beiden Elemente der C.-V.-Arbeit ergeben, aus den beiden Prätentionen des G-V., von denen die eine für uns schlechthin untragbar ist. Es will in der Tat so scheinen, daß Löwenstein nach einem׳ Weg sucht, eine Kooperation zwischen G-V. und Zionisten herbeizuführen, bei der beide Teile nichts von ihrer Gesinnung oder Weltanschauung opfern. Freilich Ist dieser Gedankengang in seinem Aufsatz nur eben eingeleftet und nicht zu Ende gedacht. Das zeigt vor allen* der Hinweis auf das Beispiel der Jewish Agency, das in diesem Zusammenhang stärkste Beachtung verdient. Wir können dabei unsere Verwunderung nicht unterdrücken, daß diese Berufung auf den Agency-Gedanken von einem Mann kommt, der in der Palästina-Frage ein leidenschaftlicher Gegner der Kooperation von Zionisten und Nichtzionisten war. Aber was ist die Grundidee der Agency? Als es sich für uns Zionisten darum handelte, die Mitarbeit der Nichtzionisten am Palästina-Aufbau zu gewinnen, ohne ihre Gesinnung zu vergewaltigen, haben wir eine Organisationsform gesucht und gefunden, die die Nichtzionisten absolut sichert: eine besondere Organisation, in der Zionisten und Nichtzionisten nach der Formel ״Fifty-Fifty“ zusammengeschlossen sind und aus der alle ideologischen Elemente, die zu Differenzen führen könnten, von vornherein ausgeschaltet sind. Will Löwenstein eine entsprechende Organisation für die Bekämpfung des Antisemitismus vorschlagen? Wir* Zionisten treten in diesem Augenblick stärkster äußerer Bedrohung des Judentums für eine Konzentration der Kräfte auf allen Gebieten jüdischer Aktivität und für Stärkung der Gemeinschafts-Organe ein. In diesem Rahmen sollte dann auch der Abwehrkampf geführt werden. Die jüdischen Gemeinden sind für lins die gegebenen Träger alles gesamtjüdischen Lebens. Uebrigens sind auch wir bei den von Löwenstein abgelehnten Vorschlägen nicht von der Voraussetzung ausgegangen, daß der C.-V. sich auflöst, sondern von der Annahme, daß er sich in eine gesamtjüdische Abwehrarbeit eingliedert und in ihrem Rahmen die ihm durch seine Erfahrungen und seinen Apparat zukommende Stellung behält. Allein die Frage, in welcher Weise eine Kooperation erfolgen soll, könnte Gegenstand weiterer Ue’oerlegungen sein, wenn als Ausgangspunkt für diese Ueberlegungen festsieht, daß Zionisten und G-V. sich für die Omen gemeinsame Arbeit in einem Rahmen zusammenfinden wollen, der die Gewähr dafür bietet, daß diese Aibeit versachlicht und von keiner Seite der Versuch unternommen wird, sie einseitig ideologisch zu fundieren. Die Schlußsitzungen der Klagemauer ״ Kommission Scharfes Plaidoyer des Moslem-Vertreters — Loefgren befürwortet gütliche Einigung Jerusalem, 21. Juli. (J. T. A.) Entgegen dem ttrsprünglichen Plan der Klagemauer-Kommission, die Verhandlungen Freitag, den 18. Juli, zu Ende zu bringen, mußten die Sitzungen noch bis Sonnabend ausgedehnt werden. Dafür war neben der Tatsache, daß der Freitag als mohammedanischer Feiertag nicht voll für die öffentliche Verhandlung ausgenutzt werden konnte, in erster Reihe eine Zusammenkunft von Vertretern der Juden und Araber maßgebend, die auf Anregung und unter Leitung des Vorsitzenden der Klagemauer-Kommission, Loefgren, noch am Freitag Morgen stattfand. In dieser Zusammenkunft wurde ein Uebereinkommen im Klagemauer-Streit vor Abreise der Kommission angestrebt. Die Unterredung verlief jedoch vollständig fruchtlos, da die Moslems, besonders hinsichtlich des Rechts der Juden, an der Mauer Gottesdienste zu veranstalten, in nichts nachgeben wollten. Sie wollten den Juden nur das Recht auf Besuch der Mauer zugestehen. Von jüdischer Seite nahmen an der Zusammenkunft David Yellin, Dr. Ellash, Dr. Blau, Rabbi Meir Berlin und Ben Zwi teil; von arabischer Seite waren der Großmufti, Emin Tamimi (ein Mitglied des Obersten Moslemischen Rates von Haifa), Scheich Hassan lbn Saud, Scheich Darvisi