Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 90 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 90, II. XI 1927 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 639 Die Palestine Banana Cy Limited Von Prof. Dr. Otto Warburg. Die Gründung der Palestine Banana Cy hat in der jüdi-!chen Presse verschiedene Kommentare und leider auch uarichcige Darstellungen der Angelegenheit gefunden. Einer unserer Mitarbeiter wandte sich darum an Prof. Otto Warburg um Aufklärung über die neue Gesellschaft. Nachstehend das Ergehnis der Unterredung: 1. Was ist der eigentliche Zweck der Gründüng der Palestine Banana Cy Limited? Wir beabsichtigen, Vorbereitungen zu treffen für den Versuch, einen Bananenexport ins Leben zu rufen, für den in einigen fahren eintretenden Fall, daß der Bedarf Palästinas durch einheimische Bananen gedeckt sein wird, und die Fertigstellung des Hafens in Haifa günstige Exportgeiegcnheitcn bieten wird. 2. Warum muß hierfür eine Bananen-Pflan- Zungsgesellschaft begründet werden? Weil es ohne eine gewisse Produktionsbasis nicht möglich sein wird, mit den Agenten in den verschiedenen Städten der Levanie — und auf diese muß sich der Export zuerst, vielleicht für immer — beschränken, feste Lieferungskontrakte abzuschließen. Die arabischen Pflanzer werden sich fast nie, die jüdischen nur ausnahmsweise darauf einlassen, solche Kontrakte im voraus einzugehen, wenn sie hoffen können, bei den Schwankungen der Preise in Palästina selbst höhere Gewinne zu erzielen. Auch würden sie, selbst wenn sie solche gemacht haben, Ausreden finden, sie nicht einzuhalten. Schließlieh kommt noch die Transportfrage sowie die Lage der bisherigen Bananenkultur Palästinas in Betracht. Vou den 900 Dunam im Jahre 1926 in Palästina befindlichen Bananenpflan- Zungen liegen 500 um Jaffa herum, 300 in Jericho und nur 100 in Galiläa. Die 800 liegen von Haifa zu weit entfernt und werden auch zur Versorgung von Jaffa, Tel-Awiw und ferusalem benötigt, kommen also für den Exportversuch riicnt in Betracht, während die 100 in Galiläa kaum genügen, um Haifa, Akko, Nazareth, Tiberias, Safed zu versorgen. 3. Ist eine Pflanzung von 100 Dunam nicht zu klein für diesen Versuch? Wir werden kaum imstande sein, eine größere Pflanzung im Jahre 1928 anztilegen, da es an Pflanzmaterial fehlt. Kleine Versuche lassen sich schon mit den 10 000 Bananenfruchtständen machen, die wir im Jahre 1929 von dieser Pflanzung erwarten. Jedenfalls werden wir daraufhin schon einigermaßen beurteilen können, ob wir gegen die amerikanischen und kanarischen Bananen in der Levante werden konkurrieren können. Ist das nicht der Fall, so haben wir eben eine kleine Pflanzung zum lokalen Verkauf in Palästina und eventl. nach Damaskus, so daß die Gesellschaft auch dann rentabel sein wird. Ergibt sich die Möglichkeit der Konkurrenz, so werden wir vermutlieh leicht Kapital finden, um größere Pflanzungen anzulegen, was uns um so leichter sein wird, als wir ja dina das nötige Pflanzmaterial liefern können. Wir werden dann in einigen Jahren einen kleinen Levantehandel betreiben können, und so genaue Ziffern über die Rentabilität des Exportes erlangen. Ist diese, ich will sagen, in vier Jahren wirklich festgestellt, so wird die Zeit gekommen sein, eine wirklich große Gesellschaft zu gründen, die Land im Jordangebiet