Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 10 (5.2.1924)
- Date
- 1924-02-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652605--15505-2674808- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Amman 4× ep/1044017
OCR text
7/ r~*1 rv'J \ /C~l r׳ n ■ / ד- 1יוון' II MW^I ^■״'S ןך■—•►ן 'X Redaldioa und Verla« W 15, Sächsische Straße 8, Erscheint jeden Dienste« und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1.85 Goldmark, Viertel jährlich 5,25 G oldmark. Auslsadisboatifmtat■ werdra io dir Währung d«r ciaiilacn ilndtr berechnet. as&saez zzrstret', *irOTarr» 1 Berlin, 5. II. 1924 jmszcumz:, ,zscrFTrjTBUSSZTaras. \ ך,'.*/ I , wi v r ד־ i ך 1־c—1 r ך־־✓ \ i. Nummer 10 Per Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk dla Anzeigea-Verwalhin{!: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinWlS, Sächsische Straße 8. - Telephon: Amt Pfiilzhur« 6697, 0608 11.6699. Anteil#!!prell: 8!<r*p»lt. Nonpar«tlle*»sil«■ 0,2riGoldmark. Faniilirniinieigen um! Slrllfnjjt?*uchf• 0,l5Golc!m«rfc. i'Qr hvbrkivdtc Ameisen 100% Aulichiitf.; Für AuiUndsiMcraU 100% Aulichlitf, i Am.rlg#n»cMnU1 l> 11׳ n l i g und brektaj! nach mittag 4 Uhr. Schaltung clnor öffentlich rechtlich gesicherten Halmsttitle In Palästina. Telephon: Pialzburg 669711.0608. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392, Für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: l’osisparkassenamt Prag, Konto Nr.59410, - Redaktions־,chlttt'i Sonntag und Mittwoch nachmittag, — TBSS3B« 171" ~li ל׳ שבט׳ תיס״ך 7 m~ . r«י xsstttoßrrajnrr-itr., XXIX. Jahr,״. ,Baseler ssriräs! Programm.** » 00 '*O ־""““י ״•“־ Interpretierung der Balfour •Deklaration durch die zionistischen Vertreter ־־ Hussein gegen die arabischen Extremisten ־־ Die arabischen Streitigkeiten Empfang bei König Hussein Jerusalem. (J, T, A.) Zwei Mitglieder der pnlästincusisch-jüdischcn Delegation, Obcrrabbiiicr Jacob Meir und David Yellin, sind am 28. Januar wieder in Jerusalem eingetroffen, während der dritte Delegierte, Colonel Kisch, noch in Amman geblieben ist. Die beiden Mitglieder der Delegation teilten mit, daß König Hussein sic in der freundschaftlichsten Weise empfangen habe.. Vier Berittene erwarteten sie vor der Stadt und geleiteten sie zum Palast des Königs. Die Delegierten hatten zwei Unterredungen mit König Hussein, die sich in den freundschaftlichsten Formen vollzogen haben. Bei den Besprechungen waren zugegen: Emir Abdullah, der britische Vertreter in Transjordanien Capt. Philby und die Minister der transjordanischen Regierung. Am 27. Januar gab König Hussein zu Ehren der jüdischen Delegation ein Diner. Oberrabbiner Jacob Meir brachte einen Triiikspmch auf die Gesundheit König Husseins aus. Die Reden der Delegalionsmitglicder wurden sämtlich in Hebräisch gehalten. König Hussein hat dem Oberrabbiner Jacob Meir den höchsten Orden des Königreichs Hedjas, den Grand-Cordon-Orden, überreicht. Wie der J. T. A.-Vertretcr erfährt, hat die jüdische Delegation ans Jerusalem während ihrer Besprechungen mit König Hussein in Amman eine Interpretation der Balfour-Deklaration gegeben. König Hussein und sein bei den Besprechungen anwesender Sohn Emir Abdullah von Transjordanien, nahmen diese Interpretation mit Verständnis entgegen, jedoch bestanden sowohl König Hussein als auch Emir Abdullah auf einer formellen Anerkennung der politi• sehen Rechte der arabischen Bevölkerung in Palästina. Beide gaben dem Wunsche Ausdruck, daß die jüdische Bevölkerung der ganzen Welt den arabisehen Problemen im allgemeinen ihre Unterstützung zu• wenden möchte. Emir Abdullah erklärte noch besonders, daß die in Palästina lebenden Araber ihre Wünsche den Interessen der in anderen Teilen der arabischen Halbinsel lebenden Araber angleichen müßten. Die Adresse der jüdischen Delegation au König Hussein J c r u s a I c m. (J. T. A.) Der Wortlaut der von der