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Jüdische Rundschau · 1930-07-25 · Heft 58 (25.7.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 58 (25.7.1930)
Date
1930-07-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 388 JUEDISOHE RUNDSCHAU Nr. 58, 25. m 1930 Außenpolitische Umschau Die Krise in Aegypten — Iraq und seine Petroleum-Felder In den beiden größten arabischen Staaten in der Nachbarschaft Palästinas sind in der letzten Woche wichtige Vorgänge zu verzeichnen, die wohl als Etappen auf dem Wege zur vollständigen Unabhängigkeit gewertet werden können. Die Epoche, die durch das Erwachen des Nationalbewußtseins im Orient charakterisiert ist, prägt sich aus In der Entstehung eines neuen Staatensystems, das das politische Bild des Vorderen Orients, das durch den Zerfall ies alten Osmanischen Reiches nach dem Weltkrieg zwar grundlegend verändert worden war, aber noch nicht seine endgültige Gestalt gefunden hatte, neu zu zeichnen bestimmt ist. Aegyptens Kampf um seine Unabhängigkeit ist zwar fast ein Jahrhundert alt, aber erst im letzten Jahrzehnt in ein akutes Stadium getreten. Nach dem Kriege stand England vor der Frage, ob cs das während des Krieges geschaffene Protektorat aufrecht erhalten will. Der Widerstand der Aegypter war offenkundig und Lord Allenby, der Eroberer Palästinas, der gleichzeitig mit Herbert Samuels Amtsantritt in Palästina High Commissioner in Aegypten wurde, konnte nur mit Waffengewalt seine Stellung behaupten. Die von Lord Milner geführte Kommission, die Ende 1919 nach Aegypten kam, empfahl in ihrem Bericht vom 18. August 1920, die Unabhängigkeit Aegyptens unter gewissen Bedingungen anzuerkennen. Am 29. Dezember 1920 mußte Lord Milner dem Außenministerium mitteilen, daß die ägyptische öffentliche Meinung ״der britischen Schutzherrschaft im allgemeinen feindlieh“ sei; Die Fehler der Verwaltung und die Aufrechterhaltung der Kriegsgesetze seien daran mitschuldig. Am 17. November 1921 berichtete Lord Allenby, ״daß eine Ent- Scheidung, die nicht den Grundsatz der ägyptischen Unab- Bangigkeit anerkenne, vielmehr die Schutzherrschaft aufrechterhalte, ernste revolutionäre Gefahren im ganzen Lande in sich berge“. Der ägyptische Führer Zaghlul Pascha wurde deportiert, aber die Lage besserte sich nicht. In dem Buche ״Großbritanniens Kampf um Aegypten“, von dem auch aus seinen Aeußerungen zur Palästinafrage bekannten Major E. W» Polson-Newman (in deutscher Uebersetzimg erschienen im Verlag Orell Füßli, Zürich und Leipzig), das eine instruktive und sehr lesenswerte — wenn auch stellenweise einseitige — Darstellung der ägyptischen Geschichte des letzten halben Jahrhunderts (bis 1929) gibt, wird festgestellt, daß es Anfang 1922 nur eine Wahl gab: ״strenge militärische Maßnahmen oder Konzessionen britischerseits“. ln unseren Tagen, wo sich der Amtsantritt Herbert Samuels in Palästina zum zehnten Male jährt, ist die Erinnerung an die Verhältnisse in Aegypten vor zehn Jahren sehr aufschlußreich, weil die viel umstrittene Politik Herbert Samuels nur im Zusammenhang mit diesen Ereignissen verstanden werden kann. Während damals in Aegypten fast chaotische Zustände mit immer wieder sich erneuernden blutigen Unruhen, Terrorakten und schweren Strafen herrschten, gelang es Herbert Samuel, in dem so eng benachbarten Palästina einen Zustand vollständigen Friedens und absoluter Sicherheit herzustellen. ln Aegypten nun, wo Englands