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Jüdische Rundschau · 1924-02-05 · Heft 10 (5.2.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 10 (5.2.1924)
Date
1924-02-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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C:;10 6« nidl zwar nicht anzulasten, aber die D irchfülmuiß• des Gesetzes in einem da/i» völlig in Gef; tnsatz stcluiulcu Geislo z11z11ln!;.־u’11, ist uns Juten ja ,11•• unseren eine)- piiisdum DL1lmin;:vn viel zu j?1 t bekamt < als *lall wir uns aiscli nur einen Augenblick über die wahre Absicht und die wirklichen Konsetinen/cn eines solchen ,,Kompio- 1Miß״vorscl11agc8 täuschen könnten. Die zionistische Leitung hat die Pilioht, der engiisdien Regierung mit aller Deutlichkeit und Schärfe zu erklären, daß in diesem Zeitpunkt eine Vereinigung Palästinas mit einem arabischen Sfaatcnbnnd für uns Zionisten indiskutabel ist. Das sieht nicht in» Widerspruch zu den Prinzipien unserer Araberpolitik und den Resolutionen des letzten Kongresses, auf die auch die dem König von i lcdjas von der zionistischen Delegation überreichte Adresse Bezug nimmt. Man muß sich darüber klar sein, daß eine Politik auf lange Sicht mit dem großarabischen Reiche, das zweifellos in irgendeiner Form einmal ent* stellen wird, rechnen muß. Es ist völlig ausgeschlossen, Palästina etwa zu einem Bollwerk gegen die panarabisehen Bestrebungen zu machen, und zu glauben, ein ge* cintcs arabisches ,Volk würde diesen ״Piahl im Fleisch״ auf die Daucr'duldcn. Unser Ziel muß daher weiterhin die Verständigung mit dem arabischen Volke sein und wir müssen auch unsere Eingliederung in die arabische Welt unter gewissen Bedingungen für die Zukunft in Aussicht nehmen. Solange wir aber so schwach und gering an Zahl in Palästina sind wie jetzt, müssen solche Versuche, wenn sie heute unternommen werden, dazu führen, daß wir, statt uns mitten in der arabischen Flut durch eine geschickte und ausgleichende Realpolitik zu behaupten, in ihr sehr bald untergeben. So würde heute eine Stabilisierung der politischen Verhältnisse im Sinne der arabischen Politik nichts anderes bedeuten als den Verzicht auf Erlangung der Bcvölkcrungsmchrhcit und damit Sicherung unserer Stellung im Lande. Heute bleibt uns nichts anderes übrig, als die labilen politischen Zustände in Palästina weiter hinznnehmcu, mit dieser Labilität zu rechnen und alles zu vermeiden, was geeignet ist, diese jeden Tag von neuem sorgfältig auszubalancierende Gleichgewichtslage zu stören. Das ist eine ungeheuer schwierige politische Aufgabe, die uns mit jedem Tage neu erwächst. Es ist aber klar, daß auf die Dauer ein solcher Zustand nicht aufrecht zu erhalten ist. Also auch aus politischen, nicht nur aus Gesichtspunkten des uatio* nalen Wettbewerbes ist der Zeitraum, der uns in Palästina für unsere kolonisatorische Arbeit zur Verfügung steht, begrenzt. Mit langen Zeitperioden können wir nicht rechnen. Jeder Tag, jede Stunde ist kostbar und ihr ,Verstreichen׳ ohne Ausnützung ein unwiederbringlicher Verlust. Nicht mehr mahnend, sondern schon fast drohend stellt über unserer Arbeit das Wort: Cnrpe dient! S. K. ׳ ■ ■׳ Zer amerikanisch« jOdiscltcn Pala$iir.akc11ferenz New York. (j.T.A.) Der Text der Einladung zu der am 17. Februar stattfindenden Palästina-Konferenz in Amerika, die an hundert repräsentative Juden Amerikas versendet worden ist, Ist jetzt vom Sekretär des amerikanischen Keren Ilajessod, Mr. Emamicl Nciirnann, der auch als Mr. Marslialls Sekretär bei