und Adsehadsch Noweihad anwesend. Die Konferenz wurde im Regierungsgeblude und auf Wunsch des Vorsitzenden vollständig vertraulich abgehalten. Das Plaidoyer Mohammed Ali P&scha's Um 1/24 Uhr nachmittags begann mit einstündiger Verspätung die öffentliche Sitzung am Freitag, die nach Schluß des Gottesdienstes in der Moschee angesetzt war. Der Sitzungsraum war mit Gästen überfüllt. Die Arabische Exekutive war fast vollzählig erschienen, ebenso zahlreiche jüdische Zuhörer; man sah auch Nortnan Bentwich und Kefth Roach. Die Sitzung war mit der Rede Mohammed Ali Paschas, eines Aegypters, der die moslemische Sache vor der Kommission vertrat, ausgefüllt, Mohammed Ali Pascha’s Rede war außerordentlich hitzig und veranlaßte den jüdischen Anwalt Dr. Eliash häufig ihn zu unterbrechen. Er sagte u. a.: ״Die Befürchtungen der Moslems, daß die Juden bestrebt sind, ihre Rechte an der Mauer zu beeinträchtigen, sind nicht grundlos. Die Zukunft wird früher oder später zeigen, daß unsere Befürchtungen wohl begründet sind.“ Er wies dann auf die Gefahr der zionistischen Bestrebungen, die auf Wiedereinrichtung des Königtums Juda hinausliefen, hin. Die Zionisten erstreben nach wie vor den Besitz der Aksa-Moschee und der Omar-Moschee. Solche Be- Strebungen müssen alle Araber vom Anti Zionismus zum Antisemitismus führen und zu schlimmeren Gewalttätigkeiten, als sie die Juden in Europa erduldet haben. Als Mohammed Ali Pascha aus der Luft gegriffene Zitate über Lord Melchetts , angebliche- AJb«fehtr׳da»-׳jftÄcl1e%:Te*|®1i •*feiler,:*!- erffsifpn,, verbrachte* machte Dr. Ellash vergebliche versuche, ihn zu unterbrechen. Der Redner zitierte zum Beweis seiner Behauptungen die ״Encyclopaedia Britannica“, die Jewish Encyclopaedia und eine bei zangwill zitierte Stelle aus Longfellow von den Arabern, die ihre Zelte Zusammenlegen und sich stillschweigend davon machen, ohne allerdings Longfellow’s Namen zu eiwähnen. Er verlas weiter einen Passus aus Norman Bentwich’s Buch über den Zionismus und legte der Kommission als Beweisstücke mehrere ״Misrach“- Blätter und andere Bilder, darunter einen Karton ostjüdischer Volkskunst vor, um seine Behauptung zu stützen, daß es den Juden nicht nur um die Mauer gehe, sondern darum, die Moslems von ihren Heiligsten Stätten zu verdrängen. Er verlas noch die Er- Klärung von General Bois und erwähnte den van Rabbi Kuk unterstützten Vorschlag Ussischkins, den Platz vor der Klagemauer zu erwerben. In scharfen Worten greift er das der Klagemauer-Kommission unterbreitete Memorandum an, das im Auftrag der Jewish Agency Dr. Cyr’us Adler verfaßt habe, und sagte, er hätte nie gedacht, daß jemand unter den obwaltenden Umständen so unvernünftige Forderungen stellen könnte wie Dr. Adler sie stellt. Die Schlußrede Loefgren« In der Schlußsitzung der Klagemauer-Kommission am Sonnabend führte der Vorsitzende der Kommission Loefgren in seiner «abschließenden Rede aus: ״Die Untersuchungskommission hat mm den ersten Teil ihrer Arbeit beendet und dank der Mitarbeit der beiden Parteien glauben wir jetzt ausreichendes Material zu besitzen, um über die Rechte und Ansprüche im Zusammenhang mit der Klagemauer berichten und eine Entscheidung fällen zu können. Es ist unser Bestreben, dieVoraussetzungenfürFrieden und Verständigung zwischen den verschiedenen Teilen der palästinensischen Bevölkerung günstiger zu gestalten. Wir erklären, daß wirklicher Friede nu! auf der Grundlage der Gerecbtlgkeit bestehen nmn. Seine Früchte können nur in einer Atmo- Sphäre gegenseitiger Berücksichtigung der in Betracht kommenden Partner reifen. Die Interessen der verschiedenen Parteien scheinen einander oft zu widersprechen, obwohl Ihnen in Wirklichkeit gemeinsam gedient werden kann. Unsere Pflicht als Kommissäre des Völkerbundes ist es, unsere Entscheidung darauf zu basieren, wovon wir durchaus überzeugt sind, daß es zu