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Jüdische Rundschau · 1927-11-11 · Heft 90 (11.11.1927) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 90 (11.11.1927)
Date
1927-11-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 640 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 90, 11. XI. 1927 Das Erwachen der Islamischen Welt (Bücher zur Orient-Politik) Die gewaltigen Umwälzungen, die der Weltkrieg in den Ländern des Nahen Ostens verursacht hat, sind noch kaum in ihrer vollen Tragweite zu übersehen. Eine der wichtigsten Folgen ist das Erwachen der islamischen Völker zu nationalem Bewußtsein und zu selbständigen nationalen Aspirationen. Die Entwicklung, die damit eingesetzt hat, ist erst in ihren Anfängen, doch muß man mit ihr als einem gegebenen Faktor rechnen. Und da das zionistische Ziel in Palästina verwirklicht werden muß. in einem Lande also, das an exponierter Stelle mitten in der arabisch-islamischen Welt liegt, so fordert polttischer Realitätssinn, daß wir die Vorgänge in jener Welt mit Aufmerksamkeit verfolgen und für aas Wesen der dortigen Völker Verständnis zu erwerben trachten. Die erste zusammenfassende Geschichte der islamischen Länder nach dem Kriege gibt der bedeutende englische Historiker und Orientalist, Prof. Arnold J. T o y 11 b e e in dem soeben erschienenen Band ״Survey of int er* national affairs 1925“ (״The Islätnic World since the Peace Settlement“, Verlag Humphrey Milford, London 1927, Oxford University Preß, (111 S., 25 sh.) Prot. Toynbee ist Direktor in dem Königlichen Institut für internationale Angelegenheiten und zugleich Lehrer an der Hochschule für orientalische Studien. Sein Buch ist eine volle Sammlung des riesigen Materials in musterhaft objektiver und komprimierter Form, unentbehrlich für jeden, der mit Orientpolitik zu tun hat. Nach dem Friedensvertrage, fuhrt Toynbee aus, bemächtigte sich eine starke Unruhe der islamischen Welt, die eine ganze Reihe von wuchtigen Veränderungen herbeiführte. Man denke nur an das Entstellen der neuen Türkei, ihre Säkularisierung unter der Diktatur Kemals; aber auch die anderen islamischen Völker haben sieh in kriegerische Unternehmungen eingelassen, die für sie meist sehr schlecht ausgingen, wie etwa die Herausforderung Frankreichs durch Abdul Krim. Im übrigen ist es aber charakteristisch, daß in vielen Fällen, wo England beteiligt war, die Orientvölker zwar eine völlige militärische Niederlage erlitten, danach aber trotzdem bedeutende politische Erfolge erzielen konnten. So folgte auf den ägyptischen Aufstand von 1919 der Milner-Bericht, der später zur Unabhängigkeitserklärung Aegyptens führte; auf die Niederlage der Afghanen 1919 folgte der Verzicht Englands auf die Kontrolle der afghanischen Außenpolitik; auf die Unterdrückung des Irakaufstandes 1920 folgte aie Umwandlung des Mandates in einen Anglo-lrak-Vertrag; die wiederholten Niederlagen der wahabitischen Angreifer auf englisches Mandatsgebiet endeten mit dem Vertrag1 von Hadda, der Ibn Sauds Gebiet bedeutend vergrößert. Die militärische Welle brachte eine Anzahl von Diktatoren in die Höhe, Kemal, Riza Schah, Abd el Krim, Sultan Atrasch, lbn Saud, den Emir von Afghanistan usw. Die alten islamischen Dynastien fielen. Die nationale Bewegung nach europäischem Vorbild setzte sich durch. Die am meisten umstrittene Angeiegenheit innerhalb dieser orientalischen Welt war, so führt Toynbee weiter aus, das englische Unternehmen in Palästina eine nationale Heimstätte für die Juden zu schatten. ״Dieses bemerkenswerte Unternehmen weckte die Sympathie beinahe jeden Beobachters, der die lange tragische Geschichte des jüdischen Volkes kennt, vor allem auch die verheerenden Wirkungen des Weltkrieges auf das jüdische Leben in