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Jüdische Rundschau · 1923-06-08 · Heft 46 (8.6.1923) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 46 (8.6.1923)
Date
1923-06-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seife 277 ,-י׳ n, v, י;.,( r v : ן::.״'••' ־ '•׳ ״ ‘;> :kVli׳׳a 1 Uaia. ciu Ei!». 1׳« VV’r{ M csc har.alietij <׳C4 nter e k! ■Parier a.cr 1 s .Juden- :niaKUjlg!sdiiifti״; ► tcr Herr 1 tu Ihren *ui!״ mit it Äugen / h’en Bc• 1 die Au[. } ö Keren j 1 unserer I E dafür, I;3 Gelt! je reale c ganze r.harLtit 'ürde ca!lande!::, , in ״Alt• ung be• re iilxir• 1 laß der m wird, 11נ, auch tum den agc des . tige und Mitarbeit! tft!Irrer cn ver• ,enschcn nid ver• j cstc!l;c;1 .1 1 schnell :1 nke der;| ng und י 1 Volks•! letzten;1 'ist, hat j kwi der 5״ Jugend- | en auch |;nsclien, j onuncn, j es uml 'j ■aus ist j ILj aber 1 I Zahl ‘J ¬ס nicht J ’amilicn! 1. Die j tisnng.י •.־ C nickt j . denen I e Werte 1 iorgani• .j itantlcn, •i •r.iham .| ) >־ , disdicit :! Milien ,1 r Ver- :! rt• lwt, ,j amme.i!! mitten, ״ il.istina p Judeng vollem einen eit ist, indem 2 üudigi *' Hehler |] i.gcud•!• 1111 ju- י Vesten y ihrer thrhea 7crtca .׳ fsTr. 48 _ v!1;;!’1fs Volkstums führt. Diese Erkenntnis ist im westlichen ^oiiisr4*1״ (llt!lJ *יי *'•;,lt ״Ilcf dürfte im wesentlichen dem jinilusse Ach ad Haams znzttschrcibcn sein. Von der Erjf'niitnis zur Verwirklichung ist der Weg freilich weit genug, lalirelang ptejlle man sich im deutschen Zionismus mit jenen (,J-hreischcn Kursen, die mit 20 Schülern begannen, in wenigen Vioclim auf wenige zusammengcschmolzcii waren, und wir j1:c kannten jene Figur, die den Rath immer mir bis zur;9, Lektion gelernt hatte, daun am Erfolge verzweifelnd; juihürtc, u1״ nach einiger Zeit vom Gewissen geplagt, einen neue», ebenst» vergeblichen Anlauf zu nehmen. Es war ein £l!;s.hci<lc11der Fortschritt, als gegen Ende des Krieges aus [gfi Reihen der zionistischen Jugendorganisationen Berlins die Anregung nuflauchte, eine Hebräische Sprachjdiiilc nt begründen, und damit erfolgreiches Lernen zu cm10״iid1cf1. Die Anregung wurde verwirklicht und der Versuch gelang so gut, daß die Methoden der Hebräischen Sprachschule das Vorbild für andere Sprachschulen in Deutsch- ]and wurden. Der richtige Weg konnte natürlich erst langsam gefunden «erden. Man muhte die Psychologie unserer westjüdischen IipciuI kennen, um zu verstehen, wie sic für das Hebräische ji/’gcwinncn sei. Man kam bald von einem auf die Spitze -rliicbcncn ״Iwrith b’iwrith“ ab, man erkannte, daß der Debergnug zur ltebr;iischcnUnfcrric!1t־spracI1c ein allmählicher sein müsse. Man sah ein, daß Menschen, die großenteils andere Sprachen auf grammatischer Grundlage gelernt hatten, auch des 1 iebraisc!1c11 nur Herr werden würden, wenn sic seine Grammatik beherrschten. Man wurde sich langsam klar, über die für unsere Verhältnisse geeigneten Lehrkräfte und jibcr die rechte Stoffverteilung, die zum Neuhebräischen hinführen 9011, aber auf der Grundlage des klassischen und mittelalterlichen Hebräisch aufbauen muß. Man verstand den jUiilehvcg zwischen einer Erziehung zur reinen Konversation und zu einer vom heutigen lebendigen Hebräisch fernen Buch- ״clclirsanikeit zu gehen, So entwickelte sich eine Institution, die heute nus dem zionistischen und hebräischen Leben Berlins nicht mehr hinwegzudenken ist. Im gegenwärtigen Sonimcrscmestcr umfaßt die Berliner Sprachschule dreizehn Klassen, darunter eine Seminarklasse, die der Ausbildung wn