Vertreter einen anderen Weg gehen zu können glaubten, spitzten sich die Qegensltze immer mehr zu. Und da England unter keinen Umständen bereit war, 1922 sich in neue militärische Abenteuer zu stürzen — auch die von England unterstützten Griechen wurden im Kampf gegen die neu erstarkte kemalistische Tür- W datMriten Ipiglana in Stich gelassen mußte Lord Allenby selbst Anfang 1922 seinem Auswärtigen Amt ein gemäßigtes Programm Vorschlägen. England gab am 28. Februar 1922 seine bekannte Unabhängigkeitserklärung Aegyptens ab. Bald darauf wurde auch Zaghlul wieder freigelassen, ebenso übrigens wie Ghandi, den die Engländer auch zeitweilig verhaftet hatten. (Auch diese geschichtlichen Fakten sollten berücksichtigt werden, wenn man davon spricht, daß Herbert Samuel die sich gegen das englische Mandat auflehnenden arabischen Führer hätte verhaften sollen.) Zaghlul wurde bald der unbeschränkte Herr Aegyptens: seine Partei, der Wafd, repräsentiert beinahe das ganze Volk. Das Bestreben des Wafd seit 1922 unter Zaghlul und dann unter Nahas ist darauf gerichtet, die demokratische Unabhängigkeit des Landes nach innen und nach außen zu sichern, nach innen gegenüber dem König, nach außen gegen England. 1928 versuchte der König mit Hilfe des englischen Oberkommissärs Lord Lloyd den Wafd auszuschalten und eine Diktatur unter Mahmud Pascha zu errichten. Diese Episode fand bekanntlich mit der Abberufung Lord Lloyds und der Erneuerung der parlamentarischen Regierung ein Ende, da die englische Arbeiter- Regierung erkennen mußte, daß ein mit Mahmud abgeschlossener Vertrag ohne Zustimmung des ägyptischen Parlaments praktisch bedeutungslos wäre. Nachdem dann die Verhandlungen zwischen England und der Regierung Nahas im letzten Frühftlir an der Sudanfrage gescheitert sind, versuchte Nahas, die Verfassung durch Gesetze gegen jede Gefahr eines neuen Eingriffs zu schützen. An dem Widerstand des Königs gegen solche Sicherungen ist der gegenwärtige Konflikt entbrannt, der zu blutigen Unruhen geführt hat und dessen Ausgang noch kaum abzusehen ist. Alle Wahrscheinlichkeit spricht aber dafür, daß der Wafd, hinter dem das Volk steht, auch jetzt Sieger bleiben wird. Wird die demokratische Verfassung wieder hergestellt, dann wird auch die endgültige Austragung des englisch-ägyptischen Problems nicht mehr lange aufzuschieben sein. Im gegenwärtigen Konflikt ist England, das vor zwei Jahren die Diktatur Mahmuds unterstützt hat, neutral. Die Arbeiterregierung legt Wert darauf, ihre Beziehungen zum Wafd nicht zu verschlechtem. Die Regierung Sidky Paschas hat durch ihren energischen Protest gegen die Entsendung englischer Kriegsschiffe gezeigt, daß sie an entschiedener Abwehr englischer Einmischung dem Wafd nichts nachgibt. Man wird die Schärfe der Krise, die jetzt Aegypien ergriffen hat, kaum gering einschätzen dürfen, besonders wenn man bedenkt, daß auch eineWirtschaftskrise, entstanden aus dem Preissturz der Baumwolle (Folgen der Monokultur!), das Land bedroht. Bei der engen Schicksalsverbundenheit zwischen Aegypten und Palästina wird die weitere Entwicklung der Dinge auch für uns von größtem Interesse sein. * Während im Westen Palästinas Aegypten um seine Verfassung und Unabhängigkeit ringt, ist für den arabischen Staat im Osten Palästinas, das Königreich Iraq, dieser Tage der Weg zur Selbständigkeit und zum Eintritt in den Völkerbund freigemacht worden. Die englische Regierung veröffentlichte