Osteuropa und weiter den Heroismus der zionistischen Pioniere in Palästina vor, während und nach dem Krieg. Zuleich aber muß jeder, der nicht seine Vernunft durch Gefühl etäuben läßt, zugeben, daß diese Sache ein Gewaltstreich ist.... Immerhin ist die Sache bisher geglückt und das Verdienst hierfür gebührt den beteiligten Parteien. Die Führer der Zionistischen Organisation z. B. zeigten staatsmännische fhigkeiten und innere Stärke in Ihrer Politik der Mäßigung, wohl in verschiedenen Ländern mächtige Anhänger der Be- Wegung, deren Enthusiasmus für das zionistische Ideal nicht ausgeglichen wurde durch direkte Kenntnis der Bedingungen in Palästina, ungeduldig drängten.... Die arabischen Nationalisten haben vermieden, ihre Anhänger zu Gewalttaten autzustacheln wie in Syrien und Aegypten. Das Hauptverdienst aber gebührt den Fähigkeiten der britischen Beamten.“ Prof. Toynbee stellt fest, daß das zionistische Experiment eine Sonderstellung innerhalb der islamischen Welt hat. In dem Buche, in welchem die politischen Vorgänge in jedem einzelnen der arabischen Länder geschildert werden, ist dem Zionismus ein besonderes Kapitel gewidmet, das nicht von dem Verfasser selbst stammt, sondern von Leonard Stein, dem politisehen Sekretär der zionistischen Bewegung, beigestellt wurde. Dem Charakter des Buches entsprechend, gibt Stein eine streng sachliche Darstellung der Entwicklung der jüdisch-nationalen Heimstätte von 1918 bis 1926, entsprechend etwa den Berichten, die die Zionistische Organisation der Mandatskommission des Völkerbundes vorgelegt hat. Daß Stein der richtige Mann ist, dieses Material objektiv zu verarbeiten, hat er auch in seinem Buch über den Zionismus bewiesen, das schon vor einiger Zeit in englischer Sprache erschienen ist. (Zionism, by Leonard Stein, London, Ernest Betin Ltd., 6 sh.) Dieses Buch, aut das wir bei dieser Gelegenheit hinweisen möchten, wendet sich an die große Oeffentlichkeit nicht im Sinne einer Agitationsschrift, sondern in der Form einer Studie, die die zionistischen Tatsachen informativ darstellt. In großen Zügen'wird die Vorgeschichte des Zionismus erzählt, sodann die Zeit der Balfour-Deklaration und die Bestimmungen des Mandates, sowie die Ziffern und Tat- Sachen der zionistischen Aufbauarbeit dargestellt. Der Autor, der mit dem Rechenstift arbeitet, gibt im Schhißkapitel zu, daß Palästina nur einen Teil der Juden, die zur Auswanderung gezwungen sind, aufnehmen kann. Doch ist es das einzige Land, wo Juden wirklich ohne politischen und psychologischen Druck leben können. Die Vorgänge während des Krieges, die den Prozeß der Verwestlichung und Nationalisierung der islamischen Völker beschleunigt haben, liegen bisher noch im Dunkel, besonders für mitteleuropäische Leser, die während des Krieges von jenen Gebieten abgeschnitten waren. Eines der interessantesten Kapitel des Weltkrieges wird jetzt enthüllt durch die eigentümliehe Persönlichkeit, der es gelang, Beziehungen Englands zur arabischen Welt herauszustellen und die arabischen Stämme zum Abtall von der Türkei zu bewegen. Dieser Mann ist Oberst Lawrence. Nicht nur Gelehrter, nicht nur Militär und Abenteurer großen Stils, sondern auch glänzender Schriftsteller, hat er seine Memoiren im Manuskript mit nach London gebracht, das Manuskript wurde jedoch im Zug gestohlen und blieb unautfindbar. Lawrence hat es dann zum zweitenmal geschrieben und in einem Privatdruck, der etwa 20 Pfund kostete, in wenigen Exemplaren erscheinen lassen. Später jedoch wurde auch eine etwas gekürzte volkstümliche Ausgabe herausgegeben, und von dieser liegt jetzt eine deutsche Uebersetzung vor, die vor kurzem im Verlag von Paul List, Leipzig, erschienen ist. (״Der ungekrönte König von Arabien. Aufstand in der Wiiste.