der Konferenz tätig ist, veröffentlicht worden. Außer Mr. Marshall ist die Einladung noch von Dr. Cyrus Adler, Richter Stern und Colonel Herbert Lehman unterschrieben. Die Enladung erwähnt die Frage der nach Artikel 4 des britischen Mandats zu errichtenden jewish Agency und den Plan einer Teilnahme von Nichtzionisten an dieser Körperschaft. Ferner den Plan einer Investment Company für Palästina, die in New York ihren Sitz haben soll. Man erwartet, daß die Konferenz ein Komitee aus 25 Mitgliedern wählen wird, das mit der Zionistischen Organisation über die Bedingungen eines Eintritts in die Jewish Agency verhandeln wird. Mehrere der zur Konferenz eingcladcncn führenden amerikanischen Juden haben bereits ihre Unter* Stützung zugesagt Der Ka1r.pl gegen die Eimvanderangsbeschränkung in den Vereinigten Staaten .Washington. (J, T. A.) Das jüdische Mitglied des amerikanischen Kongresses, Perl man, hat unter den republikanischen Führern des Staates New York eine intensive Propaganda gegen den neuen einschränkenden I inwandcnmgs• entwurf, die sogenannte Johnson-Bill, ciugelcitct. Perlman versucht die republikanischen Kongreßmüglicdcr dahin auf/iikl.iren, daß die Iter.tiiiimnngen der gcplantru Hill, wonach die Quote auf 2 1 0׳״'adi der llasi» von 11100 festgesetzt werden soll, was also eine Bevorzugung der Westeuropäischen gegenühcr den osteuropäischen Einwamlc ern (auch den italienischen, im Gegensatz z. B. zu den Immigranten ans Skandinavien. — Red, d. ״J, R.“) bedeutet, eine Spit/c gegen gewisse Nationalitäten habe tmd darum auf weitere Kreise der Vereinigten Staaten wie eine Beleidigung wirken mühte. Der Vorsitzende des republikanischen Komitees des Staates New York, Mr. Morris, hat sich auch bereits in dem Sinne ausgesprochen, daß die Republikaner gegen die gepinnte neue Bill «mreten müßten. Er hat eine Konferenz mit republikanischen Führern anderer Staaten cinbcrnfen, auf welcher Herr Pcrlman referieren wird. 1» Man nimmt in offiziellen Kreisen als sicher an, daß die Johnson-Bill im Repräsentantenhaus eine Mehrheit erhalten wird, ungeachtet dessen, daß die jüdischen Kongreßmitglieder eine gewisse * .unhl liberaler Vertreter auf ihre Seile gebracht haben, jedoch erwartet mau, daß sich im Senat ein schwerer Kumpf cnUpiimcn wird. Sollte die Johnson-Bill Gesetz werden, so würde die bisherige Quote um mehr als die Hälfte gekürzt sein. Nachdem ini letzten Jahre auf Grund der Quote 357 S00 Ein- Wanderer ins Land gekommen sind, so werden nach dem neuen Gesetz im kommenden Jahr bloß 167 837 Immigranten aus allen Ländern einwandern dürfen. Dieses Verhältnis wird sich in bezug auf die osteuropäischen Länder noch ungünstiger gestalten. JUEDISCHE RUNDSCHAU ״liütcs“ über TIkNhIöf Kwi’״i Das liteiari'.ehc LnUIalt der Londoner ״Time־.“ buchte uiiläiu:st unter dem Titel ,,Der Begründer de:; politischen Zb■ 11i111:׳us“ die folgende lirirmlitiirig über Ilerzl aus Anlaß des Erscheinens seiner ״T.'igchüelK'i“: I >!csc; drei Bände geben mit wenigen Armierungen den Inhalt gier 18 Tageblielicr wieder, die. Theodor fl cr/1 von 16ü:> bis HX)I, seinem Todesjahre, führte. 