am 17. Juli in der Form eines Weißbuches (Cmd. 362) den Text des Bündnisvertrages zwischen England und Iraq, der am 30. Juni in Bagdad von dem englischen Oberkommissär Sir Francis Humphrys und General Nuri Pascha, dem Ministerpräsidenten des Iraq, unterzeichnet worden ist. Der Vertrag spricht aus, daß durch Unterstützung der Kandidatur des Iraq für Zulassung zum Völkerbund im Jahre 1932 die von Großbritannien übernommenen Mandatsverpfllchtungen automatisch enden werden. England und Iraq schließen als souveräne Staaten einen Freundschaftsvertrag und ein Bündnis für den Kriegsfall. Eine besondere Beilage umschreibt die militärischen Interessen Englands und räumt England die Haltung von Militär-Flugplatzen ein; England verpflichtet sich auch, militärische Instruktoren und Offiziere sowie Kriegsmaterial an Iraq zu liefern. Der Vertrag ist, einer ״Time$“-Meldung aus Bagdad vom 22. Juli zufolge, im Iraq sehr ungünstig aufgenommen worden. Die Nationalisten sehen darin einen Versuch, unter dem Schein der Unabhängigkeit Iraq zu einem völlig unfreien״ Vasallstaat Englands zu machen. König Feisal von Iraq ist am 21. Juli in London eingetroffen; es wird betont, daß es sich nur um einen privaten Besuch handelt. Etwas mehr Licht fällt jedoch auf diesen Besuch durch einen Artikel des Londoner ״Observer“ vom 20. Juli, der die gegenwärtigen Verhältnisse in bezug auf das Petroleum im Iraq darstellt. Eine offizielle Mission mesopofamischer Staatsmänner unter der Führung des Ministerpräsidenten Nuri wird in London demnächst über diese Fragen verhandeln, König Feisal, so heißt es, hat das größte Interesse daran, daß die ökonomischen Hilfsquellen seines Landes entwickelt werden, und der wichtigste Schritt in dieser Richtung wäre ein baldiger Beginn der Ausbeutung der Oelquellen. Die Konzession zur Ausbeutung der Oelquellen liegt bekanntlich in den Händen der Iraq Petroleum Company, deren Aktien je zu V4 der Royal Dutch-Shell Gruppe, der Anglo Persian Oil Company, der amerikanischen Standard Oil und der französischen Compagnie Francaise des Pötroles gehören. Von den vier Partnern haben aber die drei Erstgenannten kein Interesse an einer Betreibung der Arbeiten. Sie betrachten die mesopotamischen Oelfelder als eine Art Reserve, die erst dann herangezogen werden soll, wenn die jetzigen Oelquellen der Welt, deren Ertrag mehr als genügend für die Nachfrage ist, erschöpft sind. Die französische Oruppe aber, die so gut wie identisch mit der französischen Regierung ist, strebt danach, die Inangriffnahme zu beschleunigen. Nach französischer Auffassung müsse die Röhrenleitung von Mesopotamien zum Mittelmeer durch syrisches Ge- Met gelegt werden, weil dies die kürzeste Route ist; die drei anderen Partner aber, so heißt es, ziehen den etwas teuereren Weg durch Transjordanien und Palästina nach Haifa vor, mit der Begründung, daß dieser Weg leichter überwacht und vor beduinischen Ucberfällen geschützt werden kann. Seit mehreren Jahren, so schreibt ״Observer“, ging hinter den Kulissen ein intensiver politischer Kampf vor sich. Die Iraq-Reglerung hat natürlich das größte Interesse an einer baldigen Erschließung, da sie erhebliche Abgaben davon beziehen wird. Es verlautet jedoch, daß König Feisal sein Veto gegen die Führung der Röhrenleitung durch das französischeMandatsgebiet eingelegt hat. Die gegenwärtige Iraq-Regierung soll, so heißt es weiter, der Monopolstellung der Iraq Petroleum