jiidischen Delegation während ihres Besuches hei König Hussein am 27. Januar an diesen gerichtete Adresse ist folgender: Wir erlauben uns, Ew. Majestät unsere achtungsvollen Grüße zu entbieten. Wir gehen der Hoffnung Ausdruck, daß die von alters her durch eine gemeinsame schöpferische Kultur verbundenen beiden großen semitischen Völker Inder Stunde ihrer nationalen Wiedergeburt die Notwendigkeit der Verbindung ihrer Lebensinteressen in gemeinsamer Arbeit cinsehcn werden. Das jüdische Volk wünscht, mit der arabischen Bevölkerung in einem guten Einvernehmen und gegenseitiger Achtung zu leben, damit durch vereinte Anstrengungen die gemeinsame Heimat in ein blühendes Land ver• wandelt werde, dessen Aufhau jedem Teil seiner Bevölkerung eine ungestörte nationale Entwicklung sichert. Der Wunsch des jüdischen Volkes, mit dem arabischen Volk gemeinsam an dem Wiederaufleben des Orients zu arbeiten, wurde in der nachfolgenden Re• Solution des , XIII. Zionistenkongresses vom Jahre 1923 autoritativ ausgcdrückt: Der Zionistenkongreß sieht im Erwachen des Orients einen der wichtigsten Faktoren des Neuaufbaues der Welt. Das jüdische Volk, das sein nationales Heim wieder aufzubauen beginnt, ist entschlossen, sich mit allen seinen geistigen, moralischen und materiellen Kräften in diese heute noch ’im Werden begriffene, aber an Energien und Möglichkcitcn reiche Welt cinzuglicdcrn und als Gleiches unter Gleichem mit den Völkern, die seine Schicksalsgenossen sind, und in enger Verbindung und unter Herstellung einer fruchtbaren intercsscnharmonic zusammenzuarbeiten. Weiter erklärte der Kongreß noch, daß ״die Rechte aller Gemeinschaften in Palästina unter allen Umständen als gleich heilig angesehen werdet!." in diesem Geiste der Zusammenarbeit und des guten Willens gegenüber unseren arabischen Stammesbrüdern soll der Entschluß des jüdischen Volkes, sein nationales Heim zu errichten, zur Ausführung gelangen. In Verbindung mit den oben zitierten autoritativen Veröficntlicliungcn mochten wir Ew. Majestät Aufmerksamkeit noch auf die nicht ah/11<1treilemlc Tatsache lenken, daß Paläsiiiia einen einzigartigen Platz im Herzen des jüdischen Volkes einnimmt: durch dessen historische Verbundenheit mit diesem Land, durch die Liebe des jüdischen Volkes für dieses Land, durch seinen Willen, cs wieder aufziihaucn, durch seine Arbeit in diesem Land und jetzt auch noch durch die internationale Anerkennung. Außerdem glauben wir noch, daß die Harmonie und das gute Einvernehmen zwischen Juden und Arabern in Palästina sich als ein positiver und wertvoller Faktor in der allgemeinen Wiederherstellung der einstigen Fruchtbarkeit auch der benachbarten Länder erweisen wird. Indem wir dieser Hoffnung Ausdruck geben, entbieten wir Ew. Majestät unsere respektvollen Wünsche für eine lange und fruchtbringende Regicrungszeit. Könljj Hussein!KP״ extreme Furderuiiucn der palästinensischen Araber Während verschiedene Berichte aus Amman z.u melden wissen, daß auch König Hussein die Unabhängigkeit Palästinas fordere und gegen jede Anerkennung der Balfoiir-Deklaration sei, berichtet der Korrespondent des ״Donr i lajom" aus Kairo unter dem '21. Januar folgendes: ״Die Zeitungen Kairos berichten u. a. aus A in man, daß dort Sonnabend Vormittag zu Ehren König Husseins eine große Demonstration vor dem Rcgierungspalastc statt fand. Mittags fand ein offizicllcs Festessen für alle Mitglieder der Delegationen statt. Sonntag morgen empfing König Hussein in besonderer Audienz eine Reihe von Journalisten. Er erklärte kategorisch, daß sein einziges Ziel sei, für die Araber volle Freiheit zu erreichen, und er verlange von den Regierungen die Erfüllung ihrer der arabischen Nation seinerzeit gegeheneu Versprechungen. Sonntag mittag empfing der König verschiedene Delegationen des palästinensisch-arabischen Nationaiverhaiides und der in Palästina nciifrebildcten