Lehrkräften dient und hat mehr als 200 Schüler und Schülerinnen, was für ein Sommersemester eine Rekordziifer darstellt. Unter den Schülern finden sich viele Angehörige unserer Jugendorganisationen, vor allem des Blau-Weiß; aber auch aus anderen Kreisen, so der zionistischen Beamtenschaft, wird die Schule frequentiert. ,Wer ohne Schönfärberei sich eine Vorstellung von dem ״cgcnwärligcn Stand der hebräischen Bewegung io Deutschlind machen will, wird alles andere eher als zufrieden sein können. Was zuversichtlich stimmen kann, ist nur die Tatsache, daß ein richtiger Weg gefunden ist und daß er, wenn auch langsam und zögernd, Erfolge zu bringen beginnt. Es wird noch lange dauern, wenn es überhaupt gelingen wird, bis der deutsche Zionismus hebräisiert sein wird. Aber cs ist eine nicht unwichtige Etappe auf diesem Weg, daß cs heute in diesen Kreisen der Jugendorganisationen kaum noch jeniand gibt, der nicht hebräisch lernt und gute Kenntnisse sich auch dann anzueignen pflegt, wenn er aus Schule und Elternhaus nicht einmal die Kenntnis des alef beth mitgebracht hat. ׳ Wenn die Erfolge heute nodi gering sind, und wenn trotz aller günstigen Anzeichen doch niemals eine Hebraisicrintg auf diesem Wege allein erwartet werden kann, so ist das auch auf die Tatsache zurückzuführen, daß mit der Arbeit zu Spät begonnen wird. So ist auch hier die Forderung wie in der Frage der Gewinnung der neuen Generation: Zu den jüngeren Jahrgängen zu kommen, d, 11. zur jüdi sehen Schule. Wir haben über das Problem der jüdischen Schule an dieser Siehe wiederholt geschrieben und zu zeigen versucht, daß wir liier vor einem der schwierigsten, aber auch wichtigsten Probleme unserer Bewegung stehen. Wir haben «zeigt, daß es sich nicht um zionistische Schulen handeln kann, sondern nur um Schulen, die jüdisches Wissen und jüdische Bildung auf der Grundlage der hebräischen Sprache in möglichst hohem Maße geben, Schulen, an denen wahrhaft jüdische Persönlichkeiten wirken, die cs verstehen, auch den Unterricht in anderen Fächern von jüdischem Geiste durchtränken zu lassen und die sich nicht nur bemühen, Wissen zu übermitteln, sondern jüdische Menschen zu bilden. Wir haben unsere Leser auch wiederholt über die Versuche informiert, die der Jüdische Schulverein in Berlin, dem auch die Hebräische Sprachschule untersteht, mit seinen beiden Grundschulen in 90 erfolgreicher Weise begonnen hat. Im Augenblick bestehen an beiden Grundschulen, sowohl der in der Fasanenstraße wie der in der Rykestraße, je drei Grundscliulklnssen und im Herbst dieses Jahres werden beide Schulen einen gewaltigen Schritt vorwärts tun können, indem de mit der ersten Gytnnasialklasse beginnen können. Die Frequenz beider Schulen Ist eine recht zufriedenstellende, im Westen sind 40, im Osten 70 Schüler in den Schulen. Das ist, wie uns scheint, ein Anfang, der sich sehen lassen kann. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle in die Problcme hincinzuführen, die diese Grundschulen zu lösen haben. Aber es darf gesagt werden, daß auch hier die Zeit des Experiments vorüber ist und für den Unterricht in den jüdischen Fächern z. B. von der pädagogischen Kommission des Sdtulvercins ein Pian ausgearbeitet worden ist, der klare Richtlinien aufstdlt. Es wird interessieren, den hebräischen Unterrichtsstoff kurz zu charakterisieren, wie er an der Grundschule Rvkcslraße, ähnlich aber auch an der anderen Grundschule geliandhabt wird. Das Pensum der untersten Klasse ist: Singen leichter