Cy mit Bedenken gegenüberstehen. Es ist ihr daher nicht unwillkommen, daß eine neue Gruppe auf dem Plan erschienen ist, bestehend aus der British Oil Development Cy (Lord Wester Wemmyss), einer italienischen Gruppe (Agenzia Generale Italiana di Petrolio); einer deutsehen und einer Schweizer-französischen Gruppe. Diese Gruppe stützt sich auf das Prinzip der ״offenen Tür“ und macht geltend, daß die in ihr vertretenen Länder von der Iraq Petroleum Cy ausgeschlossen sind. Sie verlangt daher die Konzession auf ein großes Oelgebiet unter gleichen Bedingungen wie die Iraq Petroleum Cy. Die anfänglich ablehnende Haltung der englischen Regierung hat sich, wie ״Observer“ feststellt, in der letzten Zeit merklich geändert, und man ist heute der Ansicht, daß es von Vorteil wäre, ״zwei Eisen im Feuer“ zu haben. Innerhalb der neuen Ge- Seilschaft soll bereits vereinbart sein, daß von den Liefer u n g e n für die Röhrenleitungen und die zu bauende Elsenbahn zum Mittelmeer sowie Brücken, Straßen usw. 50 0/6 zwischen England und Italien geteilt werden, von dem Rest sollen 38 °/0: an deutsche Firmen und 12 0/0 an Schweizfranzösische Interessenten gehen. Die Italiener haben außerdem die Beschäftigung einer großen Zahl italienischer lngenieure und Arbeiter sich ausbedungen. Ueber die endgültige Regelung dieser Fragen wird nun in der nächsten Zeit in London verhandelt werden. Man wird vielleicht nicht fehl gehen, wenn man vermutet, daß außer den militärischen und strategischen Stützpunkten, die in dem Vertrag England zugestanden sind, und außer den auf wirtschaftspolitischem Wege sichergestellten Petroleuminteressen England nicht sehr viel an der Aufrechterhaltung des Iraq- Mandates gelegen ist. Für Palästinas Zukunft sind die Vorgänge im Iraq politisch und wirtschaftlich von größter Bedeutung. Politisch, weil hier zum erstenmal die Beendigung eines A-Mandates ausgesprochen wird und durch den Eintritt eines arabischen Staates in den Völkerbund der arabische Einfluß erheblich verstärkt wird; wirtschaftlich, weil die endgültige Entscheidung der Frage der Röhrenleitung für kein anderes Land von so weittragenden Folgen sein wird, wie für Palästina. Es scheint, daß der harte Kampf, der sich zuletzt bereits zu Frankreichs Gunsten zu neigen schien, jetzt endgültig ausgetragen werden wird und daß dann — entgegen der ursprünglichen, auf Aufschub hinzielenden Absicht — mit den Arbeiten bald begonnen werden wird. Diese Arbeiten im Zusammenhang mit der Fertigstellung des Hafens in Haifa werden nicht nur einer ganzen Reihe von Arbeitern Beschäftigung geben und somit die Aufnahmefähigkeit des Landes vergrößern, sondern sie werden auch indirekt durch Belebung des Unternehmungsgeistes und durch Eröffnung neuer gfoßer handelspolitischer Perspektiven dem Wirtschaftsleben Palästinas einen gewaltigen Anstoß geben. Auch die durch Röhrenleitung und Eisenbahn bewirkte engere Verbindung Palästinas mit dem entwicklungsfähigen Euphrat-Gebiet kann in Zukunft für die jüdische Siedlung wichtig werden. Voraus- Setzung für eine solche Entwicklung ist allerdings, daß auch die Palästina heute beunruhigenden politischen Konflikte aus der Welt geschaffen werden. R. W. Sfr John Hope-Simpson, der, wie gemeldet, am 27. Juli Palästina verläßt, wird seinen Bericht in Griechenland ausarbeiten, wo er seine Arbeit bei der Ansiediung der grieehischen Flüchtlinge zu beenden hat. Sir John wird bei der Ausarbeitung