111 diese Tagebücher trug er regelmäßig nicht nur seine Gedanken, Eindrücke und Ziele ei», somirni auch Abschriften d•! die z.ioni־.tische Ikwc* i'ting betreffenden Briefe, sowohl der erhaltenen als auch der eigenen, ferner Aufzeichnungen über Unterredungen, Ent• würfe von Reden und Vereinbarungen, Dokumente, in die — abgesehen von den von I lerzl •elbst veröffentlichten Schrillen und Koiigici'ireden ״ die 1 fislorila-r des /,ioiiisinus Indier viel zu wenig., wenn überhaupt Einblick gehallt zg, haben scheinen. Es ist wollt kaum erst nötig, zu betonen, daß ein solches Werk, über 18(10 Seiten eigenhändiger Aufzeichnungen des Begründers des politischen Zionismus, während der Jahre seiner intensivsten Tätigkeit, für historische Forscher eine ״Quelle“ von höchster Bedeutung darslcllt und eine genaue Darstellung einer der bemerkenswertesten politischen Unternehmungen der modernen Geschichte gibt. Audi jetzt kann noch kaum behauptet werden, daß der" Zionismus bereits ti!>er das Stadium eine* Experimentes heraussekommen ist; aber wenn jemals seine Verwirklichung den träumen!!einer Begründer nahe kommen wird, dann wird Theodor I lerzl verdienen, unter den größten Männern des 10, Jahrhunderts genannt zu werden, unter den politischen Propheten und den weitblickenden praktischen Staatsmännern. Wie dem Sehreiher dieser Zeilen bald klar wurde, kannte Ilerzl wenigstens in der Verschwiegenheit seinen Tagebuches keine falsche Bescheidenheit hiiiMvmllch der Rolle, die er spielte, (״!er der Opfer an literarischem Ehrgeiz und Vermögen, die er für seine Idee brachte; aber die iiaelntchcndc Eintr.igmig vom 1. Juni 1001 rechtfertigt ihn völlig: Vielleicht wird ein gerechter Geschichtsschreiber finden, daß cs immerhin etwas war, wenn ein mittelloser jüdischer * Journalist inmitten der tiefsten Erniedrigung des jüdischen Volkes zur Zeit des ekligsten Antisemitismus, aus einem Lappen eine Fahne und aus einem gesunkenen Gesindel ein Volk gemacht hat, das sich aufrecht um diese Fahne scharte. Die Charakteristiken llcrzls betonen für gewöhnlich Reinen Mut, seine ihn völlig erfüllende Begeistern!)!׳ für die jüdisch■ nationale Idee und seinen unbeugsamen willen. Alle diese Eigenschaften finden hier eine weitreichende Bestätigung und auch noch einige andere, ebenso wichtige, aber nicht so häufig erwähnte: sein Talent zum politischen ״Anticham• bricren“, seine lautere Realpolitik und sein Sinn für Details.' Das nahezu Visionäre in ihm kommt in diesen Seiten der Selbstbctrachiung immer wieder zum Ausdruck, nirgend* stärker, als in den ersten Büchern, welche dardcllett, wie die wachsende antisemitische Bewegung und die Not der Juden in Osteuropa ihn zu dem Gedanken einer Massenimm!, gration als der cmzieen befriedigenden Lösung des jüdischen Problems bringen. Die bloße Hilfe der Wohltätigkeit bc• deutete nicht das gleiche und über diesen Punkt batte I lerzl mit Baron Hirsch bittere Auseinandersetzungen. Eine ausgedehnte politische Bewegung, die die Juden der ganzen Welt umfaßte, war sein Ziel; und mit der ihm eigenen Impulsiven Etnbildungskraft begann er — noch ehe er sicher wußte, wo das künftige ״nationale Helm“ sein *ollte — reine Ideen über Konstitution, Zivil* 11ml Strafgesetz, Shidtph'ino, soziale Ge* sd/geiumg bis zu dem Fahiteuzekhen ttml der Farbe der militärischen Uniformen auf das Sorgfältigste nus/uarheitett. Viele dieser Vorschläge wurden von |lerzl'in sein Buch ״Der Judenstaat“ auigenonimen, das 18% erschien; aber cs Ist interessant, aus seinen täglichen TagcbitchelniragungCn zu sehen, wie sie allmählich Gestalt gewinnen. Hcrzl war kein religiöser Jude, ungeachtet seiner In diesem Buche lwschriclsencn Rührung beim Betreten einer Synagoge; seine gnindlcgcmlo philosophische Anschauung scheint die llcibert Spencers gewesen zu sein. Daher »pracli das religiöse Ideal des Verheißenen Landes nicht zu ihm, als er seine zionistische Tätigkeit begann. Die