Kimlcrlicdcr, au-,gewählt aus dem Liederbuch von J. Katznclson, Sprechübungen an Hand von An- «liauunr ssloffcn. In der zweiten Klasse wird dieser Ge- SMgs- und Anschauungsunterricht umfangreicher fortgeführt, ferner beginnt in dieser Klasse an Hand des Lehrbuchs Sfafcivu I hebräischer Schreib- und Leseunterricht. Ueber die fiesleutuna der Feste wird, soweit es die hebräischen Kenntniese der' Kinder gestatten, hebräisch erzählt, clxmso Geschichten aus dem Midrasch u. ä. In der dritten Klasse wird Schreiben und Erzählen nach Sfatenu 1 später nach Sfalcnu II fortgesetzt und die Einführung in die Grammatik begonnen. An Hand von Sippurc hamikra werden Geschichten durchgenommen. Im übrigen wird das Pensum der zweiten KUsr.e fortgesetzt. So bedeuten die Arbeiten des Jüdischen Schulvereins einen bedeutungsvollen Anfang hebräischer Kulturarbeit in Berlin, einen Aufan״ freilich nur, denn das Maß dessen, was ge- «beiten muß, ist unendlich groß, £$ wird von dem Vernfämlnis der Berliner Juden speziell der Berliner Zionisten ahlningen, wie weit sie diese Arbeit zu fördern und zu ermöglichen gewillt sind, F. L Beitrittserklärungen und Korrespondenz jeder Art sind zu richten an Herrn Dr. Fritz Löwenstein, Berlin W15, Düsse!• dorfer Straße 73. Spenden auf das Postscheckkonto Jübischer Schulverein Berlin öl 828. Jüdischer Sclsulvcrcln E. V. Hebräische Sprachschule Sn Berlin Stundenplan für das Sommersemester 1923 (X. Semester). Sdmllokalc: Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Artüleriestr. 14; Jüdische Gemeinde, Oranienburger Straße 29; jüdisches Voiksheini, Dragonerstr. 22; Berliner Zionistische Vereinigung Vereinigung, Scydclsfr. 3; Kartell Jüdischer Verbindungen, Kurfiirslenstr. 150. A. Klassen mit 4—5 Wodienstuudcn: Stufe ia (I, Semester). Lehrer: Herr Hans Lfch'tcnsteln, •P'j Stunden wöchentlich, — Das Wichtigste der Formenlehre und entsprechenden Uebungsstoff. Stufelb (I. Semester). Lehrer: Herr Ignaz Maybaum, 5 Stunden wöchentlich. — Unterrichtsstoff wie!11 Ia. Stufe 11a (II. Semester). Lehrer: Herr Kurt Colin, 5 Stunden wöchentlich. — Fortsetzung der Formenlehre und entsprechenden Uebungsstoff; Bibel: Breschith; Diwre Aggada Heft I (Ausgabe für Schüler von Rawnilzki und Dialik). Stufe Uh (II. Semester). Lehrer: Herr Kurt Coh«j 4 Stunden wöchentlich. — Unterrichtsstoff wie in Stufe lia. Stufe Ile (11. Semester), Lebrer: Herr Hans Levy, 4 Stuneleu wöchentlich, — Unterrichtsstoff wie in Ha. Stufe lila (III. Semester). Lehrer: Herr Leib Dörfler, 4!/2 Stunden wöchentlich. — Prakim rischonim II. Teil; Bibel: Schmollt; Diwre Aggada. Stufe Ilib (11!, Semester), Lehrer: Herr Richard Walzer, 4 Stunden wöchentlich. — Wiederholung der Formenlehre 1und entfiprcdrcmlen Uebungsstoff; Bibel: Breschith, Stufe IV (IV. Semester), Lehrer: Herr Mostes Goldman 11, 4V» Stunden wödwutlich. — Prakim riscltomim 11; Bibel. Stufe V (V. Semester). Lehrer: Herr!«ose® Ooldmann, 5 Stunden wöchentlich. — Schaloin Alccliem .Werke, ICatluiclim; Achda Haam, Bd., III; Jcschaja. Stufe VI (VI. Semester). Lehrer: Herr Leib Dörfler, 5 Stunden wöchentlich. — Mendeie Mochcr Sfarim, Baddercoh (Schwilim); Jirmia. Stufe VII (VII. Semester). Lehrer: N, Berggrün, 5 Shmden wöchentlich. — Achad Haam, Bd. III; Bialik, Gedichte; Prakim rischonim III. Teil; Ijjow, B. Seminar!;lasse mit 7 Sittnden wöchentlich): Stufe VIII (VIII. Semester). Lehrer: N. Berggrült — Neue Literatur; Bibel: Ijjow; Talmud: Traktat Awoda Sara; Hebräische Grammatik (Laut-, Formen- und