des Berichtes von Herrn Bennett, Beamter des Reglerungsaepartements für Landwirtschaft, unterstützt werden. Herzl - Gedenkfeiern Proteste gegen das Einwanderungsverbot Am 22. d. M. fand in Berlin eine von der B. Z. V. einberufene Massenversammlung statt, in der anläßlich des 26. Todestages Theodor Herzls dessen Persönlichkeit gewürdigt und gegen die Suspendierung der Einwanderer-Zertifikate durch das englische Colonial Office protestiert wurde Der Vorsitzende der Versammlung, Dr. Kanowitz, teilte den Versammelten die Trauernachricnt von dem am 21. d. M. erfolgten Tode Prof. Carl Lewins mit und kennzeichnete die Bedeutung dieses vorbildlichen Zionisten und hilfreichen Arztes in Worten, die von der Versammlung stehend angehört wurden, Der nächste Redner, Moses Waidmann, versuchte die Harmonie der Persönlichkeit Theodor Herzls den Zuhörern vor Augen zu führen. Der zweite Redner des Abends, Alfred B e r - ger, übte an den Maßnahmen der britischen Regierung in Angelegenheit der Suspendierung der Arbeiterzertifikate schonungslose Kritik. Seine Ausführungen wurden vielfach durch Beifallskundgebungen unterbrochen. Am Schluß seiner Ausführungen verlas Alfred Berger nachstehende Resolution, die einstimmig angenommen wurde: ״Die zur Feier des Todestages von Theodor Herzl einberufene Versammlung bekundet erneut ihren Willen, für die Vollendung des von Theodor Herzl begonnenen Werkes mit aller Kraft einzutreten. Die Schaffung der Jüdischen Nationalen Heimstätte in Palästina, zu deren Förderung sich die britische Regierung in internationalen Verträgen gegenüber der Welt und gegenüber dem jüdischen Volk verpflichtet hat, ist die durch die Weltsituation gebotene notwendige Antwort auf das jüdische Weltproblem. Die Suspendierung der Einwanderung nach Palästina zu einer Zelt, in der das Land auch nach Ansicht der britischen Verwaltung wirtschaftlich auf Einwanderung wartete, ist ein schwerer Verstoß gegen Geist und Wortlaut des Mandates. Diese Einwanderungssperre widerspricht dem wesentlichsten Inhalt des Mandates. Ohne Einwanderung kann die Jüdische Nationale Heimstätte nicht geschaffen werden. Wir werden im Vertrauen auf die moralischen Kräfte des jüdischen Volkes unerschüttert unser Werk fortsetzen. In dieser Zeit, in der die zukünftige politische Entwicklung festgelegt wird, wenden wir uns in!Übereinstimmung mit der Leitung der Zionistischen Organisation noch einmal an die Mandatarmacht. Wir protestieren gegen die fortgesetzte Verletzung der uns zugesicherten Rechte. Wir fordern unser Recht, das uns von allen Regierungen seit Bestehen des Mandates immer wieder feierlich bestätigt wurde. Wir verlangen, daß die Tore Palästinas unverzllglich wieder der jüdischen Einwanderung geöffnet werden.“ Würzburg. Der Zionistische Arbeitskreis Würzburg versammelte seine Mitglieder und Freunde am Todestage Herzls (20. Tamus), um das Gedächtnis des Gründers der zionistischen Bewegung zu begehen. Mit dieser Veranstaltung verbunden war eine Kundgebung gegen das Einwanderungsverbot in Palästina, die an diesem Abend in sämtlichen zionistischen Ortsgruppen Deutschlands stattfindet. In seiner Ansprache zgichnete Herr Seminarlehrer Bambergerdas Bild aer .politischen und moralischen Persönlichkeit Herzls und zeigte, wie gerade die Haltung Herzls gegenüber inneren und äußeren Rück- Schlägen vorbildlich für den Kampf sein könne, den das jüdische Volk zurzeit um das Recht der freien Einwanderung