kauft, ameüorisiert, die Bewässerungsanlagen mit Hilfe der Ruthenberggesellschaft macht, und das Land an Kleinsiedler parzellenweise verpachtet oder verkauft Dies wird natürlich nur im Zusammenhang mit unseren Bankinstituten und vermutlich auch mit dem Keren Hajessod und Keren Kajemeth möglich sein. Jedenfalls würde sich dann eine gewaltige Perspektive eröffnen. Die Kleinheit des Versuches sichert also den Teilnehmern. .,;;eWindeiten« 4׳as:.ICapitel,־!ol»1te *feer, .dem •eifetitiMie# ״Zweck• des .*׳ Unternehmens, Pionierdienste zu tun für ein großes Werk, hinderlich zu sein. 4. Wird im Falle des Gelingens des Versuches, die Levante imstande sein, so gewaltige Mengen Bananen aufzunehmen, wie eventl. die Jordanebene wird produzieren können? Fürs erste wird natürlich die Levante als Absatzfeld genfigen. Später wird aber die ganze Balkanhalbinsel, Rumänien und die Ukraine hinzukommen, also ein Gebiet mit einer Revölkerung so groß wie Zentraleuropa. Wenn man bedenkt, daß Deutschland und Frankreich je 50 000 Tonnen, England das 4fache und Amerika das lOfache jährlich an Bananen verbraucht, und wenn man annimmt, daß 1 Dunam jährlich zirka 1 Tonne liefert, so wird deutlich, daß wir 100 090 Dunam. also das lOOOfache unserer Pioniergesellschaft bepflanzen müßten, um den Konsum von Deutschland und Frankreich, oder den halben Konsum Englands zu decken. Die Banane ist in Amerika und England schon ein Artikel des allgemeinen täglichen Konsums geworden, in Frankreich und Deutschland ist sie auf dem Uebergang von einer Luxusfrucht zu einem Konsumartikel, in der Levante und Osteuropa ist sie zwar noch eine Luxusfrucht, wird aber, wenn sie erst in steigendem Malle zur Einführung gelangen wird, bald auch in den allgemeinen Konsum übergehen. Jedenfalls wird die Konsumzunahme daselbst mit der doch schon wegen des großen Kapitalerfordernisses und der vielen rechtlichen und technischen Schwierigkeiten nur langsam sich ausbreitenden Kultur mindestens Schritt halten. Eine zeitweilige. Ueberproduktion liegt also kaum Im Bereich der Möglichkeit, falls die Preise niedrig genug gehalten werden können, was ja überhaupt die Grundlage der Ausbreitung der Kultur ist. 5. Wird die kürzlich für Palästina festgestellte Nematodenkrankheit der Banane der Ausbreitung der Kultur nicht hinderlich sein? Unter Krankheiten leiden alle Kulturpflanzen, und auch die Banane ist nicht verschont geblieben; z. B. tritt eine sehr ernste Bananenkrankheit, die sogenannte Panamakrankheit, in den amerikanischen Bananenzentren auf, ferner in Cuba eine andere Pilzkrankheit (Fusarium cubensc־) in den Canaren zwei tierische Schädlinge, nämlich eine Schüdlaus (Pseudococcus comstockii) sowie eine Mottenlarve (Hieroxestis subcefviela). Nematoden sind in Aegypten, Algier, Tunis, Australien und vielen anderen Orten bei dm Bananen konstatiert. Es fragt sich aber stets, ob der Schaden so groß ist, daß er die Produktion unrentabel macht. Im allgemeinen ist dies nur der Fall, falls ungünstige Momente, sei es des Klimas, sei es des Standortes oder der Pflege hinzukommen. Während die Nematode in dem Mündungsgebiet des Nils die vorteilhafte Bananenkultur auf drei Ernten beschränkt, so daß schon nach vier Jahren neues Land genommen werden muß, was natürlich die Entwicklung einer Exnortindustrie verhindert, merken wir an