Satzlehre, gründliche Durchnahme und wissensdiaftUche Behandlun״). C. Klasse für Neubebräiseb für Teilnehmer mit talnWcüscKqji Kenntnissen, 3 Stunden wöchentlich. — Lehrer: Herr Moses Goldman 11: Grammatik und Ucbungca. Lehrer: Herr Leib Dörfler: Neue Literatur. In sämtlichen Klassen •mündliche •und schriftliche Uebungen (freie Aufsätze, Ucbersctzungca und Nacherzählungen), In sämtlichen S eint! a ngelegen hei ton wende man sich an den Unterzeichneten entweder persönlich Freitag, 3 bis 4>L’ Uhr nachmittags, in der Berliner Zion isti. sehen Vereinigung, S c y d e 18 t r. 3 (Untergrundbahnhof Spittchnarkt) oder schriftlich unter der Adresse: N. Berggrün, Cha rlottcnbitrg 5, Pestalozzist r. 54a, (Rückporto wolle man beifügen.) N. Berggrön. Zionistische Versammlung in Berlin Am Mittwoch, den 6. Juni 1023, fand in Berlin im Blülhncrsaal eine stark besuchte zionistische Massenversammlung statt. Herr Rosenblüth, der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, cröffnctc mit einer hebräischen und deutschen Ansprache. Von Herrn Sokolow wurde nachstehender Brief verlesen und lebhaft akklamiert: Sehr geehrter Herr Vorsilzender! Za meinem größten Bedauern bin ich verhindert, an Ihrer heutigen größeren Volksversammlung tcilzunchmen. Ich bedauere cs um so mehr, als der jetzige Zeitpunkt ein bedeutungsvoller ist für die ganze Entwicklung des nationalen Wiederaufbaus von Ercz-Isracl. Es gilt jetzt wieder, von innen heraus den Zionismus zu starken und «Jas große Werk zu vergrößern und deshalb tut cs not, alle Volkskräftc zu sammeln und zu aktivieren, große, ehrliche Begeisterung und einen ernsten, freudigen Opfcrsimi zu wecken, len bin sidicr, daß die verehrten Redner diesen wichtigen Punkt In ihren Vorträgen beleuchten werden und indem ich um Verzeihung fiir meüi Fernbleiben bitte, wünsche ich der verehrten Versammlung den größten Erfolg irn Sinne eines Fortschritts auf dem Wege der Errcichung unseres großen Ziels in Erez-Israel Mit Zionsgruß Ihr ergebener N a h u m Sokolow. Als erster Redner sprach Richard Lieh the I m , der die Bedeutung zionistischer Propaganda-Politik ausemandersetzte und sodann auf die aktuelle Situation überging, insbesondere die durch die arabische Föderation geschaffene Lage besprach. Der zweite Redner, Herr Soloweitschik, entwickelte in geistreichen Ausführungen eine Charakteristik unserer heutigen Situation, in der der schlimmste Feind nicht außerhalb, sondern in uns selbst zu suchen Ist, da cs heute nicht mehr um Cilaulien, sondern um Handeln geht, und für alle die Aufgabe besteht, die ungeheuren Hemmungen, die der Tat eatgcgenstchcn, zu überwinden. Der Redner schloß mit einem lebhaften Appell zur Mitarbeit. Den stärksten Eindruck machte Dr. B. Mossinsohri, Direktor des hebräischen Gymnasiums in Tcl-Awiw. Er schildertc die Gefühle des palästinensischen Judentums, das trotz edlen Schwierigkeiten des Alltags seine Kraft und spinen Optimismus keinen Augenblick verloren habe, sondern stets seine hohe jüdische Mission vor Augen habe, die auch eine Mcnschhcitsmission ist. Denn die Aufgabe des Zionismus ist die Uebcrbrückung des Gegensatzes von Orient und Okzident. Der Redner verbreitete sich über diesen Oedanken und zeigte, wie diese Vermittlung in politischer, wirtschaftlicher und besonders kultureller Beziehung vor sich gehen müßte. — Der Redner, dem das Publikum mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte, erntete eine besondere Ovation. J tißm cilmwg u n 0 Urteil fies Sehkdsfjerleliis