Festsetzung des Ortes der jüdischen Siedlung sah er als eine Frage der Forschung an, die nach den Grundsätzen politischer und materieller Zweckmäßigkeit gelöst werden sollte. Erst geraume Zeit später begann er den Wert der Palästina-Ideale einzu* sehen; und selbst dann, im August 1003, konstatierte er offen die Antithese zwischen dem Ideal des Verheißenen Lande» und der dringenden Notwendigkeit, c-incn Ort Wie etwa den gerade von der englischen Regierung angebotenen Teil 0»tafrikas zu finden, wo sich die verfolgten Juden 80• fort ansicdeln könnten, während der erfolgreiche Ans• gang der Verhandlungen mit der Türkei noch in der Schwebe bliebe. Die ersten Anstrengungen Hcrzl» waren darauf gerichtet, für seine allgemeine Idee eines autonomen Judenstaates unter dem Protektorat der öder jenef Groß, macht in Europa Sympathien und praktische diplomatische Unterstützung zu finden. Er wendete seine ganze Kühnheit und Geschicklichkeit an, um ״Beziehungen“ — ein Lieblings* ausdruck — zu gekrönten Häuptern, einflußreichen Staatsmännern und Finanziers hcrzustelieu. Unter Bezugnahme auf seine Verbindung mit der ״Neuen Freien Presse“ — dio ihm unsympathisch gegemiberstand und über deren ,,Sklaverei“ er dauernd klagt — schrieb er im Juni 1805 einen langen Brief an Bismarck, in dem er den Grundriß dessen skizziert, was er seinen ״Roman“ nennt. Keine Antwort erfolgt. Trotzdem pflegte Herz! ziemlich lange Zeit seine deutschen ״Beziehungen“ — übrigens ein Gesichtspunkt in seinen internationalen Ver• hamllmigeu, den Herr Sokolow In seiner ״Geschichte de* Zionismus" 11 ichl erwähnt —, auf die diese Tagebücher ein ganz neues Licht werfen. Er scheint, wie er im September 1808 Fürst 1’lnlipp von Eulenbiirg milldlt, der Ansicht gewesen zu sein, daß, wenn er auch England anfangs für die Macht ge* gehalten habe, die am meisten geeignet sei, die zionistische Bewegung zu unterstützen, Deutschland trotzdem vorzuzieheu sei, ״weil die Juden vorwiegend deutscher Kultur seien". Wie diese vergebliche Hoffnung genährt, ln Unterredungen mit dem sehr freundlich gesinnten Großher/og von Baden und den Fürsten Hohenlohe und Biilow gestärkt wurde, bis sie nach langen Diskussionen über die Möglichkeit eine» deutschen Piiitvktwafi־?. Sur einen Jmlcm.laat mit Kal:,er Wilhelm 1(., während *eines berühmten Besuche* In Palästina, in ©inen voll• kommenen Fehlsehlag auslicf — das sind vielleicht die lehr* reichsten Stellen dieses Werkes. E.iittiiuschung folgt auf Enttäuschung mit einer Einförmigkeit, die einen weniger energischen und gegen Abweisungen weniger unempfindlichen Menschen erschöpft hätte. Jicrzl war, wie er mit dem ihm charakteristischen Anflug eines bitteren Humors beschreibt, zu einem ständigen ״Eiertanz“ gezwungen. Seine zwei Haupischwiciigkeilcn Inklen die Gleichgültigkeit der reichen Juden und der gegenseitige Argwohn der europäischen Mächte. Um den letzteren zu überwinden, entwickelt er verblüffende Energien und Finessen. Viele Seiten seiner Tagebücher sind im Eisenbahnwagen geschrieben, auf den Reisen zwischen den europäischen Hauptstädten, Seine daueriidcn und vielversprechendsten Verhandlungen, deren Details hier zum ersten Male bekannt werden, waren die mit dem türkischen Sultan Abdul Hamid. Und es ist Interessant, diesem jüdischen Idealisten zu beobachten, der cs nicht versucht, sich die unangenehme Natur «einer Aufgabe zu verhehlen, wenn er auf die näheren Einzelheiten der Geschenke an Nr. 10 die Beamten eingeht, und sogar, wenn auch nur mit halbem Herzen, den Versuch