den Bananenjerichos und der Umgegend von Tiberias kein Nachlassen der Ergiebigkeif, obgleich wohl anzunehmen ist, daß die Nematoden schon seit vielen fahren heimisch sind, weil sie überall in Palästina von der Versuchsstation konstatiert werden konnten. Sollte sich ergeben, daß nur drei, höchstens vier gute Bananenernten auf den! gleichen Boden erzielt werden können, so ist vermutlich ein größerer Export nicht möglich; die Banane würde dann, wie in Aerjvpten, eine rentable Lokalkultur bleiben. Aber anzunehmen ist, daß — wenigstens bei guter Düngung, gehörigem Windschutz und richtiger Bewässerung — gerade im Jordantal — die Zahl der fachlichen Ernten weit größer sein wird. 6. Warum soll das Land bei Migdal nur gepachtet werden? Das geschieht, weil eben die Zukunft der Bananenkultur im Jordangebiet nicht geklärt ist. Wollte man Land kaufen, —* was übrigens momentan itn Jordan gebiet kaum möglich Ist und jedenfalls viel Zeit und Scherereien bedeuten würde — so müßte man es von den dort vorhandenen Zlzyphussträuchern reinigen, was sehr teuer ist und viel Zeit wegnimmt, ferner müßte man eine teure Wasserinstallation machen, Häuser bauen, und mindestens die doppelte Fläche zugrunde legen, um den Boden wechseln zu können, wenn er nicht mehr gut trägt Daraus würde eine große komplizierte Unternehmung mit vielseitiger Administration werden. In Migdal kommen wir dagegen schon BOchsenlnhaberl Die erste Büdisenleerung des Jahres 5688 hat begonnen! Halten Sie Ihre Büchse für die Leerung bereit I Wir nehmen an, daß Sie unsere Forderung 5״ Pig. täglich in die Büchse״ entsprochen heben. Sollte es nicht der Fall gewesen sein, so redinen wir auf eine entsprechende Leerungsspende, in ein gemachtes Bett. Wasser ist vdn der Quelle durch Gravitation erhältlich, und sollte cs nicht genügen, so wird noch1 Wasser aus dem See von Tiberias um ein paar Meter gehoben werden können; das Land ist gereinigt, für die wenigen Arbeiter findet sich Unterkunft in den vorhandenen Gebäuden, einer besonderen Administration bedarf es nicht, die Verbindung mit dem wenige Kilometer entfernten Tiberias ist durch eine gute Chausse? gegeben, und damit auch die Verbindung mit Haifa, dem Exportplatz, kurz, es gibt nichts als günstige Momente. 7. Ist die von Ihnen für die Pflanzung von 1 Dunam Bananen in Rechnung gestellte Summe von £ 50 nicht zu hoch? Nach den Berechnungen der Sachverständigen kostet der Anpflanz und die Pflege bis zur ersten Ernte etwa_ £ 40 pro Dunam, worin der teure Windschutz und die Umzäunung (mit zusammen £ 15—16) einbegriffen ist, nicht aber die Land* pacht bzw. Verzinsung und die Kosten des Wassers. Wie sich bei meiner Pflanzung herausgestellt hat, trifft diese Zahl genau zu. Eine Gesellschaft kann aber nicht ganz so billig arbeiten wie ein Privatbesitzer; außerdem muß für Pacht und Wasser auch eine Summe eingestellt werden, ferner für Gründungskosten der Gesellschaft, die Steuern, Ueberwachunz und Verkehr mit den Aktionären, so diß die £ 10 mehr (also £ 1000 für die ganze Gesellschaft) wohl gebraucht werden dürften. Sollte daran noch gespart werden können, so käme die Ersparnis ja den Beteiligten zugute, ich würde aber nicht raten, eine geringere Summe anzusetzen. Bei einem Reingewinn von .£..•1520־7־ pr0,..Qj»ja-1n. iBjfö««Jal|1\ Äcr, Vollerntfc^jWqn . die von einem Privatpflanzer etatiiaiig zu ersparenden zirka £ 5 pro Dunam keine merkbare Rolle. 