“ Mit vier Tiefdruckbildern, übersetzt von Dagobert von Mikusch, 355 S., 9 M.) Das Buch von Lawrence wird in überschwenglicher Weise mit antiken Kriegsbüchern, mit Caesar und Xenophon verglichen. Sicher ist, daß es eine Fülle ungewöhnlicher Erlebnisse innerhalb einer romantisch fremd anmutenden Welt packend schildert. Die orientalische Welt wird uns nahegerückt und es ist kaum laublich, daß hier von Wirklichkeit unserer Zeit die ede ist und kein Märchenzauber. Uns interessiert das Buch nicht mir als menschliches und literarisches Dokument, sondern als die Erschließung zeitgeschichtlicher Vorgänge, die für uns als Zionisten außerordentlich wichtig sind, gs ist ein bei uns oft begangener Fehler, die Balfour-Deklaration als ein ganz isoliertes Geschehnis zu sehen und dementsprechend unsere politischen Anschauungen zu formen. Wir müssen begreifen, daß auch die Balfour-Deklaration nur im Zusammenhang eines ganzen Systems zu verstehen ist, durch welches England den Vorderen Orient nicht nur mit Waffengewalt, sondern auch geistig und moralisch erobern wollte. Als vor einiger Zeit die Verhandlungen zwischen England und Hussein schwebten, beriet sich dieser auch bezüglich Palästinas auf die Versprechungen des englischen Generals Mac Mahon. Die Genesis dieser Versprechungen der Unabhängigkeit Arabiens, die im arabischen Lager geführte Propaganda und die prominenten Persönlichkeiten dieser Geschehnisse lernen wir aus dem Buch von Lawrence kennen. Auf englischer Seite treten Figuren auf, die auch mit Palästina verknüpft sind, da sie nach Kriegsende zum Teil aus dem Stabe der Orientarmee in die palästinensische Verwaltung übergingen, wie Clayton und Storrs; natürlich auch Allenby, Mac Mahon und andere. Auf arabischer Seite steht im Vordergründe die Persönlichkeit des Emirs Feisal, der mit Lawrence eng befreundet ist. Feisal (jetzt König von Irak) alt bekanntlich bis zum Kriegsende als die repräsentative Figur rabiens und hat auch Arabien auf dem Friedenskongreß vertreten, wo er den berühmten Brief über Zionismus schrieb. Aber auch andere Bekannte wie Hussein, Abdullah (gegenwärtig Emir von Transjordanien), Ali treten aut und werden charakterisiert, daneben eine Fülle anderer, für uns neuer Figuren. Dagegen ist von lbn Saud, dem Sultan der Wahabiten, nicht die Rede. Ibn Saud, heute der unbestritten bedeutendste Mann der arabischen Welt, steht im Mittelpunkt des Buches von Philby ״Das geheimnisvolle Arabien“ (deutsch bei Brockhaus, Leipzig), von dem hier schon mehrfach die Rede war. Das Buch von Philby, das eingehende geographische und ethnographische Schilderungen Arabiens enthält, bildet so eine gute Ergänzung zu dem Buche von Lawrence. Eine sehr aufschlußreiche Einführung in das Wesen des arabischen Volkscharakters, in die Sitten, Gebräuche und politische Denkungsart der Araber, bildet das Buch von Paul W. Harrison, ״The Arab at Home“ (Verlag Hutchinson and Co., London, mit 40 Bildern, 15 sh.). Der Verfasser hat sich als Missionär vierzehn Jahre lang in Arabien aufgehalten, freilich kennt er vor allein die Araber der Wüste, weniger weiß er von den zivilisierteren Volksteilen, etwa in Syrien und Palästina. Sehr interessant ist, was Harrison über die Stammes- Verfassung der Araber zu sagen weiß. An der Spitze der ein-?.einen Stämme stehen als Scheiche wirkliche Führerpersönlichkeiten, die fast unumschränkte Macht haben. Mit Ausnahme der Wahabiten hat kein Stamm eine im westlichen Sinne staatliehe Organisation mit einer Zentralregierung. Es scheint, daß die Araber keine eigentlich staatsbildende Begabung besitzen. Dagegen findet man dort noch Beispiele von weisen, bedürfnislosen und gerechten Herrschern, wie sie daS Abendland nicht mehr kennt. Der im Glauben wurzelnde Absolutismus mit