Recht besteht. Wir sind entschlossen, unsere Pflicht zu tun, ohne uns von den widerstreitenden politischen Interessen beeinflussen zu lassen, und wir appellieren an die Vertreter beider Parteien, dem großen Werk des Friedens ihre Hilfe zu leihen und unseren Bericht ohne Vorurteil abzuwarten und entgegenzunehmen. So verwickelt die Streitfrage auch ist, die mit widerstreb tenden religiösen Gefühlen und Ueberlieferungen verwoben ist, so waren die Vernehmungen vor der Kommission doch zur Feststellung der Tatsachen nützlich, die freimütig nritgetellt und gehörig zur Kenntnis genommen worden sind. Und das wird auf die erregten Gemüter einen beruhigenden Einfluß ausüben. Sollte es für die beteiligten Parteien, die in unserer Zeit und für die Zukunft verantwortlich sind, nicht möglich sein, zu einer freundschaftlichen Einigung zu kommen, ohne Rücksicht auf Empfindlichkeiten, pofftisene Agitation und Gefühlserregung, in einem Geist gegenseitigen Verständnisses und gegenseitiger Achtung? Die Kommission würde eine Lösung auf der Grundlage freier Vereinbarung einem Machtspruch bei weitem vorziehen. Die Kommission wird mit großer Befriedigung jeden Vorschlag und jede Abmachung zur Kenntnis nehmen, auf die sich die beteiligten Parteien b i s zum!.September einigen würden. Sollte es in der Macht der Kommission liegen, den beteiligten Parteien bei der Erzielung einer Verständigung behilflich zu sein, wird sie ihnen bereitwillig jede Unterstützung gewähren. Wir werden unseren Bericht ohne jede Verzögerung vorbereiten und erstatten. Aber es muß klar sein, daß In der Zwischenzeit die von der Regierung erlassene Regelung der Verhältnisse und Verhaltungsweisen an der Klagemauer in Kraft bleibe, solange sie nicht endgültig abgeändert, außer Kraft gesetzt oder durch eine andere ersetzt worden ist; ferner, daß keinerlei Neuerungen Platz greifen dürfen und von keiner der beiden Parteien irgend etwas unternommen werden darf, was den Anschein einer Veränderung der gegenwärtigen Verhllhiisse an der Klagemauer erwecken konnte.“ Wer Wind sSt . . . in Bukarest wurde der Vertreter des Innenministers Anghelescu Opfer eines faschistisch-antisemitischen Altentats. Die ersten Nachrichten, offenbar von offiziellen rumänischen Pressestellen inspiriert, versuchten den Anschlag auf Treibereien bulgarischer Studenten aus Mazedonien zurückzuführen. In Wirklichkeit ist der Attentäter kein Student, sondern ein antisemitischer Agitator, der empört ist über die letzten Maßnahmen der Regierung gegen den antijüdischen Terror. Die Hauptorganisation der Antisemiten, die ״Eiserne Garde“, hatte sogar einen Feldzug gegen Beßarabien, d. h. gegen die beßarabischen Juden beschlossen. Dieser Marsch mußte nun wegen der energischen Haltung der Regierung aufgegeben werden. Ke Erbitterung der antisemitischen Geschäftemacher wegen der Verhinderung ihrer Pläne fand nun in dem Anschlag gegen Anghelescu ihren Ausdruck. Daß es aber so weit gekommen ist, ist die eigene Schuld der rumänischen Regierung uhd besonders Anghelescus, der das Opfer der antisemitischen Rache wurde. Ungestört konnten die antisemitischen Agitatoren viele Monate hindurch ihre Aktionen durchführen. Die Regierung drückte beide Augen zu und speiste die intervenierenden jüdischen Vertreter mit belanglosen Redensarten ab. Die Antisemiten gewannen die Ueberzeugung, daß ihre Tätigkeit ״oben“ wohl gelitten sei. Nun kam die herbe Enttäuschung in Form der Regierungsverbote gegen antisemitische Unternehmungen. Diese Verbote sind, wie jetzt zugegeben wird, auf den Sturz der rumänischen Anleihe an den ausländischen Börsen zurückzuführen. Außerdem befürchtet die Regierung, daß sich der Zorn der randalierenden Bauern nicht mit Exzessen gegen Juden begnügen, sondern sich auch gegen die Regierung selbst kehren werde. Immerhin haben die Antisemiten jetzt das Gefühl, daß sie von der