8. Ist das Kapital schon insgesamt vorhanden, und wieweit ist Deutschland daran beteiligt? Bisher ist etwa Ak des Kapitals fest gezeichnet, von Deutschland leider nur ein winziger Teil, nämlich ohne meinen eigenen Anteil nur ’/,״ des Kapitals. Ich muß gestehen, daß mich dies Resultat sehr enttäuscht hat, weil ich glaubte, daß dies Unternehmen gerade bei deutschen Juden Anklang finden würde. Wenn ich auch weiß, daß die Juden nichts weniger als Wirtschaftspioniere sind und ihre Fähigkeit vielmehr darin liegt, schon gebahnte Pfade auszubauen und Betriebe zu verfeinern, so nahm ich doch an, da es sich hier nicht um etwas absolut Neues handelt, sondern um die Uebertragung einer in vielen Gegenden der We't bewährten Kultur nach Palästina, daß ein gewisses Interesse dafür vorhanden sein würde. Und da der deutsche Jude im allgemeinen nüchtern und sachlich denkt, sich keinen Illusionen hingibt, und doch schon wieder mancher imstände ist, kleine Anlagen zu machen, da ferner gerade die Zionisten solche Anlagen in Palästina vorzielien sollten, so war eigentlich die Erwartung berechtigt, daß sich mit Leichtigkeit 100 Leute finden lassen sollten, die das Unternehmen durch die Zeichnung von £ 50 unterstützen würden. Sollte sich das Verhältnis der Beteiligungen nicht noch wesentlich ändern, so würde natürlich der Einfluß der deutschen Juden recht unbedeutend bleiben und auch im Board werden die Engländer, Belgier und Holländer die große Majorität haben. Obwohl dies natürlich vom allgemein zionistischen Standpunkt ganz gleichgültig ist, so hätte ich doch gerne gesehen, daß die deutschen Juden, die seit dem Kriege bei der Palästina-Arbeit so außerordentlich ins Hintertreffen gekommen sind, ein Zeichen des Wiederauflebens gegeben hätten. Ich persönlich halte es wenigstens nicht für angemessen, daß wir deutschen Juden uns im Zionismus, abgese!1״n von den Spendensammlungen, im wesentlichen nur theoretisch und organisatorisch betätigen, die ganze wirtschaft'iche Entwicklung Palästinas dagegen den Ost- und Westjuden überlassen, ersteren die Stellung der Menschen, letzteren die Herbeiscliaffting des Kapitals, wir zentralem־»- päischcn Juden sind wahrlich schon imstande, seihst etwas zu unternehmen, wir müssen nur wollen und das Stadium des intellektuellen Defaitismus endlich einmal überwinden. Ein osfJMisehes Kullurkorailec in Berlin Wie die J.T.A. erfährt, ist am 31. v. M. ein Kulturkomitee des Verbandes ostjüdischer Organ»* sationen in Berlin begründet worden. Das Komitee bezweckt, für die Fortbildung der ostiiidischen Jugend und die geistige Hebung der breiten ostjüdischen Volksschichten in Berlin und im Reiche durch eine planmäßige jüdisch kulturelle Tätigkeit zu wirken. Dem Komitee gehören bisher folgende Herren an: Samuel Haarpuder, J. Leser, Arthur Rothenberg, Dr. Wilhelm Lewy, Josef Lin, M. Gonzer, Prot. Dr. Heinrich Löwe, Repräsentant Markus Hornstein, N. Berggrün, David Rosenberg. Dr. B. Suhler, Salis und Dr. Jakob Klatzkin. Mit der provisorischen Leitung des Komitees ist ein dreigliedriges Präsidium, bestehend aus den Herren Leser, Dr. Lewy und Lin, betraut worden. Als Schriftführer wurde M. Gonzer, als Schatzmeister Repräsentant Markus Hornstein gewählt. Die definitive Konstituierung