in Palästina durchkämpfen müsse. Dr. Nürnberg brachte eine Protestresolution ein, die einstimmige Annahme fand und inzwischen dem zuständigen britischen Konsulat zur Weiterleitung nach London zugesandt wurde. Mit dem Gesang der Hatikwah schloß die eindrucksvolle Versammlung. Oppeln. Die Zionistische Ortsgruppe Oppeln hielt am 15. Juli eine Herzl-Gedenkfqjer ab, i» der eine Protestresolution gegen die Einwänderiingssperre angenommen wurde. Diese wurde an das britische Generalkonsulat in Breslau weitergeleitet. Hamborn. Die in Hamborn am 16. d. M. abgehaltene Herzl-Feier, verbunden mit Protestversammlung, in welcher öberregierungsrat Marcus, Düsseldorf, sprach, faßte einstimmig eine Protestresolution, die an das englische Konsulat in Köln geschickt wurde. Pressesdiau Das größte arabische Blatt Aegyptens, ״A1 M o k a 11 a m“, das schon bei früheren Gelegenheiten dem Zionismus gegenüber eine gemäßigte Haltung einnahm, bespricht, wie wir dem ״Dawar" entnehmen, in einer seiner letzten Nummern die Erklärung Lord Passfields gegenüber der Delegation des britischen Board of Deputies. Passfield hatte bekanntlich gesagt, die englische Regierung mache darauf aufmerksam, daß sie es nicht übernommen habe, in Palästina einen Jüdischen Staat zu schaffen, sondern ein Jüdisches Nationalheim. Dazu schreibt ״Mokattam“: Eine der wichtigsten Empfehlungen der Shaw-Kommission an die britische Regierung ist es, daß sie in aller Klarheit die Richtung ihrer Politik in Palästina deklarieren soll; die Regierung hat versprochen, dies nach Abschluß der Untersuchungen von Simpson zu tun. Aber der Kolonialminister benützte die Gelegenheit des Besuches der Vertreter der britischen Juden, um zu erklären, daß das Mandat keine Verpflichtung zum Aufbau eines Jüdischen Staates enthält, sondern eines Nationalheims mit gleichzeitiger Sicherung der Rechte der arabischen Bevölkerung, die eine Begrenzung der jüdischen Ein- Wanderung notwendig machen. Der Artikel führt sodann aus, daß der wirkliche Grund der Unruhen in Palästina in einem Mißverstehen der Politik der englischen Regierung liege. Infolge dieses Irrtums über die Ziele Englands glaubten viele der zionistisehen Einwanderer, daß sie das Recht haben, nach der Herrschaft im Lande zu streben und daß das Land als Ganzes ihnen gehört. Aus übergroßem Enthusiasmus, aus ihrem starken Streben rn das ihnen heilige Land ihrer Vater zurückzukehren und dort ihre nationale Existenz zu erneuern, vergaßen sie das Wesen dessen, worauf die britische Regierung In der Balfour-Deklaration abgezielt hat. Die Weigerung der arabischen Bewohner, sich dieser zionistischen Auffassung zu unterwerfen, war die Ursache für die schweren Konflikte und ihre schreckliehen Folgen. Wenn die Regierung ihre Deklaration etwas früher abgegeben hätte, hätte sie sich selbst, den Zionisten und den Arabern viele Leiden und schwere Verluste ersparen können. Zum Schluß weist der Artikel darauf hin, daß die Erklärung Passfields ganz und gar den Anschauungen entspricht, die oftmals im ״Mokattam“ zum Ausdruck f' ’ י־ י־ י '־■’־־'• *' *" ״ . Konflfkt zwischen den Zionisten und den Arabern verkleinern wird. Es wäre gut, wenn die britische Regierung ihre Anschauung noch etwas deutlicher wiederholen würde. Am 11. Juli wurde Chedera zum erstenmal mit elekfrischem Licht aus der Kraftstation der Ruthenberg-Werke in Haifa erleuchtet.

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