Regierung hintergangen seien. Und nichts ist gefährlicher als ein Haß, der aus enttäuschter Liebe entspringt. Die Antisemiten hatten stets Anghelescu als ihren geheimen Förderer betrachtet Und nun erließ er strenge Verordnungen gegen das antisemitische Treiben. Die Antwort war das Attentat. Hätte Anghelescu nicht Wind gesät, so würde er jetzt nicht Sturm ernten. * Bukarest, 20. Juli. (J.T. A.) Der rumänische Innenminister Vaida-Voevod empfing eine jüdische Delegation, bestehend aus Senator Dr. Meyer-Ebner, den Mitgliedern der rumänischen Deputiertenkammer Joseph Fischer und Dr, J. Landau, sowie Dr. Marton-Cluj IKlapsenburg). In vierstündiger Unterhaltung informierten die Mitglieder der Delegation den Innenminister über die Lage in der Bukowina und in Bessarabien, an Hand von Feststellungen, die sie persönlich machen konnten. Die Delegation forderte: Auflösung der antisemitischen Organisationen, Anwendung des Aufruhr- Paragraphen gegen alle Hetzer und strenge Maßnahmen gegen einige Vertreter der Behörden, die den antisemitischen Agitatoren Unterstützung angedeihen ließen, außerdem wurde die Veröffentlichung eines Regierungs-Kommuniques verlangt, in dem die Haltung der Regierung zu den Unruhen genau präzisiert wird, sowie die Herausgabe eines Zirkularschreibens an alle dem Innenministerium untergeordneten Behörden mit der Anordnung, gegen die cuzistische Agitation mit aller Strenge vorzugehen. Wie in einer vom jüdischen Parlamentsklub veranstalteten Pressekonferenz von Dep. Landau mitgeteilt wurde, versprach der Innenminister Bestrafung der Schuldigen, erklärte jedoch, den anderen Forderungen der Delegation nicht nachkommen zu können. Er verwies die Delegation an den Justizminister. Der jüdische Parlamentsklub hat weiter uni Audienzen bei König Carol, beim Ministerpräsidenten Juliu Maniu und beim Justizminister Junten nachgesucht. Für KonsoDdlerang der Kolonisation Die palästinensische Arbeiterzeitung ״Dawar“ veröffentlicht einen Artikel von S c h k o 1 n i k übet die Entwicklung der Konsolidierung der bestehenden Keren Hajessod-Kolonien in den letzten Jahren. Der Verfasser gibt folgende Ziffern. Der Plan des Jahres 5687 sah einen Geldbedarf von £ 499 000 für die Konsoliaierung unserer Siedlungen einschließlich der Konsolidierung der Neusiedlung im Kischangebiete vor. Auf Grund dieser Berechnung wurden investiert: im Jahre 5688 £ 136 000 im Jahre 5689 £ 78000 im Jahre 5690 £ 130000 £ 3440(» Demgemäß fehlen also noch £ 155 000 an der vollen Konsolidierung. In Wirklichkeitabermüssennoch £ 300 000 investiert werden, und auch das reicht nur, wenn der ganze Betrag im Laufe dieses Jahres investiert wird, sonst erhöht sich der Betrag wiederum. Der Verfasser weist darauf hin, daß, als in diesem Jahre Budgetkürzungen erforderlieh wurden, hat matt sie fast ganz auf Rechnung der landwirtschaftlicheo Kolonisation vorgenommen, wodurch diese schwer geschädigt wurde. Schkolnik verlangt, aaß das Budget für 5691 so aufgestelit wird, daß es unter allen Umständen die Durchführung der Konsolidierung verbürgt. Es ist vielleicht noch erinnerlich, daß sich vor einigen Jahren um die Forderung, die Konsolidierung der Kolonisation als wichtigsten Budgetpunkt allen anderen Ausgaben voranzustellen und sie durch ngorose Oekonomie in Budget und Verwaltung zu ermöglichen, ein heftiger Kampf im Zionismus entspann. Die ״Jüdische Rundschau“ wurde wegen dieser Forderung besonders scharf angegriffen. Auf dem Basler Kongreß schien sich das Prinzip der Konsolidierung durchzusetzen, in Wahrheit aber ist das Problem noch heute ungelöst. Anläßlich der August- Sitzungen In Berlin, die das Budget für das nächste Jahr aufzustellen haben, wird die Frage wieder in aller Aktualität hervortreten. Der Bericht der Shaw-Kommission ist jetzt von der Palästina-Regierung in hebräischer und arabischer Uebersetzung herausgegeben worden.