zwischen K. J. V. and Ulan -Weift t. Es wird festgcstellt, daß in den Beschlüssen und Handlungen weder des Blau-Weiß noch des K.). V. ein Verschulden der Art erblickt werden kann, daß daraus jjegen die eine oder andere Partei der Vorwurf unmoralischen Verhaltens oder der Schädigung zionistischer Interessen abgeleitet werden kann. 2. Es wird fcsfgesfelff, daß die Fusion der Verbände ungenügend vorbereitet war, und daß diese ungenügende Vor- Bereitung erheblich dazu be,getragen hat, datl der Beschluß der Fusion nicht aiifrcehtcihalten blieb, sondern nach kurzer Zeit die Auflösung der Fusion erfolgte. Insbesondere wird festgestellt, daß eine Anzahl von Fragen, die für das Gelingen der rusion wichtig waren, in den Vorverhandlungen nicht geniigcnd geklärt worden ist, und daß im lebten Stadium der Verhandlungen auf dem Karlclllag ein Mißverständnis von schwerwiegenden Folgen unterlief. Das Mißverständnis bestand darin, daß der verhandelnde Vertreter des Blau-Weiß sich fiir berechtigt hielt, dem vom K. J. V. vorgcr.chlagenen Statut namens des Blm-Weiß die Zustimmung zu erteilen, während der Blau-Weiß, wie sich nachträglich herausstclltc, mit dem Statut nicht einverstanden war. Es wird icstgesteflt, daß dieses Mißverständnis auf keiner Seite durch illoyales oder unaufrichtiges Verb,alten verschuldet war. Der Vertreter des Blau-Weiß glaubte zur Zustimmung rum Statut berechtigt zu sein, weil dasselbe als provisorisch bezeichnet war. Die Vertreter des K.J.V. durften ihrerseits «!nehmen, daß die Zustimmung des Blau-Weiß-Vertretcrs eine endgültige sei, und führten darauf die Abstimmung im Plenum des Kartelltngcs durch. Die Leitung des Blau-Weiß, die mit dem Statut ihrerscits nicht einverstanden war, willigte in diesem Stadium in die Fusion ein, weil die Abstimmung im Plemun des Kartelltage« schon erfolgt war und eine Rückgängigmachung in diesem Stadium die schwerste! Folgen befürchten heb. 3. Es wird fcsigcstcllt, daß ein Verschulden des Blau-Weiß Insofern vorliegt, als der Blau-Weiß nach erfolgter und von ihm akzeptierter Fusion in einem Memorandum und in miindliehen Verhandlungen im Präsidium des neugegründetcu Bundes Forderungen aufstellte, die mit den Prinzipien der beschlossenen iursion und dem angenommenen Statut unvcrcinbar waren. Es wird weiter fcstgestellt, daß das K. J. V. bercchtigt war, diese Forderungen zurückzuweisen, und daß die Aufrcchlcrhaltimg derselben ihm Anlaß geben konnte, die Fusion für aufgelöst zu erklären. Es wird gleichzeitig ab wahr unterstellt, daß gemäß den Aussagen der Blau-Wcilf- Vertreter beim Blau-Weiß nicht die Absicht bestand, die Fusion für alle Zeiten zum Scheitern zu bringen, sondern daß der Blau-Weiß seine Forderungen so stellte, um die Vcrhandlungsfrcihcit wiederzugewinnen und auf einer ncucA Basis zu einer Fusion zu gelangen. gez. Lichtheim, Bloch, Boroschek, Grünfclder, Majcrczyk. An die jOdische Jugend Deutschlands! Mit großer Verwunderung und Ucberrasclumg haben wir erfahren müssen, wie sehr die staatlichen ürcnzpfählc zur Zersplitterung der Judenlieit beitragen und wie gering der Wille ist, zu einer Ücberwuidung der territorialen judentümer zu gelangen. Das Streben, die laudsmarmschaftlicheti Tendenzen durch den Willen zur Einheit zu überwinden, darf nicht auf Palästina allein beschränkt bleibe!!, zumal viele andere, akutere Probleme dort in den Vordergrund treten. Es Ist unfaßbar, daß cs nicht möglich sein sollte, bereits in den» Gallith Wege zu einer engen Fühlungnahme und Verständigung