Fellachen- Partei. Am Nachmittag fand bei König Hussein eine wichtige politische Beratung statt, an der die Führer der paläslineiisischeu und syrischen Delegationen tcilnahrncii. König Hussein erstattete genauen Bericht über seine Arbeit in den letzten zwei Jahren und besprach alle mit dem mit England z.u unter* schreibenden Vertrag über die panarabischc Konföderation in Verbindung stehenden Fragen. Er erklärte klar und deutlieh, daß keine Acndcrungcn ciiigetrcten sind bezüglich der politischen Grundlagen, auf die sich die Renaissance der arabischen Nation stützt. Zugleich aber brachte König Hussein seine Gegnerschaft gegen die extremen Forderungen der arabischen Führer zum Ausdruck, die unter den jetzigen Bedingungen in keiner Weise erfüllt werden können. Er sei bereit, mit der Meinung der arabischen Führer zu rechnen, aber nur unter der Bedingung, daß ihre Fordertmgen logisch sind und den Möglichkeiten entsprechen; es dürfe sich keineswegs um phantastische Forderungen handeln, wie sic dem Nationalgefiihl entspringen. In dicsfcm Augenblick müsse man über jede Frage vom Standpunkt der gesunden Vcrnunlt und der vorliegenden Möglichkeiten sprechen und alle Gefühlsregungen beiseite lassen." Der Konflikt zwischen den arabischen Parteien Palästinas Zwei arabische Delegationen in Amman verprügelt. ״Times" berichten unter dem 23. Januar aus Jerusalem: Es herrscht in arabischen Kreisen Palästinas eine Stimmung des tiefen Ekels über den Empfang, der den Delegationen der Bauern (Fellachen) und der nationalen (gemäßigten) Partei in Amman bereitet wurde, wo sic dem König Hussein ihre Aufwartung machen' wollten. Es wird behauptet, daß die Exekutive der arabischen Kongreßpartei unter der Duldung der traiisjord,mischen Behörden eine feindliche Menge organisiert habe, welche die zwei Delegationen mit den Rufen ״Verräter!" und ״Zionisten!" empfing und sie bis dicht beim Palast des Königs mit Steinen bewarf und schlug. Die Mitgiieder der beiden Delegationen verließen sofort Amman rum Zeichen des Protestes, Die palästincnsischc arabische Presse macht für diese Vorfälle die Regierung von Amman verantwortlich und zieht aus ihnen die Lehre, daß es für zivilisierte Palästinenser unmöglich ist, sich den barbarischen Methoden von Hedjas zu unterwerfen. Rücktritt Caplain Richmonds Der politische Vizcsckrctär der palästinensischen Regleruiig, Capt. Richmond, gegen dessen ablehnende Stellung zum Zionismus vielfach Klagen erhoben worden waren, ist von seinem Amte zurückgctrctcn. Richmond soll den Posten Philbys, des britischen Vertreters bei Emir Abdullah, in Amman übernehmen. Ferner wird aus London mitgctcilt, daß der Posten Richmonds, der die Verbindung mit den palästincnsischen Arabern herzustdlcn hatte, nicht wieder besetzt werden soll Ans Palästina und Transjordanien gelangt seit Wochen eine Fülle widerspruchsvoller Nachrichten über die Verhandlungen der verschiedenen arabischen Delegationen mit König Hussein von Hedjas nach Europa. Da auch über die Besprechungen des palästinensischen High Gommissioners, des Zivilsekretärs von Palästina und des Gouverneurs von Jerusalem mit König Hussein bisher nichts Positives verlautet und auch nicht klar ersichtlich ist, aus welchem Grunde oder Anlaß der König die Vertreter der palästinensischen Judenschaft z.u sieh berufen hat, erscheint es als dringend notwendig, alle Meldungen aus Transjordanien mit größter Vorsicht und Reserve aufzuiiehmen. Die allgemein bestehende Unklarheit ist neuerdings noch erhöht worden durch die Nachrieht vom Rücktritt des englischen ״Vcrbindnngs-OffU ziers" der Palästina-Veiwaltung, des bekannten Antw zionisten Captain Richmond, der den Zusammenhang mit den Arabern zu pflegen hatte, und des englischen ״Beraters“ Captnins Philby in Transjordanien. Selbst der Jerusalemer Korrespondent der Londoner ״Times" muß ain 2*1. Januar seinem Blatte