der großen Verantwortung, die er auf den Einzelnen legt, zeigt natürlich auch seine Nachteile, wenn der Herrscher schlecht ist. Das arabische System ist jedoch kein Despotismus; der arabische Scheich ist in Wahrheit außerordentlich abhängig vom Willen der Gesamtheit, wenn er auch als Einzelner die Regierung führt. Der Verfasser berichtet über die starke Abneigung, die sich gegen Europa und vor allem gegen England geltend macht. Die Juden leben unter arabischer Herrschaft friedlich, obwohl der Jude dem Moslem verhaßt ist. Harrison ist der Meinung, daß dem arabischen Volk noch eine große Zukunft bevorsteht. Freilich meint er, daß die Annahme des Christentums Vorbedingung des Aufstiegs sei. Wird man auch nicht alle Konklusionen des Verfassers als zwingend anerkennen, so ist doch sein Buch als Quelle der Information *und Belehrung zu. empfehlen. Aus der Berliner JOdisdien Gemeinde Die letzte Sitzung der Repräsentantenversammlung beschäftigte sich noch im wesentlichen mit einer großen Anzahl von Vorlagen, die während der eineinhalb Jahre ungeordneter Gemeindeverwaltung, die die liberalen Wahlproteste hervorgerufen hatten, unerledigt geblieben waren. Zu Beginn der Sitzung ordnete die Versammlung Herrn Rabbiner Dr. Weiße als Vertreter zu der von der Berliner Zionistischen Vereinigung veranstaltetcn Baliour-Feier ab. Zu einer Diskussion gaben die Vorlagen betreffs Schaffung eines Hindenburg-Fonds anläßlich äes SO. Geburtstags des Reichspräsidenten Anlaß. Auf Antrag Dr. Klee und Genossen (Jüdische Volkspartei) wurde nahezu einstimmig beschlossen, außer diesem Fonds auch einen Friedrich- Ebert-Gedächtnis-Fonds zu errichten, dessen Erträge im Geiste der verstorbenen ersten Reichspräsidenten sozialen Zwecken gewidmet sein sollen. Bei der Vorlage über die Anschaffung von 150 Exemplaren des im Jüdischen Verlag erscheinenden ״Jüdischen Lexikons“ wurden von liberaler Seite Bedenken gegen dieses Werk geäußert. Professor Heinrich Loewe und Dr. Sandler als Dezernenten des Gemeindevorstandes verteidigten die wissenschaftliche Bedeutung des Werkes und wiesen mit besonderem Nachdruck darauf hin, daß hier nach langer Zeit zum erstenmal wieder der Versuch gemacht sei, den Gesamtkomplex jüdischen Wissens und jüdischer Kultur in einer auch dem Laien verständlichen Form zusammenzufassen. Die Vorlage wurde (auch mit den Stimmen der Liberalen) angenommen. Das Palästina-Reisestipendium der Jüdischen Gemeinde, das alljährlieh einem Religionsichrer zugeteilt wird, wurde von 10DÖ M. auf 1500 M. erhöht. Zum Schluß der Sitzung wurde noch die Anstellung des ehemaligen Oberrabbiners von Sofia, Dr. Frey er, als Prediger der Berliner Gemeinde von der Ver- Sammlung bestätigt. Der neue Vorstand der Liberalen Die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland hat in ihrer Frankfurter Tagung den folgenden Vorstand gewählt: Justizrat Bernhard Breslauer (Berlin), Ehrenvorsitzender; Rechtsanwalt Heinrich Stern (Berlin), Vorsitzender; Rechtsanwalt Dr. Rudolf Geiger (Frankfurt/M.), stellvertr. Vorsitzender; Landrichter Dr. Arthur Lilienthal (Berlin), Schriftführer; Bankdirektor Wilhelm Klee mann (Berlin), Schatzmeister; Direktor Hugo Ostberg (Berlin), stellvertr. Schatzmeister. Rechtsanwalt Dr. Walter Breslauer, Rabb. Dr. Leo Baeck, Justizrat Max Chodziesner, Frau Bertha Falkenberg, Rabbiner Dr. Garbaty, George Goetz, Frau Annie Heinrichsdorff, Alfred Jauius, Ludwig Lewin, Justizrat Wilheim Plonsker, Rechtsanwalt Dr. Julius L. Seligsobn, Rabbiner Dr. Martin Salomonski, Dipl.