zu finden. Auffallend Ist cs, daß selbst für die dculsch-spicchcmle judlsclic lugend die Landesgreuzen auch tatsächlich tiefe Scheide- Iinien bedeuten, seihst dann, wenn die Tendenzen diesseits Und jenseits der Grenze nahe verwandt sind. Diesem Ucbclstanäc zu steuern — und wir sind überzeugt, daß dies ein Uchclstand Ist —, wollen wir doch noch den Versuch machen. Wir wollen auch bei Euch den Willen zur gemeinsamen Arbeit wecken. Während alle bisher in deutscher Spraciie erscheinenden Zeitschriften der jüdischen Jugend internen Charakter tragen, soll unsere Zeitschrift, die in Prag vom Verein jüdischer Hochschiilcr ״Bar Kochba“ herausgegebenen ״J ü d i s c h c n Jugcndblätter“ der gesamten jüdischen Jugend dienen, der es ernst damit kt, neue Lebensformen zu suchen und die mitarheiten will an der Schaffung eines Iclxmdigcn Judentums in Palästina. Nicht am grünen Tische criumlcue Dogmen, sondern Forderungen, die Ausdruck der Lebenskraft jüdischer Jugend sind, werden von lins vertreten. Unabhängig von jeder Organisation, verantwortlich nur unserem Gewissen, sind wir das Organ jenes Teiles der jüdischen Jugend, für die Menschentum und Judenttsm keinen Gegensatz bedeutet, für die Tradition und ueberlieferung allein, mit dem Judentum nicht identisch ist. Aus Zuschriften aus Palästina, Litauen, Rumänien 11. v. a. sehen wir, wie liberal] uns wcscn?verwandte Jugend nach neuen Wegen sucht. Wir wissen nicht, warum cs uns bisher nicht gelungen ist, ein stärkeres Echo zu finden. Gelingt es uns, diesmal größere Jugendkreise Deutschlands für unsere Arbeit zu gewinnen, sind wir gern bereit, alles, was als Lokalkolorit der Zeitschrift licllcicht anhaften könnte, zu beseitigen. Wir sind auch nicht ehrgeizig genug, anderen Gruppen entscheidenden Einfluß nt wehren, sofern nur ihre Grundtendenz die gleiche kt. Im Wege zur Chaluziuth, neuer Erziehung und SonnUsmus sehen wir den Ausdruck eines ernsten Jugemhviliens tm jüdischen Volke. Versuchet, die ״Jüdischen JtigcndhhUcr‘' kennen zn lernen und urteilt selbst, ob unsere Zeitschrill auch die Euere sein kann! Wir hoffen es! Jüdische Jugen 11 blatte r. Für die Redaktion: Richard Karpefes. Adresse der Redaktion: Richard Karpeles, Prag-Vinokrada׳, Sbdkovskeho 4. Adresse der Administration: Jakob Meller, Praha Vif, Jcronyinova SOS. Adminisirntioiisstcllc für Deutschland: Ludwig Heinemann, Fulda, Peter i»cr;;cr Str. 23. Inhalt der Nr. 3: R. K.: Was wir wollen. — Richard Karpeles: Die zionistische Jugend frage. -- Kart Wilker: Anfang oder Ende? — Jakob!Melier: Die Boy-Scoutbcwcgung. -- Aus dem Boy-Scout. Fritz Fisch!: Jugend und Sport, -- Oskar Karpeles: Gedanken über eine Feria'sicdlung fies Blau- Weiß. — Fritz Fisrhl: Zur ״Niiris-Aktion“. — S. Schocken: Der wirtschaftliche Ghaluz. — M. Wagner: Immigration und Aufbau. — Bemerkungen, — Sprcchsanl. — Berichte. Inhalt der Nr. 9/10 (Nnris-Doppchiummer): Emil Verhaercu: Die Tat. — Die Jcsrcei-Fbcnc. — Oswald Löbl: Nuris. — Arthur Holitscher: Die große Kwu/ah. — M. Schamrot Gdud Ilaawodah. — Gabriel beit David: Chefzibah. —• Dror: Unsere erste Kwtizah (Das obere Bctaniali). ■— Möglichkeiten einer ketamischeu Industrie in Nuris., — Bemerkungen. ■ — Sprechsaal. — Berichte Inhalt der Nr. tl (eben erschienen): Jak«b MeÄr: Das jüdische Erzichungswesen. — Siegfried Bentfeld: Ueber die Lehrcraud'Mung, — Philipp Böhm; Die jüdische Waisenerziehung. -1- Br>fe an einen Lehrer, r* Arthur Holitscher;

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