mache״ will, in der Armenierfrage ein Wort zugunsten der 'Unken ln die Pre>״e zu bringen, wenn da« mir 'geeignet Wäre, einer Unterhandlung den Weg zu ebnen, die’die Uebemahmc der ottomaiiischcn Staatsschulden «I» Gegenleistung für eine Landkonzession zum Gegenstand hatte. Aber alle diese groß angelegten Pläne führten zu nichts; und die letzten Selten des Tagebuches erzählen die bekannte Geschichte der Verhandlungen mit der englischen Re• gl c rung, der Erforschung der Sinai-Halbinsel, des l’lg a n d a A 11 ge bo t c ו und nach dun Schellern dieser beiden letzteren Pläne — des ersten infolge des Wassermangels und des zweiten wegen Unstimmigkeiten in der zionistischen Bewegung — von der Idee an eine der wenigen europäischen Regierungen, mit denen Herr.! noch nicht verhandelt hatte, die' portugiesische, wegen einer Ansiedlüng&bcwilligting in Mozambique lieranzutreien. Eine der interessantesten Unter• liflltungcn, von denen das Buch berichtet, ist die mit dem König ’ von Italien, von dem Herd hoftte, daß er seinen Einfluß beim Sultan geltend machen weide. Im Verlaufe dieser sympathischen, aber vom praktischen Gesichtspunkt aus un• fruchtbaren Diskussion wiederholte Hcrzl seine Ucbcr/eugung, daß eine Teilung der Türkei unvermeidlich sei; und in der vorletzten Eintragung im Mai 1001 ist er zu seiner alten Idee der Erlangung des Charter* "0m Sultan ■ zunück* gekehrt. Er starb einen oder zwei Monate später, zwar nicht angesichts seines Zieles, aber wenigstens berechtigt, sich — wie er dies früher in einem für t.cc.il Rhodos bestimmten Brief getan hatte — zu rühmen: Als ich vor sechs Jahren anfing, wurde ich brutal ausgclacht. Ich verachtete die Lacher und ging weiter.!11 diesen sechs Jahren wurden die Juden in allen Weltteilen aufgcnittelt. Auf fünf Kongressen vollzog sich eine Organi• Ration mit tausenden Vereinen in der ganzen Welt Die Zionisten gehorchen einem 1110t d'ordre von der Mandschurei bis nach Argentinien, von Kanada bis nach dem Kapland und Ncu-Seciand ... Wir haben Partciblättcr in allen Kultur■ sprachen ... Dabei sind unsere Forderungen so formuliert, daß noch keine Regierung dagegen einschritt, selbst die russische nicht. Eine Reminiszenz an den Hitler Pntscb Der ״Vorwärts“ ist durch einen Zufall in den Besitz eines Briefes gekommen, den der Hitler-Offizier Götz kurz nach dem Mißlingen des 1 litlcr-Putschcs vom 8. November an Seinen Kameraden Kratzki in Berleberg geschrieben hat. Beide sind in der nationalsozialistischen Bewegung wohlbekannt, in dem Briet findet sich die ■folgende charak* tcristisehe Episode: ״Ich fuhr mit dein letzten Wagen weg zum Bürgerbräu, wo wir hundemüde um 8 Uhr vormittag* ankamen tmd sofort sehr anständig verpflegt wurden. Der ganze Keller war ein riesiges Heerlager. Wie ich durch ein Nebenzimmer gehen will, treffe ich auf Posten, die nur OHiziere dort cinlicßeii. Ich ging hinein und wollte mjch halbtot* lachen, wer war da drin? 58 Juden, größtenteils in Unterhosen und Socken, wie sic aus dem Bett geholt wurden, kein! Kleidungsstück durften die Hunde niitnclimcn! Ein Geschrei hüben sic an sondergleichen! Als sie keine Ruhe gaben, zog ich schcrzcshalbcr die Pistole, worauf Grabesruhe herrschte und nur Herr Josefssohn vom Hotel Königshof ächzte: ״Bitte, Herr Major, lassen Se mittcilen meiner Frau, daß cs ittcr geht nicht schlecht und daß ich lebe.