-Ing. Bruno Woyda, sämtlich Berlin. Erich Bayer (Breslau), Alfred Berger (Breslai(), Dr. Siegfried Braun (Köln), Isidor Fabian (Königsberg 1. Pr.), Rechtsanwalt Dr. Heinrich Frank (Köln), Rechtsanwalt Dr. Hugo Hoffmann (Frankfurt/M.), Rechtsanwalt Richard Jung (Nürnberg), Rechtsanwalt Dr. Julius Kann (Düsseldorf), Rechtsanwalt Dr. Willy Katzenstein (Bielefeld), Rechtsanwalt Dr. Siegfried Kaufmann (Köln), Wilhelm Krön heim (Magdebürg), Georg Mecklenburg (Chemnitz), Rechtsanwalt Dr. Ernst Scheyer (Liegnitz), Frau Ottilie Schoenewald (Bochum), Rabbiner Dr. Caesar Seligmann (Frankfurt/M.), Landgerichtsdirektor L. Stern (Stuttgart), Hauptlehrer Karl Stiefel (Mannheim), Jacob VaSk (Hamburg), Rabbiner Dr. Hermann Vogelstein (Breslau), Frau H. Vorreuter (Dortmund), Siegmund A. Weil (München). P. f. c. Ueber die Bedeutung der Palästinaiouristik könnte man vieles sagen. Das Naheliegende will ich mir ersparen. Soviel sei nur erwähnt, daß man in Palästina im Jahre 1927 mit der Touristenzahl von 15 000 (hauptsächlich Christen) sehr zufrieden war. Nun gibt es eine Möglichkeit: nämlich die Reisenden nach Tel-Awiw zu ziehen, was insbesondere dann möglich ist, wenn 1. eine entsprechende Reklame einsetzt, 2. der jüdische Touristen״stronr‘ zunimmt und 3. die Verkehrsverhältnisse, sowie die Sehenswürdigkeiten der Stadt verbessert resp. vermehrt werden. Zur Hebung des Fremdenverkehrs ist der Bau eines jüdischen historisch-ethnographischen Museum s nötig. Die palästinensische Regierung will diesem zahlreiche Altertümer überweisen. Schon mit zirka 12—15 030 M. kann ein Pavillon wie der der jüdischen Abteilung der Gesolei gebaut werden. Mit einer solch lächerlichen Summe würde eine wirklich großzügige Tat für Palästina geschaffen werden. Aber das sind Dinge, die nur nebenbei interessieren. Wichtiger ist die allgemeine Aufgabe des P. T. C., die in dem Arrangement billiger und teurer Reisen besteht. Es mag hier interessieren, daß gleichzeitig mit dem P. T. C. in Deutschland, ohne daß man gegenseitig davon Kenntnis hatte, eine gleiche Organisation in Palästina sich gegründet hat. Ferner sind Gruppen in Frankreich, in der Schweiz und in anderen Ländern in Entstehung begriffen. Die deutsche Gruppe ist noch ziemlich schwach. Es fehlt an ein paar Gründern, die sich mit einem Monatsbeitrag von je 10 M. beteiligen, um ein Büro zu ermöglichen. Im allgemeinen beträgt der Mitgliedsbeitrag 4 M. jährlich. Zurzeit schweben Unterhandlungen mit allgemeinen Touringklubs fremder Länder, um deren Vergünstigungen im Austausch zu erlangen. Das heißt, durch derartige Arrangements läßt es sich ermöglichen, auf Hotel-, Theaterusw. Preise der verschiedensten Länder einen Rabatt von 10 bis 15 °,'o zu erhalten, so daß ein Mitglied des P. T. C. auch auf sonstigen Reisen in Europa alid möglichen Vergünstigungen erhält. Unterhandlungen mit den größten europäischen Reisezentralen sind bereits gepflogen. Für Palästina selbst liegen Besprechungen vor, die demnächst abgeschlossen werden dürften, um alle möglichen Vergünstigungen für Hotels, Kinos usw. zu erreichen. Alle diejenigen, die bei ihren Reisen unangenehme Erfahrangen gesammelt haben, bekommen jetzt die Möglichkeit, an einer Entwicklung Palästinas als Reiseland mitzuwirken; alle, die die Absicht für eine Reise haben, können sich durch den Anschluß an unsere Organisation alle möglichen Vorteile sichern. Allein der Besitz unseres Abzeichens schützt unsere Mitglieder vor unliebsamer Uebervorteilung. Je mehr dieses Abzeichen von Palästinatouristen getragen wird, desto mehr wird bei allen Chauffeuren, Hoteliers usw. der Respekt vor unseren Mitgliedern steigen. In einer Zeit der wirtschaftlichen Depression des Landes ist es mehr wie je unsere Pflicht, den Aufbau zu unterstützen. Wir beabsichtigen, den Rabbinern, Gemeindevorstehern usw., durch geeignete Gesellschaftsreisen zu billigen Preisen den Be-* such Palästinas zu erleichtern. Wie bedeutsam gerade diese Arbeit ist, braucht nicht näher ausgeführt