des Komitees soll nach Heranziehung weiterer Persönlichkeiten und Organisationen erfolgen. Heine Nachrichten Wie ״Times" meldet, hat der High Commissioner von Palästina eine Petition erhalten/ worin gefordert wird, daß der Zutritt zur Klagern auer während der Gebetsstunden am Sabbat für nichtjüdische Besucher verboten sein soll. Es wird geltend gemacht, daß auch bei anderen Religion«! die bloße Besichtigung von Heiligtümern während des Gottesdienstes nicht erlaubt ist und daß die Touristen oft die Andacht erheblich stören. Genf. 8. November. (J. T. A.) Die Mandatskommission des Völkerbundes hat heute von der Petition von Arabern in Honduras, Salvador und Mexiko Kenntnis genommen, die um die Anerkennung ihrer palästinensischen Nationalität ansuchen. Nach einer Mitteilung des ״Yarmuk“ haben in Amerika wohnende, aus Palästina, Syrien und dem Libanon stammende Araber eine ,,Partei für Freiheit der arabischen Landet“ begründet, die für die Unabhängigkeit Palästinas, Syriens und des Libanons und eine freiheitliche republikanische Verfassung dieser Länder eintritt. Der frühere High Commissioner von Palästina, Sir Herbert Samuel, Führer der englischen Liberalen, kündigte in einer am 25. Oktober in Liverpool gehaltenen Rede an, daß er bei den nächsten Parlamentswahlen im Bezirk Darwin für die Liberalen kandidieren werde. Wie verlautet, hat die Palästina-Regierung gemäß dem Ansuchen der Stadtverwaltung von Tel-Awiw beschlossen, eine Verordnung über die Zeit der Schließung der Läden in Tel- Awiw zu erlassen. Diese Verordnung, die im Laufe der nächsten Wochen veröffentlicht werden soll, setzt den Ladenschluß für den Sommer mit 8 Uhr und für den Winter mit 7 Uhr abends fest. (Ziko.) Die Jüdische Gemeinde von Tel-Awiw verzeichnet Im Jahre 5687 693 Todesfälle, und zwar: bis t Jahr 276, bis 3 Jahre 75, bis 10 Jahre 26, bis 20 Jahre 15, bis 40 Jahre 79, bis 60 Jahre 78, bis 80 Jahre 110 und über 80 Jahre 34. Die Zahl der jüdischen Geburten betrug gegen 2000. (Ziko.) Jerusalem, 3. November. (J. T. A) Die amerikanische Universität ln Beirut hat, einer Anregung der Jüdischen Ge* meinde Beiruts folgend, die hebräische Sprache als Lehrgegenstand in das Lehrprogramm aufgenommen. Im Jahre 5687 (1. Oktober 1926 Ws 30. September 1927) weist die Hebräische National- und Universitäts- Bibliothek in Jerusalem einen Zuwachs von 27810 Werken mit 36 274 Bänden auf. Zu Beginn des Jahres 5688 zählte die Bibliothek 134 878 Werke und 169 127 katalogisierte Bände. Belgrad, 3. November. (J. T. A.) Die Wahl des Belgrader Advokaten Sehemaja de Majo zum Mitglied des jugoslavischen Parlaments wurde bestätigt. Er ist aer erste Jude, der in das Parlament des vereinigten Königreiches einzieht. Er ist einer der populärsten Jüdischen Führer in Jugoslavien. Ri ga, 6. November (J. T. A.) Die anfangs für den 21. Oktober nach Leningrad einberufene Konferenz der jfl• dischen Gemeinden Rußlands wurde auf den 21. No* vember verschoben. Moskau, 6. November (J. T. A-) Aus Anlaß der zehnten Wiederkehr des Sterbetages von Mendeli Mocher Sforim hat der Stadtrat von Odessa beschlossen, 2603 Rubel für Errichtung eines würdigen Gedenksteins auf dem Grabe des Dichters bereit zu stellen. Ferner wurden die Herausgabe einer Biographie des Dichters und die Abhaltung einer Trauerfeier beschlossen. Moskau , 6. November (J> T. A.) Unter den 30 Atro* planen, die am 8. November zur Feier des 10. Jahrettagtt >־“»^ ״bblsehfewiÄKWitt^eveWtion W rusäsÄi« ‘ LtfftflattrSn• verleibt werden, befindet sich auch der Aeroplan ״Der ar* beitende Jude“, der aus dem von jüdischen Arbeitern zusammengcbrachten Gelde erbaut worden war. Der Verlag ״Tarbuth" (Jerusalem) bereite! eine vollständige Ausgabe der in deutscher Sprache geschriebenen Tagebücher Theodor Herzls in hebräischer Sprache vor. Die Uebersetzung stammt von R. Binyatnin und D. Kimchi. In New York erschien eine Biographie Theodor Herzls in zwei Randen von Jacobde Haas, dem früheren Sekretär der amerikanischen Organisation, der Herzls englischer Sekretär gewesen ist. De Haas ist bekanntlich die maßgebendste Figur der Brandeisgruppe. , Zeitschriften schau Das Oktober-Heft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums bringt einen Jubiläumsartikel anläßlich des 25 jährigen Be- Stehens der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Rabbiner Dr. Lucas, Ologau, stellt die Schwierigkeiten, die sich der Gründung entgegenstellten, und deren Ueberwindung lebendig dar. Ein zweiter Jubiläumsaufsatz von Rabbiner Dr. Rosen thnl, Köln, gilt der Erinnerung an den rheinischen Gelehrten Jacob Mölln, dessen Todestag vor kurzem zum 500. Male wiederkehrte. Rabbiner Dr. Sc niesinger, Buchau, schreibt über der ״Säkularisierung des Judentum s“, d. h. des Hervortretens solcher jüdischer Ziele und Inhalte, insbesondere in Palästina, die nicht eigentlieh religiöser Natur sind. Er sieht darin, daß auch politische und wirtschaftliche Aufgaben zum Inhalt des Judentums gehören, nicht sowohl eine moderne Verweltlichung, als eine Wiederherstellung des alten, zwar religiös gefärbten, aber nicht auf religiöse Inhalte beschränkten Begriffes des Judentums und setzt sich mit gegenteiligen Auffassungen im Zionismus, Liberalismus und Agiidismus in streng sachlicher Würdigung auseinander. M. Weisberg setzt"seine Darstellungen aus der Geschichte der galizischen Juden fort, insbesondere behandelt er die Persönlichkeiten von Rapoport und Krochmal. — Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von 10 M. an diese Gesellschaft (Postscheckkonto: Paul Veit Simon, Berlin 7030) sendet. Im September-Heft der ״Mitteilungen“ der Gesellschaft für Jüdische Familienforschung erörtert Ernst Wolf f die Aufgaben eines Famlüenarchivs. Prof. Dr. Kisch, Köln, der selbst ein Nachkomme des Hohen Rabbi Löw von Prag ist, stellt verschiedene Angaben über die Nachkommenschaft dieses Rabbi, der eine wahre Oelehrtendynastie begründet hat, richtig. — Dr. Grunwald, Wien, steuert einige interessante Bürgerbriefe aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts bei. — Rabbiner Dr. Posn«r, Kiel, veröffentlicht ein Verzeichnis der 1811־ in Kiel wohnenden 16 jüdischen Familien. — Ungefähr aus derselben Zeit stammt eine Liste der Subskribenten auf das Geigersche Reformgebetbuch, das von Dr. Czellitzer publiziert wird. in der Zeitschrift ״Der Kritiker“ (Berlin W 50) bespricht Erich-Walter Sternberg die Situation des Künstlers im neuen Palästina, für die an Stelle der europäischen ״neuen Sachlichkeit“ die Paro’e ״Neue Menschlichkeit“ charakteristisch ist. Der Verfasser betont die Notwendigkeit, diesem idealisfisehen Streben auch eine materielle Basis zu schaffen.