“ Ich lachte Ihm Ina Gesicht und sagte im Weggehen, daß ich da• nicht könne, denn Soviel ich wüßte, begännen die Erschießungen ln einigen Minuten. Nach diesem Intermezzo trat alles zum Löhnungsajzpeti an, wobei jeder Mann zwei Billionen erhielt“ ' Oie Judcnverlolgangen in Posen Warschau. (J.T.A.) In der Sitzung des polnische« Sejm vom 30. Januar führte der polnische Deputierte Zwia* kowskl (Thu(pitt-Partci) aus, die Annahme des Anträge• der antisemitischen Deputierten Zaluska und Saszicwicz wegen Befreiung der Juden vorn Militärdienst würde sehr inkonsequent sein. Man müßte dann überhaupt!die nationalen Minderheiten vom Militärdienst aus* schließen. Hierauf gelangte der Dringlichkcitsantrag des jüdisehen Parlamcntsklubs über die antiiüdiscncn Ex* zesse im Poscncr Oebiet zur Verhandlung. Dcpu• ticricr Farbstein führte in der Begründung des Antrages aus: Seit längerer Zeit wird in der Provinz, hauptsächlich in Posen, eine antijüdisehc Hetze betrieben, die in ihrer Maßlosigkeit und Häßlichkeit au das Mittelalter erinnert in Posen kommt es fast jeden Tag zu Blutvergießen gegen Juden, öfters in Verbindung mit Beraubungen jüdischen Hab und Guts. Die Juden Pose ns, die unter der preußischen Herrschaft in Ruhe gelebt haben, fürchten jetzt auch am hellen Tage die Straße zu betreten. Auch der jüdisch« Bürger aus Kongrcßpolcn, der zur Erledigung seiner Geschäfte nach Posen kommt, muß auf Beleidigungen und Mißhandjungen schwerster Art gefaßt sein. Bis zu welcher Bestialität die antijüdische Agitation führen kann, beweist die Tatsache, daß jüdische Leichenkondukte regelmäßig mit Steinen bombardiert werden. Polnische Jugend ist in die Poscncr!Jynngoge während des feierlichen Gottesdienste* elngcdrungen und hat die Unterbrechun g d es Oot t esdienstes erzwungen. Auf dem Poscncr jüdischen Friedhof wurden die Grabsteine ehrwürdiger Rabbiner, sogar des weitberühmten Rabbi Akiba Eger, demoliert Bei den Uebcrfällen in den Straßen werden Frauen, Kinder und Greise nicht ge* schont. Dia Behörden sind untätig. Wenn schon ein Bandit arretiert wird, wird er — auch wenn er sfeh zynisch seiner Taten nähmt und weitere Judcnmißhandhmgcn aiikündlgt — sofort aut freien Fuß gesetzt. Die jüdische« Bürger in der Provinz, Posen, die aus Liebe zu ihrer Heimat nicht zugunsten Deutschlands ontiert haben, sind jetzt kt einer so unglücklichen Lage, daß sie nicht einmal vor Gott ihre Klagen Vorbringen können, da die Gottesdienste rcgel* mäßig gestört werden, in Rawitsch hat der dortige Bürger* meister einfach die Schlüssel zur Synagoge konfisziert. Der Redner wies ein Plakat vor, das an mehreren Synagogen der Provinz Posen angeklebt war, und in welchem cs heißt: ״Juden ist der Eintritt verboten“! Die Polizei in Thor« hat reisende Juden aus den Waggons geschleppt und sie zu stundenlanger Zwangsarbeit «)gehalten. Der Redner verliest einen Brief der jüdischen Gemeinde in Posen an den Stadlpräsidentcn über die Exzesse im November 1923, bei welchen 15 Juden schwer verwundet worden sind. Die Maßnahmen des Innenministers gegen die bayeri* *chen Judenausweisungen — sagte der Redner — sind sehr anerkennenswert, allein sie verlieren an Wirkung, wenn die Exzesse in Posen imgestraft bleiben. De Dringlich• keit des jüdischen Antrags wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Thugutt-Gruppe und der nationalen Minderheiten abgelchnt. Demnächst soll die seinerzeit von Nahum Sokolow redigierte, inzwischen mehrere Jahre nicht erschienene hebräische lagmcitung ״Haiephirah" in Warschau neu zu erscheinen HLI״»C"; ,f1c w1״• <f|C einzige hebräische Tageszeitung außer• halb Palästinas sein. *

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