zu werden. Der P. T. C. steht also vor großen Aufgaben, die im Gegensatz zu vielen anderen palästinensischen Arbeiten so unglaublieh leicht ausgeführt werden können. Für viele Zionisten kommt heute für den Augenblick eine Uebersiedlung nicht in Frage, ein Besuch Palästinas ist aber jetzt notwendiger denn je. Es ist recht unverständlich, warum eine organisierte Arbeit in dieser Hinsicht nicht geleistet werden sollte. Zur Bildung einer aktionsfähigen Arbeitsgruppe fehlt es noch an einigen Freunden, die je früher desto besser sich zu- , 0, F־:K ״ tll Zionistischer Grappenverband Linksrheinland Sonntag, den 13. d. M., vorm. 10'4 Uhr, findet in Köln, im Riessersaal der Rheinlandloge, Cäcilicnstr, der Gruppenverbandstag statt. Tagesordnung: 1. Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Dr. Bruno Nathan , Köln. 2. Referat des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. Martin Rosenblüth: ״Der 13. Zionistenkongreß und seine Ergebnisse“. 3. Referat von Frau Gerda Arlosoroff, Tel-Awiw: ״Die politische und wirtschaftliche Lage Palästinas“. 4. Aussprache zu den Referaten. 5. Aussprache über praktische Ortsgruppenarbeit, Keren Kajemeth, Keren Hajessod, Jugendarbeit usw. Wir erwarten, daß alle Gesinnungsgenossen ihr Erscheinen zu dieser Tagung ermöglichen werden, von der neue Impulse für die zionistische Arbeit in unserm Bezirk ausgehen sollen. Ganz besonderen Wert legen wir auf zahlreichen Besuch der Jugend. Zionistischer Grappenverband Rechlsrheinland and Westialen Am 6. November fand in Essen/Ruhr eine Tagung des Zionistischen Gruppenverbandes Rechtsrheinland und Westfalen statt, die von 250 Gesinnungsgenossen aus dem ganzen Bezirk besucht war. Der Gruppenverbandstag sollte der lnformation über die gegenwärtige wirtschaftliche und politische Situation Palästinas dienen. Herr Dr. Georg L a n ־ dauer, Jerusalem, der über die wirtschaftliche Situation Palästinas ausführlich referierte, und Frau Gerda Ariosoroff, die über die politische Lage sprach, haben diesen Zwreck vollkommen erreicht. Herr Dr. Landauer ging ausführlich insbesondere auf das Arbeitslosenproblem ein und erblickte eine Konsolidierungsmöglichkeit nur in einer verstärkten Kolonisationsarbeit, die durch Anspannung aller Kräfte im Zionismus ermöglicht werden müsse. Frau Ariosoroff besprach in ihrem Referat das Verhältnis des Zionismus zur Palästina-Regierung. Sie arbeitete klar die Mängel der zionistischen Arbeit heraus, besonders in der Einwanderungspolitik, und betonte die Notwendigkeit einer gründlicheren Informaiion aller zionistischen Kreise. Die Tagung dankte dem ausgeschiedenen Gruppenverbandssekretiir Kurt Logweitste in für seine ersprießliche Arbeit. — Abends fand eine öffentliche Versammlung statt, in der Frau Ariosoroff unter großem Beifall über Erziehungs- und Frauenfragen in Palästina sprach. Das Institutum Judaicum an der Universität Berlin veranstaltet im Winter-Semester 1927/28 wieder eine Reihe von Gastvorträgen, und zwar unter dem Titel: ״Gestalten und Ge• staltung des modernen Judentums, II. Teil: Das Ostjudentum.“ Es sprechen am 10. November 1927: Dr. Mark Wisch nitzer über: ״Der Kampf um die Menschenrechte“; 1. Dezember 1927: Prof. Dr. Boris Brutzkus über: ״Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Ostjudentums“; 12. Januar 1928: Dr. Martin Bube r über: ״Der Chassidismus im Zusammenhang der allgemeinen Religionsgeschichte“; 3. Februar 1923: Prof. Dr. David Koi gen über: ״Religiöse Kämpfe innerhalb des Ostjudentums“; 23. Februar 1928: Pastor L>. Wind fuhr. Hamburg über: ״Die Entstehung einer neuen schöngeistigen Literatur“. Ort und Zeit der Vorträge: Auditorium Nr. 135 im 1, Stock der Universität abends 8 Uhr.

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