telegraphieren, daß eine Bestätigung der Resignation Philbys, die tinmittelbar nach dem von diesem abgegebenen Versprechen, die Resolutionen der palästinensischen Delega« tionen der englischen Regierung zu übermitteln, erfolgte, bis jetzt nicht zu erhalten war. Es ist daher noch nicht aufgeklärt, ob die Demission deswegen gegeben wurde, weil Philby in der Ucberreichung der Resolutionen ein Mißlingen der von ihm vertretenen Politik sah, oder ob er infolge einer Kompetcnzübcrschreitung — da er die Resolutionen erst dem hierfür zunächst zuständigen palästinensischcn ,Oberkommissar hätte übermitteln sollen — aufgefordert wurde, sein Amt niederzulegen. Die Fassung des ״Tinres“-Telcgramn1s, daß Captain Philby unmittelbar nach Empfang der Resolutionen resignierte, spricht wohl gegen die zweite Deutung. Ueber die Haitung König Husseins selbst sind die nach Europa gclangenden Nachrichten ebenfalls außerordentlich wider* sprechend. In der vorigen Nummer unseres Blattes gaben wir Nachrichten wieder, nach denen König Hussein die Unabhängigkeit .sämtlicher arabischer Länder, also auch Palästinas, und die Außerkraftsetzung der Balfour- Deklaration verlangt habe. In einem gewissen Gegensatz dazu steht die in der vorliegenden Nummer veröffentlichte Meldung über die Warnung Husseins vor allzu extremen Forderungen. Auch die Nachricht über den Inhalt der Verhandlungen der jüdischen Delegation mit Hussein ist nicht allzu durchsichtig. Es scheint, daß Hussein und Emir Abdullah sich wohl darüber klar sind, daß weder die Auf« licbnng des französischen Mandats über Syrien noch die des englischen über Palästina in Betracht kommt. Im Gegensatz zu der Majorität der palästinensischen Araber, die lieber den völligen Ausschluß Palästinas aus dem Vertrage zwischen dent Königreich Hedjas und England sehen möchte (indem einfach die palästinensische Frage in dom Vertrag überhaupt nicht erwähnt wird), um eine Anerkennung der Balfour-Deklaration zu vermeiden, dürfte Hussein auf dem Standpunkt stehen: nicht die fomielie Anerkennung der Deklaration ist wichtig, sondem die faktische Einbeziehung Palästinas in den Verband der arabischen Staaten. Ob nun diese Auffassung Hussein von unseren englischen ״Freunden", vor denen uns Gott schützen möge, suggeriert worden ist, oder die arabischen Staatsmänner aus eigener Initiative auf diesen Ausweg verfallen sind, was ihrer politischen Klugheit alle Ehre machen würde, ist für uns nicht von Belang. Es ist offensichtlich, daß von der formellen Anerkennung der Balfour-Deklaration, die ein ״Fetzen Papier" bleiben wird wie so manches andere, der Zionismus gar nichts haben wird, während durch die Vereinigung Palästinas mit der arabischen Konföderation, in welcher Form immer sic erfolgen mag, der politische, administrative, ökonomische usw. Einfluß der Araber wachsen und unsere Sciiwierigkeilen ins Ungcinessene steigen würden. Wie wir bereits früher wiederholt ausfj'!11rten, ist iin heutigen Stadium unserer kolonisatorischen Arbeit von allen äußeren Faktoren, mit denen wir rechnen müssen, die Landesverwaltung einer der entscheidendsten. Wenn die Araber den administrativen Apparat Palästinas faktisch in die Hände bekommen, wenn auch formell ein englischer oder englisch-jüdischer High Commissioncr weiterhin an der Spitze steht, bedeutet dies für absehbare Zeit das Ende der jüdischen Siedlungstätigkeit. Der Vorschlag, Unter formeller Bclassung der Balfour-Deklaration schon im gegenwärtigen Zeitpunkt Palästina dem arabischen Staatenbund auch nur ganz lose, z. B. in Form von handels- und zollpolitischen Konventionen, Wirtschaftliehen ״Bündnissen“ usw. anzuglicdcrn, deckt sich mit einer Anregung der ״Morning Post", von der wir kürzlieh berichtet haben. Darnach sollte die Balfour-Deklaration zwar nicht aufgehoben, aber in den britischen Archiven begraben werden. Die Praxis! ein Gesetz for-